Jamie McLean – 05.12.2025, Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Der 5. Dezember 2025 zeigt auf, wie verrückt und ungerecht die Welt zuweilen ist. Während ein Millionenpublikum am Fernseher die unsägliche und peinliche Inszenierung der WM-Auslosung verfolgt, steht ein toller amerikanischer Musiker in einer knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe auf der Bühne.

Die in Krefeld anwesenden Leute haben mit Sicherheit, was die Qualität des Abends betrifft, die richtige Entscheidung getroffen. Mit seinen Musikern entführt Jamie McLean die Musikfans in die Welt des Americana, Soul, Blues und Southern Rock.

Mit seinem prägnanten voluminösen Gesang und einem gekonnten Songwriting sorgt er für einen hohen Wiedererkennungswert der Songs, wo man sich zuweilen in die Sphären eines Tom Petty versetzt fühlt.

So kommt es trotz des etwas mauen Besuchs zu einer sehr guten Stimmung, wozu auch die für die Tour zusammengestellte Band sorgt. Manager Ben Forrester (Allen- Forrester Band) unterstützt Jamie als zweiter Leadgitarrist und bringt mit den Soli oft sein typisches Southern-Flair in die Rampe.

Aber auch Max Wagner am Bass und Paul Ettl legen nicht nur eine ausgewogene Rhythmusgrundlage hin, sondern holen sich bei einigen Soloparts den verdienten Szenenapplaus.

Line-up:
Jamie McLean (vocals, guitar)
Max Wagner (bass)
Paul Ettl (drums)
Ben Forrester (guitars)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Jamie McLean Band
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EBF Music
Kulturrampe Krefeld

Mothers Finest – 30.11.2025, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Mothers Finest sind vor über 50 Jahren gegründet worden und bringen ein volles Haus im Musiktheater Piano. Von der Besetzung her sind insbesondere die Schlüsselpositionen noch mit den Originalmitgliedern besetzt, die dann auch offerieren, was in ihnen steckt.

Glen Murdock wirkt auf der Bühne zuweilen zwar gebrechlich und legt einige Pausen ein, wenn er aber zum Mikro greift, gibt er sich stimmlich bestens aufgelegt, wie auch Joyce „Baby Jean“ Kennedy, der man ihr Alter kaum anmerkt. Zudem werden die beiden on top von starken Backgroundsängerinnen unterstützt.

Das kauzig erscheinende Gründungsmitglied „Moses Mo“ und John Hayes erweisen sich mit hart gespielten Riffs für die rockenden Elemente verantwortlich. Die Rhythmusfraktion mit Jerry Seay am Bass und Dion Derek Murdock erzeugen zuweilen für einen brettharten Sound, mit dem sich auch Metalfans anfreunden könnten.

So sorgen Mothers Finest mit ihren eigenen Stil, der sich von Funk über Soul bis hin zum Hard Rock erstreckt, für kurzweilige knapp 100 Minuten im Piano, bei denen die Fans fast durchgehend im Takt der Musik mitgehen und der Tophit „Baby Love“ die Stimmung zum Überkochen bringt.

Line-up:
Joyce „Baby Jean“ Kennedy (lead vocals)
Glen „Doc“ Murdock (lead vocals)
Gary „Moses Mo“ Moore (guitars)
John „Red Devi“ Hayes (guitars)
Jerry „Wyzard“ Seay (bass)
Dion Derek Murdock (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Mothers Finest
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3dog entertainment
Musiktheater Piano

Rick Maddocks – Blue Horse Opera – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Wenn im Titel eines Longplayers der Begriff Opera auftaucht, dann erwartet man ein auch im Rock-Pop-Bereich ein opulentes Konzeptalbum. Mit 17 Tracks ist das Werk von Rick Maddocks durchaus lang und ein Konzept steht ebenfalls hinter ihm. Maddocks versteht „Blue Horse Opera“ als Soundtrack zu einem imaginären Westernfilm. Western werden ja gerne als Pferdeopern bezeichnet. Dabei lehnt sich der Kanadier weniger an dem Sound klassischer Genrebeiträge an, sondern an den der Italo-Western.

