Curse Of Lono – As I Fell – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Eine musikalische Stilrichtung zu etablieren und diese selbstbewusst als eine Art Markenzeichen zu installieren, das versuchte die nach dem Kultbuch von Hunter S. Thompson benannte Band „Curse Of Lono“ bereits mit ihrem Debütalbum „Severed“ aus dem vergangenen Jahr. Den als „Cinematic Alternative Gothic Rock“ bezeichneten Musikstil in Form eines Alleinstellungsmerkmals zu entwickeln, haben die fünf Musiker aus Großbritannien nun großartig weiterverfolgt.

Mit ihrem zweiten Werk „As I Fell“ legen sie jetzt erneut einen starken Longplayer nach, der melodischen Rock mit bisweilen Country-Folk angehauchten Elementen verbindet und psychedelisch beeinflusste Passagen in ein melancholisches Sound-Kunstwerk aufgehen lässt.

Schon das erste Stück „Valentine“, mit starkem Vocal-Part und Gitarreneinlage verfolgt diesen eingeschlagenen Weg, der mit „Way To Mars“ nahezu fünf Minuten lang im Mid-Tempo-Rhythmus und klarer Gesangsstimme fortgesetzt wird. Singer-Songwriter Felix Bechtolsheimer ist als Frontmann von Curse Of Lono dabei für sämtliche Songs verantwortlich und vermittelt die erforderliche Glaubwürdigkeit seiner Texte in klarer Sprache, überzeugend und intensiv.

Die Ballade „Kathleen“ hätte dabei ebenso Leonard Cohen oder Nick Cave alle Ehre gemacht und windet sich sechs Minuten lang nachhaltig in den Gehörgang. Überhaupt sind persönliche Geschichten und sich wiederholender, mehrstimmiger Refrain-Gesang stilprägend für die Songs, die bei „Tell Me About Your Love“ und „As I Fell“ weiche und feinfühlige Folk-Country-Beziehungen nicht verheimlichen können. Das Titelstück der CD sucht sogar die Verknüpfung zu dunklen Country Blues-Melodien, wie z. B. beim Klassiker „Ghost Riders In The Sky“ aus den 1940er Jahren.

Der etwas härtere Sound von „Blackout Fever“ und „The Affair“ erinnert hingegen eher an den Velvet Underground Mitbegründer Lou Reed, der einen vergleichbar innovativen musikalischen Erfindungsreichtum vorweisen konnte. Über das dichte Gitarrengewitter auf „Leuven“ geht das Album schließlich eindrucksvoll zu Ende, mit dem verblüffenden Outro aus dem Heimatfilm „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“.

In der detailreichen YouTube-Doku „Somewhere In Their Heads“, über die Studioarbeit an der Platte, kann im Übrigen die vollständige Entstehung des Albums mitverfolgt werden. Die Spannweite dieser englisch-amerikanischen Produktion zeigen Artverwandte, wie die Alternative Rock Pioniere von Wilco, die US-Combos War On Drugs und Sons Of Bill, die Country-Folker Cowboy Junkies, aber auch der englische Gitarrist Chris Isaak.

Auf „As I Fell“ erwartet man in jedem Song eine neue metaphorisch verpackte und zum Teil philosophische Lebensweisheit von Mastermind Felix Bechtolsheimer, der dem Album durch sein durchdachtes und persönliches Songwriting eine dylanhafte Wirkung verleiht. Damit dürfte die Platte in diesem Jahr zurecht ein heißer Anwärter auf Auszeichnungen in der Americana- oder Alternative Rock Sparte sein.

Submarine Cat Records (2018)
Stil: Americana, Alternative Rock, Cinematic Rock

Tracklist:
01. Valentine
02. Way To Mars
03. And It Shows
04. I’d Start a War For You
05. Kathleen
06. Blackout Fever
07. Tell Me About Your Love
08. As I Fell
09. The Affair
10. No Trouble
11. Leuven

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Brooke Lynn Promotion

Sons Of Bill – Oh God Ma’am – CD-Review

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Die musikalische Karriere von James Wilson, Sänger und Gitarrist der in Virginia beheimateten Band Sons Of Bill, war im vergangenen Sommer nach einer Handverletzung akut gefährdet. Aber zum Glück konnte er das ‚Handicap‘ gut auskurieren und damit auch die Erfolgsgeschichte der Band fortsetzen. Jetzt führen sie auf ihrem fünften Studioalbum das weiter, was The War On Drugs auf „A Deeper Understanding“ im letzten Jahr begonnen haben: eingängigen, melancholischen 80er Rock!

