Cruzados – She’s … Automatic! – CD-Review

Review: Michael Segets

Ende der 1980er, als CDs noch auf dem Vormarsch waren, erstand ich den ersten selbstbetitelten Longplayer (1985) der Cruzados auf dem Wühltisch. Die Band war mir völlig unbekannt und ich griff auf gut Glück zu. Am nächsten Tag war ich wieder im Laden und staubte die zweite Scheibe „After Dark“ (1987) zum Sonderpreis ab. Dies war der wesentliche Output der Truppe, die sich auflöste als Frontmann Tito Larriva mit Tito & Tarantula eine neue Band gründete, die Mitte der 1990er nicht zuletzt durch die Mitwirkung an dem Film „From Dust Till Dawn“ größere Bekanntheit erlangte.

Etwa zu dieser Zeit drehten sich auch die beiden Cruzados-Alben das letzte Mal in meinem Player. Erst als ich durch die Konzertankündigung der Kulturrampe darauf aufmerksam wurde, dass die Band tourt, griff ich wieder ins Regal holte die alten CDs hervor und besorgte mir das neue Album.

Treibende Kraft hinter der Reanimation der Cruzados ist Songwriter und Bassist Tony Marsico, der bereits mit Bob Dylan, Neil Young, Roger Daltrey, Marianne Faithfull und Willie Nelson zusammenarbeitete. Als einziges Mitglied des ursprünglichen Quartetts suchte er Mitstreiter, mit denen er den Geist der Cruzados wieder aufleben lassen konnte. Fündig wurde er als neuen Sänger bei Ron Young von Little Caesar, der seine Gitarristen Loren Molinare und Mark Tremalgia sowie den Schlagzeuger Rob Klonel mitbrachte.

Marsico empfand das frühzeitige Ende der Cruzdados immer schon als unbefriedigend und möchte das neue Album als Reminiszenz an die beiden verstorbenen Ur-Cruzados Marshall Rohner und Chalo Quintana verstanden wissen. Das Projekt unterstützten auch andere Musiker aus der LA-Szene. So sind als Gäste unter anderem David Hidalgo und Steve Berlin von Los Lobos oder auch Dave Alvin dabei.

“She’s … Automatic!” ist eine Scheibe geworden, die von vorne bis hinten rockt, einzig unterbrochen durch die mittig platzierte Ballade „Sad Sadie“. Straight forward gehen neben dem Titeltrack auch der Opener „On The Tilt A Whirl“ und „Wing And A Prayer“. Klasse gitarrengetriebenen Rock bieten „54 Knockouts“ sowie das staubige „Nine Million Tears“. Daneben finden sich der Boogie „Let Me Down“ und das Southern-Flair versprühende „Across This Ghost Town“. In Richtung Bluesrock gehen „Son Of The Blues“, „Long Black Car“ ebenfalls wie das abschließende „Rock That Boat“.

Tony Marsico als einziges Bandmitglied der Urbesetzung lässt die Cruzados wieder auferstehen. Mit Ron Young als neuem Frontmann liefert die Band eine Scheibe ab, die ein hohes Tempo geht. Ehrlicher, handgemachter Rock, der ohne Schnörkel die Songs auf den Punkt bringt, stehen auf dem Programm. Die aktuellen Auftritte, mit denen „She’s … Automatic!” promotet wird, versprechen Highlights in der nun wieder anlaufenden Konzertsaison zu werden.

Deko Entertainment/Cargo (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. On The tilt A Whirl
02. Across This Ghost Town
03. Nine Million Tears
04. She’s Automatic
05. Son Of The Blues
06. Sad Sadie
07. Long Black Car
08. Let Me Down
09. Wing And A Prayer
10. 54 Knockouts
11. Rock That Boat

Cruzados
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Kris Barras Band – Death Valley Paradise – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In wenigen Jahren hat es der UK-Gitarrist und Sänger Kris Barras mit seiner Band geschafft, die Fan-Szene zu überzeugen und vom aufstrebenden Newcomer zum Metal-Blues-Rock-Schwergewicht aufzusteigen. Nach dem erfolgreichen Longplayer „Light It Up“ (2019) folgt nun mit „Death Valley Paradise“, ein 11 Track-Album und die Fortsetzung seines offensiven High-Voltage Blues-Rock Sounds.

Los geht’s schweißtreibend und krachend mit „Dead Horses“, der ersten Single, die ihre lautstarke Dynamik als Aufreißersong mühelos an „Long Gone“ weiterreicht. Der zweite Song kann so in der Folge die angebotene „Tourenzahl“ mit seiner massiven Rhythmus-Energie aufnehmen, spielerisch überzeugen und den Volume-Regler aufdrehen, unterstützt von den ausgeprägten Barras-Vocals, die an manchen Stellen etwas Bon Jovi-like rüberkommen. Mit einem riesigen Refrain-Chorus beginnt „My Parade“, ein kerniger foot-stomping Riff begleitet den Power-Track, der sein Live-Potenzial bereits in der Studio-Ausgabe garantiert und von dem man bei der am 08.03. beginnenden UK-Headliner-Tour der Band ein absolutes Power Play erwarten kann.

