Prominenter Besuch im To Hoop. Mit Dudley Taft ist ein Urahn eines amerikanischen Präsidenten zu Gast. Wer bei soviel Prominenz einen vollen Laden erwartet hat, wird leider enttäuscht. Trotz der geringen Resonanz war eine Absage des Konzertes keine Alternative und das Trio rockt ab, als wenn es vor einer vollen Hütte spielen würde.
Knackiger Hard Rock mit einer Prise Blues, Southern Rock und Boogie bringen eine Stimmung in die Bude, die den Musikern und Betreiber des to hoop Sami Durak Recht gibt, das Konzert durchzuziehen. Von Beginn an legt der Amerikaner los wie die Feuerwehr und reißt mit seiner Spielfreude alle Anwesenden mit.
Harte Riffs wechseln mit starken auf den Punkt gespielten Soli. Dank seiner starken voluminösen Stimme hat er auch keine Probleme gegen den druckvollen Sound anzusingen. Neben humorvollen Ansagen zwischen den Songs nimmt er auch kein Blatt vor den Mund, um Stellung zur politischen Situation in Amerika und der dortigen „Pressefreiheit“ zu beziehen. Etwa 120 Minuten Musik vergehen so wie im Fluge und mit einer knüppelharten Version von „Going Down“ geht ein Konzert zu Ende, das ein volles Haus verdient gehabt hätte.
Jedem, der auf harten Blues Rock steht kann nur empfohlen werden, Dudley Taft und seine Band zu besuchen, wenn sie in der Nähe ihre Visitenkarte abgibt. Das gilt aber ebenso für andere Bands, die mit handgemachter Musik in Clubs oder kleineren Locations auftreten, da diesen sonst die finanzielle Grundlage genommen wird, Musiker hautnah zu präsentieren.
Walter Trout zeigt in der anständig gefüllten Kantine einmal mehr, dass er zu den Top-Gitarristen im Genre Blues gehört. Zusammen mit seiner Band präsentiert er auch einige Songs des kürzlich erschienenen Albums „Sign Of The Times“, bei denen auch seine Qualität im Songwriting deutlich wird. Dabei lässt er seinen Mitmusikern insbesondere in jammenden Passagen genügend Spielraum zu zeigen, was in ihnen steckt.
Roland Bakker untermalt an der Hammond nicht nur die Songs, sondern glänzt auch in mehreren längeren Soli. Jon Avila offeriert neben einer starken Rhythmus-Arbeit in einem mehrminütigen Solo, was aus einem Bass alles rauszuholen ist. Der oft stoisch die Drums bearbeitende Michael Leisure wirbelt dann in seinem Solopart über die Drums, dass man den Sticks zuweilen kaum folgen kann.
Ergänzt wird die Band von Walters Sohn Jon, der bei einigen Gitarrensoli in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Dabei ist Walter anzusehen, mit welcher Freude er das Spielen seines Sprösslings verfolgt.
Nach knapp 100 Minuten wird nach frenetischen Zugabe-Forderungen mit „Going Down“ noch ein Klassiker nachgelegt, in dem die Band die Kantine zum Beben bringt. Dabei beginnt zunächst John Avila mit den Vocals, dem Jon Trout folgt, um an seinen Vater zu übergeben.
Die beiden Trouts legen in einem langen jammenden Part furiose Soli hin, die vom krachenden Rhythmus von Avila und Leisure hinterlegt werden. Das Ganze gewürzt von Bakkers Hammond, beendet einen eindrucksvollen Konzertabend, an dem Walter Trout den Bluesfans eventuell die Zukunft in Form seines Sohns Jon präsentiert hat.
Line-up: Walter Trout (lead vocals, guitar) Roland Bakker (keyboards) John Avila (bass, vocals) Michael Leisure (drums) Jon Trout (guitar, vocals)
Nachdem ich mich schon vor geraumer Zeit über die deutsche Blues Rock-Formation aus dem Süd-Schwarzwald Blue Deal, bereits überaus positiv geäußert hatte, zieht jetzt mit LUKE eine Formation aus dem Saarland im gleichen Genre nach.
