Crystal Shawanda – Sing Pretty Blues – CD-Review

Selbst mich, der Crystal Shawanda ja bereits schon länger kennt, haut es nach den ersten gesungenen Zeilen des Openers „Preachin‘ Blues“ (Son House-Cover) förmlich aus den ‚Socken‘. Was für eine Röhre, die einem da entgegenschallt. Ich glaube, selbst der Mikrofonständer ist bei der Aufnahme im Studio, vermutlich vor Schreck, direkt nach hinten umgefallen.

Auf dem sich schon etwas länger auf dem Markt befindlichen neuen Album „Sing Pretty Blues“ der aus Northern Ontario stammenden Kanadierin, ist der Titel des Werkes Programm. Dabei begann die, wie sooft aus einem musikalischen Elternhaus kommende Protagonistin, Juno-Award-Gewinnerin, zunächst im Country, sogar unter Major-Flagge. Beim letzten Stück „Dirty“ (nur Gesang zu einer Dobro) lässt  sie ihr Talent auch für dieses Genre wieder kurz aufblitzen.

Ihre wahre Liebe galt aber immer dem Blues und der wird hier in vielfacher Hinsicht mit Bravour gehuldigt. Der entscheidende Mann hinter Shawanda ist ihr Ehemann Dewayne Strobel, der hier in Sachen Produktion und instrumenteller Umsetzung auch maßgeblich mitmischt.

Weitere involvierte Musiker sind u. a. Leute wie Nioishi Jackson, Jonathan Nixon, Peter Keys (Lynyrd Skynyrd), Stephan Hanner, Steve Marriner oder Chris West.

Insgesamt muss man sagen, dass hier das exzellente Zusammenspiel von den Hauptinstrumenten wie Harp, Piano/Orgel sowie E-Gitarre in Verbindung mit Shawandas unnachahmlichen Gesang, den Reiz dieses Albums ausmachen, besonders veranschaulicht in Tracks wie „I Gave Up Everything For You ‚Cept The Blues“ und dem packenden Southern Blues „Too Far To Turn Around“.

Soulig emotional geht es beim herrlichen „Waitin‘ For My Lover To Call“  (was für ein toller relaxter Groove!) zu, Tom Petty-Freunde können sich an einer fesselnden, dezent swampigen Fassung von „Honey Bee“ laben.

Ach ja, dann wären noch die drei toll instrumentierten Killerballaden zu erwähnen, die mit dem famosen Gesang Gänsehautgarantie beinhalten: „Would You Know Love“ mit gefühlvollen Bläsersätzen veredelt, „Don’t Let Me Be Lonely“ (eine Art „The Weight“ in Ruhig) und die exzellente Adaption des Ozzy Osborne-/Black Sabbath-Klassikers „Changes“ (hier mit dem Zusatz ‚For Snowflake‘ betitelt).

Juno-Award-Gewinnerin Crystal Shawanda  beweist mit diesem grandiosen Album, dass sie nicht nur schön ‚Blues singen‘ kann. Die Kanadierin würde (wie auch schon im Country nachgewiesen) mit ihrer phänomenalen Stimme vermutlich in  jedem Genre mit Bestnote performen. Für mich persönlich ist sie eine der besten Sängerinnen, die ich je im Rahmen meiner Review-Tätigkeiten gehört habe.

Fazit: Einfach ‚pretty damn good‘!

New Sun Records (2025)
Stil: Blues & More

01. Preachin‘ Blues
02. Stop Funkin‘ Around
03. Would You Know Love
04. I Gave Up Everything For You ‚Cept The Blues
05. Sing Pretty Blues
06. Don’t Let Me Be Lonely
07. If That’s All It Takes
08. Waitin‘ For My Lover To Call
09. Changes (For Snowflake)
10. Honey Bee
11. Too Far To Turn Around
12. Dirty (For JC)

Crystal Shawanda
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Various Artists – B.B. King’s Blues Summit 100 with Joe Bonamassa – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Tributes gibt es jede Menge. Dieser hier ist in mehrerer Hinsicht ein ganz besonderer. Er ehrt einen Künstler, der über 60 Jahre lang die Musikszene unabhängig von einem Genre entscheidend mitgeprägt hat: In jedem Blues- und vielen Rockmusikern steckt ein Stück B.B. King.

