The Sheepdogs – Keep Out Of The Storm – CD-Review

Seit Sheepdogs-Fronter Ewan Currie eine zeitweilige Lebenskrise überwunden hat und seine Band von Majorlabelzwängen befreit ist (man hat mit Right On Records ein eigenes gegründet), trumpfen die Kanadier in ständiger Regelmäßigkeit groß auf.

Wir haben alle ihre letzten EP-Veröffentlichungen („Hell Together“ und „Paradise Alone“ besprochen und dementsprechend gewürdigt, vollends überzeugt hatten sie mich persönlich mit ihrem grandiosen Gig Ende 2024 im Kölner Luxor, eines der besten Southern Rock-Konzerte, das ich je erlebt habe.

Nach einer ausverkauften Arenatournee durch Kanada als Vorgruppe von Bryan Adams, gibt es jetzt mit „Keep Out Of The Storm“ einen neuen Longplayer, der alles in sich vereint, wie man eine Genre-Scheibe dieser Art heutzutage anbieten sollte, um die immer noch bestehende recht große Fan-Gemeinde in ihrer Gesamtheit, aber auch in ihrer Diversität im Rahmen der Ansprüche ‚einzufangen‘.

Ihr langjähriger Schlagzeuger Sam Corbett ist nicht mehr dabei, auf dem Werk wurde er durch eine ganze Reihe von Drummern wie der JUNO nominierte Trevor Falls, Adam Hindle (Dwayne Gretzky, Born Ruffians), Steve Kiely (Golden Feather), Jordan Murphy (Walrus, Adam Bladwin) oder Dani Nash (July Talk) ersetzt.

Die vier Stücke „Nobody But You“ (Platz 17 der Billboard Mainstream Rock-Charts), „Playing All Night. Long“, „All I Wanna Do“ und das abschließende „Out All Night“, bieten klassischen Southern Rock-Stoff der Endsiebziger Jahre (so ein wenig wie 38 Special auf ihren beiden ersten Alben) und werden den Traditionalisten sicherlich am meisten zusagen.

Der Rest macht die Scheibe ‚bunt‘ und spannend. Der Titeltrack „Keep Out Of The Storm“ mit seinen Metal-ähnlichen Riffs im Refrain, „I Do“, als wenn die Rubettes (wer sie noch kennt) auf Southern-Pfade abgebogen wären, „Take A Look At Me Riding“ mit bluesigem JJ Cale-Esprit, „Bad For Your Health“ mit 70er-Psychedelic-Doors-Touch, das luftige „Breezy“ als eine Art Nitty Gritty Dirt Band meets The Allman Brothers“, das proggig-atmosphärische „The Owl“ und das allmaneske Instrumentalstück „The Yellow Line“, allerdings mit integrierten Bläsersätzen als neuer Variante, erzeugen, in der Gesamtschau mit den vier o. a. Tracks, eine stilistische Erweiterung.

Das Album wurde mit dem langjährigen Kollaborateur Thomas D’arcy aufgenommen und von Ewan Currie produziert. JUNO-Award-verdächtig!

Im November 2026 sind die Jungs auch wieder bei uns zu sehen, das sind die Termine:
18.11.26, Köln, Gebäude 9
21.11.26, Hamburg, KENT Club
30.11.26, Berlin, Hole44
01.12.26, München, Technikum

Hingehen ist Pflicht!

Right On Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Nobody But You
02. Keep Out Of The Storm
03. I Do
04. Playing All Night. Long
05. Take A Look At Me Riding
06. All I Wanna Do
07. Bad For Your Health
08. Breezy
09. The Owl
10. The Yellow Line
11. Out All Night

The Sheepdogs
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Oktober Promotion

Omar Coleman & Igor Prado – Old New Funky -And- Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für “Old, New, Funky And Blue“, den ersten gemeinsamen Longplayer, waren Omar Coleman und Igor Prado in Sao Paulo im Studio und haben ein klassisch-modernes Soul-Blues-Funk-Album eingespielt. Omar Coleman, Sänger und Harp-Spieler aus West Side Chicago gilt als eine der führenden neuen Stimmen im zeitgenössischen Soul-Blues der Metropole in Illinois. Seine erste Aufnahme machte er bereits 2005, damals jüngster Harp Artist, für die Compilation “Diamonds In The Rough” (Chicago Blues Harmonica Project) und war als Vertreter der dortigen Szene auch hierzulande schon unterwegs.

