Acoustic Garden – Concept Emotional – CD-Review

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Musik aus deutschen Landen in unserem Magazin! Acoustic Garden heißt die Formation und weiß, zu meiner eigenen Überraschung, mit einem richtig amerikanisch klingenden Werk namens „Concept Emotional“, inklusiver Country-, Pop-, Rock- & Folk-Anleihen, auf ganzer Linie zu überzeugen.

Grund dafür ist sicherlich hauptsächlich, dass der Lead- und Harmonie-Gesang der allesamt hier involvierten Protagonisten Frank Bülow (vocals, guitars, keys – früher bekannt als Songwriter für Interpreten wie Culture Beat und ATC), Stefan Zirkel (vocals, acoustic guitar, mandolin), Fabian Michel (vocals, guitars) und Sven Wittman (vocals, bass) auch wirklich ‚amerikanisches Esprit‘ versprüht (bei vielen hiesigen Interpreten merkt man bei englischem Gesang ja einfach den Ursprung sofort an), als auch, dass die Band keine Kosten und Mühen gescheut hat, das Abmischen der Singlekanditaten in Hände von Nashville-Profi Eric Legg (u. a. Dixie Chicks) zu legen und sich daran bei der restlichen Produktion zu orientieren.

Unter Mithilfe von einigen Gastmusikern wie Markus Schrammhauser (schönes Akkordeon auf „Room With A View“), Christian Schimanski, Lui Ludwig, Jens Weidenheimer, Stephan Keller und der, bei einigen Tracks eingebundenen Horn Section ‚The Buster Horns‘, erhält man einen schönen Mix aus selbstkreierten Stücken und diversen Cover-Nummern wie z. B. Diana Corcorans „Not Ready To Lose“ oder Paul Youngs „Hope In A Hopeless World“ – hier sehr schön Reggae-mäßig gestaltet (ein wenig an „I Shot The Sheriff“ erinnernd).

Aufgrund der überwiegend flockigen countryesken-/Westcoast-mäßigen Satzgesänge kommen natürlich unweigerlich Assoziationen zu Bands wie den Eagles, America, Crosby, Stills & Nash, Poco, Dirt Band, Firefall und dezent auch den Outlaws auf. Heimlicher Star auf diesem Werk ist vielleicht Christian Schminanski, der mit herrlich Nashville-typischem Steel–Gewimmere, viele Akzente im Hintergrund zu setzen weiß.

Center-Song ist das wunderschön eingängige „Always“ aus der Feder der bekannten Songwriter Martin Terefe (Jason Mraz, KT Tunstall) und Nicolas Whitecross (Backstreet Boys, Kim Wilde), der hier in zwei Varianten (u.a. als sogenannter Hot Legg’s Mix – etwas E-Gitarren-lastiger) aufgeboten wird. Aus der Riege der Eigenkompositionen sticht vielleicht das toll eingesungene „Change The Weather“ heraus, zu dem auch ein Video-Clip gedreht wurde.

Acoustic Garden bieten auf „Concept Emotional“ melodisch-niveauvollen, cabrio-tauglichen und absolut professionell gestalteten Stoff zum Relaxen, Cruisen, etc., den man auch wunderbar bei Sommerparties im Hintergrund laufen lassen kann. Dezenten Abzug gibt es nur für die gesamte wirklich klischeehafte, recht einfallslose Coverartwork-Gestaltung (sieht aus wie mit dem Handy fotografiert und laienhaft gesetzt). Da ist noch deutlich Luft nach oben. Musikalisch aber, und darum geht es ja hier primär, eine ganz starke Vorstellung!

Sony Music – (2018)
Stil: Westcoast, Country, Pop, Rock, Folk

01. Not Ready To Lose
02. Always
03. The Present
04. Change The Weather
05. Back To Basics
06. How Can You Say?
07. Cowboys Don’t Cry
08. The One And Only
09. Stay As You Are
10. Hope In A Hopeless World
11. Room With A View
12. Always (Hot Legg’s Mix)

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Netinfect Promotion

Shred Kelly – Archipelago – CD-Review

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Die Kanadier sind, zumindest aus meiner Sicht, ein ganz sympathisches Völkchen. Trotz seiner Größe und geopolitscher Bedeutung, bewegt sich das Land ganz im Gegensatz zu seinem herrschwütigen Nachbarn, immer recht angenehm und unauffällig durch die Weltgeschichte.

