Iron Horse – Bring It On – CD-Review

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Das Debütalbum von IronHorse war ja vor drei Jahren schon nicht von schlechten Eltern. Man erinnere sich an Songs wie „Run For The Border“, „Redneck Rock’N’Roll“, das furiose Instrumental „Let’s Ride“ oder das Bad-Company-Cover „Shooting Star“, auf denen bereits die ganze Tragbreite ihres musikalischen Könnens und ihrer bevorzugten Stilarten repräsentiert wurde. Stadiontauglicher Mainstream-Rock durchzogen mit virtuosen Gitarrenläufen, allerdings auch zum Teil mit Südstaaten-, Country- und Blues-Elementen versehen.

Charismatischer Kopf der Band ist Ronnie Keel, der in den Achtziger Jahren mit der Heavy-Rock-Band Keel größeren Bekanntheitsgrad erlangt hat. Er ist zwar gesangstechnisch kein Überflieger, hat aber enorme Ausstrahlung, schreibt eingängige Lieder und hat ein gutes Händchen, was Bandzusammenstellung, Gastmusiker und Auswahl von Fremdkompositionen angeht. Zum festen Line-Up, dass ihr neues Werk „Bring It On“ eingespielt hat, zählen mittlerweile neben bereits erwähntem Frontmann die Herren Jay Rusnak (Lead guitar, vocals), Gaetano Nicolosi (Drums, percussion, vocals), Geno Arce (Bass, vocals) und der Multiinstrumentalist Dean Lehman (Keyboards, vocals, harmonica, banjo, mandolin, percussion). Gerade Letztgenannter sorgt spürbar für die erneute Steigerung und verleiht der Gruppe erheblich mehr Substanz. Die Lieder rauschen einmal mehr kräftig, aber immer melodisch, an einem vorüber.

Der Opener „Three Sheets To The Wind“ heizt als rhythmischer Rocker mit Southern-typischen Double-Leads und dezenter Banjounterlegung erst mal richtig ein. Das Titelstück „Bring It On“ gibt sich ganz in der Tradition von 38 Special und Lynyrd Skynyrd, die gleichnamige Titel ebenfalls in ihrem Repertoire aufweisen, allerdings ist dies eine völlig eigenständige Version. Co-Writer übrigens der gute alte George McCorkle, der vielen aus Marshall-Tucker-Tagen bekannt sein dürfte.

Gecovert wurde diesmal der Steve-Earle-Klassiker „The Other Kind“, der trotz starker Darbietung und und wunderbarem Mandolinenspiel von Gastinterpret Henry Paul (Ex-Outlwas, Henry Paul Band, mittlerweile Blackhawk-Chef) aber nicht an das kratzig ursprüngliche Original heranreicht. Henry Paul ist auch die dominierende Person beim Sahnehäubchen „Dixie Highway“, dass er zusammen mit Chuck Glass geschrieben hat, mit dem er seiner Zeit auf „Soldiers Of Fortune“ eine kurze Outlaws-Reunion aufleben ließ. Bahnt sich da etwa wieder was an? Zu begrüßen wäre es. Der Song ist ein regelrechter Klassiker. Ronnie Keel gibt sich zwar alle Mühe, wird aber in diesem Duett von Henry an die Wand gesungen. Einzig das Southern-typische Gitarrenfinish wird leider nur angedeutet bzw. ausgeblendet. Trotzdem, eine Wahnsinns-Nummer!

Die Ohrwürmer „I Can’t Stop You“ (Jeffrey Steele – hören Sie auch mal in dessen bärenstarkes gerade erschienendes Album „Outlaw“ rein) und Rescued (Emerson Drive – erinnert ein wenig an „Second Chance“ von 38 Special) wurden auch im New-Country-Bereich bereits interpretiert. Bon Jovi-Feeling gibt es bei Stücken wie „Best Move“ (wäre von Sambora und Co. sicher ein Megahit), „Haunted Saloon“ (Ähnlichkeiten zu „Dead Or Alive“ sind rein zufällig, allerdings glänzt hier Gast Mike Johnson durch fulmintantes Dobrospiel) oder der atmosphärischen Ballade „One Hell Of A Ride“.

