Omar Coleman & Igor Prado – Old New Funky -And- Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für “Old, New, Funky And Blue“, den ersten gemeinsamen Longplayer, waren Omar Coleman und Igor Prado in Sao Paulo im Studio und haben ein klassisch-modernes Soul-Blues-Funk-Album eingespielt. Omar Coleman, Sänger und Harp-Spieler aus West Side Chicago gilt als eine der führenden neuen Stimmen im zeitgenössischen Soul-Blues der Metropole in Illinois. Seine erste Aufnahme machte er bereits 2005, damals jüngster Harp Artist, für die Compilation “Diamonds In The Rough” (Chicago Blues Harmonica Project) und war als Vertreter der dortigen Szene auch hierzulande schon unterwegs.

Igor Prado, brasilianischer Blues-Autodidakt, spielt als Linkshänder die rechtshändige Gitarre “upside down” und wurde 2015 für das Album “Way Down South” und “Bester Neuer Künstler” Award-nominiert. Die Tracks des Longplayers bringen neben eigenen Titeln eine Reihe älterer, weniger bekannter Songs auf die Setlist der Scheibe. Den Einstand macht „I’m Leaving My No Good Woman”, eine Kombination aus Memphis und Chicago-Soul Sound und versprüht seine Energie als eine Art “Wahrzeichen” der weiteren Titel.

Stilistisch “Stomping in” Soul-Blues Tracks, wie “I Only Have Love” und „Cut You Loose” hervorragender Arrangements bringen Stimme, Harp und Guitar Parts sowie die kräftige Horn-Section in die charakteristischen Gefüge der Aufnahmen. Beim rauen Blues Rock “Moving On To Better Days” wird dieser Wunsch auch musikalisch nachdrücklich robuster umgesetzt.

Ebenso spielen Einflüsse eine große Rolle, die Igor Prado z.B. von Albert King über Blind Willie Johnson bis Chuck Berry gerne benennt, während Omar Coleman Künstler der West Side Soul und Blues Szene, wie u.a. Tyron Davis und den inzwischen über 90-jährigen R&B Sänger Bobby Rush als Vorbilder in der “Nachbarschaft” hatte.

Kein Wunder also, dass zwei Titel von Bobby Rush (“I Wanna Do The Do” und “Night Fishin'“) funkige Boogie Versionen bieten. Ähnliche Energie verbreiten die beiden Syl Johnson (ebenso Chicago R&B Icone) Cover “I Let A Good Girl Go” und “Don’t Give It Away” – auch in souliger Balladen-Form – und sowieso als funkiger R&B Nummer. Die sozialkritische Eigenkomposition (u. a. “Brown Nosin‘ Man”) bildet eine wesentliche Substanz der Produktion. Wobei der Abschlusstrack “Blue Line Train In Chicago” mit akustischer Gitarre und Harp nochmal zusätzlich einen Song alter Prägung auf die “Schiene” bringt.

Insofern kann das Album “Old, New, Funky & Blue”, dem ersten gemeinsamen Longplayer von Omar Coleman und Igor Prado, durchaus auch als persönliche Aufarbeitung einer traditionsreichen Musikepoche verstanden werden. Moderne Interpretationen belassen den Covern ihre Ursprünglichkeit, entwickeln eine eigene Identität und die Erwartungshaltung, dass es nicht nur bei der Premiere bleibt.

Nola Blue Records (2026)
Stil: Soul, Funk, Blues Rock

Tracks:
01. I’m Leaving My No Good Woman
02. I Only Have Love
03. Cut You Loose
04. Moving On To Better Days
05. Answer Your Phone
06. I Let A Good Girl Go
07. Brown Nosin‘ Man
08. I Wanna Do The Do
09. Don’t Give It Away
10. Night Fishin
11. Blue Line Train In Chicago

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Joanne Shaw Taylor – 06.02.2026, Kantine, Köln – Konzertnachlese

Joanne Shaw Taylor setzt ihre im letzten Herbst begonnene Tour fort und macht auch Halt in der Kantine im Kölner Norden. Ungewohnt für die Location ist, dass der Saal bei freier Platzwahl bestuhlt ist. Hinter und neben den Sitzreihen ist zudem noch genügend Platz für die Fans, welche das Konzert im Stehen verfolgen wollen. Alle Sitzplätze sind belegt und auch an den Rändern ist der Saal bestens gefüllt.

