Robert Earl Keen – What I Really Mean – CD-Review

Der aus Houston, Texas stammende Troubadour mit seinem elften Album! Robert Earl Keen ist seit 1984 mit seinem Debüt „No Kinda Dancer“, damals noch mit 4.500 Dollar eigenfinanziert, im Geschäft, und steht seitdem mit seinem Namen in regelmäßigen Abständen für qualitativ hochwertige Ware im texanischen Alternativ-Country/Roots-Rock-/Singer-Songwriter-Bereich.

Mittlerweile bei Koch Records Nashville ansässig, liefert er mit „What I Really Mean“ sein bislang vielleicht bestes und ausgeglichenstes Album ab. Zur Seite als Produzent stand ihm einer der vielleicht am meisten unterschätzten Gitarristen, Rich Brotherton, der natürlich auch maßgeblich mit in die Saiten griff. Die CD startet mit dem starken Opener „For Love“, ein locker dahin fließender, mit schönen Akustik-, Steel- und E-Gitarren unterlegter Midtempo-Country(rock)-Song, der zudem ein klasse E-Solo beinhaltet.

Das folgende, Fabel-artige „Mr.Wolf And Mamabear“, mit leichtem Tex-Mex-Flair, überzeugt durch seine Rhythmik, das wunderbare Titelstück „What I Really Mean“ glänzt mit knackigen Akustikgitarren, tollem Banjo, wobei die dezenten Saxophon-Tupfer dem Song sogar ein leichtes Van Morrison-Flair verleihen. Über eine „Barroom-Talk“-artige Hank-Williams-Persiflage („The Great Hank“) , der eingängigen, Steel-dominierten Uptempo-Nummer „The Wild Ones“, gelangt man zu zwei weiteren, absoluten Höhepunkten des Werkes. „Long Chain“, beginnend mit einem glänzenden Akustikgitarren-Mandolinen-Intro, entwickelt sich mit einsetzender Banjo-Dominanz zu einer atmosphärischen, mitreißenden Western-Bluegrass-Nummer, wobei großartiger, weiblicher Background-Gesang und satte E-Gitarren das Vergnügen komplettieren. Sehr stark!

Ebenfalls reichhaltig Banjo zu genießen gibt es bei „Broken End Of Love“, ein wunderbar melodischer Roots-Song der Marke John Hiatt/Pat Green, knackiges E-Gitarren-Solo inklusive. Bei „A Border Tragedy“ verschachtelt Keen einen eigens komponierten Song mit diversem mexikanischen Traditions-Liedgut, wobei die Honky Tonk-Legende Ray Price in einer Strophe mit dem Lead Gesang betraut wurde.

Der schöne, relaxte Countrysong „Ride“ mit klarer Akustikgitarre, heulenden Fiddels, sowie netten Dobrofills lässt noch einmal Roberts warme, weiche Stimme voll zur Entfaltung kommen und beschließt ein geschmackvoll zusammengestelltes, interessantes Gesamtwerk mit klasse Texten eines echten Storytellers, das von vorne bis hinten fasziniert. 48 Minuten „Robert Earl Keen at his best“!

Koch Records (2005)
Stil: Country Rock

01. For Love
02. Mr. Wolf And Mamabear
03. What I Really Mean
04. The Great Hank
05. The Wild Ones
06. Long Chain
07. Broken End Of Love
08. The Dark Side Of The World
09. The Traveling Storm
10. A Border Tale
11. Ride

Robert Earl Keen
Robert Earl Keen bei Facebook
Bärchen Records

Drew Kennedy – Dollar Theatre Movie – CD-Review

Klasse Album des in New Braunfels/Texas ansässigen Singer-Songwriters Drew Kennedy, der wahrlich alles im Blut zu haben scheint, was man (nicht nur) im Lonestar State benötigt, um es mit der starken Konkurrenz im Americana-/Roots-/Alternate Country-Bereich aufnehmen zu können. Kennedy, dessen Einflüsse nach eigenem Bekunden von Ryan Adams bis zu Guy Clark, von Johnny Cash bis zu Chris Knight, und von Waylon Jennings über Steve Earle bis hin zu Bob Dylan reichen, gilt bereits seit seinen Independent-Release von 2003, „Hillbilly Pilgrim; als absolut vielversprechender Geheimtipp, was sein nun vorliegendes, neues Werk „Dollar Theatre Movie“, produziert von Gerald Boyd, überaus eindrucksvoll bestätigt.

Großartige, genauso trockene, staubige, wie melodische, prima hängen bleibende, „storytelling“ Americana-Musik, die viel Wärme (vor allem durch Kennedys so angenehme, exzellente Stimme) ausstrahlt und trotz einer durchaus wahrnehmbaren Würze (teils schön angeraute Gitarrenriffs) sehr entspannt rüberkommt. Die CD enthält dreizehn Stücke, die alle aus der Feder von Drew stammen. Lediglich bei zwei Songs bediente er sich der Mithilfe seines Freundes Peter Dawson, mit dem er in der Vergangenheit viele Jahre lang zusammen auftrat, (bei „Take Me Home“), sowie Claire Cunningham (bei „Can’t Slow Down“). Kennedy singt, spielt Akustikgitarre, Piano und Harmonika.

Unterstützt wird er dabei von einer Schar starker Musiker, wie u. a. dem bereits erwähnten Gerald Boyd (Guitars, Bass, Keyboards), David Neuhauser (Gitarre, Piano), dem großartigen Lead-Gitarrist Keith Gattis (etatmäßig aus der Band von Dwight Yoakam), Chip Dolan (Akkordeon), Noah Jeffries (Banjo, Mandoline, Fiddle), und selbst bei den Harmoniegesängen ist mit dem Ehepaar Bruce Robison/Kelly Willis exzellente Vokal-Hintergrundarbeit garantiert. Kennedys Texte versprühen Witz und Intelligenz und sind, wie es sich bei ausdrucksstarken Singer/Songwritern gehört, im beigefügten Steck-Booklett des gelungenen Digipacks abgedruckt.

Vom hervorragenden, rootsig-rockig lässigen Opener „One To Blame“ (schöne Akustikgitarre, kratzige E-Gitarren-Riffs, staubig, trockenes Ambiente) bis zum schönen, abschließenden Root-Pop-Song „Second Time Around“ bekommt man herrliche Melodien, wunderschön instrumentiert in verschiedenen Tempolagen, geboten. „Ramblin’ Heart“, mit der fröhlichste Song des Albums, vereint beispielsweise feine Outlaw Country- und Wesctoast-Elemente zu einem flotten Mix, der ein wenig an eine Session der Nitty Gritty Dirt Band mit „good ole“ Waylon erinnern könnte. Das traurige „Goodbye“ besticht durch Neil Young-mäßige Harmonika-Einlagen, „Good Things“ hätte auch im Repertoire eines Steve Earle seine Daseinsberechtigung.

