David Nail – I’m A Fire – CD-Review

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Drittes und bisher bestes Album von David Nail! Der ursprünglich aus Missouri stammende David Nail ist eine Kämpfernatur. Der ehemals talentierte Baseballspieler und -trainer hat in seiner Sportkarriere gelernt, dass man nach Niederlagen wieder aufstehen muss. Das hat ihm vermutlich auch in seinem nachfolgenden Leben als Musiker geholfen. Denn sein Weg war zunächst mehr als beschwerlich. Sein fertiggestelltes Debütalbum war nach einem ersten Singleachtungserfolg komplett gecancelt worden (somit wäre „I’m A Fire“ eigentlich schon sein viertes).

Erst fünf Jahre später konnte David bei MCA Nashville dann mit „I’m About To Come Alive“ im New Country Business so richtig Fuß fassen (die Single „Red Light“ schaffte es gleich unter die Top 10). Auch wenn Silberling Nr. 2 „The Sound Of A Million Dreams“ mit „Let It Rain“ dann prompt Nails erste Nr.1 Single mit sich brachte, blieb ihm die Tür zu den ganz Großen der Zunft immer noch versperrt. Das könnte sich jetzt mit seinem neuen Werk „I’m A Fire“ gravierend ändern. Nail hat sich von seiner immer ein wenig mitschwebenden Introvertiertheit freigeschwommen und präsentiert ein hochmodernes, niveauvolles Mainstream New Country-Album voller Hitpotential.

So schaffte es das mit herrlichem Banjo- und Dobrospiel (Ilya Toshinsky und Jerry Douglas) durchzogene „Whatever She’s Got“ direkt auf Platz 2 der Billboard Country Single-Charts (sogar Platz 1 der Country Airplays). Der Song ist ein Paradebeispiel dafür, wie man moderne Pop-/Rockmusik mit country-typischen Instrumenten veredeln kann. Klasse dieses Lied. David hat auf der von Frank Liddell, Chuck Ainley und Glenn Worf produzierten Scheibe vier der insgesamt elf Tracks mitkomponiert und zeigt auch beim Songwriting deutlich reifere und variablere Züge.

Sehr schön beispielsweise das mit einem Eli Young Band-Touch angenehm dahingleitende „Broke My Heart“, die atmosphärischen Balladen „Brand New Day“ (mit tollem Jerry McPherson E-Gitarren-Solo) und „The Secret“ (sehr düster, packender Text, fantastische Gesangsleistung) oder das in Keith Urban-E-Gitarren-Manier locker dahinfließende „Easy Love“. Spaß machen vor allem auch die sehr stilvoll eingeflochtenen und gut wahrnehmbaren Harmoniegesänge von Damen wie Sara Buxton, Micah Wildshire oder Aubrie Sellers, der Tochter von Lee Ann Womack.

Apropos Lee Ann Womack. Die hat einen Awards-verdächtigen Gastauftritt bei derDuettversion des Glen Campell-Klassikers „Galveston“. Auch hier zeigen die starken Nashville-Musiker (neben den bereits erwähnten u. a. Chris McHugh, Eric Darken, Paul Franklin, Mike Rojas) wie man heute so einen alten Schinken von seinem Staub befreien kann. Das ist traditionelle Countrymusic auf der Höhe der Zeit – und zwar vom Allerfeinsten! Fantastisch!

Die ganz hohe Kunst des Harmoniegesangs gibt es dann auf „When They’re Gone (Lyle County)“ zu hören. Hier hat David die Kollegen von Little Big Town mit ins Boot geholt. Ein herrlich rootsig-kratziger Countrysong, der auch perfekt ins LBT-Repertoire gepasst hätte. Glänzend erneut Jerry Douglas’ filigrane Dobro-Einlagen inkl. erstklassigem Solo. Auch der Titelsong könnte die Charts aufmischen. Aus der Feder von Hitgarant Tom Douglas und The Cadillac Three-Frontmann Daren Johnston (singt im Background mit) stammend, bekommt man hier so ein wenig „Bruce Springsteen goes New Country“-Feeling geboten. Starker Track!

David Nail beweist auf „I’m A Fire“ eindeutig, dass das musikalische Feuer in ihm brodelt. Die Radiostationen haben angesichts des hohen Hitvolumens wohl die Qual der Wahl. Spätestens jetzt dürfte er in der Topriege der Nashville-Elite angekommen sein. David Nail mit einer wahrhaftigen Top-Leistung!

MCA Nashville (2014)
Stil: New Country

01. Whatever She’s Got
02. Broke My Heart
03. Burnin‘ Bed
04. When They’re Gone (Lyle County) – (Featuring Little Big Town)
05. Brand New Day
06. Kiss You T
08. Countin‘ Cars
09. Easy Love
10. I’m a Fire
11. Galveston (Featuring Lee Ann Womack)

David Nail
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Bärchen Records

Brantley Gilbert – Just As I Am – CD-Review

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Nach seinen Riesenerfolgen in der jüngeren Vergangenheit endlich das neue Album von Brantley Gilbert. Tolles Teil! Kraftvoller „Rocking New Country“ voller Southernflair, der die Charts von Nashville ordentlich aufmischt. Starke Songs, großartige Melodien und ein wildes, „rauer Kern – weiches Herz“-Image – Brantley Gilbert bringt das überaus authentisch rüber. Und sein drittes Werk, „Just As I Am“, ist tatsächlich nochmal eine erhebliche Steigerung zum auch schon starken Vorgänger „Half Way To Heaven“, das immerhin zwei Nr. 1-Hits hervorgebracht hatte.

Auch jetzt erklomm die erste Single, „Bottoms Up“, ein cool groovender gitarrenbetonter Track mit klasse E-Gitarren-Solo, auch schon wieder die Pole-Position der Billboard Country Singles-Charts. Also direkt ein Traumstart! Und es wird nicht der letzte Hit aus diesem Album gewesen sein, denn auch der Rest der Stücke hat allesamt eine hohe Chartdichte. Der raue Opener „If You Want A Bad Boy“ bietet ´sofort Stoff für die junge, wilde Redneck-Fraktion. Ein rauer Southern-Country-Rocker, der sofort Erinnerungen an das tolle „Kick It In The Sticks“ vom Vorgänger aufleben lässt. „Böse Jungs“-Stoff im wahrsten Sinne des Wortes!

Die wirklich frische Hommage an die vergangene Jugend, „17 Again“ lässt den immer von ein wenig Introvertiertheit umschwebten Protagonisten regelrecht aufleben. Ein toller melodischer New Country-Song voller Euphorie, der einfach richtig Laune macht. Stark hier auch das E-Gitarrenspiel von Produzent Dann Huff, das dem Song noch ein wenig unterwelliges Melodic Rock-Flair verleiht. Apropos Dann Huff. Der bedient hier so einige Saiteninstrumente (Akustikgitarre, E-Gitarre, Bouzouki) und zeigt mit teils unwiderstehlichen Soli und herrlichster Hintergrund- und Fill-Arbeit, dass er zu den besten Gitarristen des Business zählt.

Eine wahre Wonne auf diesem Album! Mit „That Was Us“ (schön bluesiges E-Gitarren-Solo) und „I’m Gone“ folgen zwei schön trockene Countrytracks, wobei letzterer wohl ein wenig die recht kurze Liaison mit Schauspielerin und Sängerin Jana Kramer, inklusive kleinerer Seitenhiebe, reflektiert. Die Powerballade „My Baby’s Guns N‘ Roses“ ist natürlich textlich mit vielen populären Titeln der einst so erfolgreichen Rockband bestückt. Huffs Saitenarbeit mit allerhand Instrumenten, krachende Drums und hallende Orgel verleihen dem Song diese immense Kraft, wie sie damals auch für GNR-Balladen typisch war. Auch hier wieder klasse, wie im New Country gekonnt Brücken zu solcher Musik geschlagen werden. Ebenfalls ein glasklarer Nr.1-Kandidat.

