Henrik Freischlader – 11.10.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Mit dem 2022 erschienenen Album „Recorded By Martin Meinschäfer II“ kehrte Henrik Freischlader wieder zurück zum rauheren rockigen Blues und spielte erst kürlich ein Livealbum „Studio Live Sessions“ als Quartett ein. Schon beim instrumentalen Intro wird deutlich, dass Freischlader und seine Band wieder beim schnörkellosen Blues angekommen sind. Dass Freischlader zur Spitze der Bluesmusiker in Deutschland gehört, beweist er eindrucksvoll beim etwa 120 minütigen Konzert im gut gefüllten Musiktheater Piano.

So ist es wenig überraschend, dass von Beginn an eine super Stimmung herrscht, die sichtbar von den Musikern aufgesogen wird. Dies macht sich auch bei den Ansagen zu den Stücken bemerkbar, wo Freischlader über die Entstehung von Songs redet, z. B., dass ein Beziehungsende die Grundlage für „Disappointed Woman“ war. Ansonsten lässt er seine Gitarren reden, flechtet starke Soli in die Stückes ein und lässt seinen Musikern in einigen jammenden Phasen auch genug Spielraum, ihre Klasse zu offerieren.

Neben Freischlader ist Keyboarder Moritz Furhop auf dem unteren Teil der Bühne platziert und zeigt bei einigen Soli seine Klasse. Stark, wie er sich bei mehreren Songs, mit Freischlader die Noten wechselweise zuspielt, ansonsten aber für einen vollen Sound mit seiner Hammond Orgel sorgt.

Im hinteren, erhöhten Teil der Bühne steht die Rhythmusfraktion mit Armin Alic am Bass und Hardy Fischötter an den Drums, die gewissermaßen die beiden anderen durch ihren vorgebenden Takt vorantreiben. Bei einem Solopart, den zunächst Alic und Fischötter gemeinsam beginnen, können Freischlader und Furhop neben der Bühne ein paar Minuten Pause machen, später gesellt sich auch Alic dazu, als Fischötter alleine den Saal zum Mitklatschen bringt.

Auch die neuen Tracks wie „Free“, das direkt nach dem Intro gespielt wird und „The Question“ kommen beim Publikum sehr gut an, wobei Freischlader aber auch einiges aus älteren Zeiten spielt, wie das bereits angeführte „Disappointed Woman“ oder die Zugabe „Bad Dreams“.

Knapp zwei Stunden vergehen so wie im Fluge und Freischlader hat seinen Fans das gegeben, was sie haben wollten; einen Klasse Blues-Abend, an dem auch Markuz Wallach seinen Anteil hatte, der in einem etwa 30 minütigen Support mit Akustikgitarre, Mundharmonika und Loopstation verdientermaßen weitaus mehr als einen höflichen Applaus einheimste.

Wer Henrik Freischlader in Dortmund nicht sehen konnte, kann ihn am 04.11. im Rahmen der Leverkusener Jazztage mit Beth Hart nochmals bewundern.

Line-up:
Henrik Freischlader– lead vocals, guitars
Moritz Furhop– hammond organ
Armin Alic – bass
Hardy Fischötter – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Musiktheater Piano

The Groove Krewe featuring Jonathon Boogie Long – Blues From The Bayou – EP-Review

 

Eine Portion swampig groovender Blues Rock gefällig? Dann ist der geneigte SoS-Leser bei der Groove Krewe an der richtigen Stelle. Hinter dieser Formation verbirgt sich das Songwriter-, Produzenten- und Musiker-Trio Rex Pearce, Nelson Blanchard und Dale Murray.  Zahlreiche ihrer Songs wurden schon im nationalen Fernsehen als auch im Radio gespielt, in den Mardi Gras-Clubs in New Orleans nannte man sie schlicht die ‚Krewes‘.

Mittlerweile ist daraus das The Groove Krewe-Projekt entstanden. Für ihre Studio-Werke hat man es nun zur Gewohnheit gemacht, für die kreierten Tracks einen passenden Fronter anzuheuern. In diesem Fall hat man sich für den uns,  von seinen beiden Werken „Same“ und „Parabels Of A Southern Man“ bestens bekannten Jonathon ‚Boogie‘ Long entschieden. um das aktuelle Werk „Blues From The Bayou“ einzuspielen.

Das passende sumpfige Cover Artwork hat Diane Millsap illustriert. in einer guten Viertelstunde bekommt fünf sehr schön divers gestaltete Blues Rock-Tracks geboten, die die Spielmentalität in dieser Region hervorragend wiedergeben. Treibende groovende Bläsersätze sind genau so Bestandteil wie unzählige quirlige E-Gitarrensoli, die vornehmlich von Jonathon erledigt werden. An den Drums ist u. a. der bekannte Nashville-Musiker Eddie Bayers mit zu Gange.

Auch Longs Stimme, die mich zum Teil an den einstigen Molly Hatchet-Sänger Jimmy Farrar erinnert, verleiht den Song teilweise den nötigen Drive. Bestes Beispiel ist hier das abschließende „Eclipsed By Love„, das auch wunderbar auf die damalige legendäre „Beatin‘ The Odds“-Scheibe gepasst hätte. Mein Favorit ist allerdings das atmosphärisch stampfende und groovende, ein wenig an Sachen von Peter Green erinnernde  „Lightnin‘ Don’t Struck Again„.

