Whiskey Myers – Whomp Whack Thunder – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Ein erfolgreiches Branding im US-Südstaaten-Rock aufzubauen, ist für eine Band im inzwischen wieder konkurrenzstarken Genre mehr als eine musikalische Herausforderung. Ein Zeitrahmen von über zehn Jahren war erforderlich, um die Whiskey Myers aus Texas mit unverwechselbarer Identität in der Stilrichtung zu etablieren. Wobei, im Rückblick auf frühere Alben, damals noch weniger beachtete Longplayer, wie z. B. “Early Morning Shakes” (2014) oder “Mud” (2016), schon überragende Zeichen setzten.

Die aktuelle Scheibe “Whomp Whack Thunder” fordert daher in atmosphärisch mitreißender Gnadenlosigkeit auch zur Neubewertung älterer Songperlen auf, die zum großen Teil, Dank dem SOS-Schwerpunktthema, hier größere Beachtung fanden. Produzent Jay Joyce (u. v. a. Eric Church, Lainey Wilson) ist dafür bekannt, seine Aufnahmen mit angeblich spezifischer Individualität zu versehen und hat zusammen mit den Whiskey Myers das 7. Studioalbum (seit 2008) als ultimative Challenge konzipiert.

Die Lead-Single “Time Bomb” jongliert die Vocals zwischen gewaltigen Gitarren und treibenden Drums im ungewöhnlich harten Rock-Sound und eröffnet den Silberling auch für “Tailspin”, dem zweiten mehr als nur energiegeladenen, plötzlich endenden Kraftpaket. Standesgemäße E-Solos sind bei “I Got To Move” und der Country geprägten Ballade “Rowdy Days” überzeugende Texas Rock Rituale.

Frontman Cody Cannon, im Übrigen hochtalentierter Sänger, Storyteller und Songwriter hat 11 neue Stücke mit arrangiert und in den tieferen Geschichten den Geist südstaatlicher Erzählkunst wiederbelebt. Grandioses Musikkino ist insbesondere die Akustikballade “Born To Do”, bei der sich Dylan und Springsteen “treffen”. In diesen Kontext gehören großartige, ältere Titel, wie z. B. “Broken Windows Serenade” und “Stone”, die in ihrer gesamten Brillanz selbst berühmtere Meister des Genres begeistern müssen.

Wer “Whomp Whack Thunder” als donnernde, geniale Aufmischung althergebrachter Southern Rock Strukturen versteht, ist sicher nahe dran am alternativen Outlaw Image der Scheibe. Bisher noch nicht erwähnt sind dabei “Eminem”-artige Rap-Power Vocals vor riesiger Gitarrenwand in “Icarus”, sowie “ZZ Top”-Texas Boogie Blues Rock vom Feinsten bei “Break These Chains”. Zeitgemäße Black Crowes und Lynyrd Skynyrd Variationen bilden in “Rock N Roll” bzw. “Ramblin’ Jones” die gebührende Verneigung vor weiterer Urgesteinmentalität, vielleicht aber nur als Weckruf einer neuen Stilrichtung – und die heißt Whiskey Myers.

Moderner US-Südstaaten-Rock hat in den letzten Jahren wieder an Vielseitigkeit und spannenden Neuerscheinungen und damit an Bedeutung gewonnen. Zu den Hauptakteuren dieser genreübergreifenden Musikrichtung gehören Whiskey Myers nicht erst seit dem neuen Longplayer “Whomp Wack Thunder”. Das Album prägt jedoch den unkonventionellen Outlaw Southern Rock in originär meisterlicher Art und verbindet als Meilenstein Tradition und Zukunft eines wiedererwachten rowdy Rock ’n‘ Roll.

Wiggy Thump Records (2025)
Stil: Southern Rock, Country

Tracks:
01. Time Bomb
02. Tailspin
03. I Got To Move
04. Rowdy Days
05. Icarus
06. Midnight Woman
07. Break These Chains
08. Born To Do
09. Rock N Roll
10. Ramblin’ Jones
11. Monsters

Whiskey Myers
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V2 Promotion

Brent Cobb & The Fixin’s – Ain’t Rocked In A While – CD-Review

Brent Cobb ist aufgefallen, dass er schon etwas länger nicht mehr als der typische (Southern) Rockmusiker wahrgenommen wird. Mir, der sich noch an seine grandiosen Alben „No Place Left To Be“ und „Providence Canyon“ gut erinnern kann und den Protagonisten aus dem Staate Georgia schonmal in einem kleinen Club in Köln live ungezwungen beiwohnen durfte, ist das in den letzten Jahren, besonders auf seinen letzten Werken, ebenfalls nicht verborgen geblieben.

Brent dazu: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass es eine Kluft gibt, wenn die Leute zu unseren Shows kommen. Sie sehen mich vielleicht nur als Singer-Songwriter, der sich hinsetzt und ihnen eine nette kleine Geschichte aus dem Süden erzählt. Und dann singe ich ihnen ein Lied. Aber unsere Live-Shows rocken ziemlich. Manchmal sind die Leute davon überrascht. Ich möchte, dass die Leute ein Album haben, an dem sie sich orientieren können.“

Diese Selbstreflexion wird dann auch im Titel der neuen Scheibe und im Titeltrack an sich „Ain’t Rocked In A While“ deutlich proklamiert, wo der immer etwas introvertiert wirkende Musiker besonders im Schlussteil des wild rockenden Stücks auch vokal völlig aus sich herauszugehen scheint.