Der Stimmung tat das Sitzplatzkonzert keinen Abbruch, neben dem so vollen Haus ohne Lücken im Publikum, können sich die Fans vermutlich auch besser auf die Musik konzentrieren. Es sei die Begrüßungszeile eines Jethro Tull-Livealbums zitiert, „Sit Down, Relax And Have A Nice Evening with…“ Joanne Shaw Taylor. Und genau so kommt es. Ein starkes Blues Rock-Konzert mit einer Joanne Shaw Taylor, die den Applaus nach den Songs regelrecht aufzusaugen scheint und wie entfesselt aufspielt.

Dabei wird sie von ihrer Begleitband, wie auch beim von uns besuchten Konzert in Arnheim, bestens unterstützt. Die Dramaturgie des Konzertes ist bis auf wenige Ausnahmen wie auch in Arnheim, ich habe aber das Gefühl, dass sich die Band  im Zusammenspiel noch weiterentwickelt hat.

Neben „Hell In A Good Time“, „Grayer Shade Of Blue“ und „Look What I´’ve Become“ vom aktuellen Album „Black & Gold“, umspannt die Set-List Songs von Ihrem 2009er Debütalbum „White Sugar“ bis zu „Heavy Soul“. Jeder Ton sitzt, alle Musiker haben ihren Anteil an der Show, und Joanne Shaw Taylor bindet sie auch aktiv mit ein, indem sie sich oft vom Zentrum der Bühne zu ihren Mitmusikern begibt, was den Bandcharakter verstärkt.

Ein besonderer Dank geht wieder an Jenny und Nina von 3Dog Entertainment für die Akkreditierung und nette Begleitung. Das Experiment, Joanne Shaw Taylor bestuhlt in der Kantine, kann als geglückt angesehen werden. Neben dem so gemütlichen Ambiente sind auch die angenehme Bühnenausleuchtung und der transparente Sound hervorzuheben, die für einen besonderen Konzertabend sorgten.

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Shane Sanders (electric guitar, vocals)
Katelynn Corll (drums, vocals)
Christopher Alexander (bass, vocals)
Ty Baile (keys)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Joanne Sah Taylor
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3dog entertainment
Kantine Köln

Danny Bryant & Bigband – 29.01.2026 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Danny Bryant spielt mit seiner Bigband im Dortmunder Musiktheater groß auf. Im Vergleich zum Konzert wenige Tage zuvor im Schwarzen Adler, hat er diesmal drei Bläser mit auf der Bühne, die den Songs einen Bigband-Charakter verleihen.

Mit seiner Vitalität und sichtbaren Lebensfreude nimmt er die Fans von Beginn an mit. Er nutzt abwechslungsreich die gesamte Bandbreite von Rock bis Blues und gibt seiner Band genug Möglichkeiten, sich in Soloparts in den Vordergrund zu spielen.

In einer Setlist ohne Lückenfüller ist „Enemy Inside“ vom Neuen Album, wo er in Sphären von Neil Youngs „Down By The River“ wandelt, eines der vielen Highlights des Abends.

Stark auch die erste Zugabe „Painkiller“, balladesk beginnend, Mark Rahner mit der akustischen Gitarre begleitend, bis Jamie Pipe ein gefühlvolles Keyboardsolo spielt, aus dem sich am Ende das rockige Outro entwickelt, in welchem Bryant ein mehrminütiges Gitarrensolo nahezu zelebriert, dem die drei Bläser zusätzlichen Druck verleihen.

Line-up:
Danny Bryant (vocals, guitar)
Marc Rahner (guitar)
Jamie Pipe (keyboards)
Ardjom Feldster (bass)
Alexander Hinz (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano

Andreas Diehlmann Band – ADB Album Classics – CD-Review

Andreas Diehlm

Review: Hans-Joachim Kästle

Wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken. Aber wenn etwas zutrifft, kann man gern wiederholen, was an anderer Stelle so ähnlich schon mal stand: Die Mannen der Andreas Diehlmann Band sind die besten Texas-Blues-Rocker, die nicht aus Texas kommen.