Initiiert von Joe Bonamassa, der auch als Produzent und musikalischer Mitstreiter dabei war, gaben sich über drei Dutzend Stars die Ehre. Als zwölfjähriger Knirps hatte Bonamassa („Er war mein Mentor“) 1989 als Vorband des Meisters auftreten dürfen.

Auch das ist nicht gerade gewöhnlich: Das opulente Werk mit 32 Songs wird anlässlich des 100. Geburtstags von Riley Benjamin King – der allerdings schon am 16. September war – am 6. Februar als Doppel-CD und Dreifach-LP erscheinen. Im Stream sind bereits jetzt zahlreiche Stücke erhältlich.

Der „King of the Blues“ wurde 1980 in die Blues Hall of Fame und 1987 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Sänger, sondern auch ein großartiger Gitarrist. Sowohl 2003 als auch 2025 wurde er vom „Rolling Stone“ hinter Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page, Keith Richards und Jeff Beck auf Platz sechs der 100 besten Gitarristen gewählt. Man kann sich leicht ausrechnen, welch andere „Gitarrengötter“ er hinter sich gelassen hat.

Der Albumtitel spielt auf Kings LP „Blues Summit“ aus dem Jahr 1993 an, für das er einen von 15 Grammys gewann. Sein größter Hit, „The Thrill Is Gone“, mit dem der „Blues Boy“ 1969 auf Platz 15 der Billboard-Charts kam, ist natürlich auch vertreten: Chaka Khan singt, Eric Clapton bedient die Gitarre. Wie weit das Wirken und die Erfolge von B.B. King zurückreichen, der 2015 im Alter von 89 Jahren gestorben ist, zeigt „Three O’Clock Blues“. 1951 war er fünf Wochen lang die Nummer eins in den R&B-Charts; hier interpretiert von Marc Broussard.

Es ist müßig, alle Interpreten aufzuzählen. Ein Blick auf die untenstehende Liste genügt: Auf „Blues Summit 100“ ist das Who is who der Blues- und Rockwelt versammelt. Ein würdiges Andenken an einen ganz Großen!

Tracks:
Disc 1:
01. Paying The Cost To Be The Boss feat. Christone “Kingfish” Ingram
02. Don’t Answer The Door feat. Marcus King
03. To Know You Is To Love You feat. Michael McDonald, Susan Tedeschi & Derek Trucks
04. Let The Good Times Roll feat. Kenny Wayne Shepherd & Noah Hunt
05. Sweet Little Angel feat. Buddy Guy
06. When It All Comes Down (I’ll Still Be Around) feat. Larry McCray
07. When Love Comes To Town feat. Slash, Shemekia Copeland & Myles Kennedy
08. The Thrill Is Gone feat. Chaka Khan & Eric Clapton
09. Watch Yourself feat. Jimmie Vaughan
10. Why I Sing The Blues feat. Bobby Rush
11. Sweet Sixteen feat. Jimmy Hall & Larry Carlton
12. Don’t You Want A Man Like Me feat. Larkin Poe
13. I’ll Survive feat. Keb’ Mo’
14. Heartbreaker feat. Trombone Shorty & Eric Gales
15. There Must Be A Better World Somewhere feat. George Benson
16. Chains And Things feat. Gary Clark Jr.

Disc 2:
01. How Blue Can You Get feat. Warren Haynes
02. You Upset Me Baby feat. Chris Cain
03. Ghetto Woman feat. Ivan Neville
04. Night Life feat. Paul Rodgers
05. Ain’t Nobody Home feat. Jade MacRae & Robben Ford
06. Bad Case Of Love feat. Joanne Shaw Taylor
07. Never Make A Move Too Soon feat. Dion
08. Three O’Clock Blues feat. Marc Broussard
09. Think It Over feat. Train & Chris Buck
10. It’s My Own Fault feat. Kim Wilson
11. Every Day I Have The Blues feat. D.K. Harrell
12. Please Accept My Love feat. John Nemeth
13. So Excited feat. Aloe Blacc
14. When My Heart Beats Like A Hammer feat. Dannielle De Andrea
15. Playin’ With My Friends feat. Christone „Kingfish“ Ingram
16. Better Not Look Down feat. Kirk Fletcher

Joe Bonamassa
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Mascot Label Group

