GeminiiDragon – Moonlight Movin‘ & Groovin‘ – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Manchmal gibt das Debütalbum einer jungen Sängerin durchaus schon einen Hinweis auf das zukünftige Potential und der Verfasser fühlt sich nach Jahren beim aktuellen Longplayer in seiner Ansicht mit gutem Gefühl bestätigt. Dies trifft insbesondere auf das Album “Moonlight Movin‘ & Groovin’” von GeminiiDragon zu, die SOS immerhin seit ihrem Debut “Fighting Fire With Fire” (2022) regelmäßig begleiten durfte.

Vorweg: Für Fans von Albert Collins, Albert King, Robert Cray u. ä. ist der Hinweis im Inlay des aktuellen Longplayers jedenfalls allemal eine gute Empfehlung. Die US-Blues und Soulsängerin aus Louisiana hat ihre vierte Scheibe soundtechnisch weitestgehend eng an legendäre Stilrichtungen angelehnt, ohne die eigene Identität gänzlich aufzugeben.

Geholfen hat dabei – neben Produzent Christian Simion – vor allem der angesehene Blues-Gitarrist Linwood Taylor aus Washington, D.C. Taylor war langjähriges Bandmitglied bei Joe Louis Walker und hat den Aufnahmen einen entscheidenden Touch verliehen: so klingen manche Titel als wenn sie in der goldenen Ära des Blues in den Muscle Shoals Studios entstanden sind.

Im Co-Writing haben GeminiiDragon, Simeon und Taylor die soulig-swingende Tracklist vom ersten Song “Blues Is So Good” bis zur rockigen Abschlussnummer “All Night” sehr abwechslungsreich gestaltet. Ungezwungen fließende Arrangements (z. B. “Pressure” oder “Sideways Down”) wechseln sich ab mit langsameren, teils balladenartigen Stücken, wie “Rainy Wednesday” bzw. “Slow Slow Moan”, und präsentieren gleichzeitig Abilität und Ausdruckskraft von Vocals und Guitar. “Blues Party”, im Zydeco-orientierten Tanzrhythmus, sorgt auch im Player für ausgelassene Spielfreude, die hier – wie bei dem etwas zurückhaltenden “Juke Joint Jumpin’” von der jungen Harp-Spielerin Julia Dill profitiert.

Der “neue” Sound stärkt deutlich die Vielseitigkeit von GeminiiDragon und rechtfertigt die Bewertung als äußerst gelungene Eigenproduktion. “Moonlight Movin‘ & Groovin’” hält was der Titel verspricht – ist jedoch auch tagsüber ein idealer Begleiter für soul-bluesige Stimmungen – und die Bestätigung für kontinuierlich aufstrebende Beharrlichkeit einer immer noch jungen Stimme.

Nepotism Recordings (2025)
Stil: Blues, Soul

Tracks:
01. Blues Is So Good
02. Low Down Dirty (Duck)
03. Pressure
04. Mr. Slip & Slide Man
05. Midnite Call
06. Slow Slow Moan
07. Rainy Wednesday
08. Sideways Down
09. Blues Party
10. Juke Joint Jumpin‘
11. All Night (Bonafied Heart Breaker)

GeminiiDragon
GeminiiDragon bei Facebook
Nepotism/EasySin Music

Birth Control – 04.12.2025, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Mit Birth Control spielt eine der ältesten deutschen Rockbands im Piano. Als eine Art Intro bringen sie mit „Gamma Ray 2.0“ eine Kurzversion ihres wohl bekanntesten Hits und danach folgt ein Ritt durch die Jahrzehnte der Bandgeschichte. Klassiker aus den 70er Jahren wie „The Work Is Done“, „Plastic People“ oder „Titanic“ würzen die Songs aus den beiden letzten Alben „Here And Now“ (2016) und „Open Up“ (2022), die im Mittelpunkt des etwa zweistündigen Konzerts stehen.