Für diesen steht natürlich Ennio Morricone als Referenz, der wenig mit Country am Hut hat. Die Bezüge zum Paten der Italo-Western-Musik treten an einigen Stellen deutlich zutage – etwa beim Opener „Imperial Suite“. Auch bei anderen Beiträgen sind Verbindungen offenkundig, wenn beispielsweise klassisch gesungene Soprane in die Kompositionen einfließen („South Of Circumstance“, „Las Arenas“). Andere Stücke wie „Miner“ folgen weder den Spuren von Morricone noch denen des Country.

Das Album sollte als Gesamtkunstwerk verstanden werden, bei dem experimentelle Ansätze („La Raya“, „Caballos Azules”) ihren Raum haben. Circa ein Drittel der Tracks sind instrumental. Maddocks versammelte eine große Anzahl an Musiker*innen, um sein Projekt umzusetzen. Überraschend ist, dass mit Dayna Szyndrowski eine Flamenco-Tänzerin in den Credits gelistet ist. Dies erklärt sich wohl damit, dass „Blue Horse Opera“ zuerst live auf der Bühne performt wurde.

Obwohl die Beteiligten aus Kanada stammen – Maddocks ist in seiner Jugend von Wales nach Ontario übergesiedelt – erinnert die Musik weniger an die Schneelandschaften, wie sie in Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ gezeigt werden, sondern tatsächlich an den Süden Nordamerikas. Mehrere Songs spiegeln mit staubigen Gitarren („Las Arenas“, „If A Coward Says He Loves You“) eher die Wüstensatmosphäre der Dollar-Trilogie von Sergio Leone wider. An die mexikanische Grenze versetzt das in Spanisch gesungene „El Molino“. Mit Trompete und Percussion lädt Maddocks bei „Don Esteban And His Bastard Daughter“ auf eine Fiesta ein. In Richtung Tejano ein geht ebenfalls „Black Sand Rumba“.

Die vertonte Pferdoper wartet mit komplex arrangierten Stücken auf, die sich durch ein Konglomerat verschiedener Musikrichtungen von Klassik bis Tejano auszeichnet. Wenn kein Italo-Western auf dem Bildschirm läuft, kann man sich von „Blue Horse Opera“ in einen hineinversetzen lassen. Wer nicht das Sitzfleisch für eine Oper hat, dem seien die Americana-Songs „Blue Horses“, „Stand Still, Pretender“ und „Guilty Party“ zum Reinhören anempfohlen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana, Tejano and more

Tracks:
01. Imperial Suite
02. Blur Horses
03. Silver
04. South Of Circumstance
05. Miner
06. Las Arenas
07. Stand Still, Pretender
08. El Molino
09. La Raya
10. Don Esteban And His Bastard Daughter
11. Silver Again
12. Guilty Party
13. Caballos Azules
14. Black Sand Rumba
15. The Hearing
16. World Upside Down
17. If A Coward Says He Loves You

Blue Horse Opera

Orphan Jon & The Abandoned – Reckless Abandon Vol II Live – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Orphan Jon gehört zur Gattung jener Musiker, die sich in heimatlichen Gefilden – aufgewachsen ist er in Bakersfield, Kalifornien, heute lebt er im Mittleren Westen – durchaus einer gewissen Popularität erfreuen. So wurde er 2018 für einen Blues Blast Award für sein Debüt-Album nominiert und 2019 für einen Independent Blues Award.

Jon English stammt aus einer zerrütteten Familie und kam mit acht Monaten zusammen mit seinen drei Brüdern in ein Waisenhaus. So erklärt sich auch der Bandname: Waisenjunge Jon und die Verlassenen. Es hört sich zwar wie aus einem Herz-Schmerz-Roman an, aber genau so war es: Jan fand seinen Weg in der Musik, genauer im Blues und Rock ’n‘ Roll.