Das entspannt dahin groovende „Baytown“ erhält, nach einem stark an Allman Brothers „Melissa“ klingenden Intro, durch in diesem Genre eigentlich recht selten eingeflochtene Saxophon-Passagen,. „The New Me“ ist ein Plädoyer dafür, das zu verwirklichen, zu dem man sich berufen fühlt, auch wenn es mit Verlust oder Risiko verbunden ist und das erstklassige „Like A Thief“ ist ein knackig, flockiger Retro Countryrocker mit herrlicher Banjountermalung, dezent rockigen E-Gitarren-Einlagen und schönen Steelguitar-Klängen. Kennedys Gesang hat hier fast ein wenig Ähnlichkeit mit dem früheren Sänger der Marshall Tucker Band, Doug Gray (nur etwas rauer), was den Song wie eine tolle Mischung aus Poco und der Marshall Tucker Band erscheinen lässt. Tolle Nummer!

Die Schließung einer traditionsträchtigen Dancehall behandelt das emotional vorgetragene „The Last Waltz“, bei dem Storyteller Drew eine traurige Jodel-Einlage zum Besten gibt. Die starke Single „Take Me Home“ erinnert mit ihrem Southern-Flair und dem integrierten Fiddle-Spiel an die Ursprünge der Randy Rogers Band. Nicht nur textlich, sondern auch instrumentell (Mandoline/Akkordeon/Fiddle, klasse Harmonies von Kelly Willis) überzeugt das vorwiegend akustisch gestaltete, nicht laute, aber dennoch flotte und eine unterschwellige Energie versprühende, voller Heartland-Flair steckende (Chris Knight lässt grüßen) „Tomorrow’s Not Tonight“, dessen Refrain „I’ve got a hand in my pocket, but my pocket don’t lie, working for a dollar, just to bring me home a dime, I’m not in a hurry but I’m living on the fly, tomorrow I can worry, but tomorrow’s not tonight” allen gebeutelten Steuerzahlern aus der Arbeiter-Seele sprechen dürfte.

Mit „Dollar Theatre Movie“ hat Drew Kennedy bereits zu Beginn seiner Karriere hohe Maßstäbe im texanischen Alternate Country-/Roots-/Americana-/Singer-Songwriter-Bereich gesetzt. Absolute starke Konkurrenz für die Adams, Clarks, Robisons, Fosters, Earles, Ingrams, und wie sie noch so alle heißen in dieser Zunft!

Sustain Records (2007)
Stil: New Country

01. One To Blame
02. Ramblin‘ Heart
03. Goodbye
04. Good Things
05. Baytown
06 I’ll Make It Home
07. New Me
08. Can’t Slow Down
09. Like A Thief
10. The Last Waltz
11. Take Me Home
12. Tomorrow’s Not Tonight
13. Second Time Around

Drew Kennedy
Drew Kennedy bei Facebook
Bärchen Records

Darren Kozelsky – Let Your Mind Fly – CD-Review

Die Anhänger des „Red Dirt-Music-Movements“ dürfen sich freuen, mit Newcomer Darren Kozelsky ist eine weitere, hoch talenierte Attraktion am Start, die die „Texas Music-Charts“ bereits ordentlich durcheinander wirbelt. Wir freuen uns jedenfalls sehr, Darrens Debüt von 2006, „Let Your Mind Fly“, endlich präsentieren zu können – es lohnt sich ungemein! Kozelsky spielt eine herrlich knackige, erfrischende und in einem schön „saftigen“ Sound (vorwiegend Gitarren) arrangierte, sehr melodische New Country-Musik, die zum einen durchaus traditionelle Basiselemente aufweist, auf der anderen Seite aber durch diese typische „Red Dirt“-Mentalität bestimmt wird, wie man sie eben nur aus der Gegend um Texas und Oklahoma her kennt.

Man wähnt sich irgendwo an der Schnittstelle zwischen The Great Divide, deren einstiger Kopf Mike McClure (jetzt Mike McClure Band) das Werk prächtig produzierte, und Leuten wie Dierks Bentley, Blake Shelton, Pat Green oder einem frühen, noch Country-orientierterem Chris Knight als heute. McClure ist im übrigen weit über seine Produzentenfunktion hinaus an dem Werk beteilgt, so beim Songwriting (6 Lieder stammen aus seiner Feder, bzw. hat er mitkomponiert), wie auch mit seinem vorzüglichen Gitarrenspiel und Background-Gesang!

Dazu gesellt sich an Musikern nahezu alles, was in Texas Rang und Namen hat, wie z. B. Steelguitar-Guru Lloyd Maines (auch am Dobro), Tom Skinner am Bass, Eric Hansen am Schlagzeug, Reckless Kelly-Member Cody Braun (Harmonica, Fiddle), Riley Osbourne (Piano, B3-Organ), Gitarrero Travis Linville und mit Amanda Braun und Jamie Wilson zwei richtig starke Sängerinnen, die bei etlichen Stücken wunderbare Harmony Vocals einfließen lassen. Weitere „Prominenz“ begegnet einem sogar beim „Engineering“ mit den Größen Adam Odor und John Silva, abgemischt und gemastered hat kein geringerer als Joe Hardy (u. a. Laidlaw / ZZ Top)!

Alles praktisch Traumvoraussetzungen für ein großartiges Album – und der Debutant nutzt seine Chance ohne jeden Abstrich! Kozelsky erledigt seinen Gesangsjob mit beeindruckender Ruhe und Abgeklärtheit. Seine kraftvolle Stimmlage im überaus angenehmen Baritonbereich passt vorzüglich zu den entworfenen Songstrukturen. Bei drei Stücken, die mit zu den Highlights des Albums gezählt werden dürfen, hat er zudem selbst kompositorisch Hand angelegt. „Messed Up In Love“ ein lockerer, aber sehr knackiger, bestens zum Cabrio-Cruisen geeigneter Countryrocker mit tollem Akustik-/E-Gitarren-Rhythmus, satten E-Gitarren-Fills, schönen, weiblichen Harmonies und einem starken E-Solo am Ende, das Steel-getränkte „Loving You“ im Stile der Django Walker Band und mit „Why Do I Dream“ eine emotionale, relaxte und supermelodische Ballade die gar an Nashville-Leute der Marke Trace Adkins zu erinnern scheinen.

Vorzüglich dabei das Harmonieren von Steelguitar und Piano. Klasse! Der blonde Sänger mit Surferstatur gibt bei allen Tracks einfach eine äußerst gute Figur ab. Sehr stark natürlich auch die Nummern, die Mike McClure sehr abwechslungsreich hat einfließen lassen. So zum Beispiel der traumhafte Opener „Cool Grass“ in seinem tollen Country &Western-Flair (wimmernde Steelguitar, herrliche Melodie), das stark an The Great Divide erinnernde „Name On Her Wing, das von Lloyd Maines mit seinem Dobro blendend akzentuierte „Other Side Of Morning“, das furiose, southern-rockige, mit Haudegen Tom Skinner ausgeklügelte „Down Into Black“, bei dem man sich wahrer Slide-Attacken erwehren muss (absolutes Highlight), oder die mit dezent mexikanischem Touch versehenen „Love Lays Before You“ und „Standing In A Moment“ (wobei einem sogar Namen wie Blake Shelton als Vergleichsgröß einfallen).