Keyboarder Nelson Blanchard hat seine starken Szenen beim sexy-hüftschwingenden „Dangerous Curves“ (auch mit klasse Background vocals) mit tollem Gurgel-Orgel-Solo und beim Retro-Schunkler „Empty Pocket Blues“ (HT-Hintergrund-Geklimper), Rex Pearce spielt ergänzende Gitarrenparts und hält mit anderen Kollegen Long den Rücken frei, während sich Dale Murray  mit nur einer Percussionbeteiligung beim finalen „Eclipsed By Love“ instrumentell eher im Hintergrund befindet.

Insgesamt ist The Groove Krewe ein klasse Projekt, dass natürlich immer von der Art der Musik und eben dem gewählten Fronter/in abhängen wird. Hier auf „Blues From The Bayou“ passt alles perfekt zusammen. Man darf gespannt sein, was von dem Trio noch zukünftig so alles ausgeheckt wird. Diese Teil ist auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. The Groove Krewe groovt!

Sound Business Services (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Ain’t No If About It
02. Lightnin‘ Don’t Struck Again
03. Dangerous Curves
04. Empty Pocket Blues
05. Eclipsed By Love

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Jonathon Boogie Long
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Vanja Sky – 06.10.2023 – Falkos Butze, Tönisvorst – Konzertbericht

Nachdem Vanja Sky im Sommer ihr drittes Album „Reborn“ veröffentlicht hat, kommt sie mit diesem im Gepäck erstmals in Falkos Butze ins niederrheinische Tönisvorst. Knapp 100 Besucher sorgen dafür, dass die Location optisch ansehnlich gefüllt ist, auch wenn noch einige mehr hineingepasst hätten.

Gegen 20:30 Uhr betritt Vanja mit ihrer Band die Bühne und bringt mit „Rock`n`Roll Train“ und „Bad Penny“ direkt Stimmung ins Publikum. Vor Die Ansage zu „Devil Woman“ nutzt sie dann, um die Besucher, die zuvor etwa zwei bis drei Meter Sicherheitsabstand zur Bühne gewahrt hatten, dazu zu animieren, ruhig näherzukommen, und fügte mit einem Lächeln hinzu, dass sie auch Keinem etwas tun werde.

In der Folge wird dann der Bereich mittig vor der Bühne ohne Sicherheitsabstand genutzt, was die ohnehin gute Stimmung noch einmal anhebt. Dazu gibt es noch eine Anekdote am Rande, wo sich ein Besucher, der scheinbar mit der Theke am Rand des Saals etwa zehn Meter von der Bühne entfernt, verwurzelt war, sich im Laufe des Konzertes beschwert, weil seine uneingeschränkte Sicht gestört ist, wenn sich jemand am Rand der Bühne neben der Box aufhält.

Vor der Bühne war auch noch genügend Platz. Ich warte auf den Moment, wo Konzertbesucher Handtücher vor die Bühne legen und so ihre Plätze zu reservieren. Um keinen Stress zu haben und auch die insgesamt gute Stimmung nicht zu beeinträchtigen, gibt es in einer nicht vollen Lokation ja genug andere Plätze das Konzert zu verfolgen und Hedonisten ihren Raum zu lassen.

Nach „Voodoo Mama“ kommt dann für mich der musikalische Höhepunkt eines ohnehin starken Auftritts. Sky greift zur akustischen Gitarre und es folgt das anfangs balladeske „Run Away“, wozu sie sagt, dass dies der Lieblingssong ihres Vaters auf dem neuen Album ist –  der Mann hat Musikgeschmack. Zur Mitte des Tracks tauscht sie dann die akustische mit der elektrischen Gitarre und es folgt ein instrumentaler Part, in dem sie sich twinguitarmäßig mit ihrem Gitarristen Guenther Haas duelliert und ein Flair von Wishbone Ash aufkommt.

Bei „Trouble Make“ wird es dan noch einmal härter und mit dem Bee Gees-Song „Somebody To Love“ verabschiedet sich die Band in die Pause. Dabei nutzt Vanja eine Phase, wo das Publikum den Gesangspart übernimmt, um sich unter die Fans zu mischen und dem einen oder anderen Besucher mit einer Blume zu überraschen.

Nach etwa 20 Minuten geht es dann weiter und es folgt eine etwa knappe Stunde mit einer Mischung aus Rock- und Blues-Songs. Ganz stark im Dreierpack „Hit Me With The Blues“ mit jammenden Part, „Crossroads Of Life“ und das von Roger Inniss geschriebene „Rusty Fingers“. Wie über das gesamt Konzert zeigt sich auch hier die Klasse ihrer Rhythmus-Sektion.

Artjom Feldtser am Bass legt fette Bassläufe hin und, steuert eine Backing Vocals bei und Drummer Hannes Hoffmann bringt den passenden Groove in die Stücke und zeigt, dass es eine Klasse von guten Drummern ist, sich auch zurückhalten zu können.