Jetzt liegt also sein neues Live-Album vor, das an zwei Abenden entstanden ist. Seine Auftritte beginnt er immer mit einem Instrumentalstück, in diesem Fall mit „Sombrero Safari“, einem kräftigen Gitarrenblues. „Love Is Not A Lie“, der folgende dynamische Blues Rocker, beginnt mit einem Bass-Solo, ehe das Schlagzeug und die Gitarre dazwischenfunken und dann Jons Gesang den Ton angibt.

Orphan Jon schmückt sich auch immer mit illustren Gastmusikern. Der erste ist Kris Lager, der seit fast 20 Jahren mit seiner eigenen Band unterwegs ist und bereits mehrere CDs veröffentlicht hat. Er greift zum ersten Mal beim Blues „Somewhere Salvation“ mit seiner Slide-Gitarre ins Geschehen ein. Stark! Auch auf „Broken Angel“ und „Livin‘ My Life“ ist Kris Lager am Start.

Ein ähnlicher „Fall“ ist Nick Schnebelen, der Gründungsmitglied von Trampled Under Foot war und nun ebenfalls mit eigener Band tourt. Seine CD „Crazy All By Myself“ schaffte es 2019 auf Platz 13 der Billboard Blues Charts. Auch er ist bei drei Songs zu hören: „She“, „Bright Lights“ und „She’s Gone“, das er mit einem fast vier Minuten langen Gitarrenintro veredelt. Dieses „She’s Gone“, ein Blues Rock der Marke „Daumen hoch“, stammt im Original von Eric Clapton und ist zehneinhalb Minuten lang.

Apropos Gastmusiker: Der famose Alastair Greene war der heimliche (Gitarren-)Star beim Album „Over The Pain“ aus dem Jahr 2022. Diese CD startete mit „Tight Dress“, für das er wie bei weiteren Titeln als Co-Autor mit verantwortlich zeichnete. Der Song gehört auch zu den Höhepunkten der nun vorliegenden Live-CD, ein Rocker mit Boogie-Anklängen, der in die Beine geht.

Vintage LaNell Records (2025)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Sombrero Safari
02. Love Is Not A Lie
03. Somewhere Salvation
04. Broken Angel
05. Livin’My Life
06. King Bee
07. Tight Dress
08. Memories Of Me And You
09. She
10. Bright Lights
11. She’s Gone

Orphan Jon And The Abandoned
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Margo Price – Hard Headed Woman (Deluxe) – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Die Rückkehr zu ihren Country-Wurzeln beschert Margo Price zwei Grammy-Nominierungen für 2026. „Hard Headed Woman“ steht auf der Liste der neu eingeführten Kategorie Best-Traditional-Country-Album und ihr Song mit Tyler Childers („Love Me Like You Used To Do“) auf der der besten Country-Duette. Die positiven Kritiken beflügelten Price wohl dazu, eine erweiterte Ausgabe des Longplayers herauszugeben. Die Deluxe-Version erscheint ausschließlich digital und bietet zusätzlich vier neue Songs.

Sehr stimmungsvoll sind die beiden Kooperationen mit Billy Strings („Too Stoned To Cry“) und Logan Ledger („Too Many, Too Few“). Bei den Balladen ergänzen sich die helle Stimme von Price und die tieferen der Männer harmonisch. Während hier mit dem genretypischen Slide nicht gespart wird, setzt „Never Say Die“ auf eine klare Gitarrenarbeit. Mein Favorit unter den neuen Tracks ist „End Of The Road“, das folkig mit akustischer Gitarre und Keys einsteigt. Später kommt ein Schlagzeug dazu. Trotz der eher spartanischen Instrumentalisierung entwickelt der langsame Song durchaus Spannung.