Und in der Tat überwiegt dann bei den meisten Songs im weiteren Verlauf, die mit seiner neuen Begleitband The Fixin’s, bestehend aus Ben Clark (Schlagzeug), Matt McDaniel (Gitarren) und Josh Williams (Bass), eingespielt wurden, der rockige Unterton.

„Ain’t Rocked In A While“ wurde von Cobb und Oran Thornton produziert und live im The Black Palace in Springfield, Missouri, aufgenommen.

„Beyond Measure“, das es gleich zweimal, einmal in einer Piano-Version am Anfang und einmal in der Band-Variante zum Ausklang, gibt, besteht eigentlich nur aus einem Refrain und umrahmt die anderen Songs als Intro und Outro.

Die zwei ruhigeren Lieder „In Our Hands“ und „Til Dawn“ erinnern in ihrer progressiven Art an die von Blackberry Smoke, ansonsten wird im klassischen Southern-Stil zünftig gerockt, Lynytd Skynyrds berühmtes „Gimme Back My Bullets“-Werk lässt grüßen. Da geht das Herz des geneigten Liebhabers dieser Zeit auf!

Am Ende bewahrheite sich auch bei Brent Cobb die alte Weisheit, dass Selbsterkenntnis immer der erste Schritt zur Besserung ist. Das Talent und Potential des Musikers war schon immer unverkennbar, seine Leistungen eigentlich bis dato konstant gut. Mit „“Ain’t Rocked In A While“ geht es, wie es sich schon auf dem Vorgänger „Southern Star“ andeutete, in jedem Fall weiter in der richtigen Spur!

Ob das nichtssagende Cover künstlerischen Wert hat oder nur einfach als scheußlich wahrgenommen wird, liegt wie immer im Auge des Betrachters.

Ol‘ Buddy Records (2025)
Stil: Southern Rock

01. Beyond Measure (Piano)
02. Ain’t Rocked In A While
03. Bad Feelin‘
04. Do It All The Time
05. Even If It’s Broke
06. In Our Hands
07. Powerman
08. Take Yer Meds
09. Til Dawn
10. Beyond Measure (Fixin’s)

Brent Cobb
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Oktober Promotion

Lynyrd Skynyrd – Support: Julian Sas, Simon McBride – 05.07.2025, KUNST!RASEN, Bonn – Konzertbericht

Lynyrd Skynyrd via open air, da kommen bei mir persönlich, der die Band schon zig mal live erlebt hat, zwei besondere Ereignisse aus der Vergangenheit in den Sinn, einmal das legendäre Rockpalast-Konzert auf der Lorelei und zum anderen das im Hamburger Stadtpark mit anschließender unvergessener zünftiger Feier zusammen mit der Band im dortigen Maritim-Hotel (wann steht man im Leben beim Pinkeln schonmal im Sanitärbereich so einer schicken Herberge zwischen Johnny Van Zant und Gary Rossington…?) Mitte der Neunziger Jahre.

Das war in der Besetzung als Rickey Medlocke und Hughie Thomasson neben Gary Rossington, die das grandiose 3er-Gitarren-Line-up bildeten und  Billy Powell als auch Leon Wilkeson sich auch noch des Lebens erfreuten.

Mittlerweile, viele Jahre später, sind vom einstig charismatischen Ensemble nur noch Johnny Van Zant und Rickey Medlocke verblieben, mit Gary Rossington verstarb vor geraumer Zeit das letzte echte Mitglied der Alben aus der Ronnie Van Zant-Ära, deren Songs mittlerweile ausschließlich präsentiert werden. Ungeachtet dessen geht es nach dem Motto ‚the legacy lives on‘  mit den ‚jüngeren‘ Mitgliedern Peter Keys, Mark Matejka, Damon Johnson, Robbie Harrington, Stacy Michellese und den schon sehr lange involvierten Michael Cartellone und Carol Chase  weiter.

Da man weiß, dass in dieser Band weiterhin Klasse-Musiker am Werk sind, sah ich dem Gig im wunderbar gelegenen KUNST!RASEN in Bonn recht unvoreingenommen entgegen. Das Schöne war, dass wir das Ganze sehr entspannt vom seitlich gelegenen VIP-Bereich aus genießen konnten, der umtriebige Kollege Mangold (sein 5. Gig innerhalb von 7 Tagen – O-Ton: „der Begriff ‚Schlaf‘ wird grenzenlos überbewertet“) musste zwischenzeitlich immer fotografieren gehen.

Supportet wurde die unverwüstliche Southern Rock-Combo zunächst vom niederländischen Blues Rocker Julian Sas, der im Trio in Hendrixscher Manier am Anfang etwas hektisch losrockte, aber dann nach den ersten Tracks zu gewohnter Stärke fand.

Besonders in der Endphase mit den Stücken „Stand Your Ground“, dem wüsten „Sugarcup Boogie“ und dem finalen „The Devil Got My Number“ hatte er das noch nicht ganz vollzählig anwesende Publikum auf seine Seite gezogen und erhielt am Ende den verdienten Applaus für einen engagierten Auftritt.

