Billy Ray Cyrus – Home At Last – CD-Review

Die Alben von Billy Ray Cyrus waren schon immer mit sehr viel persönlichen Flair behaftet und zum Teil von großer Emotionalität gekennzeichnet. Wir erinnern uns beispielsweise an den Song „Hey Daddy“ vom starken Vorgänger „Wanna Be Your Joe„, der Billy Rays an Krebs verstorbenem Vater gewidmet ist. In seinem neuesten Werk „Home At Last“ steht diesmal die eigene Familie im Fokus seiner Betrachtungen. Der Hintergrund. Er und seine Tochter Miley haben als Schauspieler in der beliebten Disney-Serie „Hannah Montana“ tragende Rollen für weitere 26 Episoden übernommen, was zu einer räumlichen Trennung der gesamten Familie führt. Die zog nach Kalifornien, wo Tochter Miley wohl auch wohnen bleibt, während Billy weiterhin schwerpunktmässig in Tennessee lebt.

All das geht nicht spurlos an Billy Ray vorbei. Seinen ganzen Trennungsschmerz diesbezüglich entlud er im Center-Stück der CD (Co-Writer Casey Beathard) „Ready, Set, Don’t Go“, einem wunderbar melancholisch-melodischen Midtempo-Countrysong (klasse Gitarren-/Mandolinenspiel, Akkordeonartige Fills), das auch in der ersten Folge der bereits erwähnten Serie gefeatured wird. Neben einigen Neukompositionen hat sich Cyrus auf „Home At Last“ auch einiger absoluter Klassiker der Pop-/Rock-Historie angenommen (u. a. „Brown-Eyed Girl“/Van Morrison; „You’ve Got A Friend“/Carole King/James Taylor – hier ist mit Emily Osment ein weiterer Co-Star von „Hannah Montana“ im Background zu hören; „You Can’t Lose Me“/Diane Warren; der von Eva Cassidy inspirierte July Garland-Klassiker „Over The Rainbow“), die er überaus gelungen in seiner typisch emotionalen Art und Weise neu interpretiert.

Grandios hier besonders die Fassung von Jackie DeShannons „Put A Little Love In Your Heart, die Cyrus in einen soulig groovenden Countrysong mit herrlicher Gospelchorbegleitung umwandelt. Ohne Zweifel einer der vielen Höhepunkte des Albums! Aber auch die neuen Songs überzeugen wieder auf der ganzen Linie, wie beispielsweise, der rhythmische, dezent poppige Countryrocker „The Buffalo“, der gar das Temperament eines Bryan Adams, wie er einmal in seinen besten Tagen geklungen hat, besitzt. „Flying By“ stammt aus der Feder des Erfolgs-Schreiber-Trios Tom Hambridge (singt auch im Background), Joanna Smith und Jeffrey Steele, die ja vor einiger Zeit mit „What’s Hurt Most“ Rascal Flatts einen Nr. 1-Hit bescherten.

Das Lied erinnert sehr stark an Steeles „Twenty Years Ago“ von seiner ersten Solo-Scheibe „Outlaw“. Ebenfalls recht groovig und rhythmisch kommt „Don’t Give Up On Me“ daher – hier setzt das Banjo- und Mandolinenspiel von John Jorgenson und John Willis wunderbare Trademarks. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sicherlich auch das ganze „Paradeheer“ von etablierten Nashville-Studiogrößen (Buchanan, Duncan, Johnson, Willis, Greenberg, Bennett, Morrow, Leim, Darken, Bukovac und und und), die dem Album von der instrumentellen Umsetzung ein Qualitätssiegel der allerersten Güte verleihen. Ein Kracher sicherlich auch noch „I Can’t Live Without Your Love“ (klasse E-Spiel der Gitarrenkönner Tom Bukovac und Kenny Greenberg), das entfernte Ähnlichkeiten zu U2s „One“ aufzuweisen scheint.

Auf die sonst üblichen Cyrus-typischen Honkytonk-Rocker wurde diesmal aufgrund des stark gefühlsbetonten Konzeptes (weitere Ausführungen dazu gibt’s im Booklet nachzulesen) wohl verzichtet. Die werden aber sicher wieder für’s nächste Werk des umtriebigen Künstlers fest gebucht sein. Und so verharrt auch die zweite Cyrus-Eigenkomposition „My Everything“ (stark hier Dean Parks an Mandoline und Dobro) eher im ruhigen Country-Bereich. Der abschließende Bonus-Track „Stand“ ist bereits von „I Wanna Be Your Joe“ bekannt.

Auch in dieser neuen, etwas Slide-Gitarren-betonteren Version ist Tochter Miley wieder im Background mit eingebunden. Insgesamt ist Billy Ray Cyrus mit „Home At Last“ erneut ein starkes New Country-Album gelungen, das zum einen von seiner starken emotionalen Gesangsperformance, von der hervorragenden instrumentellen Umsetzung, zum anderen aber auch von dem großartigen Songmaterial lebt. Aufgrund der vielen Klassiker nicht nur für Countryfans, sondern auch die „adult-orientated“ Poprock-„Crossover“-Gemeinde geeignet!

Walt Disney (2007)
Stil:  New Country

01. Ready Set Don’t Go
02. The Beginning
03. The Buffalo
04. Flying By
05. Brown Eyed Girl
06. Don’t Give Up On Me
07. You’ve Got A Friend
08. You Can’t Lose Me
09. Can’t Live Without Your Love
10. My Everything
11. Put A Little Love In Your Heart
12. Over The Rainbow
13. Stand

Billy RayCyrus
Billy Ray Cyrus bei Facebook
Bärchen Records

Billy Ray Cyrus – Wanna Be Your Joe – CD-Review

Nach dreijähriger Auszeit, die unter anderem mit recht erfolgreicher Schauspieltätigkeit überbrückt wurde, hat Billy Ray Cyrus musikalisch nun endlich wieder richtig Feuer gefangen und die Fans, deren Liebe zwischen traditionell fundamentiertem, aber auch modernem New Country und fetten southern-würzigen Countryrockern hin und her pendelt, dürfen sich die Hände reiben: Sie erleben einen Billy Ray Cyrus, dem es gelingt, seine ohnehin schon beeindruckenden Werke von 2003 „Time Flies“ und „The Other Side“ sogar noch einmal zu toppen.

