Albert Castiglia – Grits & Glory – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Für Albert Castiglia, mehrfacher Blues-Music-Award-Gewinner sowie „Inhaber“ des Nummer-eins-Spots der Billboard Blues Charts und neben Mike Zito ein Teil der Blood Brothers, hat sich mit seiner neuen CD ein Kreis geschlossen.

„Meine Anfänge als Musiker in Chicago und an der Ostküste haben meinen Spielstil und meine Sicht auf den Blues geprägt. Aber gleichzeitig liebe ich das Hin und Her innerhalb des Blues von Amerika nach Großbritannien und wieder zurück – beides hat seinen Einfluss gehabt“, erzählt Castiglia, der Jeff Beck, John Mayall, Eric Clapton oder Jimmy Page zu den (britischen) Musikern zählt, die ihn geprägt haben.

Seinen Einstieg in die Karriere startete er als Mitglied der Tour-Band von Blueslegende Junior Wells. Später entdeckte der in New York als Sohn einer kubanischen Mutter und eines italienischen Vaters geborene Sänger, Gitarrist und Songwriter Blueskünstler wie B.B. King oder Muddy Waters. Während einer Europatournee 2023 entstand die Idee, den traditionellen Blues amerikanischer Prägung mit dem Flair der britischen „Nachkommen“ zu verbinden, um – siehe oben – den Kreis zu schließen. Die legendären Abbey Road Studios in London sollten es sein und wurden es schließlich auch.

„In Amerika herrscht gerade viel Trubel“, sagt der fast 57-Jährige, „ich wollte all dem entfliehen, mir Raum zum Nachdenken zu geben. Die Aufnahmen zu dieser Platte in England haben mir das ermöglicht.“ Der Trubel, die unruhigen Zeiten, das Chaos spiegeln sich auch in seinen Texten wider. Das hört man gleich im ersten Titel „In My America“, wenn Castiglia singt: „Riech den Rauch der brennenden Bücher – die Flammen sind heiß und schlagen höher. Kritisches Denken ist unerwünscht. So war es schon immer in Amerika.“ Aber er wäre natürlich kein „wahrer“ Amerikaner, wenn er nicht auch singen würde: „Alles, was ich kenne, ist Amerika. Ich werde mich für Amerika einsetzen. Das ist mein Recht in Amerika. Denn ich glaube an Amerika.“ Verpackt ist das Ganze in harte, wuchtige, treibende Blues-Rock-Rhythmen.

In diesem Stil geht es weiter, sowohl textlich als auch instrumental. Bei „I’m Afraid To Fall Asleep“ hört sich das zum Beispiel so an: „Letzte Nacht schloss ich meine geschwollenen Augen. Ich hörte das Wiegenlied meiner Mutter. Als ich aufwachte, hatte ich keine Seele. Mein Herz war still, mein Fleisch war kalt. Ich habe Angst, einzuschlafen.“ Sicherlich ein ungewöhnlicher Text, aber allemal besser als ein fortwährendes „Darling, ich liebe dich lalala…“

„Slumlord Billionaire“ ist ein „schleichender“ Blues, dem Albert Castiglias Gitarre den nötigen Drive gibt. Die direkte Referenz an die Abbey Road Studios und die Beatles, die sie bekannt gemacht haben, darf nicht fehlen: „Yer Blues“ passt perfekt ins Bild. Schließlich heißt es, im Original gesungen von John Lennon: „Ich bin einsam, will sterben …

Der Adler pickt mir das Auge aus. Der Wurm leckt meine Knochen“. Albert Castiglia verpackt das Ganze – um im Bild zu bleiben – in einen knochentrockenen Blues Rocker. „Grits & Glory“ ist kompromissloser, authentischer, emotionaler Gitarren-Blues-Rock.

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. In My America
02. I’m Afraid To Fall Asleep
03. Uncertainty
04. Michigan Avenue
05. Sack The Juggler
06. Slumlord Billionaire
07. The Milk Is Still Good
08. Don’t Burn Down The Bridge
09. When The Coin Came Callin‘
10. Afro Blue
11. Yer Blues

Albert Castiglia
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The Damn Dogs – Blues For The Lost Souls – CD-Review

Ich bin in letzter Zeit scheinbar ‚auf den Hund gekommen‘. Zum einen bin ich tatsächlich Hundebesitzer und verwende seit knapp fünf Jahren viel Energie dafür, unserem aus Bosnien stammenden Angsthund, von dem man nicht weiß, was ihm Schlimmes passiert ist, wieder Sicherheit, Geborgenheit und ein lebenswertes Dasein zu bieten.