Hinter LUKE steht ein Quartett, angeführt von Lukas Schüßler (lead vocals, guitars, songwriting), samt seiner Mitstreiter Martin Preiser (hammond organ, rhodes, piano), Sebastian Sommer (bass) und Bernd Wegener (drums, percussion), das mit seinem zweiten Album „The Truth Remains The Same“, produziert, gemischt und gemastert vom allseits bekannten Martin Meinschäfer (Henrik Freischlader), ebenfalls Qualitätsware auf internationalem Niveau abliefert.
Auch hier muss ich dem Fronter wieder eine sehr schön britisch-amerikanisch und angenehm klingende Stimme attestieren. Die Band bietet insgesamt eine schöne smooth und relaxt klingende Mischung aus Blues-, Soul-, Rock- und (Indie-) Pop- Anleihen, basierend auf einem typischen Stratocaster-Sound, grob zusammengefasst in der Art, wie John Mayer seine Musik zwischen Alt und Modern zelebriert.
Da schimmern viele Acts wie u. a. Chicago, Eric Carmen, Dire Straits, Foreigner, oder Bruce Hornsby hervor, die man Mitte der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre gerne gehört hatte, als auch natürlich Eric Clapton in der Phase, wo er in etwas mainstreamigere Gefilde abdriftete (von „Another Ticket“ bis „Journeyman“).
Exemplarisch beschreibe ich hier in einem durchgehend hörenswerten Gesamtwerk den Titeltrack „The Truth Remains The Same„, der diesen Namen auch zurecht verdient. Und da sind wir schon wieder bei besagtem John Mayer, der immer ein ähnliches Esprit verströmt.
In diesem Lied offeriert Schüßler seine ganze stimmliche Varianz, ein tolles E-Gitarrenspiel, kombiniert mit Stimmungs-, Atmoshären und Tempowechseln, wobei ein gewisser Ohrwurm-Charakter immer gewährt bleibt. Besser kann man einen singletauglichen Song mit Niveau kaum schreiben.
Am Ende wundert man sich nicht, warum bekannte Musiker wie Patti Smith, Keb’ Mo’ und Taj Mahal die Jungs als Support haben walten lassen, als auch über die Preise (Saarbrücker Kulturpreis für Musik 2023) und Nominierungen (German Blues Challange), die man bereits auf der noch jungen Vita stehen hat. Zurücklehnen und entspannt genießen heißt es bei „The Truth Remains The Same“ von LUKE. Ein wahrlich gutes und empfehlenswertes Album!
Label: Records/ Believe (2025) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. Intro 02. Love Peace & War 03. I Don’t Really Know What Love Is 04. The Truth Remains The Same 05. Love Battery 06. Eye Bags Don’t Lie 07. Come Running To Me 08. No More Tomorrow 09. Who Will Be There 10. Something’s Calling 11. Riding After Midnight
Der aus der Bronx in New York stammende, mittlerweile 87-jährige Dion, mit bürgerlichem Namen Dion Francis DiMucci, ist in der Pop- und Rockmusik ein großer Name, auch wenn sich seine Bekanntheit in unserem Lande in hiesigen Zeiten, vermutlich in eher in überschaubaren Grenzen befindet.
Er hatte seine größten Erfolge in den Sechzigern, wobei der Rolling Stone ihn in seinen Listen auf Platz 63 der besten Sänger und seinen Schunkler „The Wanderer“ auf Platz 243 der besten Songs aller Zeiten führt.
In dieser langen Zeit ist es natürlich klar, dass man viele musikalische, beziehungsweise berufliche als auch private Bekanntschaften aufbaut und pflegt. Soziale Netzwerke, wie man es heute zu sagen pflegt. Deren Bedeutung, besonders in unserem digitalen Zeitalter, braucht es keiner weiteren Beschreibung.
