Bobby Pinson – Songs For Somebody – CD-Review

Zweitwerk des sympathischen Blondschopfes! Die Major-Ehe RCA/Pinson war trotz eines überragenden Debüts leider nur von kurzer Dauer. Daher erscheint der Nachfolger „Songs For Somebody“ konsequenterweise jetzt auf dem Independent Label „Cash Daddy Records“ (die Vermutung liegt nahe, dass es Pinsons eigenes Label ist, denn sein gerade geborener Sohn heißt „Cash“). Als Songwriter nach wie vor in Nashville überaus gerne gesehen (Pinson hat unzählige Songs für etablierte Interpreten wie Sugarland, Toby Keith, LeAnn Rimes, Trent Tomlinson und viele andere geschrieben), erschien er in den Augen der Major-Bosse als Musiker mit seiner kantigen Art offensichtlich zu wenig massenkompatibel.

Der Vergleich mit einer ähnlichen Entwicklung wie seiner Zeit der eines Steve Earle in Nashville liegt nahe, mit dem Pinson u. a. auch immer wieder in einem Atemzug genannt wird, wenn es um die Charakterisierung seiner Musik geht. Die gute Nachricht in jedem Fall: Der gebürtige Texaner geht weiterhin konsequent seinen Weg, seine zweite CD steht dem Vorgänger in nichts nach. Marginale Änderungen wie das äußere Erscheinungsbild (jetzt im „modischen“ Kurz-Haarschnitt, die strohig herabhängenden Haare und der Cowboyhut sind verschwunden), die Produktion (diesmal in Eigenregie, vormals zusammen mit Joe Scaife), sowie die leicht abgespeckte Musiker-Mannschaft (der Korpus vom Debüt mit Troy Lancester, Billy Panda, Mark Hill, Mike Rojas, Russ Pahl und Brian Pruitt ist aber erhalten geblieben), sind ein Zeichen für Frische in Kombination mit Kontinuität, bei weiterhin hohem Qualitätsanspruch.

Und so verbindet Pinson erneut seine intelligenten und lebensnahen Texte (“I put myself into the character of that guy who’s made some mistakes but lived to learn from them. My music allows me to carry other peoples pain on my shoulders with hopes that the weight of their world might get a little lighter three minutes and twenty seconds at a time.”) mit einer auf Country-Traditionen befindlichen, rockig rootsigen Americana-nahen New Country-Basis. Ruhige Storytelling-Songs („Back In My Drinkin’ Days“, das melancholische „If I Met God Tonight“, „This Close To Heaven“ oder das traurige „If I Don’t Make It Back“, welches auch von Tracy Lawrence auf seinem letzten Werk interpretiert wurde), bei denen Bobbys rauchig kratziges Stimmorgan bei wunderschön zurückhaltender Instrumentierung mit Akustik- und E-Gitarre, ganz dezent Piano, Orgel, Steel oder Mandoline (diesmal komplett ohne Streicher) unnachahmlich zur Geltung kommt, wechseln in gut dosierter Form mit rockigeren und etwas temperamentvolleren Liedern, die dann meist von Pinson’s eigenwilligem Humor begleitet werden.

Das an Jack Ingram erinnernde „Just To Prove I Could“, das von einem dezenten U2-E-Riff getragene „Don’t Think I Don’t Think About It“, das southern-swampige „Right To Be Wrong“ (fast wie für Van Zant auf den Leib geschrieben), das poppige, mit einer Prise Heartland-Touch versehene „I Probably Will“, das recht flotte, ein wenig an Big & Rich angelehnte „Past Comin’ Back“ oder das von den Van Zant-Brüdern bereits auf ihrem New-Country-Debüt-gecoverte „Takin’ Up Space“ beweisen, dass Bobby auch bei flotteren Nummern eine gute Figur abgibt. Hervorragend, wie bereits erwähnt, die Instrumentierung auf höchstem Niveau, bei der es einfach Spaß macht zuzuhören. Mit „Songs For Somebody“ hat Bobby Pinson in einer schwierigen Situation einen exzellenten Nachfolger hingelegt. Das spricht schon für sich. Leute mit Vorliebe für eine gewisse musikalische Eigenständigkeit werden erneut voll auf ihre Kosten kommen. Der John Deere-Traktor mit dem Flugzeug-Motor (mit dem sich Pinson einst verglich) läuft weiter auf vollen Touren…

Cash Daddy Records (2007)
Stil: New Country

01. Back In My Drinkin‘ Days
02. Just To Prove I Could
03. Don’t Think I Don’t Think About It
04. Right To Be Wrong
05. If I Met God Tonight
06. I Probably Will
07. This Close To Heaven
08. Past Comin‘ Back
09. Takin‘ Up Space
10. If I Don’t Make It Back
11. The Miles

Bobby Pinson
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Rich O’Toole – Seventeen – CD-Review

Ric

Ist das herrlich! Die pure „Red Dirt“-Countryrock-Wonne – und dieser Southern-Duft! Toll! Okay, die texanischen Ölquellen mögen in einigen Jahren naturbedingt versiegen, das Reservat an herausragenden jungen Musikern allerdings scheint im Lonestar State weiterhin nahezu unerschöpflich zu sein. Ein weiteres Paradebeispiel in der ewig langen Liste der von uns vorgestellten Künstler ist der gerade mal 23-jährige, aus Houston stammende Sänger, Songwriter und Gitarrist Rich O’Toole, der jetzt mit „Seventeen“ (seine persönliche Glückszahl) ein wundervolles Debüt abliefert. Dabei ist es eher einem bedauerlichen Zufall zu verdanken, dass O’Toole überhaupt den Weg des Musikers wählte.

Der Mann stand vor einer vielversprechenden Baseball Profi-Karriere, als diese abrupt durch einen Unfall beendet wurde. Und wie es in Amerika scheinbar so üblich ist, vorausgesetzt natürlich man hat Talent (und das hat dieser O’Toole über alle Massen), schnappt man sich seine Gitarre, und beginnt sich musikalisch zu entfalten. Schon verrückt so etwas! Aber auch unglaublich, wie begabt diese Burschen sind! So arbeitete sich die Rich O’Toole Band mit ihren fulminant abgehenden Live-Auftritten rasend schnell von der vielbeachteten College-Underground-Szene ins Vorprogramm solcher namhaften Texas-Bands wie Reckless Kelly und der Randy Rogers Band. Die Fans waren schier aus dem Häuschen, ob der Tatsache, wie diese junge Truppe aufspielte.