Blues Caravan – 25.01.2026, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum 20. Jubiläum schickt Thomas Ruf eine besondere Mischung von aufstrebenden Musikern seines Labels auf die Reise. Das Intro des Abends gestalten zunächst alle gemeinsam. Spannend ist, wie ELISE FRANK, MATTHEW CURRY und LAURA CHAVEZ ihre unterschiedlichen Stile miteinander verschmelzen lassen. Als Begleitband hat Thomas Ruf mit Denis Palatin an den Drums und Tom Germann am Bass zwei bekannte Gesichter und mit Lea Worms an den Keyboards ein neues Gesicht dabei. Am Rande sei erwähnt, dass diese Drei gemeinsam mit Sean Athens, der an dem Abend als Gast unter den Fans weilt, die Begleitband für Mitch Ryder bilden, der demnächst auch wieder auf Tour ist.

Danach kann die junge Französin ELISE FRANK in einem etwa 30-minütigen Set Werbung in eigener Sache zu machen. Unterstützt von Denis Palatin an den Drums, Bassist Tom Germann vergeht das Set wie im Flug. Abwechslungsreich streifen die Songs vom Blues ausgehend auch Folk und Country, insbesondere wenn sie zur akustischen Gitarre greift. Mit ihrem jugendlichen Charme und ihrer kräftigen Stimme nimmt sie von Beginn an die Fans mit. Bei einem Song kommt dann noch Laura Chavez hinzu, die neben Rhythmusarbeit noch ein knackiges Solo einfließen lässt.

Ohne Unterbrechung geht es dann weiter mit MATTHEW CURRY. Harte Gitarren Riffs, knackige Soli und seine hohe kräftige Stimme sorgen für Stimmung in der Bude. Er flechtet in den rockigen Blues nicht wenige Elemente von Americana und Southern Rock ein. Stark ist seine Interpretation von Lynyrd Skynyrds „Whiskey Rock-a-Roller“, wo auch Lea Worms am Piano, die nun auch wieder auf der Bühne steht, jedem Southern Fan das Herz aufgehen lässt. Auch hier sind die etwa 30 Minuten viel zu schnell um und man hätte wie schon bei Elise Frank gerne mehr gehört.

Nach einer kurzen Pause entert dann LAURA CHAVEZ die Bühne. Sie passt von daher in das Konzept, dass sie gerade ihr erstes eigenes Album veröffentlicht hat. Als Begleitmusikerin hat sie sich aber schon lange einen Namen gemacht. Sie zählt zu den besten Bluesgitarristinnen, und hat 2023 den Blues Music Award als beste Instrumentalistin-Guitar gewonnen. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist ihr Set instrumental. Sie lässt ihre Gitarre sprechen und singen. Dabei entführt sie die Fans musikalisch vom Blues bis hin zu mexikanisch geprägten Rhythmen. Spannend ist, wie sie vom virtuosen ins rockige wechselt, dabei aber immer melodisch bleibt.

Gemeinsam beenden dann die Drei Musiker plus Begleitband den Abend und begeistern mit CCRs „Born On The Bayou“ mit Leadgesangs von Curry und „Under My Thumb“ gesungen von Frank die Fans. Knackige Soli von Chavez und Curry sorgen dabei für Szenenapplaus. Frenetische Zugabe Forderungen im gut gefüllten Musiktheater Piano sorgen dann noch einmal für weitere Zugaben. Mit einer fast mystischen Version von „Blue Jeans“ geht dann ein besonderer Abend zu Ende, an dem alle drei Musiker sich für weitere Konzerte empfohlen haben. Dass sie schon kurz nach dem Konzert am Merchstand standen und für Fotowünsche, Autogramme und Smalltalk zur Verfügung stehen rundet den harmonischen schönen Abend ab. Es mag das Gefühl des Moments gewesen sein, aber nicht wenige Besucher sind der Meinung, dass es einer der besten Blues Caravans gewesen ist.