Der Protagonist ist hier bestens aufgestellt, anders ist es wohl nicht zu erklären, dass auch noch heute prominente Gäste, wie zuletzt auf „Girl Friends“ (da war es das Who-Is Who der zeitgenössischen weiblichen Musikerriege) Schlange stehen, wenn er ein neues Album ins Leben ruft.
Bei seinem neuen Werk „The Rock ’N’ Roll Philosopher“, das sich als musikalisches Gegenstück zu seinem gleichnamigen Buch („weitläufige Memoiren, in denen es um Musik, Sucht, Genesung, Freundschaften, Gott, Kreativität, Beziehungen und all die Dinge geht, aus denen ich wichtige Lektionen gelernt habe“), das er gemeinsam mit Adam Jablin verfasst hat, versteht, und sowohl neue, als auch Überarbeitungen seiner Uralthits beinhaltet, ist die Gästeliste auf den 16 Tracks nicht besonders lang, dafür mit Sonny Landreth, Joe Bonamassa, Mark Knopfler und Eric Clapton aber umso exquisiter.
Dass Dion auch im hohen Alter noch zünftig zu rocken vermag, beweist der Opener und zugleich erste Single „I’m Your Gangster Of Love“ (famose E-Gitarreneinlagen von Wayne Hood), sicherlich auch ein großer Höhepunkt des Gesamtwerks.
„Take It Back“, wo Joe Bonamassa mitmischt, auf dessen Label die Scheibe wieder erscheint, ein flotter Blues Rock-Schunkler, geht in eine ähnliche Richtung. „Cryin‘ Shame“ mit typischer Landreth-Slide-Begleitung erinnert an J.J. Cale-Sachen, sticht ebenfalls als einer der Center-Stücke heraus.
Das von Mark Knopflers ’singender‘ und wohl klirrender Stratocaster umgarnte „Dancing Girl“ entpuppt sich als der Ohrwurm der CD. Liebhaber klassischer Blues- Stampfer der etwas vergangenen Zeit, dürfen sich auf „If You Wanna Rock ’n‘ Roll “ über die Veredlung des ‚God Of The Blues‘, Eric Clapton (ein großer Bewunderer Dions), freuen, der hier aufzeigt, dass er E-Gitarren-technisch immer noch ordentlich ‚ablassen‘ kann.
Und wenn Dion mit „Ride With You“ dann noch einen lupenreinen Southern Rocker aus dem Ärmel schüttelt, fragt man sich glatt, ob er sich nicht demnächst mal an diesem Genre versuchen sollte. Da müsste er sich jedoch sputen, die potentielle Liste prominenter Gäste ist da leider nicht mehr allzu lang…
Label: KTBA Records (2025) Stil: Blues (Rock)
Tracks: 01. I’m Your Gangster Of Love 02. New York Minute 03. Ruby Baby 04. Take It Back with Joe Bonamassa 05. New York Is My Homer 06. Cryin‘ Shame with Sonny Landreth 07. Dancing Girl with Mark Knopfler 08. In A Heartbeat Of Time 09. Serenade / Come To The Cross 10. If You Wanna Rock ’n‘ Roll with Eric Clapton 11. Ride With You 12. Abraham, Martin And John 13. King Of The New York Streets 14. Runaround Sue 15. The Wanderer 16. Mother And Son
Manchmal flattern CDs ins Haus, da kann man sich schon mal fragen: Wer ist das? Schlimmer allerdings wäre es, wenn dann auch noch die Frage aufkäme: Was bitteschön ist das? Um es vorwegzunehmen: Diese hat sich nicht gestellt, wobei wir gleich mal beim Prädikat „Durchaus hörenswert“ sind.
Kommen wir zum Anfang zurück: Atua Blues besteht aus Grant Haua, einem Maori-Bluesgitarristen und Sänger aus Neuseeland, und David Noel, dem als Feelgood Dave bekannten Leadsänger der in Frankreich beheimateten SuperSoul Brothers.