Um diese Wirkung seiner Stücke weiterzuentwickeln hatte Kris Barras in den vergangenen 2 Jahren eine Reihe von Co-Writing Sessions mit renommierten Songwritern. So waren u.a. Zac Maloy (z. B. Shinedown), Blair Daly (z. B. Black Stone Cherry), Bob Marlette (z.B. Alice Cooper) und Dan Weller (z.B. Enter Shikari, Monster Track), der letzte auch als Produzent, beim Entstehen von „Death Valley Paradise“ beteiligt. Sie besorgten der Scheibe „some different outlooks“, wie Kris Barras einräumt.

Der Einfluss etwas unterschiedlicher Handschriften verhilft dem Album gegenüber den bisherigen Longplayern zu noch mehr Intensität beim Listening. Auch die dritte Auskoppelung „These Voices“ transferiert ihre Eigenschaften als ein Aushängeschild des neuen Albums, das insgesamt in den eingängigen Refrain-Lyrics seiner Tracks zusätzliche Stärken aufweist und mit „Who Needs Enemies“ und „Devil You Know“ erneut gleich zwei treibende Hard Rock-Nummern hintereinander los jagt. Dass Kris Barras seine Gitarrenkünste enorm ausgeweitet hat, ist dabei ebenso unüberhörbar, wie seine offenbare Fighter-Qualität als Frontman und Sänger.

Weil er in dieser Konstellation ebenso eindrucksvoll auch seine etwas melancholische Seite zeigt, haben „Wake Me When It’s Over“ und „Bury Me“ bereits den besagten Bon Jovi-Touch. Gleichzeitig wird mit den Songs „Hostage“, sowie „Cigarettes And Gasoline“ Barras starker Metal-Guitar-Sound wieder in den Vordergrund der ganzen Produktion gestellt. Seine Vocals beherrschen einfach unverkennbar die Bandleader-Position, wie im totalen Abschluss-Track „Chaos“, der auf die „Bühnentaufe“ geradezu hinarbeitet.

„Death Valley Paradise“ ist das bisher beste Heavy-Blues-Rock Album von Kris Barras. Seine Songs sind hervorragend arrangiert und haben durch die verschiedenen Kooperationen erheblich an Intensität gewonnen. Barras sagt selbst deutlich: „This is an album of no limitations.“ Die in UK vorgesehene Headliner-Tour wird mit diesem Album sicher auch über den „Kanal“ ausgeweitet.

Mascot Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Dead Horses
02. Long Gone
03. My Parade
04. These Voices
05. Who Needs Enemies
06. Devil You Know
07. Wake Me When It’s Over
08. Hostage
09. Cigarettes And Gasoline
10. Bury Me
11. Chaos

Kris Barras Band
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Grande Revival – Liberty Station – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Grande Revival ist amerikanische Westküsten-Newcomer Band, bestehend aus „Dirty“ Dave Osti und Craig Ericson (beide Gitarre und Gesang), Anthony James (Bass) sowie Cosmo Benz (Drums). Mit „Liberty Station“ legen die vier ihr Debutalbum auf Grooveyard Records vor, einem Indie-Label, das sich ganz und gar dem Old-School-Rock, inspiriert von den Gitarrengrößen der 70‘er Jahre, verschrieben hat, alles getreu dem Motto „Keep the rock alive“. Und damit ist auch klar, was der Hörer von dieser Scheibe erwarten darf: klassischen, bluesbasierten Hard Rock mit melodiösen Einflüssen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die zehn Songs des Albums sind ohne Wenn und Aber gute, rockige Hausmannskost, wie sie so oder so ähnlich vielfach, zumeist in den frühen 70‘ern, gespielt wurde. Besonders deutlich wird dies in dem straighten und energiegeladenen Opener „Scars On The Road“, an das sich das etwas ruhigere und melodiösere „She‘s My Angel“ mit schöner Old-School Leadgitarre anschließt. „Brave The Storm“ kommt dem Opener recht nahe, ist aber etwas ruhiger arrangiert und in dem leicht country-beeinflussten „Cabin In The Country“ blitzen immer wieder Slideelemente auf.

Der Titelsong „Liberty Station“ und „Gypsy Southern Highway“ besitzen einen balladesken Anstrich, auch wiederum eingebettet in den typischen 70‘er Jahre Gitarrensound. Mit „Heal The Hurt“ und „Good Time“ schließen sich dann zwei weitere fette Hard Rock-Stücke an und bei „Sweet Comfort Of Love“ kommen tatsächlich auch zarte Southern-Gefühle auf.

Zum guten Schluss endet das Album mit dem abwechslungsreichen Track „Big River Moon“. Der Song beginnt mit einem ruhigen Akustik-Part, entwickelt sich dann aber zu einem gemächlichen Hard Rock Song mit teilweise sphärisch klingender Gitarre im Mittelteil und endet schließlich wieder als ruhiges Akustikstück.