Stilistisch bewegen sich die Musiker dabei zwischen psychedelischem progressivem Rock und klassischem Hard Rock. Sascha Kühns Keyboard-Intros erinnern zuweilen an John Lord. Das Highlight ist dann wie so oft eine Extended Version von „Gamma Ray“ zum Ende des Konzerts mit einem minutenlangen jammenden Part, inklusive Percussion., Drum- und Bass-Intermezzo, wo bis auf Manni van Bohr an den Drums und Hannes Vesper am Bass alle ihre eigentlichen Arbeitsgeräte weglegen, gegen verschiedenste Percussion-Instrumente tauschen und Keyboarder Sascha Kühn van Bohrs Schlagzeug mitbenutzt.

Zum Ende des Songs bewegen sich Martin Ettrich an der Gitarre und Hannes Vesper in Richtung Pink Floyd, um letztendlich wieder im Rhythmus von „Gamma Ray“ zu landen. Vehemente Zugabeforderungen sorgen dafür, dass die Band noch „Wasting My Time“ nachlegt und an diesem Abend offeriert, dass man sie trotz der langen Bandgeschichte nicht zum alten Eisen legen sollte. Beste Beispiele sind  Urgestein Peter Föller, der stimmlich immer noch bestens aufgelegt ist oder Manni van Bohr, der energiegeladen wie kaum ein anderer die Drums bespielt.

Line-up:
Peter Föller (vocals, guitar)
Martin „Ludi“ Ettrich (guitar)
Hannes Vesper (bass)
Manfred „Manni“ van Bohr (drums)
Sascha Kühn (keyboards)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Birth Control
Birth Control bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

10 Jahre Sounds Of South – Jubiläumsgewinnspiel

10 Jahre ist es nun her, seit Sounds Of South ins Leben gerufen wurde. Zu unserem 10. Jahrestag haben wir ein Jubiläums-T-Shirt kreiert, das wir an drei unserer treuen Leserinnen und Leser verlosen möchten.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie viele Artikel wurden innerhalb der zehn Jahre in Sounds OF South ungefähr veröffentlicht?

a) 2000
b) 2500
c) 3500

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung und deiner T-Shirt-Größe bis zum 10.01.2026 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, die dann umgehend benachrichtigt und nach der Produktion mit dem T-Shirt beliefert werden.

Der Sounds Of South-Rückblick 2025

10 Jahre Sounds Of South. Was Anfang 2016 aus einer Laune heraus und in Eigenregie begann, hatte schon nach wenigen Monaten schnell Fahrt aufgenommen. Die Initialzündung war. als Christina Sas, die heutige Ehefrau von Björn Ulvaeus (Abba), damals noch für Universal Music tätig, die in den Staaten populäre New Country-Musik auch für den deutschen Markt zugänglicher machen wollte. Da waren wir natürlich einer der potentiellen Multiplikatoren.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis war sicherlich auch das Treffen mit dem Ex-Schulkollegen Gernot Mangold, der sich mit seiner Leidenschaft für die Konzertfotografie als kongenialer Partner in Sachen Konzertberichte einbrachte. Hinzu kamen sukzessive weitere Mitarbeiter wie Michael Segets (unserer Americana-Experte), Stephan Skolarski als junger Allrounder und mittlerweile Hans-Joachim Kästle, ein gestandener Blues-Experte, mit deren Expertisen auch die nächste Dekade eingeläutet werden soll. Rund 2.500 Artikel sind seit Beginn veröffentlicht worden.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich, angesichts dieses Meilensteins, und meiner momentanen beruflichen Belastung, die auch 2026 unvermindert anhalten wird, mit mir gehadert habe, ob dieses Magazin weiterhin mal so nebenbei fortgeführt werden kann. Man wird ja auch nicht jünger und bis zur vermeintlichen Rente sind es noch ein paar Jahre. Ich musste mich schon letztes Jahr bei den Konzertbesuchen recht stark einschränken, was dazu geführt hat, dass ich mich mehr auf Interpreten konzentriert habe, die ich noch nicht so häufig gesehen habe und eher auf Album-Reviews fokussiert war. Das wird vermutlich leider erst auch einmal so weitergehen.