Apropos Neuseeland: Hatten wir nicht erst neulich etwas aus diesem Pazifikstaat? Klar: BB & The Bullets, deren Debüt-CD „High Tide“ es beim amerikanischen Roots Music Report – der aus Radio-Airplay-Daten zusammengestellt wird – sowohl in der Sparte Blues als auch Blues Rock auf Platz eins geschafft hat. Wenn das mal kein gutes Omen für das Erstlingswerk von Atua Blues ist…
Haua, Noel und ihre Begleitmusiker beginnen die CD mit „Amazing Grace“, einem über 250 Jahre alt Gospelsong, der schon unzählige Male gecovert worden ist. David Noel erklärt die Beweggründe: „Die Wahl dieses Titels kam in unseren Gesprächen sofort zur Sprache, da Gospelmusik unserem Leben Rhythmus verleiht.“
Mit ihrer entspannt-rhythmischen Interpretation schafft es die neuseeländisch-französische Kombination aber, dass der Uraltsong in einem luftigen Gewand daherkommt, was auch für den Nummer-eins-Hit von George Harrison, „My Sweet Lord“, gilt. Hier gibt es Textpassagen aus Maori und Okzitanisch. „River Blues“ ist leicht Country-angehaucht, „I Get The Blues“ ein Slow Blues, „Hard Lovin‘ Woman“ geht Richtung klassischer Blues Rock – stilistische Vielfalt ist somit auch gewährleistet.
Dixiefrog Records (2025) Stil: Blues, Soul, Gospel
Tracks: 01. Amazing Grace 02. Fisherman 03. Hard Lovin‘ Woman 04. I Get The Blues 05. My Sweet Lord 06. No Competition 07. River Blues 08. Rose 09. Suck It Up 10. What Have We Done 11. Who’s Gonna Save My Soul
Eigentlich habe ich es auf Studioalben immer gerne etwas ausgefeilter und glattpolierter. Wenn man in seinem Leben schon so viele Scheiben aus Nashville reviewt hat, kommt man schon fast nicht mehr darum herum, auf gewisse dort gesetzte Standards zu achten, was die akribische Einspielung, die Abmischung und den transparenten Sound angeht.
Wer die Scott Weis Band kennt, weiß schon vorher, dass er das genau nicht bekommen wird, sondern auch hier raue, ‚ungeschminkte Wahrheit‘ mittels authentischer Musik serviert bekommt, die meistens fast schon Live-Charakter besitzt und wo nicht so genau drauf geschaut wird, dass alles bis zum Kleinsten sitzt. Und so ist es natürlich auch bei „XX“, dem neuen Werk zum 20-jährigen Band-Jubiläum.
„My My Love“ ist direkt schon eine Art Mischung aus „Satisfaction“ der Stones und „Gimme Three Steps“ von Skynyrd, somit ein ideal gewählter launiger Einstieg, wie auch beim Konzert vor einigen Tagen.
„Looking For The Preacher“ (schön swampig mit Harp) und das Molly Hatchet-infizierte „Gimme Gimme“ sind weiteres Quellwasser auf die Mühlen der Southern-Gilde. Kommen wir hier zu den Tracks, die nicht auf dem Gig gespielt worden sind:
Da wäre der schöne klassische Slow Blues „Coming In“, allerdings mit jam-artigem Finale, „You Got The Power“ ein kraftvoller Siebziger-Rocksong mit dezent psychedelischer Note, sowie das flockige „I Try“ ein wenig soulig angehaucht, ebenfalls wie das eingängige “ Wheels Are Turning“ ein wenig zuvor.
Die Coverversion von „Tennessee Whiskey“ als Finale ist in der eigenwilligen Scott Weis Band-Variante absolut klasse (deutlich E-Gitarren-orientierter), kann in Sachen Studiosong dem Original von Chris Stapleton nicht ganz das Wasser reichen (siehe meine Anmerkung oben), da erzeugt die countryeskere Geschichte einfach diese unweigerliche Gänsehaut.
