Ronnie Dunn – Re-Dunn – CD-Review

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Ich war noch nie ein Freund von groß angelegter Coverei. Einzelne Songs, wohl dosiert und eigenwillig umgesetzt, ist durchaus ok, aber ganze Alben oder noch schlimmer Bands, die sich komplett darauf spezialisiert haben, die Originale zu kopieren, selbst wenn es sogar in besserer Art (soll es ja auch geben) geschieht, werden in der Regel von mir boykottiert.

Für mich stellt das neue Kreieren von Musik die oberste Prio dar, als besonders frustrierend empfinde ich es, wenn solche (oft hervorragende) Acts, teilweise vor weniger als 50 Zuschauern ihre Künste zum Besten geben müssen, während tags darauf eine Coverband die Bude voll macht.

In diesem Fall bei Ronnie Dunn verhält es sich allerdings anders, obwohl er uns hier ein Doppelalbum mit ausschließlich Adaptionen anderer Künstler serviert.

Zum einen hat der Protagonist sowohl solo, aber auch vor allem unter seiner Mitwirkung beim New Country-Super-Duo Brooks & Dunn sein kreatives Können längst bei unzähligen Titeln unter Beweis gestellt, zum anderen, liefert er hier mit Nashville-Parademusikern wie u. a. Brent Mason, Jeff King, Kenny Greenberg, Jerry McPherson (alle Gitarren), Paul Franklin, Gary Morse (Pedal Steel), Mark Hill, Glenn Worf (Bass), Greg Morrow (Drums) und Charlie Judge (Keyboards), samt seiner Charakterstimme, überwiegend nicht ganz so abgenutzte Stücke, in einem absolut gelungenen New Country-Gewand ab.

So bleibt man z. B. vom in der Blues- und Southern Rock-Szene bevorzugten Stones-, Hendrix- und Led Zeppelin &Co.-Fundus und seinen üblichen Verdächtigten hier mal angenehmer Weise verschont.

Allein schon der Auftakt mit den vier herrlich umgesetzten Stücken wie „Amarillo by Morning“ (George Strait – grandioser Beginn), „Long Cool Woman (In A Black Dress)“ (Hollies-Feger), „That’s How I Got to Memphis“ (Tom T. Hall – absoluter Ohrwurm) und „It Never Rains in Southern California“ (Albert Hammond), deutet an, was machbar ist, wenn gute Musiker und Sänger, in einem temporär begrenzten Projekt, mit ganzer Seele aufgehen. Man merkt ihnen den ‚Bock‘ hier förmlich an.

Dunn offeriert beeindruckend, dass er so gut wie alles singen kann, die Musiker, dass sie wahre Wandlungskünstler zu sein scheinen. Gerade die immer wieder eingeflochtenen Gitarren- und Steel-Parts sind der reinste Ohrenschmaus.

Eigentlich untopbare Tracks wie wie Claptons „Wonderful Tonight“, „Against The Wind“ (Bob Seger) oder „Peaceful Easy Feeling“, begegnet Dunn auf Augenhöhe. Spannend sind vor allem die bis dato für eher wenig Country-kompatibel einzustufenden Stücke wie “How Long” (Ace mit Paul Carrack), „Showdown“ (ELO) oder „Im Not In Love“ (10CC), die aber absolut stilsicher geschultert werden und nun eine besondere (Country-)Note erhalten.

Als nicht ganz so gelungen empfinde ich lediglich Tom Pettys „I Won’t Back Down“, wo die 80-/90er-mäßigen Begleit-Synthies doch eher kontraproduktiv wirken. Im Prinzip aber der einzige Patzer.

Ronnie Dunns „Re-Dunn“ ist der perfekte Begleiter für den nächsten Roadtrip, aber auch zum Rumlümmeln auf dem Sofa. Ideal besonders für die nächste sommerliche Grillparty. Da bin ich mir sicher, dass es nach den ersten Liedern schon viele fragende Blicke der nicht Country-festen Anwesenden nach dem Künstler geben wird, bis das Rätsel um Ronnie Dunn letztendlich final aufgelöst sein wird.

Die schwer im Original zu bekommende Scheibe kann man bei Bärchen Records erwerben!

LWR (2020)
Stil: New Country

CD 1:
01. Amarillo by Morning
02. Long Cool Woman (In a Black Dress)
03. That’s How I Got To Memphis
04. It Never Rains in Southern California
05. How Long
06. Drinkin‘ Thing
07. Together Again
08. Peaceful Easy Feeling
09. Against The Wind
10. If You Don’t Know Me By Now
11. I Won’t Back Down
12. The Cowboy Rides Away

CD 2:
01. Showdown
02. Wonderful Tonight
03. Ashes By Now
04. That’s The Way Love Goes
05. I’m Not in Love
06. Brown Eyed Girl
07. You Don’t Know Me
08. Ridin‘ My Thumb To Mexico
09. A Showman’s Life
10. Good Time Charlie’s Got the Blues
11. Amie
12. I Can’t Help It (If I’m Still in Love With You)

Ronnie Dunn
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Bärchen Records

Sam Hunt – Southside – CD-Review

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Sechs Jahre hat sich Sam Hunt für den Nachfolger zu seinem Bestseller „Montevallo“ (über 3 Millionen Verkäufe) und Sofort-Nr. 1-Album in den Country-Charts (immerhin auch direkt Platz 3 in den allgemeinen Billboards-Charts) Zeit gelassen. Mittlerweile hat seine Plattenfirma MCA vermutlich frei nach Woody Allen, „Mach’s noch einmal, Sam“, auf den fälligen zweiten Streich gedrängt.