Nun hat Diehlmann die ersten drei Alben, die zwischen 2017 und 2019 erschienen sind, remastered, mit ausführlichem Booklet, fünf Bonustracks und einer Gesamtlaufzeit von 146 Minuten und 40 Sekunden neu aufgelegt. Natürlich kann man Vergleiche zu ZZ Top, Stevie Ray Vaughan oder Freddie King ziehen, aber eigentlich bedarf es keiner Vergleiche. Zu Diehlmanns Stärken gehört, dass er mit wenigen Ausnahmen nur Eigenkompositionen präsentiert.

„Way Down South“, der Eröffnungssong der ersten CD, beginnt mit einem Slide-Intro. Dann geht’s in die Sümpfe Louisianas, dort, wo der Swamp Rock zu Hause ist. Erinnerungen werden wach an Billy C. Farlow (falls den noch einer kennt), der als Mitglied von Commander Cody and his Lost Planet Airmen in den Siebzigern den Hit „Hot Rod Lincoln“ feiern konnte. Es folgt Peter Greens unverwüstliches „Oh Well“, bei dem die Band unterstreicht, dass in der Tat nicht mehr als drei Musiker für einen satten Sound nötig sind: Andreas Diehlmanns Gitarrenarbeit und sein markant-rauchiger Gesang, Volker Zellers brodelnder Bass und Tom Bonns treibendes Schlagzeug.

„Come On And Get It“ ist danach ein fulminanter Blues Rock. Mit „Hard Times“ schließt sich ein astreiner Blues an. Mit diesen vier Songs ist eigentlich schon alles über die musikalische Bandbreite der gesamten drei CDs gesagt: Kein Stück hört sich wie das andere an.

Zwei von insgesamt acht Fremdkompositionen gilt es noch zu nennen: Da ist zum einen Jimi Hendrix’ „Little Wing“ als Instrumentalstück und „Soulshine“, im Original von den Allman Brothers (der besten Band, die je aus den USA gekommen ist – so, das musste einfach mal gesagt werden).
Darauf einen Whiskey – oder auch zwei!

Mountain Meadow Studio (mms) (2026)
Stil: Blues Rock

CD 1 ADB
01. Way Down South
02. Oh Well
03. Come On And Get It
04. Hard Times
05. Opposites Attract
06. Rock Me Baby
07. Full Grown Man
08. Gonna Raise Hell
09. Gone
10. Rita
11. Hey Baby (Bonustrack)
12. Backdoor Santa (Bonustrack)

CD 2 Your Blues Ain’t Mine
01. Come On Into My Kitchen
02. Your Blues Ain’t Mine
03. I Don’t Wanna Lose You
04. I Don’t Know
05. Head Down Low
06. Little Wing
07. Going Home
08. Soulshine
09. Fucking Happy Blues
10. When I’m Gone (Bonustrack)

CD 3 Point Of No Return
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain
10. Nothing But The Blues (Bonustrack, Cigarbox Version 2025)

Andreas Diehlmann Band
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M2 Music

Blues Caravan – 25.01.2026, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum 20. Jubiläum schickt Thomas Ruf eine besondere Mischung von aufstrebenden Musikern seines Labels auf die Reise. Das Intro des Abends gestalten zunächst alle gemeinsam. Spannend ist, wie ELISE FRANK, MATTHEW CURRY und LAURA CHAVEZ ihre unterschiedlichen Stile miteinander verschmelzen lassen. Als Begleitband hat Thomas Ruf mit Denis Palatin an den Drums und Tom Germann am Bass zwei bekannte Gesichter und mit Lea Worms an den Keyboards ein neues Gesicht dabei. Am Rande sei erwähnt, dass diese Drei gemeinsam mit Sean Athens, der an dem Abend als Gast unter den Fans weilt, die Begleitband für Mitch Ryder bilden, der demnächst auch wieder auf Tour ist.

Danach kann die junge Französin ELISE FRANK in einem etwa 30-minütigen Set Werbung in eigener Sache zu machen. Unterstützt von Denis Palatin an den Drums, Bassist Tom Germann vergeht das Set wie im Flug. Abwechslungsreich streifen die Songs vom Blues ausgehend auch Folk und Country, insbesondere wenn sie zur akustischen Gitarre greift. Mit ihrem jugendlichen Charme und ihrer kräftigen Stimme nimmt sie von Beginn an die Fans mit. Bei einem Song kommt dann noch Laura Chavez hinzu, die neben Rhythmusarbeit noch ein knackiges Solo einfließen lässt.