„Lights Of My Hometown“ und auch das abschließende „My Faith In You“ sind vom sich langsam steigernden Aufbau her ähnlich strukturiert und münden in teilweise episch anmutende Southern Rock-umwehte Instrumentalpassagen (erneut furioses Spiel von Dann Huff, inkl. Double Leads!), die noch mit choralen Harmonie-Gesängen dramaturgisch ergänzt werden. Zwei Killersongs! Das erinnert ein wenig an Eric Churchs Experimente auf seinem letzten „Outsider“-Album. Hier wird das Country-Terrain allerdings nicht verlassen. Zwei Stücke mit beeindruckender nachhaltiger Wirkung. Großes „New Country-Kino“!

Das traurige, unter die Haut gehende „One Hell Of An Amen“ (klasse Text, alle übrigens im toll gestalteten Booklet mitgeliefert) wird vom lockeren „Let It Ride“ (fluffige Akustikgitarrenuntermalung, surrende Slidegitarren, Pianotupfer) stimmungsmäßig wieder kompensiert. Zusammen mit den Kollegen Justin Moore und Thomas Rhett spielt sich Brantley dann auf dem humorvollen Southern Rock-Mitgröler „Small Town Throwdown“ die (Gesangs-) Bälle harmonisch zu (dazu herrliche Slidegitarren), bevor das bereits erwähnte, großartige „My Faith In You“ ein fulminantes Gesamtwerk höchst eindrucksvoll ausklingen lässt. Ein heißer Anwärter für das Nashville-Album des Jahres!

Brantley Gilbert übertrifft mit „Just As I Am“ die hohen Erwartungen mit Bravour. Eine tolle Weiterentwicklung des aus Jefferson, Georgia stammenden Burschen. Auch Dann Huff hat hier sicherlich einen großen Mitverdienst. Die Songs (übrigens alle von Brantley allein oder mit diversen, namhaften Co-Writern wie Ben Hayslip, Troy Verges, Brett James, Jeremy Spillman u. a. komponiert) gestalten sich nicht so kontrastreich wie auf dem Vorgänger, sondern bilden diesmal eine fließende Einheit.

Und so hat der Künstler auch zu Recht allen Grund, stolz zu resümieren: „I have always said that each of my albums has told a story… my story, and this album is no different. This one picks up where ‚Half Way To Heaven‘ left off. I have gone through a lot the past few years… a lot of highs and lows and all of that is reflected in this project. My fans know I’m a straight shooter so I didn’t leave anything out. I think there is something for everyone – from my party side to the gentler stuff. I can’t wait to share this new music with the BG Nation.“.

Auch wir leisten natürlich gerne unseren Beitrag, diese tolle Musik weiter zu verbreiten. Mit „Just As I Am“, das vermutlich in den nächsten Tagen an die Spitze der Billboard-Charts drängen wird, rückt der passionierte Harley Davidson-Biker dem bisherigen Marktführer auf diesem Gebiet, Jason Aldean, ganz dicht auf die Pelle. Saustarker Stoff, Brantley Gilbert! So darf es gerne weitergehen.

Valory Records (2014)
Stil: New Country

01. If You Want A Bad Boy
02. 17 Again
03. Bottoms Up
04. That Was Us
05. I’m Gone
06. My Baby’s Guns N‘ Roses
07. Lights Of My Hometown
08. One Hell Of An Amen
09. Small Town Throwdown (feat. Justin Moore)
10. Let It Ride
11. My Faith In You

Brantley Gilbert
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Bärchen Records

Dan + Shay – Where It All Began – CD-Review

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Neues, hochtalentiertes Duo aus Nashville! Hinter Dan + Shay stehen die beiden jungen Musiker und Songwriter Dan Smyers und Shay Mooney, die sich 2012 in Nashville trafen und spontan beschlossen, im gemeinsamen Songwriting ihr Glück zu versuchen. Die Chemie stimmte, die Ideen sprudelten und mit Ihrem Warner Brothers-Majordebüt „Where I All Began“ hat man sicher viel mehr erreicht, als man zunächst in den kühnsten Träumen erhofft hatte.

Dass man gleich noch on top eine ACM Vocal Group Of The Year-Nominierung einheimste, einen Grand Ole Opry Auftritt verbuchen konnte und mit arrivierten Musikern wie Blake Shelton auf Tour geschickt wird, setzte dem Ganzen sicherlich noch die Krone auf. Nicht zu vergessen ihre erste Single „19 You + Me“ (schöne Heartland-trächtige E-Gitarren-/ Piano-/Mandolinen-unterlegte Powerballade in Rascal Flatts-Manier), die mittlerweile kurz davor ist, die Top 10 der Bilboard Country Single Charts zu knacken.

Auch wenn wir uns hier in New Country-Mainstream-Pop-Gefilden bewegen muss attestiert werden, dass die ganze Sache sehr organisch herüberkommt, nicht zuletzt auch ein Verdienst von Musikern wie Adam Shoenveld, Bryan Sutton und Danny Orton, die das Ganze immer genügend country-affin und stilsicher mit in Szene setzen. Sämtliche Stücke stammen aus der Feder der beiden Hauptprotagonisten in Asssistenz einiger namhafter Co-Autoren wie Danny Orton, Ben Hayslip, Rhett Akins oder Nathan Chapman. Produziert hat Dan Smyers, wobei Danny Orton, Scott Hendricks und Chris deStefano teilweise als Co-Produzenten fungierten.

Dan erweist sich zudem als Gitarren- und Banjospieler, Percussion sowie Backgroundsänger. also als breit aufgestellter Musiker, während Shay Mooney sich auf den Lead-Gesang (er klingt fast wie ein Zwillingbruder von Gary LeVox) und das Akustikgitarrenspiel konzentrierte. Beide sehen zudem blendend aus und werden sicher gerade bei der weiblichen Klientel so manches Herz brechen. Die Songs bewegen sich in Sphären zwischen den omnipräsenten Rascal Flatts und Keith Urban, und verbreiten auch mit den hervorragend sitztenden Harmoniegesängen eine sommerliche, gute Laune. Ideal für eine Seasidetour mit eine paar netten Mädels hinten im offenen Cabriolet.

Adam Shoenveld mit seinen gut getimeten E-Gitarren-Soli und Bryan Sutton mit seinem variablen und filigranen Akustikgitarren-, Mandolinen- und Banjospiel sorgen immer wieder für die instrumentellen Highlights. Hitverdächtig sind eigentlich alle Stücke durch die Bank. „Nothing Like You“, „Parking Brake“ und „Party Girl“ (mit „Ooh-ooh-ooh“-Gastvocals von Carolyn Dawn Johnson) dürften aufgrund der markanten und im Gehörgang haften bleibenden Refrains das höchste Chartpotential beinhalten. Im letzten Viertel wird mit der Hinzunahme von Cello-Einlagen bei Tracks wie „I Heard Goodbye“, „Party Girl“ und dem abschließenden, wunderbar melancholischen „Close Your Eyes“ zusätzlich atmosphärisch gepunktet.