Kein Wunder also, dass sich für das Debüt des Songwriters (alle Songs stammen aus der eigenen Feder) sofort eine äußerst prominente Musiker-Schar der Texas-Szene (u. a. Chris Masterson aus Jack Ingrams Beat Up Ford Band, Rich Brotherton aus der Robert Earl Keen Band, Nick Worley von Cooder Graw/Cory Morrow Band, Multi-Saiten-Virtuose Bobby Flores, usw.) zusammenfand, und das zudem noch in den Studios und unter der Regie des angesagten, Grammy-nominierten Produzenten Mack Damon abgemischt wurde. Bei den zehn Songs, die allesamt vorwiegend von einem prächtig klingenden, transparenten, satten Gitarrensound bestimmt werden und von herrlichen Melodien durchzogen sind, geht es, bis auf wenige Ausnahmen, sehr dynamisch, knackig, rootsig rockig und äußerst würzig zur Sache, weshalb O’Tooles Stil auch gern als „elektrifizierter Country-Rock’n’Roll’ umschrieben wird.

Bestes Beispiel dafür ist der schon rau und dreckig rockende Opener „When Kelly Comes To Town“, der mit feurigen Southern-rocking E-Gitarren-Riffs und druckvollen Drums in allerbester „Red Dirt“-Manier zwischen Cross Canadian Ragweed und der Ryan Bales Band daher fegt, und zum Schluss mit den rotzfrech eingeworfenen Harmonie-Gesängen von Rebecca Valadez endgültig veredelt wird. In eine ähnliche Kerbe schlagen weitere Uptempo-Roots-/Countryrocker wie das trocken und kantig rockende „Cleveland“, „Everything’s Legal“ oder das rasante, dabei hoch melodische, genauso angeraute, wie erfrischende „Summertime“, die alle irgendwie Richtung gut abrockender Reckless Kelly und Konsorten zielen.

Überhaupt scheint ein Vergleich zu Reckless Kelly durchaus legitim, zumal Rich O’Toole’s Stimme zuweilen eine leichte Ähnlichkeit zu RK-Frontmann Willy Brown aufweist. Phantastisch beispielsweise auch die traumhaft melodische, flockige, wie Öl runter gehende, knackige Countryrock-Nummer „Queen Of The Misfits“ mit ihren tollen Harmonies im Refrain (ein Gänsehaut-Countryrocker, der übrigens bis auf Platz 5 der bedeutenden Texas Music Charts stieg), die abermals von einem dezenten Southernflair durchwehte, mit feinen Fiddle- und Steelguitar-Klängen verzierte Ballade „Alone“ oder das tolle „Just My Luck“ (southern-bluesig, klasse Harmonies, heulende E-Gitarren-Fills)! Mit dem dynamischen „Robert E. Lee“ gibt es dann sogar noch einen tollen, zum Mitrocken animierenden, honky-tonkin‘ Saloon-/Roadhouse-Feger mit markantem, flinkem Telecaster-Spiel von Masterson, inklusive tollem Solo, das sogar ein wenig an Hughie Thomassons Outlaws erinnert.).

Dass O’Tooles Stärken durchaus auch von abwechslungsreicher Variabilität geprägt sind, und nicht nur im Uptempo-Bereich liegen, zeigt er auch bei den zwei eher balladeskeren Nummern „Texas Blues“ (herrliches Mandolinen- und Fiddle-Spiel, Huldigung zweier großer Texaner in der Textzeile „…Stevie Ray in the morning, Townes Van Zandt in the afternoon…“) und dem mit entspanntem Tex Mex-Flair umgarnten „Pancho Villa“ (klasse Gesang von Rich, starke Harmonies, filigranes, spanisch anmutendes Akustikgitarrenspiel). Keine Zweifel: Micky & the Motorcars, No Justice, Buster Jiggs, The Bois D’Arcs, die Tyler McCumber Band, die Kyle Bennett Band, Cross Canadian Ragweed, Reckless Kelly und wie sie alle heißen, haben einen neuen, absolut ebenbürtigen Kollegen in ihren Reihen, der uns mit einem umwerfenden, rootsigen „Red Dirt“-Countryrock-Album wie aus einem Guss einfach nur begeistert.

Mit Rich O’Toole hat die Texas-Szene ein weiteres, mächtig funkelndes Juwel hinzugewonnen. „Seventeen“ dürfte erst der Anfang einer tollen, vielversprechenden Karriere sein! Man ist jetzt schon „heiß“ auf neuen Stoff! Einfach famos, dieser so unverbraucht und „musikgierig“ wirkende Bursche! Rock on, Rich!

PTO Records (2006)
Stil: Red Dirt

01. Kelly Comes To Town
02. Queen Of The Misfits
03. Alone
04. Just My Luck
05. Robert E. Lee
06. Cleveland
07. Everything’s Legal
08. Texas Blues
09. Pancho Villa
10. Summertime

Rich O’Toole
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Brad Dunn Band – Gravy – CD-Review

Imponierend! Ein Feuerwerk an Southern-, Red Dirt- und Country Rock-Zutaten, was die Brad Dunn Band da auf ihren neuen Album „Gravy“ abbrennt. Die in Austin Texas beheimateten Musiker um ihren Bandleader Brad Dunn haben eine „Umfirmierung“ vollzogen, denn aus Brad Dunn & Ellis County ist jetzt die Brad Dunn Band geworden. Die Mitmusiker Michael Lamendola, Tim Veilon, Mike Naumann, Ty Hurless, Marty Muse und Kurt Baumer sind aber allesamt an Bord geblieben, dazu greift man auf „Gravy“ verstärkt auf namhafte, ergänzende Gastmusiker zurück (u. a. die E-Gitarren-Wizards David Grissom und John Carroll auf „Haylee“ und „Barstool“, sowie Red Dirt-Legende Cory Morrow als Gastsänger, ebenfalls auf „Barstool“).

Auch bei der Produktion standen Kevin Szymanski diesmal noch Clayton Corn und Jeff Moore assistierend zur Seite, und die sorgen mit filigraner Keybpard- bzw. E-Gitarrenarbeit für spürbare musikalische Zusatzqualität. Ein weiterer Gewinn ist die im Hintergrund überaus engagiert singende Karel Ann Moore, die mit den typischen „Uuhs“ und „Aahs“ bei den meisten Songs das Southern Rock-Feeling noch zusätzlich verstärkt. Für „Gravy“ hat sich die Band entschlossen, insgesamt sechs Tracks Debütwerk von Ellis County neu einzuspielen (und das wirklich in fantastischen, stark verbesserten, satten Versionen mit wuchtigen Neuarrangements) und on top vier brandneue Stücke zu servieren.

Für die prächtigen Neuversionen ein hervorragendes Beispiel ist direkt der furiose Opener „Patsy Cline“. Als Intro wurden ein paar hawaiianisch anmutende Steeltöne vorgelagert, aber schon nach ein paar Sekunden krachen einem fetzige E-Gitarren und donnernde Dunns, sowie erstklassiger Gesang in deutlich rauerer Gangart entgegen. Es entwickelt sich ein lupenreiner, schwerer Southern Rocker, der die Herzen der Genre-Freunde hoch schlagen lässt. Das rockt! Als Ausklang gibt es dann noch einen kurzen Auszug von Patsy’s Megahit „Walking After Midnight“. Klasse gemacht! Auch „Rain“ hat in der neuen Fassung viel mehr „Bums“.

