Palace Of The King – 03.12.2016, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Wie bereits berichtet, hatte es der November arbeitstechnisch, in allen Belangen, ordentlich in sich. Zum Glück hält sich der bereits laufende Folgemonat, was Konzerttermine betrifft, bisher in eher überschaubaren Grenzen. Auf dem Programm stand aber in jedem Fall in unserer geliebten Krefelder Kulturrampe noch ein weiterer Act aus dem Teenage Head Music-Portfolio, und zwar die talentierten Jung-Aussie-Hard Rocker von Palace Of The King.

Auch wenn die Burschen vom Profil her, eher weniger in unser Magazin passen, hatten ihre beiden EPs und CDs, für die sie zurecht hohe Vorschuss-Lorbeeren erhalten hatten, doch unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Da gilt es für den Rezensenten halt, die Bezüge herauszuarbeiten, die sich dann auch zumindest in sporadischen Ansätzen, dank ihres Les Paul-Gitarristen und Harp-Spielers Leigh Maden, im Verlauf des Gigs herauskristallisierten.

Im Prinzip gab es aber, im Stile der Siebziger, ordentlich laut was auf die Ohren, eine unverkennbare Liebe zu Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple & Co. zog sich wie ein roter Faden durch die Setlise, was letztendlich z. B. bei der umjubelten Cover-Zugabe „Bring It On Home“ nochmals deutlich unterstrichen wurde.

Es dominierten aber Stücke aus dem eigenen Fundus (im Mittelpunkt stand, wie so oft bei einer Tour, ihr aktueller Longplayer „Valles Marineris“), für mich immer ein besonders lobenswertes Kriterium. Auffällig, dass die Band um ihren blonden Frontmann Tim Henwood (vokal in Robert Plant-Gefilden angesiedelt), es vor allem dem weiblichen Geschlecht im Publikum angetan hatte. Die meisten Damen zappelten nämlich ziemlich intensiv und ausdauernd zu den riffigen Hard Rock-Rhythmen, die besonders durch das kraftvolle Drumming von Rauschebart-Träger Travis Dragani und dem Bassisten Anthony Licciardi Garcia gepaced wurden.

So gaben POTK vom Opener „Let The Blood Run Free“, über Sachen wie u. a.  „No Chance In Hell“, „Empire Of The Sun“, „Beyond The Valley“, „Ain’t Got Nobody To Blame By Myself“, „I Swear On My Life“ (Black Crowes-Flair, E-Solo dezent in Richtung ZZ-Top), das krawallige „We Are The Vampires“ bis zum finalen Track des Hauptteils „Take Your Medicine“ (starke Drum-/Bass-Passage, knarziges Les Paul Solo) einen umfassenden Überblick bezüglich ihres Schaffensspektrums.

Als Rausschmeißer und zugleich letzte Zugabe wurde King Elvis mit einer sehr schön shufflig dargebotenen Version von „Jailhouse Rock“ noch die Ehre erwiesen, wobei hier Sean Johnston an der Orgel und unser ‚Mann des Abends‘, Leigh Maden (der im Hauptteil bei einem Blues auch einen Lead Gesangs-Einsatz hatte) an der Harp (mit ordentlich Speed gegen Ende seines Solos), nochmals markante Akzente setzten.

Palace Of The King erspielten sich mit jugendlich forschem und knackigem, 70er-inspirierten Hard Rock (z. T. auch mit psychedelischem Touch) viele Sympathien in der Kulturrampe. Ein Sextett (es war demnach übrigens auch ganz schön eng auf der kleinen KR-Bühne), dem sicherlich dank seines kreativen Potentials in diesem Bereich noch eine erlebnisreiche Zukunft bevorsteht. Well done, boys!

Mein Dank für ein insgesamt tolles Konzertjahr 2016 in der Rampe an Pille und alle weiteren Beteiligten, sowie, was diesen Abend betrifft, an Fotograf Jörg Schneider, der für den kurzfristig erkrankten Gernot Mangold spontan eingesprungen ist.

Line-up:
Tim Henwood (lead vocals, percussion)
Matt Harrison (electric guitar, vocals)
Leigh Maden (electric guitar, harp, vocals, lead vocals)
Sean Johnston (keyboards, vocals)
Anthony Licciardi Garcia (bass, vocals)
Travis Dragani (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Blackfoot – Southern Native – CD-Review

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Starkes Comeback von Blackfoot! Ich habe die Band eigentlich zum größten Teil seit ihrer „Siogo“-Scheibe (damals noch als LP) aus den Augen verloren und Neuigkeiten, nur noch so am Rande mitbekommen. Natürlich habe ich zur Kenntnis genommen, dass mit dem Wechsel ihres Leaders Rickey Medlocke zu Lynyrd Skynyrd, die Band ihr Markenzeichen/Aushängeschild verloren hatte und man mit neuen Sängern und Intrumentalisten sporadisch immer wieder in Aktion (teilweise so gar ganz ohne Original-Mitglieder, Jackson Spires ist ja 2005 verstorben) getreten ist.

Erstaunlich ist aber wirklich, wenn man sieht, wer so alles in der Zwischenzeit, in der Vita der Truppe, Indianer spielen durfte. Da treten interessante Namen wie u. a. der ehemalige Axe-Chef Bobby Barth, Mark Mendoza, Neal Casal(!), die Skinny Molly-Leute wie Jay Johnson oder Mike Estes zu Tage, von denen man manche hier nicht unbedingt vermutet hätte.

Aktueller Fakt ist, dass die beiden verbliebenen Gründungsleute neben Medlocke, Charlie Hargett und Greg T. Walker, aus welchen Gründen auch immer, in anderen Bands, unter anderem Namen tätig sind, und Rickey mit Rick Krasowski (guitar, vocals), Tim Rossi (vocals, guitar), Brian Carpenter (bass) und Matt Anastasi (drums), ein komplett neues Line-up formiert hat. Medlocke fungiert jetzt mehr als Strippenzieher im Hintergrund (hat aber als Produzent, Songwriter, Gitarrist und Backgroundsänger einen erheblichen Teil zum Gelingen des neuen Projekts beigetragen).