Ich bevorzuge immer noch physikalische Veröffentlichungen – sei es nun Vinyl oder CD. Dass die Deluxe-Version von „Hard Headed Woman“ lediglich digital veröffentlicht wird, kommt letztlich den Fans entgegen. Manche Musiker schieben kurz nach der Erstveröffentlichung leicht erweiterte Ausgaben nach, sodass man als Fan tatsächlich vor dem Konflikt steht, ob man sich den Longplayer eigentlich doppelt kauft. Wenn unterschiedliche Versionen desselben Albums nicht zeitgleich auf den Markt gebracht werden, empfinde ich das oft als Geldmacherei. Im vorliegenden Fall, fällt die Entscheidung leicht, die neuen Titel zusätzlich zu erwerben. Das Ad-On zum Erfolgsalbum lohnt. Die ergänzten Stücke integrieren sich insgesamt nahtlos in das ursprüngliche Werk.

Von „Hard Headed Woman“ gibt es noch eine Bandcamp-Exklusive-Edition, die eine Liveperformance von „Don’t Let The Bastards Get You Down“ enthält. Deren Erlöse kommen der gemeinnützigen Bandcamp-Organisation zugute.

Loma Vista-Concord – Universal Music (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. Prelude (Hard Headed Woman)
02. Don’t Let The Bastards Get You Down
03. Red Eye Flight
04. Don’t Wake Me Up (feat. Jesse Welles)
05. Close To You
06. Nowhere Is Where
07. Losing Streak
08. I Just Don’t Give A Damn
09. Keep A Picture
10. Love Me Like You Used To Do (feat. Tyler Childers)
11. Wild At Heart
12. Kissing You Goodbye
13. Too Stoned To Cry (feat. Billy Strings)
14. Too Many, Too Few (feat. Logan Ledger)
15. Never Say Die
16. End Of The Road

Margo Price
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Oktober Promotion

Walter Trout – 26.11.2025, Kantine, Köln – Konzertbericht

Walter Trout zeigt in der anständig gefüllten Kantine einmal mehr, dass er zu den Top-Gitarristen im Genre Blues gehört. Zusammen mit seiner Band präsentiert er auch einige Songs des kürzlich erschienenen Albums „Sign Of The Times“, bei denen auch seine Qualität im Songwriting deutlich wird. Dabei lässt er seinen Mitmusikern insbesondere in jammenden Passagen genügend Spielraum zu zeigen, was in ihnen steckt.

Roland Bakker untermalt an der Hammond nicht nur die Songs, sondern glänzt auch in mehreren längeren Soli. Jon Avila offeriert neben einer starken Rhythmus-Arbeit in einem mehrminütigen Solo, was aus einem Bass alles rauszuholen ist. Der oft stoisch die Drums bearbeitende Michael Leisure wirbelt dann in seinem Solopart über die Drums, dass man den Sticks zuweilen kaum folgen kann.

Ergänzt wird die Band von Walters Sohn Jon, der bei einigen Gitarrensoli in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Dabei ist Walter anzusehen, mit welcher Freude er das Spielen seines Sprösslings verfolgt.

Nach knapp 100 Minuten wird nach frenetischen Zugabe-Forderungen mit „Going Down“ noch ein Klassiker nachgelegt, in dem die Band die Kantine zum Beben bringt. Dabei beginnt zunächst John Avila mit den Vocals, dem Jon Trout folgt, um an seinen Vater zu übergeben.

Die beiden Trouts legen in einem langen jammenden Part furiose Soli hin, die vom krachenden Rhythmus von Avila und Leisure hinterlegt werden. Das Ganze gewürzt von Bakkers Hammond, beendet einen eindrucksvollen Konzertabend, an dem Walter Trout den Bluesfans eventuell die Zukunft in Form seines Sohns Jon präsentiert hat.

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, guitar)
Roland Bakker (keyboards)
John Avila (bass, vocals)
Michael Leisure (drums)
Jon Trout (guitar, vocals)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Walter Trout
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3dog entertainment
Kantine Köln

38 Special – Milestone – CD-Review

Ende der Siebziger-, Anfang der der Achtziger Jahre, zugegebener Maßen, als die Musikwelt noch deutlich überschaubarer war, saß der Schock wegen des Flugzeug-Absturzes von Lynyrd Skynyrd in der Southern Rock-Anhänger-Gemeinde immer noch tief. 