Ohne Unterbrechung geht es dann weiter mit MATTHEW CURRY. Harte Gitarren Riffs, knackige Soli und seine hohe kräftige Stimme sorgen für Stimmung in der Bude. Er flechtet in den rockigen Blues nicht wenige Elemente von Americana und Southern Rock ein. Stark ist seine Interpretation von Lynyrd Skynyrds „Whiskey Rock-a-Roller“, wo auch Lea Worms am Piano, die nun auch wieder auf der Bühne steht, jedem Southern Fan das Herz aufgehen lässt. Auch hier sind die etwa 30 Minuten viel zu schnell um und man hätte wie schon bei Elise Frank gerne mehr gehört.

Nach einer kurzen Pause entert dann LAURA CHAVEZ die Bühne. Sie passt von daher in das Konzept, dass sie gerade ihr erstes eigenes Album veröffentlicht hat. Als Begleitmusikerin hat sie sich aber schon lange einen Namen gemacht. Sie zählt zu den besten Bluesgitarristinnen, und hat 2023 den Blues Music Award als beste Instrumentalistin-Guitar gewonnen. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist ihr Set instrumental. Sie lässt ihre Gitarre sprechen und singen. Dabei entführt sie die Fans musikalisch vom Blues bis hin zu mexikanisch geprägten Rhythmen. Spannend ist, wie sie vom virtuosen ins rockige wechselt, dabei aber immer melodisch bleibt.

Gemeinsam beenden dann die Drei Musiker plus Begleitband den Abend und begeistern mit CCRs „Born On The Bayou“ mit Leadgesangs von Curry und „Under My Thumb“ gesungen von Frank die Fans. Knackige Soli von Chavez und Curry sorgen dabei für Szenenapplaus. Frenetische Zugabe Forderungen im gut gefüllten Musiktheater Piano sorgen dann noch einmal für weitere Zugaben. Mit einer fast mystischen Version von „Blue Jeans“ geht dann ein besonderer Abend zu Ende, an dem alle drei Musiker sich für weitere Konzerte empfohlen haben. Dass sie schon kurz nach dem Konzert am Merchstand standen und für Fotowünsche, Autogramme und Smalltalk zur Verfügung stehen rundet den harmonischen schönen Abend ab. Es mag das Gefühl des Moments gewesen sein, aber nicht wenige Besucher sind der Meinung, dass es einer der besten Blues Caravans gewesen ist.

Line-up:
Elise Frank (vocals, guitar)
Matthew Curry (vocals, guitar)
Laura Chavez (guitar)
Tom Germann (bass)
Denis Palatin (drums)
Lea Worms (keyboards)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Matthew Curry
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Elise Frank
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Teresa James & The Rhythm Tramps – Bad At Being Good – CD-Review

Etta James – ja kennt man, mir Blues-Flegel ist sie zumindest vom Namen her geläufig. Bei Teresa James muss ich allerdings bis dato passen. Dabei hat die gebürtige Texanerin bereits ein gutes Dutzend Alben hinter sich und stellt mit „Bad At Being Good“ in Zusammenarbeit mit ihrer Band The Rhythm Tramps ihren nunmehr 14. Longplayer vor.

Wie sooft in den Staaten ist ihr das musikalische Talent durch Vater und Großvater in die Wiege gelegt worden, bereits mit fünf Jahren wurde der Grundstein für ihr fundiertes Pianospiel gelegt.

Seit den 80ern, wo sie sich dann im Umkreis von Los Angeles bewegte, ist sie musikalisch tätig und hat seither mit klingenden Namen wie u. a, Walter Trout, Spencer Davis, Tommy Castro, Stephen Bruton, Randy Newman, LeeRoy Parnell, Neil Diamond, Marcia Ball, Levon Helm, Lloyd Jones, Delbert McClinton, and Eric Burdon & the Animals  im Studio oder live auf der Bühne zusammengearbeitet.