Somit knüpft sein neues Werk mit dem Titel „Southside“, wen wundert es, natürlich genau an das bewährte Rezept an, die größtmögliche Schnittmenge zwischen radiotauglichem, beziehungsweise massenkompatiblem Country und Pop auszuloten und in den entsprechenden kommerziellen Erfolg umzumünzen.

Dabei fängt die Scheibe zu meiner Überraschung mit einem lupenreinem New Countrystück ohne jeglichen Schnickschnack an, das auch zu einem Garth Brooks blendend passen würde. Zach Chromwell und Josh Thompson dürfen sich neben dem Protagonisten für das Lied „2016“ in die Liste der beteiligten Co-Autoren eintragen. Die ist im weiteren Verlauf mit einer Vielzahl von weiteren prominenten Songschreibern wie u. a. Luke Laird, Shane McAnally, Josh Osborne, Ashley Gorley, Matt Jenkins, hochrangig besetzt. Sam Hunt ist wieder, wie schon beim Vorgänger, bei allen Liedern involviert.

Ab dem folgenden „Hard To Forget“ (bitte ganz schnell vergessen…) widmet er sich konsequent seinen, für ihn wohl typischen melodischen Soundspielereien, wo Loops, Beats, Synthies (selbst die Akustikgitarre hört sich oft künstlich an), mit countrytypischen Instrumenten wie Steel, Fiddle, Banjo und Mandoline, Piano und E-Gitarre, wohl-dosiert, immer alle Fraktionen im Blick, sehr geschickt kombiniert werden.

Für den gediegenen Countryhörer ist das und selbst für mich, wenn man ehrlich ist, Stoff, auf den man gut verzichten kann. Dabei spürt man irgendwie, dass der aus Cedartown, Georgia stammende frühere Football-Spieler auch jederzeit anders könnte, siehe „2016“oder auch das Southern Country-rockige „Let It Down“, wenn da nicht wieder diese gekünstelt klingenden Drum-Loops nerven würden.

Der Rest, bei dem man mit viel Wohlwollen noch die Stücke „Body Like a Back Road“ und „Breaking Up Was Easy in The 90’s“ als noch einigermaßen akzeptabel bewerten kann, ist eher bestens kalkulierter Mainstream-Pop mit ein bisschen Country. Nicht mein Ding, aber aus Sams Sicht natürlich legitim.

Immerhin kann man Leute wie Hunt zumindest als Brückenbauer zwischen Jung und Alt loben. Ihnen ist es vermutlich zu verdanken, dass bei uns auch viele jüngere Menschen sich für Countrymusik zu interessieren beginnen und auch die Konzerte immer zahlreicher aufsuchen.

Zu diesem Album mit dem eigentlich vielversprechenden Titel „Southside“ von Sam Hunt fällt mir ansonsten nicht mehr viel ein. Seine Jagd auf das zweite Nr. 1 Album hat begonnen und wird in den nächsten Tagen sicherlich auch dementsprechend von Erfolg gekrönt sein. Glückwunsch schon mal vorab Sam Hunt!

MCA Nashville (Universal) (2020)
Stil: Countrypop

01. 2016
02. Hard to Forget
03. Kinfolks
04. Young Once
05. Body Like a Back Road
06. That Ain’t Beautiful
07. Let It Down
08. Downtown’s Dead
09. Nothing Lasts Forever
10. People Like Us
11. Breaking Up Was Easy in The 90’s
12. Drinkin‘ Too Much

Sam Hunt
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Universal Music

Ashley McBryde – Never Will – CD-Review

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Im Nachgang zu Ashley McBrydes grandiosem zweiten Longplayer „Never Will“ ärgert es mich schon fast ein wenig, nicht auch ihr Debüt „Girl Goin‘ Nowhere“ zur Bemusterung erhalten zu haben. Schön, dass Warner Music mittlerweile die Bedeutung des wachstumsfreudigen Country-Marktes in Deutschland erkannt hat und in dieser Hinsicht aktiver zu werden scheint.

Die aus Arkansas stammende, 2007 nach Nashville übergesiedelte Künstlerin (so ein junger Bonnie Raitt-Typ), liebevoll von Eric Church als ‚whiskey-drinking badass‘ charakterisiert, heimste völlig zurecht zwei GRAMMY-Nominierungen, als auch die Auszeichnung als „New Female Artist of the Year“ bei den ACM Awards und „New Artist of the Year“ bei den CMA Awards, ein. Sicherlich kein schlechter Auftakt für eine Newcomerin.