Line-up:
Elise Frank (vocals, guitar)
Matthew Curry (vocals, guitar)
Laura Chavez (guitar)
Tom Germann (bass)
Denis Palatin (drums)
Lea Worms (keyboards)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Matthew Curry
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Elise Frank
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Teresa James & The Rhythm Tramps – Bad At Being Good – CD-Review

Etta James – ja kennt man, mir Blues-Flegel ist sie zumindest vom Namen her geläufig. Bei Teresa James muss ich allerdings bis dato passen. Dabei hat die gebürtige Texanerin bereits ein gutes Dutzend Alben hinter sich und stellt mit „Bad At Being Good“ in Zusammenarbeit mit ihrer Band The Rhythm Tramps ihren nunmehr 14. Longplayer vor.

Wie sooft in den Staaten ist ihr das musikalische Talent durch Vater und Großvater in die Wiege gelegt worden, bereits mit fünf Jahren wurde der Grundstein für ihr fundiertes Pianospiel gelegt.

Seit den 80ern, wo sie sich dann im Umkreis von Los Angeles bewegte, ist sie musikalisch tätig und hat seither mit klingenden Namen wie u. a, Walter Trout, Spencer Davis, Tommy Castro, Stephen Bruton, Randy Newman, LeeRoy Parnell, Neil Diamond, Marcia Ball, Levon Helm, Lloyd Jones, Delbert McClinton, and Eric Burdon & the Animals  im Studio oder live auf der Bühne zusammengearbeitet.

Auch die involvierten Musiker ihrer Rhythm Tramps (u- a.  Dean Parks, Kevin McKendree, Paulie Cerra, Jay Bellerose), können eine edle Liste in Sachen Kooperationen aufweisen:  Joe Bonamassa, Eric Burdon & the Animals, Bonnie Raitt, Delbert McClinton, Jimmy Reed, Lightin’ Hopkins, Jimmy Vaughan, Johnny Nash, Smokey Robinson, Tom Jones oder Tower Of Power, um nur einige zu nennen.

Heimlicher Macher neben der Protagonistin ist Lebenspartner Terry Wilson, der hier als Hauptsongwriter, Bassist, Gitarrist, Backgroundsänger und als Produzent mit zusammen mit John Porter (Buddy Guy, Taj Mahal, Keb‘ Mo‘) maßgeblich die Fäden zieht.

Das neue Werk erfindet die Welt der Bluesmusik nicht neu, kommt aber trotz der Verwurzelung in traditionellen Strukturen mit einer schönen Unbekümmertheit und Schwerelosigkeit herüber. Somit klingt hier nichts altbacken, sondern ganz im Gegenteil, James & Co. stehen für Abwechslungsreichtum und besonders für spürbare spielerische Frische. In Verbindung mit ihrer tollen Stimme sorgt dies für viel Kurzweiligkeit.

Als Keytracks auf einem durchgängig unterhaltsamen Werk ohne Füller habe ich die wunderbare Southern Soul-Ballade „Is Anything Alright“, das stoneske „All About The Benjamins“ (schöner Song über die Gier nach immer Mehr), das Southern Rock-trächtige „Angel On My Shoulder“ (hätte gut auf das damalige Debüt der Rossington Collins Band gepasst), der Titelsong, der von seiner Machart, wie eine Bewerbung für den nächsten James Band-Film daherkommt, und der fluffige abschließende, vom mehrfachen Grammy-Gewinner Gary Nicholson geschriebene Rhythm’n’Blues-Rausschmeißer mit dem passenden Titel „Close Down The Blues Bar“.

Am Ende bleibt nach dem Hören von „Bad At Being Good“ kein Zweifel: Teresa James und ihre Rhythm Tramps sind ‚Good in being good‘! Die CD hört man genau so gerne durch, wie man sich durch das ansprechend dekorierte Getränkesortiment auf dem schönen Coverbild trinken würde…

MoMojo Records (2026)
Stil: Blues, Blues Rock, Southern Soul

Tracks:
01. Love’s A Full Time Job
02. Is Anything Alright
03. I Got This Thing
04. All About The Benjamins
05. Trouble In Paradise
06. Angel On My Shoulder
07. Treat Her Like You Want Her To Tread You
08. Bad At Being Good
09. Say What You Will
10. We Came To Rock
11. Anytime Is Alright
12. Close Down The Blues Bar

Teresa James & The Rhythm Tramps
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GeminiiDragon – Moonlight Movin‘ & Groovin‘ – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Manchmal gibt das Debütalbum einer jungen Sängerin durchaus schon einen Hinweis auf das zukünftige Potential und der Verfasser fühlt sich nach Jahren beim aktuellen Longplayer in seiner Ansicht mit gutem Gefühl bestätigt. Dies trifft insbesondere auf das Album “Moonlight Movin‘ & Groovin’” von GeminiiDragon zu, die SOS immerhin seit ihrem Debut “Fighting Fire With Fire” (2022) regelmäßig begleiten durfte.