Dan + Shay alias Dan Smyeers und Shay Mooney bereichern mit ihrem frischen, unverbraucht klingenden Debüt Nashvilles Countrypop-Szene auf äußerst angenehme Weise. Wer ein Faible für mainstreamorientierte Duos der Marke Love & Theft, Blue County & Co. besitzt und generell frischem New Countrypop mit Niveau aufgeschlossen ist, dürfte hier an der richtigen Adresse sein. Nicht zuletzt auch ein heißer Tipp für Leute, die unbedingt eine ernsthafte Alternative zur Überbrückung bis zum nächsten Rascal Flatts-Album suchen. Dan + Shay kommen mit ihrem Erstling „Where It All Began“ richtig gut aus den Startlöchern! So kann es gerne weiter gehen!

Warner Bros. (2014)
Stil: New Country

01. Show You Off
02. Stop Drop + Roll
03. 19 You + Me
04. What You Do To Me
05. Can’t Say No
06. First Time Feeling
07. Nothin‘ Like You
08. Somewhere Only We Know
09. Parking Brake
10. I Heard Goodbye
11. Party Girl
12. Close Your Eyes

Dan + Shay
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Deana Carter – Southern Way Of Life – CD-Review

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„Southern Way Of Life“ ist Deana Carters erstes Album nach 6-jähriger Pause. Die aus Nashville stammende, mitllerweile 48 Lenze zählende, seit Anfang der Neunziger Jahre im Geschäft weilende, hübsche Blondine zählt somit schon fast zu den „alten Eisen“ des New Country-Genres und kann dementsprechend auch schon auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken.

Geboren als Tochter des Szene-Gitarristen Fred Carter, Jr. (mittlerweile verstorben, ihm ist das Album auch gewidmet), entdeckt von Willie Nelson, der sie 1994 als einzige weibliche Solistin für sein Farm Aid VII-Konzert verpflichtete, gelang ihr mit dem 5-fach Platin ausgezeichnetem Album „Did I Shave My Legs For This“ der große Durchbruch. Das Werk beinhaltete Carters erste Nr.1-Single „Strawberry Wine“, die dann auch den CMA-Award gewann. Für den Song „Once Upon December“ aus dem Animationsfilm „Anastasia“ erhielt sie sogar eine Oscar Nominierung und selbst einen Auftritt auf einer Weihnachtsfeier Bill Clintons kann sie für sich verbuchen.

Der von ihr co-komponierte und von Kenny Chesney gecoverte Track „You And Tequila“ (als Song des Jahres bei den CMA Awards nominiert) und die Erfüllung eines Traums mit einem Auftritt in der Grand Ole Opry sowie die Gründung ihres eigenen Labels scheinen Deana nach Ihrer längeren Auszeit, die sie vornehmlich ihrem 2004 geborenen Sohn Gray gewidmet hatte, wieder beflügelt zu haben. Mit „Southern Way Of Life“ meldet sie sich jedenfalls in einer bärenstarken Verfassung zurück.

Die zehn selbst, bzw. mit einigen Co-Writern (u.a. Kacey Musgraves bei „I Don’t Want To“ und „That’s Just Me“, Sean McConnell, Lindsay Ray, etc.) komponierten und auch eigens produzierten Stücke präsentieren eine spürbar mit sich zufriedene, ungemein postive Energie versprühende Künstlerin. Carters helle, teilweise elfenhaft klingende Stimme und ihre klare, transparente Produktion lassen die zwischen äußerst melodischem New Country und Folkpop pendelnden Lieder in einem herrlich leichten „blumig-luftigen“ Ambiente dahinfließen. Wohlfühlfaktor pur!

Richtig stark sind auch die Leistungen der involvierten Musiker (Shawn Jones, Joel Shearer, Jeff Carter -Gitarren, Cary Beare – Bass, Craig Macintyre – Drums, Matthew Schmid – Keyboards) zu bewerten. Gerade die drei Gitarristen überraschen immer wieder mit einfließenden Fill- und E-Gitarren-Solopassagen, die dem Titel des Albums alle Ehre machen und so vielleicht nicht zu erwarten waren. Da wird teilweise im Stile der großen Southern Rock-Gitarristen bei fast allen Nummern richtig fett in die Saiten gegriffen (z.B. herrliche Passagen bei „I Barely Knew“) und selbst vor der typischen Twin-Variante wie beim southern souligen „I’ll Save My Love For You“ nicht Halt gemacht. Und das passt gerade auch wegen des feinen Klangs der Stücke richtig gut zusammen.

Weitere Highlights sind die beiden wunderbar melodischen Auftaktsongs „You Can’t Stay“ (klasse der knochentrocken pumpende Bass) und „Before You Left“ (herrlich die kreischende E-Gitarre am Ende), sowie das mit einer an „Solsbury Hill“ erinnernden Akustikgitarrenlinie versehene „That’s Just Me“. Der Titeltrack am Ende fällt mit seiner leicht angejazzt swingenden Note etwas aus dem Rahmen, macht aber aufgrund des humorvollen Textes ebenfalls richtig Laune.

Deana Carter meldet sich nach ihrer Erziehungspause mit „Southern Way Of Life“ in bestechender Form zurück. Eine, wie beschriebenen, sehr interessante Kombination aus leichten folkig angehauchten New Country-Songs mit satten Southern Rock-E-Gitarren, die wunderbar funktioniert. Ein schön gestaltes Cover-Artdesign (Booklet mit allen Texten und schönen Bildern von ihr) rundet das bestens gelungene Werk ab.Welcome back Deana Carter!

Red River Entertainment (2015)
Stil: New Country

01. You Can’t Stay
02. Before You Left
03. I Know Better
04. I’ll Save My Love For You
05. I Don’t Want To
06. That’s Just Me
07. Waiting For You To Come Home
08. I Barely Knew
09. Do Or Die
10. Southern Way Of Life

Deana Carter
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Van Zant – My Kind Of Country – CD-Review

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Sehr starker Nachfolger der Van Zant-Brüder Donnie und Johnny! Nach ihrem überaus erfolgreichen und von Gold-Status belohntem Nashville-Debüt „Get Right With The Man“ aus dem Jahre 2005 legen die beiden Sänger von Lynyrd Skynyrd und 38 Special ihren bereits heiß erwarteten zweiten Longplayer in diesem Sektor nach. Nachdem es in kreativer Hinsicht bei ihrem Stammbands in den letzten Jahren ziemlich mau aussah, scheint sich ihr gemeinsames Country-Projekt immer mehr zum ersten Standbein für die beiden zu entwickeln.

Und sie fühlen sich in der Nische des southern-rockigen (New-) Country offenbar pudelwohl. Dies überträgt sich auch deutlich spürbar auf die Atmosphäre ihres neuen Werkes „My Kind Of Country“, denn das Teil ist, wenngleich noch einen Hauch mehr „country“ als der Vorgänger, tatsächlich noch einmal einen Tick frischer, reifer und besser geworden als der Vorgänger! Großes Komplimant dafür! Die einstigen, immer mal wieder auftauchenden gesundheitlichen Probleme bezüglich ihrer Stimmen scheinen wie weggeblasen und man freut sich, dass gerade der zuvor ein wenig zurückhaltender agierende Donnie diesmal nahezu ebenbürtig mitmischt.

Und so prescht dieser beim kräftigen Opener „Train“ direkt wie in alten, allerbesten 38 Special-Tagen voran. Ein toller Southern –Rocker, mit allem was das Herz begehrt: Kerniger Gesang, aggressiver Refrain, fette Slide-Riffs, Mundorgel, glühende E-Gitarren/-Soli, weibliche „Oohoohs“, dazu eine wenig aufdringliche Fiddle. Der Song stampft wie eine Dampflok, die sich unbarmherzig durch die unendlichen Weiten des Westens und des Südens vorankämpft. Ein toller Auftakt. Mit „These Colors Don’t Run“ folgt anschließend ein erster „echter“ Countrysong, ein wenig patriotisch eingefärbt, in der Tradition von Hank Williams jr. oder Montgomery Gentry.