Dazu gibt es mit der Neuauflage des alten Merle-Haggard-Klassikers „Running Kind“ (der Refrain bohrt sich regelrecht im Ohr fest) und dem voller Westcoast-Feeling steckenden „Restless Spirits“ (Darren singt hier wie der junge Glenn Frey) aus der Feder von Red-Dirt-Recke Bob Childers noch ein wenig hochklassiges „Nostalgie-Feeling“. Am Ende ertönt als Zusatz-Bonbon noch ein trockener, acoustic-based „Hidden-Track“, der eindeutig Kozelskys Ambitionen im Singer/Songwriter-Bereich untermauert. Fazit. „Let your mind fly“ ist einfach ein klasse Album geworden, das durchweg großartigen, abwechslungsreichen, knackigen und erfrischenden „Red Dirt“-New Country bietet, dem man sich kaum entziehen kann.

Und so ließ letztlich kein Geringerer als Wade Bowen angesichts dieses Debüts seiner Begeisterung freien Lauf, indem er feststellte. „Darren has one of the best debut albums of any artist I have heard from in this scene. His powerful voice and remarkable character will take him extremely far. I see and hear a person determined to achieve success and I have no doubt he will”. Von unserer Seite her ebenfalls klar unterschrieben! Ein toller Bursche, dieser Kozelsky!

Major 7th Entertainment (2006)
Stil: Red Dirt

01. Cool Grass
02. Messed Up In Love
03. Mind Over Matter
04. Name On Her Wing
05. Loving You
06. Other Side Of The Morning
07. Running Kind
08. Only Just Your Friend
09. Down Into Black
10. Restless Spirits
11. Love Lays Before You
12. Why Do I Dream
13. Standing In A Moment

Darren Kozelsky
Darren Kozelsky bei Facebook
Bärchen Records

Lantana – Unbridled – CD-Review

Lantana sind ein überaus vielversprechendes, sehr talentiertes, texanisches Damen-Trio, das sich mit seinem von einem schönen, staubigen Border-Flair tangierten, traditionell verwurzelten, aber dennoch absolut zeitgemäßen, astreinen Texas-Country anschickt, auch über die Grenzen des Lonestar-States hinaus, in der Welt des Country Fuß zu fassen. Ob sie dabei mit der selben Robustheit und Anpassungsfähigkeit ausgestattet sind, wie man es der Blume (dem Wandelröschen) nachsagt, nach der sich die drei bezaubernden Ladies benannt haben, um in diesem hart umkämpften Business auf Dauer erfolgreich arbeiten zu können, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

Doch die Chancen stehen sehr gut, denn mit ihrem klasse Debütalbum „Unbridled“ ist in jedem Fall ein Anfang in die richtige Richtung gelungen. Biz Haddock und Karol Ann DeLong, beide aus Texas stammend, sowie die aus Kanada zugezogene Dalene Richelle können sich dabei auf eine fundierte musikalische Ausbildung seit frühester Kindheit stützen. Unter die Fittiche genommen wurden sie vom erfahrenen Musiker, Songwriter und Produzenten Bill Green, mittlerweile auch Inhaber des BGM-Labels ist, das Lantanas Erstling nun veröffentlichte.

Ein Album, das sich wirklich sehen lassen kann! Man bewegt sich überwiegend im traditionellen, allerdings eindeutig texanisch verwurzelten Country-Bereich, wirkt dabei dennoch modern. Die Musik klingt trocken und frisch zugleich, entwickelt in Ansätzen gar hin und wieder mal Berührungspunkte zum Bluegrass, und balanciert gleichzeitig zwischen staubigem Americana-Flair und melodischer Nashville Kompatibilität. Auch bluesige, funkige, poppige und swingende Ansätze sind zuweilen spürbar. Es passt alles prima zusammen. Zumeist recht knackig arrangiert, hören wir eine gelungene Mischung aus flotten und balladeskeren Stücken. Klasse (Harmonie)Gesang der Mädels!

Unweigerlich ist man geneigt einen Vergleich mit SheDAISY oder den Dixie Chicks zu ziehen, doch, auch wenn dies nicht ganz von der Hand zu weisen ist, Lantana klingen wesentlich Roots-fundierter, bei weitem nicht so mainstreamig und durchaus etwas „kantiger“. Unbekümmerter Texas Country eben! Die großartigen Begleitmusiker stammen allesamt aus dem schier unerschöpflichen Fundus texanischer Szene-Cracks, wie unter anderem auch Bobby Flores (Gitarre, Fiddle, Mandoline) und Tommy Detamore (Dobro, Lap Steel). Den Auftakt des Werkes macht die erste Single der Band, „Country As A City Girl Can Be“. Ein dezent poppig angehauchter, dennoch traditioneller, melodischer, schwungvoller Song, der alles beinhaltet, was das Countryherz begehrt. Sirenenartige Fiddle, feine Mandolinen-Tupfer, schönes Honkytonk-Piano und die passenden Steelguitar-Fills!

„I Ain’t No Jailer“ ist ein wunderbar groovender Country-Blues mit tollem Wechselspiel zwischen Akustikgitarre und Dobro, sowie einer kurzen Banjopassage. Bei Stücken wie „You Know How It Is“ oder „Give“ erinnern die Harmoniegesänge der Drei sehr an die der bereits erwähnten SheDaisy. Stark auch das von einem grassigen Feeling und viel Schwung geprägte „The Juice Ain’t Worth The Squeeze“ (einzige Eigenkomposition der Drei, was auf eine Menge durchaus vorhandenes Songwriting-Potential schließen läßt), dem man gar ein typisches Waylon-like Outlaw-Flair nicht absprechen kann, der herrlich melodische, prächtig tanzbare (klasse „Futter“ für die Linedancer) Honky Tonk-/ Roadhouse- Country-Feger „Savin‘ It Up For Saturday Night“ mit seinem klasse Fiddle-/Steel-/Gitarren-Zusammenspiel und die traditionelle, knackige Redneck Countrynummer „What Turns Me On“, bei der Parallelen zu Gretchen Wilson festzustellen sind!

Als kleines Schmankerl gibt es zudem eine absolut gelungene Countryversion (mit Banjo, Fiddle und würziger Electric Slide/Lap Steel)) des alten REO Speedwagon-Rock-Klassikers „Roll With The Changes“. Die partytaugliche Countryrock-Nummer „Feel Like Rockin’“ am Ende der CD, mit klasse Harmonikaspiel von „Label-Boss“ und Produzent Bill Green und typischem Honkytonk-Klavier, dürfte vor allem bei ihren Live-Gigs prima ankommen. Ein frischer Abschluss eines durch und durch gelungenen, interessanten und abwechslungsreichen Albums.

Alle Texte der Tracks und ein paar nett anzuschauenden Aufnahmen der Protagonistinnen im 8-seitigen Klapp-Booklet runden das Ganze ab! Glückwunsch Mädels, ein prima Debut! Der Name passt schon… – wie eure pflanzlichen Namensgeber seid ihr ein willkommener, absolut bereichernder, bunter Farbtupfer in der großen Countrylandschaft rund um Texas.