Mit „I´d Love To Change The World“, was bei der derzeitigen politischen Weltlage mit Sicherheit eine Alternative wäre, wird es noch einmal etwas bedächtiger, bevor Vanja mit einer krachenden Version eines ihrer Vorbilder, Rory Gallagher, „Shadow Play“ spielt, bei dem die Zuschauer auch den Background-Gesang mit anstimmen, dem als Zugabe noch eine rockige Version von „Louie, Louie“ folgt.

Schon kurz nachdem sich die Band vom begeisternd mitgehenden Publikum verabschiedet hat stehen Sky und die Band im Bereich des Merchandise-Standes für Smalltalk und Erinnerungsfotos parat und runden so einen harmonischen Rockabend in der Butze ab.

Line-up:
Vanja Sky – lead vocals, guitars
Guenther Haas – guitars, backing vocals
Artjom Feldtser– bass, backing vocals
Hannes Hoffmann – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Falkos Butze

Mother‘z Boyzz – Slutmachine / Pink Cadillac – CD-Reviews

Review: Jörg Schneider

Diese Tage flatterten mir über „m2 music“ die beiden Blues Rock-Alben „Pink Cadillac“ und „Slutmachine“ der Kölner Band „Mother‘z Boyzz“ auf den Schreibtisch. Bisher war mir das Quartett bestehend aus Wolfgang Schmidder (Gesang, Gitarre), Chris Verhalen (Schlagzeug), Friedel Holler (Bass), Lutz Meissner (Keyboards) leider verborgen geblieben. Dabei gibt es die Truppe bereits seit 2011, gegründet als reines Spaßprojekt.

2018 brachten die Vier dann ihr Debütalbum „Bad Boy Blues“ heraus und in 2020 folgte „Pink Cadillac“. Und nun kommt am 29. September die neueste Scheibe mit dem Titel „Slutmachine“ (der durchaus als nicht ganz jugendfrei missverstanden werden kann) in die Läden. Das Vorgängerteil „Pink Cadillac“ ist wohl in den Corona-Wirren etwas untergegangen, weshalb es jetzt auch noch von „m2 music“ promoted wird. Für mich Anlass genug, beide Scheiben in diesem Review vorzustellen.

Mit „Slutmachine“ kommen die Anhänger des knallharten Bluesrock mit 70‘er Jahre Anleihen voll auf ihre Kosten. Gleich der Opener „Devil‘s Road“ geht so richtig in bester ZZ Top-Manier ab, gefolgt von so straighten Bluesrockern wie „I Don‘t Dance“ und „I‘m Waitin‘“. Die Songs „Love Is The Road That Leads To Pain“ und „Blues For Dad“, zwei klagende Slowbluesnummern, könnten auch direkt von einem Gary Moore Album stammen. „Emanzipation Blues“ hingegen ist ganz und gar nicht schwermütig, sondern kommt mit seinen Slideeinlagen und dem untermalenden Piano genau wie „Straight Outta Hell“ als flotter Boogie daher.

Den Abschluss der hörenswerten CD bildet der etwas experimentelle und zum Teil psychedelisch anmutende und über 9 Minuten lange Titel „O Captain! My Captain!“, in dem sich rollende und wabernde Keyboardeinlagen mit quietschenden Gitarrensoli abwechseln, ganz im Stil elegischer Rockmusik der 70‘er Jahre. Ein- und ausgeleitet wird der Song dann noch durch kurze Vor- und Nachspiele, die in ihrer Art ganz entfernt Erinnerungen an Hendrix‘s „Star Spangled Banner“ wecken.

Das aktuelle Album knüpft dem Grunde nach stilistisch an das neun Songs umfassende Werk „Pink Cadillac“ aus 2018 an, auf dem die Band allerdings noch als Trio agierte (ohne Lutz Meißner an den Tasten, aber mit Jupp Hessel am Bass), aber auch wesentlich boogielastiger war („Pink Cadillac“, „Ice Cube Pissin‘, „Dustsuckers Blues“, „Big Bad Mama“ und „Shake Snake Boogie“ gehören dazu). Hinzukommen noch die wunderbaren Stimmen der Background Sängerinnen „Be Gee Bees“ in „Ice Cube Pissin‘“, „Out Of Sight“ und „Lil‘ Wolf“.

Insgesamt gefällt mir persönlich „Pink Cadillac“ etwas besser als die neue Scheibe. Neben dem Cover, was sicherlich nicht ausschlaggebend ist, sind auch die Songs ein wenig origineller arrangiert. Der Titelsong „Pink Cadillac“ hat z. B. ein nettes Intro mit Wüstengezirpe und einem durstig blubbernden Motorengeräusch und auch „Dustsuckers Blues“ beginnt eigenwillig und witzig.