Auch die involvierten Musiker ihrer Rhythm Tramps (u- a.  Dean Parks, Kevin McKendree, Paulie Cerra, Jay Bellerose), können eine edle Liste in Sachen Kooperationen aufweisen:  Joe Bonamassa, Eric Burdon & the Animals, Bonnie Raitt, Delbert McClinton, Jimmy Reed, Lightin’ Hopkins, Jimmy Vaughan, Johnny Nash, Smokey Robinson, Tom Jones oder Tower Of Power, um nur einige zu nennen.

Heimlicher Macher neben der Protagonistin ist Lebenspartner Terry Wilson, der hier als Hauptsongwriter, Bassist, Gitarrist, Backgroundsänger und als Produzent mit zusammen mit John Porter (Buddy Guy, Taj Mahal, Keb‘ Mo‘) maßgeblich die Fäden zieht.

Das neue Werk erfindet die Welt der Bluesmusik nicht neu, kommt aber trotz der Verwurzelung in traditionellen Strukturen mit einer schönen Unbekümmertheit und Schwerelosigkeit herüber. Somit klingt hier nichts altbacken, sondern ganz im Gegenteil, James & Co. stehen für Abwechslungsreichtum und besonders für spürbare spielerische Frische. In Verbindung mit ihrer tollen Stimme sorgt dies für viel Kurzweiligkeit.

Als Keytracks auf einem durchgängig unterhaltsamen Werk ohne Füller habe ich die wunderbare Southern Soul-Ballade „Is Anything Alright“, das stoneske „All About The Benjamins“ (schöner Song über die Gier nach immer Mehr), das Southern Rock-trächtige „Angel On My Shoulder“ (hätte gut auf das damalige Debüt der Rossington Collins Band gepasst), der Titelsong, der von seiner Machart, wie eine Bewerbung für den nächsten James Band-Film daherkommt, und der fluffige abschließende, vom mehrfachen Grammy-Gewinner Gary Nicholson geschriebene Rhythm’n’Blues-Rausschmeißer mit dem passenden Titel „Close Down The Blues Bar“.

Am Ende bleibt nach dem Hören von „Bad At Being Good“ kein Zweifel: Teresa James und ihre Rhythm Tramps sind ‚Good in being good‘! Die CD hört man genau so gerne durch, wie man sich durch das ansprechend dekorierte Getränkesortiment auf dem schönen Coverbild trinken würde…

MoMojo Records (2026)
Stil: Blues, Blues Rock, Southern Soul

Tracks:
01. Love’s A Full Time Job
02. Is Anything Alright
03. I Got This Thing
04. All About The Benjamins
05. Trouble In Paradise
06. Angel On My Shoulder
07. Treat Her Like You Want Her To Tread You
08. Bad At Being Good
09. Say What You Will
10. We Came To Rock
11. Anytime Is Alright
12. Close Down The Blues Bar

Teresa James & The Rhythm Tramps
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Danny Bryant – 23.01.2026, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Wenn Danny Bryant mit seiner Band dem Schwarzen Adler in Rheinberg einen Besuch abstattet, ist in der Regel ein volles Haus garantiert. Und so durfte sich Ernst Barten auch diesmal wieder über eine dementsprechende Kulisse erfreuen.

Der mittlerweile 45-jährige Brite hat bedingt durch gesundheitliche Probleme (u. a. Folgen einer Alkoholsucht), seine Lebensgewohnheiten drastisch geändert, besonders gut erkennbar durch den, zu seinem Vorteil statt gefundenen erheblichen Gewichtsverlust.

Diese Phase hat er mit seinem neuen hervorragenden Album „Nothing Left Behind“ aufgearbeitet und ab sofort gilt der Blick nur noch nach Vorne. Wie an diesem Abend überaus deutlich vernehmbar, wirkt er viel agiler und auch irgendwie gelöster und lockerer. „I’m tougher now“ singt er selbstbewusst im Opener des Albums, der dann auch gegen Ende des zweiten Sets, wie auch viele andere Stücke des Werkes, in der Setlist der gerade begonnenen Tour seine Berücksichtigung findet, was mir persönlich ungemein gut gefiel.

Dies positive Energie ist sicherlich auch ein Verdienst seiner ihn umgebenden Mitstreiter Marc Rahner, Jamie Pipe, Ardjom Feldster und ‚Strahlemann‘ Alexander Hinz, die ihm mit viel Spaß und musikalischer Klasse, auf der Bühne den Rücken stärkten.