Baumers quirlige Fiddle sorgt für ein gewisses Gypsy-Flair. Schön hier zudem die fetten Orgel-/Piano-Fills, die im Zusammenspiel mit den E-Gitarren und der Melodik ein gewisses „Can’t You See“-Feeling (The Marshall Tucker Band) aufkommen lassen. „Love And Hate“ ist der erste neue Track, eine Mischung aus Red Dirt- und Southern Rock mit klasse E-Gitarren, raunender Orgel und Ann Moores starken Backvocals. Ein Stück im Stile von JB & The Moonshine Band oder den Cross Canadian Ragweed. Auch das folgende „Haylee“ ist neu. Ausgestattet mit einer wunderbaren Melodie, einem Refrain mit hohem Wiedererkennungswert, natürlich geleitet von Grissoms unverkennbarer Gitarrenarbeit, sowie von Clayton Corns am Keyboard simulierten Tönen, irgendwo zwischen Mundharmonika und Akkordeon liegend. Der Song hat, was die Texas Music Charts angeht, gewaltiges Hitpotential.

„Red White And Blue“ stampft schwer wie eine Dampfwalze und zwingt das nicht identische Stück von Lynyrd Skynyrd mit gleichem Titel deutlich in die Knie. Hier lommen einem zudem Bands wie Flynnville Train oder Blackberry Smoke in Erinnerung. Beste Partystimmung bei künftigen Konzerten der Brad Dunn Band dürfte der Countryfeger „That Song About Beer“ erzeugen. Flottes Gitarrenpicking, Honky Tonk-Piano im besten Billy Powell-Gedächtnis-Stil, gröhlende Crowd-Gesänge – die üblichen Zutaten für eine trinkfreudige Gute-Laune-Nummer. „Piece Of Me“ bietet klassischen Red Dirt Countryrock der Marke Reckless Kelly (schöne Bariton-E-Gitarre, Fiddle).

Auch „Feed The Chickens“ (klasse hier Brad Dunns rauer Erzählgesang) erfährt mit einem swampigen Dobro (gespielt von Jim ‚Haystack‘ Novak) und Moores herrlichen „Backs“ eine deutliche Aufwertung im Vergleich zum Original. Das letzte neue Stück, „Southern Pride“ spricht schon mit dem Titel für sich. Southern Rock-Fans werden diesen bluesig groovenden Song lieben. Der traditionelle Countryheuler „Barstool“ als Rausschmeißer ist bei der Brad Dunnn Band ein Muss, da geschrieben von Brads Großmutter Charlotte Morrison (die im Innencover mit Cowboyhut posierend abgebildet ist – übrigens ein geschmackvolles, aber sehr sparsames Artdesign von den Dodd-Sisters, die das tolle Album von Reckless KellyGood Luck & True Love“ vor geraumer Zeit gestaltet hatten).

Die neue Version erhält, wie bereits oben erwähnt, durch Cory Morrow als Dunns Duettpartner seinen neuen Reiz. Als „Countryband mit einem ‚Rock-Problem'“ hatte Brad Dunn sich und seine Mannen einmal charakterisiert. Dieses „Rockproblem“ wird sich dann mit „Gravy“ wohl nochmals vergrößert haben. Vor allem Southern Rock-Anhänger sollten die Brad Dunn Band auf jeden Fall mal antesten. Sie werden mit einer authentischen und mit allen geliebten Zutaten angereicherten Scheibe belohnt. Dank der gerade verabschiedeten Kooperation mit dem in der Red Dirt-Szene arrivierten Smith Entertainment-Label dürfte der große Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit sein. Saustark diese Jungs aus Austin!

Smith Entertainment (2013)
Stil: Red Dirt

01. Patsy Cline
02. Rain
03. Love And Hate
04. Haylee
05. Red White And Blue
06. That Song About Beer
07. Piece Of Me
08. Feed The Chickens
09. Southern Pride
10. Barstool

Brad Dunn Band
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The Plainsmen – What Started The Fire – CD-Review

Und wieder mal ein richtiges Klasse-Debüt! Erdiger, würziger, völlig zwangloser, unbekümmerter, kraftvoller Red Dirt-Rootsrock, der einen den dreckigen, texanischen Staub sehr authentisch in der Nase spüren lässt. Für diese so lebendige Red Dirt-Szene scheinen Nachwuchsprobleme nach wie vor ein Fremdwort zu sein. Immer wieder sprießen die Newcomer nur so aus dem Boden und es haut einen oftmals förmlich aus den Socken mit welch hoher musikalischer Qualität hier von Anfang an losgelegt wird. Das nächste beeindruckende Beispiel dieser Art sind The Plainsmen aus San Antonio, Texas.

Hinter diesen „Flachländlern“ verbirgt sich ein handwerklich hoch talentiertes Duo, bestehend aus den Herren Grant Hamilton (aus Texas stammend) und Garrett Lucas (aus Oklahoma kommend). Beide haben sämtliche Songs ihres Albums „What Started The Fire“ zusammen komponiert und eingespielt, wobei eine klare Arbeitsteilung vorgenommen wurde. Hamilton bedient in Red Dirt-typischer Gesangsart das Mikro (klasse, raue, heißere Stimme mit viel Ähnlichkeit zu Mike McClure) und spielt Rhythmusgitarre, Lucas übernahm den Löwenanteil der vielen Lead-Gitarrenparts (herrliche, flammende, von großer Spielfreude und hoher handwerklicher Kompetenz geprägte, viel Southern-Esprit ausstrahlende Soli) und ist zudem mit einigen Harmoniegesängen beteiligt.

Das hört sich zunächst relativ unspektakulär an, wenn da nicht noch zwei markante Personen beteiligt wären, nämlich der omnipräsente „Mr. Red Dirt“ Mike McClure (Mike McClure Band / The Great Divide) sowie Musiker- und Produzentenlegende Joe Hardy (ZZ Top, Steve Earle, Jeff Healey, 38 Special, Georgia Satellites, Cross Canadian Ragweed, Laidlaw etc.), die sich, ähnlich wie schon vor kurzem beim saustarken Debüt des Mädelduos ShutDownTown, instrumenten- und produktionstechnisch eingebracht haben. Das ist schon toll, wie dieses Team sein Know-How, scheinbar ohne größere finanzielle Ansprüche, für junge Nachwuchskünstler zur Verfügung stellt und somit solche hoch qualitative (vom Budget her vermutlich streng limitierte) Eigenproduktionen erst ermöglicht. Großartig, wie diese Burschen ihren so wunderbar ursprünglich erscheinenden Red Dirt-Rootsrock mal mit einem feinen Blues-Flavour, dann mit viel Southern-Flair, aber auch mit der Genre-typischen Americana- und (Alternate) Country-Note würzen.