Wenn die Band nicht Blackfoot heißen würde und man nicht immer unweigerlich im Kopfkino gezwungen wird, Vergleiche anzustellen, sondern als ein brandneuer Southern Rock-Act in Szene getreten wäre, hätte es vermutlich überschwänglich gute Kritiken gehagelt. Das Album „Southern Native“ macht durchgehend Spaß, vieles erinnert mich ein wenig an das damalige tolle Debüt der Regulators, das ja später, auch aufgrund seiner schwierigen Bezugsmöglichkeit, quasi Kultstatus erlangte.

Die ’neuen‘ Blackfoot geben von vorne herein Gas. Die Begründung liefern sie im Titel, mit dem, von powernden E-Gitarren (inkl. quirligem Solo) und polternden Drums getragenen Opener, „Need My Ride“. Er erinnert mich an „Need For Speed“ vom o. a. Regulators-Werk . Direkt mal ein satter Auftakt! Auch der folgende Titelsong „Southern Native“ lässt das Herz der, der etwas härteren Gangart zugeneigten Southern Rock-Klientel, höher schlagen. Teilweise sogar Headbangtauglich. Herrlich hier vor allem die rotzigen weiblichen Backing-Gesänge von Stacy Michelle. Eigentlich schade, dass sie nur bei diesem Lied eingestreut wurden.

Das bluesig-balladeske und sehr melodische „Everyman“ gewährt eine knapp sechs-minütige Durchschnaufpause nach den beiden ersten ziemlich tempogeladenen Liedern. Das starke riffige „Call Of A Hero“ hat so ein dezentes Lenny Kravitz-Flair, aber natürlich in der Southern-Variante. Mit dem atmosphärischen „Take Me Home“ und dem knarzig dahinrauschenden „Whiskey Train“ beginnt eine Phase, wo die Band, den Spirit der Originaltruppe ein wenig aufleben lässt.

Bei Erstgenanntem lässt das Intro dezente „Diary Of A Working Man“-Reminiszenzen aufkommen (enthält später auch tolle Twin-E-Gitarren), beim blues-rockigen „Whiskey Train“ (auch wieder mit furiosen E-Gitarrenparts) versucht Rossi, Medlockes Gesangstil von einst, dosiert mit einzubringen. Zwei tolle Stücke. Auch der stampfende „Satisfied Man“ bietet mit den heulenden E-Gitarren und verspielten Soli, Southern Rock-musikalische Genugtuung. Die gut umgesetzte Fassung von Crosby Stills Nash & Youngs Klassiker „Ohio“ ist ebenfalls richtig passabel.

Das Slide-durchzogene „Love This Town“ knallt nochmal richtig heavy, bevor das Tex-Mex-Intrumental „Diablo Loves Guitar“ mit spanischer Akusikgitarre und Sanatana-mäßigen E-Gitarren-Einlagen, zum Abschluss ein wenig Spielraum gewährt, den vorangegangenen Rest des Albums, nochmal innerlich Revue passieren zu lassen.

Fazit: Auch wenn man sich über den Sinn und Zweck eines solchen Projekts ohne Original-Bandmitglieder sicherlich streiten kann und Tim Rossi vokal eher wenig Charisma versprüht, aber dafür einen grundsoliden und angenehm zu hörenden Sänger sowie starken Gitarristen abgibt (hier kommt natürlich auch wieder automatisch das bereits o. a. Kopfkino ins Spiel: Was wäre wohl gewesen, wenn Medlocke wieder das Front-Mikro übernommen hätte…), ist „Southern Native“ eine wirklich starke Southern (Hard) Rock-Platte geworden, mit allem Drum und Dran, was Fans des Genres seit den Anfangstagen Spaß macht. Denn was zählt, ist letztendlich das musikalische Ergebnis. Und das stimmt absolut. Eine der ganz großen Überraschungen des Jahres 2016. Ein klares ‚Must-Have‘ für Southern- und auch Hard Rock-Liebhaber!

Loud & Proud Records, 2016
Stil: Southern (Hard) Rock

01. Need My Ride
02. Southern Native
03. Everyman
04. Call Of A Hero
05. Take Me Home
06. Whiskey Train
07. Satisfied Man
08. Ohio
09. Love This Town
10. Diablo Loves Guitar

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Buffalo Summer – Second Sun – CD-Review

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Auch wenn der Bandname Buffalo Summer schon eine gewisse Affinität zu unserem Magazin suggeriert, stellte sich zunächst die Frage, ob eine Truppe aus Wales dem musikalischen Anforderungsprofil auch gerecht werden kann. Um die Frage direkt zu beantworten: Partiell in jedem Fall, allerdings handelt es sich mit „Second Sun“ um ein Album (ihrem zweiten), das primär eher in der klassischen Rockmusik-Sparte seine Klientel finden wird.

Das aus dem Süden der Insel stammende Quartett, bestehend aus Andrew Hunt (lead vocals), Jonny Williams (guitars, vocals), Darren King (bass, vocals) und Gareth Hunt (drums), serviert uns gut gemachten (Hard) Rock im Stile und durchaus auch auf dem Niveau von uns aller geschätzter, arrivierter Acts wie Led Zeppelin, Free, Bad Co., Great White, Whitesnake (und deren Ableger wie MMB oder Snake Charmer), FM, Thunder & Co. Dabei punkten sie mit einem starken Sänger, der in vokalen Sphären mit viel charismatischer Ausstrahlung zwischen David Coverdale, Robert Plant und Daniel Bowes zu glänzen weiß.

Hinzu kommt eine sehr professionelle Gangart in allen Bereichen, die z. B. bei Barrett Martin (REM, Screaming Trees, Walking Papers) und seiner transparenten Produktion beginnt, instrumentell top eingespielt wurde und bei einem fantastisch gemachten Cover-Artwork mit allen Texten, das mich an damalige Hipgnosis-Zeiten erinnert (Jamie Kirkhouse/Gestaltungskommando BUNTMETALL), aufhört.