Line-up Julian Sas:
Julian Sas (lead vocals, electric guitar)
Edwin Van Huik (bass)
Lars Erik van Elzakker (drums)

Meinen persönlichen Mehrwert der Veranstaltung bildete, abgesehen von der tollen Location, der Middle-Act Simon McBride. Der Brite verdeutlichte dem anwesenden Publikum eindrucksvoll, warum die legendäre Rockband Deep Purple ihn als Ersatz für Steve Morse auserkoren hat.

Hatte das Wetter bis dato gehalten, verdunkelten sich bei seinem Auftritt kurzeitig für zwei Tracks die Wolken und ein Sprühregen prasselte hinab, was seiner glänzenden Performance allerdings keinen Abbruch tat.

Als Leader seines eigenen Trios offerierte er mit Nummern wie u. a. „Don’t Dare“, „The Stealer“, „High Stakes“, der schönen Cure-Ballade „Lovesong“, „King Of The Hill“, dem Bryan Adams-Cover „The Kids Wanna Rock“ und dem atmosphärischen „Show Me How To Love“, seine eigene Art mit britischer Prägung, zwischen Free und Gary Moore, zu rocken.

Dabei ließ er, unterstützt von einem starken Rhythmus-Duo, zahlreiche quirlige als auch filigrane und atemberaubende Soli auf der eigens für ihn gebauten PRS-Signature-E-Gitarre ab. Er und seine beiden Begleiter wurde dementsprechend von der KUNST!RASEN-Audienz gefeiert.

Aus meiner Sicht hatten wir da eine Art britische Variante von Joe Bonamassa bestaunen können. Ein Mann, den man sich auch abseits von Deep Purple merken sollte.

Line-up Simon McBride:
Simon McBride (lead vocals, electric guitar)
Dave Marks (bass, backing vocals)
Marty McCloskey (drums)

20:25 Uhr war es dann soweit. Die Mannen um Van Zant und Medlocke betraten unter dem Applaus der mittlerweile knapp 5.000 anwesenden Zuschauer die geräumige Bühne, um nach einem Einspieler zur frühen Bandentstehung auf den großen LED-Leinwänden  mit „Workin‘ For MCA“ loszulegen.

Das ‚Geschäftsmodell‘ Lynyrd Skynyrd versteht es weiter hervorragend, mit visuellen Emotionen im Hintergrund, seine Kundschaft auf US- als auch internationaler Ebene an sich zu binden. Wenn man ehrlich ist, bleiben sie die einzige Band, die immer noch Zuschauer bei uns in größerer Anzahl aktivieren kann, da kann keiner der Acts der damaligen großen Southern Rock-Ära mithalten.

Aber auch aktuelle Bands wie Blackberry Smoke, die Skynyrd in kreativer Hinsicht längst abgehängt haben, stehen, was die Gunst der Leute bei Konzerten angeht, immer noch hinten an.

In der üblichen Setlist gefiel mir das nicht so oft gehörte „Cry For The Bad Man“, das Gary Rossington auch bildlich gewidmete „Tuesday’s Gone“ (mit vielen Bildern des Gitarren-Idols auf den Leinwänden) samt schönem Harp-Pluster-Solo und natürlich „Simple Man“, in dem  immer wieder auch die Deutschland-Flagge zum Zeichen der Verbundenheit zwischen Amis und Deutschen eingeblendet. Hier versteht man es wieder mal blendend, sich die Sympathien seiner potentiellen Klientel weiterhin warm zu halten.

„Call Me The Breeze“ und Skynyrds größter Hit „Sweet Home Alabama“  waren dann die gewohnten Anheizer und Vorboten für das große Finale.

Neu war im gewohnt von einem furiosen E-Gitarrenfinale getragenen „Free Bird“, in dem nochmal alle Verstorbenen visuell gehuldigt wurden, dass die zweite Strophe mit einer Ronnie Van Zant-Einspielung performt wurde (bildlich als auch gesanglich, ähnlich wie man es früher schon einmal mit „Travellin‘ Man“ gemacht hatte), nachdem sich Johnny Van Zant zunächst für den Beginn verantwortlich gezeigt hatte.

Klar war, dass mit dem Paradestück der Band der Gipfel der Emotionen erreicht war und wie üblich der krönende Abschluss gekommen war.  Insgesamt war damit ein unterhaltsamer Abend mit transparentem Sound und stark wirkenden Bildern in einer tollen Location zu Ende gegangen, der die etwas längere Anreise für uns  in jedem Fall wert war.

Line-up Lynyrd Skynyrd:
Johnny Van Zant (lead vocals)
Rickey Medlocke (electric guitar)
Mark “Sparky” Matejka (electric and acoustic guitar)
Damon Johnson (electric guitar)
Peter Keys (kexboards)
Robbie Harrington (bass)
Michael Cartellone (drums)
Carol Chase (backing vocals)
Stacy Michellese (backing vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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ELHartz Promotion GmbH
KUNST!RASEN, Bonn

Robert Jon & The Wreck – 24.06.2025 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Robert Jon lässt es sich nicht nehmen, der Kulturrampe für ein Überraschungskonzert einen Besuch abzustatten. Der Termin für den Gig wurde erst zwei Tage zuvor bekannt gegeben, dennoch hat sich für einen Dienstagabend eine ansehnliche Zahl an Fans eingefunden.