Nichtsdestotrotz war es wieder ein interessantes Jahr, was in einem Gig von Morgan Wallen, dem absoluten und unangefochtenen New Country-Superstar der letzten Jahre, im Londoner Roundhouse gipfelte, zu dem ich spontan von seinem Label eingeladen wurde. Auch der wohl letzte Besuch meinerseits von Lynyrd Skynyrd auf dem Bonner Kunstrasen-Gelände war trotz aller Kritik an der Band mit einer gewissen Emotionalität behaftet. Es gab wieder jede Menge toller neuer Musik zu besprechen, wobei mit Blue Deal und LUKE zwei noch junge frische deutsche Acts viel Potential zeigten, die internationale Blues Rock-Szene aufzumischen.

Mein Dank gilt wie immer an alle treuen Leser, die fleißigen Mitarbeiter, Agenturen, Labels, Clubbetreiber und Musiker, ohne die es  die Motivation für dieses Magazin nicht geben würde. Auf geht’s in ein neues SOS-Jahrzehnt, zum Start gibt es ein Gewinnspiel, bei dem man drei Jubiläums-T-Shirts ergattern kann!

Hier aber nun, wie gewohnt, nochmal eine kleine Auswahl meiner ganz persönlichen Highlights des Jahres 2025:

CD des Jahres:

Chambers DesLauriers – Our Time To Ride – CD-Review
Morgen Wallen – I’m The Problem – Do-CD-Review
Joanne Shaw Taylor – Black & Gold – CD-Review

Überraschungs-CD des Jahres:

Little Feat – Strike Up The Band – CD-Review

Newcomer-CD des Jahres:

LUKE – The Truth Remains The Same – CD-Review

Interpret des Jahres:

Joe Bonamassa

Der amerikanische Tausendsassa zum zweiten Mal nach 2022 mein Interpret des Jahres mit starker Omnipräsenz, wieder mit einem tollen Studioalbum, als auch einem starken Konzert in Oberhausen, sowie vielen Beteiligungen an Werken anderer Kollegen sowie auch als Förderer mit seinem eigenen Plattenlabel.

Song des Jahres:

Little Wing – Devon Allman

Diese Songs machten beim Reviewen ebenfalls Spaß:

Living On The Run – FM
Maggie Went Back To Mineola – The Texaas Headhunters
The Bottle – Dust & Denim
Drive By The Exit Sign – Joe Bonamassa
So Much So Right – 38 Special
What Are You Gonna Do Now? – Joan Shaw Taylor
Stand And Deliver – Giant
Pass It Over – Dyer Davis
Disappearing Ink – Little Feat
November – Janiva Magness
Make A Change – Blue Deal
No Name Roads – Chase Matthew
Love You Just The Same – Chambers DesLauriers
I’m The Problem – Morgan Wallen
Unbreakable – Ally Veanble
Til Dawn – Brent Cobb
The Truth Remains The Same – LUKE
Midnight Angel – Hughes Taylor

April-Scherz:

Phil Lynott – I Am Just A Cowboy

Enttäuschung des Jahres:

38 Special tauchen mit einem neuen Album zum 50-jährigen Band-Jubiläum wieder nach gut 20 Jahren aus der Versenkung auf. Einzig verbliebenes Original-Mitglied ist noch Don Barnes und es enthält nur neun Stücke mit relativ unspektakulärem Melodic Southern Mainstream Rock (inklusiv zweier seichter Schnulzen am Ende auf Schlagerniveau). Alles andere jedenfalls als ein Meilenstein ihrer Karriere.

38 Special – Milestone

Konzerte:

Konzert des Jahres:

JJ Grey & Mofro – 02.03.2025, Kantine, Köln

Colin James – 19.09.2025 – Ratinger Hof, Düsseldorf

Copperhead County, 17.10.2025 – Kulturrampe, Krefeld

Bilder Gernot Mangold:


 

Bilder Fer Vanreyten:

Irgendwann 2017 kam die Idee auf, unser Logo mal als Schild herstellen zu lassen und eine Galerie von Künstlern/Leuten ins Leben zu rufen, die von unserer Arbeit angetan sind und sich, im Sinne einer Identifikation mit unserem Magazin, ablichten ließen. Hier ein Auszug von 2025 –  die ganze Galerie findet man unter diesem Link.