Insgesamt bieten beide Alben brettharten Blues Rock mit straighten Gitarrenriffs, wilden Pianountermalungen, wabernden Keyboardsequenzen und flotten Boogie-Rhythmen. Das Ganze ergibt, gepaart mit der rauen, whiskeygetränkten und sehr authentischen Stimme des Fronters Wolfgang Schmidder, kräftige Tunes, die sich sofort in die Gehörgänge fräsen. Wohltuend, dass es in Kölle nicht nur kölsche Mundart-Bands à la „BAP“ und „Brings“ gibt, sondern auch handfeste Blues Rock-Mucke von dort kommt. Beide Scheiben sind erst Sahne und allen Freunden der härten Gangart wärmstens zu empfehlen.

m2 music 2020 / 2023
Stil: Blues Rock

Tracks auf „Slutmachine“:
01. Devil‘s Road
02. I Don‘t Dance
03. I‘m Waitin‘
04. Emancipation Blues
05. The Devil Is A Woman
06. Love Is The Road That Leads To Pain
07. Bad Boy Blues
08. Slutmachine
09. Straight Outta Hell
10. Inside Out (crazy little things)
11. Blues For Dad
The Captain:
12. The Captain‘s Death Overture
13. O Captain! My Captain!
14. The Captain‘s Death Overture Reprise

Tracks auf „Pink Cadillac“:
01. Pink Cadillac
02. Ice Cube Pissin‘
03. Non Talkin‘ Woman Blues
04. Dustsuckers Blues
05. My Ugly Neighborhood
06. Out Of Sight
07. Big Bad Mama
08. Lil‘ Wolf
09. Shake Snake Boogie

Mother‘z Boyzz
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m2-music

Ben Granfelt – 22.09.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zu seinem 60. Geburtstag im Sommer brachte Ben Granfelt sein aktuelles Album „Gratitude“ auf den Markt und im Rahmen der Tour spielt er erstmals im Dortmunder Musiktheater Piano. Leider ist der Saal mit knapp unter 100 Besuchern nur überschaubar gefüllt, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat.

Das neue Album „Gratitude“ steht mit der Songauswahl auch im Mittelpunkt und mit „Techno Blues“, JB Reggae“, „I Got The Blues From You“, „Life Goes On“ und „Remember, Never Forget“ präsentiert er direkt zu Beginn nur neue Songs, die zeigen, dass Granfelt ein exzellenter Gitarrist ist.

Die Stücke des Albums hat er allen seinen musikalischen Vorbildern wie Jeff Beck, Robin Trower und Gary Moore gewidmet und er beweist eindrucksvoll, dass er ihnen stilistisch das Wasser reichen kann. Nicht nur die musikalische Qualität Granfelts begeistert die Zuschauer, auch die sympatische, positive und humorvolle Art des Finnen kommt gut an, der manches zur Entstehung einiger Songs erzählt. Nicht ohne Stolz berichtet er davon, dass er bei einer großen englischen Band, Wishbone Ash, spielen durfte, was für ihn wie ein Traum war. Was liegt da näher, als aus der Ära zwei Stücke zu spielen, die aus seiner Hand stammen.

Im melodiösen „Faith, Hope & Love“ ersetzt Keyboarder Miika Aukio die für Wishbone Ash prägende zweite Lead Gitarre mit seinen Keyboards und beim „Almighty Blues“ im zweiten Set lässt Granfelt seine Gitarre krachen. Mit „Wayward Child“ beendet er den ersten Teil des Konzertes nach etwa 50 Minuten, um nach einer kurzen Pause mit „Desire, The Sirens Call“ das Konzert mit einem Stück von „Gratitude“ fortzusetzen.

Nach „Hey Stranger“, dem rockigen „Check Up From The Neck Up“ und „My Soul To You“ mit einem tollen Gitarrenintro, das an die alten Dire Straits erinnerte, wird noch einmal tief durchgeatmet und Granfelt spielt mit „Breathe“ einen Pink Floyd-Klassiker, wo ihm zu Gute kommt, dass er diesmal einen Keyboarder dabei hat.

Der schon angesprochene „Almighty Blues“ läutet dann das Finale des Konzerts ein, dem das hymnische „Going Home“ als letzter Song des Sets folgt. Der tosende Applaus zum Ende des Stücks zeigt, dass die Fans noch keine Lust haben nach Hause zu gehen und der, wie er im Laufe des Konzertes sagte, der beste finnische Gitarrist im Piano kommt mit seiner Band noch einmal auf die Bühne um den Gig passend mit Jeff Becks „Cause We Ended As Lovers“ zu beenden.

Hier sei auch noch die Rhythmusfraktion mit Masa Maijanen am Bass und Jari Salminen an den Drums positiv hervorzuheben. Je nach Song passten sie ihre Spielweise an und hielten sich in ruhigen Passagen gefühlvoll zurück, um es dafür in den rockigen Stücken krachen zu lassen. An diesem Abend wird Granfelt, passend zum letzten Song, nicht nur Liebhaber seiner Musik dazugewonnen haben. Der Finne begab sich dann direkt zum Smalltalk an den Merchandisingstand und ließ auch in Sachen Fannähe  nichts anbrennen.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitar)
Masa Maijanen (bass)
Jari Salminen (drums)
Miika Aukio (keyboards)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment
On Stage Group

Julian Sas – 21.09.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Julian Sas promotet mit seiner Band das 2022 erschienene Album „Electracoustic“ im Musiktheater Piano. Im gut gefüllten Saal der Location betritt die Band publikumsfreundlich unter dem Applaus der Fans um 20:00 Uhr die Bühne und beginnt wie so oft das Konzert mit „Home Feeling“, was jedes Mal deutlich macht, dass die Bühne das Wohnzimmer der Band ist.

