Patricia Vonne – 12.04.2026, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, einen frühen Sonntagabend einzuläuten, als einen Konzertbesuch in der Kulturrampe, zumal wenn Patrica Vonne auf der neu gestalteten Bühne steht. Sie hat ihr offiziell noch in den Startlöchern stehendes Album im Gepäck, versprach aber einen Streifzug quer durch ihre musikalische Karriere.

Die temperamentvolle Texanerin bot einen explosiven Mix aus spanisch und englisch gesungenen Songs, bei dem sie das Publikum mühelos in ihren Bann zog. Die Krefelder Location stellt quasi ein Heimspiel für Vonne dar. Sie schwärmte von der Stimmung der Kulturrampe und den Besuchern, unter denen sie viele bekannte Gesichter ausmachte. Vonne lebt ihre Musik und sie schaffte es direkt, eine persönliche Verbindung zum Auditorium herzustellen – nicht zuletzt durch die Anekdoten und kurzen Einführungen zu ihren Songs. Auch abseits der Bühne zeigten sich die charismatische Aktrice und ihr sympathischer Sideman Robert LaRoche aufgeschlossen für einen Austausch und Gespräche mit den Fans.

Zu Beginn der interkulturellen Lehrstunde verwies Vonne auf die deutschen Einflüsse, die sich in Texas wohl an mehreren Stellen zeigen. Entsprechend eröffnete „Lekker Ding“ das erste Set. Zu den Verbindungen zwischen amerikanischer und deutscher Kultur bemerkte sie, dass sie in einem Video von The Bosshoss mitwirkte. Eine Info, die mich und wohl auch viele Anwesende überraschte. Die Schauspielerei ist Vonne nicht fremd und auch als Regisseurin brachte sie ihr Filmdebüt vor Kurzem heraus. „Traeme Paz“ vom Soundtrack des Films „Once Upon A Time In Mexico“, bei dem ihr Bruder Robert Rodriguez Regie führte, folgte dem Opener.

Nach einer Hommage an den im Dezember verstorbenen Joe Ely kam der Titeltrack der neuen Scheibe „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ zu Gehör. Das Stück schrieb sie zusammen mit Chris Isaak und Johnny Reno. Von dem aktuellen Album folgten im Verlauf des Abends noch vier weitere Stücke: „Be My King“, „Not Too Late“, „Lean On Me Tonight“ sowie „Courage Under Fire“. Die drei letztgenannten sind in Kooperation mit LaRoche entstanden, der sich live on stage blind mit Vonne versteht und sie kongenial ergänzt. Alle neuen Songs sind rockig angelegt, sodass sie einen Gegenpol zu den in der Regel tendenziell getrageneren, aber dennoch dynamischen, auf Spanisch gesungenen Beiträgen bildeten. Im ersten Durchgang gab es von dieser Sorte „Qué Maravilla“ und „Guitarras y Castaňuelas“, im zweiten „Fuente Vaqueros“ sowie „Serverina“.

Die Meisterin ikonischer Posen wirbelte stilecht mit Kastagnetten, rotem Fächer oder Tamburine über die Bühne. Mit ihre Temperament heizte sie die Rampe auf und verabschiedete sich mit „Rattle My Cage“ in die Pause. In den zweiten Durchgang stiegen Vonne und LaRoche als Duo ein und gönnten so der Rhythmusgruppe – dem durch vorherige Touren gestandenen Schlagzeuger Bernhard Weichinger und einem neuen Bassisten – eine verlängerte Verschnaufpause. Nach den akustisch performten „Top Of The Mountain“ und „El Marinero y La Sirena“ wurde diese dann wieder bei dem treibenden „Hot Rod Heart“ gefordert.

Ein Höhepunkt im zweiten Set war das bekannte „City Is Alive“, das Willie Nile mitgeschrieben hat. „This Cats In The Dogouse“, das eigentlich zum Standard im Live-Repertoire von Vonne gehört, hätte gut einen Platz am Ende des Konzerts neben „Rebel Bride“ gefunden. Bei dem Song und der Zugabe „Lil Lobo“ gaben Band und Publikum – einschließlich fulminanten Wolfsgeheuls – nochmal alles, sodass die Stimmung in der Kulturrampe hochkochte und der Auftritt mit einem krachenden Höhepunkt zu Ende ging.

Patricia Vonne erwies sich erneut als erstklassige Entertainerin, der es spielend gelingt, mit ihrer authentischen Mischung aus Roots Rock und Tejano das Publikum mitzureißen. Die neuen Songs passen sich nahtlos in das Programm der Live-Shows ein und geben einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album.

Line-Up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)
Harmen de Bresser (bass, vocals)

Text und Bilder: Michael Segets

Patricia Vonne
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Kulturrampe

Stacy Mitchhart – No Rhyme Or Reason – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wenn man nicht wüsste, dass Stacy Mitchhart aus den USA stammt, wüsste man es spätestens auf der Innenseite der CD, wenn es da im ersten Satz heißt: „Zuallererst möchte ich meinen Glauben und mein Vertrauen in GOTT und all seine Segnungen zum Ausdruck bringen.“ Offen gesagt: Auf die Idee kann wohl nur ein Amerikaner kommen.