The Plainsmen beginnen ihr Werk mit dem schon fast Southern Rock-kompatiblen, sehr starken „Circles (Alive)“, das sich im gehobenem Midtempobereich bewegt und von einem dezentem Retroflair (wie auch einige andere Stücke) durchzogen ist. Gleich drei satte Gitarrenparts mit superbem, quirligem, hoch-karätigem southern-fueled Lead-Spiel warten auf uns, die gar so etwas wie entfernte The Marshall Tucker Band-Reminiszenzen aufkommen lassen. Ein toller Auftakt! Der markanten Slidearbeit und dem kauzigen Erzählstil bei „Laughin At The Past“ folgt sehr trockener, leicht melancholischer Gesang beim ungemein rootsigen, rauen, aber durchaus relaxten, von noch mehr schöner, elektrische Slide-Gitarre begleiteten „The Farm“. Mike McClures starkes Baritone-E-Gitarren-Spiel dominiert das lässige „In The Middle“ und versprüht eine gewisse „Laidback“-Atmosphäre.

Bei sehr melodischen, knackig kraftvollen „Katy Comes Around“ wird dann wieder das Tempo angezogen und Garrett Lucas überzeugt erneut mit einem klasse, quirligem Southern E-Gitarren-Solo. Das countryrockige „Lonely Town“ kann als verspätete Red Dirt-Antwort auf John Mellencamps berühmtes „Small Town“ interpretiert werden. Klasse hier vor allem die fette Orgel-Arbeit von Joe Hardy. Typischen, flockigen Red Dirt Rock im Cross Canadian Ragweed-Stil gibt es bei „Eagle“, wieder mit retrobehaftetem, starkem E-Gitarren-Solo. „Sandcastle Blues“ erinnert vom Groove her dezent an John Fogertys einstiges „Penthouse Pauper“, das vor einer gefühlten Ewigkeit auch mal von Molly Hatchet gecovert wurde.

Die eigenständige, bluesige Plainsmen-Abwandlung liegt vom Tempo her irgendwo dazwischen. Mit frappierender Ähnlichkeit zu Mike McClure und seiner Musik besingt Grant Hamilton das anschließende „Shores“ und avanciert damit fast zum potentiellen Ziehsohn seines Förderers. Mit einem textlichen Augenzwinkern swingt „Let Me Wander“ mit unterschwelliger Tex-Mex-Note gut gelaunt vor sich hin (schön hier die spanische Akustikgitarre, inkl. Solo). Das finale „Keeper Of The Plains“ dürfte für das Live-Programm gesetzt sein: Ein flotter, erstklassiger Countryrock-Stomper, den man bei Konzerten sicher zur spielfreudigen Endlosschleife (inkl. Mitsingmöglichkeit) ausdehnen kann.

The Plainsmen ist mit „What Started The Fire“ ein Debüt gelungen, bei dem man als Red Dirt-Fan sofort Feuer fängt. Mike McClure und und Joe Hardy haben einmal mehr ihr feines Näschen in Sachen Talentförderung bewiesen. Dazu wird man noch mit einem zwar sehr spartanischen, dafür aber umso schöneren Cover-Artwork (Scott Seetin) belohnt. Prima Stoff für Anhänger von Acts wie Cross Canadian Ragweed, Ryan Bales Band, Tyler McCumber Band und vor allem der Mike McClure Band. Das Red Dirt-Feuer brennt!

Eigenproduktion (2009)
Stil: Red Dirt

01. Circles (Alive)
02. Laughin At The Past
03. The Farm
04. In The Middle
05. Katy Come Around
06. Lonely Town
07. Eagle
08. Sandcastle Blues
09. Shores
10. Baby Let Me Wonder
11. Keeper Of The Plains

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Preacher Stone – PayDirt – CD-Review

Drittes Album der Southern Rocker aus Charlotte/North Carolina! Preacher Stone haben sich mit ihren beiden Vorgängeralben erhebliche Sympathien in Genre-Kreisen erspielt, ihr ungeschliffener ehrlicher Southern Rock im Stile der großen Vorbilder Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, Blackfoot & Co., aber durchaus mit eigener Note, wird in diesen Kreisen immer noch mit Wohlwollen angenommen, zumal die Band um die Leader Marty Hill und Ronnie Riddle nie auf die großen Budgets irgendwelcher großer Labels zurückgreifen konnte.

Auch ihr Drittwerk ist wieder in Eigenregie entstanden. Mit leicht veränderter Formation (zum Line-up gehören jetzt Michael Gilbert – guitar, slide, dobro; Josh Sanders – bass, vocals; Johnny Webb – keyboards und Mark Hill – drums) ist ihnen jetzt mit „PayDirt“ ihr mit Abstand stärkstes Werk gelungen. Hill und Riddle, die sämtliche Tracks verfasst haben, ist es erstmalig gelungen, eine klare Linie in ihr Gesamtwerk zu bringen, woran es gerade beim Vorgänger „Uncle Buck’s Vittles“, mit doch recht stark variierenden Stilelementen und sehr unruhig wechselnden Songs, noch ein wenig gehapert hatte.

Die Truppe, die sich selber nicht als Southern Rock Band sieht, sondern als Band aus dem Süden, ist ihren Heroen ein wenig dichter in den Nacken gerückt. Obwohl die meisten Basisriffs überaus kraftvoll, kantig und zuweilen sogar ein wenig metallisch kommen, spielt die Band nicht mehr ganz so hart wie bei den Vorgängern, was nicht bedeutet, das sie „weich“ oder gar lasch spielen – im Gegenteil. Die Power und Energie ist stets spürbar, aber alles wirkt etwas lockerer, Song-orientierter, flüssiger. Und das kommt richtig gut.

Klasse direkt der Opener „Day Late“, ein selbstironischer Song über Leute, die bei allen Dingen ewig zu spät im Leben kommen („I’m just a day late and a dollar short, my ship came in, I was standin’ at the airport“ heißt es im Refrain), geht nach ein paar kurzen Beckenschlägen durch Drummer Marty Hill und einem „Hell Yeah“-Ruf von Riddle direkt gitarrentechnisch in „Pearl Jam meets Molly Hatchet“-Manier ordentlich zur Sache. Klasse auch die gurgelnde Orgel von Johnny Webb im Hintergrund, die sich dann im weiteren Verlauf des öfteren von ihrer ganz feinen Seite zeigt.

Mit „Meet My Maker“ wird mit religösem Unterton im atmosphärischen Midtempo weitergemacht. Schön hier das typisch surrende Slide-Solo. Eine kurze Dobroeinlage („Shrevport Stomp“) dient als Vorspiel für den herrlich stimmungsträchtigen Footstomper-Boogie „Louisiana Dog“, der von wunderbar flotten E-Gitarren und klimperndem Honky Tonk-Piano getragen wird und am Ende nochmals eine Temposteigerung erfährt. Ganz starker Song! Das folgende, ebenfalls schön kratzig stampfende „And Then Some“ erinnert so ein wenig an die Zeiten des Copperhead-Debüts. Tolles Zusammenwirken hier von quirlig gespielten E-Gitarren und aufheulender Orgel im Solo-Teil.