Zwar trifft Grande Revival mit ihrem neuen Album „Liberty Station“ nicht unbedingt die eigentliche Zielgruppe von Sounds Of South, dennoch ist die Scheibe nicht zuletzt durch die grundsolide Musikalität der vier Bandmitglieder eventuell auch für unsere Leserschaft interessant. Vielleicht ist ja auch noch der / die Eine oder Andere ein wenig mit dem Rocksound von vor 50 Jahren verhaftet. Dann kommen die zehn durchaus starken und teils auch bombastisch klingenden Songs der Scheibe sicherlich gut an.

Label: Grooveyard Records (2022)
Stil: Rock, Hard Rock

Tracks:
01. Scars On The Road
02. She‘s My Angel
03. Brave The Storm
04. Cabin In The Country
05. Liberty Station
06. Gypsy Southern Highway
07. Heal The Hurt
08. Good Time
09. Sweet Comfort Of Love
10. Big River Moon

Grande Revival bei Grooveyard Records

Hollis Brown – In The Aftermath – CD-Review

Review: Michael Segets

Fast 56 Jahre ist es her, dass The Rolling Stones „Aftermath“ veröffentlichten. Auf dem frühen Erfolg der Band befindet sich der Kulthit „Paint It Black“. In einer eintägigen Mammutsession spielte Hollis Brown das komplette Album Track-by-Track ein und gibt den Stücken dabei einen zeitgemäßen Sound. Während das Original noch tief den Hauch der Sixties atmet, erscheint „In The Aftermath“ als straigther Gitarrenrocker.

Unverkrampft wagt sich Hollis Brown zum Auftakt an „Paint It Black“. Kräftige Gitarren vor einem treibenden Schlagzeug, dessen besonders trockener Klang dem Titel nochmal eine Extraportion Energie mitgibt, lassen die Interpretation nicht hinter dem Original zurückstehen. Andrew Zehnal am Schlagzeug überzeugt durchgehend, so auch beim gerade heraus gespielten „Stupid Girl“. Nach dem ruhigeren „Lady Jane“, damals die zweite Single, folgt das nun vorab ausgekoppelte „Under My Thumb“. Hier nutzt Adam Bock an seinen Keys die Gelegenheit zu glänzen. Dieser Song knüpft mit seinen Anleihen am Garage-Sound an die ersten beiden an.

„Doncha Bother Me“ erinnert an den Rock’n Roll der frühen Ära vor allem durch die Gitarren, die etwas von Little Richard haben. Gelungen integriert sich hier eine schrille Mundharmonika, die auch den Schlusspunkt bei dem Titel setzt. Verhältnismäßig entspannt rockend schließt sich „Think“ an. Bei „Flight 505“ bleibt unverkennbar, dass Mick Jagger und Keith Richards die Gewährsmänner sind. Überraschend deutlich treten hingegen die Einflüsse des Country hervor, die auf „High And Dry“ zu hören sind – eine flotte, akustisch gehaltene Nummer mit viel Mundharmonika und lockerem Piano.

Mike Montali, der mit dem Gitarristen Jonathan Bonilla 2009 die Band gründete, singt „It’s Not Easy“ ziemlich cool. Das Stück hebt sich zudem durch den Backgroundgesang seiner Kollegen im Refrain von den anderen ab. Kurz vor dem Ende der Scheibe finden sich mit dem entspannten „I Am Waiting“ eine Verschnaufpause, bevor zum Abschluss das vom Blues infiltrierte „Goin‘ Home“ nochmal mächtig aufdreht. Über sieben Minuten entfacht Hollis Brown ein feuriges Finale, bei dem die Spielfreude des Quintetts aus New York, zu dem ebenfalls der noch nicht erwähnte Bassist Chris Urriola gehört, greifbar wird.

Mit „Hollis Brown Gets Loaded“ (2014) hatte sich die nach einem Song von Bob Dylan benannte Band bereits „Loaded” von The Velvet Underground als Coverprojekt vorgenommen, sodass man fast schon von einer Reihe sprechen kann. Hollis Brown interpretiert nun ein weiteres Werk, das sie musikalisch prägte. Vor diesem Background gelingt es den Männern um Montali und Bonilla eigene, kreative Longplayer auf die Beine zu stellen, wie ihr letztes Werk „Ozone Park“ beweist. Man darf also auf das nächste Lebenszeichen der Band gespannt sein.

Hollis Brown gibt dem Frühwerk der Rolling Stones „Aftermath“ einen erdigen, modernen Anstrich. Die elf Tracks des Originals werden frisch und unverkrampft abgearbeitet, sodass durch die Verjüngungskur der Klassiker zu einem neuen Hörerlebnis wird. Mit „In The Aftermath“ legt Hollis Brown eine eigenständige Rockscheibe vor, die ohne Nostalgie ihr Vorbild würdigt.

Für Stones-Fans sei noch auf die kürzlich erschienene Compilation von Lucinda WilliamsYour Are Cordially Invited … A Tribute To The Rolling Stones” hingewiesen. Über ihre Version von „Paint It Black“ kann im Vergleich mit der von Hollis Brown fachgesimpelt werden. Ansonsten gibt es keine Überschneidungen der Tracks.