Das Zweite, das auffällt, ist der Satz: „Produced by Tom Hambridge“. Wer einen Mann wie Hambridge (65) als Produzent, Songwriter, Drummer und bei den Background Vocals an Bord hat, kann kein Neuling sein. In der Tat hat Mitchhart, 2003 Gewinner des Albert King Most Promising Guitarist Award, bereits 1993 sein erstes Album vorgelegt, dem bis heute 16 weitere folgten.

Hambridge hat unter anderem schon mit Chuck Berry, Lynyrd Skynyrd, Johnny Winter, Buddy Guy, George Thorogood, Susan Tedeschi, Joe Bonamassa oder Billy Gibbons zusammengearbeitet. Bei mir hat er einen besonders dicken Stein im Brett, als er sich 2023 auf seiner Solo-CD „Blu Ja Vu“ lautstark darüber beklagte, dass Johnny Winter immer noch nicht in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden sei. Wenn man bedenkt, welch musikalischen Zwergen, die nichts, aber auch gar nichts mit Rock ’n‘ Roll z u tun haben, schon Einlass gewährt wurde und zum Beispiel auch die Country-Rock-Pioniere Poco, ohne die es die Eagles nicht gegeben hätte, hartnäckig ignoriert werden…

Aber nun hurtig zum neuen Werk von Stacy Mitchhart, um das es hier ja schließlich in erster Linie geht. „Ich glaube, dieses Album verleiht meiner Musik eine neue Note und echte Energie. Es unterstreicht meine Vielseitigkeit, bleibt dabei aber dem Blues treu“, beschreibt der 67-jährige Gitarrist, Sänger und Songwriter aus Nashville die 13 Songs.

Nehmen wir exemplarisch für diese Vielseitigkeit und Abwechslung mal ein paar Titel unter die Lupe. So ist das Eröffnungsstück „Good One Time“ ein Blues-Rock-Gebräu aus Gitarre, Orgel und Bläsern. Das rhythmisch-gitarrenorientierte „Bad As You“ lässt die Füße wippen. Zu den Glanzlichtern gehört der schwungvolle Country-Rock „You Sure Look Good To Me“, ein Duett mit Grammy-Gewinnerin Gretchen Wilson. Poco lässt grüßen…

„Once You Leave“ ist ein astreiner Memphis Soul, während Mundharmonika-Altmeister Charlie Musselwhite das geschmeidige „Flip It To The Other Side“ veredelt. „Mean Bad Wrong“ hat einen leichten New-Orleans-Touch, bei dem Kenny Neal die zweite Gitarre beisteuert. Den Abschluss bildet der Slow-Blues „On My Dying Day“ mit ausgiebigem Gitarren-Solo. Durchaus hörenswert, das Ganze.

Dr. Sam Records (2026)
Stil: Blues/Soul

Tracks:
01 Good OneTtime
02 Bad As You
03 You Sure Look Good To Me (featuring Gretchen Wilson)
04 Once You Leave
05 Flip It To The Others Side (featuring Charlie Musselwhite)
06 We Blew It
07 It’s A Long Way Down
08 Ain’t No Rhyme Or Reason
09 Mean Bad Wrong (featuring Kenny Neal)
10 Never Gonna Get Me Back
12 She’s Just Right For Me
13 On My Dying Day

Stacy Mitchhart
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The Builders & The Butchers – No Tomorrow– CD-Review

Review: Michael Segets

In den ungewöhnlichen Bandname The Builders & The Butchers muss man wohl keinen tieferen Sinn hinein interpretieren. Seine Funktion erfüllte er dennoch, indem er meine Neugierde weckte, welche Musik eine Combo, die sich diesen Namen zulegt, wohl macht. Nach dem Reinhören in ihren Backkatalog kam, ich zu dem Schluss, dass die Beschäftigung mit dem neuen Album „No Tomorrow“ lohnenswert sein könnte. Eine Vermutung, die nicht enttäuscht wurde.

Die Quintett aus Oregon, genauer gesagt aus Portland, macht Indie Music mit einer deutlichen Nähe zum Folk Rock. Es hat in der Vergangenheit schon wilde Sachen abseits des Mainstreams gemacht, die mächtig scheppern. Für den sechsten Longplayer nahmen sich Ryan Sollee und seine Mannen eine Rückkehr zu einer eher akustischen Herangehensweise vor, bei denen die einzelnen Instrumente stärker zur Geltung kommen. Das Konzept ist aufgegangen, denn die Songs bleiben schön angeschrägt, ohne dass der Sound erschlägt.