Gleiches gilt im Prinzip auch für dessen Musikvertreter, mit denen ich in meiner langen Zeit als Rockmusik-Rezensent, in Berührung gekommen bin: Bryan Adams und Shania Twain auf Superstar-Ebene, Layla Zoe und Terri Clark als vielleicht bekanntere Interpreten, Doc Walker, Melanie Dekker, Dry County, Driveway oder Deric Ruttan als Acts mit Geheimtipp-Nimbus und jetzt eben auch Shred Kelly.

In ihrer Heimat ist das Quintett aus Fernie, BC, bestehend aus Tim Newton (lead and backing vocals, banjo, cello banjo, guitar, ukulele), Sage McBride (lead and backing vocals, keys), Ty West (guitars), Jordan Vlasschaert (bass, acoustic guitar, harmonica) und Eddie Annett (drums), bereits ein aufstrebender, preis-dekorierter und gefeierter Live-Act, der dort auch größerer Hallen füllt.

Wir stießen auf sie, als uns Marcus Neu, einer der Verantwortlichen der Kantine und des Yard Clubs in Köln, am Rande des Thunder-Gigs auf die Band ansprach, die am 14.04.2018 im kleineren Teil der beiden, in einem Gebäude vereinten Kölner Location, neben anderen Terminen, wieder ihre Visitenkarte abgeben wird. Zu einer gut gefüllten ‚Hütte‘ könnte diesmal beitragen, dass sie als Support der Deutschland-Tournee von The Dead South, bereits vor kurzem Gelegenheit hatten, in eigener Sache Werbung zu machen.

Am Start haben die fünf Musiker in jedem Fall auch ihr neues, elf Tracks umfassendes Album „Archipelago“, das wir dann gerne schon mal unter die Lupe nehmen.

Allein schon die ersten vier Stücke inklusiv des Openers und zugleich Titelstücks machen deutlich, warum Folk-Rockmusik-Liebhaber, sich Tickets sichern sollten. Eine ungemeine Spielfreude und mitnehmende positive Energie schlägt einem da dynamisch entgegen, die sich im abwechselnden Leadgesang der beiden Protagonisten Newton (dazu mit imposantem, omnipräsenten Banjo- und Ukulele-Spiel)  und McBride (zusammen auch viele Harmoniegsänge), einer treibenden, manchmal fast punkigen Rhythmus-Fraktion (knöchernder Bass, viel Fußtrommelarbeit) sowie einigen E-Gitarren-Hooks und Keyboard-/Orgel-Ergänzungen, modifizieren lässt.

Dass sie es allerdings auch atmosphärisch können, beweisen Stücke wie die starken „Way Down“ oder mein persönlicher Favorit „Wasting Time (mit toller Orgel-Arbeit, erinnert mich ein wenig an die einst erfolgreiche Formation Texas um Sharleen Spiteri).  Lediglich das finale, ein-minütige „Houseboat“ (wer kennt sich schon mit Hausbooten aus?), entpuppt sich als relativ überflüssige Spielerei.

Fazit: Insgesamt eine ansteckende Scheibe, auch für Leute wie mich, die auf dem Folk Rock-Parkett eigentlich nicht so zuhause sind. Aus meiner Sicht würde ich das Ganze in etwa als ‚U2 and The Hooters meet Lady Antebellum, Bering Strait and The Wilkinsons‘(auch übrigens Kanadier) großzügig kategorisieren. Macht Spaß! Dann sag ich einfach mal: „Bis Mitte April in der Domstadt, Shred Kelly“.

DevilDuck Records (2018)
Stil: Folk Rock

01. Archipelago
02. Don’t Ever Look Back
03. Jupiter (Any Other Way)
04. Stay Gold
05. Way Down
06. Die Trying
07. Didn’t Know
08. Weigthless
09. Nova
10. Wasting Time
11. Houseboat

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Starkult Promotion

Mary Gauthier – Rifles & Rosary Beads – CD-Review

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Puh, schwermütiger Stoff. Die hoch angesehene Singer/Songwriterin Mary Gauthier (von der Los Angeles Times mittlerweile auf eine Stufe mit Musikern wie Kris Kristofferson, John Prine und Bob Dylan gehievt) hat sich mit auserwählten Kriegsveteranen zusammengefunden und sie, zwecks Aufbereitung ihrer Traumata, an den Liedern ihres neuen Werkes „Rifles & Rosary Beads“ mitarbeiten lassen, um quasi ihren Schicksalen und Erlebnissen eine Stimme zu verleihen. In der Intention zunächst mal sehr ehrenrührig und sicherlich wichtig.  Irgendwo hält sich, ehrlich gesagt, mein Mitleid für Berufssoldaten allerdings auch in Grenzen.

