Sugaray Rayford – Human Decency – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Zwei Jahre nach seinem Award-gekrönten Album “In Too Deep” hat der US-amerikanische Soul-Blues-Sänger und Songschreiber Sugaray Rayford (B.B. King, Entertainer of the Year 2020) bereits seinen neuen Longplayer “Human Decency” am Start. Die Scheibe wurde, wie die drei erfolgreichen Vorgänger, von Songwriter Eric Corne (u. a. John Mayall, Lucinda Williams, Walter Trout) produziert und listet neun eigene Kompositionen.

Als Lead-off Single gibt “Run For Cover” sogleich Volldampf und pusht Sugarays außergewöhnliche Stimmkraft zum Sound der Bläsersection – ein echter Powersong. Die stampfende Soul-Rock Speed-Nr. “Ain’t That A Man” belebt die gute alte Sam & Dave Memphis-Soul-Time, und zusätzlich wird klassischer Soul im Stile von Solomon Burke in “Strawberry Hill” frisch aufgelegt. Country-Sänger Sam Morrow darf sich im Duett von “Stuck Between” als funkiger Soul-Blues-Interpret beweisen und auch hier leistet die Bläsertruppe, getragen von Joe Sublett, am Saxophon (u. a. Taj Mahal, Stevie Ray Vaughan, B.B. King Band) und Mark Pender, Trompete, (Ex E-Street Band) mehr als ganze Arbeit.

Dementsprechend ist auch der Titelsong “Human Decency” ein auffallend groovender R&B-Track und wird seinen Platz in Radio-Playlists sicher schnell finden. Autobiographische Texte sind im letzten Song (“Aha”) ein Teil Sugarays persönlicher Erinnerungen und bringen dazu noch einmal typischen Soul-Blues-Sound aus der frühen Blütezeit der 60er Jahre.

Sugaray Rayford, der leidenschaftlich in den Lyrics menschliche Probleme und Alltagssorgen sozialkritisch aufgreift, hat ein neues Kapitel der traditionsreichen US-Soul-Music aufgeschlagen. Sein aktuelles Album “Human Decency” verbindet die Elemente aus klassischen und modernen Soul-Blues-Melodien mit rauen und funkigen R&B Vibes – eine Award-verdächtige Mischung und auf jeden Fall durch und durch eine echte “Soulman” Produktion.

Forty Below (2024)
Stil: Soul, Rhythm ’n’ Blues, Blues

Tracks:
01. Failing Upwards
02. Human Decency
03. Stuck Between
04. Strawberry Hill
05. Run For Cover
06. Dirty Rat
07. Ain’t That A Man
08. Hanky Panky Time
09. Aha

Sugaray Rayford
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Devious Planet

Markey Blue Ric Latina Project – Blue Eyed Soul – CD-Review

Dem Vorgänger-Album „Jumpin‘ The Broom“ des Markey Blue Ric Latina Projects hatte ich ja bereits ausführlich meine Bewunderung gezollt, jetzt liegt mit „Blue Eyed Soul“ der Nachfolger vor. Hinter dem Projekt steht das Ehepaar Jeannette Markey und Eric B. Latina, beides erfahrene Musiker, die sich über diverse andere Projekte kennen- und lieben gelernt haben und schließlich nun schon seit längerem gemeinsam zu Werke schreiten.

Während ich den letzten Longplayer noch im Southern Soul verortet hatte, geht es auf diesem Silberling eher in die klassische Richtung des bluesigen Souls, allerdings in der absoluten ‚Laidback‘-Variante. Tiefenentspannung ist größtenteils angesagt, meistens so sanft und geschmeidig, dass mir die gute Sade mit ihren smoothen Songs auch immer wieder im Kopf herumschwirrt.

Allein sechs der zwölf Tracks haben es auch wieder zu TV-Präsenz geschafft und selbst Stax-Gitarrenlegende Steve Cropper, hätte bei „Baby I’m Crying“ („I couldn’t get the song out of my head“) am liebsten direkt mitgezupft. Das beschriebene Terrain ist natürlich prädestiniert für Markeys tolle Stimme (die kann aber vermutlich wirklich alles singen)…, Latina, lässt dabei in typischer Manier seine transparenten E-Gitarrenklänge, untermalend, füllend oder filigran in Solo-Manier einfließen.