Ihre SoS-Berechtigung erspielt sich der Waliser-Vierer in Songs der Marke „Heartbreakin‘ Floorshakin‘ (Black Crowes-Manier), dem von einem schönen Akustik-Slide eingeleiteten und untermalten „Levitate“, dem für einen Lovesong recht rockig umgesetzten „Priscilla“ (geht in Richtung der Dirty Guv’nahs) und dem lupenreinen Southern Rocker am Ende „Water To Wine“ (typisch knarzige E-Gitarren-Führungslinie, klasse Solo). „As High As The Pines“ hätte z. B. auch ganz gut auf eines der damaligen Solo-Alben von Johnny Van Zant gepasst. Dazu weisen einige E-Gitarrensoli eine gewisse Skynyrd-Note auf, die ja z. T. auch durch Einflüsse damaliger britischer britischer Bands geprägt wurden.

„Second Sun“ von Buffalo Summer wird somit auch von Sounds Of South, dem Magazin, das durchaus schon mal einen Blick über den Tellerrand wirft, absolut empfohlen!

Moriello Music, LLC – UDR (2016)
Stil: (Hard) Rock & More

01. Money
02. Heartbreakin‘ Floorshakin‘
03. Make You Mine
04. Neverend
05. As High As The Pines
06. Light Of The Sun
07. Levitate
08. Into Your Head
09. Little Charles
10. Priscilla
11. Bird On A Wire
12. Water To Wine

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Ron Young (Little Caesar) – Interview

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Sounds Of South: Wie verläuft die Europa-Tour bisher? Gibt es irgendetwas Interessantes zu berichten?
Ron Young: Die Tour läuft momentan richtig gut, tolle Leute, tolle Energie. Dazu viel Medieninteresse. Das einzig Ärgerliche ist, dass Pharoah und ich krank sind. Bei mir ging es schon drei Tage vor der Tour los, ich hatte heute morgen keine Stimme, schlucke Medikamente und muss meine Stimme aufwärmen, dass es halbwegs geht (Anmerkung: Die nächsten drei Konzerte sind heute dann deswegen abgesagt worden).

Sounds Of South: Was führt euch immer wieder in die kleine Kulturrampe nach Krefeld?
Ron Young: Die Kulturrampe besitzt ein tolles Publikum, intime Atmosphäre, eine enge Konnektivität, und jedes Jahr ein ausverkauftes Haus. Wir lieben aber natürlich auch die großen Bühnen und echte Rockstars zu sein (lacht). Wir werden hier immer herzlich von netten Leuten aufgenommen, dafür sind wir dankbar, und deshalb kommen wir auch gerne her.

Sounds Of South: Hand aufs Herz: Welche musikalische Zeit hat dir persönlich mehr Spaß gemacht: Die kommerziell erfolgreichen Major-Anfangsjahre oder die heutige Independant-Phase?
Ron Young: Waren sie kommerziell erfolgreich (grinst schelmisch)?

Sounds Of South: Wir denken schon!
Ron Young: Viel Geld bedeutete auch viel Abhängigkeit und auch große Ausgaben. Viele Manager, Anwälte, A***löcher, die einem alles vorschreiben wollen. Klar, wir hätten auch jetzt noch gerne einen großen Tourbus und eine Crew. Nein, ich bin eigentlich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Wir haben seit 1994 keinen Plattenvertrag mehr, und können alles so gestalten, wie wir es mögen. Es bedeutet Freiheit. Heute bewältigen wir alles in kleiner familiärer Atmosphäre. Wir haben immer noch genug Fans, so dass sich die Dinge langsam und harmonisch entwickeln können. Ich wäre aber gerne etwas jünger (lacht).

Sounds Of South: Welche neuen Projekte stehen an? Es ist von einer Live-Scheibe die Rede. Gibt es auch schon neue Songs für ein vermeintlich weiteres Studiowerk?
Ron Young: Ja, das neue Live-Album ist jetzt seit einer Woche käuflich erwerbbar und liegt hier bei den Konzerten aus. Ein raues, erdiges unbearbeitetes Werk, inkl. aller Fehler, ohne technische Veränderungen mit 21 Stücken. Ein paar neue Tracks sind in der Mache. Wir haben jetzt mit Alex Kane einen neuen, sehr kreativen Gitarristen und Songschreiber. Alle sind gleichberechtigt, Dinge einzubringen. Wenn wir genug Material haben, werden wir natürlich auch wieder ins Studio gehen und eine neue Platte aufnehmen.

Sounds Of South: Wir sind ja ein Magazin, das sich mehr mit Musik der Südstaaten beschäftigt. Wir waren aber immer der Meinung, dass Little Caesar zum Teil auch dezente Southern Rock-Einflüsse in den Liedern verarbeitet hat. Wie siehst du das?
Ron Young: Definitiv ja, Southern Rock hat was bluesiges, dezent Countryhaftes, ähnliche Gesangstile und viele Gitarrenlinien, die auch wir lieben und gerne praktizieren. Einige Leute haben unseren Stil als ‚AC/DC meets Lynyrd Skynyrd with a little Temptations in it‘, beschrieben. Bands wie Skynyrd, die Allman Brothers, Marshall Tucker Band, Molly Hatchet sind große Namen und es gibt auch einige junge gute Acts (wie wahr – Anmerkung SoS). Alles viel besser als der L.A. Hair-Metall-Bullshit.

Sounds Of South: Welche Musik hörst du sonst so?
Ron Young: Die einzige Musik, die ich eigentlich nicht mag, ist Rap. Ich höre gerne Blues, Rhythm’N’Blues, den alten ehrlichen Country. Wir haben mit „Mama Tried“ jetzt auch einen Merle Haggard-Song im Repertoire, auch Soul und Jazz, eigentlich alles, wenn es gut gemacht ist, kann mich bewegen.

Sounds Of South: Wie ist deine Meinung über Magazine wie unseres?
Ron Young: Ganz wichtig in der heutigen Zeit. Vor allem aufgrund der Schnelligkeit und der Weiterverbreitungsmöglichkeiten der Links über Facebook. Die großen Zeiten der Printmagazine sind vorbei. Hier hast du kein sogenanntes Sechs-Wochen-Fenster, mit all den Vorbereitungen und politischen Dingen dahinter. Die Leute in Online-Magazinen sind meist eine kleine hart arbeitende und schnell reagierende Gruppe mit noch frischen Berichten. Also definitiv sehr wichtig.