Das Cyrus-typische Grundrezept aus wohltuenden, zum Teil mit emotionalem Teint behafteten Balladen, melodischen, flotten Midtemposongs und einigen kraftvollen, stampfenden Rockern mit den schon erwähnten Southern- und Honkytonk-Attitüden ist dabei erhalten geblieben. Unglaublich gute Instrumentalisten (herausragend vor allem die Gitarren-Spieler Terry Shelton, Brent Mason und Pat Buchanan), kleinere, musikalische Experimente, wie das Einbinden von dezenten Saxophon-Parts (glänzend hier Max Abrams), sowie Kombinationsgesang mit legendären Größen wie George Jones und Loretta Lynn („Country Music Has The Blues“; schöner, stampfender, traditioneller Country-Blues) oder mit seiner Tochter Miley (bei „Stand“, einem geradlinigen, melodischen Rocker), sorgen noch mal für das Tüpfelchen ‚on top’. Die Produktion, für die sich Billy mit diversen Co-Produzenten verantwortlich zeigt, ist wunderbar knackig, klar und sehr modern gehalten.

Apropos modern: Bei „I Want My Mullet Back“ (starker, fett Gitarren-lastiger Countryrocker mit viel Southern-Flair) wird der legendären 80iger-Frisur (vorne kurz, mit langer Hintermatte), die einem mittlerweile modischen Haarschnitt gewichen ist, humorvoll hinterhergetrauert. Seine eigentliche Kraft für dieses Album scheint Billy Ray im übrigen aus der Trauer um seinen Vater zu schöpfen, der im Februar dieses Jahres an Krebs verstorben ist. So ist es keine Überraschung, daß er ihm dieses Album in großer Dankbarkeit widmet, insbesondere aber den Song „Hey Daddy“.

Doch auch Rennfahrer-Legende Dale Earnhardt und Billy Rays musikalischer Held, Lynyrd Skynyrds Ronnie Van Zant werden bei „The Man“ (Akustikgitarren-, Mandolinen-,Steel-betonter Midtemposong) und „The Freebird Fell“ mit emotional berührenden Texten gewürdigt. Gerade das zweitgenannte Stück (übrigens eine Gemeinschafts-Komposition von Cyrus und den ex-Lynyrd Skynyrd-Mitgliedern Ed King und Artimus Pyle) ist eines der absoluten Highlight dieses Werkes. Ein lang gezogenes E-Gitarren-Riff, klasse Akustikgitarre, ein sehr emotionales Organ von Billy Ray, sowie herrliche, weibliche Backgrounds im Refrain erzeugen eine dieser mitreißenden, country-infizierten Southern-Hymnen, wie man sie leider viel zu selten zu hören bekommt. Und wenn die Nashville-E-Gitarren-Asse Brent Mason und Pat Buchanan dann so richtig Southern-typisch in die Saiten greifen, läuft einem auch nach so vielen Jahren noch ein Gänsehaut-erzeugender Schauer den Rücken herunter. Der Song ist ein klares Muss für jeden Südstaaten-Fan!

Aber auch „Ole What’s Your Name“ besitzt mit seinem straighten Rhythmus (Kuhglocken-mäßiges Klackern im Drumming, klasse hier Greg Morrow) und seinen Skynyrd-typischen E-Riffs enormes Spaßpotential für diese Klientel, wie auch für die Freunde des angerockten New Countrys der Sorte Van Zant oder Montgomery Gentry. Das partytaugliche „Lonely Wins“ mit seinem stampfenden Slide-Rhythmus und den forschen Saxophon-Einlagen dürfte selbst so manchen Tanzmuffel aufs Parkett treiben. Natürlich präsentiert Cyrus auch seine sanftere Seite. So fließt uns das wunderbare, etwas poppige (wirkt hier überaus angenehm) Titelstück „Wanna be your Joe“ bei exzellenter Instrumentierung (tolle Gitarren von Terry Shelton und brillantes Lap Steel-Spiel von Dan Dugmore) und einer tollen Melodie völlig locker und flockig ins Ohr, „Wouldn’t Be Me“ kommt bluesig balladesk rüber (klasse hier die integrierten Sax-Fills und ein tolles E-Gitarren-Solo) und bei „How’ve Ya Been“ handelt es sich um einen nachdenklichen Love-Song (Slide/Steel/Piano) ohne jeglichen Kitsch-Faktor.

Beim Bonustrack „A Pain In The Gas“ gibt sich Billy zum Abschluss im Stil eines „Straßenmusikers“. Dabei demonstriert er gekonnt seine Qualitäten an der Akustikgitarre und gibt sogar noch eine kleine Pfeif-Einlage zum Besten. Das 20-seitige Booklet enthält im übrigen sämtlich Texte der ausnahmslos von Cyrus komponierten, bzw. co-komponierten Songs! Der Mann ist in einer blendenden Verfassung und scheint, obwohl ihm der große kommerzielle Erfolg der frühen „Achy Breaky Heart“-Tage schon länger versagt bleibt, immer besser zu werden. Eine absolute Top-Leistung, Mr. Cyrus!

New Door Records (2006)
Stil:  New Country

01. Wanna Be Your Joe
02. I Want My Mullet Back
03. Man (Tribute To Dale Earnhardt)
04. I Wouldn’t Be Me
05. What About Us
06. Country Music Has The Blues
07. Freebird Fell
08. I Wonder
09. Lonely Wins
10. How’ve Ya Been
11. Ole What’s Her Name
12. Hey Daddy
13. Stand
14. Pain In The Gas (Bonus Track)

Billy RayCyrus
Billy Ray Cyrus bei Facebook
Bärchen Records

Randy Rogers Band – Like It Used To Be – CD-Review

Wiederveröffentlichung ihres Albums aus dem Jahre 2002! Keine Frage, daß wir nun, nachdem ihr aktuelles Album „Rollercoaster“ bei unserer Countryrock-Fraktion so groß eingeschlagen hat, auch den ebenso starken Vorgänger ins Programm nehmen würden. Eine wirklich sinnvolle Gelegenheit für Leute, die dieses hervorragende, bislang nicht leicht zu ergatternde Werk bis zum aktuellen Zeitpunkt „verschlafen“ haben, oder an denen diese grandiose Band bisher einfach vorbei gegangen ist.

Was die Randy Rogers Band hier auf ihrem Debut bietet, ist einfach wundervoller, lässig lockerer, sowohl frischer, als auch staubiger, von tollen Melodien geprägter Countryrock, der einen unmittelbar in den träumerisch, visionären Zustand einer den hiesigen, tristen Alltag vergessenden Reise durch die trockenen Weiten von Texas und Oklahoma versetzt. Insgesamt ist das Album nicht ganz so rockig wie „Rollercoaster“, doch man agiert jederzeit knackig, rotzig und mit dem typischen Texas-„Red Dirt“-Flair ausgestattet!