Vorweg: Für Fans von Albert Collins, Albert King, Robert Cray u. ä. ist der Hinweis im Inlay des aktuellen Longplayers jedenfalls allemal eine gute Empfehlung. Die US-Blues und Soulsängerin aus Louisiana hat ihre vierte Scheibe soundtechnisch weitestgehend eng an legendäre Stilrichtungen angelehnt, ohne die eigene Identität gänzlich aufzugeben.

Geholfen hat dabei – neben Produzent Christian Simion – vor allem der angesehene Blues-Gitarrist Linwood Taylor aus Washington, D.C. Taylor war langjähriges Bandmitglied bei Joe Louis Walker und hat den Aufnahmen einen entscheidenden Touch verliehen: so klingen manche Titel als wenn sie in der goldenen Ära des Blues in den Muscle Shoals Studios entstanden sind.

Im Co-Writing haben GeminiiDragon, Simeon und Taylor die soulig-swingende Tracklist vom ersten Song “Blues Is So Good” bis zur rockigen Abschlussnummer “All Night” sehr abwechslungsreich gestaltet. Ungezwungen fließende Arrangements (z. B. “Pressure” oder “Sideways Down”) wechseln sich ab mit langsameren, teils balladenartigen Stücken, wie “Rainy Wednesday” bzw. “Slow Slow Moan”, und präsentieren gleichzeitig Abilität und Ausdruckskraft von Vocals und Guitar. “Blues Party”, im Zydeco-orientierten Tanzrhythmus, sorgt auch im Player für ausgelassene Spielfreude, die hier – wie bei dem etwas zurückhaltenden “Juke Joint Jumpin’” von der jungen Harp-Spielerin Julia Dill profitiert.

Der “neue” Sound stärkt deutlich die Vielseitigkeit von GeminiiDragon und rechtfertigt die Bewertung als äußerst gelungene Eigenproduktion. “Moonlight Movin‘ & Groovin’” hält was der Titel verspricht – ist jedoch auch tagsüber ein idealer Begleiter für soul-bluesige Stimmungen – und die Bestätigung für kontinuierlich aufstrebende Beharrlichkeit einer immer noch jungen Stimme.

Nepotism Recordings (2025)
Stil: Blues, Soul

Tracks:
01. Blues Is So Good
02. Low Down Dirty (Duck)
03. Pressure
04. Mr. Slip & Slide Man
05. Midnite Call
06. Slow Slow Moan
07. Rainy Wednesday
08. Sideways Down
09. Blues Party
10. Juke Joint Jumpin‘
11. All Night (Bonafied Heart Breaker)

GeminiiDragon
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Nepotism/EasySin Music

Jamie McLean – 05.12.2025, Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Der 5. Dezember 2025 zeigt auf, wie verrückt und ungerecht die Welt zuweilen ist. Während ein Millionenpublikum am Fernseher die unsägliche und peinliche Inszenierung der WM-Auslosung verfolgt, steht ein toller amerikanischer Musiker in einer knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe auf der Bühne.

Die in Krefeld anwesenden Leute haben mit Sicherheit, was die Qualität des Abends betrifft, die richtige Entscheidung getroffen. Mit seinen Musikern entführt Jamie McLean die Musikfans in die Welt des Americana, Soul, Blues und Southern Rock.

Mit seinem prägnanten voluminösen Gesang und einem gekonnten Songwriting sorgt er für einen hohen Wiedererkennungswert der Songs, wo man sich zuweilen in die Sphären eines Tom Petty versetzt fühlt.

So kommt es trotz des etwas mauen Besuchs zu einer sehr guten Stimmung, wozu auch die für die Tour zusammengestellte Band sorgt. Manager Ben Forrester (Allen- Forrester Band) unterstützt Jamie als zweiter Leadgitarrist und bringt mit den Soli oft sein typisches Southern-Flair in die Rampe.