Die anderen Instrumente wie Drums, Bass, BGVs, Horns und Keys sind diesmal durch diverse weitere Musiker mehrfach und somit sehr variabel besetzt, wobei besonders die Keyboarder mit ihrem akzentuierten Spiel, als auch einige Bläserzutaten, ebenfalls einen entscheidenden Beitrag leisten.

Während Markey Blue dazu rät, sich beim Hören der Scheibe ein Glass Wein einzugießen, sich zurückzulehnen und sich von diesen chilligen Soul/Blues-Vibes berieseln zu lassen, würde ich dem eher träumerisch veranlassten Menschen auch den eiskalten Longdrink an Deck eines schönen Boots, das dem stimmungsvollen abendlichen Sonnenuntergang entgegensegelt, als Alternative ins Spiel bringen. Auf jeden Fall tolle höchstmelodische Soul-/Blues-Musik, um, wie auch immer, die Seele einfach mal baumeln zu lassen.

Soul O Sound Records (2024)
Stil: Blues / Soul

Tracks:
01. Crazy Without You
02. Raining Down On Me
03. So Much
04. Baby I’m Crying
05. Yes I Do
06. Set My Heart Free
07. When I Close My Eyes
08. Can’t Let You Go
09. Me Missing You
10. Come On
11. With You
12. What Am I Gonna Do

Markey Blue Ric Latina Project
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Beaux Gris Gris & The Apocalypse – Hot Nostalgia Radio – CD-Review

Review: Michael Segets

Die ersten vier Tracks von „Hot Nostalgia Radio“ lassen keine nostalgischen Gefühle aufkommen. Beaux Gris Gris & The Apocalypse legen fulminant mit voluminösen Sound und dominanter elektrischer Gitarre los. Schmissiger Rock’n Roll hallt zum Einstieg aus den Lautsprechern: „Oh Yeah!“ – der Titel ist da Programm. Nach dem vorab auskoppelten Opener geht es kraftvoll mit dem Selbstbekenntnis der Frontfrau Greta Valenti „Wild Woman“ weiter. Ebenso kommt das aufgekratzte, mit einem Indie-Einschlag versehende „I Told My Baby“ kurz und knackig zur Sache – auch im Text. Während die bisher genannten Stücke in unter drei Minuten abgehandelt sind, nimmt sich die Band für „Satisfy Your Queen“ etwas mehr Zeit. Dennoch wird die zweite Single des Albums straight durchgespielt. Sie ist für mich nicht zuletzt aufgrund des starken Chorus das Highlight der CD.

Nach dem rockigen Anfang nehmen Beaux Gris Gris & The Apocalypse das Tempo sukzessive heraus. Mit „Middle Of The Night“ startet eine Reihe von drei Beiträgen, in denen sich die Band dem Soul zuwendet. „All I Can Do Was Cry“, bei dem Valenti unterstützt von einer Horn-Section zu einem dramatischen Finale ansetzt, beamt ebenso wie das runde „Sad When I‘m Dancing“ in vergangene Zeiten zurück, ohne dabei angestaubt zu wirken. Hier schwingt etwas Nostalgie mit, wie der Albumtitel verspricht.

In der zweiten Hälfte des Longplayers drosseln Beaux Gris Gris & The Apocalypse das Tempo weiter. Valenti zeigt sich bei „The Runaway“ und „Harder To Breathe“ von ihrer sanfteren Seite. „Penny Paid Rockstar“ sticht unter den langsameren Titeln hervor. Obwohl es ruhig angelegt ist, entwickelt das Stück durch den Wechsel von ruhigen und dynamischen Passagen einen schönen Drive. Die beiden Midtempo-Nummern „Don’t Let Go“ und „Marie“ nehmen mich hingegen weniger mit. Sie erinnern entfernt an Kompositionen von Dough Sahm, den ich stets mit Schlagern assoziiere. „Let’s Ride“ geht ebenfalls in diese Richtung, wobei Rhythmus und Akkordeon den Song interessanter als die anderen beiden machen. Das Akkordeon von Sam Robertson gibt dem abschließenden „Mama Cray“, das sich zwischen Folk und Country bewegt, einen Tex-Mex-Einschlag mit. Insgesamt fällt die Scheibe nach hinten raus gegenüber dem begeisternden Start und den souligen Mittelteil etwas ab.