Cool Green Recordings/Mascot Label Group (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. Paint It Black
02. Stupid Girl
03. Lady Jane
04. Under My Thumb
05. Doncha Bother Me
06. Think
07. Flight 505
08. High And Dry
09. It’s Not Easy
10. I Am Waiting
11. Goin’ Home

Hollis Bown
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Mascot Label Group

Jochen Volpert – Eight – CD-Review       

Review: Gernot Mangold

Jochen Volpert bringt mit „Eight“ ein Album auf den Markt, dass seine Songs bis ins kleinste Detail, perfekt arrangiert und mit hervorragend aufeinander abgestimmten Instrumente ins Licht setzt. Manche Nuancen werden dem Zuhörer dabei eventuell erst beim zweiten oder dritten Zuhören so richtig bewusst werden.

Bei den Songs verzichtet er vollständig auf Gesang, was vermutlich bei der Komplexität und der Songstruktur auch gut ist, sodass man sich ganz auf die Musik konzentrieren kann und nicht von einer überbordenden Stimme, von der spielerischen Finesse der Musiker abgelenkt ist.

Oft wird versucht, Musik einem bestimmten Genre zuzuordnen, was manchmal schwierig ist und auch auf Volperts Album „Eight“, der spielerischen Vielfalt nicht gerecht werden würde. Im Vordergrund steht bei den meisten Tracks das klare und virtuose Gitarrenspiel, untermalt von Keyboards und Bläsersegmenten.

Grundlage sind (bis auf die eher ruhigen Songs wie „Rollin“, das verträumt bluesig beginnende „Flow“ und das zuweilen meditativ wirkende „Flight“), tanzbare Bass- und Schlagzeugrhythmen. Was mit „I Am Too Funky“, wie es der Titel schon aussagt, groovig funkig beginnt und mit dem Part 2 auch so endet, hat dazwischen, neben den ruhigen Songs, auch solche, die eher dem breiten Begriff der Jazzmusik zuzuordnen sind.

Tricky ist dabei, wie der Anfang von „Your Guitar Is Too Loud“ Erinnerungen an den Beginn von Jimi Hendri’„Crosstown Traffic“ wach werden lässt, ohne dass der Verdacht besteht, hier würde ein alter Hit als Grundlage eines indirekten Covers genutzt, da sich Volpert hier schnell wieder auf eigene Wege begibt.

Schön auch, wie es ihm gelingt, den Zuhörer bei „Desert Rock’n Roll“ gedanklich mit einem leicht orientalischen Hauch, in die Weiten einer Wüste zu entführen.

Fazit: Volpert ist mit „Eight“ ein Album gelungen, das musikalisch und vom Arrangement her stark ist, aber auch vom Konsumenten angenommen werden muss: Der muss sich dabei vom Mainstream verabschieden und konzentriert zuhören, um die kleinen Feinheiten in den Songs auch orten zu können.

Das heißt jedoch nicht, dass man die Scheibe nicht auch als Hintergrundmusik laufen lassen kann. Allerdings würde dem Zuhörer dann der eigentliche Charme der Platte verborgen bleiben.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues/Jazz

Tracklist:
01. I Am Too Funky
02. Rolling
03. Desert Rock’n Roll
04. New Soul
05. Your Guitar Is Too Loud
06. Flow
07. The Telecaster Is In Town
08. Broken Rumba
09. Riot
10. Flight
11. In Between
12. Mr. King
13. I Am Too Funky – Part 2

Jochen Volpert
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The Richie Scholl Band – Same – CD-Review

Der aus Rockford, Queensland, Australien, stammende, seit 2007 in Nashville lebende Musiker Richie Scholl, hatte bereits auf seinem letzten Album „Southern“ keinen Hehl daraus gemacht, für welche Musik er eine große Vorliebe besitzt.

Seitdem ist allerdings schon eine geraume Zeit vergangen. Mittlerweile hat er mit Drummer Derek Smith (zum Teil hier auf dieser Scheibe mit wüsten Poltereinlagen) und dem umtriebigen Nashville-Bassisten Brian Powell (u. a.  Clint Black, Ashley McBryde, Zakk Wylde, Joe Diffie, Lee Brice) ein festes Trio gebildet und firmiert nun unter The Richie Scholl Band.

Richie hat alle Songs des neuen Debütwerks geschrieben und es zusammen mit Blake Padilla satt und klar produziert, letztgenannter steuerte auch ein paar dezente Keys und Backgroundvocals bei.

Scholl, der seine Wurzeln in AC/DC und den Black Crowes verankert sieht, überrascht mit einem überwiegend treibend zu Sache gehenden Rockalbum, wobei seine gewohnt starke Les Paul-E-Gitarrenarbeit, inklusiv diverser quirliger Soli, vielen Tracks eine spürbare südstaatliche Note verpasst.

Sehr deutlich wird das bereits bei den Openern „Taking Flight“ und „No Man’s Land“, die fast in Great White-Manier straight drauf los rocken und stampfen, aber durch Scholls Mittel- und Endsoli ein (Neu-) skynyrdsches Zusatzflair erhalten. 

Die kommerziellsten Avancen dürfte „Can’t Go Back“ besitzen, ein Song irgendwo zwischen Bon Jovi und 38 Special zu ihren mainstreamigeren Phasen.