Zum anderen gab es in kurzer Zeitfolge unangekündigt zwei Blues Rock-Scheiben von Bands mit Namen The Blind Dog Mayer Group aus hiesigen Gefilden als auch der italienischen Band The Damn Dogs im Briefkasten. Bei allen, nicht aus der Anglosphäre (meine Gehörgänge sind irgendwie auf amerikanischen und britischen Gesang geeicht) stammenden Werken, muss ich immer tief durchatmen, mit überwiegender Mehrheit, bis auf ganz wenige Ausnahmen, tu ich mich mit diesen  oft sehr schwer, da man oft sofort hört, wo der Wind her weht und der Gesang immer ein durchgängiges Momentum ist.

Auch bei den ‚verdammten Hunden‘ leider wieder das gleiche Problem. Schulenglische Texte, kein guter Gesang, sowohl was die Lead vocals von Fronter Angelo Albani, der zumindest rein äußerlich eine charismatische Aura versprüht, als auch die Harmoniegesänge. Ich habe vermehrt das Gefühl. dass bei vielen-Bands die Euphorie über das eigene kreative Schaffen oft in eine Art ‚Betriebsblindheit‘ (in diesem Fall -taubheit) zu münden scheint.

Zur Ehrenrettung von Albani muss ich ihn zumindest für die glasklare Produktion loben. Gewinner des Albums sind der überragende Gitarrist Damiano Marino (der hier wirklich klasse Parts in allen Belangen einstreut) und Gast-Keyboarder Luciano ‚Lucky‘ Pesce, die sich aus den gesangstechnischen Darbietungen heraushalten. Im Prinzip wird es in meiner Zukunftsprognose auch hier am Ende bei den Damn Dogs mehr um das gemeinsame Musikerlebnis gehen, als den großen kommerziellen Erfolg.

Die Musik ist so, wie Blues Rock halt so ist. Gut gespielt, wenig bis gar nichts, was man nicht schon mal woanders in irgendeiner Form gehört hat. Insgesamt ein solider Stoff, ein Lied, das mich vor Begeisterung aus der Fassung wirft, gibt es nicht. Gegen Ende wissen „Mojo Hoodoo“ (ein Slide-unterlegter Schunkler mit etwas JJ Cale-/Tony Joe White-Esprit) und „Far Away Doe Eyes“, ein Slow Blues mit Gary Moore-Handschrift, noch am besten zu gefallen.

Das ansprechende Artwork der zweiten Damn Dogs-CD „Blues For The Lost Souls“ gibt es im mittlerweile schon etwas seltener gewordenem, transparenten Jewel Case. Meine verlorene Seele wird ihre Aufmerksamkeit aber in Zukunft, wie gewohnt, wieder auf den eigenen Hund Don richten…

Piesse Groove Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Hangover
02. Underdog
03. Peace Is More Than Just No War
04. Blues For The Lost Souls
05. Bad Mistake
06. No Goodbyes On The Road
07. Voodoo Words
08. To Love A Music Man
09. I Just Wanna Love You
10. Fucking Mosouito
11. Back In Town
12. Mojo Hoodoo
13. Far Away Doe Eyes

The Damn Dogs
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Peter Parcek – Most Of The Time – CD-Review

Der letzte Review zu Peter Parcek ist schon ein gutes Weilchen her. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns danach mal kurz über Facebook ausgetauscht, Seither versorgt der Algorithmus mich regelmäßig mit seinen Posts bezüglich Geburtstagen seitens von ihm geschätzten, sowohl lebenden als auch bereits verblichenen Musikern.

Nun landete mal wieder mit „Most Of The Time“ ein neues Werk des Mannes in meinem Briefkasten, den Buddy Guy gitarrentechnisch auf eine Stufe mit Eric Clapton gestellt hatte. Und dass er Gitarre spielen kann, daran lässt auch diese neue CD keinen Zweifel, auf der er sich im Prinzip seiner Linie treu bleibt: Diverse, gut gemachte Coverversionen von Künstlern, denen er offensichtlich seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte, als auch ein paar neue Eigenkreationen (die sind solide und ok, aber da fehlt weiterhin der große ‚Wurf‘). Ganz klar auch auf diesem Longplayer im Mittelpunkt: stehen seine unumstrittenen, versierten und variablen Gitarrenkünste.