Ein Stratocasterintro kombiniert mit dem berühmten Lick von Bon Jovis „Dead Or Alive“ bildet den Pfeiler des tollen „Me And Mine“, einer southern-souligen Midtempoballade mit kräftigem Powerrefrain. Begeisternd die Lynyrd Skynyrd huldigende Solopassage gegen Ende mit eingebauten Double Leads. Ein richtiges Highlight! Ein bisschen in klassischere Rockrichtung a la Bad Company pendelt „Walk It Dry“ (tolles Orgelintro), Riddles Gesang ähnelt hier durchaus dem des großen Paul Rodgers. „Hand On The Bible“ gab es bereits auf dem Vorgänger, hier mit etwas stärker hervorgehobener Akustikgitarre.

Eine schöne melodische Southern-Ballade mit angenehmen Slide-Solo in Skynyrd-Tradition und pathosgetränkten Harmoniegesängen. „Place To Be“ führt einen mit dezent gospeligem Touch in die Hoch-Zeiten von Bands wie Dickey Betts & Great Southern, Charlie Daniels oder der Marshall Tucker Band zurück. Herrlich das Betts-typische Führungs-E-Gitarren-Spiel zum launigen Southern-Groove. Im Soloteil reichen sich E-Gitarren, E-Piano und Orgel die Klinke in die Hand. Lässig rockt „Swimmin’ Hole“ und lässt etwas wehmütig „Flirtin With Disaster“-Zeiten aufkommen.

Klasse hier Webbs gluckerndes E-Piano, dass toll mit den schweren Gitarren-Riffs harmoniert. Mit „All I Know“ folgt dann im Vergleich zum Rest ein recht unspektakulärer, aber schön melodischer Abschluss. Dieser Song hätte vielleicht etwas besser als Füller irgendwo in die Mitte gepasst. Trotzdem angenehm zu hören. Preacher Stone haben sich mit „PayDirt“ wieder ein Stück weiterentwickelt und gehören mittlerweile mit Bands wie Hogjaw, Skinny Molly, SwampDaWamp zum erweiterten Führungszirkel des Genres.

Man darf sich gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn die Band, ähnlich wie Blackberry Smoke, mal ein mutiges Label und einen arrivierten Produzenten Marke Justin Niebank oder Dan Huff als Support bekommen würde… Aber auch gut möglich, dass Hill, Riddle & Co. das auch garnicht wollen. Trotzdem ist das sich stetig steigernder, klassischer Southern Rock auf der Schiene solcher Helden wie The Allman Brothers Band, Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, Blackfoot, Doc Holliday, 38 Special, und, und, und. Preacher Stone sind und bleiben eine der Bands, die das Erbe der goldenen Southern Rock-Zeit höchst authentisch weiterverfolgen. Klasse Futter für die ewig hungrige Southern Rock-Fraktion! Gut gemacht, Jungs!

Eigenproduktion (2014)
Stil: Southern Rock

01. Day Late
02. Meet My Maker
03. Shreveport Stomp
04. Louisana Dog
05. And Then Some
06. Me and Mine
07. Walk It Dry
08. Hand On The Bible
09. Place To Be
10. Swimmin‘ Hole
11. All You Know

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Moonshine – Same – CD-Review

moonshine

Southern Rock-Nostalgiker aufgepasst, hier erblickt ein Juwel des Genres nach langer Zeit, das Mond-, ähm bzw. das Tageslicht! Richtig guter Whisky sollte ja so zwischen 12 und 21 Jahren lagern, so sagen es wenigstens Kenner auf diesem Gebiet. Ob das Gleiche auch für Musik gilt – darüber kann man diskutieren – liegt aber wohl, wie auch bei dem berühmten Gerstensaft, letztendlich im subjektiven Empfinden des einzelnen Begutachters.

Das Debütalbum von Moonshine schlummerte jedenfalls satte zwanzig Jahre in den Archiven von Babylon A.D.-Frontmann Derek Davis, bis sein Genuss nun endlich für die Öffentlichkeit zugängig gemacht wurde. Apropos Babylon A.D.. Mit dem Debütalbum dieser Band und anderen Acts wie Little Caesar und Thunder versuchte ich zu seiner Zeit meinen jüngeren Bruder David in Form von Geburtstagsgeschenken musikalisch halbwegs zu missionieren, was aber am Ende doch kläglich gescheitert ist. Vorletztes Wochenende wurde auf seiner ansonsten sehr schönen Hochzeit (u. a. mit vielen illustren Gästen aus unserer Tischtennis-Bundesliga-Vergangenheit) am Ende einer apostolischen Trauungszeremonie dann doch irgendeine schräge Grunge-Ballade als Wunschlied serviert…

Moonshine wurden 1991 in Los Angeles durch Buzzy James und dem uns/mir bestens bekannten Craig deFalco gegründet, die später auch das Grundgerüst der, leider zu Unrecht immer etwas im Schatten anderer Southern Rock-Bands gebliebenen, Formation Laidlaw bildeten. Als Rhythmus-Fraktion gesellten sich White Tiger-Drummer Brian Fox und der Bruder des ehemaligen Kiss-Gitarristen Mark St. John, Michael Norton, am Bass dazu. Die Wahl des Sängers fiel nach dem Testen mehrerer Kandidaten auf besagten Derek Davis. Am Ende wurde noch Mike Malone aus Marc Fords Band für Piano- und Mundharmonika-Parts mit hinzugenommen.

Das zusammengestellte Material wurde dann damals in Eddie Van Halens 5150 Studio unter Mithilfe von dessen Bassisten Michael Anthony (singt hier Background bei „Turn Me Around“), Mike Scott (Produzent) und ein paar Gästen (Jane Child, Kevin Hill, David Lauser) eingespielt. Aufgrund diverser Line-up-Änderungen wurde das fertiggestellte Projekt dann aber auf Eis gelegt. Der Rest ist Geschichte. Lediglich die Alben der neu gegründeten Laidlaw blieben später in Southern Rock-Kreisen hängen.

Die zehn Songs des Moonshine-Tonträgers wurden jetzt auf neustem Stand re-mastered und technisch bearbeitet, trotzdem ist ein gewisser nostalgischer Faktor omnipräsent. Schon der eröffnende Guitar Shuffle mit dazugefügtem Honky-Tonk-Piano-Geklimper und dem einsetzenden schweren Drumpolter-Rhythmus, gepaart mit surrenden Slidegitarren lassen beim Opener „Mississippi Delta Blues“ direkt Erinnerungen an Southern-Boogies aus dem ZZ Top-/Skynyrd-Dunstkreis wach werden. Direkt ein Hammer-Auftakt!