„Hot Nostalgia Radio” ist nach „Love & Murder“ (2019) und „Good Times End Times (2022) das dritte Studioalbum von Beaux Gris Gris & The Apocalypse. Die Köpfe hinter der Band sind die aus Louisiana stammende Greta Valenti sowie Robin Davey aus Großbritannien. Die Texte der vierzehn Titel verfasste Valenti, die Musik schrieben beide gemeinsam teilweise mit Unterstützung des Bassisten Stephen Mildwater. Mit der Band Well Hung Heart supportete Valenti bereits Foreigner und The Offspring. Davey arbeitete schon mit Mick Jagger und Katy Perry zusammen.

Ab Oktober geht die Band auch in Deutschland auf Tour. Mit „Hot Nostalgia Radio” geben Beaux Gris Gris & The Apocalypse eine Empfehlung für ihre Live-Shows ab. Zu erwarten ist dort eine bunte Mischung von Rock, Soul bis hin zum Country. Die beiden rockigen Singles des Albums spiegeln nur eine Facette des Albums wider, bei der die energiegeladene Frontfrau Greta Valenti ihre Stärken ausspielt.

Grow Vision Music & Records (2024)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. Oh Yeah!
02. Wild Woman
03. Satisfy Your Queen
04. I Told My Baby
05. Middle Of The Night
06. Sad When I’m Dancing
07. All I Could Do Was Cry
08. The Runaway
09. Harder To Breathe
10. Don’t Let Go
11. Penny Paid Rockstar
12. Marie
13. Let’s Ride
14. Mama Cray

Beaux Gris Gris & The Apocalypse
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JohThema Promotions

Dave Keller – It‘s Time To Shine – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Und wieder liegt die CD eines mir – und sicherlich auch hierzulande überhaupt – unbekannten Soul- und Bluesmusikers auf meinem Schreibtisch. Dave Keller wurde bereits dreimal mit Nominierungen für den Blues Music Award für das beste Soul-Blues-Album ausgezeichnet. Ein guter Grund also, sich mit seiner neuen CD „It’s Time To Shine“, die bereits seit Ende August im Handel ist, zu beschäftigen.

Für die Aufnahme des Albums scheuten er und seine Bandmates allerdings die hohen Kosten und den damit verbundenen Zeitdruck professioneller Aufnahmestudios und quartierten sich kurzerhand in einer abgelegenen Berghütte ein, um die Scheibe mit einfacheren Mitteln und ohne zeitliche Nöte aufzunehmen. Geschadet hat es dem Album absolut nicht, die Qualität befindet sich trotz der eingeschränkten Möglichkeiten auf einem sehr hohem Niveau.

Tatsächlich ist es mehr eine Soulscheibe als ein Blueswerk geworden, was auch an vielen bläserunterstützten Songs mit teils wilden Keyboardeinlagen bzw. Untermalungen liegt. Bestes Beispiel dafür ist z. B. das melodiöse „789-0133“ mit einem sehr souligen Saxophon-Intro. Da werden Erinnerungen an die guten, alten Motown-Zeiten wach. Gleiches gilt ebenso für das fröhlich beginnende „I Wonna Go Back To Memphis“ mit einer gut aufgelegten Backgroundsängerin gegen Ende des Stückes. Der Opener „Waiting For The Sunrise“ und das Folgestück „The Truth Of The Blues“ kommen mit reichlicher Keyboarduntermalung recht ähnlich daher, wobei der zweite Song ein wenig härter und fordernder klingt.

Das balladeske „Something ´bout A Sad Song“ sticht allerdings aus den übrigen Nummern hervor. Es ist ein stimmiger mit leichten Americana- bzw. Country-Einflüssen versehener Blues, die zwischendurch immer wieder im Gitarrenspiel aufblitzen. Ansonsten frönt Dave Keller in seinem neuesten Werk seiner offenbaren Leidenschaft für bläsergetragene, soulangereicherte Titel; mal langsamer, mal flotter und treibender, aber immer hörenswert dargeboten.