BGM Music Media (2006)
Stil: New Country

01. Country As A City Girl Can Be
02. Ride’em Cowboy
03. I Ain’t Your Jailer
04. The Juice Aint‘ Worth The Squeeze
05. No Trespassin‘
06. Everything
07. You Know How It Is
08. Let Somebody Love You
09. Give
10. Roll With The Changes
11. Savin‘ It Up For Saturday Night
12. What Turns Me On
13. Feel Like Rockin‘

Lantana
Lantana bei Facebook
Bärchen Records

Lonestar – Coming Home – CD-Review

Sechstes Studio-Album von Lonestar! Und vielleicht sogar ihr Stärkstes! Glaubte man auf ihren ebenfalls durchaus guten letzten beiden CDs „I’m Already There“ und „Let’s Be Us Again“ aufgrund des immensen Erfolgsdruckes dennoch leichte Abnutzungs- bzw. Stagnationserscheinungen zu erkennen, belehren die Herren Richie McDonald, Keech Rainwater, Michael Britt und Dean Sams Fans und Kritiker mit „Coming Home“ eines Besseren. Sicher auch ein Verdienst ihres neuen Produzenten Justin Niebank, dem es mit minimalistischer Methode gelungen ist, Lonestar wieder mehr zurück in Richtung ihrer Anfangsalben zu fokussieren, ohne dabei auch nur den Hauch ihres schon immer existierenden, modernen New Country-Flairs einzubüßen.

Im Gegenteil, die Texaner wirken frischer denn je! Insgesamt waren sie nie knackiger, was bedeutet, dass die Uptempo-Nummern in der Überzahl sind. Wir erleben so viele „echte“ Country-Bezüge, wie schon lange nicht mehr, tolles Songwriting mit namhaften Co-Autoren, wie z. B. Brett James (5x Richie, 1x Michael, 1x Dean), intelligent ausgewählte Fremdkompositionen (u. a. von Dean Maher, Tom Douglas), klasse instrumentelle Darbietung in Verbindung mit vielen Gastmusikern (u. a. Shannon Forrest, Michael Rhodes, Bryan Sutton, John Willis, Russ Pahl, Gordon Mote, Jonathan Yudkin, etc.) und mal wieder eine gesangstechnische Klasseleistung von Frontmann Richie McDonald, der einmal mehr alles aus seiner phantastisch wohlklingenden Stimme herausholt!

Los geht’s mit der Singleauskoppelung „You’re Like Coming Home“, bereits hoch in die Billboard-Singles-Charts eingestiegen ist. Eine knackig rhythmische Countrypopnummer mit toller Melodie, gewürzt mit Dobro, Mandoline und tollen Gitarren. Geht richtig gut ab und bringt Sonne in die Herzen! Prognose. Wird noch an der Spitzenposition der Charts kratzen! Direkt einen drauf setzt dann noch „Doghouse“, das noch eine Spur rockiger rüber kommt. Fiddle, E-Gitarren, Dobro, kleine Soli und Gordon Motes Wah-Wah-Clavinet-Effekte sorgen für jede Menge Pep!

Doch keine Lonestar-Platte kommt vollkommen ohne ihre berühmten Balladen aus! Während „I Am A Man“ noch an der Grenze zum Midtempo liegt (sehr ausdrucksstarker Gesang Richies), folgt „I’ll Die Tryin'“ (Fremdkomposition aus der Feder von Steve Bogard und Jeremy Stover) ganz dem Stil ihres einstigen Superhits „Amazed“. Kein anderer kann im Country-Circuit romantische Herz-Schmerz-Liebeslieder wohl authentischer rüberbringen als Lonestars Leadsänger. Ebenfalls ruhiger sind „I Never Needed You“, wo Sara Evans die Harmonies beisteuert (erinnert an Tim McGraw/Faith Hill-Duette), und „I Just Want To Love You“, ebenfalls ein echter „Schmachtfetzen“, wie der Titel es schon vermuten lässt. Im Midtempobereich liegen Songs wie „Little Town“, eine sympathische
Hommage auf ein intaktes Kleinstadtleben, sowie das Steel-, Mandolinen- und Akkordeon- getränkte, sehr relaxt dahinfließende „Two Bottles Of Beer“.

Die Highlights stellen aber diesmal eindeutig die temporeicheren Stücke dar. „Wild“, wie der Name es schon ausdrückt, ist ’ne richtig wilde Nummer, deren treibender Boogie-Rhythmus gar ein wenig an ZZ Top zur „Eliminator“-Phase zu erinnern scheint. „Noise“ ist wieder ein flotter Countryrock/-pop-Song, der durch feine Tempowechsel und seine kraftvolle Performance besticht. Bleiben noch zwei eher traditionell ausgerichtete Lieder („What’s Wrong With That“ und „When I Go Home Again“), die aber richtig Laune machen. Heulende Fiddles, klasse E- Gitarren und Honkytonk-Piano sorgen für prächtige Country-Stimmung!

Alles in allem eine prima zusammengestellte, kurzweilige Mischung! Lonestar hat der frische Wind, den Justin Niebank der Truppe eingehaucht hat, spürbar gut getan. „Coming Home“ ist ein Album, dass die Band in absoluter Bestform präsentiert!

BNA Records (2005)
Stil: New Country

01. You’re Like Comin’ Home
02. Doghouse
03. I’m A Man
04. I’ll Die Tryin’
05. Wild
06. Noise
07. Little Town
08. I Never Needed You
09. What’s Wrong With That
10. Two Bottles Of Beer
11. I Just Want To Love You
12. When I Go Home Again

Lonestar
Lonestar bei Facebook
Bärchen Records

Stoney LaRue – Velvet – CD-Review

Weich und geschmeidig ist an Stoney LaRues neuem Album „Velvet“ eigentlich nur der rotfarbene Samtüberzug des Digipacks (von daher lohnt es sich in jedem Fall hier eine physikalische Version zu erwerben) und vielleicht noch der wunderschöne, entspannte Titeltrack am Ende des Albums. Ansonsten ist „Velvet“ keine leichte Kost (eher anspruchsvoller Roots-Stoff), Red Dirt–Anhänger werden sogar vermutlich damit ihre Schwierigkeiten haben, denn unter diesem ‚Label‘ hat der ursprünglich aus Taft, Texas stammende 34-jährige Stoney LaRue ja seinen musikalischen Weg vor sechs Jahren (sein Debütwerk hieß sogar „The Red Dirt Album“) angetreten.

Es folgte noch ein in dieser Szene quasi als Muss aufgenommenes Live-Dokument im Kulttempel Billy Bob’s Texas (DVD/CD), ansonsten tauchte LaRue in der Zwischenzeit eher als Co-Writer und Gastmusiker bei befreundeten Interpreten wie z.B. bei Brandon Jenkins grandiosem „Brothers Of The Dirt“-Longplayer auf (LaRue war irgendwann von Texas nach Stillwater, Oklahoma gezogen und traf sich meist im dortigen Yellow House mit besagtem Brandon Jenkins, Jason Boland, Cody Canada und Mike McClure zu regelmäßigen Sessions).

Sein neues Werk „Velvet“ beinhaltet nur noch Red Dirt-Fragmente. Lediglich das locker dahinfließende „Look At Me Fly“ (flockige Gitarrenuntermalung, Fiddleeinlagen, E-Slide-/Fiddle-Solo-Kombi), im Stile der Randy Rogers Band, kann man als klassischen Song dieser Sparte ‚identifizieren‘, ansonsten begibt sich LaRue deutlich in rootsige Americana-Gefilde, vermutlich auf eine beschränkte Kategorisierung seiner Person pfeifend.