Aufgenommen in zwei Musikhauptstädten der USA: Seattle, „Quelle“ des Grunge und in der Country-Hochburg Nashville, haben sie sich mit Phil Ek (u.a. Fleet Foxes), Peter Katis (u.a. The National) und Sean Sullivan (u.a. Sturgil Simpson), erfahrene Produzenten an die Seite geholt. Auf dieser Platte entfernen sich die Virginia-Boys deutlich von den früheren Americana-Rock Klängen und flirten mit entspanntem Indie/Alternative Rock bis hin zu sphärischem Dream Pop und Ambient.

Sie selbst beschreiben den neuen Sound als Cinematic-Rock. Vergleichbar sind hier z.B. The Shins oder auch das aktuelle Jonathan Wilson (nicht verwandt mit den Bandmitgliedern!) Album „Rare Birds“.

Mittlerweile sind sie aus ihrer unbekümmerten Jugendphase rausgewachsen und legen ein reifes Werk vor, wie auch James Wilson anmerkt: „Wir hatten alle die Unschuld der Jugend verloren, jeder auf seine Weise, und in vielerlei Hinsicht ist diese Unschuld ein essentieller Teil davon, überhaupt in einer Band zu sein. Zu viel Realität ist der Tod für eine bestimmte Art der Kunst – besonders für Rockmusik.

Sie braucht eine gewisse infantile Grandiosität, den Mut zu ihren Illusionen und Träumen. Deshalb lieben wir sie ja so, und deshalb wird es immer schwieriger lebendige Musik zu schreiben, wenn man älter wird und die fiesen Nichtigkeiten des Alltags dir immer mehr den Blick versperren.“ Diese Lebenserfahrung mit leidenschaftlicher Begeisterung in ihren Songs zu verarbeiten, haben Sons Of Bill durchgehalten.

Der bittersüße Opener „Sweeter, Sadder, Farther Away“, das wunderschöne Duett „Easier“ mit der US-Amerikanischen Sängerin Molly Pardon oder das spärlich ausgestaltete „Old And Gray“, verdeutlichen diesen „Imagewandel“. Mit „Believer/Pretender“ gelingt der Band um die drei Wilson-Brüder, Bassist Seth Green und Drummer Todd Wellons eines der Lieder des Jahres, das durch seinen eindringlichen und anziehend-hypnotischen Rhythmus in jedem Jahrespoll einen Platz verdient hätte. Es sind die sehnsüchtigen Töne, die sie in „Firebird ʹ85“ oder „Where We Stand“ anschlagen und die den Longplayer so zu einem Hörerlebnis machen.

Nach dem starken Americana-Album „Love & Logic“ kommt mit Oh „God Maʹam“ ein gleichwertiger Nachfolger, voller Ideenreichtum. Der Stilwechsel vom unbeschwerten Heartland-Country-/Roots-Rock zu tiefgründigen Songs wurde perfekt gemeistert. So können die Sons Of Bill gerne weitermachen!

Loose Music (2018)
Stil: Alternative Rock

01. Sweeter, Sadder, Farther Away
02. Firebird ʹ85
03. Believer/Pretender
04. Easier (feat. Molly Pardon)
05. Where We Stand
06. Good Mourning (They Canʹt Break You Now)
07. Before The Fall
08. Green To Blue
09. Old and Gray
10. Signal Fade

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Oktober Promotion

The Drugstore Gypsies – Same – CD-Review

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Klasse Debüt einer jungen Band aus Texas namens The Drugstore Gypsies. Das Quintett, bestehend aus Duke Ryan (lead vocals), Dillan Dostal (guitars, vocals), John Wilson (Hammond organ, guitar, vocals) sowie der Rhythmusfraktion Korey Davis (bass, vocals) und Rey Chapa (drums, percussion, vocals), hat sich dabei geradlinigem kraftvollen Rock verschrieben, der auf klassischen Strukturen basiert und mit den beliebten Ingredienzien ihrer Heimat wie Southern Rock, Country, Blues oder auch Americana-Tupfern verifiziert wird.