Mit dem Opener „Worlds On Fire“ gelingt der Band ein richtig rundes Stück, bei dem das Banjo von Harvey Tumbleson die Führung übernimmt. Zum Abschluss gibt es den Folk-Song „A Wall:A Fire“, der genretypisch von Akkorden der akustischen Gitarre bestimmt wird. Dazwischen liegen einige rockige Stücke, die zwar manchmal verhältnismäßig gradlinig verlaufen („Save Me“), meist aber mit deutlichen Spannungsbögen arbeiten wie das vorab herausgegebene, sehr starke „Rise My Son“ oder auch das nur zweiminütige „Devils Wind“. Es beginnt ruhig, nimmt zwischenzeitlich Fahrt auf und endet dann wieder sanft. Da das dunkle, folk-rockige „Blood:Death“ gleichfalls unter den Beiträgen hervorsticht, ist die Entscheidung gut nachvollziehbar, es ebenfalls als Single zu veröffentlichen,

Daneben finden sich mehrere balladesk orientierte Titel auf dem Album. Herausragend unter diesen ist das instrumental reduzierte „Fire In The Sky“. Mit dem Hall des Schlagzeugs bekommt der Titel etwas hymnisches. „Bad Blood“ entwickelt ebenfalls eine beinah hypnotische Intensität. Durch den vollen Sound, bei dem mal elektrische Gitarren dominieren, geht „One Wiged Bird“ in Richtung klassischer Rockballaden. Die langsamer angelegten Stücke sind also durchaus variabel angelegt, ohne dass das Werk seine Linie verliert. Eine Verbindung zwischen den Tracks schafft auch Sollees Gesang, der stellenweise an den von Grant-Lee Phillips erinnert. Sollee legt mehrmals – besonders auffällig auf „Cold Fire Hymn“ – gehörig Vibration in die Stimme, sodass mir Roger Chapman in den Sinn kommt.

Fast schon als traditionell könnte das schunkelige, mehrstimmige „Mother Mary“ angesehen werden, wenn man die Wortwahl in den Lyrics außer Acht lässt. Inhaltlich sind die Texte düster bis tiefschwarz. Trotz der Krisen und Kriege in der Welt will Sollee die Hoffnung nicht verlieren, da er glaubt, dass es mehr gibt, was Menschen verbindet als trennt.

Das Zusammenkommen und gemeinsame Feiern reizen den Frontmann an Live-Auftritten. Gelegenheit The Builders & The Butchers hautnah zu erleben, bieten die acht, für die zweite Maihälfte angekündigten Konzerte in Deutschland. Da sich die Band mit „No Tomorrow“ bestens empfohlen hat, ist der 20.05.2026, an dem die Band ins Kölner Blue Shell kommt, vorgemerkt.

The Instrument Village/Broken Silence (2026)
Stil: Folk Rock

Tracks:
01. Worlds On Fire
02. Bood:Death
03. Mother Mary
04. Save Me
05. Cold Fire Hymn
06. Devil’s Wind
07. Rise My Son
08. One Winged Bird
09. Fire In The Sky
10. Bad Blood
11. A Wall:AFire

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Seth James – Motormouth – CD-Review

Ich habe zu Seth James im Jahr 2009 mit seinem Album „That Kind Of Man“ gefunden, damals aber eher aufgrund meiner New Country-Affinität. Für dieses Werk hatte der Texaner mit vielen klingenden Namen wie u. a. Chris Stapleton, Jay Knowles, Al Anderson, Tony Arata oder Mark Selby Songs geschrieben, die dann auch noch vom ‚Who Is Who‘ der Nashville-Studiomusiker eingespielt wurden.

Das Werk hatte aber letztendlich wenig mit dieser Musikart zu tun (eher mehr mit Country-/Roots Rock) und zeigte schon damals seine Ambitionen als Allrounder. Zwei Jahre später hatte ich das Vergnügen ihn als Mitglied von Cody Canada & The Departed live im Kölner Blues Shell sehen zu dürfen. Da war dann eher Red Dirt Rock angesagt. Das ist allerdings jetzt schon lange her und ich muss zugeben, dass ich ihn mittlerweile leider ein wenig aus den Augen verloren hatte.

Jetzt, wie es der Zufall wollte, erreichte mich aus den Staaten eine Email mit der Ankündigung seines neuen Longplayers „Mothermouth“, das, neben ihm, erneut viele prominente Songwriter aufweist, dazu wieder eine ganze Armada von Klassemusikern bei der Einspielung und on top noch den vielfachen Grammy-Gewinner Kevin McKendree als Produzent – quasi eine Qualitätsgarantie, ohne überhaupt einen Ton schon gehört zu haben.

Diesmal steht das Album deutlich im Zeichen des souligen Blues-/Blues Rocks mit wenigen kleinen Ausflügen in artverwandte angrenzende Bereiche (Country – /Southern Rock – z. B. bei Leon Russells “High Horse”). Die omnipräsente Basis bilden James und McKendree, Rob McNelley an der Gitarre, Steve Mackey am Bass, Lynn Williams am Schlagzeug, und auch diverse Mitglieder der berühmten The Time Jumpers beim Bakersfield-Country-angehauchten „I’ll Be Gone” oder dem abschließenden Barroomheuler “Start A Brand New Day”.