Das ist mutig und risikoreich zugleich, zeugt in diesem Fall aber vom Anspruch des Künstlers, sich weiterzuentwickeln. Auf diesem Werk geht es spürbar darum, hochwertige Musik abzuliefern, als um irgendwelche Rücksichten im kommerziellen Sinne. Die Stücke stammen alle aus der gemeinsamen Feder von Stoney und Mando Saenz, lediglich an „Wiregrass“ war Adam Hood beteiligt. Beide Co-Writer sind ebenfalls eigenständige Singer/Songwriter aus dem Roots-/Americana-Dunstkreis.

Da zudem ein elitärer Musikerkreis wie bestehend aus u.a. Randy Scruggs (Sohn von Bluegrass-Legende Earl Scruggs), Glenn Worf, Chad Cromwell, Glen Duncan, Jim Hoke (alles bekannte Nashville-Studiomusiker), Fred Eltringham (mittlerweile Drummer bei den Wallflowers), Oran Thornton, Ian McLagan und Kevin Webb zur Einspielung des Werkes gewonnen werden konnte, war ein anspruchsvolles, filigranes musikalisches ‚Gebräu‘ eigentlich vorprogrammiert.
Stücke wie „Travellin‘ Kind“ (klasse Harmoniegesänge von Nashville-Diva Lee Ann Womack), „Has Been“ (steelbetont) und „Way Too Long“ (ein recht fröhlicher Song, mit einer kirmesartig gluckernden Orgel) könnten alle auch gut auf Neil Youngs akustisch motivierte und dominierte Alben passen.

Lieder der Marke „Wiregrass“ (ziemlich düster, swampig, mit markanten, an die frühe Marshall Tucker Band erinnernden Querflöteneinlagen von Jim Hoke), das recht monoton verlaufende „Scarecropper“ (rauer, recht bluesig stampfender Gitarrenrhythmus, quäkende Mundharmonika, filigrane Akustikgitarre) und das (wie der Titel schon andeutet) mit teilweise sirenenartigen Fiddlepassagen bestückte „Sireens“ sind auch für mich recht schwer verdaulicher, aber höchst anspruchsvoll instrumentierter Stoff. Man merkt den Musikern den Spaß beim Experimentieren richtig an. Etwas aus der Reihe fällt „Te Amo Mas Que La Vida“, ein recht euphorischer, mit Akkordeon unterlegter Tex-Mex-Schunkler, passend zum Tequila-Genuss in der Tapas-Bar.

Am Ende darf man sich aber dann aber doch beim längsten Track und Namensgeber der CD „Velvet“ in absoluter Wohlfühlatmosphäre laben. Eine wunderbare, sehr melodische und auch dezent melancholische Ballade. Klasse hier die vorzüglichen Backs von Aubrie Sellers und Sarah Buxton. Mein persönlicher Favorit eines Longplayers, den man nur an ganz bestimmten Tagen hören kann.

Stoney LaRue hat seine bisherige Klientel mit „Velvet“ zunächst erst mal auf eine harte Probe gestellt, dafür aber ein höchst anspruchsvolles und hochklassig instrumentiertes Album mit Ecken und Kanten abgeliefert. Der Bursche scheint auf Experimentierfreudigkeit und Weiterentwicklungsfähigkeit gepolt zu sein. Man darf auf sein nächstes Werk gespannt sein.

B Side Music Group (2011)
Stil: Red Dirt

01. Dresses
02. Wiregrass
03. Look At My Fly
04. Travelin‘ Kind
05. Sharecropper
06. Sirens
07. Te Amo Mas Que La Vida
08. Has Been
09. Way Too Long
10. Velvet

Stoney LaRue
Stoney LaRue bei Facebook
Bärchen Records

Mezcaleros – Road To Texas – CD-Review

Ähnlich wie die Jungfrau zum Kinde, gibt es manche Dinge, die sich nicht immer rational erklären lassen. Wer anders kann, z. B. aufgrund seiner bestehenden Affinität zu Rot-Weiss Essen, besser ein Lied davon singen als ich? Ob Philippe Marseille, oder, wie er sich jetzt nennt, Phil Mezcal, kurz nach seiner Geburt in eine Neugeborenen-Station verfrachtet wurde, in der ein Krankenpfleger auf seinem Cassettenrecorder ständig ZZ Top rauf und runter laufen ließ oder ob Philippe seine Liebe zu texanisch angehauchtem Blues Rock/ Boogie gleich direkt mit der Muttermilch aufgesogen hatte, entzieht sich letztendlich meiner Kenntnis.

Fest steht aber, dass dieser französische Bursche, wie es auch immer letztendlich dazu gekommen sein mag, eine ungemeine Liebe für die Musik der drei Herren aus Houston, Texas in seinem Blut mit sich zu tragen scheint. Rein optisch, auch hier kann wild spekuliert werden, entschied er sich, vermutlich entweder aus hormonellen Zwängen heraus, der Chancen dem weiblichen Geschlecht gegenüber oder vielleicht schlichtweg auch aufgrund der komplizierteren Nahrungsaufnahme, von der Langbartvariante seiner Idole abzusehen und es in der Stevie Ray Vaughan-Ausgabe zu versuchen, was auch in einem gewissen Rahmen gelungen ist, wie das Cover von dieser zu besprechenden CD „Road To Texas“ eindeutig beweist.

Ok, weil es von ZZ Top seit „Mescaleros“, das immerhin auch schon wieder acht Jahre her ist, kein echtes kreatives Lebenszeichen mehr gibt, hat der gute Phil jetzt selbst die Sache in die Hand genommen und mit seinen Kumpels Yvan Ackermann (Schlagzeug) und Michel ‚Mitch‘ Sanchez (Bass) unter dem Bandnamen Mezcaleros selber den o.a. Longplayer im ‚Studio Tone House‘ in Paris fabriziert. Einer der Inhaber dieser Location, Jean-Etienne Loose, liefert als einziger musikalischer Gast noch eine wunderschöne spanische Akustikgitarrenarbeit bei „Eldorado“ ab.

Vom Gesang her erinnert Mezcal an eine Mischung aus J.J. Cale und Hank Shizzoe, manchmal kann er seinen französischen Akzent nicht ganz außen vor lassen, mit dezenten Abstrichen ist das aber in Ordnung. Ansonsten knarzt, stampft und rockt es in bester Gibbons & Co.- Boogie-Manier richtig fett aus den Boxen. Dazu kommen manchmal auch leichte Southern Rock-Anleihen Marke Blackfoot/Hatchet. Das macht richtig Spaß! Schön, wie es ihm bei den Stücken „Cajun River“, „My Life Is Running“ oder „Gotta Go“ zur Auflockerung gelingt, eine Dobro zu integrieren. Ähnlich seiner Heroen, lässt Phil auch immer wieder ein wenig Tex-Mex-Flair in die Stücke einfließen („Hasta La Vista“, „Eldorado“).