Im Prinzip war da jede neue Scheibe, die herauskam, fast wie ein Feiertag. Neben den etablierten Bands wie den Allman Brothers, der Charlie Daniels Band, den Outlaws und der Marshall Tucker Band, schlug die Stunde von Acts der ‚zweiten Generation‘ wie Molly Hatchet, Doc Holliday, der Johnny Van Zant Band und natürlich auch von 38 Special, die zudem mit Donnie Van Zant einen klingenden Namen in ihren Reihen hatten.

38 Special brachten von 1977 bis 1982 fünf richtig starke Alben heraus, ab diesem Zeitpunkt wurde dann spätestens der Schwenk, der sich allerdings schon ab „Wild-Eyed Southern Boys“ schleichend andeutete, endgültig mit den Werken „Tour de Force“ und „Strength In Numbers“ zum Mainstream Rock/AOR vollzogen.

Man genügte damit durchaus erfolgreich den Anforderungen der damaligen Zeit, der überwiegende Teil der gediegenen Southern Rock-Fans dürfte weniger begeistert gewesen sein. Vermutlich bedingt durch die gesundheitlichen Probleme von Donnie Van Zant gab es diverseste Umbesetzungen, Don Barnes stieg aus, kam wieder, Van Zant und Jeff Carlisi verließen die Band, am Ende blieb Barnes bis heute der starke Mann im aktuellen Line-up, das zwar schon länger zusammen ist, aber mittlerweile mit ihm nur noch ein Original-Mitglied beinhaltet.

Mit ‚Milsestone“ bringt das jetzige Quintett, neben Don Barnes (lead and backing vocals, lead and rhythm guitar, harmonica, mandolin, piano) samt den weiteren Musikern Bobby Capps (keyboards, backing and lead vocals), Gary „Madman“ Moffatt (drums, percussion), Barry Dunaway (bass, backing vocals) und Jerry Riggs (lead guitar, backing vocals), die beiden Letztgenannten spielten auch schonmal für Pat Travers, 21 Jahre nach „Drivetrain„, ein neues Studioalbum heraus.

Und ich muss zugeben, ich habe den VÖ der Scheibe glatt verpasst und bin eher zufällig darauf gestoßen. Der Opener „So Much So Right“ weiß als schöner moderner polternder Rocker schon mal zu Gefallen. Ein bisschen „Wild-Eyed Southern Boys“-Flair kommt mit dem folgenden „Slightly Controversial“ auf, überraschend vielleicht die Wahl von Train-Sänger Pat Monahan als Duettpartner von Barnes.

Mit „All I Haven’t Said“ und „Long Long Train“ gibt es zwei durchaus Airplay-taugliche, melodische Ohrwürmer (Akustik-, E-Gitarren, Orgelzutaten), die „Rock And Roll Stragedy“-Zeiten aufleben lassen.

„The Main Thing“ (ziemlich funk-rockig), „Looking For My Life“ (erinnert dezent an Songs wie „Hold On Loosely“/“Hittin‘ And Runnin'“) und „Making Up For Lost Time“ (mit einem kurzen inkludierten „Caught Up In You“-Shuffle), alle sehr dynamisch und mit rockigen E-Soli verziert, stehen für den dynamischen und eingängigen 38 Special-Sound, der sich von „Tour de Force“ über „Strength In Numbers“ bis in die heutige Zeit vornehmlich unter der Barnes-Regie treu geblieben ist.

Die beiden Abschluss-Tracks „Windows of Memories“ und „The Look“ auf dem, von Don Barnes und Jim Peterik (Survivor, Pride Of Lions) produzierten Album, fallen sehr seicht und schmalzig aus und trüben dann ein wenig den insgesamt akzeptablen Eindruck der ersten sieben Lieder.