„Goes Down Easy“ verbreitet danach gute Laune pur. Unterschwelliges, ganz dezentes Tex-Mex-Flair im Gesang, klasse Mundhamonika-Begleitung von Pat Buchanan (übrigens ist wieder fast die gleiche Musiker-Mannschaft wie beim Vorgänger an Bord) und der sich sofort in den Gehörgang bohrende Refrain laden zum munteren Mitsingen, „Mitkreischen“ und Mitgrölen ein. Das Lied stammt übrigens aus der Feder der angesagten Künstler und Songwriter Tom Hambridge, David Lee Murphy und Gary Nicholson.

Etwas ruhiger wird es dann bei „That Scares Me“, vielleicht so etwas wie das Pendant zu „Help Somebody“ aus dem vorigen Album. Eine Genre-typische Nummer, die Johnny Van Zant’s weich- kratziger Stimme geradezu auf den Leib geschrieben ist. Sehr entspannt, garniert mit dezenten Steel-, Orgel, und E-Gitarren-Fills, sowie einem feinen Slide-Solo. Ähnliches gilt für „The Hardest Thing“, durch das zudem noch ein gewisses Heartland-Flair weht. Der großartige Titelsong verbindet dann wieder besten Southern-Rock und New-Country mit treibenden Grooves zu einer explosiven Mischung!

„It’s Only Money“ erinnert mit seinen Honkytonk-Elementen (herrlicher Gesang von Donnie) stark an den uralten 38 Special-Track „Money Honey“. Kuhglocken, bestechende Piano/Orgel-Arbeit von Reese Wynans, weibliche „Backs“ und filigranes Stratocaster-Spiel lassen alte Southern-Glanzzeiten wieder aufleben. In bester Lynyrd Skynyrd-Tradition schallt dann das straight southern-rockige „We Can’t Do It Alone“ aus den Boxen: Fette E-Gitarren-Riffs, schöne Dual Guitar-Passage, starke weibliche Background-Gesänge! Lediglich das geschickt eingeflochtene Dobro stellt einen wunderbar „duftenden“ Bezug zum Country her. Gesang hier natürlich von Johnny Van Zant!

Bei „Friend“ kommt dann der bei uns einen sehr guten Ruf genießende Jeffrey Steele kompositorisch mit ins Spiel. Das Stück trägt seine offensichtliche Handschrift und weist ein wenig Reminiszenzen an dessen „Twenty Years Ago“ auf. Sehr eingängigen, fluffigen New-Country der Marke Alabama bekommt man bei „It’s All About You“ geboten. Der Song besticht durch seine schöne Melodie und sprühende Leichtigkeit.

Das Finalstück des Albums ist dann noch mal ein absolutes Highlight: „Headed South“ wurde geschrieben von den Van Zant-Brüdern und den Warren Brothers (letztgenannte haben ja in den vergangenen Jahren kompositorisch immer mal wieder sporadisch im Van Zant-Umfeld mitgewirkt, z. B. bei Skynyrds „Red, White & Blue“-Ballade). Der von Donnie gesungene Song präsentiert sich schwül bluesig und geht in Richtung von 38. Special’s einstmaligen „Homeless Guitar“. Herrliche Gitarren, starkes E-Piano und klasse Orgel dürften bei Southern-Freunden lang vermisste Glücksgefühle wiede raufleben lassen. Ein echter Southern-Knüller am Schlus, der das Leben „on the road“ zum Thema hat.

Den Van Zant-Brüdern ist mit „My Kind Of Country“ erneut ein Klasse-Album gelungen, das, wie gesagt, noch eine Spur homogener und ausgereifter wirkt als das vorige Material, und darüber hinaus vor allem von den starken, frischen Gesangleistungen des Brüderpaares, sowie den bravourösen Leistungen der exzellenten Musiker lebt. Produziert hat wieder Mark Wright, diesmal allerdings zusammen Justin Niebank. Wir ziehen den „Hi-Roller“ vor dieser Leistung und attestieren, dass uns die Southern-Variante des Van Zant’schen Country von einer solchen Qualität für immer willkommen sein wird. Weiter so, Jungs! „This kind of country rocks“!

Columbia Nashville, 2007
Stil: New Country / Southern Rock

01. Train
02. These Colours Don’t Run
03. Goes Down Easy
04. That Scares Me
05. My Kind Of Country
06. The Hardest Thing
07. It’s Only Money
08. We Can’t Do It Alone
09. Friend
10. It’s All About You
11. Headed South

Van Zant
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Jamie O’Neal – Brave – CD-Review

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Erstes Album nach ihrer Babypause und erst das zweite überhaupt von Jamie O’Neal! Und was für eins! Es scheint, als wenn sie, wie es der Titel schon andeutet, den Irrungen und Wirrungen vergangener Label-Verhandlungen trotzend, beherzt die „Champions-League“ von „Music City“ stürmen wolle. Dabei hat ihre neue Company „Capitol Records“ wirklich keine Mühen und Kosten gescheut, Jamie die Creme de la Creme der Musikerelite Nashville’s zur Verfügung zu stellen, und an den diversen Instrumenten gleich mehrfach zu positionieren. Wahnsinn, was da aufgefahren wurde.

Aber zurecht, denn Mrs. O’Neal hat mit brillantem Songwriting (an 9 von 11 Liedern ist sie beteiligt), das sie während ihrer Larriere-Abstinenz weiter intensiv gepflegt hatte, eine wunderbare Basis dafür geschaffen. Nicht nur äußerlich raubkatzenartig wirkend, nein, auch stimmlich bewegt sie sich grazil und leichtfüßig durch die vorzüglich abwechslungsreich zusammengestellten Stücke mit angenehm poppig, moderner Note, ohne dass der Countrybereich allerdings dabei je in Vergessenheit gerät.

Die Balance stimmt einfach und ist sehr zeitgemäß! Der Opener „Trying To Find Atlantis“, ein knackiger Countrypopsong (stürmt bereits die Charts), tut es sofort ihrem Landsmann Keith Urban gleich: Dezente Banjounterlegung, schöne Melodie, Dobro- und Fiddleeinlagen, dazu ein aus weiblicher Sicht humorvoll gehaltener Text (… einen perfekten Mann zu bekommen, ist wie der Versuch, Atlantis zu finden…)! Den Background-Gesang belegen keine geringeren Damen als Carolyn Dawn Johnson und „Röhre“ Bekka Bramlett. Toller Auftakt, dem direkt das mit rockigen Rhythmusgitarren umgarnte und feinen Tempowechseln versehenen „Naive“ folgt, fast so etwas wie eine Hommage an Springsteen’s „Born In The U.S.A“, das in dem Text immer wieder zitiert wird. Die nächste Killer-Nummer!

Herrlich auch das mit dunklem, schwülem Delta-Blues-Feeling konziperte und voller Southern-Soul steckende „Devil On The Left“ (wieder ein klasse Text: Ein Mädel kommt an einem Unwettertag klatschnass in einen Tattoo-Laden, reisst sich zur Freude und zum Erstaunen der männlich Anwesenden das T-Shirt vom Leib und möchte rechts einen Engel und links den Teufel auf die Schulter tätowiert haben). Toll dabei, die wie pfeifender Wind wirkenden, eingestreuten Hammondklänge von Reese Wynans, die das Lied noch southern-atmosphärischer klingen lassen.