Mittlerweile liegt jetzt der Nachfolger „Never Will“ zum Erwerb bereit. Im Prinzip wurde am bewährten Erfolgsrezept, die Protagonistin überwiegend an der ‚langen Leine‘ zu lassen, festgehalten. Star-Producer Jay Joyce, der erneut die Hauptverantwortung inne hatte, setzte allerdings McBryde und ihre Mitspieler in der Hinsicht unter Druck, dass er ein Höchstmaß an Spontanität einforderte, sprich, er machte klar, dass an dem Ergebnis der Songs nicht großartig herumgefeilt werden würde. Es sollte also, von Anfang an, bestmöglich ’sitzen‘.

Neun Stücke stammen aus der Feder von Ashley (als Co-Writer finden sich viele bekannte Namen wie u. a. Jeremy Bussey, Shane McAnally, Brandy Clark, Jeremy Spillman), lediglich das fantastische „Shut Up Sheila“ und das zunächst etwas gewöhnungsbedürftige, aber letztendlich doch sehr eingängige „Styrofoam“ (mit technischen Spielereien und partiellen rapmäßigem Sprechgesang) am Ende, stammen aus fremder Feder.

Die beiden Opener „Hang In There Girl“(E-Gitarre schön southern), das ernüchternde „One Night Standards“ und auch das Titelstück „Never Will“, bedienen den Hörer mit melodischem, aber sehr kraftvollen New Country (vor allem ausgelöst durch den bestimmenden Gesang McBrydes und das Powerdrumming von Quinn Hill, das mich an die Art von Chad Cromwell erinnert), der für’s Radio bestens prädestiniert ist.

Noch beeindruckender wird es allerdings, wenn die kommerziellen Aspekte zugunsten eines breitgefächerten, zum Teil auch unkonventionellen Songangebots, weitestgehend beiseite geschoben werden. Klasse das spirituell-psychedelisch angehauchte „Shut Up Sheila“ (fast wie Bad Companys einstiges „Seagull“, nur eben halt countryesk). Grandios hier besonders das mitreißende E-Gitarrensolo.

Mein Lieblingsstück ist der selbstironisch traditionell gestrickte, fluffige Countryschunkler „First Thing I Reach For“, wo McBryde einsichtig konstatiert, sich manchmal etwas selbst im Wege zu stehen, in dem sie singt „the first thing I reach for, is the last thing I need“.

Die folgenden Tracks wie „Voodoo Doll“ (Polterdrums, stadiontauglicher Refrain), „Sparrow“ (atmosphärische Ballade mit Powerrefrain), das großartige „Martha Devine“, „Velvet Red“ (Bluegrass-Note) und das bedrückende „Stone“ (reflektiert den Selbstmord ihres jüngeren Bruders), überzeugen mit authentischen, glaubwürdigen Texten (famos gesungen) und bestechender musikalischer Umsetzung.

Fazit: Ein fantastisches New Country-Album, vielseitig, mit einer Fronterin in vokaler Bestform und einer musikalisch versierten Umsetzung, auch ohne die sonst obligatorische Nashville-Studiomusikerriege. Schade, dass, wenn nicht noch ein Wunder passiert,  die geplante Tour im Fahrwasser von Luke Combs, wohl dem Corona-Virus zum Opfer fallen wird , sonst hätte  McBryde vermutlich schon frühzeitig den nächsten Step zu einer kommenden großen Hausnummern in Music City vollzogen. Wie dem auch sei, für mich persönlich das bisher beste New Country-Werk in diesem Jahr.

Warner Music Nashville (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. Hang In There Girl
02. One Night Standards
03. Shut Up Sheila
04. First Thing I Reach For
05. Voodoo Doll
06. Sparrow
07. Martha Devine
08. Velvet Red
09. Stone
10. Never Will
11. Styrofoam

Ashley McBryde
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Oktober Promotion

Lukas Nelson & Promise Of The Real  – Naked Garden – CD-Review

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Review: Michael Segets

Wahrscheinlich hat Lukas Nelson den SoS-Review seiner letztjährigen CD „Turn Off The News (Build A Garden)“ gelesen und die dort geäußerte Kritik, dass das Album streckenweise überproduziert wirkt, beherzigt. Mit „Naked Garden“ schieben Lukas Nelson & Promise Of The Real eine erdigere Scheibe nach, die alternative Versionen von Tracks des Vorgängeralbums und neun Stücke umfasst, die es seinerzeit nicht auf den Tonträger geschafft hatten.

Die Truppe erwischte während der sechstägigen Session in den Shangri-La Studios, Malibu, wohl einen produktiven Lauf. Nachdem „Turn Off The News (Build A Garden)“ erschienen war, blieb daher der Eindruck zurück, dass noch ein Epilog zu dem Album nötig wäre, der die Stimmung und die Energie wiedergibt, die im Studio die Band erfasste.

So sind einige Lacher, Unterhaltungen und Nebenbemerkungen konsequenter Weise auch nicht weggeschnitten worden. Die musikalische Perfektion stand bei „Naked Garden“ nicht im Vordergrund, wobei klangtechnisch keine Einschränkungen gemacht wurden. Produziert hat die Schiebe wieder John Alagia. „Bad Case“ ist in einer frühen Version vertreten.