Das klischeehafte Cover (verrosteter Pickup in verdörrter, staubiger Landschaft), passt zwar vielleicht zum texanischen Ursprung und dem zuweilen trockenen Humor, den diese Truppe hin und wieder in ihren Texten an den Tag legt, von musikalischer Einöde ist allerdings nicht der geringste Ansatz spürbar. Wunderbar, diese völlig lockeren und entspannten Lieder an der Schnittstelle von Gruppen wie Reckless Kelly, Cross Canadian Ragweed, Wade Bowen & West 84 oder The Great Divide! Randy Rogers‘ weich-kratzig, angeraute Stimme (irgendwo zwischen Cody Canada und Mike McClure), sein vorzügliches Rhythmus-Akustikgitarrenspiel, die relaxt groovenden Basslinien von Taylor Neese, sowie das unaufdringliche Drumming von Hector Del Torro, laden immer wieder ein zu nett eingestreuten Soli, auch in Form kleiner Duelle, sei es durch Eddie Foster an der Pedal Steel, Geoffrey Hill an der E-Gitarre, oder dem bereits erwähnten Taylor Neese, der auch an der Mandoline brilliert.

Vom traditionellen, leicht swingend gehaltenen Country-Opener „Disappear“ bis zum Hiddentrack „Full Blown Girl“ (setzt nach ca. 20 Sek. der letzten Nummer ein), eine flapsige Spaßnummer, wo man sich mit den bizarren Neigungen, von durch Einsamkeit geprägten Menschen, humorvoll auseinandersetzt (erinnert ein wenig von der Art an Dr. Hooks „Cover Of The Rolling Stone“ oder „Everbody’s Makin’ It Big But Me“) wird ein unglaublich hohes Niveau durchgehend gefahren.

Bärenstark das textlich dramatisch anmutende „Tommy Jackson“ oder das rockig flippige „Company You Keep“, wo der untreuen Herzensdame, die Gründe offeriert werden, warum sie keine Rosen mehr geschenkt bekommt (ginge gut und gerne auch als Creedence Clearwater Revival-Nummer durch), wie auch das stuabige, von herrlichen Steel- und E-Gitarren geprägte „Still be losing you“! Traumhaft auch die Ballade „Reason To Stay“ mit leichtem Eagles/Westcoast-Feeling oder das so wunderbar melodische, flockige „Memory“, das mit seinem Stratocaster-Einlagen gar ins Outlaws-Repertoire zu damaligen „Lady In Waiting“-Zeiten gepasst hätte.

Eine ganz tolles Album der Randy Rogers Band, dass dem Anspruch, sowohl zum lässigen Cruisen mit dem Cabriolet, als auch zur Untermalung des sommerlichen Barbecues geeignet zu sein, absolut gerecht wird! Texanische Countryrock-Musik ohne jeden Fehl und Tadel! Und bei wem danach das endgültige RRB-Fieber ausgebrochen ist, der beachte, sofern er sie nicht schon sein eigen nennen darf, auch die bei uns erhältliche, oben bereits erwähnte, aktuelle Scheibe „Rollercoaster“ von 2004!

Smith Entertainment (2005)
Stil: Red Dirt

01. Disappear
02. Still Be Losing You
03. One Thing I Know
04. Lost And Found
05. Tommy Jackson
06. Friends With Benefits
07. Company You Keep
08. Like it Used To Be
09. Reason To Stay
10. Compano Bay
11. Memory

Randy Rogers Band
Randy Rogers Band bei Facebook
Bärchen Records

Randy Rogers Band – Same – CD-Review

Eine der texanischen Vorzeige-Bands in Sachen „Red Dirt“-rooted Countryrock meldet sich mit dem nächsten, großartigen Album! Die Randy Rogers Band in Bestform! Erneut produziert von Radney Foster! Die Randy Rogers Band ist ja seit geraumer Zeit über die Red-Dirt-Bewegung hinaus in der ersten Liga des Countryrocks angekommen, was letztendlich mit dem Erhalt eines Major-Deals auch verdientermaßen belohnt wurde.

Der Befürchtung, dass ein gewisser „Nashvillefaktor“ auf den Stil des Quintetts Einfluss nehmen könnte, wurde bereits mit dem starken Vorgängeralbum „A Matter Of Time“ (immerhin Platz 8 in den Country Billboard Charts) und der so typischen Unbekümmertheit dieser texanischen Paradetruppe, erfolgreich getrotzt. Schön, dass ihr Label auch weiterhin keine Anstalten macht, auf ihr immer noch erhaltenes, ursprüngliches Flair einzuwirken. So konnte die Randy Rogers Band mit dem neuen, nach sich selbst benannten Silberling, konsequent ihren Weg weitergehen.

Die nötige Rückendeckung wird vermutlich auch durch ihre stetig gewachsene Fanbasis gewährleistet, nicht zuletzt Dank des immer noch immensen jährlichen Konzertprogramms, das die Truppe abspult und ihr den Status als eines der Top 10- „Must-See Acts“ in 2007 einbrachte, vergeben durch kein geringeres Magazin, als den Rolling Stone. Das neue Album knüpft nahtlos an den starken Vorgänger an. Wie bereits oben erwähnt, hat wieder Radney Foster am Sound der Band Hand angelegt, einige Gitarrenparts beigesteuert, sich diesmal beim Songwriting aber etwas im Hintergrund gehalten. Lediglich das recht fröhliche, flockige, auf positiver Energie basierende „Let It Go“ wurde von ihm zusammen mit Randy komponiert.

Rogers pflegte erneut die bewährte Zusammenarbeit mit den Komponisten des Vorgängers wie Gary Nicholsen, Stephony Smith, George Ducas und Clint Igersoll. Neu dabei als Partner ist Sean McConnell, der auch schon beim kürzlich erschienenen Klassewerk von Rogers-Spezi Wade Bowen involviert wurde. Etwas stärkeren Einfluss konnten auch seine Bandkollegen John Richardsen und Geoffrey Hill geltend machen, die sich immerhin für drei Tracks („Wicked Ways“ – mit dezentem Charlie Daniels-Flair, „When The Circus Leaves Town“ – Southern E-Gitarren-Intro, E-Gitarren-Solo, Marshall Tucker-mäßiger Ausklang, „Break Even“ – dezent psychedelisch, sehr atmosphärisch) verantwortlich zeigten und damit zusätzlich das vorhandene, großartige, bandinterne Potential untermauerten.