Gut, ich, der Dank seiner Aufnahme in die Sportkompanie, damals wie heute, unser Land eher mit dem Tischtennis-Schläger hätte verteidigen können (ich musste aber halt auch in den drei Monaten Grundausbildung mit Pistole, G3 und Panzerfaust hantieren und als Kanonier on top mit Flugabwehrraketen schießen – allerdings mit äußerstem Unbehagen), kann leicht reden. Trotzdem war dank dieser Erfahrungen recht schnell klar, dass sich meine nachfolgenden Kampfeinsätze, höchstens noch auf ungeliebte Insekten in den eigenen heimischen vier Wänden beschränken würden. Immerhin war es aus der Retrospektive irgendwo eine heilsame, als auch abhärtende Erfahrung.

Aber Menschen, die das Soldatentum zu ihrer Berufspassion machen und dann noch aus einem Land kommen, das sich als der Welt größter Kriegstreiber und Destabilisator gibt, brauchen sich dann im Prinzip nicht zu wundern, wenn es nicht bei Orientierungsmärschen in den Rocky Mountains bleibt, sondern zwecks monitärer und geopolitischer Interessenvertretung ihrer sogenannten Eliten, an den Hindukusch, in den Irak, nach Mali oder sonstige unkalkulierbare Krisengebiete geht, um den Kopf, mit all den potentiellen schlimmen Folgen (hier in den Songs schwerpunktmäßig thematisiert), hin zu halten. Ok, am Ende ist man immer schlauer.

Das elf Stücke umfassende Werk ist ein relativ schwermütiges Konglomerat aus allerdings sehr einfühlsam und fein instrumentierten (E-, Akustikgitarren, Fiddle, Cello, Harp, Piano, Akkordeon, Mandoline) sowie emotional besungenen Stücken geworden, die sich zwischen Singer/Songwriter-, Country- und Folk-Stoff, meist in bedrückender Form, gekonnt ihren Weg bahnen.

Wahrlich kein Stoff, der aufmuntert. Mehr was für innerlich stabile oder rein musikalisch interessierte Leute. Depressiv veranlagte Menschen, sollten, zumindest meiner Ansicht nach, gerade in diesen düsteren und ungemütlichen Tagen, wohl besser eine andere Musik wählen.

Eigentlich hat das Werk aus meiner Sicht eher präventiven, anklagenden Charakter und dient mehr als Wasser auf die Mühlen von intellektuellen Mahnern, Pazifisten, Friedensaktivisten & Co., die dem globalen Treiben ihres Landes (zurecht) kritisch gegenüberstehen.

So bleibt Mary Gauthiers „Rifles & Rosary Beads“ (produziert von Singer/Songwriter-Kollege Neilson Hubbard) ein gut gemeinter und auch durchaus richtiger Fingerzeig an Leute, die mit dem Gedanken spielen, aus verklärtem Patriotismus, sich in entsprechende Gefilde zu begeben, sowie als etwas Seelenmassage für die hier Involvierten, samt der unzähligen sonstigen betroffenen Leidensgenossen. Ändern muss sich allerdings in erster Linie vor allem die Politik und Selbsteinschätzung ihres Landes. In diesem Sinne – make music and love, not war!

Thirty Tigers (2018)
Stil: Singer/Songwriter

01. Soldering One
02. Got Your Six
03. The War After The war
04. Still On The Ride
05. Bullet Holes In The Sky
06. Brothers
07. Rifles And Rosary Beads
08. Morphine 1-2
09. It’s Her Love
10. Iraq
11. Stronger Together

Mary Gauthier
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Oktober Promotion

David Crosby – Sky Trails – CD-Review

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Über die mittlerweile 75-jährige Musiker-Legende David Crosby braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren. Gerade in Verbindung mit seinen Kollegen Graham Nash, Stephen Stills und Neil Young ist sein Wirken so ziemlich jedem unserer Generation in irgendeiner Form bekannt. Er ist gleich zweimal in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen worden, dazu 2009 in die prestigeträchtige Songwriters Hall Of Fame.

Auch wenn er mich nicht zu seiner eigentlichen Klientel zählen darf, hatte ich ebenfalls meine Berührungspunkte mit ihm, die allerdings auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her sind. Zum einen kaufte ich mir Anfang der Achtziger Jahre in einem Anflug einer Westcoast-Begeisterungsphase die CS&N-Alben „Daylight Again“ und „Allies“, im Rahmen des letztgenannten Werkes sah ich das Trio 1983, auf dem heiligen Rasen des Georg-Melches-Stadions stehend (leider war meine damalige, dort hinterlassene Aura als Tischtennis-Bundesliga-Spieler nicht mit den nachfolgenden Generationen der Rot-Weiss Essen-Fußballspieler kompatibel…) , als Headliner eines Festivals mit den weiteren Voracts Icehouse, Peter Tosh, Van Morrison und Mike Oldfield.