Das Rockstück ist deutlich rootsiger als auf der zuvor erschienen Scheibe und nun vollständig überzeugend. Das stripped down Arrangement der erneut veröffentlichten Titel funktioniert gut. Die neuen Versionen haben durchgängig die Nase gegenüber den vorangegangenen vorn. Dies gilt sowohl für „Out In LA“, das sowieso zu meinen Favoriten zählte, als auch für „Civilized Hell“. Der Song ist sogar in einer rockigen und einer akustischen Interpretation auf „Naked Garden“ zu finden. „Stars Made Of You“ und „Where Does Love Go“ sind auch besser als vorher, gehören aber immer noch nicht zu den starken Stücken von Lukas Nelson & Promise Of The Real.

Die minimalistische Produktion verhindert den süßlichen Beigeschmack nicht, den Lukas Nelson & Promise Of The Real oftmals ihren Titeln des unteren und mittleren Tempobereichs hinzufügen. Befindet sich „Movie In My Mind“ auf der Grenze zum Schmalz, überschreitet Nelson diese bei „Focus On The Music“ oder „Fade To Black“. Im Dreivierteltakt walzt sich die Band durch „The Way You Say Goodbye“ als Hommage an den frühen Country der fünfziger und sechziger Jahre.

Percussion und Rhythmusarbeit auf den locker rockigen Nummern „Back When I Cared“ und „Couldn’t Break your Heart“ stechen besonders hervor. Diese sind ebenfalls beim souligen „My Own Wave“ auffällig, wobei das Stück einen funkigen Einschlag hat. Noch deutlicher wird die Funk-Anleihe beim Jam „Speak The Truth“. Der Song bleibt aber melodiös und erdig. Er stellt sicherlich einen der besten Originalbeiträge auf der CD dar, der die Atmosphäre im Studio gelungen transportiert.

Neben der alternativen Version von „Bad Case“ ist das neue „Entirely Different“ das Highlight des Albums. Das über siebenminütige Southern-Epos eröffnet den Longplayer mit klasse Gitarre und stimmigen Tempowechseln.

Der Verzicht auf große Arrangements auf „Naked Garden“ macht sich bezahlt. Der erdigere Sound steht Lukas Nelson & Promise Of The Real sehr gut zu Gesicht. Der Nachschlag zu „Turn Off The News (Build A Garden)” übertrifft daher den vorangegangenen Hauptgang. Dabei zeigt sich erneut, dass die Stärke der Band in den rockigeren Tönen liegt.

Fantasy Records (2020)
Stil: New Country/Rock

Tracks:
01. Entirely Different
02. Civilized Hell (Alternate Version)
03. Back When I Cared
04. Movie In My Mind
05. Focus On The Music
06. My Own Wave
07. Fade To Black
08. Out In LA (Extendend Version)
09. Couldn’t Break Your Heart
10. Speak The Truth
11. Civilized Hell (Acoustic Version)
12. Bad Case (Alternate Version)
13. Stars Made Of You (Alternate Mix)
14. Where Does Love Go (Alternate Mix)
15. The Way Your Say Goodbye

Lukas Nelson
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Fantasy Records
Oktober Promotion

The Shires – Good Years – CD-Review

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Viertes Album des britischen Erfolgduos The Shires, alias Chrissie Rhodes und Ben Earle. Die beiden Protagonisten haben seit ihrem Bestehen die Country-UK-Charts fest im Griff und werden auch mit „Good Years“ wieder obenauf sein.

Es läuft einfach gut für die beiden, auch in den Staaten sind sie längst angekommen, dort erhielten sie vor geraumer Zeit sogar als erster britischer Act den „Jeff Walker Global Artist Award“ von der Country Music Association (CMA) verliehen.

Selbstredend, dass auch der neue Silberling in Nashville, jetzt unter BMG-Major-Flagge, eingespielt und aufgenommen wurde. Rhodes und Earle haben zwölf neue Songs kreiert, die ihre Hooks, Melodien und flockigen Refrains auf poppigem Keyboard- und rhythmischen Drum (Loop)-Fundament ausrichten. Um die Countrykompatibilität zu wahren, gibt es zwischendurch immer wieder geschickt eingestreute Akustik-, E- Gitarren, Steel- oder Mandolinenklänge.

Die beiden wechseln sich in ihren Leadvocals-Parts kontinuierlich ab und finden genau so oft in den Harmoniegesängen wieder zusammen.
Die zwölf Tracks gehen sehr eingängig in einem Rutsch runter, einziger Vorwurf ist, dass hier sehr vorhersehbar und glatt , mit dem Blick auf den Charterfolg produziert wurde. Jedes Stück ist quasi singletauglich.

Mir gefällt es persönlich am Besten, wenn sie wie bei Sachen wie „People Likes Us“ oder „Better Place“ mal etwas die Dynamik und und Power aus den Liedern herausnehmen und zurückgenommener agieren. Bei den Singles “Lightning Strikes”, “New Year“ (können frisch Verliebte mal schön zu Sylvester auflegen), und „Independence Day“ (schön pathetisch für die Amis…) kann man sich einen guten Einblick verschaffen, was letztendlich auch im Gesamten geboten wird.