Hitverdächtig am ehesten sind vielleicht Tracks wie „The Fox“ (klingt wie eine Neuzeitfassung von „Legs“- toller rhythmischer Song), „Rock O’La“ oder „Breakdown Limousine“, weil sie stark an die Sachen der kommerziellen Blüte des texanischen Trios (zu Zeiten von „Eliminator“ und „Afterburner“) gelehnt wurden. Am Ende lässt Mezcal sein Werk mit „Little Jimmy“ entspannt ausklingen. Ein schöner, spartanisch gehaltener Country Blues, bei dem sein Gesang nur mit Harp, Dobro und Akustikgitarre ergänzt wird. Da kann man nach dem schweißtreibenden und intensiven Gitarrensound von zuvor den Puls ein wenig runterfahren.

„Road To Texas“ von Mezcaleros ist ein mit viel Herzblut und Liebe zum Detail eingespielter Longplayer geworden. Hier wird der Spirit der berühmten Langbärte, die sich vor zig Jahren im Rockpalast mit ihrem legendären Auftritt in unsere Herzen katapultierten (ich persönlich habe sie in Düsseldorf, Köln und Essen zu recht unterschiedlichen Phasen live gesehen), auf erfrischende und sympathische Weise sowie einem beträchtlichen Maß an kreativer Eigenständigkeit aufrecht erhalten. Somit habe ich diese Straße nach Texas sehr genossen! Chapeau, Monsieur Mezcal!

Cactus Rock Records (2011)
Stil: Texas Boogie / Blues Rock

01. Let It Down
02. Cajun River
03. The Fox
04. My Life Is Burning
05. Hasta La Vista
06. Gotta Go
07. Eldorado
08. Rock O’La
09. Love On The Screen
10. Breakdown Limousine
11. Little Jimmy

Mezcaleros

Rich O’Toole – Seventeen – CD-Review

Ric

Ist das herrlich! Die pure „Red Dirt“-Countryrock-Wonne – und dieser Southern-Duft! Toll! Okay, die texanischen Ölquellen mögen in einigen Jahren naturbedingt versiegen, das Reservat an herausragenden jungen Musikern allerdings scheint im Lonestar State weiterhin nahezu unerschöpflich zu sein. Ein weiteres Paradebeispiel in der ewig langen Liste der von uns vorgestellten Künstler ist der gerade mal 23-jährige, aus Houston stammende Sänger, Songwriter und Gitarrist Rich O’Toole, der jetzt mit „Seventeen“ (seine persönliche Glückszahl) ein wundervolles Debüt abliefert. Dabei ist es eher einem bedauerlichen Zufall zu verdanken, dass O’Toole überhaupt den Weg des Musikers wählte.

Der Mann stand vor einer vielversprechenden Baseball Profi-Karriere, als diese abrupt durch einen Unfall beendet wurde. Und wie es in Amerika scheinbar so üblich ist, vorausgesetzt natürlich man hat Talent (und das hat dieser O’Toole über alle Massen), schnappt man sich seine Gitarre, und beginnt sich musikalisch zu entfalten. Schon verrückt so etwas! Aber auch unglaublich, wie begabt diese Burschen sind! So arbeitete sich die Rich O’Toole Band mit ihren fulminant abgehenden Live-Auftritten rasend schnell von der vielbeachteten College-Underground-Szene ins Vorprogramm solcher namhaften Texas-Bands wie Reckless Kelly und der Randy Rogers Band. Die Fans waren schier aus dem Häuschen, ob der Tatsache, wie diese junge Truppe aufspielte.

Kein Wunder also, dass sich für das Debüt des Songwriters (alle Songs stammen aus der eigenen Feder) sofort eine äußerst prominente Musiker-Schar der Texas-Szene (u. a. Chris Masterson aus Jack Ingrams Beat Up Ford Band, Rich Brotherton aus der Robert Earl Keen Band, Nick Worley von Cooder Graw/Cory Morrow Band, Multi-Saiten-Virtuose Bobby Flores, usw.) zusammenfand, und das zudem noch in den Studios und unter der Regie des angesagten, Grammy-nominierten Produzenten Mack Damon abgemischt wurde. Bei den zehn Songs, die allesamt vorwiegend von einem prächtig klingenden, transparenten, satten Gitarrensound bestimmt werden und von herrlichen Melodien durchzogen sind, geht es, bis auf wenige Ausnahmen, sehr dynamisch, knackig, rootsig rockig und äußerst würzig zur Sache, weshalb O’Tooles Stil auch gern als „elektrifizierter Country-Rock’n’Roll’ umschrieben wird.

Bestes Beispiel dafür ist der schon rau und dreckig rockende Opener „When Kelly Comes To Town“, der mit feurigen Southern-rocking E-Gitarren-Riffs und druckvollen Drums in allerbester „Red Dirt“-Manier zwischen Cross Canadian Ragweed und der Ryan Bales Band daher fegt, und zum Schluss mit den rotzfrech eingeworfenen Harmonie-Gesängen von Rebecca Valadez endgültig veredelt wird. In eine ähnliche Kerbe schlagen weitere Uptempo-Roots-/Countryrocker wie das trocken und kantig rockende „Cleveland“, „Everything’s Legal“ oder das rasante, dabei hoch melodische, genauso angeraute, wie erfrischende „Summertime“, die alle irgendwie Richtung gut abrockender Reckless Kelly und Konsorten zielen.

Überhaupt scheint ein Vergleich zu Reckless Kelly durchaus legitim, zumal Rich O’Toole’s Stimme zuweilen eine leichte Ähnlichkeit zu RK-Frontmann Willy Brown aufweist. Phantastisch beispielsweise auch die traumhaft melodische, flockige, wie Öl runter gehende, knackige Countryrock-Nummer „Queen Of The Misfits“ mit ihren tollen Harmonies im Refrain (ein Gänsehaut-Countryrocker, der übrigens bis auf Platz 5 der bedeutenden Texas Music Charts stieg), die abermals von einem dezenten Southernflair durchwehte, mit feinen Fiddle- und Steelguitar-Klängen verzierte Ballade „Alone“ oder das tolle „Just My Luck“ (southern-bluesig, klasse Harmonies, heulende E-Gitarren-Fills)! Mit dem dynamischen „Robert E. Lee“ gibt es dann sogar noch einen tollen, zum Mitrocken animierenden, honky-tonkin‘ Saloon-/Roadhouse-Feger mit markantem, flinkem Telecaster-Spiel von Masterson, inklusive tollem Solo, das sogar ein wenig an Hughie Thomassons Outlaws erinnert.).

Dass O’Tooles Stärken durchaus auch von abwechslungsreicher Variabilität geprägt sind, und nicht nur im Uptempo-Bereich liegen, zeigt er auch bei den zwei eher balladeskeren Nummern „Texas Blues“ (herrliches Mandolinen- und Fiddle-Spiel, Huldigung zweier großer Texaner in der Textzeile „…Stevie Ray in the morning, Townes Van Zandt in the afternoon…“) und dem mit entspanntem Tex Mex-Flair umgarnten „Pancho Villa“ (klasse Gesang von Rich, starke Harmonies, filigranes, spanisch anmutendes Akustikgitarrenspiel). Keine Zweifel: Micky & the Motorcars, No Justice, Buster Jiggs, The Bois D’Arcs, die Tyler McCumber Band, die Kyle Bennett Band, Cross Canadian Ragweed, Reckless Kelly und wie sie alle heißen, haben einen neuen, absolut ebenbürtigen Kollegen in ihren Reihen, der uns mit einem umwerfenden, rootsigen „Red Dirt“-Countryrock-Album wie aus einem Guss einfach nur begeistert.