Einen Frontalangriff in Richtung Gretchen Wilson stellt der abgehende Roadhouse-Feger „Girlfriends“ dar , den sie zusammen mit ihrem Vater geschrieben hat (… „Girlfriends kick ass“…), eine dreckige Countryrocknummer und Stimmungsmacher zugleich, wobei das mit zum Mitbrüllen einladende „Yeah, Yeah, Yeah“ für richtig Party sorgen dürfte. Der Rest besteht aus schönen, entspannten Midtempoliedern, aber immer mit viel positiver Energie, der Kategorie Jo Dee Messina, Martina McBride oder, der vielen Harmonyvocals wegen, SHeDAISY ausgestattet, darunter auch zwei Balladen, die zum Teil Jamie’s neue Sicht als Mutter reflektieren sollen.

Super auch der Song, mit dem das Album schließlich genauso stark endet, wie es begonnen hat, nämlich der wunderbar lockeren, flotten, mit toller Melodie versehenen, frischen Banjo-/Gitarren-/Fiddle-/Dobro-driven Countrynummer „I love my life“! Ein großes Lob gebührt natürlich auch Produzent Keith Stegall (Alan Jackson), der es geschafft hat, die Bestform der kompletten Mannschaft auf den Punkt genau abzurufen. Die Cover-Gestaltung ist dank netter Bilder und allen Texten ebenso perfekt! Jamie O’Neal ist ohne Frage ein ganz großer Wurf gelungen. Moderner Nashville-Country in Perfektion!

Capitol Nashville (2005)
Stil: New Country

01. Trying To Find Atlantis
02. Naive
03. Somebody’s Hero
04. When Did You Know
05. Devil On The Left
06. On My Way To You
07. Follow Me Home
08. Girlfriends
09. Ready When It Comes
10. Brave
11. I Love My Wife

Jamie O’Neal
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Bärchen Records

Christian Kane – The House Rules – CD-Review

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Ein Allround-Talent! Was für ein superstarkes, kraftvolles, southern-fried New Country-Debüt des aus Dallas, Texas stammenden Schauspielers und Musikers. „‚The House Rules‘ explodes with energy“! Christian Kane hat mit seinen 37 Jahren bereits ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Nachdem seine viel umher gereisten Eltern in Norman, Oklahoma sesshaft wurden, studierte Christian an der dortigen Universität. Hier sammelte er auch mit seinem Cousin Brandon Hart erste musikalische Erfahrungen. Den Abschluss machte er jedoch nicht, denn es zog ihn vorher nach Los Angeles. Nach einem Job als Assistent einer Produktionsfirma folgten die ersten kleineren Film- und TV-Rollen.

Mittlerweile hat er sich zu einer überaus präsenten Größe in diesem Bereich gemausert. So wirkte er in diversen US-Serien wie „Angel“, „Into The West“ oder aktuell „Leverage“ mit. In letztgenannter wurde in einer Episode das auf diesem Album auch befindliche „Thinking Of You“ (schöne, entspannte, atmosphärische Ballade mit ein wenig Eagles-typischen Akustikgitarren) sogar gefeatured. Auch in Hollywood-Filmen wie „Just Married“ (mit Ashton Kutcher und Brittany Murphy) und „Secondhand Lions“ (mit Haley Joel Osment, Robert Duvall, Michael Caine und „The Closer“-Star Kyra Sedgwick) partizipierte der gebürtige Texaner mittlerweile.

Parallel dazu spielte aber immer auch die Musik eine bedeutende Rolle in seinem Leben. Mit Steve Carlson gründete er 1998 die Country-/Southern Rock- Band „Kane“, die zwei Alben veröffentlichte. Gleichzeitig etablierte er sich in der Countryszene bereits mit beachtlichem Erfolg unter den gefragten EMI-Songwritern (u.a. enthält Trace Adkins‘ letztes Album eine Nummer von Kane). Nun hat Christian Kane mit „The House Rules“ auch sein erstes Solo-Werk am Start. Es ist ein tolles, beeindruckendes Teil geworden. Rockender New Country mit viel Power, modern, aber durchaus mit traditionellen Wurzeln.

Der Bursche hat eine klasse Countrystimme mit einem feinen „Oklahoma-drawl“, ist aber genauso in der Lage auch wunderbare „southernrockin‘ Countrysongs“ zum Besten zu geben. Man merkt, dass hier jemand zu Gange ist, der auf einem fundierten musikalischen Background aufbauen kann. Christian hat immerhin acht der elf Tracks mitkomponiert, teilweise an der Seite prominenter Songschreiber wie Blair Daily oder Jerrod Niemann, aber auch mit seinem alten „Kane“-Kollegen Steve Carlson. Instrumentelle Unterstützung erhält er dabei von einer ganzen „Armada“ absoluter Nashville-Vorzeigemusiker (u.a. Chris McHugh, Shannon Forrest, Chad Cromwell, Kenny Greenberg, Mike Johnson, Tim Akers, Adam Shoenfeld, Mike Johnson, Troy Lancaster, Pat Buchanan, Ilya Toshinsky).

Produziert haben die sonst eher auch als Studiomusiker aktiven Jimmie Lee Sloas und der legendäre Bob Ezrin, die hier natürlich auch ihre Paradeinstrumente wie den Bass bzw. die Keyboards bedienen. Das Album beginnt mit dem saustarken, satt rockenden Titelstück „The House Rules“, bei dem sich sofort Kane’s Vorliebe zum feurigen Southern Rock offenbart wird. Eine furiose Blues-Harp zu Beginn, fette, typische E-Gitarren, ein stampfender Rhythmus, zündendes E-Gitarren-Solo, eingebaute „Crowd“-Gesänge – das geht ordentlich zur Sache.

Das folgende, wunderschöne, lockere „Something’s Gotta Give“ geht nach entspannten Beginn in einen klasse Powerrefrain über. Toll hier die variable, taditionell angehauchte Songstrukur mit den feinen Tempowechseln und den unterschiedlichen Instrumentalelementen wie Steel, Bariton-E-Gitarre, eine herrlich Southern-typisch quäkige Mundharmonika von Pat Buchanan, Akustikgitarren-Brücke, sowie klasse E-Gitarren-Soli. Stücke wie „Whiskey in Mind“, „Callin‘ All Country Women“ oder „Seven Days“ (aus dem „Kane“-Repertoire) bieten dann richtig fetten Countryrock. Da pfeifen die Steelgitarren, da heulen die Fiddles, da schnurren die Orgeln und brettern die E-Gitarren. Toller, energiegeladener Stoff zum Mitwippen und -stampfen. Stimmlich erinnert Kane hier teilweise an Ronnie Dunn.

Auch der eingängige, gut nach vorn gehende Gute-Laune-Knaller „American Made“ hätte durchaus seine Berechtigung im Brooks & Dunn-Programm. Ein Stück à la „Only In America“ des leider nicht mehr bestehenden, so mega-erfolgreichen Duos. Auch im Balladenbereich kann Kane mit relativ kitschfreien, wunderschön instrumentierten Songs, wie dem oben bereits angeführten „Thinking Of You“, „Let’s Take A Drive“ (mit klasse Twin-Gitarren) oder dem, aus der Feder von Whitney Duncan und Jonathan Singleton stammenden, sehr atmosphärischen „Making Circles“ (mit Mandoline, Fiddle und großartigen „Backs“ der in letzter Zeit ein wenig von der Bildfläche verschwundenen Röhre Bekka Bramlett) punkten. Und am Ende zaubert er mit dem Tracy Chapman-Hit „Fast Car“ noch eine richtig starke und auch überraschende Covernummer aus dem Köcher. Ein herrlicher Abschluss!