Die „Psycho Sadie“ überrascht mit einer Molly Hatchet typischen-E-Hook und ein wenig Zak Daniels & The One Eyed Snake-Charakter.

An 38 Special und ZZ Top (Scholl mit einigen knarzigen Soli-Reminiszenzen an deren „Eliminator“-Werk) erinnern Tracks wie das shuffelnde „Monkey Show“, das texas-bluesige „Mama“ (Scholl hier mit quäkiger Harp als Soloergänzug zur E-Gitarre und Padilla mit schönen Orgelschwurbeleien) und der satte Boogie „The One I Want“ (könnte auf einer der ersten beiden Alben von 38 sein).

Hinter „G.G.C.G.“ verbergen sich die Lieblingspielzeuge des Mannes, nähmlich Guns, Girls, Cars und (old) Guitars, ein zünftiger Redneck-Rocker vom Kaliber „Kick It In The Sticks“ von Brantley Gilbert.

Für Liebhaber des southern-angehauchten Psychedelic Rocks hat Richie dann noch mit „Lockdown“ einen Led Zep-inspirierten Stomper mit starker E-Hook und erneut quirligem Solo in petto.

Folgerichtig für ein starkes Southern Rock-Werk kommt dann mit „Angel On My Shoulder“ das absolute Highlight des Werks am Schluss. Ein hymnisches E-Gitarrenintro (in Dann Huff-Manier), melancholischer Gesang, ein emotionaler Refrain zum Mitsingen, hallende Orgel, geile E-Soli – Southern Rock-Herz, was willst du mehr?

Die Richie Scholl Band überzeugt mit ihrem Debütwerk auf ganzer Linie. Wie Richie mir per Mail mitteilte, tourt das Trio zur Zeit in den Regionen der Staaten, die Pandemie-bedingt, kulturell nicht sanktioniert werden. Ich bin mir sicher, dass diese Band mit gestandenen Nashville-Musikern, sowohl in den CD-Playern der Southern Rock-Freunde bei uns, helle Freude auslösen wird, als auch live in den hiesigen Clubs (samt europäischem Umfeld) abräumen würde.

Mein lieber Scholli, verdammt gute Musik!

Line-up:

Richie Scholl: Lead Vocals, guitars, harmonica
Derek Smith : Drums
Brian Powell: Bass, Background vocals
Blake Padilla: Keys, Background vocals

Eigenproduktion (2022)
Stil: Rock / Southern Rock

01. Taking Flight
02. No Man’s Land
03. Can’t Go Back
04. Psycho Sadie
05. Monkey Show
06. Mama
07. The One I Want
08. G.G.C.G.
09. Lockdown
10. Angel On My Shoulder

The Richie Scholl Band
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Neil Young & Crazy Horse – Barn – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Für das neue Album „Barn“ hat Neil Young seine langjährigen Weggefährten von Crazy Horse eingefangen. Wenn man bedenkt, dass Young 1969, also vor 52 Jahren erstmals mit der Band auftrat, wird einem vor Augen geführt, wie lange die Karriere des kanadischen Amerikaners mittlerweile andauert.

Wie schon das Debütalbum erscheint das aktuelle Werk bei Reprise Records und auch seine Begleitband Crazy Horse umweht noch das Flair der Anfangszeiten. Dass Nils Lofgren dabei den langjährigen Gitarristen Frank „Poncho“ Sampedro, der gesundheitlich bedingt nicht mehr dabei ist, ersetzt, passt ins Bild, da dieser zu Anfangszeiten auch bei Crazy Horse aktiv war.

Passend zur rohen lyrischen Schönheit der Songs wurde das Album in einer restaurierten Scheune in den Rocky Mountains aufgenommen. Genau an einen solchen Ort fühlt man sich auch versetzt, wenn die ersten Töne von „Song Of The Season“ erklingen. Mundharmonika, akustische Gitarren und ein Akkordeon untermalen den Song passend zu Neil Youngs Stimme, zuweilen mit schönen Harmoniegesängen seiner Mitstreiter, wie zu Zeiten, als Neil Young den „Sugar Mountain“ besang.

Was danach folgt, ist wie eine Zeitreise durch die Karriere von Neil Young zusammen mit Crazy Horse. Im rauen „Heading West“ zeigt Young sein rockiges Gesicht, welches sein Schaffen in vielen Phasen seit des legendären „Zuma“- Albums, insbesondere mit Crazy Horse prägte. Schön hier das Piano, das dem Song eine gewisse Milde verleiht.

Stilistisch ähnlich, das fast klagend vorgetragene „Canerican“ mit schönen Harmoniegesängen, wo er Veränderungen in seiner Heimat besingt. In diesem Stück wird einem im kurzen abschließenden Gitarrensolo auch klar, warum Neil Young von manchen als Vorreiter des Grunge gesehen wurde.

Songs wie „Change Ain`t“ und „Shape Of You“ führen den Zuhörer noch einmal in die folkige bluesangehauchte Frühphase Youngs, mit seinem charakteristischen Mundharmonikaspiel, wie auch das verträumt melancholische „They Might Be Lost“, das auch nahtlos auf „Harvest Moon“ gepasst hätte.