Der Song ist im ersten Album „Where Will It End“ aus dem Jahr 1996 und die Frage des Albumtitels kann nur zum Teil beantwortet werden. Heute endet es in einem energiegeladenen Konzert, der zum Powertrio reduzierten Band und ein Ende ist nicht abzusehen, da Sas regelmäßig neue Alben herausbringt.

So steht zunächst die aktuelle Scheibe „Electracoustic“ im Mittelpunkt, von dem die Band „Worlds On Fire“, „Leave It Up To You“ und „Fallin From The Edge“ spielt. Besonders emotional ist dabei das epische „Falling From The Edge“, was seinem guten Freund und ehemaligen Bassisten Fotis Anagnostou gewidmet ist, der leider viel zu früh verstorben ist.

Mit der derzeitigen Besetzung mit Lars-Eric van Elzakker an den Drums, der schon seit einigen Jahren in der Band spielt und Edwin van Huik am Bass, der seit dem letzten Jahr dabei ist, besinnt sich Sas auf die Wurzeln seiner musikalischen Vorbilder Jimi Hendrix oder Rory Gallagher, die ihre Art des Blues reduziert auf Gitarre, Bass und Schlagzeug gespielt haben.

Das Set Up setzt sich zu großen Teilen zusammen aus Songs um das Jahr 2000 herum, wo Sas meist Powertrio-mäßig unterwegs war und so das Element der Keyboards oder Hammond Orgel, das er in den letzten Jahren oft und gut integrierte, keine Rolle spielt.

So jagen die Musiker im etwa zweistündigen Konzert, ohne einmal vom Gaspedal zu gehen, angefeuert vom Publikum durch fast drei Jahrzehnte Julian Sas Band-Geschichte. Dabei zeigt Sas, dass er vom Blues Rock, Boogie, Klassik Rock bis hin zum Hard Rock, ein Meister seines Fachs ist, Über Stücke wie „Stand Your Ground“ „Blues For The Lost And Found“, „Workin Man`s Blues“ geht es wieder zum aktuellen Album mit „Waiting For Tomorrow“, wo sich gewissermaßen der Kreis zum ersten Song schließt und mit „Sugacup Boogie“ das Finale Furioso eingeläutet wird.

Aus einem jammenden Intro entwickelt sich nach der Boogie-Nummer der Hendrix-Klassiker „Hey Joe“, der zum Ende in „Makin`My Return endet und den Sas bei jedem Konzert in anderen Nuancen zelebriert. Beim hart-rockenden „Devil Got My Number“ wird das Gaspedal noch einmal ganz durchgedrückt und unter dem Applaus der Fans verabschiedet sich Sas mit seiner Band, um durch den frenetischen Applaus angespornt den Gallagher-Klassiker „Bullfrog Blues“ in einer ‚Extended Version‘ nachzulegen.

So geht ein dynamischer Musikabend im Musiktheater Piano zu Ende, in dem sich Julian Sas in Bestform präsentierte. Einen großen Anteil am gelingen des Gigs hatte natürlich auch seine Band, die mit ihm eine Einheit bildete, die Tontechnik aber auch der Lichtmischer, der den Saal des Piano passend zu den Songs illuminierte und die Musiker ins rechte Licht setzte. Zudem hatte natürlich auch das Team des Piano und die Fans mit ihrer Präsenz einen großen Anteil an dieser gelungenen Veranstaltung. Tot ziens Julian, bis zum nächsten Mal im Piano!

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric guitar)
Edwin Van Huik (bass)
Lars Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment
On Stage Group

Dom Martin – Buried In The Hail – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die westeuropäische Blues Rock-Szene bringt immer wieder neue, junge und talentierte Nachwuchshoffnungen hervor. Zu diesen besonders talentierten Personen zählt Dom Martin aus Nordirland. Der erst seit 2018 im Music Business aktive Gitarrist, Sänger und Songschreiber hat in den Jahren 2019 bis 2023 bereits eine Handvoll European bzw. UK Blues Awards gewonnen. Sein dritter Solo-Longplayer “Buried In The Hail” erscheint nun bei Forty Below Records.

Als Co-Produzenten der Scheibe fungieren die Grammy nominierten Dubliner Tonkünstler Chris O’Brien und Graham Murphy (u.v.a. Clannad, The Water Boys). Das Album listet 11 Songs, von denen drei vorab als Single erschienen sind, darunter auch der mächtige Track “Belfast Blues”. Getragen von Martins typischer nordirischer Blues-Voice und dem massiven Guitar-Sound schildert der Titel die Erlebnisse als Bühnenmusiker in den Pubs und Clubs der Heimatstadt.