Pünktlich um 20:30 Uhr betritt die Band die Bühne und legt bei tropischen Temperaturen los wie die Feuerwehr. Neben altbekannten Songs streuen sie auch einige neue, bisher noch nicht auf einem Album veröffentlichte Tracks ein, die durch knallharte Riffs von Henry James den Club zum Kochen bringen. Warren Murrel am Bass und Andrew Espantman sorgen für einen krachenden Rhythmus, sodass von Beginn an der so genannte Funke überspringt und auf die Bühne zurückgeschleudert wird, Die Band spielt sich danach fast förmlich in einen Rausch.

Jake Abernathie sorgt an den Keyboards nicht nur für einen vollen Sound, er glänzt auch durch einige zum Teil rasante Soloparts, die ihren Höhepunkt haben, als er sich in einem minutenlangen Jam bei „Cold Night“ mit Henry James duelliert, was bei den Fans für Szenenapplaus sorgt.

Robert Jon selbst genießt den Auftritt der Band sichtlich und schaut vom Bühnenrand oft zu, wie sich seine Mannen austoben, denen er viele Freiräume gibt, sich in den Vordergrund zu spielen. Dabei zeigt er eine beeindruckende Bühnenpräsenz und Interaktion mit den Fans. Stimmlich bestens aufgelegt steuert er dazu auch einige Gitarrensoli bei und sorgt vor „Cold Night“ für einen Gänsehaut Moment.

Er zählt einige Tourshirts der Fans auf, die von sechs verschiedenen Touren sind und berichtet von den Anfängen der Band in Europa, wo auch die Kulturrampe mit ihrer besonderen Atmosphäre eine wichtige Rolle spielt. Er beschreibt sie als einen Ort, an dem sie sich immer sehr willkommen gefühlt haben und dass es jetzt für sie etwas Besonderes ist, den Fans, die sie hier über Jahre begleitet haben, in dieser intimen Location etwas zurück zu geben.

Dass Clubs wie die Kulturrampe für Robert Jon & The Wreck mittlerweile viel zu klein sind, ist den Fans bewusst und so genießen diese diesen besonderen Moment, der sich hoffentlich noch oft wiederholt. Das sich die Band nach dem Konzert unter die Fans gesellt zeigt auf eindrucksvolle Weise die besondere Beziehung, die sich trotz der wachsenden Popularität nicht verändert hat.

Zu guter Letzt muss auch noch einmal die Arbeit des Tontechnikers und  Lichtmischers hervorgehoben werden, der es geschafft hat, einen differenzierten Sound mit entsprechender visueller Unterstützung in die Rampe zu zaubern.

Line-up:
Robert Jon Burrison – lead vocals, guitar
Henry James – lead guitar, vocals
Warren Murrel – bass
Andrew Espantman – drums, vocals
Jake Abernathie – keyboards

Text & Bilder: Gernot Mangold

Robert Jon And The Wreck
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Teenage Head Music
Kulturrampe, Krefeld

Dyer Davis – Kiss The Ring – CD-Review

Liebe Southern Rock-Gemeinde und auch darüber hinaus, aufgepasst: Mit dem aus Daytona Beach, Florida, stammenden Langbartträger Dyer Davis (Marke Billy Gibbons) ist was ganz Starkes im Kommen.

Der bringt jetzt mit „Kiss The Ring“ sein zweites Album in Eigenproduktion heraus, nachdem bereits sein Debüt „Dog Bites Back“ (#6 in den Billboard Blues Charts) von der internationalen Blues-Presse in höchsten Tönen gelobt wurde. Wenn man den Nachfolger gehört hat, weiß man auch warum!

Bei Dyer Davis spürt man neben seinem sofort offensichtlichen Talent, dass er ein bis Bartspitzen (oben auf dem Kopf gibt es ja keine) motivierter Musiker ist, der ein klares Ziel vor Augen hat: Sich mit starken Leistungen in der Rockmusikszene weiter zu profilieren.

Der erste Song des neuen Werks, „I Ain’t Lyin'“ geht direkt mit einem Höllentempo los. Ein punkiger Uptemporhythmus mit dezenter Southern-Note, The Black Crowes auf Speed , so könnte man es umschreiben.

Apropos Black Crowes, die sind neben Bad Company, ähnlich wie bei den Georgia Thunderbolts oder Dirty Honey, immer wieder garniert mit schönen Southern-Flair, wie zum Beispiel beim zweiten Track „Pass It Over“ und dem herrlichen „Baby“ gegen Ende, ein markanter Bezugspunkt auf dem Silberling.

Davis hat, das erkennt man schnell, auch ein tolles Trio an Mitmusikern um sich versammelt, das hier ebenso ehrgeizig wie der Protagonist zur Sache geht. Drummer und Perkussionist Davis Weatherspoon und Bassist Will Weiner geben in jedem Tempi die Pace, die Dyer und sein konkenialer Partner an den Keys, Warren Beck, brauchen, um hier ihre kräftigen Akzente zu setzen.

Gerade letztgenannter Warren Beck ist für mich fast schon der heimliche Star des Werkes, dem es immer wieder gelingt, mit unterschiedlichen Tastenvariationen (Piano, Organ, E-Piano), treffgenau Davis‘ E-Gitarrenspielereien noch mehr Prägnanz zu verschaffen.