Das war es dann aber auch bis zum heutigen Tage. Jetzt hat mir Netinfect Promotion David Crosbys neues Solo-Werk „Sky Trails“ einfach mal zugeschickt, das im Wesentlichen in Zusammenarbeit von ihm und seinem einst zur Adoption freigegebenen Sohn, James Raymond,  getragen wird. Weitere involvierte Musiker sind u. a. Leute wie Steve Tavaglione (Sopran-Saxofon), Mai Agen (Bass) und Steve DeStanislao (Drums) sowie Becca Stevens (schöne Harmoniegesänge beim Titelstück „Sky Trails“).

Das Gesamtwerk wird überwiegend getragen von einem relaxten, oft fast schon meditativen Charakter, diverse Tracks sind von einem gediegenen Steely Dan-Flair umweht. Bezugspunkte zu unserem Magazin gibt es lediglich durch ein paar eingeflochtene Steel-Passagen wie bei meinem, die Gier in Politikerkreisen anprangernden Lieblingsstück auf diesem Silberling, „Capitol“, bei dem bei Crosby so ein wenig wieder der wütende Alt-Revoluzzer zum Vorschein kommt.

Insgesamt ist „Sky Trails“ ein sehr spezielles, teilweise manchmal schon fast Kammermusik-artiges Album für die eher ruhigen Momente im Wohnzimmer. Um eine weiterführende, vielleicht sogar himmlische Wirkung von Crosbys Kreationen hier beurteilen zu können, müsste begleitend vermutlich noch der eine oder andere Joint gezündet werden…

BMG – (2017)
Stil: Westcoast, (Psychedelic) Folk

01. She’s Got To Be Somewhere
02. Sky Trails
03. Sell Me a Diamond
04. Before Tomorrow Falls On Love
05. Here It’s Almost Sunset
06. Capitol
07. Amelia
08. Somebody Home
09. Curved Air
10. Home Free

David Crosby
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Netinfect Promotion

Joey Landreth – Whiskey – EP-Review

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Die kanadischen Bros. Landreth, alias David und Joey Landreth hatten 2015 mit ihrem Album „Let It Lie“ für eine der großen Insider-Überraschungen gesorgt. Unaufgeregte, wunderbar klingende Musik, einfach zum Genießen.
Jetzt hat Joey Landreth mit „Whiskey“ ein Kurzwerk mit sieben Stücken in Eigenregie nachgelegt. Bruder David ist aber am Bass und mit Harmoniegesängen (beim gospeligen „Better Together“) allerdings auch mit involviert.

Sein neues Album schließt sich in seiner Art, ziemlich nahtlos an den Vorgänger an, kommt vielleicht eine Spur E-Gitarren-orientierter rüber, Joey entpuppt sich hier vor allem als Klasse-Slidespieler, scheinbar ein Muss, wenn man den Namen Landreth trägt, obwohl Joey mit dem bekannten amerikanischen Kollegen nicht verwandt ist.

Sein Werk erinnert mich in Art des Songwritings und der Performance ziemlich an die von einem gewissen Monty Byrom (Solo, Big House, Billy Satellite), der ja auch immer leichtfüßig und nahezu perfekt zwischen Stilen wie Rock, Country, Americana, Blues oder Westcoast hin und her pendelt.

Nicht unwesentlichen Anteil am Gelingen dieses schönen Musik-Kleinods hat auch Produzent Murray Pulver, der für eine wunderbar abgestimmte Dosierung der eingesetzten Instrumente und einen klaren Klang sorgte. Der Opener „Whiskey“ lebt von den integrierten Stimmungswechseln und Joeys Melancholie in der Stimme. Das auf dem Fuß folgende, herrlich flockige „Hard As I Can“ ist mein persönlicher Lieblingstrack. Da werden Erinnerungen an Jackson Brownes Parade-Lied „Running On Empty“ wach. Wäre bei arrivierten Künstlern sicherlich sofort ein absoluter Radio-Hit.

„Gone Girl“ und „Time Served“ mit den südstaatlich anmutenden, surrenden Slide-Gitarren und der dezent im Hintergrund gurgelnden Orgel, sind natürlich wie für unser Magazin geschaffen. Toll auch das in Slow Blues-Manier gespielte „Still Feel Gone“ (wieder ganz starke, auf den Punkt gebrachte E-Gitarrenarbeit). Das soulige, bereits oben erwähnte „Better Together“ (Crowd-Gesänge am Ende von Genvieve Levasseur, Meg Dolovich, Alexa Dirks, Carlen Jupiter, David Landreth und Murray Pulver) sowie das finale „Remember“ (reduzierte Instrumentierung, im Singer/Songwriter-Ambiente dargeboten) beenden einen wunderbaren musikalischen Kurztrip.