Igor Prado, brasilianischer Blues-Autodidakt, spielt als Linkshänder die rechtshändige Gitarre “upside down” und wurde 2015 für das Album “Way Down South” und “Bester Neuer Künstler” Award-nominiert. Die Tracks des Longplayers bringen neben eigenen Titeln eine Reihe älterer, weniger bekannter Songs auf die Setlist der Scheibe. Den Einstand macht „I’m Leaving My No Good Woman”, eine Kombination aus Memphis und Chicago-Soul Sound und versprüht seine Energie als eine Art “Wahrzeichen” der weiteren Titel.

Stilistisch “Stomping in” Soul-Blues Tracks, wie “I Only Have Love” und „Cut You Loose” hervorragender Arrangements bringen Stimme, Harp und Guitar Parts sowie die kräftige Horn-Section in die charakteristischen Gefüge der Aufnahmen. Beim rauen Blues Rock “Moving On To Better Days” wird dieser Wunsch auch musikalisch nachdrücklich robuster umgesetzt.

Ebenso spielen Einflüsse eine große Rolle, die Igor Prado z.B. von Albert King über Blind Willie Johnson bis Chuck Berry gerne benennt, während Omar Coleman Künstler der West Side Soul und Blues Szene, wie u.a. Tyron Davis und den inzwischen über 90-jährigen R&B Sänger Bobby Rush als Vorbilder in der “Nachbarschaft” hatte.

Kein Wunder also, dass zwei Titel von Bobby Rush (“I Wanna Do The Do” und “Night Fishin'“) funkige Boogie Versionen bieten. Ähnliche Energie verbreiten die beiden Syl Johnson (ebenso Chicago R&B Icone) Cover “I Let A Good Girl Go” und “Don’t Give It Away” – auch in souliger Balladen-Form – und sowieso als funkiger R&B Nummer. Die sozialkritische Eigenkomposition (u. a. “Brown Nosin‘ Man”) bildet eine wesentliche Substanz der Produktion. Wobei der Abschlusstrack “Blue Line Train In Chicago” mit akustischer Gitarre und Harp nochmal zusätzlich einen Song alter Prägung auf die “Schiene” bringt.

Insofern kann das Album “Old, New, Funky & Blue”, dem ersten gemeinsamen Longplayer von Omar Coleman und Igor Prado, durchaus auch als persönliche Aufarbeitung einer traditionsreichen Musikepoche verstanden werden. Moderne Interpretationen belassen den Covern ihre Ursprünglichkeit, entwickeln eine eigene Identität und die Erwartungshaltung, dass es nicht nur bei der Premiere bleibt.

Nola Blue Records (2026)
Stil: Soul, Funk, Blues Rock

Tracks:
01. I’m Leaving My No Good Woman
02. I Only Have Love
03. Cut You Loose
04. Moving On To Better Days
05. Answer Your Phone
06. I Let A Good Girl Go
07. Brown Nosin‘ Man
08. I Wanna Do The Do
09. Don’t Give It Away
10. Night Fishin
11. Blue Line Train In Chicago

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Joanne Shaw Taylor – 06.02.2026, Kantine, Köln – Konzertnachlese

Joanne Shaw Taylor setzt ihre im letzten Herbst begonnene Tour fort und macht auch Halt in der Kantine im Kölner Norden. Ungewohnt für die Location ist, dass der Saal bei freier Platzwahl bestuhlt ist. Hinter und neben den Sitzreihen ist zudem noch genügend Platz für die Fans, welche das Konzert im Stehen verfolgen wollen. Alle Sitzplätze sind belegt und auch an den Rändern ist der Saal bestens gefüllt.

Der Stimmung tat das Sitzplatzkonzert keinen Abbruch, neben dem so vollen Haus ohne Lücken im Publikum, können sich die Fans vermutlich auch besser auf die Musik konzentrieren. Es sei die Begrüßungszeile eines Jethro Tull-Livealbums zitiert, „Sit Down, Relax And Have A Nice Evening with…“ Joanne Shaw Taylor. Und genau so kommt es. Ein starkes Blues Rock-Konzert mit einer Joanne Shaw Taylor, die den Applaus nach den Songs regelrecht aufzusaugen scheint und wie entfesselt aufspielt.