Aber auch Max Wagner am Bass und Paul Ettl legen nicht nur eine ausgewogene Rhythmusgrundlage hin, sondern holen sich bei einigen Soloparts den verdienten Szenenapplaus.

Line-up:
Jamie McLean (vocals, guitar)
Max Wagner (bass)
Paul Ettl (drums)
Ben Forrester (guitars)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Jamie McLean Band
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EBF Music
Kulturrampe Krefeld

Orphan Jon & The Abandoned – Reckless Abandon Vol II Live – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Orphan Jon gehört zur Gattung jener Musiker, die sich in heimatlichen Gefilden – aufgewachsen ist er in Bakersfield, Kalifornien, heute lebt er im Mittleren Westen – durchaus einer gewissen Popularität erfreuen. So wurde er 2018 für einen Blues Blast Award für sein Debüt-Album nominiert und 2019 für einen Independent Blues Award.

Jon English stammt aus einer zerrütteten Familie und kam mit acht Monaten zusammen mit seinen drei Brüdern in ein Waisenhaus. So erklärt sich auch der Bandname: Waisenjunge Jon und die Verlassenen. Es hört sich zwar wie aus einem Herz-Schmerz-Roman an, aber genau so war es: Jan fand seinen Weg in der Musik, genauer im Blues und Rock ’n‘ Roll.

Jetzt liegt also sein neues Live-Album vor, das an zwei Abenden entstanden ist. Seine Auftritte beginnt er immer mit einem Instrumentalstück, in diesem Fall mit „Sombrero Safari“, einem kräftigen Gitarrenblues. „Love Is Not A Lie“, der folgende dynamische Blues Rocker, beginnt mit einem Bass-Solo, ehe das Schlagzeug und die Gitarre dazwischenfunken und dann Jons Gesang den Ton angibt.

Orphan Jon schmückt sich auch immer mit illustren Gastmusikern. Der erste ist Kris Lager, der seit fast 20 Jahren mit seiner eigenen Band unterwegs ist und bereits mehrere CDs veröffentlicht hat. Er greift zum ersten Mal beim Blues „Somewhere Salvation“ mit seiner Slide-Gitarre ins Geschehen ein. Stark! Auch auf „Broken Angel“ und „Livin‘ My Life“ ist Kris Lager am Start.

Ein ähnlicher „Fall“ ist Nick Schnebelen, der Gründungsmitglied von Trampled Under Foot war und nun ebenfalls mit eigener Band tourt. Seine CD „Crazy All By Myself“ schaffte es 2019 auf Platz 13 der Billboard Blues Charts. Auch er ist bei drei Songs zu hören: „She“, „Bright Lights“ und „She’s Gone“, das er mit einem fast vier Minuten langen Gitarrenintro veredelt. Dieses „She’s Gone“, ein Blues Rock der Marke „Daumen hoch“, stammt im Original von Eric Clapton und ist zehneinhalb Minuten lang.

Apropos Gastmusiker: Der famose Alastair Greene war der heimliche (Gitarren-)Star beim Album „Over The Pain“ aus dem Jahr 2022. Diese CD startete mit „Tight Dress“, für das er wie bei weiteren Titeln als Co-Autor mit verantwortlich zeichnete. Der Song gehört auch zu den Höhepunkten der nun vorliegenden Live-CD, ein Rocker mit Boogie-Anklängen, der in die Beine geht.

Vintage LaNell Records (2025)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Sombrero Safari
02. Love Is Not A Lie
03. Somewhere Salvation
04. Broken Angel
05. Livin’My Life
06. King Bee
07. Tight Dress
08. Memories Of Me And You
09. She
10. Bright Lights
11. She’s Gone

Orphan Jon And The Abandoned
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Greg Nagy – Just A Little More Time – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

„Just A Little More Time“ ist bereits das fünfte Studioalbum von Greg Nagy, das wie gewohnt von seiner ausdrucksstarken Stimme und seinem Gitarrenspiel geprägt wird. Bei ihm verschmelzen die Grenzen zwischen Blues, Soul, R&B und Rock. Beeinflusst wurde der Mann aus Michigan – der in den USA schon lange kein Geheimtipp mehr ist – von zwei der drei „Kings Of The Blues“, B.B. und Albert (der dritte wäre Freddie), und dem Soulsänger Donny Hathaway.