Bester Song und somit auch zurecht der Titeltrack, „Most Of The Time“ eine Adaption von Bob Dylan aus dessen „Oh Mercy“-Werk von 1989. Parcek haucht dem Track viel Gefühl ein, Hier gibt es auch mal klare Akustikgitarrenklänge zu vernehmen, sowie dezente Allman Brothers-Vibes als auch markante Guest vocals von Michelle Miraglia als Modifikation zum Original. Stark gemacht!!

Michelle Miraglia highlighted auch den folgenden Peter Green-umwehten Track „I Don’t Worry Bout A Thing“ mit ihren starken Harmoniegesängen. Dass Parcek Sympathien für den britischen Kultgitarristen pflegt, merkt man auch bei weiteren Liedern wie „How Many Times“ oder dem „Stranger Blues“, wo man sich förmlich in die „In The Skies“/“Little Dreamer“-Phase zurückversetzt fühlt

Auch die John Hiatt– und Bill Withers- Coverstücke machen was her, ich finde eh gut, wenn man sich an Songs heranmacht, die nicht schon bis zum ‚Gehtnichtmehr‘ ausgelutscht wurden. Auch ein Faible für Tony Joe White kommt sporadisch durch, wie bei der Hiatt-Nummer oder bei „61 Highway“.

Am Ende gibt es mit  „Lord Help The Poor & Needy“ und „Swooshy“ noch zwei Instrumentalstücke in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen als Bonustracks. Danach ist man dann endgültig schwindelig von soviel quirligem E-Gitarrengezupfe, für meine Wenigkeit ist das, zumindest am Stück mit den ganzen anderen Tracks, schon fast zu viel des Guten.

Insgesamt offeriert der ‚Gentleman‘ Peter Parcek  (diesen Eindruck hinterlässt der passionierte Hutträger immer bei mir) mit „Most Of The Time“ für die geneigte Blues Rock-Klientel und Liebhaber technisch perfekter E-Gitarrenkünste (a l`a Greg Koch) ein wahres Eldorado, wobei auch die routinierten Leistungen seiner vielen musikalischen Mitstreiter als auch die klare, transparente Produktion noch zu erwähnen wären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Twistified
02. How Many Times
03. Most Of The Time
04. I Don’t Worry Bout A Thing
05. Just Play Rhythm, Baby
06. Mississippi Phone Booth
07. Stranger Blues
08. Poor Boy
09. When I’m Dead & Gone
10. Cold In Hand
11. Three Feet In Back Of My Head
12. 61 Highway
13. Grandma’s Hands
Bonustracks:
14. Lord Help The Poor & Needy
15. Swooshy

Peter Parcek
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The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review

Wenn sich deutsche Bands oder Interpreten amerikanischem Liedgut verschrieben haben, und mir ihre CDs ohne vorherige Absprache zugesendet haben, sollten sie, nach meinen vielen verfassten Reviews in dieser Hinsicht, wissen, dass sie sich auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen.

So geschehen jetzt von einem Act mit dem imposanten Namen The Blind Dog Mayer Group, 2025 Gewinner des 43. Deutschen Rock- und Pop-Preises in der Kategorie ‚Beste deutsche Blues Rock Band‘. Das professionell erscheinende Auftreten mittels einer Agentur dahinter ließen, mich positiv gestimmt an die Sache herangehen, zumal ich tatsächlich in letzter Zeit mit ebenfalls prämierten deutschen Bands wie Stone Water, Blue Deal oder LUKE gute Erfahrungen gemacht hatte.

Mit der EP „The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review legt das saarländische Quartett, bestehend aus Leader Blind Dog Mayer (lead vocals, harp), Dirk Lenz (guitars, bgv), Michael Jung (bass, bgv) und Marco Schmieden (drums), ein Kurz-Studio-Debüt vor, das sich musikalisch gekonnt in Richtung E-Gitarren- und Harp-orientiertem Rock,- Blues- und Southern Rock in Form von Eigenkreationen bewegt, wie man es damals noch so von Bands wie ZZ Top, Ten Years After, Allman Brothers, Mountain, Foghat, Ted Nugent oder der J. Geils Band u.v.m. in den Ohren hat.