Am Ende erhält man mit „XX“ eine raue, ehrliche Scheibe auf hohem Niveau, die von der Machart her an die guten Analog-Zeiten der Siebziger Jahre erinnert und einmal mehr die herausragende Spielfreude der Scott Weis Band untermauert. Und wer es dann noch eine Stufe wilder haben möchte, muss dann einfach die hier noch ausstehenden Konzerte besuchen!
Eigenproduktion (2025) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. My My Love 02. Looking For The Preacher 03. Stand 04. Coming In 05. Gimme Gimme 06. White Crow 07. Wheels Are Turning 08. Promise Land 09. You Got The Power 10. I Try 11. Tennessee Whiskey
Schade, schade. Es scheint sich immer noch nicht genug herumgesprochen zu haben, dass es abseits der inflationär auftretenden, üblichen Verdächtigen, auch noch jede Menge anderer Musik im Blues Rock-Genre gibt, die man mal live erlebt haben sollte.
So fanden sich auch diesmal wieder nur gut 40 Leute im Dortmunder Blue Notez Club zur Scott Weis Band ein, obwohl das Trio bereits zwei Jahre zuvor einen grandiosen Gig an gleicher Stelle und demnach eine exzellente Visitenkarte abgeliefert hatte.
Das Schöne an der Band aus Pennsylvania ist, dass sie neben ihres sympathischen Erscheinungsbildes auch mit absoluten Könnern durchsetzt ist und zudem jede Menge Southern Rock (und mehr) im Blut zu haben scheint.
Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens hatten Scott & Co. ihre neue Studio CD „XX“ mit im Gepäck, die auch fast durchgängig im Konzert vorgestellt wurde (Besprechung demnächst ebenfalls im SoS). Es wurde wieder in zwei Sets performt.
Die erste Hälfte stand ganz klar im Zeichen von „XX“. Mit „My My Love“, „Looking For The Preacher“, „Stand“, „White Crow“ und „Gimme Gimme“ gab es sofort ein Fünfer-Pack vom neuen Album, mit der nachfolgenden Killerversion von „Have You Ever Loved A Woman“ (Scott mit Harp- und E-Gitarren-Parallelspiel) wurde dann eine Coverphase mit Tracks wie Chris Stapletons „Tennessee Whiskey“ (auch auf XX als Studioversion), „Just Got Paid“/“Jesus Left Chicago“ und „With A Little Help From My Friends“, jeweils mit eigenem SWB-Stempel, eingeläutet.
Zwischendurch wurden noch „Helpless“ und das flockige „Wheels Are Turning“ (auch von „XX“) eingeschoben.
Der zweite Durchgang begann mit einem Akustik-Set, bei dem Robert Kopec vom E-Bass-Sechssaiter zum imposanten Contrabass wechselte. Als Einstieg gab es erstmal mit „Born Again“ einen herrlichen Ohrwurm. „Simmer Me Down“ mit dezentem JJ_Cale-Flair (inklusiv Harp-Solo) zündete auch in der zurückgenommenen Variante.
Dann folgte der große Solo-Auftritt von Robert Kopec. Nach einem psychedelischen Intro folgte eine Lehrstunde an klassischer Streichermusik, hier am Contrabass. Keine Ahnung wie man das benennt, was folgte, ich bin als typischer und bekennender Kulturbanause die falsche Person.
Sonate, Arie, Requiem, absolut keine Ahnung, wie da der Fachbegriff aussieht. Mein früherer Nachbar, ein ehemaliger Rechtsanwalt, seit ungefähr fünf Jahren verstorben (Gott hab ihn selig), der regelmäßig unser Haus mit dieser Musik lautstark nachts um halb Zwei zu beglücken gedachte, wenn er sturztrunken nach Hause getorkelt kam, hätte da sicherlich kompetent Auskunft geben können, aber am Ende waren Stress, Alimente sowie exzessiver Alkohol-. und Zigaretten-Konsum irgendwann zu viel des Guten… An diesem Abend eine gelungene kurzweilige und extravagante Showeinlage im E-Gitarrenlastigen Blues Rock-Ambiente.