Dass man sich in der Szene versteht, beweist die Tatsache, dass mit Micky Brown (Micky & The Motorcars) ein weiterer Frontmann der Red Dirt-Szene sich als Co-Writer zur Verfügung gestellt hat (bei „Didn’t Know I Could“). Am bewährten Mix aus Roots-, Country-/Southern-Rock, Red-Dirt- und dezent grassigen Zutaten (hervorragend Gastmusiker Eric Borash, der mit diversen Gitarren, incl. Steel, Mandoline und Dobro herrliche, auf den Punkt gebrachte Akzente setzt; grandios das grassige Instrumentalfinish bei „In My Arms Instead“) in Verbindung mit wunderbaren Melodien und variablen Tempovariationen (sehr schön angeordnete Trackliste) wurde nur punktuell gefeilt. Im Vordergrund steht natürlich der trockene, beruhigende, leicht genäselte Gesang von Randy Rogers (oft in der Manier eines Storytellers). Manchmal entdeckt man sogar gewisse Ähnlichkeiten zu Tim McGraw („One Woman“, „Didn’t Know You Could“, „When The Circus Leaves Town“, „This Is Goodbye“).

Hier bietet es sich für den Superstar fast an, auch einmal einen Rogers-Song zu covern, wie es vor geraumer Zeit Kollege Kenny Chesney auf einem seiner letzten Alben praktiziert hat. Der Countryfaktor wird, wie immer, besonders durch den Fiddlevirtuosen Brady Black gewahrt, der diesmal bei fast allen Stücken wohl dosiert und betont songdienlich agiert. Blendend natürlich auch E-Gitarrist Geoffrey Hill, der neben vielen Fills auch einige freche Soli hinzaubert.

Als Stimmungsmacher dienen dann zwischendurch (immer sehr gut vom Timing platziert) Lieder wie „Better Than I Ought To Be“, „Lonely Too Long“, „By Myself A Chance“ oder „Let It Go“, die durch ihre Rhythmik, die klasse Instrumentierung und teilweise selbstironische, augenzwinkernde Texte zu gefallen wissen. Insgesamt gesehen wurde beim aktuellen Werk im Vergleich zum Vorgänger nur in Nuancen geändert, jedoch letztendlich wiederum qualitativ eine kleine Schüppe draufgelegt. Man braucht sich um den Erhalt des Status Quo (was in Major-Sphären ja nicht immer einfach ist) sicherlich keine Sorgen zu machen. Die Erfolgstory der Randy Rogers Band geht ohne Zweifel weiter! Klasse!

Mercury Nashville (2008)
Stil: Red Dirt

01. Wicked Ways
02. Better Than I Ought to Be
03. Lonely Too Long
04. One Woman
05. Never Be That High
06. Didn’t Know You Could
07. In My Arms Instead
08. When the Circus Leaves Town
09. Buy Myself a Chance
10. Break Even
11. Let It Go
12. This Is Goodbye

Randy Rogers Band
Randy Rogers Band bei Facebook
Bärchen Records

Randy Rogers Band – Trouble – CD-Review

Superbe Vorstellung der Randy Rogers Band! Der ursprünglich aus Cleburn, Texas stammende Bandleader und seine Bandkumpanen Brady Black (Fiddle), Geoffrey Hill (Guitars), Jon Richardson (Bass) und Les Lawless (Drums) präsentieren auf ihrem 6. Studio-Werk „Trouble“ eine unwiderstehliche Mischung aus etatmäßigem Texas Red Dirt-Coountryrock und zeitgenössischem, modernen New Country. Die Truppe hat sich seit ihren Independent-Tagen bis zu ihrer mittlerweile schon sieben Jahren währenden Major-Phase (seit 2010 sind sie bei MCA Nashville unter Vertrag) ständig weiterentwickelt und ist mit ihren Alben seitdem immer unter den Top-10 der Billboard Country-Charts platziert gewesen, mit dem Vorgänger „Burning The Day“ sogar auch in den allgemeinen US-Charts.

Auch die neue CD „Trouble“ bietet wieder jede Menge Qualität und ungemein starken Stoff mit enormer Bandbreite, und so braucht man kein Hellseher zu sein, um auch dieser Scheibe entsprechenden Erfolg zu attestieren. Produziert hat diesmal das angesagte Multitalent Jay Joyce (The Wallflowers, Iggy Pop , The Warren Brothers, Eric Church), der erst kürzlich Little Big Town auf den Thron der Billboard Country-Album Charts verhalf. Er ist hier zudem musikalisch stark incolviert (Guitars, Piano, B-3). Joyce versteht es auf „Trouble“ hervorragend, aus dem Quintett neue Frische und Energie herauszukitzeln, behält dabei aber immer ihre Ursprünglichkeit und ihre Roots im Auge zu.

Schon das Auftaktstück „Goodbye Lonely“ versteht es, direkt zu punkten. Herrlich melodischer, Radio-tauglicher Red Dirt Countryrock in der Art, wie ihn auch die Eli Young Band sehr gerne zelebriert. Als Single parallel zur Album-Veröffentlichung wurde jedoch, das schön raubeinige, peppige „Fuzzy“ auserwählt (mit Gastauftritt von Ray Wylie Hubbard), das in seiner schwermütig swampig-stampfenden Rockmanier so bisher gar nicht im Repertoire dieser Band zu finden war. Sehr stark! Mit „Speak Of The Devil“ folgt die erste Power-Ballade, bei der Randy in den Strophen seinen angenehm rauchigen Gesang perfekt zur Geltung bringt und in den aufbrausenden Refrains, in der leicht näselnden Manier eines Tim McGraw, geballte Kraft und typische Emotionalität mit ins Spiel bringt.

Von Songs dieser Art gibt es mit „One More Sad Song“, „Had To Give That Up“ und dem abschließenden „I Never Got Around That“ (mit wunderschöner Mandolinenuntermalung) weitere starke Exemplare zu bewundern. Zusätzliche Gastauftritte gibt es beim Waltz-artig voranpreschenden Countrystomper „Flash Flood“ durch Gary Allan (Harmoniegesang), dem ja vor kurzem mit „Set You Free“ auch ein Nr.1-Album gelungen ist, und bei „Trouble Knows My Name“ durch dengerade 80 Jahre alt gewordenen „Recken“ Willie Nelson, der dem Lied ein herrliches Outlaw-Flair einhaucht (stark dazu auch das quäkige Mundharmonikaspiel von Mickey Raphael). Klasse die beiden Charaktere mal im Duett-Gesang zu erleben!