Fazit: The Shires liefern auf ihrem aktuellen Silberling „Good Years“ schnörkellosen, modernen und hochmelodischen Countrypop ab und bilden auf Augenhöhe mittlerweile das britische Pendant zu arrivierten vergleichbaren Nashville-Acts wie Lady Antebellum, Little Big Town & Co. Gute Jahre für das Duo!

BMG Rights Management (UK) (2020)
Stil: New Country

01. Lightning Strikes
02. On The Day I Die
03. Good Years
04. No Secrets
05. About Last Night
06. New Year
07. Only Always
08. Independance Day
09. Thank You Whiskey
10. People Like Us
11. Better Days
12. Crazy Love

The Shires
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Brandy Clark – Your Life Is A Record – CD-Review

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Drittes Album der, von der Kritikerschaft bisher zurecht hochgelobten, vielfach Grammy-nominierten Country-Chanteuse Brandy Clark. Vielen wird ihr Name eher im Zusammenhang des Songwritings für andere Interpreten wie u. a. Sheryl Crow, Miranda Lambert, The Band Perry, Reba McEntire, LeAnn Rimes, Billy Currington, Darius Rucker, und Kacey Musgraves, über den Weg gelaufen sein.

Wir hatten schon ihr 2016 veröffentlichtes „Big Day in a Small Town“ in unserem Magazin reviewt. Und wieder gelingt es der 1977 geborenen, aus Morton, Washington stammenden, 1998 nach Nashville gezogenen Künstlerin mit brillanter Einfachheit, ihre Botschaften in Form gelungener Countrysongs zu vermitteln.

„Your Life Is A Record“ heißt das mit elf neuen Tracks bestückte, erneut von Jay Joyce (Little Big Town) in der Tradition von Vorbildern wie Patsy Cline, Loretta Lynn, Reba McEntire & Co. produzierte Werk.

Unbestrittener Star des Silberlings ist die wunderschön klare und auch im wahrsten Sinne fürs Countrygenre prädestinierte Stimme der Protagonistin, deren Ausstrahlung sich angesichts einer äußerst geschmackvoll zurückhaltend inszenierten Instrumentierung (Akustikgitarren und percussionartiger Rhythmus dominieren, sporadische Zutaten sind mal Dobro, Mandoline, E-Gitarre oder Piano) mit ergänzenden Musikern wie Joyce, Giles Reaves und Jedd Hughes, bestens zur Geltung kommt.

Streiten kann man sich darüber, ob die zwar sehr dezent eingeflochtenen, aber immer sehr orchestral anmutenden Elemente (Streicher, Bläser, Flöte), die dem ganzen einen ungeheuren Retro-Touch verabreichen, nötig gewesen wären oder nicht.

Mir persönlich hätte das Gesamtwerk, wie beim einzigen Song „Pawnshop“ (ohne diese Stilmittel) aufgezeigt, noch mehr zugesagt. Gastauftritte gibt es von Randy Newman beim kauzigen Duett „Bigger Boat“ (herrlich knochiger Gesang von ihm, dazu sein markantes Pianospiel) und von Gitarrist John Osborne bei „Bad Car”.

So macht man es sich am Ende am besten gemütlich und lässt die wunderbar entspannten, mit einer faszinierenden Stimme vorgetragenen elf Musikgeschichten an sich vorüber fließen. „Your Life Is A Record“ heißt Brandy Clarks neuer Longplayer. Wäre das Leben bei jedem Menschen so schön wie diese Platte, gäbe es auf dieser Welt wohl nicht soviel Leid und Elend…

Warner Music (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. I’ll Be The Sad Song
02. Long Walk
03. Love Is A Fire
04. Pawn Shop
05. Who You Thought I Was
06. Apologies
07. Bigger Boat
08. Bad Car
09. Who Broke Whose Heart
10. Can We Be Strangers
11. The Past Is The Past

Brandy Clark
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Oktober Promotion

Midland – Live From The Palomino – Digital-CD-Review

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Einer der erfolgreichsten Newcomer-Acts der letzten Jahre in Nashville ist zweifelsohne das auf einer Hchzeitsfeier gegründete Trio Midland, bestehend aus dem ehemaligen Schauspieler und Unterhosenmodell Mark Wystrach (Gesang, Gitarre), dem Video-Regisseur Cameron Duddy (Bass, Gesang) und Gitarrist/Sänger Jess Carson.

Nach ihren beiden überaus erfolgreichen Alben „On The Rocks“ und „Let It Roll“ legen die drei Burschen jetzt mit „Live From The Palomino“ einen auf rein digitaler Ebene veröffentlichten Live-Mitschnitt nach.

Eingespielt mit ihrer starken Touring-Band, aufgenommen und auch gefilmt, wurde ihr Auftritt im legendären Palomino Club im Norden Hollywoods, von der Los Angeles Times mal bezeichnet als ‚Country Music’s most important West Coast club‘.

Dazu haben sie sich die ‚Sahneschnitten‘ ihrer beiden CDs herausgepickt und in einem kurzweilig schmackhaften Menü angerichtet. Nach einem kleinen instrumentellen Vorgeplänkel begrüßen sie die Audienz mit den Worten „Welcome to the world famous Palomino Club“ und steigen mit dem fluffigen „Playboys“ in bester Bellamy Brothers-Manier („Let Your Love Flow“ lässt grüßen) in den Gig ein.