Bilder Sounds Of South VIP-Galerie 2025:

To be continued…

Wir wünschen unseren Lesern, allen Musikfreunden, Künstlern und Mediapartnern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2026. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass gute kreative Musik auch weiterhin leben wird.

Sounds Of South is gonna do it again – bleibt musikalisch!

Euer

Daniel Daus

Dudley Taft – 21.11.2025, to hoop, Rheinberg – Konzertnachlese

Prominenter Besuch im To Hoop. Mit Dudley Taft ist ein Urahn eines amerikanischen Präsidenten zu Gast. Wer bei soviel Prominenz einen vollen Laden erwartet hat, wird leider enttäuscht. Trotz der geringen Resonanz war eine Absage des Konzertes keine Alternative und das Trio rockt ab, als wenn es vor einer vollen Hütte spielen würde.

Knackiger Hard Rock mit einer Prise Blues, Southern Rock und Boogie bringen eine Stimmung in die Bude, die den Musikern und Betreiber des to hoop Sami Durak Recht gibt, das Konzert durchzuziehen. Von Beginn an legt der Amerikaner los wie die Feuerwehr und reißt mit seiner Spielfreude alle Anwesenden mit.

Harte Riffs wechseln mit starken auf den Punkt gespielten Soli. Dank seiner starken voluminösen Stimme hat er auch keine Probleme gegen den druckvollen Sound anzusingen. Neben humorvollen Ansagen zwischen den Songs nimmt er auch kein Blatt vor den Mund, um Stellung zur politischen Situation in Amerika und der dortigen „Pressefreiheit“ zu beziehen. Etwa 120 Minuten Musik vergehen so wie im Fluge und mit einer knüppelharten Version von „Going Down“ geht ein Konzert zu Ende, das ein volles Haus verdient gehabt hätte.

Jedem, der auf harten Blues Rock steht kann nur empfohlen werden, Dudley Taft und seine Band zu besuchen, wenn sie in der Nähe ihre Visitenkarte abgibt. Das gilt aber ebenso für andere Bands, die mit handgemachter Musik in Clubs oder kleineren Locations auftreten, da diesen sonst die finanzielle Grundlage genommen wird, Musiker hautnah zu präsentieren.

Line-up:
Dudley Taft (vocals, guitar)
Alvaro Canon (bass)
Nick Owsianka (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Dudley Taft
Dudley Taft bei Facebook
To Hoop

Willie Nile – The Great Yellow Light – Album-Review

Review: Michael Segets

Am Ende des Jahres habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, nochmal einen Blick auf die Alben zu werfen, die im laufenden Geschäft für SoS liegengeblieben sind. Ein Musiker, den ich sehr schätze und der sich in diesem Jahr mit „The Great Yellow Light“ ins Gedächtnis gerufen hat, ist Willie Nile. Für diejenigen, die noch auf der Suche für ein Weihnachtsgeschenk sind, kann die 2025er-Scheibe ein überlegenswerter Tipp sein.

„We are young, we are strong“, ruft der Rocker bei „We Are, We Are“ ins Mikro. Alter ist ja bekanntlich relativ. Die starken und dynamischen Töne hat Nile aber auf jeden Fall auch mit 77 Jahren noch drauf. Die schlägt er ebenso bei dem Opener „Wild Wild World“ und „Electrify Me“ an. Der Longplayer steigt also temporeich ein. Später folgt noch das gradlinige „Try To Make A Livin’ In The USA“. Die Rockstücke tragen unverkennbar die Handschrift des Altmeisters, auch wenn sie nicht zu seinen herausragenden Songs gehören, wie man sie vor allem auf „House Of A Thousand Guitars“ (2009), „The Innocent Ones“ (2010) oder „American Ride“ (2013) findet.