Klasse fand ich die gelungene Balance zwischen ruhigeren Stücken und dann wieder straight rockenden und groovenden Tracks, bei denen sich der Leader mit seiner tollen anpassungsfähigen Stimme und zum Teil Schwindel erregenden Soli auszeichnete.
Mit Stücken wie u. a. „Pride And Soul“, „All Over Again“, meinem Lieblingsstück des Abends, „When Something Is Wrong With My Baby“ (herrliche Ballade mit grandiosen E-Soli), „Raise Your Hands“ (Southern Rock pur), „Right Where It Belongs“, „Promise Land“ (wieder von „XX“) und „Little Child“ (inklusiv Drum-Solo von Roger Voss und spacigem E-Bass-Solo von Kopec), war auch die zweite Hälfte ein absoluter Kracher.
Die eigeforderte Zugabe wurde wieder, wie vor zwei Jahren, mit dem launigen „Angelina“ erfüllt, der Unterschied war diesmal die ausschließlich männliche Präsenz auf der Bühne bei der Harmoniegesangsinteraktion. Am Ende gab es noch das obligatorische Bild mit unserem SoS-Schild, netten Smalltalk und das Zeichnen der neuen CD.
Ein Zuschauer (alles andere als gottesfürchtig aussehend) neben mir sagte, dass er sich innerlich beim lieben Gott bedankte, dass er ihn zu diesem Konzertabend bewogen hatte. Ich denke, damit pst alles zum furiosen Auftreten der Scott Weis Band gesagt.
Line-up: Scott Weis (lead vocals, electric guitar, harp) Robert Kopec (E-bass, contra bass, bgv) Roger Voss (drums, bgv)
Hatte ich die süddeutsche Blues Rock-Formation bereits im Vorjahr angesichts ihres Albums „Can’t Kill Me Twice“ bereits zurecht über den ‚grünen Klee‘ gelobt, steht die Tage mit „Make A Change“ direkt schon der dritte Silberling in den Startlöchern.
Und, um es vorweg zu nehmen, wieder begeistert das Quartett, bestehend aus Joe Fischer (lead vocals, keys, cigar box guitar, bluesharp), Tom Vela (guitars, vocals), Jürgen Schneckenburger (drums & percussion) und Willi Macht (bass, voc) mit einem Longplayer, der keinen Vergleich auf höchster internationaler Ebene zu scheuen braucht.
Der Title Track „Make A Change“, demnach als Centersong genau in der Mitte des Werkes platziert, ein toller atmosphärischer (Southern) Blues Rock-Song mit leicht allmanesken Zügen (typische Gregg-Hammond), suggeriert vielleicht rein namentlich eine komplette Richtungsänderung. Die bietet die neue Scheibe – warum auch – aus meiner Sicht eher nicht, hier gilt für meine Begriffe eher ‚Never change a winning team‘.
Denn die Mixtur aus Blues- und Southern Rock, etwas klassischem Rock, samt einiger Stücke mit Ohrwurm-Charakter (die wunderbare Single „Easy To Hurt“ und das ein wenig an Robert Crays „Strong Persuader“ erinnernde „Rent A Heart“), folgt in der Grundstruktur dem tollen Vorgänger, wirkt sogar noch ausgereifter.
Allein der Doppelpack mit den launigen „Another Reason“ würde mit den klimprigen HT-Keys auf jedes Lynyrd Skynyrd-Album aus der Johnny Van Zant-Ära passen) und „Bad Boogie Woman“ (mit klassischer ZZ Top-Hook) – beide Lieder handeln von bösen Mädchen – sind eindeutiger Boogie-Stoff für die Southern Rock-Fraktion.
Während die Rhythmusabteilung gekonnt ihren Job erledigt, setzen Tom Vela mit herrlichen E-Gitarrenvariationen und mein (deutscher) ‚Lieblingsänger‘ Joe Fischer mit seiner so undeutsch klingenden Stimme die entscheidenden Akzente. Letztgenannter offenbart auch an den Keys, seine Fähigkeit den einzelnen Tracks das gewisse Zusatzetwas zu vermitteln.