Dass die Jungs sich auch im Southern Rock wohl fühlen, beweisen das Titelstück ihres zweiten Silberings, „Let It Roll“ (mit starker Slide-Gitarre) oder der launige Rocker „21st Century Honky Tonk American Band“ (mit Twin-Gitarrenpart), sowie partiell auch das humorvoll shuffelnde „Mr. Lonely“.

„Wir sind (von den Großen der Country Music) inspiriert worden. Das wollen wir wie eigentlich wie jeder: Musik und Tradition. Es soll Musik sein, die zeitlos gut ist und nicht nur für den Augenblick“, äußerten sie mal in einem Interview.

Tracks wie „Burn Out“, „Cheatin‘ Songs“ und besonders die Schlussphase mit den Liedern „I Love You Goodbye“ (erinnert an „Tequilla Sunrise“), „Fast Hearts And Slow Towns“ und „Cheatin‘ By The Rules“ mit den tollen, Westcoast-behafteten Melodien und Harmoniegesängen, begeistern in der langlebigen Tradition vieler Eagles-Evergreens und werden von daher auch dieser Klientel bestens gefallen.

Und zum Abschluss gibt es dann mit dem augenzwinkernden „Drinkin‘ Problem“ (so nach dem Motto, ich habe kein Problem mit Alkohol, sondern ohne…!) ihren Smash-Hit vom Debütwerk und dementsprechend tosenden Applaus des entzückten Publikums.

Schade, dass Midland demnächst im Rahmen ihrer Mini-Deutschland-Tour im März nur in Hamburg (17.03. – Mojo Club) und in Berlin (18.03. – Columbia Theater) vorstellig werden und den ebenfalls immer mehr New Country-begeisterten Westen und Süden leider außen vor lassen.

Big Machine Records (2020)
Stil: New Country

01. Playboys
02. Let It Roll
03. Burn Out
04. 21st Century Honky Tonk American Band
05. Cheatin‘ Songs
06. Mr. Lonely
07. I Love You Goodbye
08. Fast Hearts And Slow Towns
09. Cheatin‘ By The Rules
10. Drinkin‘ Problem

Midland
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Universal Music

Carly Pearce – Same – CD-Review

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Wenn ich mir das Titelbild und speziell das Backcover von Carly Pearces neuem, nach ihr selbst betitelten Album betrachte, wo sich die hübsche Amerikanerin in geschlitztem Leopardenkleidchen überaus aufreizend räkelt, muss ich ehrlicher Weise gestehen, dass ich in erster Linie nicht an New Country-Musik denke. Da kann man sich dann über das Millionen Jahre im Manne genetisch verankerte Jäger- und Sammlertum einfach nicht hinwegsetzen.

Aber auf Seite 3 des mit allen Texten und Infos versehenen Booklets, stellt sie allerdings eindeutig klar, dass es nur zwei Männer in ihrem Leben gibt, zum einen Ehemann Michael Ray, mit dem sie hier auf „Finish Your Sentences“ ein tolles Duett, Marke Lady Antebellum, zum Besten gibt und busbee, der dieses Werk produziert und auch instrumentell begleitet hat. Dem hat sie mit den Worten „I’ll always carry a piece of you with me“, was auch immer damit gemeint sein mag, dieses Werk letztendlich gewidmet.

Aber jetzt genug des Drumherums, auch auf ihrem zweiten Lonplayer unter der Big Machine Records-Major Labelfahne, liefert die aus Kentucky stammende Endzwanzigerin, eine tadellose vokale und musikalische Leistung ab. Vier von den insgesamt dreizehn Tracks hat sie dabei, in Assistenz von vielen namhaften Songwritern der Nashville-Szene, mitverfasst.

Carly hat, ähnlich wie Kacey Musgraves, wirklich eine Stimme wie ein Engel. Produzent busbee ist es gelungen, diese fantastisch mit der durch die versierten Musiker wie Ilya Toshinsky (Banjo, Mandoline), Derek Wells (tolle auf den Punkt gebrachte E-Gitarrenarbeit) und Josh Matheny (seine Dobro-Einlagen sind die Würze vieler Songs), als überragende Akteure, erzeugten Musikuntermalung, glasklar in Einklang zu bringen.

So gibt es letztendlich dreizehn, wunderbar melodisch und geschmackvoll inszeniert, ineinander fließende Country-Popsongs (in allen Tempi) mit diversem Hitpotential. Acts wie die bereits erwähnten Lady Antebellum, Little Big Town (beim herrlich relaxt groovenden „Call Me“ sind deren Phillip Sweet und Jimi Westbrook nicht umsonst Co-Writer), Carrie Underwood & Co. fallen spontan als Referenzgrößen ein. Mein persönlicher Favorit ist dabei das dezent pettyeske Duett mit Lee Brice bei „I Hope You’re Happy Now“. Wunderbarer Track!