Sounds Of South: Hast du den zerschmetterten Kö noch als Andenken, den du Arnie in Terminator 2 über gezogen hast? Erzähl mal ein bisschen über die Szene, die dich dann letztendlich durch das Fenster katapultiert hat.
Ron Young: Nein leider nicht. Ich musste ungefähr 14 mal auf ihn einschlagen, die Dinger waren aus ganz leichten Holz. Es war lustig. Es kamen Ansagen wie ‚der Terminator hat nicht reagiert, Cut‘. Und schon musste erneut gedreht werden. Sie haben für mich einen Stuntman besorgt, dem dann meine ganzen Tattoos vor Ort auf den Arm gemalt wurden. Mich haben sie in Watte gepackt und der arme Kerl musste durch das Fenster gehen, so ist Hollywood!

Sounds Of South: Jedes Land bekommt die Politiker, die es verdient. Wir sind mit Leuten wie Merkel und Gauck gestraft. Wer ist demnächst das geringere Übel für Amerika: ‚Wall Street Hillary‘ oder ‚Crazy Donald‘?
Ron Young: Das ist wahr, Hillary Clinton ist aber definitiv das geringere Problem. Auch wenn sie sich beide letztendlich nicht viel tun. Trump ist verrückt, naiv, rassistisch, politisch unkorrekt. Einer, der alles macht, um eine Stimme zu ergattern. Viele mögen das. Er ist ein geschickter Verkäufer, aber kein Anführer. Clinton ist eine typische Politikerin, mit all ihren Verbindungen, aber sie ist nicht verrückt und rassistisch und spricht manchmal Wahrheiten, auch wenn sie bitter sind, aus. Aber im Prinzip hast du recht, wir haben es nicht anders verdient. Amerika ist Weltmeister in Arroganz. Wir denken immer, wir wären größer und besser als die anderen. Ja, im Aufrüsten da sind wir ganz groß. Unser Erziehungsmethoden sind auf ganz niedrigem Niveau und das Gesundheitssystem ist ein einziges Chaos, dazu gibt es sehr viel Armut. Aber dafür ein riesiges Militär. Es ist teilweise erschreckend.

Sounds Of South: Was macht Ron Young, wenn es mal nicht um Musik geht?
Ron Young: Ich baue gerade ein Haus auf 20 Morgen Land ungefähr eineinviertel Stunde außerhalb von Los Angeles . Ich habe eine Scheune mit Pferden, Eseln und Schweinen. Dazu eine Halle, wo wir Autos und Motorräder bauen. Dazu will meine verf***te (geliebte) Frau, noch ein Boot von mir errichtet haben. Ich werde Metallwerker, Farmer und Rancher zugleich sein.

Sounds Of South: Wow, Ron Young wird ein Countryboy!
Ron Young: Ja, aber ein ‚Countryboy from Hell‘!

Sounds Of South: Danke für das nette Gespräch.

Bilder: Gernot Mangold
Gespräch/Text: Daniel Daus

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Little Caesar, 15.05.2016, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Novum im Sounds Of South: Die erste gemeinsame Arbeit mit meinem früheren Schulkollegen Gernot Mangold, der sich für die tollen Bilder verantwortlich zeigt, sowie das erste Live-Interview. Und zwar mit Ron Young, denn an diesem Abend hatten sich zum wiederholten Male, Little Caesar in der ausverkauften Krefelder Kulturrampe angesagt.

Ron hatte im Gespräch vor dem Gig bereits angedeutet, dass er gesundheitlich angeschlagen ist, biss aber bis zum Ende des Konzertes inkl. zweier Zugaben (u. a. „Thick & Tired“) auf die Zähne. Mit dabei hatte er und seine Truppe, die gerade veröffentlichte Live-CD „Brutally Honest: Live From Holland“.

Rollen wir aber das Feld von vorne auf. ‚Mr. Kulturrampe‘ Pille Peerlings hatte diesmal als nette Geste, den Part der Bandansage, an einen seiner Stammkunden, Mario Scholten, abgetreten, der sich in dieser als großer Fan der Kalifornier outete. Er besitzt ebenfalls wie Ron Young, auch einen Faible für reichhaltige Tattooverzierungen auf den Armen. Wenn man von der Seite nicht ganz so genau hinsah, hatte er mit seiner Schlägerkappe auf dem Kopf sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihm (wenn Ron sich einen etwas üppigeren Bartwuchs leisten würde).

Little Caesar, spielten im gewohnten 5er-Line-up – übrigens neben dem jetzt schon etablierten Basser Pharoah Barrett, mit dem neuem Gitarristen Alex Kane (Life, Sex& Death), der sich mit einigen quirligen Soli und schönen Posen sofort als belebendes Element erwies.

Was mir persönlich sehr zusagte, war der gute Sound. Bei den letzten Veranstaltungen von Little Caesar in der Rampe hatte man doch arg auf übertriebene Lautstärke gesetzt, was dieser kleinen Location einfach nicht zuträglich ist, und dann phasenweise in breiiges Getöse mündete. Diesmal passte es richtig gut.

Das Quintett eröffnete mit „God’s Creation“ von ihrer damaligen EP, bevor es dann mit ihrem brillanten Major-Debütalbum in die Geffen-Jahre ging. Ron Young vermerkte, dass es, auf den Tag genau, jetzt 26 Jahre her sind, seit dieses ‚Immer-Noch-Paradewerk‘ der Band, das Licht der Welt erblickte. Es folgte natürlich „Down’N’Dirty“.

Im weiteren Verlauf gab es eine bunte Mischung aus den bisherigen Longplayern. Stücke wie u. a. „Rock’N’Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Hard Rock Hell“, „Is Your Crazy, Gettin‘ Lazy?“ „American Dream“ und „Rum & Coke“ offerierten, was alle an Little Caesar schätzen: Launiger, gut abgehender Hard Rock, bei dem das Gespür für tolle Melodien trotzdem erhalten und erkennbar bleibt. Als Durchatmer dienten die balladesk-umwehten „I Wish It Would Rain“ und „Redemption“.