Christian Kane liefert mit seinem Debüt „The House Rules“ direkt eine Meister-Leistung ab und reiht sich lässig und cool, mit viel Niveau, Stil und auf absoluter Augenhöhe irgendwo in der Reihe zwischen solchen Leuten wie beispielsweise Trace Adkins, Brooks & Dunn, Jason Aldean, Chris Cagle, Big & Rich, Blake Shelton und Konsorten ein. Die New Country-Szene darf einen weiteren, hochklassigen „jungen“ Wilden in ihren Reihen begrüßen!

Bigger Picture (2010)
Stil: New Country

01. The House Rules
02. Something’s Gotta Give
03. Thinking of You
04. Whiskey In Mind
05. Let’s Take a Drive
06. Callin‘ All Country Women
07. American Made
08. Let Me Go
09. Seven Days
10. Making Circles
11. Fast Car

Christian Kane
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Keith Urban – Defying Gravity – CD-Review

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Das Warten hat ein Ende! Keith Urbans fünftes Studioalbum ist da – und wie man es eigentlich schon erwarten konnte: Es ist wieder eine absolute Meisterleistung von Keith geworden. Flotter und „rockiger“ als der Vorgänger (der Balladenanteil ist wesentlich geringer), voller sprudelnder Frische, beweist er nachdrücklich, dass an ihm in Sachen rockigem Modern New Country mit ein paar gepflegten „Pop-Sensibilities“ absolut kein Weg vorbei geht.

Produziert hat Keith sein neues Werk, wie gehabt, zu großen Teilen mit Dann Huff (ein Lied alleine). Beide haben natürlich wieder ein klangvolles Musikerteam um sich versammelt (u.a. Chris McHugh, Jimmie Lee Sloas, Tim Akers, Charlie Judge, Stuart Duncan, Eric Darken, Russell Terrell, Jerry Flowers sowie die, neben Keith selbst, prächtige Gitarrenarbeit zuliefernden Parade-Gitarristen, Tom Bukovac und Adam Shoenfeld). Huff spielt dazu noch diverse Saiteninstrumente (Akustik- E- Gitarre, Mandoline, Ganjo).

Auch Keith beweist einmal mehr sein ganzes Allround-Können: Neben der Produktion, bei Gesang und Background Vocals, einer instrumententechnischen Bandbreite mittels verschiedenster Gitarren – alle Soli (Keith posiert im Booklet vor seiner beeindruckenden Gitarrensammlung), Ganjo, Bazouki, Mandoline, sowie kompositorisch mit acht von elf Tracks (seine immer noch sprudelnden Ideen beim Komponieren, u.a. mit namhaften Co-Writern wie Monty Powell, John Shanks, Rick Nowels sind aller Ehren wert).

Nachdem Keith mit seinem Vorgänger „Love, Pain & The Whole Crazy Think“ verstärkt versucht hatte, mit einigen eingestreuten, modernen Beats, sich auch dem europäischen Markt etwas mehr zu öffnen, gelingt es ihm diesmal wieder auf sehr angenehmste Art und Weise sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich seine wunderbare. von so herrlichen Melodien geprägte, unverwechselbare New Country-Musik, die ihn in den Satten zum absoluten Siperstar werden liess. „Defying Gravity“ fühlt sich dabei an, wie ein zeitgemäßes Update seiner wohl stärksten Platte „Golden Road“ und ist von daher im Ranking seiner Werke dementsprechend hoch einzustufen.

Der flotte Opener „Kiss A Girl“ (mittlerweile unter den ersten Zwanzig in den Single-Charts) schickt sich an, die erste Single „Sweet Thing“ (bereits eine Nummer 1 – beide übrigens zusammen mit Monty Powell komponiert), in Kürze zu beerben. Großartig auch das dezent keltisch anmutende „If Ever I Could Love“, das mit surrenden Twin-Gitarren, stampfenden Trommeln, Mandolinen- und Fiddlespiel zudem ein herrrliches Heartland-Flair versprüht. Bei der atmosphärischen, blusigen Ballade „’Til The Summer Comes Around“ entlockt Keith seiner Stratocaster Töne, die man ähnlich sonst nur von Mark Knopfler geboten bekommt.

„My Heart Is Open“ bietet eingängigen, poppigen Gute-Laune-New Country, das von seinem langjährigen The Ranch-Gefährten und Tour-Bassisten Jerry Flowers mitkomponierte „Hit The Ground Runnin’“ rockt richtig dynamisch in Southern-Manier, wobei Keith ein herrliches E-Gitarren-Solo, Skynyrd’scher Prägung, abfeuert. Ein rollendes, markantes Akustik Gitarrenriff durchzieht das melodische „Only You Can Love Me This Way“, „Standing Right In Front Of Me“ besticht durch eine angenehm soulige Note, die vornehmlich durch ein grooviges Piano erzeugt wird. Ein sehr schöner Song zum Relaxen. Lust auf den nächsten Karibik-Urlaub versprüht das in Jimmy Buffet-/Kenny Chesney-Manier dargebotene „Why It Feel So Long“, wobei Bruce Bouton an der Steel Gitarre (inkl. Solo) die prägnanten Akzente zu setzen vermag.

Die Radney Foster-/Georgia Middleman- Kreation „I’m In“ gab es auch schon mal von den Kinleys. Keith Urban setzt hier auf Dynamik, abwechslungsreiche Tempobreaks, sowie zwei klasse E-Gitarren-Soli. Eine starke Nummer! Das Piano-trächige „Thank You“ (hier von Tim Akers und Charlie Judge gespielt) zum Ausklang ist (wie schon auf dem Vorgänger „Got Right This Time“) als erneute Liebeserklärung an Nicole Kidman zu deuten und wird sicher auf folgenden Konzerten wieder emotional im Urban’schen Alleingang vorgetragen.

„Defying Gravity“ bietet insgesamt wieder alles, was Keith Urban-Fans an ihm mögen: Seine unverbraucht juvenile Stimme, melodische, eingängige Songs, die man spätestens nach zwei Hördurchgängen abgespeichert hat (demnach hoher Widererkennungswert), die für ihn typischen peppigen Ganjo (Banjo)untermalungen und jede Menge filigrane Gitarrenarbeit. Es werden viele (fast immer radiotaugliche) Musik-Facetten gestreift, aber letztendlich wieder gekonnt und harmonisch unter dem New Country-Deckmantel zusammen geführt. Manchmal wirkt Urban gar wie ein Tom Petty des Country. Ganz große Klasse!

Capitol Nashville (2009)
Stil: New Country

01. Kiss a Girl
02. If I Could Ever Love
03. Sweet Thing
04. ‚Til Summer Comes Around
05. My Heart Is Open
06. Hit the Ground Runnin‘
07. Only You Can Love Me This Way
08. Standing Right in Front of You
09. Why’s It Feel So Long
10. I’m In
11. Thank You

Keith Urban
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Bärchen Records

Keith Urban – Livin‘ Right Now – Live – DVD-Review

Keith Urban live auf DVD! Nach den ganzen Studio-Erfolgsalben der letzten Jahre hat der australische New Country-Superstar dem digitalen Zahn der Zeit Tribut gezollt und ist nun endlich für jedermann auch im Wohnzimmer live auf der Bühne zu bewundern. Gefilmt wurde im denkwürdigen Wiltern Theatre von Los Angeles der letzten Station seiner abgelaufenen, aktuellen US-Tournee. Herausgekommen ist ein überwältigendes Dokument, das das längst vermutete Können des sympathischen Mädchenschwarms auch live noch einmal nachhaltig untermauert.