Melodisch einfühlsam und komplett abweichend verarbeitet Martin die ganz persönlichen Erinnerungen an die Kindheit. Mit soulig-zärtlicher Stimmer covert er das Lieblingslied seiner Familie, Willie Nelsons Klassiker “Crazy”, und belegt damit auch sein weitreichendes Gespür für sehr emotionale Momente. Diese werden auf anderer Ebene, z.B. in der intensiven Fuzz-Nummer “Unhinged” (der 1. Single-Auskopplungl) bärenstark abgeliefert oder im traditionellen Blues-Rock “Howlin’” powerful intoniert. Atmosphärisch breit angelegt klingt hingegen der Album-Titelsong “Buried In The Hail”, der seinen Blues-Charakter von ganz unterschiedlichen Wurzeln zieht im Kontrast zum schweren Slow-Blues “Lefty 2 Guns”.

Martins Anspruch, sowohl “acoustic” als auch „electrifying“ Songs zu performen und sein großes Vorbild Rory Gallagher weiterhin nicht aus den Augen zu verlieren, ist für den noch jungen Nachwuchsgitarristen ein zukunftsweisendes Projekt. Wenn es eine Kunst ist, die verschiedenen Spielarten des Genres, im Bereich Blues, Roots, Rock zu vereinen, zu beherrschen und feinfühlig zu interpretieren, ist Dom Martin mit seinem neuen Album “Buried In The Hail” auf dem besten Weg, um in diese Fußstapfen zu treten.

Forty Below Records (2023)
Stil: Blues Rock, Roots Rock

Tracks:
01. Hello In There
02. Daylight I Will Find
03. Government
04. Belfast Blues
05. Crazy
06. Unhinged
07. The Fall
08. Howlin‘
09. Buried In The Hail
10. Lefty 2 Guns
11. Laid To Rest

Dom Martin
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Susan Tedeschi – Just Won’t Burn – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

25 Jahre nach der Originalausgabe veröffentlicht die US-Blues-Musikerin Susan Tedeschi ihr inzwischen mit Platin dekoriertes Solo-Album “Just Won’t Burn” als erweiterte Jubiläums-Edition. Die 1970 geborene Absolventin des renommierten Berklee College of Music in ihrer Heimatstadt Boston, Ma., hatte das Album zusammen mit Multi-Talent Tom Hambridge (Buddy Guy, George Thorogood, u.v.a.) aufgenommen. Es war das 2. Studiowerk der Sängerin, Songschreiberin und Gitarristin und wurde als Top-Blues-Longplayer für die Grammy Awards nominiert.

Der von Hambridge geschriebene Titel ”Rock Me Right” eröffnet die Scheibe. Ein rasanter Blues Rock-Song, der sowohl etwas an Chuck Berry erinnert, als auch durch Tedeschis Stimme einen unverkennbaren Janis Joplin Touch erhält. Diese Intensität ihrer Vocals verfehlt ebenfalls bei der Ballade “It Hurt So Bad” den Eindruck nicht, die 70er Blues Rock-Ikone hätte einen neuen Song aufgenommen. Beide Titel wurden nicht zuletzt wegen ihrer besonders starken Ausdruckskraft in diversen TV-Serien und Filmproduktionen musikalische Begleiter.

Herausragend sind Tedeschis eigene Songs, die von “Just Won’t Burn”, einer Memphis Soul Nummer, über “You Need To Be With Me” (Reggae Blues-Konglomerat) bis zum pianogetriebenen “Found Someone New” reichen. Nicht zu vergessen ist selbstverständlich ebenso das Slow Blues-Meisterstück “Looking For Answers”! Der Erfolg als Newcomerin in der Szene kam nicht überraschend: Bereits 2009 spielte Susan Tedeschi als Vorband für B. B. King. Schon ein Jahr später gründete sie zusammen mit ihrem Ehemann die Tedeschi Trucks Band, deren erster Longplayer “Revelatar” 2011 erschien und den Grammy für das beste Blues Album erhielt.

Grundstein für diese Entwicklung war “Just Won’t Burn”, mit einer Auswahl an Coverversionen, z. B. Junior Wells “Little By Little”, dem 1952er Ruth Brown R&B-Hit “Mama, He Treats Your Daughter Mean”, oder John Prines “Angel Of Montgomery”, die eine musikalische Bandbreite von den Roots des Blues über Gospel zum Rock ablieferten. Der letzte Original Song “Friar’s Point” setzt dem Delta Blues Boogie nochmals ein Denkmal und bringt die Re-Issue Edition zu den Bonus-Tracks. Hier werden neben Alternate- und Outtakes-Titeln (u.a. eine funkige Version von “Voodoo Woman”) und mit zwei Live Aufnahmen insgesamt fast 14 Minuten Beacon Theatre-Konzertmitschnitt aus 2022 der Tedeschi Trucks Band geboten.

Für jeden, der 1998 die Erstausgabe von “Just Won’t Burn” übersehen hat, ist Susan Tedeschis Solo-Werk als Jubiläums-Edition eine lohnende Entscheidung. Das Album hat seinen zeitlosen Klassiker-Status souverän gehalten und bestätigt wieder die alte Erkenntnis: Good Music Lasts!