Dabei wird sie von ihrer Begleitband, wie auch beim von uns besuchten Konzert in Arnheim, bestens unterstützt. Die Dramaturgie des Konzertes ist bis auf wenige Ausnahmen wie auch in Arnheim, ich habe aber das Gefühl, dass sich die Band  im Zusammenspiel noch weiterentwickelt hat.

Neben „Hell In A Good Time“, „Grayer Shade Of Blue“ und „Look What I´’ve Become“ vom aktuellen Album „Black & Gold“, umspannt die Set-List Songs von Ihrem 2009er Debütalbum „White Sugar“ bis zu „Heavy Soul“. Jeder Ton sitzt, alle Musiker haben ihren Anteil an der Show, und Joanne Shaw Taylor bindet sie auch aktiv mit ein, indem sie sich oft vom Zentrum der Bühne zu ihren Mitmusikern begibt, was den Bandcharakter verstärkt.

Ein besonderer Dank geht wieder an Jenny und Nina von 3Dog Entertainment für die Akkreditierung und nette Begleitung. Das Experiment, Joanne Shaw Taylor bestuhlt in der Kantine, kann als geglückt angesehen werden. Neben dem so gemütlichen Ambiente sind auch die angenehme Bühnenausleuchtung und der transparente Sound hervorzuheben, die für einen besonderen Konzertabend sorgten.

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Shane Sanders (electric guitar, vocals)
Katelynn Corll (drums, vocals)
Christopher Alexander (bass, vocals)
Ty Baile (keys)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Joanne Sah Taylor
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3dog entertainment
Kantine Köln

Crystal Shawanda – Sing Pretty Blues – CD-Review

Selbst mich, der Crystal Shawanda ja bereits schon länger kennt, haut es nach den ersten gesungenen Zeilen des Openers „Preachin‘ Blues“ (Son House-Cover) förmlich aus den ‚Socken‘. Was für eine Röhre, die einem da entgegenschallt. Ich glaube, selbst der Mikrofonständer ist bei der Aufnahme im Studio, vermutlich vor Schreck, direkt nach hinten umgefallen.

Auf dem sich schon etwas länger auf dem Markt befindlichen neuen Album „Sing Pretty Blues“ der aus Northern Ontario stammenden Kanadierin, ist der Titel des Werkes Programm. Dabei begann die, wie sooft aus einem musikalischen Elternhaus kommende Protagonistin, Juno-Award-Gewinnerin, zunächst im Country, sogar unter Major-Flagge. Beim letzten Stück „Dirty“ (nur Gesang zu einer Dobro) lässt  sie ihr Talent auch für dieses Genre wieder kurz aufblitzen.

Ihre wahre Liebe galt aber immer dem Blues und der wird hier in vielfacher Hinsicht mit Bravour gehuldigt. Der entscheidende Mann hinter Shawanda ist ihr Ehemann Dewayne Strobel, der hier in Sachen Produktion und instrumenteller Umsetzung auch maßgeblich mitmischt.

Weitere involvierte Musiker sind u. a. Leute wie Nioishi Jackson, Jonathan Nixon, Peter Keys (Lynyrd Skynyrd), Stephan Hanner, Steve Marriner oder Chris West.

Insgesamt muss man sagen, dass hier das exzellente Zusammenspiel von den Hauptinstrumenten wie Harp, Piano/Orgel sowie E-Gitarre in Verbindung mit Shawandas unnachahmlichen Gesang, den Reiz dieses Albums ausmachen, besonders veranschaulicht in Tracks wie „I Gave Up Everything For You ‚Cept The Blues“ und dem packenden Southern Blues „Too Far To Turn Around“.

Soulig emotional geht es beim herrlichen „Waitin‘ For My Lover To Call“  (was für ein toller relaxter Groove!) zu, Tom Petty-Freunde können sich an einer fesselnden, dezent swampigen Fassung von „Honey Bee“ laben.