Die involvierte, ebenfalls prominente Horn Section (u. a. mit Jim Hoke) und auch diverse weibliche Backgroundsängerinnen, vermitteln hier das soulige Flair. James hat fünf der insgesamt 13 Stücke mitkreiert, die restlichen stammen aus Federn bekannter Musiker wie u. a. Colin Linden, Delbert McClinton, Al Anderson, Guy Clark oder Leon Russell.

Meine persönlichen Favoriten sind Stücke, bei denen die beiden Hauptprotagonisten James und McKendree (der liefert hier in Sachen Tastenspiel mit Piano, E-Piano, HT-Piano und Organ wirklich alles, was möglich ist) ihren Stempel aufsetzen: wie zum Beispiel beim herrlich groovende Opener „“Why Should I Suffer”, dem Titelstück „Motormouth”, “I Can’t Find Your Mind” oder  bei “Just A Thought”. Klasse auch der Schunkler “I Can’t Wait” unter vokaler Mitwirkung von Delbert McClinton und mit Jim Hoke, diesmal am Akkordeon.

Insgesamt ist „Motormouth“ eine einzige Lehrstunde von absoluten Könnern in Sachen souligem Blues, bei dem der Spielspaß deutlich spürbar im Vordergrund stand und ‚Allrounder‘ Seth James den perfekten Repräsentant an der Front sowie Kevin McKendree als Strippenzieher abgeben. Großes Blues-Kino!

Qualified Records (2026)
Stil: Blues (Soul)

01. Why Should I Suffer
02. Motormouth
03. I’m In Trouble
04. It’s Later Than You Think
05. I’ll Be Gone
06. High Horse
07. I Can’t Find Your Mind
08. Just A Thought
09. I Can’t Wait
10. I Got To Know
11. Lonely Avenue
12. I Feel The Burden
13. Start A Brand New Day

Seth James
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Aristo Media Group

American Aquarium – Live At Red Rocks – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Da wäre mir doch fast die neuen Lebenszeichen von BJ Barham und seiner Band American Aquarium durchgegangen. Zum einen haben sie das Album „Antique Hearts“ zu dessen zwanzigjährigen Jubiläum neu eingespielt und auf Vinyl veröffentlicht. Zum anderen gibt es ein relativ aktuelles Live-Album, auf das ich beim Durchstöbern der Website von BlueRose Records gestoßen bin. Die CD ist eigentlich nur über die Band selbst zu erhalten, als Downloads ist „Live At Red Rocks“ aber allgemein verfügbar. Die Titel werden teilweise ineinander übergehend gespielt, sodass die Pause bei der digitalen Tracktrennung etwas stört. Da es keine Ausfälle auf der Setlist gibt und die Empfehlung gegeben werden kann, den Konzertmitschnitt in Gänze zu genießen, bietet sich also der Kauf der CD an, solange sie noch erhältlich ist.

Der dritte offizielle Konzertalbum nach „Live In Raleigh“ (2012) und „Live At Terminal West“ (2016) besticht mit einer durchweg gelungenen Liedauswahl, die die rockigen Seite American Aquariums betont. Nach dem eher ruhigen „Chicamacomico“ (2022) schlug Barham auf „The Fear Of Standing Still“ (2024) tendenziell wieder kräftigere Töne an. Da die Band kein Americana-, sondern ein Rockkonzert abliefert, ist es zwar nachvollziehbar, warum die Wahl vom 2022er Album auf „All I Need“ fiel, aber warum es nur ein Track („Crier“) vom letzten Studiowerk auf die Setlist geschafft hat, ist überraschend.

Insgesamt stellt American Aquarium wenig Titel vor, die seit dem letzten Livealbum entstanden sind. Von „Lamentations“ (2020) spielt die Band meinen Favoriten „The Luckier You Get“ sowie „Before The Dogwood Blooms“. „Things Change“ (2018) bleibt völlig unberücksichtigt. Hier hätte ich mir zumindest „Tough Folks“ gewünscht, das sich gut in das Programm eingefügt hätte.

Stattdessen gibt es das sehr starke „Losing Side Of 25“ und „Wichita Falls“, die von „Wolves“ (2015) stammen, aber bereits auf „Live At Terminal West“ vertreten sind. Der älteste Song „I Hope He Breaks Your Heart“ findet sich schon auf „Live In Raleigh“. Mehr als ein Drittel der Stücke – in Summe vier – wurden ursprünglich auf „Burn. Flicker. Die.“ (2012) veröffentlicht. „Saint Mary’s“ und „Lonely Ain’t Easy“ sind zwei herausragende Titel aus dem Backkatalog von American Aquarium, sodass es schön ist, sie nun in Live-Versionen zu hören. Während auch „Casualities“ seine offizielle Live-Premiere feiert, gibt es nun von „Burn. Flicker. Die.“ eine weitere, achtminütige Variante. Die Spielzeit erklärt sich durch die integrierte Vorstellung der Band. Mit dem Song verbinde ich ein intensives Konzerterlebnis, als Barham ihn seinerzeit solo in der Krefelder Kulturrampe performte.