Gespielt wurde, wie üblich im Adler, in zwei Hälften, wobei schon der erste Teil mit u. a,  dem satten „Swagger“ zum Auftakt, dem Aufheizer „Temperature Rising“, dem furiosen Southern Rock-Slowblues „Guntown“, „Lover Like You“, dem atmosphärisch proggigen „Enemy Inside“ und der Killerballade „Just For You“ (alle drei vom neuen Longplayer), ein extrem hohes Level geboten wurde.

Auch der Auftakt zu Teil 2 stand mit „Three Times As Hard“ und dem eingängigen „Missing You“ (Heartland-Note) sofort wieder im Zeichen des aktuellen Silberlings. Wie so oft, vergeht bei Bryant-Gigs die Zeit wie im Fluge.

Über „The Rage To Survive“, „Unchained“, wo sich alle einzelnen Beteiligten nacheinander mit anspruchsvollen Soli an ihren Instrumenten in den Fokus rückten, „Not Like The Others“, „Tougher Now“, „Redemption“ (alle drei wieder von „Nothing Left Behind“) und dem knackigen Instrumental „Looking Good“ war das Ende des offiziellen Hauptteils schon erreicht, der natürlich von den unzähligen, quirligen und glänzenden E-Gitarren-Soli des Protagonisten auf seiner gold-weißen Stratocaster maßgeblich geprägt wurde.

Das begeisterte Adlerpublikum ‚kitzelte‘ den Quintett noch satte drei Zugaben heraus  (u. a. das Endorphine freisetzende „Painkiller“ und der satte Stampfer „Rise“), sodass am Ende ausnahmslos strahlende Gesichter zu vernehmen waren. Nur wenige Minuten später standen die Musiker schon wieder für die üblichen Merchandising-Aktivitäten (Signieren, Smalltalk, etc.) zur Verfügung.

Wer den ’neuen‘ toughen Danny Bryant mit seinen Jungs noch öfter erleben möchte, kann dies in naher Zukunft bei diesen Terminen in die Tat umsetzen:

25.01.26           Berlin, Frannz Club
27.01.26            Hamburg, Nica Jazz Club (Bigband Show)
28.01.26            Bonn, Harmonie (Bigband Show)
29.01.26            Dortmund, Musiktheater Piano (Bigband Show)
30.01.26            Freudenburg, Ducsaal
31.01.26            AT – Rankweil, Altes Kino
01.02.26            München, Backstage
03.02.26            CH – Lyss, Kufa (Bigband Show)
05.02.26            CH – Aarburg, Musigburg
06.02.26            Burglengenfeld, VAZ
07.02.26            Freiburg, Jazzhaus (Bigband Show)
20.03.26            Siegen, Vortex Surfer Musikclub
21.03.26            Seelow, 13. Bluesrock Fest (Bigband Show)
26.03.26            CH – Rorschach, Industrie 36 (Bigband Show)
27.03.26            Bad Reichenhall, Magazin 3
28.03.26            Neustadt/Orla, Wotufa-Saal (Bigband Show)

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Marc Rahner (electric & acoustic guitar)
Ardjom Feldster (bass, bgv)
Alexander Hinz (drums)
Jamie Pipe (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Danny Bryant
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Schwarzer Adler

Danny Bryant – Nothing Left Behind – CD-Review

Das erste CD-Review des neuen Jahres kommt bei mir, obwohl ich eigentlich normaler Weise nicht abergläubisch bin, immer einem Omen für den weiteren Verlauf der nächsten zwölf Monate gleich. Glücklicherweise begann eigentlich jedes der nunmehr zehn Jahre Sounds Of South mit einem starken Werk und es hagelte ganz viel gute Musik hinterher.

Auch diesmal brauche ich mir wohl keine Sorgen zu machen, denn mit Danny Bryant, bestreitet ein bewährter Qualitätsgarant den Auftakt in 2026. Erstaunt muss ich zunächst feststellen, dass ich, review-technisch gesehen, bis dato nur bei Konzerten mit ihm in Berührung gekommen bin. Ich habe in meiner langen ‚Karriere‘ tatsächlich noch nie ein Album von ihm unter die Lupe genommen.