Ach ja, dann wären noch die drei toll instrumentierten Killerballaden zu erwähnen, die mit dem famosen Gesang Gänsehautgarantie beinhalten: „Would You Know Love“ mit gefühlvollen Bläsersätzen veredelt, „Don’t Let Me Be Lonely“ (eine Art „The Weight“ in Ruhig) und die exzellente Adaption des Ozzy Osborne-/Black Sabbath-Klassikers „Changes“ (hier mit dem Zusatz ‚For Snowflake‘ betitelt).

Juno-Award-Gewinnerin Crystal Shawanda  beweist mit diesem grandiosen Album, dass sie nicht nur schön ‚Blues singen‘ kann. Die Kanadierin würde (wie auch schon im Country nachgewiesen) mit ihrer phänomenalen Stimme vermutlich in  jedem Genre mit Bestnote performen. Für mich persönlich ist sie eine der besten Sängerinnen, die ich je im Rahmen meiner Review-Tätigkeiten gehört habe.

Fazit: Einfach ‚pretty damn good‘!

New Sun Records (2025)
Stil: Blues & More

01. Preachin‘ Blues
02. Stop Funkin‘ Around
03. Would You Know Love
04. I Gave Up Everything For You ‚Cept The Blues
05. Sing Pretty Blues
06. Don’t Let Me Be Lonely
07. If That’s All It Takes
08. Waitin‘ For My Lover To Call
09. Changes (For Snowflake)
10. Honey Bee
11. Too Far To Turn Around
12. Dirty (For JC)

Crystal Shawanda
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Wishbone Ash – 05.02.2026 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Wishbone Ash spielen im ausverkauften Musiktheater Piano wie entfesselt auf. Im Zentrum des Geschehens stehen Andy Powell und Mark Abrahams, die in Sachen Twin Guitars zeigen, wie hoch die Messlatte gelegt werden kann, wenn sie die Klänge ihrer Gitarren miteinander verschmelzen lassen. Eine druckvolle Grundlage für die beiden Gitarristen bilden dabei der neue Schlagzeuger Windsor McGilvray und Bassist Bob Skeat, der Powell als Background Sänger unterstützt.

Neben Klassikern wie „The King Will Come“, „Warrior“ oder „Jail Bait“ hat Powell auch einige, in den letzten Jahren weniger gespielte Songs, wie „You Rescue Me“ und „Peace“, mit dem das Konzert beendet wird, eingebaut, die auch als Statement zum Weltgeschehen gesehen werden können. Absolutes Highlight ist eine knapp 20-minütige Version von „Phoenix“, in der sich Powell und Abrahams regelrecht in einen Rausch spielen, was von den Fans entsprechend abgefeiert wird.

Eine Randnotiz ist, als zunächst Skeat und dann Powell einen in der ersten Reihe stehenden Fan auffordern doch das ständige mitfilmen zu unterlassen, was auch die dahinterstehenden Fans stört und doch einfach die Musik genossen werden soll. Wer denkt danach wäre Alles geklärt, sieht sich getäuscht.

Ein direkt danebenstehender Fan hält dann direkt beim nächsten Song Powell das Handy fast ins Gesicht, dass dieser den Song abbricht, eine eindeutige Ansage macht und zumindest erreicht, dass im weiteren Verlauf das exzessive Handyfilmen reduziert wurde. Es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig das in den nächsten Wochen sein wird.

Line-up:
Andy Powell (vocals, guitar)
Marc Abrahams (guitar)
Bob Skeat (bass)
Windsor McGilvray (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Wishbone Ash
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Musiktheater Piano

Danny Bryant & Bigband – 29.01.2026 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Danny Bryant spielt mit seiner Bigband im Dortmunder Musiktheater groß auf. Im Vergleich zum Konzert wenige Tage zuvor im Schwarzen Adler, hat er diesmal drei Bläser mit auf der Bühne, die den Songs einen Bigband-Charakter verleihen.

Mit seiner Vitalität und sichtbaren Lebensfreude nimmt er die Fans von Beginn an mit. Er nutzt abwechslungsreich die gesamte Bandbreite von Rock bis Blues und gibt seiner Band genug Möglichkeiten, sich in Soloparts in den Vordergrund zu spielen.

In einer Setlist ohne Lückenfüller ist „Enemy Inside“ vom Neuen Album, wo er in Sphären von Neil Youngs „Down By The River“ wandelt, eines der vielen Highlights des Abends.