Das schunkelige „Warm Beer Catfish Stew“ (wie das wohl schmecken mag?) mit seinem alkoholgeschwängerten Mitsing-Refrain, kennt man bereits, sofern man im Besitz des Laidlaw-Debütwerks ist, bei dem es am Ende in einer modifizierten Form vertreten ist. In eine ähnliche Kerbe schlägt das später folgende, humorvolle „Mamas Kitchen Brew“. Launiger Stoff, den man auch immer wieder bei den Georgia Satellites oder den heutigen Bluefields serviert bekommt.
Unwiderstehliche Southern-Balladen gibt es mit dem herrlichen „The Devil’s Road“ (klasse hier die rotzigen Hintergrundharmonies von Jane Child), „The Last Song“ (überragend, The Dirty Guv’nahs meets Lynyrd Skynyrd!), „Southern Blood“ (Southern Variante von Bon Jovis „Dead Or Alive“ mit „Can’t You See“-Note) und „Fade Away“ (ebenfalls wunderbares Marshall Tucker-Flair), die alle auch mit einem ganz dezenten Sleaze Rock-Unterton rüberkommen. Toll, wie hier die Southern-typischen Slides, Twins (zudem klasse Dobro-Parts) mit Davis‘ variablen Gesang (Richtung
Ron Keel, Gary Jeffries, Tom Keifer) kombiniert wurden. Die Tracks hätte man sich zum Teil gut auch auf Teslas berühmten MTV-Unplugged-Live-Album vorstellen können.
Das einzige Cover auf dem Werk ist der CCR-Klassiker „Fortunate Son“. Hier versuchen James‘ groß auftrumpfende Slidekünste (auf Sonny Landreth-Niveau) und Malones Harpeinlagen, den von Davis recht guten, an John Fogertys aber nicht ganz heranreichenden Gesang vom Original, auf instrumenteller Ebene wettzumachen. Am Ende auch ganz gut gelungen!

Auf der Zielgraden des Silberlings gibt es mit „Turn Me Around“ und dem Rausschmeißer „The American Train“ noch recht derbe Kost, wobei deFalcos Vorlieben für Led Zeppelin-trächtige psychedelische Momente dezent durchschimmern. Fast alle Stücke stammen übrigens aus der Feder des Trios deFalco, Davis und James, lediglich bei „Fade Away“ gesellte sich noch Mike Malone dazu.

Mit dem lange verschollenen Debüt von Moonshine können sich jetzt gerade die Southern Rock-Fans glücklich schätzen, die als Anhänger der Früh- und Hochzeit des Genres groß geworden sind. Ähnlich wie man es bei einem Selbstgebrannten erwartet, findet man hier ein herbes, kantiges, intensives Konglomerat aus höchstauthentischen Zutaten ohne jeden schnieken Beigeschmack, bei dem man den Eindruck hat, als wäre es fast durchgehend live im Studio (bei Mondlicht?) eingespielt worden. Insgesamt ein tolles Southern Rock-Gebräu irgendwo zwischen den erwähnten Bluefields und Laidlaw. Ein ‚Must-have‘ für jede gut sortierte Sammlung dieser Sparte!

Southern Blood Records (2014)
Stil: Southern Rock

01. Mississippie Delta Blues
02. Warm Beer Catfish Stew
03. The Devil’s Road
04. Fortunate Son
05. The Last Song
06. Mams Kitchen Brew
07. Southern Blood
08. Turn Me Around
09. Fade Away
10. The American Train

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The Moss Brothers Band – Royal Orleans – CD-Review

‚Ohne Moss nix los‘, wird sich der gute Billy gedacht haben, als er vor kurzem eine Rückkehr seiner Rebel Storm-Truppe angedroht hat. In der Tat ist man heutzutage in Southern Rock-Kreisen froh um jeden Strohhalm, an den man sich klammern kann, nachdem die Bands der ersten Garde ihrem intensiven Leben immer stärker Tribut zollen, und sich deswegen wohl recht lange Auszeiten gönnen (müssen). Da gibt man sich dann auch schon mal mit dem berühmten Sturm im Whiskey-, ähm Wasserglas zufrieden.

Wie man CD-technisch mit relativ begrenzten finanziellen Mitteln glänzen kann, legen ihm jetzt seine beiden Brüder, die Herren Jeff und Troy Moss, mit ihrem Debüt „Royal Orleans“, einer schmucken Eigenproduktion, recht beeindruckend dar. Zwar waren die auch ein wenig mit Rebel Storm verbunden (Troy – Gitarrist, Jeff – Co-Songwriting), schienen mit ihrer Rolle im Hintergrund aber wohl doch nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein.

Wie dem auch sei, in der neuen Kombination als ‚geteilte‘ bzw. ‚doppelte‘ Frontmänner scheint die Geschichte blendend zu funktionieren. Verstärkt werden sie übrigens durch Bassist Kevin Dale und Drummer Dave Smith sowie durch einzelne Gastmusiker (u. a. Bruder Billy beim Rebel Storm-Stück “ A Little Lovin'“und Tony Hauenstein am Piano). Joe Riggio, der auch bei Rebel Storm involviert war, hat sich produktionstechnisch enorm weiterentwickelt, und sorgte diesmal für ein glasklar und modern klingendes Resultat, und steuerte bei „Cajun Waltz“ dazu eine filigrane Akustikgitarrenmeisterleistung bei.

Warum gefallen mir die Moss Brothers um Längen besser als Rebel Storm? Zum einen haben beide eine wesentlich besser klingende Stimme. Der eine erinnert zum Teil an Jon Bon Jovi (ich vermute Jeff), der andere an eine Mischung aus Donnie Van Zant und Ronnie Hammond (wahrscheinlich Troy – die Zuordnung geht aus den Liner-Notes leider nicht hervor, sollte es nicht so sein, nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil…).

Zweitens sind sie augenscheinlich die besseren Songwriter, d.h. sie verbinden recht emotionale, aber angenehm gehaltene Texte, (es geht im Großen und Ganzen um das Thema Verbundenheit mit New Orleans – die CD ist auch den Opfern der Hurrikan-Katastrophe gewidmet), mit instrumentalen Finessen (besonders das an Ed King erinnernde Stratocaster-Spiel weiß zu gefallen), ohne sich aber in selbstverliebte Frickeleien zu verwurschteln. Somit behalten die eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlenden Stücke einen hohen Wiedererkennungswert. Drittens, durch die Einflechtung von Mandoline und Dobro werden Countryelemente und Southern-Rock harmonisch verschachtelt, was mir persönlich schon immer besondere Freude bereitet hat.

Highlights sind in einem mit neun Stücken (Spielzeit 36 Minuten) recht knapp, aber sehr gut durchstrukturiertem und ausgeglichenen Werk vielleicht der Opener „Cottonmouth Country“ (mit klasse E-Slide-Spiel – erinnert dezent an „Voodoo Lake“ von Lynyrd Skynyrd), der bluesige Southern-Stampfer „Southern Boys“ oder „Plantation“, dass nach trockener ersten Hälfte durch Einbindung vom Piano eine boogieartige Wendung nimmt, um am Ende aber doch beim Ursprung seinen Abschluss zu finden.