Soweit, so gut. Das Hörergebnis wird allerdings durch den, sich durch das Werk ziehenden deutsch-akzentuierten Leadgesang auf Schulenglisch-Niveau und noch schlimmer, die wirklich schon fast schräg anmutenden Harmoniegesänge, erheblich getrübt. Da kann auch der Zusatz ‚Live Studio Session‘ nicht als Entschuldigung hinhalten.

Ich verstehe ja, dass man als vermeintlicher Macher der Band auch im Vordergrund am Mikro stehen möchte, aber abseits von aller Euphorie, hilft aus meiner Sicht zum Weiterkommen auch immer eine selbstkritische ehrliche Betrachtung auf das gesamte Schaffen. Ein tatsächlich amerikanisch klingender Sänger und gegebenfalls dezente weibliche BGVs (oder gar keine) wären aus meiner Sicht hier zielführender gewesen.

Die vorliegende EP der The Blind Dog Mayer Group lässt auf der instrumentellen Basis keine Wünsche offen  (mein Favorit ist das schön basslastig funkende „Call Me Blind Dog“), was den Gesang und die Harmoniegesänge aber betrifft, wäre der blinde Hund aus meiner Sicht gut beraten, auch mal sein Gehör checken zu lassen…

Blues Note Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Anthem Of The Lost Sock
02. Call Me Blind Dog
03. Moonshine Gasoline
04. Harley Rider
05. That’s What I Saw
06. Shiny Culry Red Hair

Blind Dog Mayer Group
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CONCERTBÜRO HIMMRICH

Grainne Duffy – What Am I Supposed To Do – CD-Review

Gráinne Duffy habe ich zu meiner eigenen Schande leider etwas aus den Augen verloren (vielleicht auch ein wenig ihrer überwiegenden Präsenz in den Staaten geschuldet). Ich hatte die Irin vor vielen Jahren mal, als ich gerade im Begriff war, Sounds Of South aufzubauen, im urigen Leverkusener topos gesehen und war von ihrer Performance hellauf begeistert gewesen.

Eine tolle, leicht angeraute Stimme und ein gitarrenorientierter, melodischer Blues Rock sowie eine sympathische Aura, hinterließen einen bleibenden Eindruck, allerdings ergab sich danach irgendwie nie eine weitere Option eines Live-Besuchs oder eines Reviews ihrer Scheiben, die ja immer mal wieder in der Zwischenzeit bis heute erschienen.

Nun konnte ich endlich zum Erscheinen ihres neuen Werks „What Am I Supposed To Do“, aufgenommen in den 64 Sound Studio in Los Angeles, die Gelegenheit beim Schopfe packen. Eine Scheibe mit (leider nur) neun Stücken, unter Mitwirkung vieler bekannter musikalischer Persönlichkeiten, sei es bei der Produktion mit Marc Ford (The Black Crowes)  und Grammy-Gewinner-Justin Stanley, oder wie u. a. Drummer Kenny Aronoff (John Mellencamp, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Paul McCartney), Bassist Jørgen Carlsson (Gov’t Mule), Keyboarder Peter Levin (Blind Boys Of Alabama), Marc Ford, Langzeitgitarrist Paul Sherry. 

Sieben Eigenkompositionen (Duffy alleine oder in Kooperation mit Paul Sherry) stehen zwei markanten Adaptionen „Tragedy“ (von Peter Wolf, 2010 auf dessen Award-prämiertem Solo-Album „Midnight Souveniers“ erschienen) und der „Little Willie“ John-Klassiker „Need Your Love So Bad“ (überwiegend bekannt durch Peter Green und die Allman Brothers) gegenüber.

Auffällig ist hier eigentlich bei fast allen Tracks die deutliche Inspiration der klassischen Rockmusik der 70-90er Jahre, es wimmelt nur so von instrumentellen ‚Zitaten‘ wie Bad Co. („Early In The Morning“), den Stones („Streets Of Love“), Quireboys, Frankie Miller, beim tollen Duett mit Paul Sherry („Tragedy“), Kim Carnes („Hurts Just The Same“), The Faces („Takin‘ My Heart Away“) oder den Beatles und Free („Got To Give It Up“).