Urban ist ein großartiger Gitarrist, ein talentierter Songwriter, ein wunderbarer Sänger und ein hervorragender Entertainer, der trotz seiner offensichtlichen Klasse auf übertriebene Selbstdarstellung verzichtet, und vor allem die Leistungen seiner ebenfalls starken Mitmusiker zu keinem Zeitpunkt in den Hintergrund stellt. Und der es natürlich auch glänzend versteht, das Publikum in seinen Bann zu ziehen – alles ohne große Effekthascherei! Eine relativ schlichte, aber recht geräumige Bühne in einem wunderschönen Theater mit steil nach oben heraufgehenden Sitzplätzen (auf denen es allerdings kaum einen der Anwesenden gehalten hat), im Hintergrund nur das Monkey-Logo auf einem Bühnenvorhang dem Zeichen von Keiths Online-Community. Keith im schlichten T-Shirt mit Jeans und darunter verborgenen Cowboystiefeln.

Auch der Rest des Line-Ups in legerer Kleidung. Es zählt halt nur die musikalische Qualität. Und dieser dynamische Set hat es einfach in sich! Nach kurzem Akustik-Intro fegt er direkt mit den beiden flotten, knackigen New Country(rock)-Nummern „Days Go By“ und „Better Life“ los, quasi der identische Auftakt wie bei seinem so erfolgreichen letzten Album „Be Here“. Mit „Raining On Sunday“ folgt die erste, dieser „Killer“-Balladen. Starkes Telecaster-Solo am Anfang, nach der offiziellen Begrüßung des Publikums, eine herrliche Melodie, plus einem weiteren, filigranen E-Gitarren-Solo! Bei „You Won“ zeigt erstmals Multi-Instrumentlist Chad Jeffers seine Qualitäten beim Dobro-Gegenspiel zu Urban’s flotten, würzigen Gitarreneinlagen.

„Blacktop“ erweist sich dann als erste „richtige“ Countrynummer, wieder mit wohl dosierten Dobro-Ergänzungen und orientalisch anmutendem Gitarrenflair. Keith genießt zum erstenmal das Bad in der Menge. Publikumsnah zeigt er sich auch, als er eine „kusswillige“ junge Dame auf die Bühne bittet, nachdem er aber vorher höflicherweise nachfragte, ob dieser „Kuß“ nicht doch eher für ihren Partner bestimmt sei. Zu dem Zeitpunkt war ein sich über fünf Lieder erstreckender Akustik-Set im Gange, wobei ein Duett mit der vokal glänzend aufgelegten Katrina Elam und die tollen Balladen „Grace Of God“ und „You’ll Think Of Me“ herausragen. Country der Extraklasse auch bei Dave Dundas’ aufgepeppter Oldie-Klamotte „Jeans On“, brillantes Dobro-Solo wieder von Chad Jeffers! Elektrisch und recht rockig wird es dann wieder ab „She’s Gotta Be“, wobei der bis dahin fulminante E-Gitarren-Rhythmusarbeit abliefernde Chris Rodriguez ein ausgedehntes Telecaster-Solo zum Besten geben darf.

Das Urban in allen Rocksparten spielend leicht zurecht kommen würde, untermauert er bei „You Look Good In My Shirt“. Eine Southern–lastige Rock-Performance der Güteklasse A, wobei Keith seine Riffs (Mischung aus Stones und Skynyrd) mit der Leichtigkeit des Seins vom Stapel lässt und sich vor lauter Freude mit dem zweiten Gitarristen auf dem Bühnenboden wälzt. Macht richtig Laune, zu sehen, wie Urban und die Band das Publikum immer weiter in Stimmung bringen, ja wirkt regelrecht ansteckend! Der Tom-Petty-Klassiker „Free Fallin’“ enthält u. a. ein tolles Organ-B3-Intro vom ansonsten eher dezent agierendenen Pianisten Steve King und einen ungemein unterhaltsamen Gesangs-Schlag-Abtausch mit dem in allen Belangen textsicheren Publikum, wobei ständige Einblendungen junger hübscher Damen einen Rückschluss auf eine hohe Frauenquote im Publikum zulassen.

„Somebody Like You“ fetzt dann wieder richtig los, tolle Banjo-Fills und Keith’s Rückkoppelungseffekte inbegriffen. Nach einem Urban-Solovortrag am Piano, der recht traditionell angehauchten Nummer „Who Wouldn’t Wanna Be Me“ mit viel Mandoline und Banjo, geht mit „These Are The Days“, diesmal dezent auf Bluegrass getrimmt, ein bärenstarker Gig zu Ende, der keinen Wunsch offen lässt. Großartige Leistung von Urban & Co.! Wer Karten für seine vier anstehenden bereits ausverkauften Konzerte in Deutschland besitzt, darf sich glücklich schätzen. Dieses Werk ist das beste Beispiel! Keith at his very best!

Und nicht genug damit: Es gibt noch weitere Bonbons auf dieser DVD: Zunächst drei Songs vom Soundcheck, die nicht im Konzert gebracht werden. Keith zweimal solo, nur mit Akustik-Gitarre „You’re not alone tonight“ und „Don’t shut me out) und einmal mit Band („“Homespin love“ aus alten Zeiten mit seiner ehemaligen Band „The Ranch„), dann noch eine Bildergalerie und zu guter letzt gar noch einen brandneuen, bislang unveröffentlichten Song, diesen allerdings lediglich im Audio-Format. „Most People I Know (Think I’m Crazy)“ ist ein recht rockiges, knackiges Stück mit Siebziger Flair, mit Beatlesquen Harmonies und nach The Who klingendem Pianospiel, sowie einem ausgiebigem, leicht psychedelisch anmutendem, fulminanten, kernigen E-Gitarren-Solo gegen Ende. Klasse! Wie die komplette DVD!

„Livin’ Right Now“ zeigt einmal mehr, warum Keith Urban aus dem Reigen der Großen in Nashville nicht mehr wegzudenken ist. Gratulation! Ein tolles, rund 100-minütiges Konzert! Enthält ein feines, 3-fach aufklappbares Booklet mit einigen schönen Fotos! Die DVD, im exzellenten Dolby 5.1 Surround-Sound, ist „code free“ und somit auf jedem Player abspielbar.

Capitol Nashville (2005)
Stil: New Country

01. These Are The Days
02. Days Go By
03. Better Life
04. Raining On Sunday
05. You Won
06. You’re My Better Half
07. Blacktop
08. Grace Of God
09. The Hard Way
10. Making Memories Of Us
11. Jeans On
12. You’ll Think Of Me
13. She’s Gotta Be
14. You Look Good In My Shirt
15. Free Fallin‘
16. Somebody Like You
17. Tonight I Wanna Cry
18. Who Wouldn’t Wanna Be Me
19. These Are The Days
20. You’re Not Alone Tonight (Sound Check)
21. Don’t Shut Me Out (Sound Check)
22. Homespun Love (Sound Check)

Keith Urban
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Bärchen Records

The PovertyNeck Hillbillies – Same – CD/DVD-Review

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CD/DVD-Set! Was für ein Name, was für eine Band, was für eine Musik! Großartige, knackige New Country-Mucke, zuweilen dezent angerockt, irgendwo angesiedelt zwischen Little Texas, Brooks & Dunn und Blackhawk! Einfach klasse, wie sich diese 7-köpfige Truppe aus dem Raum Pittsburgh, Pennsylvania auf ihrem überregionalen Debüt bei Rust Records/Nashville präsentiert! The PovertyNeck Hillbillies sind benannt nach einem Schriftzug, den Gründungsmitglied Chris Higbee (Vocals, fiddle, mandolin, banjo) auf einem Schild im Schuppen der Farm seines mittlerweile verstorbenen Vaters fand, und der einst als Spitzname für die von Arbeitslosigkeit gebeutelten Leute in der dortigen Umgebung verwendet wurde.