Ein Album nach gut 21 Jahren mit nur neun Stücken als ‚Meilenstein‘  zu bezeichnen (ich assoziiere da ein Synonym für was Besonderes/Außergewöhnliches), dessen Musik zwar im Groben und Ganzen ok ist, aber jetzt nun nicht wirklich gerade bahnbrechend zu Jubelarien animiert, erscheint mir am Ende doch etwas gewagt, beziehungsweise übertrieben. Ich persönlich würde das neue Werk von 38 Special eher als „Sign Of Life“, also als ein Lebenszeichen charakterisieren… 

Eigenproduktion (2025)
Stil: (Southern) Melodic Rock

Tracks:
01. So Much So Right
02. Slightly Controversial (Featuring Pat Monahan from Train)
03. All I Haven’t Said
04. The Main Thing
05. Long Long Train
06. Looking Sor My Life
07. Making Up For Lost Time
08. Windows Of Memories
09. The Look

38 Special
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Greg Nagy – Just A Little More Time – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

„Just A Little More Time“ ist bereits das fünfte Studioalbum von Greg Nagy, das wie gewohnt von seiner ausdrucksstarken Stimme und seinem Gitarrenspiel geprägt wird. Bei ihm verschmelzen die Grenzen zwischen Blues, Soul, R&B und Rock. Beeinflusst wurde der Mann aus Michigan – der in den USA schon lange kein Geheimtipp mehr ist – von zwei der drei „Kings Of The Blues“, B.B. und Albert (der dritte wäre Freddie), und dem Soulsänger Donny Hathaway.

Es gibt Songs, da genügt ein Ton, um zu wissen, in welche Richtung es geht. So fängt das Titelstück mit „souligen“ Bläsern an. In diesem entspannten Midtempo-Soul versucht Greg, seiner Angebeteten eindringlich klarzumachen, dass er der Richtige für sie ist. Hoffen wir mal, dass es geklappt hat…

Als nächstes folgt einer von fünf Covern. „It Hurts To Love Someone“ von Eddie „Guitar Slim“ Jones ist eine geschmeidige Mischung aus Soul und Blues, getragen von Gregs Gesang. „Breaking Me (But Making Me A Better Man)“ wird instrumental von den Keyboards dominiert – der Titel allein drückt schon aus, um was es geht.

Ein Song, mit dem man wohl kaum gerechnet hat, ist Alice Coopers „Only Women Bleed“. So müssen sich Cover anhören: Man kann das Original im Ohr haben, ohne immer darin erinnert zu werden. Soll heißen: Greg Nagy drückt dem Song seinen eigenen Stempel auf. Apropos: „Rainy Night in Georgia” (Tony Joe White, das in der Version von Brook Benton zum Hit wurde), Sugaree” (Grateful Dead) mit einem bluesigen Touch und „In The Mood For Love” (John Lee Hooker) sind weitere Cover.

Bei „In The Mood…“, live aufgenommen und fast zehn Minuten lang, sagt der Name des Komponisten schon alles: ein astreiner Blues, zuerst von den Orgelklängen getragen, die stark an Al Kooper erinnern, zum Beispiel bei der „Super Session“ mit Mike Bloomfield und Stephen Stills, ehe dann die ausgiebige Gitarre zum Höhepunkt des Songs steuert.

„Love Letter“, ein Instrumental, beim dem Bobby Murray, der 23 Jahre in der Band der großen Etta James spielte, die Gitarre beisteuert, schüttet eine Prise Funk aus, aber nur so viel, dass Musikliebhaber, die mit diesem Genre nichts anfangen können, nicht gleich das Grauen kriegen.