Lediglich „Need Your Love So Bad“, das wahrlich gut umgesetzt ist, kann den Vergleich mit der ‚dreckigen‘ Version der Allman Brothers am Ende nicht ganz standhalten.

Insgesamt ist Gráinne Duffy mit „What Am I Supposed To Do“ ein launiger, gut ins Ohr gehender Longplayer gelungen, der absolut meinen Geschmack trifft und diesen Sommer noch öfter in meinem Player landen wird. Schön wäre auch mal wieder ein Live-Erlebnis in unseren Sphären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Classic-, Blues-, Country Rock

Tracklist:
01. Early In The Morning
02. What Am I Supposed To Do
03. Streets Of Love
04. Tearing Me Apart
05. Tragedy
06. Hurts Just The Same
07. Takin‘ My Heart Away
08. Got To Give It Up
09. Need Your Love So Bad

Grainne Duffy
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Sean Webster – Light Of Day – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Die Karriere des Briten Sean Webster hat einst damit begonnen, dass er die drei Kings, B.B., Albert und Freddy, entdeckte oder Buddy Guy und Gary Moore. Auch heute noch gehört er der Blues- oder Blues-Rock-Szene an. Aber er hat auch längst neue Pfade beschritten und sein Spektrum ausgeweitet.

Gleich der erste Song der neuen CD unterstreicht das nachdrücklich. „Since I Met You“ kommt sehr melodisch und luftig-locker daher – und durchaus radiotauglich, was aber wohl so oder so bedeutungslos ist, denn ein Interpret aus der Ecke Blues (Rock) wird von den Radioanstalten ohnehin ignoriert.

The Bitch Has Gone“, der zweite Titel, zeigt dann die andere Seite Sean Websters: ein kraftvoller Blues Rocker mit mächtigen Gitarrenriffs, ehe das bluesig-balladenhafte „Always Gone“, unterlegt von Axel Zwinselmans gefühlvoller Keyboardarbeit, die nächste Abwechslung bietet.

In dieselbe Richtung geht „Carried Away“, eine instrumental wie gesanglich opulente Power-Ballade. Dass Sean Webster und seine Mannen, zu denen noch Floris Poesse am Bass und Rob van der Linde an den Drums gehören, ohnehin ein Händchen für geradezu hymnische Balladen haben, zeigt auch Richard Marx‘ „Your Eyes On Me“, die einzige Fremdkomposition.

Aber natürlich findet man ihn auch, den Blues alter Schule. „There’s A War“ oder „I’m Not Going“ gibt Websters manchmal an Joe Cocker erinnerndes Organ die richtige Würze. Über sein packendes Gitarrenspiel brauchen wir nicht mehr reden…

Bevor das erwähnte „Your Eyes On Me“ den Rausschmeißer bildet, zeigt der Midtempo Rocker „War And Poverty“ noch einmal, wie man mit den klassischen Instrumenten Gitarre, Keyboards, Bass und Drums, gepaart mit einer kräftigen Röhre, einen kraftstrotzenden Klangteppich produzieren kann. Da darf man die Lautsprecher ruhig ein bisschen aufdrehen – der Nachbar soll schließlich auch mal wieder gute Rockmusik hören…

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues Rock, AOR

Tracklist:
01. Since I Met You
02. The Bitch Has Gone
03. Always Gone
04. Carried Away
05. Light Of Day
06. Love’s A Ghost
07. There’s A War
08. I’m Not Going
09. War And Poverty
10. Your Eyes On Me

Sean Webster Band
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m2-music

Andreas Diehlmann Band – Cold Wind On A Dark Black Night – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Tja, was macht man, wenn einem der kalte Wind in einer dunklen schwarzen Nacht um die Ohren pfeift? Keine schlechte Idee ist sicherlich, einfach zu Hause zu bleiben – und die neue CD von Andreas Diehlmann und seinen Mitstreitern Jörg Sebald (Bass) und Martin Gunkel (Drums) aufzulegen.

Wäre der Gitarrist, Sänger und Songschreiber jenseits des Atlantiks geboren statt in Kassel, wäre er wohl Stammgast in den Billboard Blues Charts, was sein neues Album nachdrücklich unterstreicht, das vor kräftigem Blues Rock in allen Facetten und darüber hinaus nur so strotzt.