Gegen Ende merkte man Ron Young doch ein wenig die schwindenden Kräfte an und der – wieder agile – Spaßvogel und Irrwisch Loren Molinare entlaste ihn mit einigen Songansagen. Vermutlich auch ein Grund, warum ihr größter Hit „Chain Of Fools“ nicht gebracht wurde. Insgesamt ein sehr kurzweiliges, stimmungsvolles Little Caesar-Konzert bei voller Hütte inkl. begeisterter Zuschauer, das Spaß gemacht hat. Was will man mehr?

Danke an Gernot, Ron & Band, Pille und Teenage Head Music für die gewohnt reibungslose Abwicklung und Unterstützung.

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Cold Truth – Do Watcha Do – CD-Review

Cold Truth sind ein amerikanisches Rock-Quartett und stammen aus Murfreesboro, Tennessee. Ihr Debüt hatte bei den wenigen Insidern hierzulande glänzende Kritiken zufolge, da sie in zeitgemäßer und höchst authentischer Form an die klassischen Rockbands der siebziger Jahre anknüpften. Ihre furiose Cover-Version des Free-Klassikers „Fire And Water“ wusste dabei besonders zu gefallen.

Cold Truth bestehen aus der hervorragenden Rhythmus-Sektion Matt Green (Drums) und Abe White (Bass), dem immer wieder brillant agierenden Lead-Gitarristen Kurt Menck (erinnert an Mick Ralphs) und dem Musiker, der dieser Band so etwas wie ein außergewöhnliches Gesicht verpasst, Thane Shearon (Vocals, Guitar). Shearon ist nicht nur mit einer begnadeten Charakterstimme gesegnet, sondern beweist im Verbund mit Kurt Menck auch noch famose Songwriter-Qualitäten.

Er hört sich an wie eine geniale Mischung aus Paul Rodgers, David Coverdale und Chris Thompson und passt unheimlich gut zum straight rockenden Stil der Band. Die Southern Rock-Fraktion dürfte ihn auf dem letzten All-Star-Tribute-Sampler für Lynyrd Skynyrd schon mal zur Kenntnis genommen haben, als er im Verbund mit Ed King, Artimus Pyle und den Original Honkettes eine fulminante Version von „Double Trouble“ hinlegte, die teilweise auch als Saturday Night Special Band Konzerte geben.

Apropos Ed King. Der ist voller Lobes für Thane Shearon und bezichtigt ihn in einem Interview als denjenigen, der den Skynyrd-Stoff wohl gesangstechnisch am besten beherrscht und erteilt seinen früheren Kollegen damit eine kleine Breitseite. Ihrer guten Beziehung zu einander sei Dank, hat man auf „Do Watcha Do“ die Gelegenheit Ed Kings Gitarrenkünste wieder mal ein paar Minuten genießen zu dürfen, denn der bedient die Slide-E-Gitarre beim starken „If That Ain’t Enough“, einem der vielen Highlights dieser durchgehend selbst komponierten Scheibe. Klasse hier auch die rotzigen, weiblichen Backs von Nancy Roark.

Die vier Jungs rocken in relativ kompakter Form (man verzichtet scheinbar bewusst auf länger ausufernde Songs) in der Tradition von Bands wie Bad Company (wohl stärkster Einflussgeber), Black Crowes, Humble Pie, AC/DC, Steve Schuffert Band oder Whitesnake (hauchzart), dazu mit einem dezenten Southern Rock-Teint, hat aber den Muff der damaligen Zeit völlig abgelegt. Das ist moderner Rock, ein bisschen bluesig angehaucht, wie er heutzutage sein muss. Klar produziert, gut abgehend, riffig und hochmelodisch. Lediglich bei „Peace With Me“, „Whisper To Me“ und beim tollen, abschließenden „Light My Way“ wird Zeit zum Ausatmen gewährt. Die Empfehlung für Cold Truths „Do Watcha Do“ kann daher nur lauten. Schleunigst kaufen tun!

Eigenproduktion (2009)
Stil:  Southern Rock / Hard Rock

01. Cold As Hell
02. Diesel
03. If That Ain’t Enough
04. Gimme Some
05. Set Me Free
06. Peace With Me
07. Shakedown
08. Together
09. This Time
10. Finding The Way
11. Whisper To Me
12. Payin Dues
13. Light My Way

Cold Truth
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Bärchen Records

Cold Truth – Grindstone – CD-Review

Ich hatte bei Cold Truth eigentlich keine Zweifel, dass das oft so schwierige dritte Album einer Band nach zwei Klassewerken (vor allem dem saustarken Vorgänger „Do Watcha Do„) der vorgegebenen Pace und der damit verbundenen immensen Erwartungshaltung nicht standhalten könnte. Erst recht nicht, als ich vor kurzem die Bewertung des geschätzten Schreibkollegen Steve Braun zur vorab ausgegebenen 5-Song-EP mit Neugier und Freude zugleich vernommen hatte.

Mittlerweile liegt mir der komplette Silberling mit insgesamt zwölf Tracks vor, der nicht nur den anspruchsvollen Status Quo wahrt, sondern sogar die Messlatte wieder in beeindruckender Art noch ein wenig höher schraubt, so dass ich mir guten Herzens erlaube, dem Quartett, bestehend aus Sänger Thane Shearon, Gitarrist Kurt Menck, Bassist Abe White und Drummer Matt Green, bereits zum zweiten Mal ein blendendes Arbeitszeugnis auszustellen.

Der Rock-Vierer aus Nashville, Tennessee, setzt erneut auf Konstanz, was Songwriting (die meisten Lieder stammen wieder aus der Feder des Duos Shearon und Menck, aber auch Green und White bringen sich jeweils einmal ein), Produktion (wieder zusammen mit Michael St. Leon) und sparsamem Musikereinsatz (mit Bekka Bramlett und Chris Carmichael nur zwei Gäste an Bord) betrifft.