Auf „Half Past Goodbye“ darf Gitarrist Jay Rusnak (wie eigentlich auch auf allen anderen Stücken) sich noch mal ganz besonders ausleben, bei der filigranen Behandlung seines Arbeitsgerätes dürfte es allerdings so manchem Blueser schwarz vor Augen werden.  Als Zugabe gibt es noch drei Videos („American Thunder“, „Best Move“ und Kurzinterviews der Bandmitglieder). Erwähnenswert auch vielleicht noch die Recycling-Skulptur von James Ezell auf dem Inlay, wo ein Pferd aus Schrauben, Lagern, Schraubschlüsseln und jeder Menge Zündkerzen zusammengeschustert wurde, also ein Ironhorse im wahrsten Sinne des Wortes. Tolles rundes Zweitwerk in jeder Hinsicht, herzlichen Glückwunsch an Ronnie Keel und seine Genossen!

Iron Horse Productions (2004)
Stil: Rock & More

01. Three Sheets To The Wind
02. Bring It On
03. American Thunder
04. The Other Kind
05. I Can’t Stop You
06. Dixie Highway
07. The Best Move
08. Desert Rain
09. Haunted Saloon
10. Rescued
11. Half Past Goodbye
12. One Hell Of A Ride

Videos:
13. American Thunder
14. The Best Move
15. Meet The Band

Ron Keel
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Antigone Rising – From The Ground Up – CD-Review

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Wow! Was für ein tolles Newcomer-Album! Und die fünf Mädels von Antigone Rising starten direkt, wie es eigentlich nicht unbedingt üblich ist, mit einer, in sehr intimer Studio-Atmosphäre vor ausgesuchtem Publikum eingespielten Live-Scheibe. Ok, so ganz „grün hinter den Ohren“ sind die fünf Antigonen auch nicht mehr. Unzählige Gigs in Clubs und Hallen brachten sie sogar beispielsweise schon bis ins Vorprogramm einiger Gigs der diesjährigen Allman Brothers-U.S.-Sommertour, was Ihnen im übrigen erst unsere Aufmerksamkeit einbrachte (darüber hinaus werden sie Anfang 2006 auch ein paar Shows der Rolling Stones eröffnen…). Zudem ist ihr vorliegendes Album „From The Ground Up“ streng genommen bereits ihre zweite CD, denn es existiert bereits ein in Eigenregie erstelltes und vertriebenes Studioalbum.

Die Basis von Antigone Rising bildeten zu Anfangszeiten die beiden aus New York stammenden, musikverrückten Henderson-Schwestern Kristen (Rhythm guitar, background vocals) und Cathy (Lead guitar, background vocals), die aber zunächst Probleme hatten, eine Band in ihrem Sinne aufzubauen. So begann man erst einmal mit sehr Folk-orientierte Musik! Als sich schließlich die aus der New Jerseyer Club Szene bekannten Dena Tauriello (Drums) und Sängerin Cassidy zu den beiden gesellten, begann sich auch ihr Sound in die ursprünglich gewünschte, rockbetonte Richtung zu wenden., ohne jedoch gewisse Folk-Roots zu verlieren. Vervollständigt wurde das Line-Up endgültig mit Jen Zielenbach, ebenfalls aus New Jersey, am Bass.