Joey Landreths „Whiskey“ setzt den guten Eindruck, den ich von kanadischen Künstlern, mit denen ich mich bisher beschäftigt habe, weiter fort. Wer nach der CD der Brüder sehnlichst auf den fälligen Nachschlag aus dem Hause Landreth gewartet hat, darf jetzt hemmungslos zugreifen. Tolle Musik! Dicke Empfehlung von Sounds Of South!

Cadence Music (2017)
Stil: Country Rock

01. Whiskey
02. Hard As I Can
03. Gone Girl
04. Time Served
05. Steel Feel Gone
06. Better Together
07. Remember

Joey Landreth
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Tift Merritt – Stitch Of The World – CD-Review

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Tift Merritt mit neuem Album! Die umtriebige der texanischen Musikszene zugehörige 42-jährige Künstlerin hat ihr Temperament diesmal deutlich gezügelt und kommt mit einer eher besinnlichen neuen Scheibe daher. Ich habe das zierliche Energiebündel mal vor vielen Jahren in Utrecht bei den damaligen, leider nicht mehr existierenden Blue Highways Festivals, live erleben können, und habe mir dann auch ihr „Tambourine“-Werk zugelegt, von dem ich auch heute noch begeistert bin.

Das neue Album „Stitch Of The World“ wurde innerhalb von vier Tagen mit einem recht überschaubaren Musikerkreis, bestehend aus der Protagonistin (acoustic guitar, piano, lead vocals), Sam Beam (vocals, acoustic guitar), Marc Ribot (guitars, ukelele, banjo), Jay Bellerose (drums), Jennifer Condos (bass) und Eric Heywood (pedal steel) eingespielt. Produziert haben Tift und Sam Beam, der vor allem gegen Ende des Werkes mit einigen Harmoniegesängen aufwartet.

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Merritt reflektiert in ihren Kreationen persönliche Erlebnisse und Beobachtungen der letzten Jahre, die von Höhen (neuer Lebensgefährte, Geburt einer Tochter) und Tiefen, wie ihrer Scheidung gekennzeichnet waren und hält sich selbst quasi einen musikalischen Spiegel vor. Sie bewegt sich dabei in Sphären von Kolleginnen wie Emmylou Harris, Joni Mitchell, Alison Krauss („Eastern Light“), dezent auch Patty Griffin, Kacey Musgraves, Kim Carnes („Heartache Is An Uphill Climb„, „Proclamation Bones“) oder Sheryl Crow. Teilweise hat man aufgrund ihres elfenhaften Gesangs sogar den Eindruck, als wenn eine Kate Bush sich in den Lonestar State verirrt hätte („Icarus“). Der rootsige Opener „Dusty Old Man“, getragen von Jay Bellroses poltrigem Drumming hat noch mit den meisten Drive, ansonsten herrscht überwiegend viel ruhiger texanisch geprägter Alt. Country-Erzähl-Stil.

Die Drums haben meist eher perkussiven Charakter, Ribots E-Gitarre surrt, Heywoods Pedal steel leiert immer mal dazwischen, Akustiklgitarren, Ukulele („My Boat“) und Banjo dienen als Verzierung, das Piano steht im Dienste der Atmosphäre.

Wenn ich final die beiden mir zur Verfügung stehenden Vergleichsmuster gegenüberstelle, war und ist ihr damaliges Werk eher radiotaugliche Musik gewesen, die man auch auf jeder schönen beschwingten Party auch heute noch in den Player schmeißen kann, ihr aktuelles „Stitch Of The World“ ist dagegen eher ein Werk für gemütliche Stunden und zur intellektuellen Einkehr geeignet. Beide Scheiben bewegen sich auf ihre ganz eigene Art auf dem für Tift Merritt gewohnten hohen Niveau!

Yep Roc Records (2017)
Stil: Alt. Country

01. Dusty Old Man
02. Heartache Is An Uphill Climb
03. My Boat
04. Love Soldiers On
05. Stitch Of The World
06. Icarus
07. Proclamation Bones
08. Something Came Over Me (feat. Sam Beam)
09. Eastern Light (feat. Sam Beam)
10. Wait For Me (feat. Sam Beam)

Tift Merritt
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Yep Roc Records