Das grandios eröffnende Trio („Livin‘ Hard“, „Where The Music Takes Me“, und der potentielle neue Biker-Hit „No Sleep Still Sturgis“ (herrlich die Thin Lizzy-Gedächtnis-Twin-Passage) gleicht 1. 1 der EP und bekommt mit dem knackigen, in Bad Company-Manier lasziv rockenden „Leave Your Leather On“ ein weiteres Highlight hinzugefügt. Der vielleicht etwas andere Musikstoff für die einschlägige Tabledance Bar um die Ecke…

Der Titelsong „Grindstone“ malmt, seinem Titel gerecht, mit einem wunderbar an AC/DC reminiszierenden E-Führungs-Riff alles nieder, was in die musikalische Quere kommt. Nach diesem insgesamt ziemlich heftigen Auftakt, bescheren uns Shearon, Menck & Co. mit „The Long White Line“ (übrigens nicht Christoph Daum gewidmet) eine erste atmosphärische Ruhepause, die aber wieder mit exzellenter E-Gitarrenarbeit, inklusiver Double Leads-Elemente, durchzogen ist. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das später folgende „Last Man Alive“.

„New Horizon“ lässt erneut Bad Company-Wolken am Firmament aufziehen, dem ein ZZ Top durchtränkter Texas Blues-Rocker in Form von „Hands On The Wheel“ auf dem Fuße folgt. Bei „Take Up The Serpents“ brodelt es southern-rockig in bester Skynyrd’scher „Gimme Back My Bullets“-Manier, klasse hier der verspielte E-Gitarren-Ausklang.
Kommen wir zu meinem persönlichen Highlight. Als Liebhaber von weiblichen Background- und Harmoniegesängen, gibt es mit einer meiner absoluten Lieblingssängerinnen in Nashville-Gefilden, Bekka Bramlett, eine eine furiose Gastbeteiligung. Beim kleinen, dreckigen, von Twin-Gitarren ummantelten Rocker „Give It Time“ rotzt die vielgebuchte Röhre in ihrer unnachahmlichen Art dem ebenfalls groß aufsingenden Thane Shearon immer wieder unwiderstehlich entgegen. Gesangskunst beider auf Weltklasse-Niveau! Herrlich!

Dem abschließenden hymnischen „Free Man“ wurden bereits durch Steve Braun die passenden Worte gewidmet. Die erwähnte, von Chris Carmichael (wirklich sehr schön und harmonisch, ohne jeden Anflug von Kitsch) im Studio arrangierte String-Passage bietet sich nahezu an, live durch ein southern-typisches Gitarrenfinale als absolutes i-Tüpfelchen ersetzt zu werden. Toller Abschluss. Der Gesamtsound des Albums ist übrigens selbst bei erhöhter Lautstärke recht transparent gelungen. Cold Truth lassen auch mit ihrem dritten Werk „Grindstone“ nichts unversucht, dem Spirit vieler klassischer Rock-Bands, die unser Leben seit den siebziger Jahren nachhaltig begleitet haben, mit vielen eigenen Ideen, neuen Zeitgeist einzuhauchen. Und das ist wieder mal blendend gelungen!

Kommen wir nun zu den Ungerechtigkeiten dieser Erde. Die nackte Wahrheit (freie Übersetzung) ist leider, dass dieses Quartett aus Nashville mit solcher Musik in der zuvor erwähnten Zeit, aller Wahrscheinlichkeit nach, zur gutbezahlten Elite der Szene gezählt hätte, heute leider aber immer noch, händeringend nach einem Plattenvertrag, Klinken putzen muss. Wo sind hier die mutigen Entscheider der größeren Labels in Music City, die auch mal für einen kurzen Moment das Country-Auge zudrücken können? Aber wie dem auch sei. erneut absolute Zulegeempfehlung!

Eigenproduktion (2014)
Stil:  Southern Rock / Hard Rock

01. Livin‘ Hard
02. Where The Music Takes Me
03. No Sleep ‚Til Sturgis
04. Leave Your Leatrher On
05. Grindstone
06. The Long White Line
07. New Horizon
08. Hands On The Wheel
09. Last Man Alive
10. Take Up Serpents
11. Give It Time
12. Free Man

Cold Truth
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Great White – Rising – CD-Review

Great White scheinen die tragischen Ereignisse aus dem Jahr 2003 mental weitestgehend abgehakt zu haben (wenn man das überhaupt jemals kann) und mittlerweile ihr Bandleben in stabile Bahnen gelenkt. Die verbliebenen Ursprungmitglieder Jack Russell und Mark Kendall haben mit Michael Lardie und Audie Desbrow ein festes Fundament gebildet, lediglich die Bass-Position wurde mit Scott Snyder (relativ unspektakulär agierend) einmal mehr neu besetzt.

Mit Frontiers Records hat man zudem ein arriviertes Label gefunden, bei dem das Quintett sich wohl zu fühlen scheint. Die neue Scheibe „Rising“ knüpft,  fließend da an, wo man mit dem Comeback-Album „Back To The Rhythm“ aufgehört hat. Zum immer zwar noch vertretenen Hard Rock-Part gesellen sich zunehmend schwerpunktmäßige Melodic Rock-Anteile, wobei man, wenn man schon öfter Frontiers-Scheiben reviewt hat, eine Art Handschrift des Labels zu erkennen vermag (um es direkt klarzustellen, die von mir als Vertreter harmonischer Töne zu Großteilen geschätzt wird).

„Rising“ enthält zwölf supermelodische Tracks, die sich alle wunderbar leicht in die Gehörgänge legen und jede Menge netter Gitarrensoli enthalten. Michael Lardie, der die Scheibe produziert hat, hält sich mit Keyboard-technischen Spielereien weitestgehend zurück, dürfte aber mit für den deutlich gemäßigteren Kurs der Band verantwortlich sein. Die Hardrock-Quote wird gerade mal durch Stücke wie „Situation“, „All Or Nothin'“ (schöne AC/DC-mäßige E-Riffe) und das poltrig groovende „Danger Zone“ halbwegs gewahrt. Wer jedoch den Anspruch blutrünstiger rockmusikalischer Hai-Attacken wie zu Great-White Anfangstagen an das Werk stellt, sieht sich hier im Gesamten doch eher mit einer Delphin-Therapie konfrontiert.