Insgesamt ein starke, sehr saubere Leistung. Es wird sich in sehr angenehmer, dezenter Art an den großen Bands der Zunft (frühe 38 Special, Atlanta Rhythm Section oder Lynyrd Skynyrd) orientiert, aber durchaus immer der eigene Stempel aufgedrückt. Das optimal passende Ambiente zum Hören der Moss Brothers Band wird dann leider nur im Cover-Inlay mitgeliefert. Eine säulenverzierte Prachtvilla auf einem gediegenen Südstaatenanwesen im Grünen. So ließe es sich mit Sicherheit blendend aushalten…!

Eigenproduktion (2006)
Stil: Singer/Songwriter

01. Cottonmouth Country
02. Red Clay Road
03. Southern Son
04. A Little Lovin‘
05. Harper’s Creek
06. Plantation
07. Royal Street
08. Cajun Waltz
09. Collard Greens

The Moss Brothers Band
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Bärchen Records

Richard Murray – Desert Wind – CD-Review

Richard Murray, ein in Nordirland geborener, in London lebender Singer/Songwriter liefert mit „Desert Wind“ ein amerikanisch anmutendes Album ab, wie es amerikanischer eigentlich nicht sein kann. Murray, so ist es den spärlichen Informationen über ihn zu entnehmen, war bisher für diverseste Bands vornehmlich als Session-Musiker tätig, hat aber auch kompositorische wie auch produktionstechnische Erfahrungen gesammelt.

„Desert Wind“ ist sein erstes Soloprojekt, wobei naturgemäß Kompositionen, Produktion und das Spielen diverser Instrumente auf das eigene Konto gehen, ergänzt um einen relativ klein gehalten Teil von ihn unterstützenden Musikern. Die CD ist mit 13 Songs und einer Spielzeit von knapp siebzig Minuten recht umfangreich bestückt worden.

Geboten bekommt man einen sehr angenehmen Mix aus Country, manchmal mit dezentem Bluegrass-Touch und leichtem Tex-Mex-Flair, recht sparsam instrumentiert vorgetragenen (meist mit Akustikgitarre unterlegt), leicht rootsigen Singer/Songwriter-Stoff, zum Teil mit Storyteller-Ambition, aber auch ein paar unvermutet eingestreute, rockigere Songs, die aber allesamt mit recht schönen Melodien versehen sind. Hal Ketchum und Del Amitri sind im Groben die Orientierungs-Eckpfeiler, zwischen denen sich das Ganze im weitesten Sinne abspielt.

Murray weiß vor allem mit seiner unerhört angenehm ins Ohr fließenden (sehr amerikanisch klingenden) Stimme zu punkten (erinnert mich an die von John Kilzer), spielt aber auch vorzüglich Akustik- und E-Gitarre, sowie Mandoline. Ab und zu verliert sich noch eine Mundharmonika im einen oder anderen Lied, hervorragend aber auch die immer wieder dezent eingesetzten und gut passenden weiblichen Harmoniegesänge einer Dame namens Mandie Barnett.
Meine Favoriten auf einem durchgängig entspannt anzuhörenden Album sind das countryeske „Forgive Me Sera“ (mit Steel-Gitarre und Mandoline, leichtes Tex-Mex-Flair), das flockig instrumentierte „I’ll Never Learn“ (sogar fast ein wenig Mainstream-Country, E-Gitarren-, Orgelfills, Steel, sehr eingängig), das mit einem an Bruce Hornsby erinnernden, unterlegten Piano und einer langen E-Passage verzierten „Burning Silver“, das ebenfalls recht melodische „Midnight Oil“ (flottes Akustikgitarrenspiel, E-Fills, schönes Harmonika-Solo, Stimmungswechsel) und das rockige „Valley Of The Unforgiven“ (klasse E-Solo).

Und kurz vor Ende schüttelt Richard dann noch mit „DTs Roadhouse Shake“ einen furiosen, rhythmischen Countryrocker mit einer quäkigen Harmonika und klimperndem HT-Piano aus dem Ärmel, den selbst ein Dan Baird nicht hätte besser spielen können. Alles in allem hat der für mich bis dato völlig unbekannte Richard Murray mit „Desert Wind“ sehr positiv überrascht. Die CD-Gestaltung (inkl. Titelbild) wurde passend zum Titel in recht blassen, erdigen Gelb-, Grau- und Schwarztönen gehalten und beinhaltet alle Texte. Richard Murray ist zweifelsfrei der amerikanischste Nordire, der mir musikalisch bisher begegnet ist. Aus meiner Sicht ein sehr empfehlenswerter Musiker.

Eigenproduktion (2008)
Stil: Singer/Songwriter

01. Forgive Me Sera
02. Enlighten Me
03. Thinking Of Christina
04. Blueberry Wine
05. Down In This Town
06. 1931
07. I’ll Never Learn
08. Burning Silver
09. Midnight Oil
10. Wandering Infidel
11. Valley Of The Unforgiven
12. DTs Roadhouse Shake
13. The Wind And Rain

Richard Murray
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Hemifrån

Nation Sack – Same – CD-Review

Es war klar, dass das Greg Koch-Malford Milligan-Projekt, Nation Sack, keine einfache Kost für meine melodieverwöhnten Ohren sein würde. Das Gesamtergebnis entpuppt sich aber entgegen aller anfänglichen Befürchtungen mit meinem Geschmacksinn in weitestem Sinn, trotz ab und an auftauchender ‚Ungewohntheiten‘, als durchaus konform.

Gitarrenvirtuose Greg Koch war mir bisher nur namentlich bekannt, Malford Milligan zählt schon seit vielen Jahren dank seiner Beteiligung bei Storyville, zum erlauchten Kreise meiner Lieblingssänger. Diesen schwergewichtigen, albino-negroiden Dampfkessel mal in persona auf der Bühne zu erleben, gestattete mir die vor geraumer Zeit erschienene DVD Live At Antones dieses Hochkaräter-Quintetts, die ich nach wie vor jedem Leser dieses Magazins ans Herz legen möchte.

Der Bandname Nation Sack bezieht übrigens seine Herkunft aus dem Robert Johnson-Klassiker „Come On Into My Kitchen“. Gemeint ist ein Beutel, dem in der Hoodoo-Lehre vornehmlich von Frauen eine spirituelle Bedeutung zugemessen wird. Mit Koch und Milligan scheinen sich von der Chemie zwei hervorragend auf einander abgestimmte Charaktere gefunden zu haben (Koch redet sogar recht selbstbewusst von einem angehenden Page-Plant-Paar).