Eine weitere zentrale Figur der Truppe ist Lead-Sänger Chris „Abby“ Abbondoza, der schwerpunktmäßig auch für das Songwriting mitverantwortlich ist. Schon recht frühzeitig erkannte der erfahrene Nashville Studio-Stratege Bob Corbin das Potential der Jungs und nahm sie unter seine Fittiche. Er, seines Zeichens früher Musiker/Songwriter als Part des Duos Corbin/Hanner und natürlich Produzent bekannter Größen wie Kenny Rogers, Hank Williams jr. oder Alabama, steuert ebenfalls einen nicht unerheblichen Teil der Kompositionen bei.

Das Line-up vervollständigen ausnahmslos starke und vielseitige Musiker, als da wären: Dave Cramer (Vocals, keyboards), Bob „Crafty“ Crafton (Electric guitar, acoustic guitar, pedal steel, lap steel), Jeff Volek (Bass, accordion), Ryan Lucotch (Drums, percusion) und Dave Guthrie (Electric guitar, acoustic guitar). Das Gesamtpaket dieses Albums besteht aus einer 10 Songs umfassenden, saustarken Studio-CD, inklusive eines mehrseitigen Booklets mit allen Texten, sowie einer prächtigen DVD, die ein 11 Tracks umfassendes, ca. 1-stündiges Live-Konzert sowie ein, ebenfalls etwa 1-stündiges Porträt der Band enthält. Wir meinen, eine tolle Idee, einer bis dato relativ unbekannten Truppe sich umfangreich und informativ zu präsentieren.

Und spätestens nach der letzten, technisch perfekt eingespielten, herrlichen Studio-Nummer, dem wunderbaren, flockigen und knackigen, swampigen Southern-Country-Rocker „Born To Be Free“, dessen Philosophie und quirlige E-Gitarrenlinien irgendwo zwischen Montgomery Gentry, der Marshall Tucker Band, der Charlie Daniels Band und den Outlaws anzusiedeln sind, weiß man, dass diese Hillbillies für „Live-On-Stage-Performances“ geradezu prädestiniert sind. Da die Songtitel bei der CD und DVD bis auf wenige Ausnahmen nahezu identisch sind, seien hier noch „Kinda Cool, Ain’t It“, ein melodiöser, Steel-untermalter Midtemposong aus der Feder von Chris Cagle (mit dessen typischem emotionalen Flair) und das recht texanisch anmutende, zuweilen auch etwas an Brooks & Dunn erinnernde „Any Road“, mit der starken E-Gitarrenpassage am Ende, erwähnt, die sich im Live-Repertoire der DVD nicht wiederfinden.

Kommen wir also zur Live-DVD, die den ganzen Charme der Band noch besser reflektiert. Es gilt, das kalte Six-Pack zu sichern und sich „anzuschnallen“. Nach dem Öffnen der Tore des WQED-Studios, in dem der Gig gedreht wurde, wo eine Meute kreischender, vornehmlich junger weiblicher Fans, die sich im Verlauf des Konzerts aber als ungemein textsicher erweist, einfällt, um sich die besten Plätze zu sichern, legt die Truppe mit dem fröhlichen, Cajun-behafteten Countrysong „One Night In New Orleans“, das es auch schon auf der letzten Blackhawk-Album „Spirit Dancer“ zu bewundern gab, so richtig los!

Abbondanza’s äußere Ähnlichkeit (im schwarzen Lederhemd und mit Leder-Cowboyhut) zu Tim McGraw ist frappierend, auch eine leichte stimmliche Nähe (oft durch die Nase gesungen) zu Henry Paul ist manchmal nicht von der Hand zu weisen. Klasse, wie der muskelbepackte, mit Strohhut versehene, recht „redneck-proll“-mäßig wirkende, mit Kuh-befleckter Fiddle „bewaffnete“ Chris Higbee (der sich aber im weiteren Verlauf des Konzertes und im Bandportrait als unwahrscheinlich nett erweist) im Refrain die Hüften im Stile einer Bauchtänzerin kreisen lässt und damit das Publikum zum Rasen bringt.

„The Hillbilly Way“ erinnert an den nach sich selbst benannten, rauen Fernfahrer-Song der „Road Hammers“, die vor geraumer Zeit ja auch ein imposantes Debüt abgeliefert haben. Klasse E-Riffs, fast bedrohlich wirkender Sprechgesang, klasse Fiddle-Fills, Piano-Solo und jaulende Lap-Steel-Gitarre machen diesen Song auch für Southern-Rocker interessant. Nach den eingängigen, aber knackigen „The Night That Changed My Life“ und „She Rides Wild Horses“ (ähnelt ein wenig Garth Brooks „The Thunder Rolls“), läutet die atmosphärisch dichte, ja fast dramatisch anmutende, von toller Slide durchzogene, southern-getränkte Outlaw/“Hangman“-Ballade „Jericho“ (typischer Travis Tritt-Stil) eine fulminante Schlussphase ein.

Die sich nicht auf dem Studio-Silberling befindenden Stücke „Evil Twin“ (wunderbarer traditioneller Countryheuler mit Honkyton-Piano und Higbee’s Bad in der Menge) und „Hillbilly State Of Mind“ (zwei kleine Mädels werden als Dirigentinnen des gestenbestückten Gute-Laune-Refrains auf die Bühne geholt), sowie „Heaven Help Me“ (ebenfalls mit „Mitgrölrefrain“) und das textlich amüsante und stimmungsvolle Paradestück des Septetts, „Mr. Right Now“ (ein Typ versucht einer Dame seine Vorzüge für einen One-Night-Stand zu offerieren) bringen den Kessel dann noch mal zum Sieden. Als Bonus-Track gibt es auf der DVD mit „Fly“ noch einen melodischen, Piano-unterlegten Midtemposong, der einen kurzen Stratocaster/Fiddle-Solopart enthält.

Die anschließende Dokumentation stellt dann die einzelnen Bandmitglieder etwas intensiver vor, zeigt Higbee’s im wunderschönen Grün gelegene Farm, die Jungs beim Angeln, Tontauben-Schießen, Quadfahren in herrlicher Natur, im Tourbus, mit ihren Fans und auf weiteren Gigs. Alles locker und recht kurzweilig gefilmt. Ein wirklich tolles, umfassendes „Einstiegspaket“ von einer wirklich mehr als talentierten, sehr sympathischen Combo, die sicherlich noch ordentlich von sich reden machen wird. Tolle Musik für die Freunde des knackigen, angerockten New Countrys! Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Taten der PovertyNeck Hillbillies! Echte Abräumer, die Jungs! Die DVD ist im übrigen „code free“ und somit auf jedem DVD-Player abspielbar!

Rust Records (2006)
Stil: New Country

CD:
01. The Night That Changed My LIfe
02. Heaven Help Me
03. The Hillbilly Way
04. Kinda Cool, Ain’t It
05. One Night In New Orleans
06. She Rides Wild HOrses
07. Jericho
08. Any Road
09. Mr. Right Now
10. Born To Be Free

DVD:
01. One Night In New Orleans
02. Born To Be Free
03. The Hillbilly Way
04. THe Night THat Changed My Life
05. She Rides Wild HOrses
06. Jericho
07. Evil Twin
08. Heaven Help Me
09. Hillbilly State of Mind
10. Mr. Right Now

Bärchen Records