Das atmosphärische „Kiss My Ring“ ist zurecht der Titelsong geworden, beeindruckend besonders hier das surrende Gitarrensolo. Mit „Around The Bend“ wird es erstmals etwas ruhiger, ein Schelm, wer hier nicht an „Midnight Ridder“ als Inspiration denkt.

„Damned“ ist dann wieder ein tolles Beispiel dafür, wie man sich auch im Studio gesangstechnisch ‚emotional ‚reinhängen kann. Einfach mitreißend. „Brackish Water‘ ist ein dreckiger straighter Rocker Marke Bad Company. teilweise meint man Paul Rodgers leibhaftig am Mikro zu hören.

Das wunderbar Piano- und Steel–untermalte „Have Mercy“ hätte ein Jackson Browne nicht schöner kreieren können. Nach dem bereits oben geschilderten „Baby“ lässt das Quartett die Scheibe mit dem beatlesken „Enough Is Enough“ ausklingen. Genug hat man dann keineswegs von dieser tollen Musik.

Dyer Davis setzt mit dieser Scheibe, das steht jetzt schon fest, eines der Ausrufezeichen des Jahres 2025. Beeinflusst von unterschiedlichen (zum Teil britischen) Rockgrößen der Siebziger Jahre, setzt er den Tracks mit vielen guten eigenen Ideen, einen individuellen, unwiderstehlichen als auch zeitgemäßen Stempel auf. 

Ich würde jetzt nicht unbedingt für Dyer Davis sterben wollen, aber ich würde auf jeden Fall meine Hand dafür ins Feuer legen, dass er mit „Kiss My Ring“ jeden Rockfan, egal welcher Couleur, begeistern wird. Der Reviewer DD und der Musiker DD finden hier jedenfalls perfekt zusammen!

Eigenproduktion (2025)
Stil: Alternative Southern Rock

Tracks:
01. I Ain’t Lyin‘
02. Pass It Over
03. Kiss The Ring
04. Around The Bend
05. Damned
06. Brackish Water
07. Have Mercy
08. Laying On The Floor
09. Baby
10. Enough Is Enough

Dyer Davis
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The Comancheros – 30.04.25 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Comancheros fegen mit einer Mixtur aus Heavy-, Country- und Southern Rock wie ein Tornado durch die Kulturrampe. Der energiegeladene Auftritt des Trios sorgt für beste Stimmung bei den Fans und hätte eine weit vollere Location verdient gehabt.

Tanner Jones jagt wie ein Derwisch über die Saiten seiner Gibson Explorer und übernimmt bei den meisten Songs mit seiner rauen Stimme die Lead Vocals. Dabei lässt er wie Bassist Jon Green oft die Haare headbangend wehen, und zeigt wie belastungsfähig eine Halswirbelsäule sein kann. Drummer Michael Cook treibt an den Drums die beiden anderen Bandmates regelrecht vor sich her.

Mit seiner Kopfbedeckung wirkt er fast wie ein Schamane, der die Drumsticks durch die Luft wirbeln lässt. So wie er die Drums bearbeitet, ist es nicht verwunderlich, dass nach einigen Songs zunächst die Fellmütze weggelegt wird und er sich später auch der Jacke und des Johnny Cash Shirts entledigt, um teilweise stehend und tanzend sein Instrument zu beackern.

So vergehen 90 schweißtreibende Minuten wie im Flug, in denen die Band die Fans brachial in den Mai tanzen lässt und direkt nach der Show den Abend am Merchandising Stand ausklingen lässt.

Line-up:
Tanner Jones – lead vocals, guitar
Jon Green – bass, vocals
Michael Cook – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

The Comancheros
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Kulturrampe

The Kenneth Brian Band – 22.03.2025 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Toller Abend in der Krefelder Kulturrampe mit der Kenneth Brian Band, die sich unter der Teenage Head Music-Fahne zum ersten Mal die Ehre in unseren Breitengraden gab.

Wie sooft bei Southern Acts, die ihre Premiere in der Rampe feiern, hielt sich das Zuschauerinteresse, trotz Wochenendes, in Grenzen, die Location war nur zu gut der Hälfte gefüllt. Da gings es Robert Jon & The Wreck damals aber auch nicht anders.

Die Leute, die gekommen waren, bekamen ein äußerst gut aufgelegtes Trio zu sehen und zu hören, das neben dem Protagonisten Kenneth Brian, durch Bassist Wes Davis (Rockabilly-Frisur, Elfenohren und ZZ Top-Bart – ein herrlicher aussehender und dazu noch sehr sympathischer Typ!) und Drummer PJ Lowe komplettiert wurde.

Nach einem kurzen Instrumental zum Aufwärmen hatten die Drei mit dem herrlichen, schön melodischen Midtempotrack „Rain Down“ schon direkt bei mir gewonnen, Brian entlockte seiner beigen Les Paul diese typisch knarzig-grummelnden Töne, die jedem Southern-Fan sofort das Herz erwärmen.

Das wunderbar wechselhafte „Shakedown“ mit fulminant rockigen und atmosphärischen Parts, begeisterte sofort hinterher und spätestens mit den grandiosen Red Dirt-Song „Texas By Tonight“ hatten die Burschen die komplette Rampe hinter sich gebracht.