Los geht’s volle Kraft voraus mit „Hey Man“, wobei die Gitarre sämtliche „Aufräumarbeiten“ übernimmt. Bei „On The Road Again“, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hit von Canned Heat aus dem Jahr 1968, dominiert ein treibender Boogie-Rhythmus.

„Thunderbolt“, der Titelsong über eine verflossene Liebe, die einen nicht loslässt, „Miss Fortune“ oder „Long Way Home“ sind dann genau die dynamischen Blues Rocker, wofür Adreas Diehlmann 2022 und 2025 bei den German Blues Awards die Auszeichnung als beste Band abgeräumt hat.

Bei der Rock-Ballade „Alone“, die an Gary Moore erinnert, wird einen Gang runtergeschaltet. Richtig bluesig wird’s bei „Carol“, bei dem Diehlmanns markant-rauchige Stimme besonders gut zum Ausdruck kommt, während „The Blues“ leicht funkig durch die Gehörgänge groovt.

Einzige Fremdkomposition ist „Help me“, das von Sonny Boy Williamson II, Willie Dixon und Ralp Bass, einem renommierten Produzenten und Förderer von James Brown, geschrieben wurde. Ach so: Nach diesem Stück nicht gleich die Repeat-Taste drücken. Als Hidden Track gibt es noch ein kurzes akustisches Instrumentalstück.

Mountain Meadow Studio (mms) (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
1. Hey Man
2. On The Road Again
3. Thunderbolt
4. Alone
5. Cold Wind On A Dark Black Night
6. Miss Fortune
7. Long Way Home
8. Carol
9. The Blues
10. Help Me
11. Hidden Track

Andreas Diehlmann Band
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M2 Music

Krissy Matthews & The Vikings – Rock And Roll Soldier – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Es ist ja schön, wenn Kinder früh mit Musik und Instrumenten in Berührung kommen. Wenn Krissy Matthews in seiner Biographie allerdings schreibt, er sei als Dreijähriger mit seinem Vater beim Roy-Orbison-Hit „Pretty Woman“ auf der Bühne gestanden, kann man sich schon fragen, was Little Krissy da wohl hat gemacht hat. Sei’s drum.

30 Jahre später ist der britisch-norwegische Gitarrist ein angesehenes Mitglied der Blues Rock-Szene. Er gehört zum Stammpersonal der Hamburg Blues Band und war auch schon mit Layla Zoe auf Tournee. Auf der CD „Krissy Matthews & Friends“ von 2024 hat er sich mit zahlreichen Mitmusikern umgeben, wobei „Ain’t Got No Troubles On The Road“ mit Chris Farlowe sicher ein Höhepunkt war.

Auch sein neues Werk, aufgenommen mit seinen norwegischen Weggefährten Trond Hansen (Bass) und Kare Amundsen (Schlagzeug), weist etliche Gäste auf. Dabei dürfte der amerikanische Gitarrist Tommy Castro, flotte 71 Jahre alt und seit Jahrzehnten im Geschäft, wohl der renommierteste sein. Wenn’s um Krissy Matthews geht, fällt gern mal der Begriff Hansdampf in allen Gassen. Beim rauen, ungeschliffenen Titelsong „Rock ’n‘ Soldier, der anders geschrieben wird als auf dem Cover, lässt der Hans gleich mal mächtig Dampf ab (sorry, das konnten wir uns jetzt nicht verkneifen).

Weiter geht’s mit dem „44 Blues“, im Original ein Piano-Blues von Roosevelt Sykes aus dem Jahr 1929, dem Matthews ein treibendes Blues-Rock-Gewand verpasst hat. Wenn man so will, ersetzt Will Wilde mit seinem kernigen Mundharmonikaspiel das Piano. Stark! Mit dem Cover „Fell In Love With A Girl“ von den White Stripes vollzieht Krissy eine Art Kehrwende. Tora Daa säuselt geradezu lieblich ins Mikro, ehe sich Matthews mit seinem Gesang und der Gitarre einmischt und die Sache geraderückt.

Später gibt’s denselben Song noch einmal. Nur hatte Joss Stone 2003 in ihrer Version aus dem „Girl“ einen „Boy“ gemacht. Jetzt hat Silje Hagen den Gesangspart mit einem kräftigen Schuss Soul in der Stimme übernommen.