Richtig losgelassen wird Crazy Horse dann bei „Human Race“ mit harten verzerrten Gitarren und einem für Young typischen Gitarrensolo, in dem Young kritisch den Umgang der Menschen mit der Welt reflektiert. Im ruhigen, prägend vom Piano begleiteten „Thumblin` Trough The Years“ scheint Young zu beschreiben, wie er zuweilen durch die Jahre getaumelt ist, um mit „Welcome Back“ seine psychedelische Seite, besonders in der zweiten Songhälfte, zu zeigen.

Dabei ist die Struktur des Stückes, wie auch das Gitarrenspiel eher ruhig, aber dennoch unverkennbar im typischen Crazy Horse-Stil. Durchaus geschickt, legt Young zum Abschluss des Albums noch eine wichtige Botschaft nach. Im ruhigen folkigen „Don`t Forget Love“ weist er noch einmal darauf hin, was gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht vergessen werden sollte.

Mit „Barn“ ist es Neil Young, zusammen mit seiner großen musikalischen Liebe Crazy Horse gelungen, noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen und zu beweisen, dass weder bei ihm noch bei seinen Mitstreitern der Rost angesetzt hat. Interessant an dem Album ist auch, dass es der Protagonist mit der Songauswahl schafft, viele seiner Stile der letzten über 50 Jahre miteinander zu verknüpfen und so sowohl die Fans aus der Hippiezeit, wie auch aus der rauen Zeit mit dem Wilden Pferd, bestens zu bedienen.

Band:
Neil Young: guitar, piano, harmonica, vocals
Billy Talbot: bass, vocals
Ralph Molina: drums, vocals
Nils Lofgren: guitar, piano, accordion, vocals

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Song Of The Season
02. Heading West
03. Change Ain`t Never Gonna
04. Camerican
05. Shape Of You
06. They Might Be Lost
07. Human Race
08. Thumblin` Trough The Years
09. Welcome Back
10. Don`t Forget Love

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Oktober Promotion

Bruce Springsteen And The E Street Band – The Legendary 1979 No Nukes Concerts – CD/DVD-Review

Review: Michael Segets

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wirft Bruce Springsteen ein ansprechend gestaltetes Boxset mit zwei CDs und einer DVD beziehungsweise Blueray-Disc mit dem Titel „The Legendary 1979 No Nukes Concerts“ auf den Markt. Das Cover mit geprägtem silbernen Schriftzug, das 24-seitige Booklet mit Fotos und Liner Notes von Jon Kilk sowie ein Reprint einer Konzertkarte als Gimmick zeigen, dass der Aufmachung viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Aber auch die Ton- und Bildqualität lässt nichts zu wünschen übrig, wenn man bedenkt, dass das Ursprungsmaterial über vierzig Jahre alt ist.

Ein halbes Jahr nach dem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania, wurde das Festival No Nukes veranstaltet, dessen Titel eine eindeutige politische Botschaft sendete. Keine sieben Jahre später ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe und Fukushima folgte 2011. Ein Umdenken in der Energie- und Klimapolitik ist ein zäher Prozess, bei dem kritische Stimmen nicht konsequent gehört werden. Damals erhoben viele Musiker die ihre: Bonnie Riatt, James Taylor, Crosby, Stills & Nash, The Doobie Brothers, Jackson Browne, Tom Petty, Bruce Spingsteen und andere mehr.

Am 21. und 22. September 1979 leistete Bruce Springsteen mit der E Street Band seinen Beitrag zu dem Festival und feierte im New Yorker Madison Square Garden so quasi in seinen dreizigsten Geburtstag hinein. Von den Konzerten fanden 13 Songs den Weg auf die CDs. Auf dem Video sind die identischen Songs vertreten, die circa hälftig von den beiden Abenden stammen.

Die erste CD startet mit drei kräftigen Rocker von seinem damals aktuellen Album „Darkness On The Edge Of Town“ („Prove It All Night“, „Badlands“, The Promised Land“). Danach gab es einen Vorgeschmack auf das seinerzeit in den Startlöchern stehende Doppelalbum „The River“ mit dem Titeltrack und „Sherry Darling“. Es folgen drei Klassiker von seinem Durchbruch „Born To Run“ („Born To Run“, „Thunder Road“, „Jungleland“). „Rosalita (Come Out Tonight)“ stammt schließlich von seinem zweiten Longplayer und zählt zu den bewährten Stücken seines Live-Repertoires.

Neben den Eigenkompositionen sind vier Cover vertreten. „Stay“ und „Detroit Medley“ – auch als „Devil With The Blue Dress Medley“ bezeichnet – wurden bereits auf dem allgemeinen No-Nukes-Sampler veröffentlicht, der einen Querschnitt durch die Songs der beteiligten Musiker bot. „Quarter To Three“ sowie das seltener performte „Rave On“ beschließen den zweiten Longplayer beziehungsweise das Video.