Mit dem keltisch angehachten „An Irish Goodbye“ zeigt Nile eine neue Facette seines Songwritings. Das Duett mit Paul Brady entführt mit Whistle und Pipe quasi auf die grüne Insel. Der stimmungsvolle Track ist bemerkenswert und als überaus positive Überraschung auf dem Album zu verzeichnen. Insgesamt hält „The Great Yellow Light“ eine ausgewogene Mischung von langsamen und Uptempo-Stücken bereit. Neben den insgesamt gitarrenorientierten Beiträgen steigt Nile bei „Fall In Me“ mal mit dem Klavier ein. Dass er dieses Instrument ebenfalls beherrscht, zeigte er zuvor bereits ausgiebig auf „If I Was A River“ (2014).

Neben acht neuen Songs fanden auch zwei ältere den Weg auf die Scheibe. Das Duett „Wake Up America” mit Steve Earle kam 2022 heraus und findet sich in einer Live-Variante auf „Live At Daryl’s House Club“ (2024). Im Studio ist Waddy Wachtel (Miranda Lambert, Beth Hart) an der Gitarre mit dabei. Deutlich älter ist „Washington’s Day“, das bereits von The Hooters veröffentlicht wurde. Den Titel schrieb Nile zusammen mit Rob Hyman und Eric Bazilian, die auch auf der aktuellen Version mitwirken.

„The Great Yellow Light“ ist erneut ein gutes Album von Willie Nile, auch wenn es nicht zu seinen besten zählt. Es vereint zeitlosen Rock mit stimmungsvollen Stücke im typischen Nile-Sound. Besonders bemerkenswert sind „An Irish Goodbye“, bei dem Nile Einflüsse des Celtic-Rock aufgreift, und das Duett mit Steve Earle „Wake Up America“, das seit seiner Erstveröffentlichung leider nichts an Aktualität verloren hat.

River House Records – Indigo (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. Wild Wild World
02. We Are, We Are
03. Electrify Me
04. An Irish Goodbye (feat. Paul Brady)
05. The Great Yellow Light
06. Try To Make A Livin’ In The USA
07. Fall In Me
08. What Color Is Love
09. Wake Up America (feat. Steve Earle)
10. Washington’s Day

Willie Nile
Willie Nile bei Facebook

Jamie McLean – 05.12.2025, Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Der 5. Dezember 2025 zeigt auf, wie verrückt und ungerecht die Welt zuweilen ist. Während ein Millionenpublikum am Fernseher die unsägliche und peinliche Inszenierung der WM-Auslosung verfolgt, steht ein toller amerikanischer Musiker in einer knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe auf der Bühne.

Die in Krefeld anwesenden Leute haben mit Sicherheit, was die Qualität des Abends betrifft, die richtige Entscheidung getroffen. Mit seinen Musikern entführt Jamie McLean die Musikfans in die Welt des Americana, Soul, Blues und Southern Rock.

Mit seinem prägnanten voluminösen Gesang und einem gekonnten Songwriting sorgt er für einen hohen Wiedererkennungswert der Songs, wo man sich zuweilen in die Sphären eines Tom Petty versetzt fühlt.

So kommt es trotz des etwas mauen Besuchs zu einer sehr guten Stimmung, wozu auch die für die Tour zusammengestellte Band sorgt. Manager Ben Forrester (Allen- Forrester Band) unterstützt Jamie als zweiter Leadgitarrist und bringt mit den Soli oft sein typisches Southern-Flair in die Rampe.

Aber auch Max Wagner am Bass und Paul Ettl legen nicht nur eine ausgewogene Rhythmusgrundlage hin, sondern holen sich bei einigen Soloparts den verdienten Szenenapplaus.

Line-up:
Jamie McLean (vocals, guitar)
Max Wagner (bass)
Paul Ettl (drums)
Ben Forrester (guitars)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Jamie McLean Band
Jamie McLean Band bei Facebook
EBF Music
Kulturrampe Krefeld

Mothers Finest – 30.11.2025, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Mothers Finest sind vor über 50 Jahren gegründet worden und bringen ein volles Haus im Musiktheater Piano. Von der Besetzung her sind insbesondere die Schlüsselpositionen noch mit den Originalmitgliedern besetzt, die dann auch offerieren, was in ihnen steckt.

Glen Murdock wirkt auf der Bühne zuweilen zwar gebrechlich und legt einige Pausen ein, wenn er aber zum Mikro greift, gibt er sich stimmlich bestens aufgelegt, wie auch Joyce „Baby Jean“ Kennedy, der man ihr Alter kaum anmerkt. Zudem werden die beiden on top von starken Backgroundsängerinnen unterstützt.