Der „Pharao Blues“ ist ein kraftvoller Blues Rocker mit Tommy Castro an der zweiten Gitarre nach dem Motto: Zuerst spielt der eine ein Solo, dann der andere – danach geht’s von vorn los, und Stina Stenerud mischt als Sängerin auch noch mit.

Songs mit einem „Catfish“ im Titel gibt es einige. So alt wie der, den
Matthews & The Vikings interpretieren, dürfte keiner sein. Das Original, ein akustischer One-Man-Blues von Robert Petway, stammt aus dem Jahr 1941. Die kürzeste Beschreibung für Krissys Version: Gitarre satt. Die CD beschließt „Sjitfest“, ein Gitarren-Boogie mit Hans Theessink als Gast. Dazwischen gibt’s mit „Mormor“ auch mal einen Rock ’n‘ Roll alter Schule.

Ruf Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rock ’n‘ Roll Soldier
02. 44 Blues
03. Fell In Love With A Girl
04. Pharo Blues
05. Teasin‘ Times
06. Tore Hund
07. Fell In Love With A Boy
08. Mormor
09. Catfish
10. Sjitfest

Krissy Matthews
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Brooke Lynn Promotion

Seth James – Motormouth – CD-Review

Ich habe zu Seth James im Jahr 2009 mit seinem Album „That Kind Of Man“ gefunden, damals aber eher aufgrund meiner New Country-Affinität. Für dieses Werk hatte der Texaner mit vielen klingenden Namen wie u. a. Chris Stapleton, Jay Knowles, Al Anderson, Tony Arata oder Mark Selby Songs geschrieben, die dann auch noch vom ‚Who Is Who‘ der Nashville-Studiomusiker eingespielt wurden.

Das Werk hatte aber letztendlich wenig mit dieser Musikart zu tun (eher mehr mit Country-/Roots Rock) und zeigte schon damals seine Ambitionen als Allrounder. Zwei Jahre später hatte ich das Vergnügen ihn als Mitglied von Cody Canada & The Departed live im Kölner Blues Shell sehen zu dürfen. Da war dann eher Red Dirt Rock angesagt. Das ist allerdings jetzt schon lange her und ich muss zugeben, dass ich ihn mittlerweile leider ein wenig aus den Augen verloren hatte.

Jetzt, wie es der Zufall wollte, erreichte mich aus den Staaten eine Email mit der Ankündigung seines neuen Longplayers „Mothermouth“, das, neben ihm, erneut viele prominente Songwriter aufweist, dazu wieder eine ganze Armada von Klassemusikern bei der Einspielung und on top noch den vielfachen Grammy-Gewinner Kevin McKendree als Produzent – quasi eine Qualitätsgarantie, ohne überhaupt einen Ton schon gehört zu haben.

Diesmal steht das Album deutlich im Zeichen des souligen Blues-/Blues Rocks mit wenigen kleinen Ausflügen in artverwandte angrenzende Bereiche (Country – /Southern Rock – z. B. bei Leon Russells “High Horse”). Die omnipräsente Basis bilden James und McKendree, Rob McNelley an der Gitarre, Steve Mackey am Bass, Lynn Williams am Schlagzeug, und auch diverse Mitglieder der berühmten The Time Jumpers beim Bakersfield-Country-angehauchten „I’ll Be Gone” oder dem abschließenden Barroomheuler “Start A Brand New Day”.

Die involvierte, ebenfalls prominente Horn Section (u. a. mit Jim Hoke) und auch diverse weibliche Backgroundsängerinnen, vermitteln hier das soulige Flair. James hat fünf der insgesamt 13 Stücke mitkreiert, die restlichen stammen aus Federn bekannter Musiker wie u. a. Colin Linden, Delbert McClinton, Al Anderson, Guy Clark oder Leon Russell.

Meine persönlichen Favoriten sind Stücke, bei denen die beiden Hauptprotagonisten James und McKendree (der liefert hier in Sachen Tastenspiel mit Piano, E-Piano, HT-Piano und Organ wirklich alles, was möglich ist) ihren Stempel aufsetzen: wie zum Beispiel beim herrlich groovende Opener „“Why Should I Suffer”, dem Titelstück „Motormouth”, “I Can’t Find Your Mind” oder  bei “Just A Thought”. Klasse auch der Schunkler “I Can’t Wait” unter vokaler Mitwirkung von Delbert McClinton und mit Jim Hoke, diesmal am Akkordeon.