Für November kündigt die Band auf ihrer Homepage einen Gig in den Niederlanden an. Sie scheint also auf Europa-Tour zu gehen und kommt hoffentlich auch in die SoS-Region. Mit „Live At Red Rocks” beweist American Aquarium erneut ihre Livequalitäten in Sachen Roots Rock. Ob nun ihre Klassiker oder neuere Titel gespielt werden, ist dabei nebensächlich: Ein Konzertbesuch ist quasi Pflichtprogramm.

Losing Side Records (2025)
Stil: Roots Rock/

Tracks:
01. Crier 03:42
02. All I Needed 02:57
03. Casualties 04:30
04. Saint Mary’s 03:00
05. Before The Dogwood Blooms 02:54
06. Lonely Ain’t Easy 04:21
07. Losing Side of Twenty Five 03:37
08. The Luckier You Get 02:50
09. Wichita Falls 03:28
10. I Hope He Breaks Your Heart 05:39
11. Burn.Flicker.Die. 08:29

American Aquarium
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Paul Cauthen – Book Of Paul – CD-Review

Review: Michael Segets

Fehlendes Selbstbewusstsein kann man Paul Cauthen kaum nachsagen. Nachdem er feststellte, dass es in der Bibel kein Buch Paul gibt, fühlte er sich berufen, diese Lücke zu schließen und selbst eins zu verfassen. Sein bissiger Humor und seine schonungslose Offenheit durchziehen Cauthens Songs. Auf dem Titeltrack des neuen Albums „Book Of Paul“ beteuert er den Wahrheitsanspruch, den sein Werk als persönliches Bekenntnis erhebt.

Dabei kommen eher dunkle Seiten und weltliche Fehltritte zum Vorschein als metaphysische Schwärmereien. Lediglich der gebetsartige Abschluss des Longplayers „The Voice Inside“ offenbart einen religiösen Hintergrund. Eine gewisse innere Zerrissenheit durchzieht die aktuellen Texte wie auch schon die auf „Room 41“.

Musikalisch hat Cauthen erfreulicherweise die Kurve bekommen. Während er seine eigenwillige Mischung aus Country, Disco-Beats und Rap auf „Country Coming Down“ zu einem experimentellen Höhepunkt führte, fährt er nun das Crossover zurück und wendet sich wieder deutlicher dem Country zu. Dennoch finden sich noch Reminiszenzen an seine vorherige Phase wie auf der Vorabauskopplung „Texas Swagger“. Hier funktioniert die Mischung allerdings.

Mit dem Titeltrack sowie den beiden Singles „Ain’t No Crime“ und „Bayou By You“ wandelt er konsequent auf Country-Pfaden. Der genretypische Sound wird gelegentlich leicht modernisiert und wirkt frisch („Cigarettes & Billy Graham“). Cauthen baut zwar ab und zu ein paar ungewöhnliche Klänge ein, wie ein leichtes Bellen bei „Road Dog“, die sich aber in die Songs einpassen. Daneben kommen auch eher klassisch anmutende Kompositionen zum Tragen wie das Duett „Tossin‘ Back Time“ mit Jake Worthington oder „Blue Denim & Black Gold“, dem einzigen Stück, bei dem Cauthen als Verfasser nicht die Finger mit im Spiel hat.

Für die äußerst stimmungsvolle Ballade „Chain Smoking“ holt er sich Delaney Ramsdell mit ans Mikro. Eine sehr gute Entscheidung, setzt sie doch einen Gegenpart zu seinem kräftigen Bariton. Wie auch auf seinen früheren Werken finden sich auf dem aktuellen Longplayer ebenfalls einzelne Stellen, an denen ich mir weniger Stimmgewalt gewünscht hätte. Diese Passagen treten jetzt aber nur am Rande auf. Den einzigen Titel, den ich zukünftig überblättern werde, ist das rhythmisch und gesanglich anstrengende „Texas Gravel Road“.

Von langsamen Stücken bis zu energiegeladenen Tracks wie „Breakaway“ unterhält das „Book Of Paul“ nahezu durchgängig formidabel. Cauthen orientiert sich wieder mehr an den gängigen Klangwelten des Country und reduziert die Anteile anderer Musikrichtungen. Diese setzt er nun gezielter ein und gibt dem altehrwürdigen Genre so ein moderneres Gewand.

Velvet Rose Records – Thirty Tigers/Open (2026)
Stil: Country, Americana

Tracks:
01. Book Of Paul
02. Ain’t No Crime
03. Texas Swagger
04. Tossin’ Back Time
05. Blue Denim & Black Gold
06. Breakaway
07. Chain Smoking
08. Bayou By You
09. Dark Horse
10. Cigarettes & Billy Graham
11. Road Dog
12. Texas Gravel Road
13. The Voice Inside

Paul Cauthen
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Oktober Promotion

Robin Trower – Live! (50th Anniversary Edition) – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Klar, als Freund gepflegter Gitarrenklänge, ob nun der Gattung Rock, Blues Rock oder dem reinen Blues zugehörig, kennt man Robin Trower seit Jahrzehnten. Noch heute ist der 81-Jährige, der 1967 mit Procol Harum und dem Welthit „A Whiter Shade Of Pale“ ins Rampenlicht trat, ständiger Gast der Billboard Blues Charts, wobei ihm auch die Nummer eins nicht fremd ist.