Der Sound ist schön vollmundig und druckvoll, und wird vornehmlich dominiert von kernigen Gitarren sowie bei dem ein oder anderen Song zusätzlich „erhitzt“ durch eine punktgenau eingesetzte, aber nie zu dominant wirkende Horn-Section. Sehr stark wirkt der prächtig aufspielende Lead Gitarrist Dillan Dostal, der immer wieder mit rauen, dreckigen Soli, auch Slide, daherkommt. Das Songmaterial ist durchweg exzellent und besticht mit einer vorzüglichen Melodik.

Die Jungs, die in letzter Zeit über 200 Gigs zusammen absolviert haben, beginnen ihr zehn Stücke umfassendes Erst-Werk mit dem Titelsong „The Drugstore Gypsy“, einem krachenden Rocker über das teilweise chaotische Flair in ihrem Tourleben, im Stile der Georgia Satellites/Black Crowes (herrlich raunzendes Slide-Intro), der dazu von der zünftig plusternden Bläsersection (Travis Cielieski – trumpet, Tyler Summer- saxophone) Unterstützung erhält. Gleiches gilt für die beiden weiteren Tracks wie das  launige „Breakin‘ The Law“ (erinnert ein wenig an „The Long Run“ von den Eagles) und den shuffligen Midtempo-Rocker „Live The Life“ (hallende Orgel, quirliges E-Solo in Skynyrd-Manier).

Beste Beispiele für ihr euphorisches Auftreten und ihre unbändig erscheinende Energie sind Lieder wie ihre knackige Hommage an eine berühmte Whisky-Sorte aus dem Staate Tennessee mit „Black Label Boogie“(knarzige E-Gitarre, gurgelnde Hammond, deftig polternde Drums), das sich schon fast in Motörhead-Sphären befindliche, aggressiv dahingeschmetterte „Show Up Show Down“ (fast wie Lemmy auf einem Südstaaten-Trip) oder das von einem, an AC/DC reminszierenden E-Gitarren-Lick getragene „Bayou Got The Best Of Me“ (tolles Slide-Solo vom stark auftrumpfenden Dillan Dostal).

Die für ihr noch junges Bestehen (seit 2014) bereits sehr variabel und abgeklärt wirkende Texas-Combo, komplettiert ihre Vielseitigkeit mit dem bluesig-progressiven, wie auf Samtpfoten daherschleichenden „Kitty Strut Blues“ (man assoziiert unweigerlich Songs wie Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“ oder Blackberry Smokes „The Whippoorwill“) und Americana-umwehten Kleinoden der Marke „Runnin‘ To“ (heulende Orgel, Tom Petty-Touch), dem melodischen Ohrwurm „Keep You Rollin‘ On“ oder dem zurückgenommene, in musikalisch warmen Pastelltönen gezeichneten Finale „Indian Summer“, das besonders Duke Ryans wandlungsreichen Gesang in den Fokus rückt.

Fazit: Ein tolles, vor Energie nur so strotzendes Debüt einer jungen und äußerst hungrig wirkenden texanischen Band, die sicherlich noch einiges vor hat. Anzumerken ist dabei ihr spielerisches als auch schon kompositorisches Talent (alles Eigenkreationen). Wie heißt es in einem amerikanischen Review so treffend: „…they sing about rolling your windows down and letting the good times roll. The Drugstore Gypsies is the ideal album to do just that.“ Wir meinen schlichtweg: Genauso ist es! Ein absolut tolles, mächtig Laune machendes Debüt der Drugstore Gypsies!

Edgewater Music Group (2017)
Stil: Red Dirt / Country Rock

01. Drugstore Gypsy
02. Runnin‘ To
03. Black Label Boogie
04. Breakin‘ The Law
05. Kitty Strut Blues
06. Show Up Show Down
07. Live The Live
08. Bayou Got The Best Of Me
09. Keep You Rollin‘ On
10. Indian Summer

The Drugstore Gypsies
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Bärchen Records