Es gibt Songs, da genügt ein Ton, um zu wissen, in welche Richtung es geht. So fängt das Titelstück mit „souligen“ Bläsern an. In diesem entspannten Midtempo-Soul versucht Greg, seiner Angebeteten eindringlich klarzumachen, dass er der Richtige für sie ist. Hoffen wir mal, dass es geklappt hat…

Als nächstes folgt einer von fünf Covern. „It Hurts To Love Someone“ von Eddie „Guitar Slim“ Jones ist eine geschmeidige Mischung aus Soul und Blues, getragen von Gregs Gesang. „Breaking Me (But Making Me A Better Man)“ wird instrumental von den Keyboards dominiert – der Titel allein drückt schon aus, um was es geht.

Ein Song, mit dem man wohl kaum gerechnet hat, ist Alice Coopers „Only Women Bleed“. So müssen sich Cover anhören: Man kann das Original im Ohr haben, ohne immer darin erinnert zu werden. Soll heißen: Greg Nagy drückt dem Song seinen eigenen Stempel auf. Apropos: „Rainy Night in Georgia” (Tony Joe White, das in der Version von Brook Benton zum Hit wurde), Sugaree” (Grateful Dead) mit einem bluesigen Touch und „In The Mood For Love” (John Lee Hooker) sind weitere Cover.

Bei „In The Mood…“, live aufgenommen und fast zehn Minuten lang, sagt der Name des Komponisten schon alles: ein astreiner Blues, zuerst von den Orgelklängen getragen, die stark an Al Kooper erinnern, zum Beispiel bei der „Super Session“ mit Mike Bloomfield und Stephen Stills, ehe dann die ausgiebige Gitarre zum Höhepunkt des Songs steuert.

„Love Letter“, ein Instrumental, beim dem Bobby Murray, der 23 Jahre in der Band der großen Etta James spielte, die Gitarre beisteuert, schüttet eine Prise Funk aus, aber nur so viel, dass Musikliebhaber, die mit diesem Genre nichts anfangen können, nicht gleich das Grauen kriegen.

Auch wenn Greg Nagy schon lange im Geschäft ist, kennt ihn in Deutschland kaum einer. Wer musikalisch gern mal auf Entdeckungsreise geht, sollte dem Singer-Songwriter eine Chance geben.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Just A Little More Time
02. It Hurts To Love Someone
03. Breaking Me (But Making Me A Better Man)
04. Between The Darkness And The Light
05. Love Letter
06. My Buddy
07. Only Women Bleed
08. Big City
09. Rainy Night In Georgia
10. Sugaree
11. I’m In The Mood

Greg Nagy
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Mike Dangeroux – 15 Shades Of Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mike Dangeroux, geboren in Chicago, Illinois, aufgewachsen in der bunten Blues-Szene, ist in diesem Jahr schon zum zweiten Mal bei uns in SoS zu Gast. Seine EP “Empty Chair”, die im Frühjahr erfolgreich vorgestellt wurde, war ’nur‘ ein kleiner Vorgeschmack auf das damals noch nicht fertiggestellte, neue Album. Der Sänger, Gitarrist und Songwriter hat nun “15 Shades Of Blue” veröffentlicht.

Die 15 Tracks aus unterschiedlichen Stilrichtungen des Blues-Genres kommen insgesamt auf unterhaltsame 70 Minuten Spielzeit. Eigentlich muss Mike Dangeroux es nicht mehr betonen, dass diese Musik tief in seiner Seele lebt und doch beginnt die Scheibe nach dem Intro mit “Blues Deep In My Soul”, einem typisch Chicago Blues-soundigen Titel aus eigener Feder – wie sämtliche Songs des Longplayers. Unbedingt ebenso radiotauglich und Soul-deep folgt “Palm In My Hand”, einfühlsame Spielfreude entfaltet ihre Wirkung von Beginn an und begeistert mit Ausrufezeichen!