Carly Pearce oder Carly Cristyne Slusser, wie sie eigentlich richtig heißt, liefert nach ihrem Debüt „Every Little Thing„, auch auf ihrem zweiten Longplayer eine tadellose Leistung ab. Schöne Musik, um sich fern ab der heutigen unsicheren Gemengelage im alltäglichen Leben, mal angenehm zu entspannen. Mich persönlich hat sie mit diesem wunderbar zu hörenden Album echt ‚gepearced‘. Und zwar am Ende eindeutig in Sachen toller New Country-Musik…

Big Machine Records (2020)
Stil: New Country

01. Closer To You
02. Call Me
03. I Hope You’re Happy Now
04. Dashboard Jesus
05. Halfway Home
06. Heart’s Going Out Of Its Mind
07. Finish Your Sentences
08. It Won’t Always Be Like This
09. Lightning In A Bottle
10. Love Has No Heart
11. Woman Down
12. You Kissed Me First
13. Greener Grass

Carly Pearce
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Universal Music

Little Big Town – Nightfall – CD-Review

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Little Big Town sind seit ihrem Eintreten ins Countrygeschäft mit ihrem gleichnamigen Debüt 2002 ein ständiger Begleiter von mir. Ich habe alle Scheiben von ihnen in meiner Sammlung, mit „Nightfall“ erscheint nun ihr 9. Album.

Das Line-up besteht immer noch, wie zu Anfang, aus Karen Fairchild, Kimberly Schlapman, Phillip Sweet und Jimi Westbrook. Die Band kann bis dato auf drei Nr. 1-Alben („The Reason Why“, „Tornado„, „The Breaker„) und drei Nr. 1-Singles („Pontoon“, „Girl Crush“, „Better Man“), diverse Awards und eine Grammy-Auszeichnung zurückblicken.

Verlässlichkeit ist eine der menschlichen Eigenschaften, die besonders hoch bei mir im Kurs steht und die auch als Synonym für ihre Musik steht. Man weiß, dass man niveauvollen eingespielten melodischen New Country-Stoff geboten bekommt, der sich durch die wechselnden Frontgesänge und besonders die feinen Vokalharmonien auszeichnet, quasi das Trademark des Vierers.

Im Großen und Ganzen wirkt das Quartett für mich immer wie eine countryeske Ausgabe von Fleetwood Mac.

Auf „Nightfall“ ist Karen Fairchild die treibende Kraft, die sich durch die meisten Songwriting-Credits (mit vertreten natürlich wieder eine Schar von exzellenten Co-Writern wie u. a. Lori McKenna, Hillary Lindsey, Liz Rose, Sean McConnell, Ashley Gorley, Daniel Tashian, Ian Fitchuk, Josh Kerr) und auch Lead vocals-Einsätze auszeichnet.

Schlapman hat ihren Haupt-Auftritt allerdings bei einem der beiden Killersongs des Werks, „Throw Your Love Away“, Sweet ein kurzes Intermezzo bei „Rivers Of Stars“ und Jimi Westbrook darf beim balladesken „Forever And A Night“ und dem Cello-unterlegten „Problem Child“ ran.

Stärkstes Stück und vermutlich auch am hitverdächtigsten ist für mich der eingängige Titelsong, zum Dahinfließen, wie schon bemerkt, Fleetwood Mac lassen grüßen. Die erste Single ist jedoch das bereits Grammy-nominierte „The Daughters„, das bei der Präsentation bei den ACM-Awards stürmisch bejubelt wurde.

Den launigen Part des Longplayers bilden der Saloonheuler „Over Drinking“ und das Tex-Mex-Trinklied „Wine, Beer, Whiskey“ (lustiger Text), begleitet von einer typisch plusternden Mariachi-Trompete.

Besonders im zweiten Teil des Silberlings wird allerdings großen Wert auf atmosphärischen und nachdenklichen Stoff gelegt, der durch die tolle Instrumentierung der Musiker und die einfühlsamen Harmoniegesänge, teilweise packende Momente erzeugt.

Somit präsentieren sich Little Big Town auf „Nightfall“ wie schon zuvor beim starken „The Breaker“ in Topform und dürften gute Aussichten haben, auch wieder die eine oder andere Pole-Position zu erklimmen. Also deutet hier eigentlich vieles eher auf ‚eitel Sonnenschein‘ statt ‚Anbruch der Dunkelheit‘ hin. Sehr Empfehlenswert!

Capitol Nashville (2020)
Stil: New Country

01. Next To You
02. Nightfall
03. Forever And A Night
04. Throw Your Love Away
05. Over Drinking
06. Wine, Beer, Whiskey
07. Questions
08. The Daugthers
09. River Of Stars
10. Sugar Coat
11. Problem Child
12. Bluebird
13. Trouble With Forever

Little Big Town
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Universal Music

Brett Eldredge – Support: Lauren Jenkins – 24.01.2020, Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Semmel Concerts Entertainment im letzten Herbst mit Old Dominion und Jordan Davis in der Domstadt bereits ein hochwertiges Major-Doppel in der Domstadt präsentiert hatte, ging es jetzt direkt zu Anfang des Jahres mit Brett Eldredge und Lauren Jenkins im Schlepptau (beide ebenfalls bei großen Labels unter Vertrag), qualitativ nicht minder weiter.