Bei mir gibt es Punktabzüge für das katastrophale, wie von einem türkischen Basarmaler erstellt wirkende Coverbild (da sind wir Männer deutlich Netteres von früheren Werken gewohnt…), das ultraweich gekochte, beatleske „Only You Can Do“, das hier trotz der seichteren Gesamtgrundausrichtung des Albums völlig deplaziert wirkt und die relativ unspektakuläre Coverversion der ollen Stones-Staubkamelle „Let’s Spend The Night Together“, ein Song, der mir ehrlich gesagt, schon immer auf die Nüsse ging.
Die Stimme von Jack Russell kommt angenehm variabel rüber, die für ihn typischen Kreischpassagen sind überaus songdienlich und punktgenau platziert.

Mark Kendall lässt immer wieder mal das eine oder andere schöne und gut gespielte E-Solo ab. Mein persönliches Highlight ist neben dem flott rockenden Opener „Situation“ u.a. die bluesige Ballade „My Sanctuary“ (mit Harp), die mit dezentem Black Crowes-Flair aufwartet. Insgesamt ist „Rising“ von Great White ein schönes, melodisches Rock-Album, das man immer wieder mal nebenbei auflegen kann. Fans, die auf eine Rückbesinnung an alte Werte gehofft haben, werden vermutlich ein langes Gesicht ziehen.

Frontiers Records (2009)
Stil:  Hard Rock

01. Situation
02. All Or Nothin‘
03. I Don’t Mind
04. Shine
05. Loveless
06. It Is Enough
07. Last Chance
08. Ranger Zone
09. Down On The Level
10. Only You Can Do
11. My Sanctaury
12. Let’s Spend The Night Together

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Frontiers Records

Little Caesar – Same – CD-Review

Little Caesar machten 1987 erstmalig die musikalischen Bühnen um Los Angeles herum unsicher. Ein herrlich prollig wirkendes Quintett, bestehend aus Ron Young (Vocals), Apache (Guitar), Loren Molinare (Guitar), Fidel Paniagua (Bass) und Tom Morris (Drums), dem man sofort blindlings seine gesamten Ersparnisse anvertrauen würde. Ein Freudenfest für jeden Tattoo-, Biker- oder Bodybuilding-Studiobesitzer, ein Albtraum aller Schwiegermamas dieser Welt, sofern man nicht als Mutter von Amy Winehouse, Kate Moss, Pamela Anderson oder anderen durchgeknallten Sternchen dieser Art geboren wurde. Dem einstmaligen Türsteher Ron Young (wen wundert es?) brachte sein extravagantes Aussehen sogar eine kleine Rolle als Biker in „Terminator 2“ ein , wo er sich mit dem großen Arnold Schwarzenegger in die Haare geraten durfte.

Genug der Oberflächlichkeiten, kommen wir zum musikalischen Treiben der Band. Eine von Joe Hardy (ZZ Top) produzierte EP ebnete ihnen den Weg Anfang der neunziger Jahre zum damals angesagten Label von David Geffen, auf dem dann dieses Meisterwerk des Hard Rocks fabriziert wurde. Es beginnt mit einem kurzen, knackigen E-Gitarrenintro und wenn dann Ron Young mit den Worten »Well let your hair down honey, get your high heels on« und seinem rotzigen Organ bei „Down-N-Dirty“ einsteigt, ahnt man bereits, dass da was ganz Großes auf einen zurollt. Der Song zählt für mich mit zum Besten, was in diesem Genre meinen Wissenshorizont je erreicht hat.

Mit dem Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“ gelang Little Caesar sogar der Sprung in die Billboard Top 100. Die Stärke der Truppe und auch des Albums war zweifelos die Vielseitigkeit, sowie das Glück, mit Ron Young einen außergewöhnlich charismatischen Sänger (mit einer grandiosen Stimme) zu besitzen, so dass man sich leicht tat, in Sachen Tempo und auch beim Einflechten anderer Musikstile variabel agieren zu können. Nein, Little Caesar bretterten nicht nur kompromisslos drauf los, es wurde bei allem pulsierenden Drive immer wieder auf Melodik, entspannte Midtempo- und dezent auch auf balladeske Momente Wert gelegt („In Your Arms“, „From The Start“,“Midtown“). Sogar bluesige („Cajun Panther“, „Wrong Side Of The Tracks“) und soulige („I Wish It Would Rain“) Elemente wurden harmonisch mit einer gewissen Grundhärte in Einklang gebracht. Selbst in der Southern Rock-Szene konnte man aufgrund der herrlichen Gitarrenarbeit punkten (sie tourten im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd).

Das Debüt wurde übrigens von keinem geringeren als Bob Rock produziert, der in dieser Zeit Bands wie u.a. Metallica, Mötley Crüe oder The Cult auf die Sprünge half. Das schleichende Ende des Quintetts begann mit dem Ausstieg von Gitarrist Apache und vor allem mit der Nichtakzeptanz Little Caesars bei der aufstrebenden MTV-Generation. Man legte zwar noch das Folgealbum „Influence“ nach, das zum Erstling aber trotz prominenter Verstärkung durch Earl Slick (John Lennon, David Bowie, Ian Hunter) schon dezente Abstriche machte. Die Band zerfiel nach einer Europa-Tournee (immerhin Headliner im berühmten Londoner Marquee-Club), Ron Young gründete mit Ex-Quiet Riot- und Whitesnake-Mitgliedern eine weitere potentielle Supergruppe, die aber bereits nach einem Werk ihre musikalischen Tätigkeiten wieder einstellte. Young sang dann danach noch in Bands wie Four Horsemen und Dirt.

Earl Slick hatte sich vorübergehend die Vermarktungsrechte von Little Caesar gesichert und brachte mit „This Time…It’s Different“ noch mal eine CD mit Outtakes, unveröffentlichten Songs und zwei Live-Tracks heraus, die man nur über ihn erwerben konnte und zu meinem teuersten, je gekauften Silberling (ca. 60 D-Mark) arrivierte. Mittlerweile sind Bestrebungen im Gang, Little Caesar im Original-Line-Up wieder aufleben zu lassen, da auch Apache grünes Licht für eine Rückkehr signalisiert hat. Ich bin gespannt, ob man es schafft, das Rad der Zeit noch mal zurückzudrehen und einen Geniestreich wie ihr Debüt zu wiederholen. Wie dem auch sei, Little Caesars Erstling bleibt in jedem Fall ein unsterbliches und unvergessenes Highlight in der Geschichte des Hard Rock-Genres!