„If I Had Another Heart“ stammt aus der Feder des langjährigen Rogers-Weggefährten und Mentors Radney Foster, der immerhin drei der früheren Randy Rogers-Alben produzierte. Dieser Song trägt seine typische, leicht introvertierte Handschrift. Die wohl größte Überraschung des Werkes, das saustarke „Shotgun“ wurde jedoch von Bassist Jon Richardson im Alleingang komponiert. Ein prächtiger, fett abgehender, swampiger „Ass-kicking Countryrocker“, bei dem auch Lynyrd Skynyrd-Stücke wie „Voodoo Lake“ und „Smokestack Ligthning“ leicht hindurchschimmern. Ein wuchtiger Track mit garantiertem Fußwippfaktor.

Stark neben Randys toller Gesangsleistung auch wieder das Zuspiel von Gitarrist Geoffrey Hill und Fiddle-Player Brady Black (mit ein Trademark der Gruppe), die sich beide gleichberechtigt so manches Solo um die Ohren hauen (meist in Wechselmanier). Insgesamt ein wirklich toller und äußerst abwechslungsreicher Longplayer, bei dem viele der Stücke sofort im Gehör haften bleiben. So stark hat man die Band trotz ihrer immer beständigen Leistungen schon lange nicht erlebt. Joyce hat, das spürt man hier omnipräsent, neuen Hunger in diesem Quintett geweckt.

Nicht unerwähnt bleiben darf das tolle Cover-Artwork (auch mit allen Songtexten inklusive). Schon das Titelbild mit den Fingerabdrücken der fünf Musiker ist eine gelungene Idee aber auch die typischen, erkennungsdienlichen Bilder (mit vorgehaltenen Nummern) von gerade eingetroffenen Knastinsassen sind „zum Piepen“ (sämtliche Bandmitglieder mit schön grimmigen Gesichtern). Am Ende wird aber alles gut und die Band verlässt gemeinsam die geöffneten Gefängnisstore. Eine schöne Bildgeschichte am Rande. Randy Rogers und seine vier Mitstreiter kehren mit „Trouble“ nach drei Jahren beeindruckend in den aktuellen Musikzirkus zurück und dürften im New Country-verwöhnten Nashville, sowie in ihrer Red Dirt-Domäne Texas, aber ganz sicher auch landesweit, weiter für Furore sorgen. Und vielleicht gibt es ja diesmal sogar das erste Nr.1-Album ihrer Karriere. Die Aussichten sind gut. In jedem Fall ist das mit das beste Werk ihrer bisherigen Karriere. Chapeau Randy Rogers Band!

MCA Nashville (2013)
Stil: Red Dirt

01. Goodbye Lonely
02. Fuzzy
03. Speak Of The Devil
04. Flash Flood
05. Trouble Knows My Name
06. One More Sad Song
07. If I Had Another Heart
08. Don’t Deserve You
09. Had To Give That Up Too
10. Shotgun
11. Never Got Around To That

Randy Rogers Band
Randy Rogers Band bei Facebook
Bärchen Records

Sheryl Crow – Feels Like Home – CD-Review

SC_300

Gut drei Jahre ist es her, dass sich Sheryl Crow mit „100 Miles From Memphis“ ein wenig in Soul-Sphären gewagt hatte, was bei einer Musikerin ihrer Kragenweite natürlich zu sehr diversen Reaktionen und Kritiken geführt hatte. Mit ihrem neuen Werk „Feels Like Home“ bewegt sie sich mit auf Nashville fokussiertem Country/New Country erneut auf, zumindest für sie, nicht ganz alltäglichem Parkett.

Um es vorwegzunehmen, diese Art von Musik liegt ihr deutlich besser als die des Vorgängers, weil sie wesentlich mehr Bezugspunkte zu ihrem ursprünglichen ‚Kerngeschäft‘, (Rock/Pop mit Folk- und Country-Elementen) mit dem ihr kometenhafter Aufstieg einst begann, aufweist. Ja, lang ist’s her, ich habe sie damals Mitte der Neunziger mal live im Vorprogramm von Joe Cocker gesehen, da ahnte man schon, dass sie musikalisch zu deutlich mehr prädestiniert ist.

Sheryl Crow erlebte trotz des Erfolges nicht nur Sonnenschein. Ihre als Solokünstlerin vermarktete Karriere führte direkt am Anfang zum Zerwürfnis mit den damaligen Mitmusikern, ihre zwischenzeitlichen Liaisons mit Doping-Sünder Lance Armstrong (wäre sicher mal interessant zu wissen, was sie da wohl so alles mitgekriegt hat?) und anderen prominenten Persönlichkeiten (u. a. Eric Clapton, Schauspieler Owen Wilson) verliefen alles andere als glücklich, dazu kamen noch ihre Brustkrebserkrankung und ein (glücklicherweise gutartiger) Gehirntumor. Das alles hat sie vermutlich zu einer Kämpfernatur gemacht.

So kommt ihr neuer Versuch, im Nashville-Dunstkreis Fuß zu fassen, auch so ein bisschen einer aus dem Leben heraus resultierenden ‚Stehaufweibchen‘-Mentalität gleich. Hier wird sie dann allerdings im Prinzip auch mit offenen Türen empfangen. Arrivierte Songschreiber standen ihr zur Seite (u. a. Chris Dubois, Luke Laird, Chris Stapelton, Al Anderson, Leslie Satcher, Natalie Hemby), absolute Klassemusiker der Studioszene (Greg Morrow, Glenn Worf, Tom Bukovac, Kenny Greenberg, Charlie Judge, Dan Dugmore, Ilya Toshinsky, etc.), dazu illustre Gäste wie Brad Paisley, Vince Gill oder Zac Brown und mit Justin Niebank ein erfahrener Producer, der weiß, wo in Music City der Countryhase langläuft.

Eigentlich wäre es unter diesen Voraussetzungen schon fast einem Wunder gleichgekommen, wenn hier nicht ein tolles Album herausgekommen wäre. Und im Prinzip erfüllt der Silberling dann auch die in ihn gesetzten Erwartungen. Eine schöne Mischung aus rockigeren, einigen Midtempo- und auch balladeskeren Tracks. Crow weiß ihre variable Stimme dem Flair der Stücke perfekt anzupassen, die Musiker wissen ebenso, dass bei solch einer prominenten Persönlichkeit dann auch entsprechendes instrumentelles Niveau gefahren werden muss.