Auch wenn Greg Nagy schon lange im Geschäft ist, kennt ihn in Deutschland kaum einer. Wer musikalisch gern mal auf Entdeckungsreise geht, sollte dem Singer-Songwriter eine Chance geben.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Just A Little More Time
02. It Hurts To Love Someone
03. Breaking Me (But Making Me A Better Man)
04. Between The Darkness And The Light
05. Love Letter
06. My Buddy
07. Only Women Bleed
08. Big City
09. Rainy Night In Georgia
10. Sugaree
11. I’m In The Mood

Greg Nagy
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Mike Dangeroux – 15 Shades Of Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mike Dangeroux, geboren in Chicago, Illinois, aufgewachsen in der bunten Blues-Szene, ist in diesem Jahr schon zum zweiten Mal bei uns in SoS zu Gast. Seine EP “Empty Chair”, die im Frühjahr erfolgreich vorgestellt wurde, war ’nur‘ ein kleiner Vorgeschmack auf das damals noch nicht fertiggestellte, neue Album. Der Sänger, Gitarrist und Songwriter hat nun “15 Shades Of Blue” veröffentlicht.

Die 15 Tracks aus unterschiedlichen Stilrichtungen des Blues-Genres kommen insgesamt auf unterhaltsame 70 Minuten Spielzeit. Eigentlich muss Mike Dangeroux es nicht mehr betonen, dass diese Musik tief in seiner Seele lebt und doch beginnt die Scheibe nach dem Intro mit “Blues Deep In My Soul”, einem typisch Chicago Blues-soundigen Titel aus eigener Feder – wie sämtliche Songs des Longplayers. Unbedingt ebenso radiotauglich und Soul-deep folgt “Palm In My Hand”, einfühlsame Spielfreude entfaltet ihre Wirkung von Beginn an und begeistert mit Ausrufezeichen!

Die bluesige “Farbenpalette” führt souverän durch balladenartige Slow-Songs, die von “Ghosts Of The Past” über “Tides Of Your Love” bis zum zeitgenössischen “Where Are My Friends Tonight?” ihre natürliche Nonchalance vermitteln. und dies alles mit ausreichend Platz für Storytelling-Lyrics, angenehmen Guitar-Passagen, eingebettet in melodische Arrangements. Mit entspannter Virtuosität absolviert Mike Dangeroux gleichermaßen swingende, rhythmus-getriebene Tanznummern (so u.a. “Walking Out That Door”, “Day And Night Lover” oder mit etwas Stones-Appeal “She Can’t Stop Rocking“), temporeich und blues-infiltriert.

Ausgelassenheit setzt ihre Notenzeichen und Stimme und Instrument folgen einem talentierten, am Berklee College of Music ausgebildeten Ideenreichtum. Ob Delta oder Chicago Blues, Shuffle, Soul oder funkige Varianten, das Blues-Spektrum seiner Heimatstadt hat Mike Dangeroux – auch in moderner Ausgestaltung von “Midnight Sky” und “(Hope) You Feel The Same” – liebevoll interpretiert.

Der Longplayer “15 Shades Of Blue” von Mike Dangeroux ist eine Art von Konzeptalbum über Stilrichtungen des Chicago-Blues und der zeitlosen, emotionalen Ausdruckskraft dieser Musik, die über Generationen hinweg ihre authentischen Wurzeln immer wieder neu belebt. In diesem Kontext präsentiert Dangeroux seine Tracks in einer Form, die sowohl Kenner als auch neue Hörer anspricht.

RD Records (2025)
Stil: Blues

Tracks:
01. Intro Blues Deep In My Soul
02. Blues Deep In My Soul
03. Palm Of My Hand
04. Walking Out That Door
05. Ghosts Of The Past
06. Heart Of Stone
07. Never Be Lonely
08. Day And Night Lover
09. No More Bad News
10. Tides Of Your Love
11. She Can’t Stop Rocking
12. Where Are My Friends Tonight?
13. Midnight Skies
14. Doing To Me
15. (Hope) You Feel The Same

Mike Dangeroux
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Drake Milligan – Tumbleweed – CD-Review

Zweites Album des Neo-Traditional Country-Sonnyboys und Durchstarters Drake Milligan. Wir hatten ja vor geraumer Zeit mal die Gelegenheit, um uns vom Talent des Texaners im Kölner Gloria zu überzeugen, wo er auch auf der Bühne schon seine Entertainer-Qualitäten und seine stimmliche Reife bestens zur Schau stellte.