Geffen Records (1990)
Stil: Hard Rock

01. Down-N-Dirty
02. Hard Times
03. Chain Of Fools
04. In Your Arms
05. From The Start
06. Rock-N-Roll State Of Mind
07. Drive It Home
08. Midtown
09. Cajun Panther
10. Wrong Side Of The Tracks?
11. I Wish It Would Rain
12. Little Queenie

Little Caesar
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Iron Horse – Bring It On – CD-Review

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Das Debütalbum von IronHorse war ja vor drei Jahren schon nicht von schlechten Eltern. Man erinnere sich an Songs wie „Run For The Border“, „Redneck Rock’N’Roll“, das furiose Instrumental „Let’s Ride“ oder das Bad-Company-Cover „Shooting Star“, auf denen bereits die ganze Tragbreite ihres musikalischen Könnens und ihrer bevorzugten Stilarten repräsentiert wurde. Stadiontauglicher Mainstream-Rock durchzogen mit virtuosen Gitarrenläufen, allerdings auch zum Teil mit Südstaaten-, Country- und Blues-Elementen versehen.

Charismatischer Kopf der Band ist Ronnie Keel, der in den Achtziger Jahren mit der Heavy-Rock-Band Keel größeren Bekanntheitsgrad erlangt hat. Er ist zwar gesangstechnisch kein Überflieger, hat aber enorme Ausstrahlung, schreibt eingängige Lieder und hat ein gutes Händchen, was Bandzusammenstellung, Gastmusiker und Auswahl von Fremdkompositionen angeht. Zum festen Line-Up, dass ihr neues Werk „Bring It On“ eingespielt hat, zählen mittlerweile neben bereits erwähntem Frontmann die Herren Jay Rusnak (Lead guitar, vocals), Gaetano Nicolosi (Drums, percussion, vocals), Geno Arce (Bass, vocals) und der Multiinstrumentalist Dean Lehman (Keyboards, vocals, harmonica, banjo, mandolin, percussion). Gerade Letztgenannter sorgt spürbar für die erneute Steigerung und verleiht der Gruppe erheblich mehr Substanz. Die Lieder rauschen einmal mehr kräftig, aber immer melodisch, an einem vorüber.

Der Opener „Three Sheets To The Wind“ heizt als rhythmischer Rocker mit Southern-typischen Double-Leads und dezenter Banjounterlegung erst mal richtig ein. Das Titelstück „Bring It On“ gibt sich ganz in der Tradition von 38 Special und Lynyrd Skynyrd, die gleichnamige Titel ebenfalls in ihrem Repertoire aufweisen, allerdings ist dies eine völlig eigenständige Version. Co-Writer übrigens der gute alte George McCorkle, der vielen aus Marshall-Tucker-Tagen bekannt sein dürfte.

Gecovert wurde diesmal der Steve-Earle-Klassiker „The Other Kind“, der trotz starker Darbietung und und wunderbarem Mandolinenspiel von Gastinterpret Henry Paul (Ex-Outlwas, Henry Paul Band, mittlerweile Blackhawk-Chef) aber nicht an das kratzig ursprüngliche Original heranreicht. Henry Paul ist auch die dominierende Person beim Sahnehäubchen „Dixie Highway“, dass er zusammen mit Chuck Glass geschrieben hat, mit dem er seiner Zeit auf „Soldiers Of Fortune“ eine kurze Outlaws-Reunion aufleben ließ. Bahnt sich da etwa wieder was an? Zu begrüßen wäre es. Der Song ist ein regelrechter Klassiker. Ronnie Keel gibt sich zwar alle Mühe, wird aber in diesem Duett von Henry an die Wand gesungen. Einzig das Southern-typische Gitarrenfinish wird leider nur angedeutet bzw. ausgeblendet. Trotzdem, eine Wahnsinns-Nummer!

Die Ohrwürmer „I Can’t Stop You“ (Jeffrey Steele – hören Sie auch mal in dessen bärenstarkes gerade erschienendes Album „Outlaw“ rein) und Rescued (Emerson Drive – erinnert ein wenig an „Second Chance“ von 38 Special) wurden auch im New-Country-Bereich bereits interpretiert. Bon Jovi-Feeling gibt es bei Stücken wie „Best Move“ (wäre von Sambora und Co. sicher ein Megahit), „Haunted Saloon“ (Ähnlichkeiten zu „Dead Or Alive“ sind rein zufällig, allerdings glänzt hier Gast Mike Johnson durch fulmintantes Dobrospiel) oder der atmosphärischen Ballade „One Hell Of A Ride“.

Auf „Half Past Goodbye“ darf Gitarrist Jay Rusnak (wie eigentlich auch auf allen anderen Stücken) sich noch mal ganz besonders ausleben, bei der filigranen Behandlung seines Arbeitsgerätes dürfte es allerdings so manchem Blueser schwarz vor Augen werden.  Als Zugabe gibt es noch drei Videos („American Thunder“, „Best Move“ und Kurzinterviews der Bandmitglieder). Erwähnenswert auch vielleicht noch die Recycling-Skulptur von James Ezell auf dem Inlay, wo ein Pferd aus Schrauben, Lagern, Schraubschlüsseln und jeder Menge Zündkerzen zusammengeschustert wurde, also ein Ironhorse im wahrsten Sinne des Wortes. Tolles rundes Zweitwerk in jeder Hinsicht, herzlichen Glückwunsch an Ronnie Keel und seine Genossen!

Iron Horse Productions (2004)
Stil: Rock & More

01. Three Sheets To The Wind
02. Bring It On
03. American Thunder
04. The Other Kind
05. I Can’t Stop You
06. Dixie Highway
07. The Best Move
08. Desert Rain
09. Haunted Saloon
10. Rescued
11. Half Past Goodbye
12. One Hell Of A Ride

Videos:
13. American Thunder
14. The Best Move
15. Meet The Band

Ron Keel
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