Fantasy Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rock Me Right
02. You Need To Be With Me
03. Little By Little
04. It Hurt So Bad
05. Found Someone New
06. Looking For Answers
07. Can’t Leave You Alone
08. Just Won’t Burn
09. Mama, He Treats Your Daughter Mean
10. Angel From Montgomery
11. Friar’s Point
12. Looking For Answers (Alternate Take)
13. Voodoo Woman (Album Outtake)
14. Waste Of Time (Album Outtake)
15. Looking For Answers (Tedeschi Trucks Band – Live)
16. Just Won’t Burn (Tedeschi Trucks Band – Live)

Susan Tedeschi
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Oktober Promotion

Scott Weis Band – 15.09.2023, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

Was für ein herrlicher Abend gestern im Blue Notez in Dortmund. Erneut ließ mich mein Bauchgefühl nicht im Stich, dass es mit der Scott Weis Band einen lohnenswerten Gig geben würde. Aufgrund meiner beruflichen Situation bin ich ja seit geraumer Zeit gezwungen, bei Konzerten etwas kürzer zu treten. Deshalb ziehe ich es mittlerweile vor, Acts zu besuchen, die hier nicht in inflationären Ausmaßen auftreten oder, die ich halt bis dato eher wenig bis garnicht gesehen habe.

Die Scott Weis Band hatte mir ihr ‚Empfehlungsschreiben‘ mit ihrem starken aktuellen Album „Raise Your Hands“ zugesendet, das Vorgängerwerk „Simmer Me Down“ hatte der Kollege Schneider bei uns beleuchtet. Pünktlich um 20:00 Uhr rockte das Trio um den erkälteten Leader Scott Weis, samt seiner Rhythmusfraktion, bestehend aus dem schon fast klassisch geschult wirkenden Bassspieler Robert Kopec und dem kräftigen Drummer Roger Voss mit dem Opener „One Good Reason“ ordentlich los.

Beim Titelsong des oben erwähnten Albums „Simmer Me Down“ kam zum ersten Mal auch die Harp bei Weis zum Einsatz. Im ersten von insgesamt zwei Sets plus einer Zugabe, waren es allerdings neben den stark gespielten Stücken „Raise Your Hands“, dem psychedelischen „Mindless“ und „Bitch Please“ (alle von der neuen CD), vor allem die überragenden Coverversionen von Chris Stapletons „Tennessee Whiskey“ (danke dafür, dass ich diesen tollen Song das erste mal live in meinem Leben und dann noch mit solch tollen E-Gitarrenpassagen hören durfte) und „With A Little Help From My Friends“ mit virtuosem Bassintro, die besonders herausragten. Vor allem beim letztgenannten Klassiker, hätte man angesichts Scotts superrauen Stimme an diesem Abend mit verbundenen Augen fast auf eine Reinkarnation von Joe Cocker getippt.

Bei „Helpless“ gab es die Spitze in Richtung Ihres Radio-Promoters Rick Lusher (der sich dafür verantwortlich zeichnet, dass wir immer wieder, wie auch im Fall der Scott Weis Band, mit schönen Scheiben direkt aus Amerika bemustert werden), der behauptete, dass man diesen Song in Europa nicht bringen könnte, der dann allerdings Platz 7 der hiesigen Blues-Charts erreichte.

Set 2 enthielt mit „Judgement Day“, den beiden herrlichen Southern Soul-Ohrwürmern „Shine Down“ und „Stay“ (mit „Blue Sky“-Flair) und auch der Killerversion von „Have You Ever Loved A Woman“ (unglaublich hier das Solo mit der Harp in der rechten Hand am Mund und dem gleichzeitigen E-Gitarren-Solo in der linken Hand), auch wieder einen starken „Raise Your Hands“-Anteil.

Dachte man schon, dass jetzt nichts mehr gehen würde, legten die Drei mit dem satt rockenden „“Right Where It Belongs“ und dem Sam & Dave-Evergereen „Something Is Wrong With My Baby“ die nächsten Pfunde auf. Mit „Little Child“, wo Kopec und Voss auch ihre Individual-Qualitäten samt schöner Soli nochmals ausgiebig präsentieren konnten. wurde sich unter frenetischem Beifall verabschiedet.

Klar war natürlich, dass das beeindruckte Blue Notez-Publikum noch einen Zuschlag haben wollte. Weis & Co. ließen sich nicht lange bitten und legten mit „Angelina (Baby Won’t You Please Come Home)“ einen äußerst amüsanten Mitsing-Schunkler nach.

Scott ging dabei durchs klasse mitmachende Publikum, schnappte sich drei Ladies, die dann auf der Bühne eine wirklich gute Figur als Backgroundsängerinnen machten. Eine klasse Interaktion am Schluss, die der Band sicherlich nochmals Sympathiepunkte oben drauf erbrachte. Schade, dass Blue Notez-Hausfotograf Peter Schepers (danke für die tollen Bilder)! leider zu diesem Zeitpunkt wegen Magenproblemen schon den Heimweg hatte antreten musste.

Am Ende sah man eigentlich nur zufriedene Gesichter, der Gig hätte allerdings ohne Zweifel eine deutlich besser besuchte Hütte verdient gehabt. Für mich persönlich ist es tatsächlich das Konzert-Highlight des bisherigen Jahres! Die Scott Weis Band weiß nicht nur in Studio, sondern auch live auf der Bühne absolut zu überzeugen. Muss man in seinem Rockmusikleben gesehen haben!