Da die Auftritte beider Abende bereits über Springsteens Webseite im Rahmen seiner regelmäßigen erscheinenden Konzertreihe veröffentlicht wurden, bietet „The Legendary 1979 No Nukes Concerts“ für eingefleischte Fans musikalisch nichts Neues. Wenn diese nicht sowieso alles kaufen, was der Boss herausbringt, dann spricht eventuell die optimierte Soundqualität für den Erwerb.

Als Pflichtkauf für Fans erweist sich das Boxset vor allem durch das Video. Mit mehreren Kameras und entsprechend mit oft wechselnden Perspektiven fängt es die energiegeladene Atmosphäre der Show in einer Qualität ein, die für diese Zeit ungewöhnlich ist. Die Bilder steigern das Konzerterlebnis nochmal erheblich und wecken an manchen Stellen auch nostalgische Gefühle, wenn es ein Wiedersehen mit Tom Petty, Clarence Clemons und Danny Federici gibt. Zu sehen, wie Tom Petty bei „Stay“ mit einer Fluppe im Mundwinkel auf die Bühne schlurft, ist einfach cool.

Das Boxset „The Legendary 1979 No Nukes Concerts” versammelt eine Auswahl klassischer Stücke von Springsteen And The E Street Band aus der zweiten Hälfte der 1970er in remasterter Soundqualität. Das wirkliche Highlight der Veröffentlichung stellt die DVD oder Blueray dar, die die damalige Konzertatmosphäre bei den erstklassigen Songs mit abwechslungsreichen Bildern ins Wohnzimmer holt. Dabei schwingt etwas Nostalgie an vergangene Tage mit, aber Musik und Show bleiben zeitlos.

Columbia Records/Sonic Music (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Prove It All Night
02. Badlands
03. The Promised Land
04. The River
05. Sherry Darling
06. Thunder Road
07. Jungleland
08. Rosalita (Come Out Tonight)
09. Born To Run
10. Stay
11. Detroit Medley
12. Quarter To Three
13. Rave On

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Columbia/Sony Music

Jeffrey Halford & The Healers – Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019) – CD-Review

Review: Michael Segets

Der in Kalifornien lebende Jeffrey Halford ist wieder in seiner Heimat zurückgekehrt, nachdem seine Europa-Tour letzten Monat endete. Die Konzerte habe ich verpasst, aber dennoch gaben sie Anlass, mal in das hierzulande wenig bekannte Werk des Songwriters rein zu hören. Dafür bietet sich die Best-Of-Scheibe „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ geradezu an.

Der als Straßenmusiker seine Karriere beginnende Halford tourte bereits mit einigen namhaften Größen wie Taj Mahal, Los Lobos, George Thorogood, Gregg Allman, Etta James, John Hammond, Guy Clark und Robert Earl Keen. Auf der Compilation blickt er auf zwanzig Jahre seines Musikschaffens zurück und wählte dafür zwanzig Songs von sieben Alben aus. Die Stücke sind chronologisch auf der CD versammelt und geben so einen Einblick in die Stationen seiner musikalischen Entwicklung.

Das Album beginnt mit dem starken Roots-Rocker „Bad Luck“, das wie „Creole Moon“ von „Kerosene“ (1999) stammt. Danach folgen zwei Tracks („Radio Flyer“, „Lost And Found“) unter Beteiligung von Chuck Prophet (Green On Red). Im Original wurden sie gemeinsam mit „Satchel’s Fastball“, bei dem The Gospel Hummingbirds mitwirken, auf „Hunkpapa“ (2001) veröffentlicht. Neben weiteren rockigen Stücke („Nine Hard Days“, „Watching The Trains“) finden sich akustisch gehaltene Songs („Railbirds“, „Sea Of Cortez“) auf der Zusammenstellung. Eine besondere Dynamik entwickelt „Rainmaker“, das zu den herausstechenden Songs gehört. Weniger überzeugend ist „West Towards South“, bei dem Halford mit seinem Sprechgesang eher experimentelle Töne anschlägt.

„Lousiana Man“ groovt, nicht zuletzt durch die Orgel von Augie Meyers (Sir Douglas Quintett, Texas Tornados, Bob Dylan). Diese treibt auch durch den Tex-Mex „In A Dream“. Einen Ausflug in den Country unternimmt „Deeper Than Hell“. Ansonsten sind mehrere Titel dem Americana zuzuordnen, der in einer meist rockigen Richtung interpretiert wird. Abwechslungsreich ist der Gitarreneinsatz. Eine Resonator-Gitarre ist bei „North Beach“ sowie bei „Elvis Shot the Television“ zu hören. Eine dunkle, staubige Atmosphäre erzeugen die Saiten auf „Mexiko“, eine sanfte der Slide bei „Two Jacksons“. Die Melodie einer akustischen Gitarre trägt „10,000 Miles“.

In seiner Werkschau „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ zeigen Jeffrey Halford & The Healers mehrere Facetten. Zwischen Rock und Americana verarbeiten sie Einflüsse von Gospel und Country, wobei auch moderate Experimente ihren Platz finden. Insgesamt gibt das Album einen abwechslungsreichen Einblick in den bisherigen Output von Halford, bei dem der Eindruck entsteht, dass sich in jüngerer Zeit eine Entwicklung in Richtung Americana abzeichnet. Um dies zu bestätigen, müssten der Backkatalog näher gesichtet und die nächste Veröffentlichung abgewartet werden. Auf meiner Konzertliste stehen Jeffrey Halford & The Healers jedenfalls, wenn sie wieder den Sprung über den Atlantik machen.