Auch hierzulande hat er nach wie vor seine Fangemeinde. So kam 2022 seine CD „No More Words To Conquer“ auf Platz 75 der deutschen Charts, was allein schon deshalb erstaunlich ist, weil es nach so vielen Jahren und Dutzenden Alben das erste und bislang einzige Mal war.

Dabei gehörte der gebürtige, von Jimi Hendrix beeinflusste Londoner in den siebziger und achtziger Jahren zu den „Gitarrengöttern“. In den USA gab es für seine Alben „Bridge Of Sighs“, „For Earth Below“, „Long Misty Days“ und „In City Dreams“ Gold für jeweils über eine halbe Million verkaufter Exemplare. Die nun in der „50th Anniversary Edition“ neu aufgelegte CD „Robin Trower Live!“ schaffte es 1976 bis auf Platz zehn der Billboard 200 und in Großbritannien auf 15.

Der berühmte Funfact am Rande: Trower erzählte später, die Band habe gar nicht gewusst, dass die Show in Stockholm aufgezeichnet wurde. Bassist und Sänger James Dewar, Drummer Bill Lordan und er selbst dachten, sie würde lediglich für eine Radiosendung spielen. „Deshalb waren wir locker und ungezwungen und haben eine unserer besten Shows gespielt.“

Die Neuauflage mit aufwändigem Booklet und dem Remix von 2026 enthält fünf bisher unveröffentlichte Titel und bietet damit zum ersten Mal die komplette Setlist des Konzerts vom 3. Februar 1975. Auf der zweiten CD mit dem Originalmix gibt es die sieben Stücke, die es seinerzeit auf die LP geschafft haben.

Mehr war in jenen Tagen nicht üblich, wobei der längste Titel, „Daydream“, immerhin acht Minuten lang ist. Der ist im Remix plötzlich über neun Minuten, indem nun einfach ein paar Worte von Robin Trower zu hören sind, die es im Original nicht gab; auch der Beifall der Fans fällt länger aus.

Chrysalis Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
CD 1: Complete Concert – 2026 Mix
01 Day of the Eagle *
02 Bridge of Sighs *
03 Gonna Be More Suspicious *
04 Fine Day *
05 Lady Love
06 Daydream
07 Too Rolling Stoned
08 I Can’t Wait Much Longer
09 Alethea
10 Little Bit Of Sympathy
11 Confessin’ Midnight *
12 Rock Me Baby

CD 2: Original 1975 Version
01Too Rolling Stoned
02 Daydream
03 Rock Me Baby
04 Lady Love
05 I Can’t Wait Much Longer
06 Alethea
07 Little Bit Of Sympathy
*Previously unreleased

Robin Trower
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V2 Records Promotion GSA

The Rolling Stones – Gimme Skynyrd – CD-Review und Gewinnspiel

Man sagt ja, dass mit zunehmender Lebensdauer eine gewisse Altersmilde beim Menschen einkehren würde, und man mit etwas Abstand, eine etwas andere Sicht auf Dinge erlangen würde.

So konstatierte beispielsweise Neil Young nachdem er in „Sweet Home Alabama“ aufgrund seiner harschen Kritik an der Bevölkerung der Südstaaten von Ronnie Van Zant scharf angegangen wurde („I hope Neil Young will remember, a southern man don’t need him around, anyhow“) einige Jahre später: „I’m proud to have my name in a song like theirs.“

Gleiches scheint auch für Mick Jagger zu gelten, der für Ronnie Van Zant der Auslöser war, ein Rock’n’Roll-Sänger zu werden. Auch hier gab es irgendwann Stress zwischen den beiden ‚Alpha-Gesangs-Tieren‘. Dabei war zunächst noch alles ‚in Butter‘, In Michigan 1975 feierte man noch gemeinsam in bester Laune. Einige Monate später begann allerdings ein Kapitel, das beide fortan in herzlicher Abneigung verbinden sollte. Aber wie kam es dazu? Zum einen hatte Jagger aufgrund einiger Eskapaden bandintern und auch mit dem Label der Stones ordentlichen Ärger, Ronnie Van Zant wurde Gerüchten zufolge bereits als sein Nachfolger gehandelt.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, entstand auf dem berühmten Knebworth-Festival, wo beide Bands im Line-up zugegen waren. Die Stones bekamen als Headliner eigens für sich die Bühne in Form ihrer legendären Zunge erweitert. Es gab die klare Ansage, dass dieser Bereich nur von den Stones betreten werden dürfte.

Jagger hatte nachmittags noch Charlie Watts vorgeschickt, der Van Zant und auch den prominenten CCR-Drummer Doug Clifford (auf dem Festival für die Don Harrison Band trommelnd) mit den Gegebenheiten instruieren sollte. Zeitzeugen berichteten, dass Van Zant zu diesem kurz danach „Who the fck are the Rolling Stones?“ gesagt hätte. Es war klar, dass bei dem ohnehin für seine rebellische Art bekannten Skynyrd-Leader, Ärger vorprogrammiert war.