Auf der einen Seite die wirklich einzigartigen, bluesig-souligen Vocals (von gefühlvoll bis aggressiv) Milligans, auf der anderen die virtuose und brillante E-Gitarrenarbeit von Koch, die fast immer verschrobene Züge aufweist und doch in einem schlüssigen Gesamtbild endet. Die Rhythmusfraktion, bestehend aus Tom Good (Bass) und Del Bennett (Schlagzeug), spielt ihren Part trocken und zweckgerichtet runter (recht ähnlich dem Stil der Storyville-/Ex-Stevie Ray Vaughan-/Ex-Arc Angels-Musiker Chris Layton und Tommy Shannon).

Im Groben und Ganzen erhält man einen überaus intelligent gespielten Blues Rock, der sich vornehmlich zum gängigen Genreangebot, mit all seinen vermeintlichen Wunderkindern, dadurch auszeichnet, dass hier jemand vor dem Mikro steht, der auch singen kann. Dazu sind Kochs unkonventionelle Solo-Ausflüge so punktgenau konstruiert, dass er trotz aller filigraner Klasse nie ein Anflug von Selbstverliebtheit aufkommen lässt. Der Mann weiß einfach, wann und wie er sich im Bandgefüge wieder unterzuordnen hat.

So gibt es einige Stücke, die durchaus auch auf einem Storyville-Album Platz gefunden hätten („Clean Livin“, „Envy The Dead“, „Same Ole“, „Livin The Dream“), explizit zu erwähnen hierbei das grandios umgesetzte, soulige, herrlich melodische John Lennon-Cover „Jealous Guy“ (bekannt geworden wohl eher durch die Roxy Music-Fassung kurz nach Lennons Tod). Es gibt aber auch einige vertrackte Nummern, bei denen Koch stark den Stempel aufdrückt, wie „International Man Of Misery“ (fast schon irrenanstalttauglich, sein leieriges und nervenzehrendes Gitarrenwechselspiel), die Instrumental-Stücke „Syrup“ (der reinste Slide-Gitarrensirup) und das funkig, dezent angejazzt swingende „Wes Get Funky“ oder das mit Chuck Berry-mäßigen Retroriffen durchzogene „Monkey Business“. Wer es klassisch liebt, erhält sogar ein gitarrenmodifiziertes Chopin-Präludium („Prelude“) als Intro zum balladesken „Lie A Little Harder“ (mit schräg wimmernden Gittarrentönen im ausgedehnten E-Solo).

Nation Sack, alias Greg Koch und Malford Milligan, bieten insgesamt auch ohne Hoodoo-Zauber magische anmutende Blues Rock-Momente ab, die aber letztendlich ausschließlich auf irdisch angeeignetem Können und Talent seiner Protagonisten basieren. Wer die früheren Outputs der Beiden kennt, dazu dem meist treffsicheren Urteilsvermögen des Rezensenten vertraut, erhält weder eine rockmusikalische Wundertüte, noch kauft er die berühmte Katze im Sack. Insgesamt qualitativ hochwertiger und erfrischender Blues Rock der etwas anderen Art!

Pepper Cake Records, (2009)
Stil: Blues Rock

01. Clean Livin
02. International Man Of Misery
03. Envy The Dead
04. Same Ole
05. Livin The Dream
06. Come And Gone
07. Jealous Guy
08. Syrup
09. I Can Win
10. Wes Get Funky
11. Monkey Business
12. Winter – Prelude – Lie A Little Harder (Winter)
13. Winter – Prelude – Lie A Little Harder (Prelude)
14. Winter – Prelude – Lie A Little Harder (Lie A Little Harder)

Greg Koch
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ZYX Music

The Naysayers – Some Other Place – CD-Review

The Naysayers bezeichnen sich als »The Best Band You Never Heard Of« und treffen mit diesem Statement mehr oder weniger auch bei mir ins Schwarze. Von den selbsternannten Pessimisten aus Portland, Oregon hatte ich bisher noch nie etwas gehört. Aber da der Fundus an guter und vor allem kreativ eigenständiger Rockmusik in Amerika schier unerschöpflich zu sein scheint, wundert mich das dann auch wieder nicht all zu sehr.

The Naysayers sind das Projekt von Rod Langdahl und Dennis Winslow, die, wie die Recherche ergab, bereits drei hoch gelobte Alben zuvor veröffentlicht haben, und auch auf reichhaltig Erfahrung in der Musik und nahe liegenden Sektoren zurückblicken können. So arbeiten z.B. beide eng zusammen mit dem Songplugger (eine Art Songvermittler) Chris Keaton speziell für die Nashville-Sparte, Winslow schreibt zum Teil Musik für Fernsehfilme und -Serien, Langdahl besitzt nebenbei eine Bühnenbaufirma, die dann auch besonders für Naysayers-Auftritte ausgefallene Ideen umsetzt und die Auftritte zu einzigartigen Erlebnissen werden lässt. Beide sind demnach auch für den Löwenanteil des Naysayers-Songwritings verantwortlich, zwei Tracks steuerte der zweite Gitarrist Bob Logue bei.

Das neue Album „Some Other Place“ macht von Beginn bis zum Ende Spaß und verbreitet eine durchgehende Wohlfühlatmosphäre. Sanft schmeichelnde Songs, mal etwas rootsig, mal etwas rockig, poppig oder countryesk (Banjo-, Dobro-, Harp- und Akkordeon-Einsätze) angehaucht, tolle Harmoniegesänge, die auch ein gewisses Westcoast-Espirit versprühen, laden zum Relaxen auf der Couch (im Winter) oder als Hintergrundmusik zum Grillen im heimischen Garten (im Sommer) ein. Von Tom Petty über Poco, Bo Deans, Firefall bis hin zu den Outlaws in frühen Zeiten als Bezugsgrößen, wird das komplette musikalische Wellness-Programm abgedeckt.

Mein persönliches Lieblingsstück ist „Fooling Myself“, das mit seiner tollen Melodie, den markanten Führungs-E-Riffs und dem Southern Rock-trächtigen E-Solo sicher schon jetzt in meine engere Wahl zum Song des Jahres einbezogen wird. Der einzige ganz kleine Wermutstropfen ist vielleicht, dass die sich abwechselnden Winslow und Langdahl nicht gerade Übersänger sind. Großartige Schmerzen bereiten sie aber auch nicht.

The Naysayers ist mit „Some Other Place“ letztendlich ein richtiges Americana-Ohrwurmalbum gelungen, dass besonders von Freunden eingängiger, moderner Melodien mit schönen Satzgesängen geliebt werden wird. Klasse! Wirklich hervorragend geeignet, um eine musikalische Bildungslücke zu schließen… !

Eigenproduktion (2008)
Stil: Americana

01. Any Way To Stay In Love
02. Happy To Be There
03. You Play Me
04. Heartprints
05. Never Before
06. Some Other Place
07. Women Whiskey & Me
08. Love On The Ground Floor
09. Fooling Myself
10. Slowly Turning
11. Nobody’s Hurting
12. You’re Still Smiling

MP Media