Continental Song City – in-Akustik (2020)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Bad Luck
02. Creole Moon
03. Radio Flyer
04. Lost And Found
05. Satchel’s Fastball
06. Nine Hard Days
07. Watching The Trains
08. Railbirds
09. Louisiana Man
10. In A Dream
11. Mexico
12. Rainmaker
13. North Beach
14. Two Jacksons
15. Door ‘3
16. Elvis Shot The Television
17. 10,000 Miles
18. West Towards South
19. Deeper Than Hell
20. Sea Of Cortez

Jeffrey Halford & The Healers
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Stash – Walk The Walk – CD-Review

Review: Michael Segets

Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters haben Stash in Leben gerufen. Im Musikbusiness sind die drei keine Neulinge, legen jetzt aber mit „Walk The Walk“ ihr gemeinsames Debüt vor. Ted Russell Kamp verdiente sich seine Sporen als Bassist. So spielte er bei Waylon Jennings und lange Zeit in der Band dessen Sohns Shooter Jennings oder heimste einen Grammy mit Tanya Tucker ein. Jüngst begleitete er auch Marilyn Manson. Seine Songs wurden von Shooter Jennings, The Statesboro Revue und Micky & The Motorcars aufgenommen.

Seit den 1990ern veröffentlicht er Solo-Alben, die vor allem in Europa erfolgreich waren. Rich McCulley ist ebenfalls seit zwanzig Jahren als Solokünstler unterwegs und wirkte an einigen Filmmusiken mit. Die Film- und Werbeclip-Branche stellt zurzeit das Hauptbetätigungsfeld von Joey Peters dar. Er war Drummer bei Grant Lee Buffalo – mit dem Frontmann Grant-Lee Phillips– und Cracker. Derzeit aktiv ist er bei Rusty Truck.

Alle drei arbeiten als Produzenten für andere Musiker und haben das Heft nun ebenso bei ihrer CD selbst in die Hand genommen. Bei so viel Erfahrungen und dem breiten musikalischen Background verwundert es nicht, dass „Walk The Walk“ routiniert eingespielt wirkt. Die alten Hasen verzichten auf die Unterstützung weiterer Musiker mit Ausnahme von „Talk The Talk“, auf dem Anna Maria Rosales die Vocals ergänzt.

Auf dem Erstlingswerk schlägt Stash überwiegend einen rockigen Weg ein. Dabei gehen manche Tracks in Richtung Countryrock („Queen Of The Highway”, „One Step Ahead Of The Law”), andere wecken Erinnerungen an den Gitarrenrock der 1980er („You’re The One”). Gute Laune verbreitet „Hey, Hey, Hey“, der aus der Anfangszeit des Rock ‘n Roll stammen und eine Nummer der Blues Brothers sein könnte. Ebenfalls ein hohes Tempo geht „One Track Mind“. Deutlich rauer gibt sich „What I Need” oder auch „Catch Me If You Can”, bei dem E-Gitarren und Mundharmonika den Sound bestimmen.

Das Trio zeigt zudem seine Nähe zum Outlaw-Country. Da kommen traditionell Banjo („Smoke And Mirrors”) und Mandoline („Into The Sunset”) zum Einsatz, aber Stash trumpft bei „Ain’t That Kind Of Man“ auch noch mit Trompete und Posaune – beide gespielt vom Multiinstrumentalisten Kamp – auf. Während sich „Sweet Salvation Of The Dawn” stilistisch in der gleichen Schiene bewegt, fällt der Schmachtfetzen „By Your Side“ aus dem Rahmen.

Sowohl im Rock- als auch im Country-Bereich überzeugen die von den Bandmitgliedern gemeinsam geschriebenen Songs. Sie sind geradeaus verfasst und dennoch abwechslungsreich. Die Stimme von Kamp ist nicht außerordentlich markant, gewinnt aber bei mehrmaligen Durchläufen. Der Kalifornier kommt im Februar auf Konzerttour nach Europa, wo man sich dann ein Bild seiner Live-Qualitäten machen kann – sofern die Umstände es zulassen.

Mit Stash betritt eine neue Band die Rock- und Country-Bühne, die von der langjährigen Erfahrung ihrer Mitglieder – Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters – profitiert. Handgemacht eingespielt und gradlinig produziert spiegeln die Anspieltipps „What I Need” und „Ain’t That Kind Of Man“ die beiden Seiten von „Walk The Walk“ wider.

Eigenproduktion (2021)
Stil: Rock, Country

Tracks:
01. Smoke And Mirrors
02. Catch Me If You Can
03. Queen Of The Highway
04. You’re The One
05. Into The Sunset
06. One Step Ahead Of The Law
07. One Track Mind
08. Ain’t That Kind Of Man
09. Talk The Talk
10. Sweet Salvation Of The Dawn
11. What I Need
12. By Your Side
13. Hey, Hey, Hey

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