Insgesamt ist „Motormouth“ eine einzige Lehrstunde von absoluten Könnern in Sachen souligem Blues, bei dem der Spielspaß deutlich spürbar im Vordergrund stand und ‚Allrounder‘ Seth James den perfekten Repräsentant an der Front sowie Kevin McKendree als Strippenzieher abgeben. Großes Blues-Kino!

Qualified Records (2026)
Stil: Blues (Soul)

01. Why Should I Suffer
02. Motormouth
03. I’m In Trouble
04. It’s Later Than You Think
05. I’ll Be Gone
06. High Horse
07. I Can’t Find Your Mind
08. Just A Thought
09. I Can’t Wait
10. I Got To Know
11. Lonely Avenue
12. I Feel The Burden
13. Start A Brand New Day

Seth James
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Aristo Media Group

Robin Trower – Live! (50th Anniversary Edition) – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Klar, als Freund gepflegter Gitarrenklänge, ob nun der Gattung Rock, Blues Rock oder dem reinen Blues zugehörig, kennt man Robin Trower seit Jahrzehnten. Noch heute ist der 81-Jährige, der 1967 mit Procol Harum und dem Welthit „A Whiter Shade Of Pale“ ins Rampenlicht trat, ständiger Gast der Billboard Blues Charts, wobei ihm auch die Nummer eins nicht fremd ist.

Auch hierzulande hat er nach wie vor seine Fangemeinde. So kam 2022 seine CD „No More Words To Conquer“ auf Platz 75 der deutschen Charts, was allein schon deshalb erstaunlich ist, weil es nach so vielen Jahren und Dutzenden Alben das erste und bislang einzige Mal war.

Dabei gehörte der gebürtige, von Jimi Hendrix beeinflusste Londoner in den siebziger und achtziger Jahren zu den „Gitarrengöttern“. In den USA gab es für seine Alben „Bridge Of Sighs“, „For Earth Below“, „Long Misty Days“ und „In City Dreams“ Gold für jeweils über eine halbe Million verkaufter Exemplare. Die nun in der „50th Anniversary Edition“ neu aufgelegte CD „Robin Trower Live!“ schaffte es 1976 bis auf Platz zehn der Billboard 200 und in Großbritannien auf 15.

Der berühmte Funfact am Rande: Trower erzählte später, die Band habe gar nicht gewusst, dass die Show in Stockholm aufgezeichnet wurde. Bassist und Sänger James Dewar, Drummer Bill Lordan und er selbst dachten, sie würde lediglich für eine Radiosendung spielen. „Deshalb waren wir locker und ungezwungen und haben eine unserer besten Shows gespielt.“

Die Neuauflage mit aufwändigem Booklet und dem Remix von 2026 enthält fünf bisher unveröffentlichte Titel und bietet damit zum ersten Mal die komplette Setlist des Konzerts vom 3. Februar 1975. Auf der zweiten CD mit dem Originalmix gibt es die sieben Stücke, die es seinerzeit auf die LP geschafft haben.

Mehr war in jenen Tagen nicht üblich, wobei der längste Titel, „Daydream“, immerhin acht Minuten lang ist. Der ist im Remix plötzlich über neun Minuten, indem nun einfach ein paar Worte von Robin Trower zu hören sind, die es im Original nicht gab; auch der Beifall der Fans fällt länger aus.

Chrysalis Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
CD 1: Complete Concert – 2026 Mix
01 Day of the Eagle *
02 Bridge of Sighs *
03 Gonna Be More Suspicious *
04 Fine Day *
05 Lady Love
06 Daydream
07 Too Rolling Stoned
08 I Can’t Wait Much Longer
09 Alethea
10 Little Bit Of Sympathy
11 Confessin’ Midnight *
12 Rock Me Baby

CD 2: Original 1975 Version
01Too Rolling Stoned
02 Daydream
03 Rock Me Baby
04 Lady Love
05 I Can’t Wait Much Longer
06 Alethea
07 Little Bit Of Sympathy
*Previously unreleased

Robin Trower
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V2 Records Promotion GSA