Mit Bezug auf den Titel seines Albums sagt Keller, dass es nach der düsteren Pandemiezeit endlich wieder soweit ist, sein muss, sich heraus zu trauen, ins Licht zu treten und zu strahlen. Und das ist ihm mit seinem neuen Album sicherlich gelungen. Es steckt voller Lebensfreude und klingt fröhlich und unbeschwert. Auch wenn es kein wirkliches Southern-Rock-Album ist oder zumindest Southernklänge aufweist, es macht Spaß den zwölf Tracks zu lauschen.

Tastee Tone Records (2023)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Waiting For The Sunrise
02. The Truth Of The Blues
03. 789-0133
04. My Time To Shine
05. I Wonna Go Back To Memphis
06. The First Time With You
07. Nothing Like Your Love
08. Paint A New Life Together
09. Full Measure Of Pleasure
10. Mayor Of Memory
11. Someting ´bout A Sad Song
12. Hard To Believe

Dave Keller
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André Bisson – Latchford – CD-Review

Review: Jörg Schneider

André Bisson war mir bislang total unbekannt, also hab ich mal ein wenig gegoogelt: er stammt aus Ontario (Kanada), ist seit mehr als 20 Jahren im Musikbusiness und pflegt einen musikalischen Stil, der im Bereich Soul, Roots, Blues und R&B angesiedelt ist. Mit „Latchford“ hat er nun sein zehntes, reichhaltig instrumentiertes Album (Gitarren, Bass, Tamburin, Harmonika, Piano, Orgel, Tenor- und Baritonsaxophon, Trompeten, Cello, Posaune und Geige), herausgebracht.

Er selbst beschreibt sein Album so: „Wenn ich das Thema dieses Albums mit einem Wort beschreiben würde, wäre es „Perspektive“. Perspektive kann zusammen mit Beobachtung und Empathie die Realität schaffen, in der wir leben möchten….“

Diese Aussage charakterisiert schon ganz gut die musikalische Ausrichtung des Albums. Fast alle Songs sind eher bedächtig mit Soul-, Gospel- und auch Countryeinflüssen arrangiert und nur teilweise im Midtempobereich angesiedelt. Die Texte stehen sicherlich im Vordergrund, es lohnt also sich die von Bisson erzählten Geschichten anzuhören.

In allen Stücken kommen mehr oder weniger stark ausgeprägt Blasinstrumente zum Tragen, wobei man allerdings den Eindruck hat, dass die Bläsersektion nur schleppend und mit gebremsten Schaum spielt. Druckvollere Bläsersätze hätten der Scheibe aus meiner Sicht bestimmt gut getan. André Bissons Gesang passt durchaus zu der gebremsten Energie der Songs, ist aber nur wenig moduliert und daher nicht so abwechslungsreich.

Insgesamt ist an der CD handwerklich nichts auszusetzen, als sanfte Hintergrundmusik taugt sie allemal, sofern man sich nicht auf die Texte einlassen möchte/kann. Nur hinterlässt sie zwischen dem linken und rechten Ohr keinen bleibenden Eindruck. Dafür ist ihr Wiedererkennungswert zu gering. Der Hörerschaft unseres Magazin dürfte die Scheibe wohl nur bedingt gefallen.

Jazzhaus Records (2023)
Stil: Soul, Gospel

Tracks:
01. Latchford
02. The Reformed Deceiver
03. Echo Mountain
04. Shake
05. Dusty Albums
06. Smile Time
07. Enough
08. Longest Way Around
09. Sticks And Stones
10. Tail Wags The Dog
11. The Bring Down

André Bisson
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Samantha Fish & Jesse Dayton – Death Wish Blues – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Bei “Death Wish Blues” handelt es sich um eine knallharte Mischung aus Blues, Funk, Soul und einem zarten Country-Abschluss, die das Album in ein außergewöhnliches Crossover-Genre katapultiert. Dabei konnten Samantha Fish (z. B. LP “Belle Of The West”) und Jesse Dayton (z. B. LP “On Fire In Nashville”) nicht nur auf ihre musikalischen Erfahrungen im Country-Music Bereich zurückgreifen, um das gemeinsame Full-Length Album einzuspielen.