Das fluffige „Easy“ mit seinem Easy-Listening-Gute-Laune-Teint hat es dann auch sofort in die Top-20 geschafft. Besonders gefallen die energiegeladenen Tracks wie „Shotgun“, „We Oughta Be Drinkin'“ (beide mit dezenten „All I Wanna Do“-Reminiszenzen und schönen E-Gitarren), „Nobody’s Business“ (southern-rockig) oder „Best Of Times“ (rootsig, schöne Harp-Einlage). „Callin‘ Me When I’m Lonely“ im flotten Countryblues-Stil und „Crazy Ain’t Original“ mit seinem Frontporch-Veranda-Feeling wissen ebenfalls zu begeistern.

Bei den typischen Country-Balladen „Give It To Me“, „Waterproof Mascara“, „Homesick“ (guter Text – alle sind übrigens im Faltbooklet enthalten) und dem finalen „Stay At Home Mother“ hätte Niebank dann doch gerne ein wenig mehr auf die Emotionalitätsbremse treten dürfen. Also auch noch simulierte Kirchenglocken zu den diversen Streicheruntermalungen sind dann doch ein-, zweimal ein bisschen viel des Guten – im Gesamtkontext zum starken Rest dann aber eher eine Randnotiz und letztendlich doch verkraftbar.

Fazit: Sheryl Crows erster reiner eigenständiger Ausflug ins Country-/New Country-Genre ist insgesamt nahezu perfekt gelungen. Die Songs gehen angenehm ins Ohr und sind anspruchsvoll instrumentiert. Eine gute Balance zwischen Mainstream (der eigentlich nur ganz dezent und unterschwellig stattfindet) und traditioneller Darbietung ist gefunden worden. Aus Sheryls engagiertem, variablem und scheinbar leicht von der Zunge gehendem Gesang sowie auch der Wahl des Albumtitels „Feels Like Home“ lässt sich ein gewisses Wohlbefinden im Genre konstatieren. Stoff irgendwo in der Schnittmenge zwischen Faith Hill, Lee Ann Womack und Martina McBride auf der einen Seite sowie Pistol Annies, The Wreckers oder Julie Roberts auf der anderen. So darf es gerne weitergehen, Ms. Crow!

Warner Music Nashville (2013)
Stil: New Country

01. Shotgun
02. Easy
03. Give It To Me)
04. We Oughta Be Drinkin‘
05. Callin‘ Me When I’m Lonely
06. Waterproof Mascara
07. Crazy Ain’t Original
08. Nobody’s Business
09. Homesick
10. Homecoming Queen
11. Best Of Times
12. Stay At Home Mother

Sheryl Crow
Sheryl Crow bei Facebook
Bärchen Records

Tammy Cochran – Life Happened – CD-Review

Für eine junge Künstlerin, die erst gerade ihr zweites Album veröffentlicht, ist Tammy Cochran ein erstaunlich reifes Werk gelungen. Wirft man einen Blick in ihre Biographie, liegen die Gründe dafür auch relativ schnell auf der Hand.

Verlust ihrer beiden Brüder krankheitsbedingt während ihrer Kindheit, eine überstürzte Heirat mit prompt folgender Scheidung, führten zu einer umso sorgfältigeren Vorbereitung auf das Musikbiz in Nashville. Der Lohn. Ein erfolgreiches Debüt und ein nahezu perfekter Nachfolger.

Das Fundament bildet, wie so oft, die Elite der New-Country-Studiomusiker. Dazu attestiere ich eine intelligente Auswahl an Fremdkompositionen; aber gerade das eigene Songwriting wertet diese Scheibe ungemein auf. Starke Texte, bei denen Leuten wie du und ich, die harten Realitäten des Lebens schonungslos vor Augen geführt werden, aber auch immer wieder das Licht am Ende des Tunnels gezeigt wird, hinterlassen eine enorme Wirkung.

Besonders klasse. „Dead Of The Night“, das mich von der Dramatik her an Garth Brooks‚ „The Thunder Rolls“ erinnert. Ein kleines Mädchen beendet die fortwährenden und gewalttätigen Auseinandersetzungen der Eltern, in dem es den angetrunkenen Vater mit einer 45er niederstreckt.

Oder mein Lieblingstitel des Albums. Das knackige „All In How You Look At Things“, das die Message transportiert, dass man, egal wie die Dinge auch sind, das Positive für sich daraus mitnehmen sollte.

Auch der Titelsong, „Life Happened“, über die vergebenen Möglichkeiten im Leben, dürfte vielen aus der Seele sprechen. Irgendwo eine sympathische CD von einer angenehm wirkenden Person, die auch sozial und politisch engagiert ist.

Sony Music Entertainment/Epic (2002)
Stil:  New Country

01. Love Won’t Let Me
02. Wanted
03. Go Slow
04. What Kind Of Woman Would I Be
05. White Lies And Picked Fences
06. I’m Getting There
07. Life Happened
08. I Used To Be That Woman
09. Dead Of The Night
10. All In How You Look At Things
11. If You Can

Tammy Cochran
Tammy Cochran bei Facebook
Bärchen Records

Dry County – Cowboy Up – CD-Review

Achtung! Aufgepasst! Dies ist eine CD für Männer, dementsprechend ist diese Besprechung auch nur für echte Männer gedacht. Emanzen, Frauenversteher und all die, die unserer Spezies seit Jahrzehnten ihre angeborenen Instinkte madig zu reden gedenken und an unserem unzerrüttbaren Selbstbewusstsein (inkl. unseres eigenwilligen Humors) kratzen wollen, sollten sich die vorprogrammierten Schreie der Empörung sparen. Sie sind hier fehl am Platze. Das ist Musik für uns eindimensional gestrickte Geschöpfe, die sich um Multitasking einen Dreck scheren, und, wenn überhaupt, dann höchstens für die Pams, Katies oder Lindseys & Co. dieser Erde.

Einfach herrlich diese, dank ihres charismatischen Bandleaders Jeff Gallagher, so machohaft klingende, mit viel Redneck-Flair umwobene New Country-Band (weitere Mitglieder. Randy Solski, Don Laframboise, Keith Silver, Uncle Dik) aus Toronto, Ontario in Kanada, die jetzt mit „Cowboy Up“ ihr Meisterwerk hinlegt, nachdem ihr Debüt und auch der superstarke Vorgänger „Waitin‘ On Hank“ schon nicht von schlechten Eltern waren.