Das ändert sich jetzt jedoch, sein neues Werk „Nothing Left Behind“, das am 23.01.2026 veröffentlicht wird, steht zur Besprechung an. 

„Das Album handelt von meiner Rehabilitation und davon, wie ich mein Leben in positiver Weise verändert habe“, so Bryant, äußerlich allein schon seit geraumer Zeit auch durch seinen erheblichen Gewichtsverlust erkennbar.

Rein Stimmlich, spielerisch und kreativ, sind keine Einbußen zu vermerken, ganz im Gegenteil, das Album strotzt nur so vor Vitalität und auch neuer Ideen. „Tougher Now“ ist nicht nur eine schlagkräftige Zustandsbeschreibung, der shufflige kräftige Opener des neuen Albums (mit herrlich wummernder Orgel) ist aus meiner Sicht auch ein idealer Beginn bei seinen anstehenden Gigs der aktuellen Tour. 

Ähnliches gilt für das treibende, stadiontaugliche „Not Like The Others„, das einen fast in die 90er Jahre der Rockmusik zurückbeamt. Nach soviel Energie und Dynamik zu Beginn ist es folgerichtig, dass Bryant mit der progressiv angehauchten, pianogetränkten Ballade „The Enemy Inside“ (es schimmert sogar ein wenig Genesis-Ambiente durch) erstmal auf das Bremspedal tritt. Herrlich das integrierte hymnische E-Gitarrensolo. Ein Highlight der CD!

Das polternde, texas-blues-rockige „Swagger“ (mit Kuhglockendrums und „Smoke On The Water-verdächtiger Rhythmusgitarre) lässt dann die Southern Rock-Vorliebe des Protagonisten aufblitzen. Atmosphärisch und ruhiger wird es wieder bei „Redemption“, klassischer Stampf-Blues Rock kennzeichnet „Three Times As Hard“.

Dass Danny durchaus auch ‚radiotauglich‘ kann, beweisen die eingängigen und melodischen Songs wie „Nothing Man“ (mit Akustikgitarre und Harmoniegesängen) und „Missing You“ (Bob Seger-Flair).

Stevie Ray Vaughan-Fans werden sich am E-gitarren-lastigen „Lover Like You“ (mit gurgelndem Orgel-Solo) laben. Die Schlussphase des Longplayers wird mit der wunderbaren Killer-Ballade „Just For You“ eingeläutet, Gänsehautmomente garantiert.

Das endgültige Finale wird dann nochmals in progressiver Manier zelebriert. „Heatwave Heartbreak“ ist ein Instrumentalstück irgendwo zwischen Pink Floyd, Santana, Peter Green & Co., bei dem Bryants brillantes E-Gitarrenspiel im Mittelpunkt steht.

„Wir wollten ein Album machen, das wir live spielen können. Mit fünf Leuten auf der Bühne können wir die ganze Klangwelt, die wir im Studio geschaffen haben, tatsächlich reproduzieren und ohne Einbußen live präsentieren.

Ich hoffe, dass das Album neue Hörerinnen und Hörer erreicht und gleichzeitig diejenigen anspricht, die mich schon lange begleiten, wir haben unser Herz hineingelegt – und ich hoffe, man hört das.“

Diesem Statement kann ich am Ende nur voll und ganz zustimmen. Ein tolles, abwechslungsreiches und kurzweiliges Werk, das Danny Bryants internationales Renommee im Blues Rock weiter festigen wird.

Möge „Nothing Left Behind“ sowas wie eine Zäsur, mit reinem Blick auf die Zukunft symbolisieren, meine ich, dass Bryant, trotz aller früherer Umstände, auch stolz auf das bis dato Geleistete zurückblicken kann.

Wir hoffen, dass der Brite, wie oben angedeutet, viele der neuen Tracks live in ‚tougher‘ Manier präsentieren wird. Gelegenheit dies zu überprüfen erhalten wir schon am 23.01.2026, dem Veröffentlichungstag, wenn wir seinen Gig im Schwarzen Adler in Rheinberg besuchen und darüber natürlich berichten werden.