Das kauzig erscheinende Gründungsmitglied „Moses Mo“ und John Hayes erweisen sich mit hart gespielten Riffs für die rockenden Elemente verantwortlich. Die Rhythmusfraktion mit Jerry Seay am Bass und Dion Derek Murdock erzeugen zuweilen für einen brettharten Sound, mit dem sich auch Metalfans anfreunden könnten.

So sorgen Mothers Finest mit ihren eigenen Stil, der sich von Funk über Soul bis hin zum Hard Rock erstreckt, für kurzweilige knapp 100 Minuten im Piano, bei denen die Fans fast durchgehend im Takt der Musik mitgehen und der Tophit „Baby Love“ die Stimmung zum Überkochen bringt.

Line-up:
Joyce „Baby Jean“ Kennedy (lead vocals)
Glen „Doc“ Murdock (lead vocals)
Gary „Moses Mo“ Moore (guitars)
John „Red Devi“ Hayes (guitars)
Jerry „Wyzard“ Seay (bass)
Dion Derek Murdock (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Mothers Finest
Mothers Finest bei Facebook
3dog entertainment
Musiktheater Piano

Rick Maddocks – Blue Horse Opera – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Wenn im Titel eines Longplayers der Begriff Opera auftaucht, dann erwartet man ein auch im Rock-Pop-Bereich ein opulentes Konzeptalbum. Mit 17 Tracks ist das Werk von Rick Maddocks durchaus lang und ein Konzept steht ebenfalls hinter ihm. Maddocks versteht „Blue Horse Opera“ als Soundtrack zu einem imaginären Westernfilm. Western werden ja gerne als Pferdeopern bezeichnet. Dabei lehnt sich der Kanadier weniger an dem Sound klassischer Genrebeiträge an, sondern an den der Italo-Western.

Für diesen steht natürlich Ennio Morricone als Referenz, der wenig mit Country am Hut hat. Die Bezüge zum Paten der Italo-Western-Musik treten an einigen Stellen deutlich zutage – etwa beim Opener „Imperial Suite“. Auch bei anderen Beiträgen sind Verbindungen offenkundig, wenn beispielsweise klassisch gesungene Soprane in die Kompositionen einfließen („South Of Circumstance“, „Las Arenas“). Andere Stücke wie „Miner“ folgen weder den Spuren von Morricone noch denen des Country.

Das Album sollte als Gesamtkunstwerk verstanden werden, bei dem experimentelle Ansätze („La Raya“, „Caballos Azules”) ihren Raum haben. Circa ein Drittel der Tracks sind instrumental. Maddocks versammelte eine große Anzahl an Musiker*innen, um sein Projekt umzusetzen. Überraschend ist, dass mit Dayna Szyndrowski eine Flamenco-Tänzerin in den Credits gelistet ist. Dies erklärt sich wohl damit, dass „Blue Horse Opera“ zuerst live auf der Bühne performt wurde.

Obwohl die Beteiligten aus Kanada stammen – Maddocks ist in seiner Jugend von Wales nach Ontario übergesiedelt – erinnert die Musik weniger an die Schneelandschaften, wie sie in Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ gezeigt werden, sondern tatsächlich an den Süden Nordamerikas. Mehrere Songs spiegeln mit staubigen Gitarren („Las Arenas“, „If A Coward Says He Loves You“) eher die Wüstensatmosphäre der Dollar-Trilogie von Sergio Leone wider. An die mexikanische Grenze versetzt das in Spanisch gesungene „El Molino“. Mit Trompete und Percussion lädt Maddocks bei „Don Esteban And His Bastard Daughter“ auf eine Fiesta ein. In Richtung Tejano ein geht ebenfalls „Black Sand Rumba“.