AC/DC meets Alabama‘ heißt die Formel, auf die ihr bisheriges musikalisches Treiben grob reduziert wurde. Sicherlich sind all ihre Werke immer wieder mit einigen an die berühmten Australier reminiszierenden Riffs (wie „Cowboy Up“ natürlich auch) durchzogen, aber im Prinzip wird doch hauptsächlich deftiger New Country mit sattem Southern Rock auf’s Vortrefflichtste gepaart. Diese CD riecht förmlich nach schwülheißen Swamps, schlammüberzogenen, öligen Pickups, lodernder, knisternder Holzkohle, bruzzelndem Grillfleisch sowie Whiskyflaschen und Bierdosen, die es bei guter Musik in rauen Mengen zu leeren gilt.

Gallaghers Eröffnungsstatement »So turn it up and up and up, we want it louder« zeigt beim feucht-fröhlichen, rockigen Opener „Hey Hey Cheers“ direkt die Richtung an, in die der Hase in den folgenden knapp 40 Minuten läuft. Kronkorken klackern und das zischende Einfließen eines kühlen Gerstensaftes bilden den passenden Abschluss eines launigen Liedes. Ich bin mir sicher, dass Toby Keith, John Rich und Trace Adkins der Band begeistert zuprosten würden. „Cowboy Up“ und „Redneck Song“ sind zwei weitere, mit fetten Drums (grandios auftrumpfend Uncle Dik, vor allem mit seiner poltrigen Fußtrommelarbeit), klirrenden Gitarren und Gallaghers grimmigem Gesang bestückte, kompromisslose Southern-Rocker, die den (vermutlich eh schon überhöhten) Blutdruck der meisten Genre-Fans noch weiter empor schnellen lassen. Klasse!

Mit ganz dezenten Mitteln wird auch immer wieder für Abwechslung gesorgt. Für die Countrynote sorgen ab und zu schön eingeflochtene Banjopassagen in Urbanscher Manier („Hillbilly Train“, „Drunk On Yer Love“). Einmalige, weibliche Harmonies (schade, warum eigentlich nur hier?) veredeln einen weiteren Southern-Stampfer namens „Ditry Secrets“. Bläsereinsätze verleihen dem furiosen „The Way You Is“ noch mehr Volumen, als es ohnehin schon hat. Und wenn Gallagher wie ein räudiger Hund bei einer der zwei Balladen »Thank you for loving me imperfect«, frei nach dem Motto „Liebling ich habe dich zwar schon hundertmal betrogen, aber ab jetzt wird alles anders“ dahinseufzt, kann man sich ein mitleidiges Grinsen nicht verkneifen.

Zum Schluss erfährt man noch bei Kuhglocken-Drumming, Mariachi-artiger Bläserbegleitung und rockigen Gitarren, was Margaritas, Darth Vader, The Undertaker, Sammy Hagar und jede Menge Tequilia mit „Mexicoma“ verbindet. Ein stimmungsreiches Finale! Die herrlich fette und glasklare Produktion (großes zusätzliches Lob hierfür), macht diese Scheibe zum kurzweiligen Erlebnis. Ein perfekter Begleiter bei allen Dingen, die wir Männer gerne machen, sofern wir mal unter uns sind und uns den Fängen dieser uns zu femininen Geschöpfen abrichten wollenden Strategen/innen entziehen können.

Lasst uns von daher in Sachen Dry County auf ein weiteres Laster, das wir fortan bedingungslos unser Eigen nennen können, anstoßen. Cheers!

RS Sounds (2010)
Stil:  New Country, Southern Rock

01. Hey Hey Cheers
02. Cowboy Up
03. Hillbilly Train
04. Redneck Song
05. We Ain’t Messed
06. Imperfect
07. Drunk On Yer Love
08. Dirty Secrets
09. Little Girl Of Mine
10. The Way You Is
11. Mexicoma

Dry County
Dry County bei Facebook
Bärchen Records

Mary Chapin Carpenter – Time, Sex, Love – CD-Review

Vor vielen Jahren wurde von einem RWE-Fan im Essener Georg-Melches-Stadion ein Plakat aufgehangen, auf dem stand, „Drei Dinge braucht der Mann. Sex, BAP und RWE!“. Es war die Zeit als noch ein Jürgen Röber die Richtung nach oben vorgab, als ein Ollie Grein mit seinen Haken dafür sorgte, dass den Schalker Spielern die Beine, nicht wie heute, vom Feiern wackelten, und sie statt nach Berlin zum Auskurieren ihres (Muskel-) Katers aufs Trainingsgelände zum Strafexerzieren befördert wurden, was wiederum einem Rot-Weiss-Essen-Nahestehenden eine höchstmögliche Ausschüttung von Glückshormonen bescherte. Man sieht also, es gibt Dinge – meine Ehefrau möge es mir verzeihen – also BAP mag ich wirklich nicht…, auf die man dann sogar gerne verzichten könnte.

Was hat dies alles mit Mary Chapin Carpenter zu tun, fragt sich da natürlich der geläuterte Country-Musik-Fan. Im Prinzip nichts, außer dass die Lady ihr neues Werk auch mit drei Schlagworten ins Rennen wirft und schon wieder dieses merkwürdige Wort mit den drei Buchstaben auftaucht.
Ja, bei den Amis war schon immer Gleiches noch ein bisschen anders…

Zu bestätigen scheint ihre Gewichtung allerdings der Kommentar einer PTA aus Dortmund. „Hier gehen zur Zeit so viele Viagra-Vorbestellungen und -Packungen über den Ladentisch, dass die ganze Stadt 24 Stunden unter Strom stehen müsste…“. Ja, was soll man in Dortmund nach dem Stop der Essener (Fußball-) Entwicklungshilfe auch anderes tun, könnte man jetzt gehässig fragen, aber wie wär es denn mal vielleicht zur Abwechslung mit toller New-Country-Musik? Zum Beispiel mit dieser CD!

Meine erste Begegnung mit Mary Chapin Carpenter kam durch ihr Stück „Shut up and kiss me“ zu Stande, eine Honky-Tonk-Nummer, die ich im Radio hörte und mir durch Mark und Bein ging, und das noch heute zu meinen Lieblings-New-Countrystücken zählt. Kurze Zeit später lag zugehörige CD „Stones In The Road“ bei mir im Player. Das Gesamtergebnis war jedoch relativ ernüchternd. Zwei, drei ganz nette Stücke inclusive des oben angeführten Liedes, der Rest eher langweiliges Geheule. Zwischenzeitliche Videos in Country Roads hauten mich auch nicht sonderlich vom Hocker, so dass erst mal eine längere Funkstille herrschte.