Uns so kam es natürlich, wie es kommen musste: Angestachelt von den gut 200.000 Besuchern, die Skynyrd frenetisch feierten, schritt Van Zant beim furiosen Gitarrenfinale bei „Freebird“ in den ‚Zungenbereich‘ und holte dann nach und nach die vier Gitarristen zu sich an den äußeren Rand der Bühne.

Der bekannte Journalist Ian Fortnam schrieb später: “Thirty-one years on and I’ve never witnessed a crowd react to support a band in the same way that Knebworth did to Lynyrd Skynyrd.”

Jagger soll vor Wut geschäumt haben und wollte den Gig sogar kurzfristig canceln. Was für ein Affront gegenüber vermeintlichen Nr. 1-Band des Rockbusiness! Fakt war, dass Lynyrd Skynyrd ihnen die Show gestohlen hatte und am Ende nur noch Schadensbegrenzung angesagt war. Die Stones verließen unmittelbar nach dem Gig das Festival.

Die CD enthält mit „Honkytonk Southern Man“ einen unveröffentlichten Bonustrack, den Jagger kurze Zeit nach dem Festival geschrieben hatte. Im Refrain heißt es:

„He’s a honkytonk southern man
Gettin‘ drunk all night
Honkytonk southern man
Always lookin‘ for a fight“

Es war natürlich klar, um wen es hier ging. Aufgrund Jaggers damaligem schwierigen Stands und, um die Sache nicht noch weiter hochzuschaukeln, wurde auf eine Veröffentlichung bis heute verzichtet.

Ansonsten haben die verbliebenen Stones nun die elf Skynyrd Stücke in ihrer typischen Art eingespielt, die Reihenfolge entspricht exakt der Setliste des Knebworth-Auftritts. Ein wenig merkt man schon, dass Richards und Wood eher Riff-Gitarristen sind, sie tun sich offenkundig schwer mit dem eher sololastigen Stoff. So klingt es allerdings sehr authentisch.

Mick Jagger macht einen tollen Gesangsjob, am Ende kommt dann aber doch noch die späte Retourkutsche. Die Textpassagen von „Freebird“ sollen ja eigentlich von keinem anderen Sänger performt werden als Ronnie Van Zant. Selbst Bruder Johnny hängt meistens bei den Gigs den Hi-Roller-Hut ans Mikro und Ronnies Stimme wird in der Regel zum Song eingespielt.

Jagger hält sich hier nicht an dieses ungeschriebene Gesetz und singt das Stück ganz normal wie alle anderen auch. Da darf man mal gespannt sein, wie die Southern-Gemeinde reagiert. Ansonsten kann man dieses ‚Experiment‘ mit kleinen Abstrichen, als gelungen bezeichnen.

Über einen Bekannten, der einen guten Draht zu Ronnie Wood hat, ist es uns gelungen, drei Promo-Exemplare zu ergattern, die wir allerdings erst wenige Tage vor  VÖ der Scheibe (15. Mai) herausgeben dürfen.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wann fand das damalige besagte Festival in Knebworth statt?
a) 1980
b) 1977
c) 1976

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2026 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.
Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, die dann umgehend benachrichtigt mit der CD beliefert werden (* zum VÖ).

Decca Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Workin‘ For MCA
02. I Ain’t The One
03. Saturday Night Special
04. Whiskey Rock-A-Roller
05. Travelin‘ Many
06. Searching
07. Gimme Three Steps
08. Call Me The Breeze
09. T For Texas
10. Sweet Home Alabama
11. Free Bird
Bonustrack:
12. Honkytonk Southern Man

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Sounds Of South räumt bei Juno Awards Titel ab

Ein stressiges, aber auch wunderbares und ereignisreiches Wochenende liegt hinter mir. Noch Jetleg-geplagt, aber überglücklich, bin ich gestern Vormittag aus Kanada von den Juno Awards aus Hamilton, Ontario, zurückgekehrt, wo die Veranstaltung am 29. März im dortigen TD Coliseum diesmal durchgeführt wurde.

Die Juno Awards (u. a. mit Nelly Furtado und Joni Mitchell, die mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet wurde, als prominente Gaststars) gelten ja quasi als das Pendant zu den US-Grammys und werden von daher auch liebevoll als die ‚kanadischen Grammys‘ betitelt. Nachdem ich zuvor zwei Sehenswürdigkeiten der Stadt, zum einen das Dundum Castle, zum anderen das McMaster Museum of Art besucht hatte, ging es dann Sonntag-Abend zur Verleihung.

Wir als Sounds Of South waren in der Rubrik ‚Best Contemporary Foreign Rock Music Magazine‘ nominiert, was ja schon ein unglaublicher Erfolg an sich war. Aber am Ende sahnten wir wegen unserer außerordentlichen Verdienste um die kanadische Musik über die letzten zehn Jahre  in dieser Sparte, auch den Titel ab, wie es die mir gegenüberstehende Laudatorin Shania Twain als Begründung der Jury verkündete.