Die bluesige “Farbenpalette” führt souverän durch balladenartige Slow-Songs, die von “Ghosts Of The Past” über “Tides Of Your Love” bis zum zeitgenössischen “Where Are My Friends Tonight?” ihre natürliche Nonchalance vermitteln. und dies alles mit ausreichend Platz für Storytelling-Lyrics, angenehmen Guitar-Passagen, eingebettet in melodische Arrangements. Mit entspannter Virtuosität absolviert Mike Dangeroux gleichermaßen swingende, rhythmus-getriebene Tanznummern (so u.a. “Walking Out That Door”, “Day And Night Lover” oder mit etwas Stones-Appeal “She Can’t Stop Rocking“), temporeich und blues-infiltriert.

Ausgelassenheit setzt ihre Notenzeichen und Stimme und Instrument folgen einem talentierten, am Berklee College of Music ausgebildeten Ideenreichtum. Ob Delta oder Chicago Blues, Shuffle, Soul oder funkige Varianten, das Blues-Spektrum seiner Heimatstadt hat Mike Dangeroux – auch in moderner Ausgestaltung von “Midnight Sky” und “(Hope) You Feel The Same” – liebevoll interpretiert.

Der Longplayer “15 Shades Of Blue” von Mike Dangeroux ist eine Art von Konzeptalbum über Stilrichtungen des Chicago-Blues und der zeitlosen, emotionalen Ausdruckskraft dieser Musik, die über Generationen hinweg ihre authentischen Wurzeln immer wieder neu belebt. In diesem Kontext präsentiert Dangeroux seine Tracks in einer Form, die sowohl Kenner als auch neue Hörer anspricht.

RD Records (2025)
Stil: Blues

Tracks:
01. Intro Blues Deep In My Soul
02. Blues Deep In My Soul
03. Palm Of My Hand
04. Walking Out That Door
05. Ghosts Of The Past
06. Heart Of Stone
07. Never Be Lonely
08. Day And Night Lover
09. No More Bad News
10. Tides Of Your Love
11. She Can’t Stop Rocking
12. Where Are My Friends Tonight?
13. Midnight Skies
14. Doing To Me
15. (Hope) You Feel The Same

Mike Dangeroux
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Billy Branch – The Blues Is My Biography – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Billy Branch begann 1969 an der University of Illinois das Studium politischer Wissenschaften. Kein Wunder, dass ihn irgendwann der Blues überfiel – auch wenn er den Abschluss schaffte. 1975 gewann er einen Mundharmonika-Wettbewerb und fand sich plötzlich in der Band des großen Willie Dixon wieder, der Songs wie „Little Red Rooster“, „Spoonful“, “I Can’t Quit You Baby“ oder „Hoochie Coochie Man“ schrieb, die in erster Linie von anderen Interpreten wie Muddy Waters berühmt wurden.

1984 nahm William Earl Branch, mittlerweile 74 Jahr alt und hochdekoriert mit zahlreichen Auszeichnungen wie einem Emmy oder drei Grammy-Nominierungen, sein erstes Album auf. „Blues Is My Biography“ ist sein mittlerweile 15., eingespielt wie immer mit den Sons Of Blues. Daneben ist er auf über 300 Alben so renommierter Künstler wie eben jenes Willie Dixon, Johnny Winter, Koko Taylor, Keb‘ Mo, John Primer, Stephen Stills oder Billy Gibbons zu hören.

Auf „Hole In Your Soul“, das er zusammen mit Bobby Rush, einer weiteren Harmonika-Legende, aufgenommen hat, findet sich die schöne Zeile: „Wenn du den Blues nicht liebst, hast du ein Loch in der Seele.“ „Begging For Change“ mit Shemekia Copeland und Ronnie Baker Brooks an der Gitarre ist eine kraftvolle Hymne für soziale Gerechtigkeit mit einem leichten Soul-Einfluss. „Ballad Of The Million Men“ kommt gar in einem Reggae-Rhythmus daher – auch so kann der Blues klingen.

Zweifellos: Der Blues ist Billy Branchs Biografie. Er selbst nennt die CD sein wichtigstes Werk und – natürlich – auch sein bestes. Klappern gehört halt auch im Blues zum Handwerk.

Rosa’s Lounge Records (2025)
Stil: Blues

01. Hole In Your Soul
02. Call Your Bluff
03. Begging For Change
04. Dead End Street
05.The Blues Is My Biography
06.The Harmonica Man
07. Real Good Friends
08. How You Living?
09. Ballad of the Million Men
10. Toxid Love
11. Return of to Roaches 

Billy Branch
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