Line-up:
Scott Weis (lead vocals, electric guitar, harp)
Robert Kopec (bass, bgv)
Roger Voss (drums, bgv)

Bilder: Peter Schepers
Text: Daniel Daus

Scott Weis Band
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Blue Notez Club Dortmund

Stone Water – Make Me Try – CD-Review + Gewinnspiel

Der renommierte Session- und Tourmusiker Robert Wendt hat bei ’seinem‘ neuen Bandprojekt Stone Water aus meiner Sicht alles richtig gemacht. Mit klarem Konzept, ohne persönliche Eitelkeiten (viele Bandleader tendieren ja oft dazu, was auch völlig legitim ist, dementsprechend im Vordergrund zu stehen) hat er ein Kollektiv um sich versammelt, das ohne Zweifel auch höheren internationalen Ansprüchen absolut gerecht werden kann.

Die Songs zum Debüt-Album „Make Me Try“ entstanden überwiegend in der Coronaphase und sprudelten laut eigener Aussage förmlich aus Robert heraus. Neben seiner Rhythmusfraktion mit seinen Kumpels Artjom Feldtser (bass, bgv) und Hanser Schüler (drums, percussion) gelang ihm mit der Hinzunahme des amerikanischen Sängers Bob Beerman (lead vocals, harp) der entscheidende Schachzug, eine Scheibe zu kreieren, bei der man nicht sofort meilenweit gegen den Wind erkennt, dass sie hier aus unseren Sphären stammt.

Wendt gelingt es überzeugend, englische Musik nach dezentem Vorbild der Stones mit gediegenem südstaatlichen Gitarrenflair zu überziehen (er erinnert in seinem Slidespiel oft an Duane Allman, klasse auch beim abschließenden „Melissa“-mäßigen „If You Get Lost“), Beermans rotzige Stimme, irgendwo zwischen Chris Robinson, Kid Rock und Bon Scott liegend, passt hervorragend hervorragend zum planvoll arrangierten Songmaterial. Auch seine punktuell quäkenden Harp-Einlagen laufen nie Gefahr, nervig zu werden. Gut gewählte weibliche Backing vocals von Miriam Thomas und Sylta Fee Wegmann, sowie die Keys-Variationen von Julian Bergerhoff und Hansi Kecker runden das von der Intensität her starke Gesamtwerk ergänzend ab.

Produziert wurde die CD von Hannes Haindl im Schalltona Studio in Hamburg, beim Abmischen assistierte Robert.  Gemastert hat dann Martin Meinschäfer in Arnsberg. 

Der stoneske Einfluss kommt gleich beim Opener „Stony Rock“ zum Tragen und wird gegen Ende mit dem starken „Sweet Charms“ und dem hervorragend gelungenen Stones-Cover „Sway“ nochmals deutlich untermauert.  Der Südstaaten Rock-Anteil, den ich aufgrund Roberts früheren Live-Gitarrenspiels stärker vermutet hätte, beläuft sich hier noch eher im Hintergrund, schimmert aber anhand von Dobro- und Slideeinlagen immer wieder durch.

Vieles geht hier mehr in Richtung rootsigem Rock, vor allem der Ohrwurm „Scarecow“ (mein Lieblingstrack) mit Mellencamp-Flair und das Little Feat-trächtige „Fee Too Well“ lassen das großartige Songwriting-Potential von Robert in seinem ganzen Glanz erscheinen. Auch der melancholisch-progressiv beginnende Titelsong „Make Me Try“ mit seinem psychedelischen Ende hinterlässt bleibenden Eindruck, ebenso wie der straighte Rocker „Second Floor“.

Wenn auch noch nicht auf diesem Album präsent, gibt es noch eine weitere bemerkenswerte Personalie zu vermelden. Mit Ben Forrester hat sich ein weiterer arrivierter Gitarrist dem Quartett angeschlossen, der auch auf der anstehenden Tour schon involviert sein wird. Von ihm erhoffe ich mir insgeheim natürlich eine noch deutlichere Schärfung des Südstaaten Rock-Profils! 

Dies zu überprüfen, sollte dann am 04. November leicht fallen, denn da wird das neue Quintett seine Live-Visitenkarte in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld erstmals abliefern. Es darf dabei gerne dieses  hervorragend gelungene Werk komplett durchgespielt werden.

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Wir verlosen wir ein Debüt-CD-Exemplar von Stone Water.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Für welchen anderen Act haben Wendt & Co. gewirkt, bevor sie Stone Water ins Leben gerufen haben?

a) Vanja Sky
b) Earth, Wind & Fire
c) KC & The Sunshine Band

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 18.09.2023 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, die/der dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Gewinnerin ist Gabi Busch aus Tostedt

TIMEZONE Records (2023)
Stil: Rock

Tracks:
01. Stony Rock
02. Change
03. Scarecrow
04. Make Me Try
05. Awful Blues
06. Fare Thee Well
07. Second Floor
08. Backdoor Man
09. Sweet Charms
10. Sway
11. If You Get Lost

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