Zunächst durfte die blonde langhaarige Texanerin, nur mit Akustikgitarre behangen, ihr Können als Alleinunterhalterin, zum Besten geben. Das tat sie mit Stücken aus ihrem, von uns beleuchteten Debütalbum „No Saint„, wie u. a. „Cadillac“, „You’ll Never Know“, „Give Up The Ghost“ und dem gleichnamigen Titelstück , einem zwischenzeitlichen Bruce Springsteen-Cover („Hungry Heart“) und gab mit „Girl Of My Dreams“ auch schon mal einen Unplugged-Vorgeschmack auf das neue Zweitwerk.

Klasse dabei immer wieder ihre leicht rauchig-melancholische Stimme. Die Tiefe ihrer Songs auf dem Album konnte sie aufgrund der begrenzten Umstände natürlich nicht in die mit ca. 700 Leuten weniger als zur Hälfte gefüllte, spartanisch anmutende, ehemalige Fabrikhalle transportieren. Nach einer halben Stunde verabschiedete sie sich mit dem starken „Running Out Of Road“ unter herzlichem Applaus der Anwesenden von der Bühne, um für den Headliner des Abends, Brett Eldredge, Platz zu machen.

Line-up:
Lauren Jenkins (lead vocals, acoustic guitar)

Der seit 2013 mit seinem Debütwerk „Bring You Back“ kometenhaft aufgestiegene, aus Illinois stammende Musiker und Sänger, zeigte von von Beginn an, was er im Nashville-Showgeschäft gelernt hat, nämlich die Leute direkt mitzunehmen, wofür schon der Titel „It’s Gonna Be A Good Day“ als perfekter Opener prädestiniert war.

Mit dem folgenden launigen „Something I Am Good At“ und dem lässigen Groover „Don’t Ya“ hatte er spätestens komplett den Draht zum Publikum gefunden. Über „Love Someone“, „Crowd My Mind“, die Queen-„Adaption „Crazy Little Thing Called Love“ und das melodische „Drunk On Your Love“ ging es zum, über zwei Stücke („Ryamond“, “ The Long Way“) währenden Solopart des Protagonisten, der hier seine ursprünglichen Singer/Songwriter-Qualitäten untermauerte.

Zeit ein paar Worte über Eldredges exzellente Begleitband zu verlieren. Die Rhythmusfraktion mit dem oft hart polternden Derrek Phillips und dem kräftig pumpenden, aber sich immer ein wenig im Hintergrund befindlichen Bassisten James Quinn Messer, sorgten für den satten Grundgroove, in den sich dann die drei Gitarristen (Brett inklusive) quasi hineinlegen konnten.

Gregg Carillo und der variable andere Saitenzupfer Will Harrison (tolle Parts auch an der Mandoline) wechselten ständig, zwischen Akustik- und E-Gitarre (auch mit klasse Slide), um sich teilweise in kleinen Scharmützeln zusammenzufinden. Keyboarder Ian Miller hatte viel schöne Intros und konnte auch mit einigen temperamentvollen Klimpersoli („Fire“) glänzen.

Das Southern-durchflutete „Magnolia“, das feurige „Fire“, die Schwofer-Kombination „The Reason / My Girl“, das Handylichter-begleitete „Mean To Me“ (früher leuchteten zu solchen Momenten Feuerzeuge und Wunderkerzen), das stampfige „Lose My Mind“ und die Schmalzballade „Wanna Be That Song“ bildeten die wie im Fluge vergangene zweite Hälfte des Gigs.

Mit „Beat Of The Music“ in einer ausgedehnten Version (inklusive Handshaking mit dem Publikum und tollem Instrumentalfinish der Band, wo beide Gitarristen noch mal brillierten) als einzige Zugabe, verabschiedeten sich Brett & Co. dann ziemlich zügig. Lediglich Lauren Jenkins stand dann am Merchandising-Stand ausgiebig für Unterschriften, Selfies und Smalltalk zur Verfügung, wobei sich die Texanerin auch noch mit unserem Logo für die VIP-Galerie ablichten ließ.

Fazit: Ein schöner kurzweiliger Abend, der trotzdem offerierte, dass ‚Countrystar in Amiland‘ nicht zwangsläufig auch ‚Publikumsmagnet in Deutschland‘ bedeutet. Was die Zuschauerzahlen betrifft, muss hier noch einiges an Öffentlichkeitsarbeit und guter Werbung passieren. Bis auf wenige schillernde Ausnahmen (z. B. Shania Twain, Keith Urban) ist hier für viele noch einiges an ‚Klinkenputzen‘ angesagt, das sollte vielleicht auch in Nashville und den hiesigen Tourmanagements zur Kenntnis genommen werden…

Vielen Dank an Ekaterina Witina von Semmel Concerts Entertainment für die perfekte Unterstützung und Betreuung.

Line-up:
Brett Eldredge (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Greg Carrillo (acoustic guitar, electric guitar, vocals)
Derrek Phillips (drums)
James Quinn Messer (bass)
Will Harrison (electric guitar, acoustic guitar, mandolin vocals)
Ian Miller (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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