Die vertonte Pferdoper wartet mit komplex arrangierten Stücken auf, die sich durch ein Konglomerat verschiedener Musikrichtungen von Klassik bis Tejano auszeichnet. Wenn kein Italo-Western auf dem Bildschirm läuft, kann man sich von „Blue Horse Opera“ in einen hineinversetzen lassen. Wer nicht das Sitzfleisch für eine Oper hat, dem seien die Americana-Songs „Blue Horses“, „Stand Still, Pretender“ und „Guilty Party“ zum Reinhören anempfohlen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana, Tejano and more

Tracks:
01. Imperial Suite
02. Blur Horses
03. Silver
04. South Of Circumstance
05. Miner
06. Las Arenas
07. Stand Still, Pretender
08. El Molino
09. La Raya
10. Don Esteban And His Bastard Daughter
11. Silver Again
12. Guilty Party
13. Caballos Azules
14. Black Sand Rumba
15. The Hearing
16. World Upside Down
17. If A Coward Says He Loves You

Blue Horse Opera

Orphan Jon & The Abandoned – Reckless Abandon Vol II Live – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Orphan Jon gehört zur Gattung jener Musiker, die sich in heimatlichen Gefilden – aufgewachsen ist er in Bakersfield, Kalifornien, heute lebt er im Mittleren Westen – durchaus einer gewissen Popularität erfreuen. So wurde er 2018 für einen Blues Blast Award für sein Debüt-Album nominiert und 2019 für einen Independent Blues Award.

Jon English stammt aus einer zerrütteten Familie und kam mit acht Monaten zusammen mit seinen drei Brüdern in ein Waisenhaus. So erklärt sich auch der Bandname: Waisenjunge Jon und die Verlassenen. Es hört sich zwar wie aus einem Herz-Schmerz-Roman an, aber genau so war es: Jan fand seinen Weg in der Musik, genauer im Blues und Rock ’n‘ Roll.

Jetzt liegt also sein neues Live-Album vor, das an zwei Abenden entstanden ist. Seine Auftritte beginnt er immer mit einem Instrumentalstück, in diesem Fall mit „Sombrero Safari“, einem kräftigen Gitarrenblues. „Love Is Not A Lie“, der folgende dynamische Blues Rocker, beginnt mit einem Bass-Solo, ehe das Schlagzeug und die Gitarre dazwischenfunken und dann Jons Gesang den Ton angibt.

Orphan Jon schmückt sich auch immer mit illustren Gastmusikern. Der erste ist Kris Lager, der seit fast 20 Jahren mit seiner eigenen Band unterwegs ist und bereits mehrere CDs veröffentlicht hat. Er greift zum ersten Mal beim Blues „Somewhere Salvation“ mit seiner Slide-Gitarre ins Geschehen ein. Stark! Auch auf „Broken Angel“ und „Livin‘ My Life“ ist Kris Lager am Start.

Ein ähnlicher „Fall“ ist Nick Schnebelen, der Gründungsmitglied von Trampled Under Foot war und nun ebenfalls mit eigener Band tourt. Seine CD „Crazy All By Myself“ schaffte es 2019 auf Platz 13 der Billboard Blues Charts. Auch er ist bei drei Songs zu hören: „She“, „Bright Lights“ und „She’s Gone“, das er mit einem fast vier Minuten langen Gitarrenintro veredelt. Dieses „She’s Gone“, ein Blues Rock der Marke „Daumen hoch“, stammt im Original von Eric Clapton und ist zehneinhalb Minuten lang.

Apropos Gastmusiker: Der famose Alastair Greene war der heimliche (Gitarren-)Star beim Album „Over The Pain“ aus dem Jahr 2022. Diese CD startete mit „Tight Dress“, für das er wie bei weiteren Titeln als Co-Autor mit verantwortlich zeichnete. Der Song gehört auch zu den Höhepunkten der nun vorliegenden Live-CD, ein Rocker mit Boogie-Anklängen, der in die Beine geht.

Vintage LaNell Records (2025)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Sombrero Safari
02. Love Is Not A Lie
03. Somewhere Salvation
04. Broken Angel
05. Livin’My Life
06. King Bee
07. Tight Dress
08. Memories Of Me And You
09. She
10. Bright Lights
11. She’s Gone

Orphan Jon And The Abandoned
Orphan Jon And The Abandoned bei Facebook