Auch wenn Stürme in der Regel wenig Wunderbares an sich haben, der „Beautiful Storm“ der Kenneth Brian Band machte seinem Titel alle Ehre. Tom Petty-Liebhaber durften sich an „Falling Again“ erfreuen, Brian ist ja bestens mit Gitarrist Mike Campbell befreundet.

Dem slow-bluesigen „Hard Heart“, sowie dem verschachtelten „Something Better“ (mit integriertem Country-Speed-Intermezzo) folgte das einfühlsam gesungene „Prayer For Love“. Spätestens jetzt gingen mir so einige Leute, die scheinbar nur gekommen waren, um sich zu unterhalten, so richtig auf den ‚Senkel‘.

Ich empfinde das immer wieder als eine einzige Respektlosigkeit den auftretenden Künstlern, als auch den anderen Besuchern gegenüber. Die Rampe bietet dafür ein schönes Thekenareal im unteren Bereich, das für Konversation bestens geeignet ist. Sowas ärgert mich immer wieder maßlos.

Beim folgenden „Hidaway‘ demonstrierte Kenneth eindrucksvoll, wie es sich anhört, wenn mal versierte Southern Rock-Gitarristen bei Blues-Standards Hand anlegen. „Keys To The Kingdom“, „Tonight We Ride“ (mit Neil Young-Flair), „Fly Away“, das countryeske „Last Call“ waren dann die Stationen zu Brians persönlichen „Sweet Home Alabama“, das bei ihm „Wellcome To Alabama“ heißt und in einer grandios improvisierten Version (mit ABB- und MTB-Note) performt wurde und den krönenden Abschluss des Hauptteils  bildete.

Der ‚We want more“-Bitte wurde dann noch mit dem pettyesken „You Are Not Mine“ Genüge geleistet, dann war ein hervorragendes, klassisches Southern Rock-Konzert beendet. Am Ende stand das sympathische Trio noch für unser obligatorisches VIP-Bild parat. Wieder mal toller Abend in der Rampe!

Line-up:
Kenneth Brian (lead vocals, electric guitar)
Wes Davis (bass)
PJ Lowe (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Kenneth Brian Band
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

T. G. Copperfield – All In Your Head – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seine drei vorhergehenden Alben („Snakes & Dust“, „Out In The Desert“ und „Steppenwolf„) hatte T. G. Copperfield als staubige Wüstentriologie inszeniert. Nun kehrt er mit “All In Your Head” zur härteren Blues-Rock Gangart zurück, ohne die Southern-Roots Orientierung zu vernachlässigen.

Den Aufschlag für das 10-teilige Set übernimmt der Titel “Mule” und verbreitet einen intensiven Vorgeschmack – ein Heavy-Rock-Stallgeruch, der unter die Haut geht. Sympathische Gitarren zünden ihre Riffs bei “I’m On My Way” und lassen die Handschrift ihres Songwriters aufblitzen. Nach dem ebenso starken “Have Mercy On Me” folgen ohne Mitleid, schweißtreibend und mächtig “Living On A Knife” und “Kicked Down By Love” und übernehmen die Regie über ein bis dahin Track-by-Track groovendes Kraftpaket.

Bevor die noch massivere zweite Hälfte der Scheibe einsetzt, lohnt sich ein Blick auf den Backkatalog der letzten acht Jahre: Elf Soloalben und das vorliegende Werk präsentieren in kurzen Abständen handgemachte Songs aus unterschiedlichen Stilrichtungen – auf einem Terrain, das hierzulande oft als schwierig gilt.

Copperfields beeindruckender Beitrag, sich immer wieder neu zu erfinden und mit propulsiver Kraft durchzustarten, ist rekordverdächtig. Hervorragend unterstützt wurde er auf “All In Your Head” vom Megaphon-Studios-Tonkünstler Martin Meinschäfer (u. a. Henrik Freischlader) sowie seinen Kumpanen von der Electric Band: Michael Hofmann (Drums), Claus Bäcker (Keyboards) und Don Karlos (Bass).

Hohe Ansprüche stellt Copperfield auch an seine Lyrics im Beiheft und befasst sich in den Stories u.a. mit der menschlichen Psyche, komplexen Gedankenspielen und infernaler Katastrophenstimmung. Ebenso anspruchsvoll sind die Themen, die er in leidenschaftliche, teils fast wütende Arrangements verpackt – untermalt von genau der richtigen Portion Gitarrenpower.

Charakteristisch für diese kraftstrotzende Inspiration des 45-jährigen Sängers und Gitarristen sind deutlich die letzten vier Songs der LP. Mit “Redemption Blues” – durchaus als früher CCR-Track geeignet – und “World War III” wird das Finale vorbereitet. Das Interesse daran belohnt allemal der Titeltrack des Albums – ein Southern Blues Rock mit meisterhaften E-Gitarren-Soli. Die Scheibe erfährt ihre abschließende Krönung mit einem Foot-Stomping-Finale, das sprichwörtlich abgerundet wird: “The Needle Hit The Groove” erinnert in klassischer Slow Blues-Interpretation sowie durch die Gitarren- und Piano-Spielweise an historische Fleetwood Mac feat. Otis Spann Aufnahmen – eine brillante Inszenierung mit ‚Wiederhörbedarf‘.