„Get It Gome“ mit dem furiosen Orgelfinale dürfte der Deep Purple-Gemeinde zusagen, das soulig groovende „Two Hearts“ macht richtig Laune, das trockene „Over Jordan“ besticht durch seinen spröden Tony Joe White-Charme.
Zuletzt sind dann da noch die zwei tollen Slowbluese: „Greenland Shark“ mit eher traditioneller claptonesker Note und das herrliche Finale „Storm Will Come“ eher hymnisch mit Gary Moore-Esprit (à la „Still Got The Blues“).
Blue Deal haben sich mit „Make A Change“ nochmals übertroffen. Mit diesem herrlich abwechslungsreichen Album rücken sie den Blues Rock aus Deutschland (erneut) ins schillernde internationale Rampenlicht. Grandioser Southern Black Forest Blues Rock! Kaufen!
Dixiefrog Records – Redeye/Bertus (2025) Stil: (Blues) Rock & More
Tracks: 01. Another Reason 02. Bad Boogie Woman 03. Easy To Hurt 04. Get It Gone 05. Hell Valley 06. Make A Change 07. Greenland Shark 08. Two Hearts 09. Over Jordan 10. Rent A Heart 11. Storm Will Come
Sean Chambers bringt den Blues in die Krefelder Kulturrampe. Als musikalische Begleiter hat er die Savoy Brown-Rhythm-Section dabei, dass es nicht verwunderlich ist, dass das Konzert die Musikfans in der anständig gefüllten Kulturrampe mitreißt.
Pat deSalvo am Bass und Garnet Grimm am Bass legen mit einer spielerischen Leichtigkeit eine Grundlage, die Sean Chambers alle Möglichkeiten gibt, sich mit seinen Gitarren auszutoben. Dabei zeigt er eine enorme Flexibilität, die von filigranem Spiel bei slow Blues bis hin zu brachialen Riffs bei Blues mit hard rockiger Nähe geht.
Seine kraftvolle Stimme, die oft gesanglich von seiner Band unterstützt wird, sorgt für einen vollen Sound, der in der Rampe bestens abgemischt und transparent rüberkommt.
In etwa 120 schweißtreibenden Minuten setzt Chambers die Tradition von Bands wie Savoy Brown, aber auch von Musikern vom Schlage eines Rory Gallagher fort, dass man sich keine Sorgen um handgemachte Blues-Musik machen muss.
Die Nähe der Fans in der Kulturrampe sorgt auch für ein besonderes Feeling, was die Musiker auch an diesem Abend sichtlich genießen. Umso wichtiger ist es die kleinen Clubs, die zu moderaten Preisen Konzerte anbieten, dass solche Erlebnisse überhaupt möglich sind.
Line-up: Sean Chambers (lead vocals & guitar) Pat DeSalvo (bass & vocals) Garnet Grimm (drums & vocals)
Wenn ich im Rahmen unseres bald erfolgenden 10-jährigen Jubiläums darüber sinnieren werde, welche die schönsten Locations waren, die wir im Laufe der Zeit bei den unzähligen Konzertbesuchen kennengelernt haben, wird sicherlich das Luxor Live in Arnheim mit ganz oben in der Spitzengruppe vertreten sein.
Den Anlass, dieses wunderschöne Konzerthaus mit einem kleinen und großen Saal aufzusuchen, bot diesmal die aufstrebende Blues-Rockerin Joanne Shaw Taylor, die wiederum mit ihrem hervorragenden Album „Black & Gold„, das vor geraumer Zeit erschienen ist und sich vermutlich ebenfalls in den Top-3 meiner diesjährigen Lieblingswerke wiederfinden wird.