Mit Rich O’Toole hat die Texas-Szene ein weiteres, mächtig funkelndes Juwel hinzugewonnen. „Seventeen“ dürfte erst der Anfang einer tollen, vielversprechenden Karriere sein! Man ist jetzt schon „heiß“ auf neuen Stoff! Einfach famos, dieser so unverbraucht und „musikgierig“ wirkende Bursche! Rock on, Rich!

PTO Records (2006)
Stil: Red Dirt

01. Kelly Comes To Town
02. Queen Of The Misfits
03. Alone
04. Just My Luck
05. Robert E. Lee
06. Cleveland
07. Everything’s Legal
08. Texas Blues
09. Pancho Villa
10. Summertime

Rich O’Toole
Rich O’Toole bei Facebook
Bärchen Records

Brad Dunn Band – Gravy – CD-Review

Imponierend! Ein Feuerwerk an Southern-, Red Dirt- und Country Rock-Zutaten, was die Brad Dunn Band da auf ihren neuen Album „Gravy“ abbrennt. Die in Austin Texas beheimateten Musiker um ihren Bandleader Brad Dunn haben eine „Umfirmierung“ vollzogen, denn aus Brad Dunn & Ellis County ist jetzt die Brad Dunn Band geworden. Die Mitmusiker Michael Lamendola, Tim Veilon, Mike Naumann, Ty Hurless, Marty Muse und Kurt Baumer sind aber allesamt an Bord geblieben, dazu greift man auf „Gravy“ verstärkt auf namhafte, ergänzende Gastmusiker zurück (u. a. die E-Gitarren-Wizards David Grissom und John Carroll auf „Haylee“ und „Barstool“, sowie Red Dirt-Legende Cory Morrow als Gastsänger, ebenfalls auf „Barstool“).

Auch bei der Produktion standen Kevin Szymanski diesmal noch Clayton Corn und Jeff Moore assistierend zur Seite, und die sorgen mit filigraner Keybpard- bzw. E-Gitarrenarbeit für spürbare musikalische Zusatzqualität. Ein weiterer Gewinn ist die im Hintergrund überaus engagiert singende Karel Ann Moore, die mit den typischen „Uuhs“ und „Aahs“ bei den meisten Songs das Southern Rock-Feeling noch zusätzlich verstärkt. Für „Gravy“ hat sich die Band entschlossen, insgesamt sechs Tracks Debütwerk von Ellis County neu einzuspielen (und das wirklich in fantastischen, stark verbesserten, satten Versionen mit wuchtigen Neuarrangements) und on top vier brandneue Stücke zu servieren.

Für die prächtigen Neuversionen ein hervorragendes Beispiel ist direkt der furiose Opener „Patsy Cline“. Als Intro wurden ein paar hawaiianisch anmutende Steeltöne vorgelagert, aber schon nach ein paar Sekunden krachen einem fetzige E-Gitarren und donnernde Dunns, sowie erstklassiger Gesang in deutlich rauerer Gangart entgegen. Es entwickelt sich ein lupenreiner, schwerer Southern Rocker, der die Herzen der Genre-Freunde hoch schlagen lässt. Das rockt! Als Ausklang gibt es dann noch einen kurzen Auszug von Patsy’s Megahit „Walking After Midnight“. Klasse gemacht! Auch „Rain“ hat in der neuen Fassung viel mehr „Bums“.

Baumers quirlige Fiddle sorgt für ein gewisses Gypsy-Flair. Schön hier zudem die fetten Orgel-/Piano-Fills, die im Zusammenspiel mit den E-Gitarren und der Melodik ein gewisses „Can’t You See“-Feeling (The Marshall Tucker Band) aufkommen lassen. „Love And Hate“ ist der erste neue Track, eine Mischung aus Red Dirt- und Southern Rock mit klasse E-Gitarren, raunender Orgel und Ann Moores starken Backvocals. Ein Stück im Stile von JB & The Moonshine Band oder den Cross Canadian Ragweed. Auch das folgende „Haylee“ ist neu. Ausgestattet mit einer wunderbaren Melodie, einem Refrain mit hohem Wiedererkennungswert, natürlich geleitet von Grissoms unverkennbarer Gitarrenarbeit, sowie von Clayton Corns am Keyboard simulierten Tönen, irgendwo zwischen Mundharmonika und Akkordeon liegend. Der Song hat, was die Texas Music Charts angeht, gewaltiges Hitpotential.

„Red White And Blue“ stampft schwer wie eine Dampfwalze und zwingt das nicht identische Stück von Lynyrd Skynyrd mit gleichem Titel deutlich in die Knie. Hier lommen einem zudem Bands wie Flynnville Train oder Blackberry Smoke in Erinnerung. Beste Partystimmung bei künftigen Konzerten der Brad Dunn Band dürfte der Countryfeger „That Song About Beer“ erzeugen. Flottes Gitarrenpicking, Honky Tonk-Piano im besten Billy Powell-Gedächtnis-Stil, gröhlende Crowd-Gesänge – die üblichen Zutaten für eine trinkfreudige Gute-Laune-Nummer. „Piece Of Me“ bietet klassischen Red Dirt Countryrock der Marke Reckless Kelly (schöne Bariton-E-Gitarre, Fiddle).

Auch „Feed The Chickens“ (klasse hier Brad Dunns rauer Erzählgesang) erfährt mit einem swampigen Dobro (gespielt von Jim ‚Haystack‘ Novak) und Moores herrlichen „Backs“ eine deutliche Aufwertung im Vergleich zum Original. Das letzte neue Stück, „Southern Pride“ spricht schon mit dem Titel für sich. Southern Rock-Fans werden diesen bluesig groovenden Song lieben. Der traditionelle Countryheuler „Barstool“ als Rausschmeißer ist bei der Brad Dunnn Band ein Muss, da geschrieben von Brads Großmutter Charlotte Morrison (die im Innencover mit Cowboyhut posierend abgebildet ist – übrigens ein geschmackvolles, aber sehr sparsames Artdesign von den Dodd-Sisters, die das tolle Album von Reckless KellyGood Luck & True Love“ vor geraumer Zeit gestaltet hatten).

Die neue Version erhält, wie bereits oben erwähnt, durch Cory Morrow als Dunns Duettpartner seinen neuen Reiz. Als „Countryband mit einem ‚Rock-Problem'“ hatte Brad Dunn sich und seine Mannen einmal charakterisiert. Dieses „Rockproblem“ wird sich dann mit „Gravy“ wohl nochmals vergrößert haben. Vor allem Southern Rock-Anhänger sollten die Brad Dunn Band auf jeden Fall mal antesten. Sie werden mit einer authentischen und mit allen geliebten Zutaten angereicherten Scheibe belohnt. Dank der gerade verabschiedeten Kooperation mit dem in der Red Dirt-Szene arrivierten Smith Entertainment-Label dürfte der große Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit sein. Saustark diese Jungs aus Austin!