T. G. Copperfield hat es erneut spielend geschafft, die Vielfalt seiner musikalischen Schaffenskraft in einem Longplayer zu vereinen. “All In Your Head” ist ein großzügiges Studiowerk und einmal mehr der Versuch, uns mit seinen musikalischen Wertvorstellungen anzustecken. Längst etabliert, muss er seine Wurzeln auch im Storytelling nicht mehr beweisen – wohl wissend, dass ein rastloses Talent ebenso sein Publikum braucht. Die im März beginnende, ausgedehnte Tournee kommt mit “All In Your Head” am 5. April u. a. nach Köln und bietet dem Publikum ausgiebig Gelegenheit, ihn live zu sehen.

Timezone (2025)
Stil: Blues, Blues Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Mule
02. I’m On My Way
03. Not Your Game
04. Have Mercy On Me
05. Living On A Knife
06. Kicked Down By Love
07. Redemption Blues
08. World War III
09. All In Your Head
10. The Needle Hit The Groove

T. G. Copperfield
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Larkin Poe – Bloom – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Verleihung des Grammy Awards für “Blood Harmony” 2024 haben Larkin Poe nur als kurze Auszeit genutzt. Das neue Studiowerk “Bloom” war damals bereits in der Mache. Gemeinsam mit Co-Produzent Tyler Bryant haben sie erstmals alle Stücke geschrieben. Die Inspiration für den neuen Longplayer ist geprägt durch die familiäre Synergie-Atmosphäre und Erfahrungen der letzten Jahre, also weit über eine nur musikalische Partnerschaft hinaus.

Mit dem ersten Song “Mockingbird” beginnt gleich der blues-rockige Teil einer insgesamt sehr vielfältigen Produktion. Nachdenkliche Lyrics über Wendungen im Leben und die Reflexionen bis hin zum Wechsel von Perspektiven bestimmen den Titel. Die Leichtigkeit der Komposition fließt bei “Easy Love Pt. 1” zwischen Southern- und Blues Rock sowie Rebeccas elektrisierender Voice-Power. “Pt. 2” des Tracks folgt erst mit Abstand und in Balladenform. Meghans Guitarwork und der zarte Refrain “You make it easy” verleihen dem Liebeslied nun einen grundlegend anderen Charakter.

Eine betont ruhigere Klangfülle bringt auch “Little Bit” in die Songliste. Zuversicht und Verbundenheit strahlen im swingenden Country-Southern-Style. Erneut ein lyrisches Kleinod, das teils härtere Soundelemente mit schönen Storytelling verbindet. Kein Geheimnis machen die Lovell Sisters aus den frühen Einflüssen ihrer Musik. Neben typischem Bluegrass Folk war Southern Rock der Allmans, aber ebenso geradliniger Fleetwood Mac-Sound u. a. je ein Baustein. Bei “Bluephoria” treffen Freude und Leid aufeinander, werden musikalisch rifflastig verwoben und psychedelisch klingende Passagen bestimmen die Komposition. Die Lead-Single erinnert trotz hartem Rock’n’Roll Outfit, lyrisch inspiriert, an die Memphis Blues Legende Furry Lewis. Schnelle Blues Rock-Vibes treibt “Nowhere Fast” vor sich her. Ein krachendes Solo lässt den Wüstensand förmlich aus den Boxen rieseln und Billy Gibbons gibt seinen Segen.

Ein erstaunlich erfrischender Ideenreichtum lässt “If God Is A Woman” im Masterpiece-Format entstehen. Das elektrisch ausgerichtete Delta Blues-Stück konkurriert im Ohr mit dem nachfolgenden “Pearls”: düster und heavy treibende Gitarrenriffs und Rebeccas Stimme verursachen eindeutig Herzschlag-Blues. Als Slide-Topper und Highway-Country Song zugleich bringt “Fool Outta Me” die big wheels in Bewegung, ein altes Blues-Rock-Herz geht auf und relaxed beim wunderbar melodiösen “You Are The River”. Ein Eagles-/Poco-Country Rock schlingert in zeitgemäßer Interpretation vorbei und beruhigt die Anspannung. Diese Dramaturgie einer gesundheitsfördernden Cool-down Übung übernimmt zum Schluss “Bloom Again”. Meghan beschreibt die Idee des langjährigen Tom Petty-Weggefährten und Larkin Poe Freundes Mike Campbell: Er schlug vor, einen Song zu schreiben, der im Stile der Everly Brothers unsere Geschwister-Harmonie präsentiert. Ein modernes Country-Rock/Folk-Finale, das auch von Emmylou Harris stammen könnte, und ein Gänsehaut-Solo als “Zugabe” setzen den Schlussakkord.

Die ehemals “kleinen” Schwestern der Allman Brothers haben sich längst vom Adjektiv befreit und mit dem Album “Bloom” deutlich die Avantgarde-Rolle in der amerikanischen Roots-Musik übernommen. Selten klang eine Eigenproduktion Genre übergreifender dirty Southern- und raw Blues-Rock Tracks mit Country- Anleihen so tiefgreifend überzeugend. In diesem Jahr feiern Larkin Poe das 15-jährige Bestehen. Der nächste Grammy ist nur eine Frage der Zeit.