„Black & Gold wird jetzt im Rahmen einer kleineren Europa-Tournee von der Protagonistin mit ihrer starken Begleitband promotet und da wollten wir dann die Gelegenheit nutzen, zumal Termine in unseren Sphären in 2025 nicht mehr vorgesehen sind. Die Akkreditierung verlief dankenswerter Weise gewohnt unkompliziert.
Joanne hat sich nicht nur in den bluesbegeisterten Niederlanden mit kontinuierlich starker Arbeit ein enormes Standing erarbeitet (die Zusammenarbeit mit dem Joe Bonamassa-‚Dunstkreis‘ tat da sicherlich auch noch ihr Übriges) und durfte sich über einen überaus gut gefüllten ‚Grote Zaal‘ freuen.
Überpünklich (sogar ein wenig vor der avisierten Anfangszeit) stieg sie und ihre Begleitcombo zu einem „Gimme Shelter“-Einspieler mit dem Schunkler „Stop Messsin‘ Around“ in den Gig hinein, wo mir direkt das klimprige HT-Pianospiel ihres Keyboarders zusagte.
Ja, es sollte im weiteren Verlauf eine ‚Hell Of A Good Time“ werden, eingeläutet mit diesem herrlich rockigen Track von der neuen CD. „“Sweet Lil‘ Lies“ und die Huldigung der Texas Rocker The Fabulous Thunderbirds mit dem Schunkler „Two Time My Lovin“ hielten die Pace hoch.
Schon zu diesem Zeitpunkt gefiel mir das songdienliche Zuspiel ihres Zweitgitarristen, der sich in den Dienst seiner ‚Chefin‘ stellte, aber mit seiner gestenreichen Präsenz, allerdings auch ein paar Slides und Soli zu glänzen wusste. Irgendwie ein lustiger Typ.
Dezent psychedelisch wurde es mit „Dyin To Know“, den ersten Höhepunkt bildete „Wicked Soul“ mit einem Taylor-‚Leise‘-Bridge, das dann in ein furioses dynamisches Ende (mit gesamter Bandbeteiligung) mündete. Zum kurzen Durchatmen folgte mit „Grayer Shade Of Blue“ einer der Ohrwürmer des neuen Silberlings, aber sofort wieder weggefegt vom hammerharten „Look What I’ve Become“, ebenfalls auf „Black & Gold“ vertreten.
Dass Joanne nicht nur fingerfertig Gitarre spielen , sondern auch klasse und variabel singen kann, offenbarte die tolle Version des Gershwin-Klassikers „Summertime“. Dem launigen, shaky-mäßigen „Wanna Be My Lover“ folgte mit Wild Is The Wind“ ein weiteres Cover (Johnny Mathis). Hier wechselte sie von ihrer geliebten Telecaster erstmals zur Gibson Les Paul, überließ aber bis auf ein Solo weitestgehend ihrem Counterpart das Führungsspiel.
„Black Magic“ (Slide, Organsolo) läutete schon die Schlussphase ein, „Watch ‚Em Burn“ bildete mit einem dynamischen Finish (Joanne wieder mit der Les Paul) das Ende des Hauptteils. Die fällige Zugabe „Change Of Heart“ gefiel mir dann aufgrund der melodischen Heartland-Note ebenfalls richtig gut.
Ein tolles Konzert mit Joanne Shaw Taylor, das die nicht immer so publikumsnahe Künstlerin in einem viel lockeren Licht erscheinen ließ, als ich sie früher schon mal erlebt hatte. Mit dem tollen Album „Black & Gold“ im Rücken und dieser tollen Live-Show (nicht zuletzt auch dank ihrer perfekt harmonierenden Begleitcombo) macht sie einen weiteren Schritt in Richtung Spitze der zeitgenössischen Blues Rock-Szene.
Die Besucher der nächsten Gigs auf unserem europäischen Kontinent in Leipzig, Torgau, Berlin, Mainz und London dürfen sich freuen.
Line-up: Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar) Shane Sanders (electric guitar, vocals) Katelynn Corll (drums, vocals) Christopher Alexander (bass, vocals) Ty Baile (keys)
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