In meiner Dankesrede kamen natürlich unsere vielen positiven und angenehmen Erfahrungen mit kanadischen Künstlern wie u. a. The Sheepdogs, Shania Twain, Doc Walker, Crystal Shawanda, Colin James, Lindsay Ell, Bywater Call, TebeyMelanie Dekker oder Terri Clark zur Sprache, wofür ich einen rauschenden Beifallssturm erhielt.

Auf der anschließenden After-Show-Party hatte ich die Gelegenheit, viele dieser bekannten Interpreten, aber auch neue Gesichter kennenzulernen. Die größte Überraschung für mich war, als sich Justin Bieber mir gegenüber als passionierter Southern Rock-Fan outete und mir ‚steckte‘, dass er schon seit längerem mit Ewan Currie von The Sheepdogs und Tom Hambridge an Songmaterial für ein entsprechendes Album arbeiten würde, das von letztgenanntem dann in Nashville produziert werden soll.

Nach so einigen Champagner-Gläschen und diversen Gin-Tonic zur Feier des Tages bis in die tiefe Nacht hinein, ging es am nächsten Morgen dann mit der Lufthansa, immer noch etwas berauscht,  wieder zurück nach Düsseldorf. Das Foto mit der Trophäe wurde übrigens auf der After-Show-Party von Bryan Adams ‚geschossen‘.

Muddy What? – 27.03.2026, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Auf einen Besuch im urigen topos hatte ich mich schon seit längerem gefreut (nicht zuletzt auch wegen der rheinischen Frohnaturen, die man dort immer wieder trifft). Jetzt ergab sich endlich die Gelegenheit, beim Gig der aufstrebenden und sehr umtriebigen deutschen Blues Rock Band Muddy What? dort aufzulaufen.

Die trat diesmal im kleinen Leverkusener Kult-Club als Trio auf. Voranstehend natürlich das Geschwister-Paar Ina und Fabian Spang als Masterminds, an diesem Abend ergänzt durch den Drummer Domi Back.

Muddy What? hat kürzlich ihr neustes Studiowerk „Neon Soul“ auf den Markt gebracht, das es natürlich diesmal schwerpunktmäßig zu bewerben galt. Das swamprockig stampfende  Titelstück wurde dann auch direkt nach einem instrumentellen Opener im ersten Set in den Vordergrund gestellt.

Beim folgenden atmosphärischen „Spider Legs“ gab es für Ina Spangs filigranes Mandolinensolo den ersten verdienten Szenenapplaus. Apropos Mandoline: Mit diesem Instrument bringt die Band natürlich frischen Wind in die doch oft ein wenig  verkrustet erscheinende Blues Rock-Szene, für mich als Country-Liebhaber  eine äußerst willkommene Begleiterscheinung.

Das mit ein wenig Marshall Tucker-Flair durchzogene „Lost Symphony“ und eine sehr eigenwillige, aber auch sehr gelungene Version von „Jumping Jack Flash“ bildeten weitere Highlights in Set 1.

Set 2, das etwas mehr im Zeichen von Covermusik stand, wurde direkt mit einem weiteren Stones-Klassiker eingeleitet. „Sympathy For The Devil“ heizte sofort wieder ein und animierte das topos-Publikum, die berühmten „Woo-Woo“-Harmonies mitzusingen.

Mit dem „Lonesome Road Blues“  huldigte das Trio den wohl namensgebenden Inspirator, Das funkige „Uncontainable“ vom neuen Album, bestach wieder mit Mandolinengezupfe, der starke Slowblues „Letters On A Line“ (auch vom neuen Longplayer), löste nochmals Szenenapplaus aus.

„Voodoo Chile“ in einer kurzen knackigen Version und „Shine A Light“ von den Stones bildeten den Abschluss des Hauptteils. Und wer noch nicht genug Stones-Adaptionen gehört hatte, bekam mit „Honky Tonk Women“ als Zugabe einen oben drauf gesetzt. Hier begaben sich die Drei von der Bühne aus ins dicht gedrängte Publikum. Klasse das integrierte Ticker-Intermezzo von Domi Back mit seinen Drum-Sticks an den absichernden Metallstützen des Denkmal-geschützten topos.

Ein launiges Konzert von Muddy What?, das den Blues Rock mit seiner frischen unverbrauchten Note auch für jüngere Publikumsschichten öffnen könnte. Nach dem Gig stand das sympathische Trio für unser obligatorisches VIP-Bild zur Verfügung. Wer Lust hat, kann Spang & Co. in unseren Sphären morgen nochmal in Recklinghausen sehen, bitte die Zeitumstellung beachten!

Line-up:
Fabian Spang – lead vocals, electric guitar
Ina Spang – electric guitar, mandolin
Domi Back – drums

Text und Bilder: Daniel Daus
Fotografische Unterstützung: Andreas Braun, Gerwin Jakubowski (VIP-Bild)

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