Jazzhaus Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Tougher Now
02. Not Like The Others
03. Enemy Inside
04. Swagger
05. Redemption
06. Three Times As Hard
07. Nothing Man
08. Missing You
09. Lover Like You
10. Just For You
11. Heatwave Heartbreak

Danny Bryant
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Another Dimension

Dudley Taft – 21.11.2025, to hoop, Rheinberg – Konzertnachlese

Prominenter Besuch im To Hoop. Mit Dudley Taft ist ein Urahn eines amerikanischen Präsidenten zu Gast. Wer bei soviel Prominenz einen vollen Laden erwartet hat, wird leider enttäuscht. Trotz der geringen Resonanz war eine Absage des Konzertes keine Alternative und das Trio rockt ab, als wenn es vor einer vollen Hütte spielen würde.

Knackiger Hard Rock mit einer Prise Blues, Southern Rock und Boogie bringen eine Stimmung in die Bude, die den Musikern und Betreiber des to hoop Sami Durak Recht gibt, das Konzert durchzuziehen. Von Beginn an legt der Amerikaner los wie die Feuerwehr und reißt mit seiner Spielfreude alle Anwesenden mit.

Harte Riffs wechseln mit starken auf den Punkt gespielten Soli. Dank seiner starken voluminösen Stimme hat er auch keine Probleme gegen den druckvollen Sound anzusingen. Neben humorvollen Ansagen zwischen den Songs nimmt er auch kein Blatt vor den Mund, um Stellung zur politischen Situation in Amerika und der dortigen „Pressefreiheit“ zu beziehen. Etwa 120 Minuten Musik vergehen so wie im Fluge und mit einer knüppelharten Version von „Going Down“ geht ein Konzert zu Ende, das ein volles Haus verdient gehabt hätte.

Jedem, der auf harten Blues Rock steht kann nur empfohlen werden, Dudley Taft und seine Band zu besuchen, wenn sie in der Nähe ihre Visitenkarte abgibt. Das gilt aber ebenso für andere Bands, die mit handgemachter Musik in Clubs oder kleineren Locations auftreten, da diesen sonst die finanzielle Grundlage genommen wird, Musiker hautnah zu präsentieren.

Line-up:
Dudley Taft (vocals, guitar)
Alvaro Canon (bass)
Nick Owsianka (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Dudley Taft
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To Hoop

Walter Trout – 26.11.2025, Kantine, Köln – Konzertbericht

Walter Trout zeigt in der anständig gefüllten Kantine einmal mehr, dass er zu den Top-Gitarristen im Genre Blues gehört. Zusammen mit seiner Band präsentiert er auch einige Songs des kürzlich erschienenen Albums „Sign Of The Times“, bei denen auch seine Qualität im Songwriting deutlich wird. Dabei lässt er seinen Mitmusikern insbesondere in jammenden Passagen genügend Spielraum zu zeigen, was in ihnen steckt.

Roland Bakker untermalt an der Hammond nicht nur die Songs, sondern glänzt auch in mehreren längeren Soli. Jon Avila offeriert neben einer starken Rhythmus-Arbeit in einem mehrminütigen Solo, was aus einem Bass alles rauszuholen ist. Der oft stoisch die Drums bearbeitende Michael Leisure wirbelt dann in seinem Solopart über die Drums, dass man den Sticks zuweilen kaum folgen kann.

Ergänzt wird die Band von Walters Sohn Jon, der bei einigen Gitarrensoli in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Dabei ist Walter anzusehen, mit welcher Freude er das Spielen seines Sprösslings verfolgt.

Nach knapp 100 Minuten wird nach frenetischen Zugabe-Forderungen mit „Going Down“ noch ein Klassiker nachgelegt, in dem die Band die Kantine zum Beben bringt. Dabei beginnt zunächst John Avila mit den Vocals, dem Jon Trout folgt, um an seinen Vater zu übergeben.

Die beiden Trouts legen in einem langen jammenden Part furiose Soli hin, die vom krachenden Rhythmus von Avila und Leisure hinterlegt werden. Das Ganze gewürzt von Bakkers Hammond, beendet einen eindrucksvollen Konzertabend, an dem Walter Trout den Bluesfans eventuell die Zukunft in Form seines Sohns Jon präsentiert hat.

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, guitar)
Roland Bakker (keyboards)
John Avila (bass, vocals)
Michael Leisure (drums)
Jon Trout (guitar, vocals)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Walter Trout
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3dog entertainment
Kantine Köln