Stark auch die erste Zugabe „Painkiller“, balladesk beginnend, Mark Rahner mit der akustischen Gitarre begleitend, bis Jamie Pipe ein gefühlvolles Keyboardsolo spielt, aus dem sich am Ende das rockige Outro entwickelt, in welchem Bryant ein mehrminütiges Gitarrensolo nahezu zelebriert, dem die drei Bläser zusätzlichen Druck verleihen.

Line-up:
Danny Bryant (vocals, guitar)
Marc Rahner (guitar)
Jamie Pipe (keyboards)
Ardjom Feldster (bass)
Alexander Hinz (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano

New Valley String Band – Of Tales And Lies – CD-Review

Review: Michael Segets

Als Musikstudenten lernten sich Lukas Pettersson Lindberg, Michael Nyberg und Adam Bülow kennen. Verbunden durch die gemeinsame Begeisterung für traditionelle Folkmusic riefen sie schließlich die New Valley String Band ins Leben. Die Band beschränkt sich mit Banjo (Lindberg), Gitarre (Nyberg) und Geige (Bülow, Lindberg) tatsächlich auf Saiteninstrumente. Sie geht damit als Bluegrass-Formation durch. Allerdings stammen die Protagonisten nicht aus den Vereinigten Staaten, sondern aus Schweden. Auf ihrem zweiten Album „Of Tales And Lies“ verbinden sie Folkeinflüsse von beiden Seiten des Atlantik.

Die zehn Track des Albums unterhalten eine halbe Stunde lang gut mit dem, was man von einer traditionell orientierten Folkband erwarten kann, die auf Schlagzeug und elektrische Unterstützung verzichtet. Es versammelt vier Traditionals sowie je drei von Lindberg beziehungsweise von Bülow geschriebene Songs. Die Hälfte der Stücke sind instrumental.

Zu meiner Schande tut sich in Sachen schwedischer Volksmusik eine Bildungslücke auf. Die beiden Titel „Köksflikan“ und „Nytändning“ legen auf alle Fälle nahe, dass sie ihre Wurzeln im skandinavischen Raum haben. Auch hinsichtlich Melodien und Rhythmus sind die Tracks am weitesten vom amerikanischen Bluesgrass entfernt. Das mit schwedischen Lyrics versehene „Jag haver ingen kärare“ kommt diesem deutlich näher. Bei dem von Bülow verfassten Song überrascht, dass das Schwedische klanglich nahe am Englischen ist. Ein Bruch, wie ich ihn auf manchen Tejano- oder Tex-Mex-Alben wahrnehme, findet hier nicht statt. Ich versuche an dieser Stelle besser nicht, dies mit meinem Halbwissen über unterschiedliche Sprachfamilien zu erklären.

„The Landlord Says It’s Fine“, „King Of Frogs” sowie „Fast Train” sind mit englischen Texten versehen. Einflüsse der amerikanischen Folktradition lassen Bülow beziehungsweise Lindberg hier hörbar in ihr Songwriting einfließen. Einen Höhepunkt stellt „Wild And Reckless Hobo“ dar, das a cappella mit mehrstimmigem Gesang performt wird.

Im letzten Sommer hatte das Trio einige Gigs in Deutschland. Mit Auftritten bei mehreren Festivals in Skandinavien, Frankreich und den Niederlanden ist die New Valley String Band weit über den Status eines Studentenprojekts hinaus. Gerade die Verbindung von schwedischem und amerikanischen Folk macht ihre Musik für Bluegrass-Fans interessant.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Folk, Bluegrass

Tracks:
01. Hell And Scissors
02. King Of Frogs
03. The Landlord Says It’s Fine
04. Köksflickan
05. Jag Haver Ingen Kärare
06. Nytändning
07. Wild And Reckless Hobo
08. Flight Of The Pelican
09. Fast Train
10. King Of Frogs (Reprise)

New Valley String Band
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JohThema Promotions

Stone Senate – Lucky Buzz – CD-Review

Stone Senate arrivieren momentan zur Southern Rock-Band der Stunde. Nach ihrem starken Konzert in der Krefelder Kulturrampe im Rahmen ihrer noch bis zum 21. Februar laufenden Europatour, habe ich jetzt auch das Vergnügen, ihre brandaktuelle CD „Lucky Buzz“ zu besprechen.