Tricki-Woo (2025)
Stil: Roots Rock, Blues, Blues Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Mockingbird
02. Easy Love Pt. 1
03. Little Bit
04. Bluephoria
05. Easy Love Pt. 2
06. Nowhere Fast
07. If God Is A Woman
08. Pearls
09. Fool Outta Me
10. You Are The River
11. Bloom Again

Larkin Poe
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Another Dimension

Andreas Diehlmann Band – 10.01.2025, Café Steinbruch, Duisburg – Konzertbericht

Fünf Jahre sind tatsächlich  schon wieder vergangen seitdem ich den Protagonisten des Abends, Andreas Diehlmann, samt seiner beiden Mitstreiter (an diesem Abend assistierten ihm Bassist Jörg Sebald und der ehemalige Drummer der Klaus Lage Band, Dieter Steinmann) an genau gleicher Stelle, dem Cafe Steinbruch in Duisburg live erlebt hatte.

Dort und auch in der gesamten Zwischenzeit danach hat er sich als fleißiger und konstant liefernder Blues Rock-Interpret. einen renommierten Ruf von internationalem Format erarbeitet. Gerade, was sein exzellentes Gitarrenspiel in allen erdenklichen Tempi und Varianten  betrifft, braucht er sicherlich mittlerweile keinen Vergleich mehr zu scheuen.

Zunächst hatten wir schon vor dem Gig wieder das Vergnügen. mit ihm ein paar Worte zu wechseln, als auch das obligatorische VIP-Bild mit dem nunmehr aktualisierten Logo machen zu dürfen.

Der Ort des Geschehens war proppevoll, irgendwie hatte ich das Gefühl, als wenn mich eine Zeitmaschine zurück gebeamt hätte und genau die gleichen Leute wie damals anwesend gewesen wären, die blues-typisch, inklusive uns, zu gut 95 Prozent wieder aus der zahlungskräftigen Babyboomer+-Generation bestand, nur um fünf Jahre würdevoll gealtert.

Ich denke mal bezüglich seiner Klientel ist es zwar um den Nachwuchs im Publikum ziemlich schlecht bestellt, zumindest aber, was die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre betrifft, trotzdem eine gute musikalische Investition von Andreas, Fremdgehen ist da in der Regel nicht mehr (einmal Blues, immer Blues!). Wo  Anders hat man in der freien Wirtschaft heutzutage noch solch eine Planungssicherheit? Danach dürfte er dann wohl eh auch in Rente sein.

Das Konzert begann mit der berühmten akademischen Viertelstunde Verspätung um 20:15 Uhr und Diehlmann wählte mit dem zünftig stampfenden, ZZ Top-umwehten „Head Down Low“ einen guten Einstand, um auch die Leute im Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.

Apropos ZZ Top: Der Blues Rock-Stil der Texaner ist in Diehlmanns DNA sowohl stimmlich (irgendwo zwischen Gibbons und Hill), im knarzigen und slidenden E-Gitarrenspiel, als auch bezüglich seines Songwritings, ganz tief verankert. So dominierte dieser Einfluss auch den überwiegenden Teil der unterhaltsamen Show, die zusätzlich auch von der sympathischen und kommunikativen Art des Fronters, der sich mehrfach sowohl als absoluter Beziehungsexperte (u. a. „Long Forgotten Nightmare“, „Rita“) wie auch höchst-geschulter Psychologe („Bad Luck“) offenbarte.

So präsentierte er im ersten Set (vorwiegend auf seiner abgewetzten Stratocaster) Tracks wie „Pretty Baby“ (Boogie), die ruhigeren „Gypsy Woman“ (vom aktuellen Album „That Old Blues Again„, mit tollem psychedelischen Part), „Got To Get Over It“ (ZZ Top-Flair) und griff zum Ende beim von Howlin Wolf inspirierten „Nothing But The Blues“ zur Cigar Box-Gitarre (inklusiv kleiner Story dazu vor Songbeginn), wobei er offenbarte, dass man auch auf drei Saiten fulminant wirbeln kann.

Nach der Pause diente der Texas Rocker „Gonna Raise Hell“ als idealer Wachrüttler, „Hard Times“, „Way To Hell“ (samt kleiner Instrumentalschlacht mit seinen beiden Kollegen), der tolle Slowblues „Broken“ , Whiskey And Women“ (wieder mit Cigar Box-Gitarre) und „Boogie Woogie Rock’N’Roll (Diehlmann zum Abschluss jetzt auf der Les Paul mit fetzigen Soli unterwegs) bildeten das Gerüst in Set 2.

Ohne Zugabe wäre nach dieser starken Leistung und der guten Stimmung im Cafe Steinbruch ein ‚No-Go‘ gewesen und so gab es dann noch mit dem Fan-Favoriten „Price To Pay“, einer Gänsehautversion von „Purple Rain“ und dem Hendrix-Cover (Andreas‘ zweite Passion) „Little Wing“ (am Ende wieder auf der Strat) ein tolles Triple, das dann wirklich keine Wünsche mehr offen ließ.

Die Andreas Diehlmann Band überzeugte die Anwesenden und mich an diesem Abend in Duisburg wieder restlos, sodass ich mir durchaus vorstellen kann, bis zum nächsten Aufeinandertreffen nicht mehr fünf Jahre verstreichen zu lassen. Und sicher ist sicher…!

Line-up:
Andreas Diehlmann (lead vocals, electric guitars)
Jörg Sebald (bass)
Dieter Steinmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Andreas Diehlmann Band
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Café Steinbruch Duisburg