Schon der prägende Riff des geradeaus blues-rockigen Titelsongs markiert die Richtung des Longplayers, die mit “Down In The Mud” in eine düster-funkige Variante bluesiger Dimensionen abgleitet. Das extravagante Guitar-Playing der beiden Akteure erweitert in einzelnen Titeln die genre typischen Grenzen hin zu experimentell-psychedelischen Soundgefilden (“Trauma”) oder infernoartigen Solo-Parts (“Rippin And Runnin”). Immer außergewöhnlich lebhaft und mitreißend konzipiert von Jon Spencer, dem leidenschaftlichen Produzenten mit visionären Vorstellungen. “He gave the record this kind of live”, so Dayton über Spencer in einem Interview.

Bereits auf ihrer EP “Stardust Sessions” hatten Fish und Dayton 2022 eine Zusammenarbeit erprobt und hierbei den Grundstein für das vorliegende Album gelegt. Die vielversprechende Kooperation reflektiert im weiteren Top-Song “Riders”, im betont groovig-rhythmischen Texas Rock das intensive Tournee-Leben mit täglich wechselnden Venues und im schnellen Rock’n’Roll-Duettgesang den “Lover On The Side”. Zwischendurch wird harter Blues Rock immer wieder Höhepunkt der Scheibe, so z. B. bei “Flooded Love”, deren Intentionen Jesse Dayton damit begründet, dass “…wir alles auf dem Blues basieren lassen, mit einer Menge Inspiration von Leuten, wie Albert King und Magic Slim bei den Leadgitarren-Parts.”

Dass die beiden “Straight up guitars” auch darüber hinaus ihre melodisch souligen Seiten (“No Apology”) dabei hatten oder mit der rasanten Nummer “Supadupabad” zwei Minuten Rock-Vergnügen parodierten, mindert keineswegs den powervollen Longplayer. Zum Abschluss bekommt die Scheibe sogar ein moderates Country-Feeling. “You Know My Heart”, ein Liebeslied mit wechselnden Vocals, erinnert an die musikalische Vergangenheit der beiden Songschreiber.

Das Album “Death Wish Blues” von Samantha Fish und Jesse Dayton serviert superfrischen und überaus lebendigen Gitarren Blues Rock, sowie eine Mixtur hervorragend produzierter, artverwandter Songideen. Die Scheibe ist ein sanfter Weckruf an das zeitgenössische Genre der Blues Rock-Szene und eine experimentierfreudige Zusammenarbeit über diese Stilrichtungsgrenzen hinaus.

Rounder Records (2023)
Stil: Blues, Rock, Soul

Tracks:
01. Deathwish
02. Down In The Mud
03. Riders
04. Settle For Less
05. Trauma
06. No Apology
07. Flooded Love
08. Lover On The Side
09. Rippin And Runnin
10. Dangerous People
11. Supadupabad
12. You Know My Heart

Samantha Fish
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Jesse Dayton
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Oktober Promotion

Diane Blue All-Star Band – Live! At The Fallout Shelter – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Die aus Boston stammende Sängerin Diane Blue hat sich nicht nur als Leadsängerin bei „Ronnie Earl and The Broadcasters“ einen Namen gemacht. Sie tourt ebenfalls mit ihrer eigenen „All-Star Band“ durch die Lande und bei einem dieser Gigs wurde dann auch ihr neuestes Album am 26.02.2022 im „The Fallout Shelter“ in Norwood, Massachusetts aufgenommen und am 26.11.2022 bei Regina Royale Records veröffentlicht.

Mit dabei waren Ronnie Earl selbst an der Gitarre und Dave Limina von den Broadcasters an der Hammondorgel. Das Album enthält neun, während der Pandemie entstandene Songs, in denen Diane Blue mit ihrer teils warmen Altstimme, die irgendwo zwischen Amy Winehouse und der späten Tina Turner angesiedelt ist, Soul- und Blueselemente miteinander verwebt.