Und die kommt mit satten neuen 15 Songs daher, die eigentlich alles beinhalten, was das Herz des gediegenen Southern Rock-Liebhabers höher schlagen lässt. Bei der Band aus Nashville passt zur Zeit eigentlich alles. Sie haben mit Clinton Woolsey einen charismatischen Fronter mit ausdrucksstarkem Gesang (erinnert mit an Eddie Montgomery), der auch E-Gitarre spielen kann.

Selbst Drummer David Zettler hat auf der Bühne schon bewiesen, dass er auch das Frontmikro bedienen könnte, und Bassist Tommy Michael hat sich blendend in das Gefüge eingepasst.

Die beiden Gitarristen James Edwards und Ted Hennington bilden ein kongeniales Duo, das das große Einmaleins des Southern Rock-E-Gitarrenspiels prfekt beherrscht. Ein weiterer Vorteils des Kollektivs, indem augenscheinlich die Chemie zu stimmen scheint, ist das kreative Talent aller Beteiligten beim Songwriting, das sich dann auch in den verschiedensten Konstellationen bei der Tracklist mit ausschließlich starken und abwechslungsreichen Eigenkreationen widerspiegelt.

Die drei eröffnenden Tracks bedienen Freunde der etwas härteren, aber immer melodischen Gangart, Richtung Molly Hatchet, Rebel Pride, Preacher Stone & Co. Beim atmosphärischen Intro zu „Devil’s Water“ und auch im weiteren Verlauf des Stückes kommt Lynyrd Skynyrd-Keyboarder Peter Keys als Gast zum Einsatz.

Dass die Jungs aus Nashville auch durchaus ‚ruhig‘ können, beweisen Lieder wie „I Will Follow (True North)“, „Today I’m Breathing“, „Sleep Ain’t All I’m Gonna Miss“ und der Ohrwurm „This Ol‘ Cowboy“ (Marke Rambler), der mir schon beim Konzert angenehme Schauer bereitete.

Weiter Highlights sind das schön ‚dreckig‘ performte SR-Stück „Thief Of Joy“ mit herrlich reinkrachenden E-Gitarreneinlagen, das Melodic Rock-behaftete „For You“ und die klassischen Genre-Stampfer „Tryin‘ To Roll“ und „When It All Went South“. Den krönenden Abschluss bildet zurecht das atmosphärische „Seasons“, ein Song mit Klassiker-Potential.

Stone Senate haben zu Zeit einen echten Lauf. Mit dem von Toby Wright rau, aber transparent produzierten „Lucky Buzz“ ist ihnen ein echtes Southern Rock-Glanzstück gelungen. Absolute Kaufempfehlung, nicht nur für Genrefans.

Rollin‘ The Dice Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Lucky Buzz
02. Outlaw
03. On My Way To Alright
04. Devil’s Water
05. I Will Follow (True North)
06. Thief Of Joy
07. Today I’m Breathing
08. Gimme That One To Me
09. Tryin‘ To Roll
10. Sleep Ain’t All I’m Gonna Miss
11. Words I’ll Never Say
12. For You
13. This Ol‘ Cowboy
14. When It All Went South
15. Seasons

Stone Senate
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Teenage Head Music

Walter Rootsie & His Blue Connection – People Talk – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Im Jahr 2005 vom niederländischen Songschreiber Walter “Rootsie” Hopmanns gegründet, verkörpert die Band eine bemerkenswerte Symbiose in Suomis Musikszene. Ein “Dutch Americana Heart” trifft auf gleichgesinnte, erfahrene Begleiter mit finnischer Roots Rock-Begeisterung. Zum Bandjubiläum ist mit “People Talk” ein neues Studiowerk erschienen.

Der unverkennbar Americana-Titeltrack bereitet zu Beginn den idealen Einstieg in den opulenten Song-Reigen und überrascht überaus mitreißend als Ohrwurm- Kandidat: ein Radio-Playlist “Wecker” für Frühaufsteher und Artverwandte. Im melodischen Charakter der Scheibe bringt “Pleased To Meet You” agile Country- Lebensfreude, die auch vor finnischen Tango-Einflüssen (“Eternal Love”) nicht Halt macht.