Herausgekommen ist eine wunderbare, genauso vor Kraft strotzende, wie auch entspannte Acoustc-driven, nur mit unaufdringlichen E-Gitarren-Fills angereicherte, leicht Americana- und Roots-orientierte, sehr spielfreudige und äußerst niveauvoll arrangierte, höchst ansprechende, dynamische Pop-/Rock-Musik, die, ohne ihre eigene Kreativität je in Frage stellen zu wollen, wie aus den interessantesten Extrakten solcher Kolleginnen wie Melissa Etheridge, Beth Hart, Eve Selis, Sheryl Crow, Stevie Nicks oder gar den Dixie Chicks entstanden zu sein scheint. Schon der originelle und vom Titel her wunderbar passende Begrüßungssong „Hello“ nimmt einen richtig gefangen. Cassidy „röhrt“ mit klarer und ungemein kräftiger Stimme den Text, bestehend aus nur einem Vierzeiler zur wunderbaren Slidebegleitung Cathy Hendersons und dezenten Pianoergänzungen des überaus starken Gast Keyboarders Rich Campbell, fast im Stile einer jungen Melissa Etheridge (nicht ganz so rau) ins Auditorium.

Das Stück geht dann fließend in die einzige Fremdkomposition, „Waiting, Watching, Wishing“ über, ebenfalls recht Slide-trächtig, dabei von der Instrumentierung insgesamt her sehr viel temperamentvoller. Mittlerweile ist die komplette Band eingestiegen, wohl dosierte Harmoniegesänge erquicken unsere Ohren, wie auch der zweite, ebenfalls klasse aufspielende Gast, Percussionist Nir Zidkyahu, mit seinem rhythmischen Tambourine-Shaking. Es folgt die aktuelle Single der Band, „Don’t Look Back“, ein überaus melodischer, flockiger Poprock-Song aus der Feder von Cassidy, Kristen und Matchbox-20-Twenty-Frontmann Rob Thomas, der an alte, beste Fleetwood Mac-Tage Mitte der Siebziger zu erinnern scheint. Großartig!

Ist am Ende der Scheibe als Bonus-Track auch nochmal in einer Studio-Radiofassung enthalten! Im weiteren Verlauf reichen sich sehr variabel dargebotene Lieder, mal rockiger, mal poppiger, immer wieder dezent Country-, Roots- und Folk-verziert, temporeicherer oder balladeskerer Natur, die „Klinke in die Hand“. Schwerpunkt sind immer wieder die tollen Melodien und Texte, die sich sofort fest in den Gehörgang bohren. Fettes Drumming, jazzig-funkiger pochender Bass, klasse Rhythmus- und E-Spiel der Henderson-Sisters, sowie die wirklich exzellente, zwischen rotzig und emotional zart variierende Röhre von Cassidy, plus die bereits erwähnten, gut harmonierenden Gäste, lassen die Scheibe zu einem echt berührenden Live-Erlebnis werden. Einfach klasse!

Weitere der zahlreichen Höhepunkte sind beispielsweise das an eine akustisch rockende Version von Etheridges größtem Hit „Like The Way I Do“ erinnernde „You’re The Reason“, die emotionale, wunderschöne Ballade „Michael“ (handelt vom Tod eines mit den Musikerinnen befreundeten Bekannten), oder auch das voller spanischer/mexikanischer Elemente (leichter Flamenco-Touch, klasse spanische Akustik-Gitarre) steckende „Rosita“! Wenn der verdiente, tosende Applaus nach dem Abschluss-Song „Broken“ aus den Boxen erklingt, weiß man als ungemein beeindruckter Zuhörer sofort, dass mit Antigone Rising hier etwas Großes zu wachsen beginnt.

„From The Ground Up“ ist toller Stoff für Leute, die auf ausdrucksstarken und musikalisch äußerst versierten Nachwuchs der im Verlaufe der Besprechung erwähnten, etablierten Kolleginnen gewartet haben! Girl-Power, die ihrem Namen alle Ehre macht!

Lava Records (2005)
Stil: Rock

01. Hello
02. Waiting, Watching, Wishing
03. Don’t Look Back
03. She’s Not Innocent
05. Open Hearts And Doors
06. Michael
07. Happy Home
08. You’re The Reason
09. Longshot
10. Better
11. She Lived Here
12. Rosita
13. Broken
14. Don’t Look Back (Radio edit)
15. Should’ve Been The One (Studio)

Antigone Rising
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Bärchen Records