Ein schönes Beispiel dafür ist der Coversong „I Cry“ von Millie Jackson aus den 70‘er Jahren, den Diane Blue zusätzlich um zwei neue Strophen ergänzt hat und der den Opfern rassistischer Ungerechtigkeit gewidmet ist. Auch der Opener „I Got A Good Thing“ kommt beschwingt in einem modern verpackten Retrostil daher. „By My Side“ und „Take A Look“ grooven etwas härter, während „I‘m Gonna Get You Back“ und „Push On Through“ flott und gut tanzbar mit einem leicht jazzigen Touch aufwarten.

Das balladeske „Crazy, Hazy, Lazy“ fließt entspannt vor sich hin und mit „Insomnia“ liefert Diane Blue einen schönen Slowblues ab. Das Sahnehäubchen des Albums ist aber sicherlich das 7 1/2 minütige „Leave Me Alone“, ebenfalls ein wunderschöner und gefühlvoller Slowblues mit Ronnie Earl an der Gitarre. Allerdings steht Chris Vitarello, der auf den übrigen Stücken die Gitarre zupft, den Künsten von Ronnie Earl kaum nach. Auch er liefert auf der gesamten CD eine tolle Performance ab.

„Live! At The Fallout Shelter“ ist insgesamt eine handwerklich (tontechnisch und musikalisch) sehr gut gemachte CD, die beim genussvollen Hören äußerst viel Spaß bereitet, wenngleich sie nicht zum wilden Abfeiern geeignet ist. Aber es gibt ja auch die besinnlicheren Momente im Leben. Wohltuend fällt zudem auf, dass die Publikumsreaktionen beim Abmischen des Album nicht zu sehr unterdrückt worden sind und dass das Album somit auch eine authentische Liveathmosphäre transportiert.

Regina Royale Records (2022)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. I Got A Good Thing
02. Crazy, Hazy, Lazy
03. I Cry
04. By My Side
05. Leave Me Alone
06. Take A Look
07. I‘m Gonna Get You Back
08. Insomnia
09. Push On Through

Diane Blue
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DeWolff – Love, Death & In Between – CD-Review

Anfang Oktober hatten wir im Rahmen eines Interviews, und anlässlich ihres Konzertes im Bochumer RuhrCongress als Support der Black Crowes, mit den sympathischen und kommunikativen Jungs von DeWolff, alias Luca und Pablo van den Poel sowie Robin Piso bereits über ihr neues Album „Love, Death & In Between“ ausgiebig gesprochen. 

Dies war noch ziemlich weit weg vom eigentlichen Erscheinungstermin, der jetzt aber zeitnah am 03. Februar ansteht. Ich hatte gut eine Woche vorher mp3-Daten zur Vorbereitung erhalten und dann das Werk dementsprechend intensiv, meist auf dem Arbeitsweg, im Auto angehört.

Seit geraumer Zeit liegt mir die Scheibe jetzt als finale CD vor. Nachdem ich sie einige Wochen nicht mehr gehört habe, und den Silberling jetzt mal zuhause im Player im Wohnzimmer laufen lassen habe, klingt er – ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde (ich bin wahrlich kein audiophiler Feingeist in dieser Hinsicht) – tatsächlich etwas verändert, natürlich positiv gemeint.

Musikalisch gesehen ist natürlich alles gleich geblieben. Vom eröffnenden treibenden „Night Train“ (mit James Brown-Tribut zollendem Sprechintro, der Song ist aber aus eigener Feder) bis zum Led Zep-angehauchten Rausschmeißer „Queen Of Space & Time“ bieten die Burschen einen engagierten bunten Retro-Ritt durch die Facetten der Rockmusikgeschichte, wobei sowohl in Sachen Tempi als auch bezüglich der Stile (wie u. a. Southern Rock, Soul, Psychedelic Rock), viel Wert auf Diversität gelegt wurde.