Geradeheraus souverän holt sich die Band die Hörer-Sympathien Stück für Stück auf ihre Seite. So wirken insbesondere die emotionalen Story-Balladen (“Empty Heart” bzw. “The Whole Time”) und die temporeichen Rock-Songs (z.B. “Gone, Gone, Gone” und “Depression”) in ihren vielseitig intensiven Melodie-, Harmonie- und Rhythmus-Strukturen als eigentliche Glanzstücke der langjährig eingespielten Formation.

Zu diesen Premium-Nummern zählt zweifelsohne neben dem Americana-Titel “You Kissed The Wrong Guy” vor allem der Country-Rock Song “We Both Know”, der in ausgeprägter Eleganz die Stilrichtung noch einmal kultiviert.

Selten erscheint ein Album, das in derart komprimierter Weise die Vielseitigkeit von Americana über Country, Rock bis hin zu Singer/Songwriter Einflüssen mit Outlaw- und Folk-Nuancen in 10 Songs verbindet. Nach den Vorläufern “Get Up And Go” und ”Dark Water” ist “People Talk” von Walter Rootsie and His Blue Connection erneut eine stilistisch vielseitige LP erschienen.

Wraf Records (2025)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. People Talk
02. Depression
03. The (W)Hole Time
04. Gone, Gone, Gone
05. Please To Meet
06. You Kissed the Wrong Guy
07. Empty Heart
08. Eternal Love
09. We Both Know
10. Old Love

Walter Rootsie & His Blue Connection
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Larry Fleet – Another Year Older – CD-Review

Ich bin auf Larry Fleet durch den Song „Baby We Do“ von seinem Debüt-Album „Working Hard“ gestoßen, ein Country-Ohrwurm, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Southern Soul und gesungen von einer grandiosen Wohlfühl-Reibeisenstimme (wie eine Mischung aus Travis Tritt und Kenny Rogers).

Das zum Album gehörige Review übernahm der geschätzte Kollege Michael Segets, dessen Analyse man quasi 1:1 auch auf Fleets neues Werk „Another Year Older“ übertragen könnte.

Der von Jake Owen entdeckte Singer/Songwriter ist mittlerweile auf einem Independant-Label (EMPIRE) unterwegs, das sich die Förderung kulturell relevanter Musik, die die Persönlichkeit des Künstlers in den Vordergrund rückt, auf die Fahne geschrieben hat.

Dies trägt sicher dazu bei, dass er sich ganz auf seine Stärken konzentrieren kann: dezent melancholisches Storytelling, überwiegend verpackt in melodische Countrysongs mit Veranda-Charakter, ab und zu mal  etwas lebhafter, wenn er seine Passion für Soulmusik mit einfließen lässt.

Hitverdächtig in einer elf-stückigen Singleansammlung (da hat man wirklich die Qual der Wahl bei der Auswahl) sind für den patriotisch/gläubig gestrickten Ami sicherlich „Baseball On The Radio“, „Hotel Bible“ und „American Made„, das mit einem dezenten ‚Bruce Springsteen-/Bob Seger go Country‘-Esprit (typische Piano-Untermalung) daherkommt.

Meine Key-Tracks sind natürlich die Sachen, die wieder im southern-souligen „Baby We Do“-Stil angelegt sind. Da gibt es diesmal gleich drei Ohrwürmer an der Zahl zu vermelden:  „If These Walls Could Talk“, „Whoke Lotta Little Things“ und „Drunk Advice“, alle mit viel Piano, hallendem Organ und schönen E-Slide-oder Fill-Einlagen. Herrlich, einfach zum Reinlegen!

Am Ende ist Larry Fleet mit seinem fünften Longplayer  „Another Year Older“ wieder ein überaus eingängiges und melodisches Werk gelungen, das man zu jeder Zeit auflegen kann, wenn man mal entspannt abschalten möchte.

Ich freue mich schon jetzt darauf, ihn am 06. Mai live im Kölner Yard Club begutachten, beziehungsweise kennenlernen zu können.

Stellar Way Records / EMPIRE (2026)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. More Of That
02. Baseball On The Radio
03. Hotel Bible
04. If These Walls Could Talk
05. 5:25
06. Both Sides Of The Fence
07. Another Year Older
08. Whoke Lotta Little Things
09. Drunk Advice
10. If I Still Was
11. American Made

Larry Fleet
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Lime Tree Music