Nun also das neue Album von Mary. Der Beipackzettel beschreibt die CD als sehr philosophisches und persönliches Werk (in der Tat hat Mary alle Songs selbst geschrieben), der kommerzielle Aspekt sollte diesmal außen vor bleiben. Die Beschreibung ist äußerst treffend. Nach gutem Auftakt, sofort mit dem besten Stück der CD „Whenever You’re Ready“ und einigen Aufhorchern wie „Slave to the beauty“, „This Is Me Leaving You“, „The Long Way Home“, und „In The Name Of Love“, die aber eher die Funktion eines Wieder-Wachmachers erfüllen, ist das Werk von überlangen, poetischen, teilweise melancholisch bis zu introvertierten Passagen durchzogen.

Die CD ist mir, ehrlich gesagt, besonders im Mittelteil zu ruhig geraten. Ich bevorzuge da eher, die etwas modernern und peppigeren Stücke wie zum Beispiel von Lace, SHeDAISY, Kinleys oder Alecia Elliott. Ja, liebe Mary, ‚time is a great gift, sex is a great equalizer, love is a great mystery‘, hört sich alles sehr schön an und mag auch hier und da mal stimmen, viele deiner Songs sind aber ‚great tranquilizers‘.

Ob ihr Lachanfall im recht diffusen elfminütigen Abschlussstück ein Indiz dafür war, dass einige ihrer Musiker kurz eingenickt waren? Mein Tipp wäre. Auch wenn Mary Chapin Carpenter sicherlich alles erreicht hat und ihr Erfolg, Talent und Reputation unbestritten sind, sollte sie sich mal einiger ‚Fremd-Songwriter‘ kombiniert mit dem Fingerspitzengefühl eines Tim McGraw bedienen, um etwas mehr Leben in die Bude zu bringen.

Ach übrigens, vielleicht bleibt noch zu klären, was aus dem anfangs erwähnten RWE-Fan geworden ist. Man soll ihn zuletzt in einer Dortmunder Apotheke gesehen haben…

Sony Music (2001)
Stil: Singer / Songwriter / New Country

01. Whenever You’re Ready
02. Simple Life
03. Swept Away
04. Slave To The Beauty
05. Maybe World
06. What Was It Like
07. King Of Love
08. This Is Me Leaving You
09. Someone Else’s Prayer
10. The Dreaming Road
11. Alone But Not Lonely
12. The Long Way Home
13. In The Name Of Love
14. Late For Your Life

Mary Chapin Carpenter
Mary Chapin Carpenter bei Facebook
Bärchen Records

Emerson Drive – What If? – CD-Review

Zweites Album der kanadischen Newcomerband unter der Regie von 80er-Jahre Mainsteam-Rock-Ikone Richard Marx, der jetzt scheinbar mehr den Fokus auf das Mischpult und das Songwriting für Fremdinterpreten legt, nachdem es um ihn selbst musikalisch doch recht ruhig geworden ist. So hat er auf „What If“ von Emerson Drive das eine oder andere Lied beigesteuert, bei dem sein Einfluss auch unüberhörbar erscheint.

Überragend, „If You Were My Girl“ mit seinem fetzigen Rhythmus der Marke „Means Nothing To You“, sogar von den Gitarren her leicht southern-angehaucht, das mit viel Power in Marx-typischer Art fröhlich dahinrockt. Dazwischen ein nettes kurzes E-Solo und Elektro-Fiddeln, wie sie bei Shania Twain meist eingesetzt werden, und auch bei diversen Stücken immer wieder sporadisch auftauchen. Wohl ein Resultat des intensiven Tourens mit der First Lady des New-Country-Pops, wobei ich mich spontan frage, warum die gute Shania nicht diese talentierten Jungs als Support ins New-Country-Entwickungsland Deutschland mitgenommen hat, sondern uns mit dieser grausigen ABBA-Revival-Band piesacken musste.

Emerson Drive verzichtet fast gänzlich auf das Mitwirken der von meinen Kollegen als Nashville-Mafia liebkosten Studiomusiker. Aus gutem Grund, denn die Kameraden beherrschen ihre Instrumente wie eine Eins. Besonders Gitarrist Danick Dupelle deutet (meist leider nur kurz) an, dass er ein richtig Guter ist, wenn man ihn denn ließe. So drückt doch Sänger Brad Mates dem Werk größten Teils seinen Stempel auf. Seine helle Stimme ist zwar nicht als unangenehm zu bezeichnen, fungiert aber irgendwie als ständiger Weichspüler der Titel, die gerade die Balladen zu reinsten Schmachtfetzen mutieren lässt.

Hier gilt es wie damals als Kind bei der berühmten Zuckerwatte auf der Kirmes. Bei maßvollem Genuss recht lecker, in hohen Dosen mächtige Magenschmerzen garantiert!
Ganz nett sind so Lieder wie das von dynamischen Rhythmus-Gitarren und heulenden Fiddeln geprägte „November“, die peppigen „Fishin‘ In The Dark“ und „Waitin‘ On Me“ mit ihrem Shania-Touch, oder das rockige „Still Got Yesterday“, das ein wenig an „Summer Of 69“ ihres anderen berühmten kanadischen Mitbürgers erinnert.

Trotzdem, so richtig wie damals Emerson Fittipaldi gehen die Burschen nicht ab! Spaß an der Sache haben dürften Käufer, die mit den bereits angesprochenen Künstlern zurecht kommen; Rascal Flatts, Keith Urban oder Rushlow sind weitere Beispiele, bei denen ich einen gemeinsamen Nenner entdecke. Aus meiner Sicht jedoch eher geeignet für die schwärmerische weibliche Klientel oder allerhöchstens was für Jung-Cowboys mit noch ganz wenigen Kerben im Colt…

Dream Works Records Nashville (2004)
Stil:  New Country

01. Last One Standing
02. Lemonade
03. If You Were My Girl
04. What If?
05. I’ll Die Trying
06. November
07. Fishin‘ In The Dark
08. You’re Like Coming Home
09. Take It From Me
10. Waitin‘ On Me
11. Running Back To You
12. Simple Miracles
13. Still Got Yesterday
14. Rescued

Emerson Drive
Emerson Drive bei Facebook
Bärchen Records