Jetzt im Studio liefert er mit „Tumbleweed“ wieder ein starkes Album ab, das mit satten 14 Songs daherkommt. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Stimme des 27-Jährigen der Star des Albums, die man angesichts seines noch sehr jungenhaften Aussehens (vielleicht ähnlich wie bei Scotty McCreery) zunächst überhaupt nicht erwarten würde.

Das von Trent Willmont klar und transparent produzierte Werk baut überwiegend auf traditionellem Fundament auf, da hört man von Elvis, über swingende Sachen der Marke Sinatra/Grant/Orbinson („Goodbye Ain’t All That Bad“, „Talk Texas“), Bakersfield-Klänge, bis hin zu George Strait viele, auch tanzbare (die Line-Dancer bekommen hier viel neuen Stoff) ins (texanische) Country-Gewand verpackte Einflüsse, die durch die herzerfrischende moderne Einspielung der involvierten Musiker allerdings nie altbacken klingen.

Sein Faible für Elvis-Musik kommt dann auch sofort beim Opener, einem knackigen Herz-Schmerz-Schunkler „Cryin’ Shoulder“ zum Ausdruck. Also mal kein ‚Crying In My Beer‘-, sondern ein ‚Crying On My Shoulder‘-Song! Der Tex-Mex-Heuler „Hearts Together“ wie auch ein paar andere Tracks dürften der Midland-Klientel zusagen. Die ‚modernste‘ Phase beginnt mit dem Heartland-trächtigen Titelsong „Tumbleweed„, den Drake auch in der Kelly Clarkson Show präsentieren konnte und geht über das Blake Shelton-verdächtige „Turn It Off“ und blitzt dann noch mal ganz am Schluss auf.

Herrlich gemacht ist das, sowohl textlich als auch musikalisch, antagonistisch konstruierte „Slow Dancing To A Fast Song“: Flotte Uptempo-Strophen und Solo (Steel-E-Gitarre-Fiddle-Kombi) und langsame Refrains, grandios performt von allen Beteiligten.

Auch der immer wieder augenzwinkernde Wortwitz in den Texten bei launigen Liedern wie „Old Flames, Old Whiskey“, dem Bakersfield-Heuler „Girl Like You“ (wieder herrlich gespielt) oder „Goodbye Ain’t All That Bad“, weiß immer wieder zu gefallen.

In gleicher Hinsicht geht es am Ende dann beim launigen country-rockigen Rausschmeißer „How Much Beer“ noch um eine hochphilosophische Frage: Wieviel Biere ist ein Mann nach einer harten Arbeitswoche im Anschluss zu trinken in der Lage? Zur Beantwortung hat sich der Protagonist den auch uns bekannten Musiker Randall King gesanglich mit in den Diskurs geholt.

Sowohl King als auch Milligan kommen am Ende, so wie ich es persönlich auch sehen würde, zum Ergebnis, dass nur der selbst durchgeführte, intensive Praxistest für fundierte Erkenntnisse in dieser Angelegenheit sorgen kann…

Ein Song, der sicherlich auch wieder für viel lautstarke Stimmung bei Drakes bevorstehenden Headliner-Terminen in Paris und Brüssel im März 2026 sowie seinen geplanten Auftritten auf der Hauptbühne des C2C: Country to Country Festivals in Rotterdam, Berlin, London, Glasgow und Belfast sorgen wird.

Stoney Creek Records (2025)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Cryin’ Shoulder
02. Hearts Together
03. Tumbleweed
04. Turn It Off
5. Like The Moon
06. Good As Gone
07. Slow Dancing To A Fast Song
08. Old Flames, Old Whiskey
09. Girl Like You
10. Hard Headed Cowboy
11. Lonely:30
12. Goodbye Ain’t All That Bad
13. Talk Texas
14. How Much Beer (feat. Randall King)

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