Smith Entertainment (2013)
Stil: Red Dirt

01. Patsy Cline
02. Rain
03. Love And Hate
04. Haylee
05. Red White And Blue
06. That Song About Beer
07. Piece Of Me
08. Feed The Chickens
09. Southern Pride
10. Barstool

Brad Dunn Band
Brad Dunn Band bei Facebook
Bärchen Records

The Plainsmen – What Started The Fire – CD-Review

Und wieder mal ein richtiges Klasse-Debüt! Erdiger, würziger, völlig zwangloser, unbekümmerter, kraftvoller Red Dirt-Rootsrock, der einen den dreckigen, texanischen Staub sehr authentisch in der Nase spüren lässt. Für diese so lebendige Red Dirt-Szene scheinen Nachwuchsprobleme nach wie vor ein Fremdwort zu sein. Immer wieder sprießen die Newcomer nur so aus dem Boden und es haut einen oftmals förmlich aus den Socken mit welch hoher musikalischer Qualität hier von Anfang an losgelegt wird. Das nächste beeindruckende Beispiel dieser Art sind The Plainsmen aus San Antonio, Texas.

Hinter diesen „Flachländlern“ verbirgt sich ein handwerklich hoch talentiertes Duo, bestehend aus den Herren Grant Hamilton (aus Texas stammend) und Garrett Lucas (aus Oklahoma kommend). Beide haben sämtliche Songs ihres Albums „What Started The Fire“ zusammen komponiert und eingespielt, wobei eine klare Arbeitsteilung vorgenommen wurde. Hamilton bedient in Red Dirt-typischer Gesangsart das Mikro (klasse, raue, heißere Stimme mit viel Ähnlichkeit zu Mike McClure) und spielt Rhythmusgitarre, Lucas übernahm den Löwenanteil der vielen Lead-Gitarrenparts (herrliche, flammende, von großer Spielfreude und hoher handwerklicher Kompetenz geprägte, viel Southern-Esprit ausstrahlende Soli) und ist zudem mit einigen Harmoniegesängen beteiligt.

Das hört sich zunächst relativ unspektakulär an, wenn da nicht noch zwei markante Personen beteiligt wären, nämlich der omnipräsente „Mr. Red Dirt“ Mike McClure (Mike McClure Band / The Great Divide) sowie Musiker- und Produzentenlegende Joe Hardy (ZZ Top, Steve Earle, Jeff Healey, 38 Special, Georgia Satellites, Cross Canadian Ragweed, Laidlaw etc.), die sich, ähnlich wie schon vor kurzem beim saustarken Debüt des Mädelduos ShutDownTown, instrumenten- und produktionstechnisch eingebracht haben. Das ist schon toll, wie dieses Team sein Know-How, scheinbar ohne größere finanzielle Ansprüche, für junge Nachwuchskünstler zur Verfügung stellt und somit solche hoch qualitative (vom Budget her vermutlich streng limitierte) Eigenproduktionen erst ermöglicht. Großartig, wie diese Burschen ihren so wunderbar ursprünglich erscheinenden Red Dirt-Rootsrock mal mit einem feinen Blues-Flavour, dann mit viel Southern-Flair, aber auch mit der Genre-typischen Americana- und (Alternate) Country-Note würzen.

The Plainsmen beginnen ihr Werk mit dem schon fast Southern Rock-kompatiblen, sehr starken „Circles (Alive)“, das sich im gehobenem Midtempobereich bewegt und von einem dezentem Retroflair (wie auch einige andere Stücke) durchzogen ist. Gleich drei satte Gitarrenparts mit superbem, quirligem, hoch-karätigem southern-fueled Lead-Spiel warten auf uns, die gar so etwas wie entfernte The Marshall Tucker Band-Reminiszenzen aufkommen lassen. Ein toller Auftakt! Der markanten Slidearbeit und dem kauzigen Erzählstil bei „Laughin At The Past“ folgt sehr trockener, leicht melancholischer Gesang beim ungemein rootsigen, rauen, aber durchaus relaxten, von noch mehr schöner, elektrische Slide-Gitarre begleiteten „The Farm“. Mike McClures starkes Baritone-E-Gitarren-Spiel dominiert das lässige „In The Middle“ und versprüht eine gewisse „Laidback“-Atmosphäre.

Bei sehr melodischen, knackig kraftvollen „Katy Comes Around“ wird dann wieder das Tempo angezogen und Garrett Lucas überzeugt erneut mit einem klasse, quirligem Southern E-Gitarren-Solo. Das countryrockige „Lonely Town“ kann als verspätete Red Dirt-Antwort auf John Mellencamps berühmtes „Small Town“ interpretiert werden. Klasse hier vor allem die fette Orgel-Arbeit von Joe Hardy. Typischen, flockigen Red Dirt Rock im Cross Canadian Ragweed-Stil gibt es bei „Eagle“, wieder mit retrobehaftetem, starkem E-Gitarren-Solo. „Sandcastle Blues“ erinnert vom Groove her dezent an John Fogertys einstiges „Penthouse Pauper“, das vor einer gefühlten Ewigkeit auch mal von Molly Hatchet gecovert wurde.

Die eigenständige, bluesige Plainsmen-Abwandlung liegt vom Tempo her irgendwo dazwischen. Mit frappierender Ähnlichkeit zu Mike McClure und seiner Musik besingt Grant Hamilton das anschließende „Shores“ und avanciert damit fast zum potentiellen Ziehsohn seines Förderers. Mit einem textlichen Augenzwinkern swingt „Let Me Wander“ mit unterschwelliger Tex-Mex-Note gut gelaunt vor sich hin (schön hier die spanische Akustikgitarre, inkl. Solo). Das finale „Keeper Of The Plains“ dürfte für das Live-Programm gesetzt sein: Ein flotter, erstklassiger Countryrock-Stomper, den man bei Konzerten sicher zur spielfreudigen Endlosschleife (inkl. Mitsingmöglichkeit) ausdehnen kann.

The Plainsmen ist mit „What Started The Fire“ ein Debüt gelungen, bei dem man als Red Dirt-Fan sofort Feuer fängt. Mike McClure und und Joe Hardy haben einmal mehr ihr feines Näschen in Sachen Talentförderung bewiesen. Dazu wird man noch mit einem zwar sehr spartanischen, dafür aber umso schöneren Cover-Artwork (Scott Seetin) belohnt. Prima Stoff für Anhänger von Acts wie Cross Canadian Ragweed, Ryan Bales Band, Tyler McCumber Band und vor allem der Mike McClure Band. Das Red Dirt-Feuer brennt!

Eigenproduktion (2009)
Stil: Red Dirt

01. Circles (Alive)
02. Laughin At The Past
03. The Farm
04. In The Middle
05. Katy Come Around
06. Lonely Town
07. Eagle
08. Sandcastle Blues
09. Shores
10. Baby Let Me Wonder
11. Keeper Of The Plains

The Plainsmen bei Facebook
Bärchen Records