Sämtliche Tracks wurden dabei eigenständig vom besagten Trio kreiert, lediglich beim Allman Brothers-umwehten „Jackie Go To Sleep“ (mit Reminiszenzen an „Elizabeth Reed“) war auch noch Bassist Levi Vis mit im Boot. Der auffälligste Track ist natürlich das 17 Minuten währende „Rosita“, der im Mittelteil mit vielen instrumentellen Wendungen, als auch stimmungsmäßigen Wechseln aufwartet, bis er am Ende wieder zum Ursprungsschema zurückfindet.

Wer auf handgemachte Rockmusik der guten alten Zeit mit frischem neuen jugendlichen Elan steht, ist bei DeWolff und ihrem neuen Werk „“Love, Death & In Between“ an der richtigen Stelle. Wie schon ihr Live-Auftritt in Bochum kann auch die CD auf ganzer Linie überzeugen.

Apropos handgemacht. Das Coverbild (mit in die Rückseite des DigiPaks übergehend) wurde von der Künstlerin Rosa De Weerd aus Amsterdam nicht am PC designt, sondern ganz konventionell mit Palette und Pinsel handgemalt. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Angelegenheit!

Mascot Label Group (2023)
Stil: Blues Rock, Soul & More

Tracks:
01. Night Train
02. Heart Stopping Kinda Show
03. Will O‘ The Wisp
04. Jackie Go To Sleep
05. Rosita
06. Mr. Garbage Man
07. Counterfeit Love
08. Message For My Baby
09. Guilded (Ruin Of Love)
10. Pure Love
11. Wontcha Wontcha
12. Queen Of Space & Time

DeWolff
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Netinfect Promotion
Mascot Label Group

Eddie 9V – Capricorn – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Capricorn“ ist nach seinem 2021 Album „Little Black Flies“ die dritte Scheibe von Eddie 9V. Namensgeber sind die legendären Capricorn Studios in Macon, Georgia, in denen er zusammen mit lauter hochkarätigen Rootsmusikern aus dem amerikanischen Süden sein neuestes Werk eingespielt hat.

Im Gegensatz zu „Little Black Flies“, welches ein sattes Bluesalbum war, überrascht seine aktuelle Scheibe mit komplett anderen Tunes. Brooks Mason selbst – alias Eddie 9V – berichtet, nach seinem letzten Album stark durch die Muscle Shoals-Musik, also eine Mischung aus Hillibilly, Blues, Rock‘n‘Roll, Soul, Country und Gospel beeinflusst worden zu sein. Und diese neue Erfahrung schlägt sich auch auf „Capricorn“ nieder. Alle Songs atmen förmlich den Soulspirit der späten 60‘er Jahre aus, unterstützt durch schmissige Altsaxophon-, Posaunen- und Baritonhorneinlagen sowie harmonische Backgroundvocals. Und alles zusammen einfach großartig arrangiert.

Das Album wird eröffnet durch die fröhlich-flotte Soulnummer „Beg Borrow And Steal“, gefolgt vom sumpfigen „Yella Alligator“ mit viel Slidegitarre, bevor es leicht funky mit dem treibenden Shuffle „Bout To Make Me Leave Home“ weitergeht. Gospelig hingegen sind der Slowblues „Are We Through?“ und insbesondere „ Mary Don‘t You Weep“ mit Khristie Frenchs zartem Leadgesang.

Hervorzuheben wäre dann auch noch eine Coverversion von Bob Dylans Klassiker „Down Along The Cove“, ein schnörkeliger Bluesrocker mit schrammelnden Gitarren und das Fingerpickingstück „It‘s Going Down“, in welchem Eddie 9V seine Alkoholerfahrungen verarbeitet. Die übrigen Songs sind gefällige Soulnummern, mal flotter („How Long“ und „Tryin’ To Get By“) und mal gemächlicher („Missouri“ und „I’m Lonel-“). Wobei der Refrain von „How Long“ schon fast einen leichten Reggaetouch aufweist.

„Capricorn“ ist insgesamt ein spannendes und äußerst abwechslungsreiches Album, das dem Soulspirit der späten 60‘ger frönt, einer Zeit also, in der der heute 27-jährige Eddie noch lange nicht geboren war. Um so erstaunlicher ist es (und es zeugt nicht zuletzt auch von seiner musikalischen Genialität), wie gut er es schafft, die Vibes dieser Zeit nicht nur ins Hier und Jetzt zu transportieren, sondern auch erfrischend neu zu interpretieren. Für mich ist es mit Abstand das spritzigste Album des noch jungen Jahres und es verdient allemal eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Die Scheibe ist seit dem 27. Januar im Handel.

Ruf Records (2023)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Beg Borrow And Steal
02. Yella Alligator
03. Bout To Make Me Leave Home
04. Are We Through?
05. How Long
06. It‘s Going Down
07. Tryin‘ To Get By
08. Down Along The Cove
09. Mary Don‘t You Weep
10. Missouri
11. I‘m Lonely

Eddie 9V
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The Boneshakers – One Foot In The Groove – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Bereits 1997 veröffentlichten „The Boneshakers ihr erstes Funk-Blues Album „Book Of Spells“. Nun, 25 Jahre später, erinnern sie mit ihrer neuen Scheibe „One Foot In The Groove“ soundmässig an ihr Debut. Zu hören sind die Originalmusiker von 1997: Sergio Gonzales am Schlagzeug, Nathan Brown am Bass, Jon Gilutin an den Keys, The Texacali Horns (Joe Sublett, Mark Pender) sowie Randy Jacobs ehemaliger Bandkollege von Was (Not Was) Sir Harry Bowens, Gesang. Zusätzlich wird die Truppe durch die Sängerin Jenny Langer (Moonshine Society) verstärkt.

Auffallend ist, dass das Album lediglich zwei Eigenkompositionen („Big Legged Man“ und „Powerful Notions“) enthält. Bei den übrigen acht Tracks handelt es sich um Adaptionen, von denen der Stonesklassiker „Let‘s Spend The Night Together“ sicherlich die bekannteste Nummer ist. Allen gemein ist aber, dass ihnen die Knochenschüttler eine neue funkige Seele einhauchen.

Die zehn Songs des Longplayers lassen sich daher ohne wenn und aber in eine Schublade mit der Aufschrift „Funk aus Detroit“ stecken, wobei die Tracks durchaus auch bluesige Elemente („I Am The Blues“, „Ain’t Got The Fever No More“, „I Forgot To Be Your Lover“, „Ice Cream And Cigarettes“) enthalten. Natürlich stehen Jacobs‘ herausragende Fertigkeiten als Funkgitarrist immer im Vordergrund, stets begleitet von klaren und präzisen Bläsersätzen (Saxophon und Trompete) der „Texcali Horns“. Den Gegenpart dazu bildet Jenny Langers kraftvoller Gesang, ohne den das Album sicherlich nur halb so gut wäre.

Allerdings muss der potentielle Hörer der Stilrichtung des Funk schon sehr zugetan sein, wenn ihm die Platte wirklich gefallen soll. Hardcoreblueser und Southernrocker werden an dem Werk wohl eher weniger Gefallen finden, wenngleich es sich musikalisch auf sehr, sehr hohem Niveau bewegt. So sagt Don Fagenson, aka Don Was, von „Was (Not Was)“, dessen Bandmitglied Jacobs in den 80‘er Jahren war, dass „One FootIn The Groove“ das bisher beste Album der „Boneshakers“ sei. Es erscheint am 30. September bei dem Label Take It To The Bridge Records.

Label: Take It To The Bridge Records
Stil: Funk, Soul, Blues

Tracks:
01. Mr. Alice Doesn‘t Live Here Anymore (Bob Dylan/Don Was/David Was)
02. Let‘s Spend The Night Together (Mick Jagger/Keith Richards)
03. I Am The Blues (Julian Burdock)
04. Ain‘t Got The Fever No More (Steven van Zandt)
05. Big Legged Man (Randy Jacobs/Jenny Langer)
06. One Foot In The Groove (Donnie Fritts)
07. I Forgot To Be Your Lover, feat. Bernard Fowler (William Bell/Booker Jones)
08. Ice Cream And Cigarettes (Sophie Baudry)
09. More, More, More (Clarence Reid)
10. Powerful Notions (Randy Jacobs)

The Boneshakers
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