Nick Moss Band – 13.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Moss-Haupt

Mit Nick Moss hatte sich ein echtes Schwergewicht der heute noch praktizierenden Vertreter des Chicago Blues in der Krefelder Kulturrampe angesagt.

Rampen-Chef Pille Peerlings sinnierte bei der Einleitung, bzw. Ansage, wie man wohl das Durchschnittsalter des Blues-Publikums in Zukunft senken könnte, und bot vermutlich den meist akademisch behafteten Anhängern und Philosophen des Genres, abendfüllenden Diskussionsstoff bezüglich dieser schier unlösbar erscheinenden Fragestellung. Denn in der Tat dominierte wieder mal die Ü-50 Generation im Saale. Schöner  Spruch eines Zuschauers daraufhin übrigens: „Pille du bist hier der Jüngste im Raum!“

Dem im wahrsten Sinne des Wortes mit wuchtigen Körpermaßen ausgestatteten Protagonisten, diesmal komplett auf einer Telecaster agierend, und seinen Mitstreitern Dennis Gruenling, Taylor Streiff, Nick Fane und Patrick Seals (Moss betitelte den backenbärtigen Drummer bei der Vorstellung der Band als Baby-Duane Allman) wohnten um die 100 Besucher an diesem Donnerstag Abend bei (also fast voll) und boten diesem äußerst stimmungsvollen Gig einen würdigen Rahmen.

Ja, ich muss tatsächlich schon überlegen, wann ich überhaupt mal, solch eine rasende Meute in der kleinen Kult-Location erlebt habe (auch wieder dabei, eine schon früher bei diversen Gigs zur Kenntnis genommene, ekstatisch vor der Bühne tanzende blonde Dame, die erneut voll in der Mossschen Musik aufging).

Das Instrumental zu Konzertbeginn um 20:45 Uhr diente zunächst mal der Abmischung des richtigen Sounds. Moss war mit der Einstellung seiner Gitarrentöne überhaupt nicht zufrieden und gestikulierte in Richtung Mischpult. Nach kurzen Instruktionen nach Ende des Openers war dann alles takko und die Band spielte sich mit „Someday“ quasi in den Gig ‚hinein‘.

Der Song hatte eigentlich auch schon wegweisende Wirkung auf die folgenden Tracks, meist durch Ricks Gesang, klimpernde Piano-, Harp- und quirlige intensive E-Gitarrensoli auf einem retrobehafteten swingendem Blues-Rhythmus-Teppich, in Szene gesetzt.

Vieles erinnerte mich, was meinen kleinen Horizont dieser recht Harp-lastigen Musikspielart angeht (ich hoffe, die Experten verzeihen mir hier ggfs. eine eventuelle zu einfache oder gar falsche Analyse), an Acts wie Muddy Waters, Paul Butterfield, Nick Gravenites oder ganz dezent auch an die J. Geils Band.

Mit dem herrlich schrill aussehenden Dennis Gruenling (Sonnenbrille, Schlangenleder-Sakko, schwarz lackierte Fingernägel, samt einer Unzahl von Ringen an den Greifern) wurde dieses Instrument natürlich per se dann zum echten Gesamtfarbtupfer. Der durfte dann auch bei zwei Stücken mal seine Gesangskünste als Fronter zum Besten geben.

Songs wie „Get Your Hand Out Of My Pockets“, das leicht Bakersfield-umwehte „Rockin‘ The Blues“, der überragende Schwofer „Woman You Must Be Crazy“ (mit ein wenig „Statesboro Blues“-Flair) und „Pretty Girls Everywhere“ (erste Zugabe) blieben bei mir im Gehör hängen. Zum krönenden Abschluss erzeugten dann Nick (am Schlagzeug sitzend, seichten Beckenrhythmus mit dem Fuß vorgebend, singend und E-Gitarre spielend) und Dennis an der Harp, im Duo bei der  zweiten (vehement) eingeforderten Zugabe, noch ein wenig Delta-Blues-Atmosphäre.

Somit lautet das knappe Fazit des launigen und umjubelten Abends in Abwandlung eines bekannten Sprichworts: Mit Nick Moss echt was los in der Krefelder Kulturrampe! Wer übrigens das Quintett in unseren Sphären nochmal sehen möchte, sollte dazu am morgigen Samstag (15.07.) die Gelegenheit im Kölner Yard Club nutzen.

Line-up:
Nick Moss (lead vocals, electric guitar)
Dennis Gruenling (harp, lead vocals)
Taylor Streiff (keys)
Nick Fane (bass)
Patrick Seals (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Nick Moss Band
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Kulturrampe Krefeld

Joe Bonamassa – Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening – CD-/DVD-Review

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Es scheint so ein bisschen, als ob Joe Bonamassa hier in Sounds Of South in der Sparte ‚DVD des Jahres‘ den Spitzenplatz im Dauerabonnement belegen möchte. Auch in diesem Jahr bringt er mit seinem opulenten Doppel-CD-/Doppel-DVD-Werk „Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening“ ein absolut fantastisches Paket auf den Markt, an dem man als Musikgenießer nicht vorbei kommt.

Wie schon bei seinen Auftritten im beeindruckenden Greek Theatre in Los Angeles, ist man auch hier vom visuellen als auch klangtechnischen Erlebnis im historischen Manhattener Konzerthaus zutiefst beeindruckt, das wie gewohnt vom Team Kevin Shirley und Roy Wiseman nahezu mit Perfektion in Szene gesetzt wurde.

Der gute Smokin‘ Joe präsentiert diesmal ein schönen Reigen ausgewählter Stücke im akustischen Gewand. Auf der mit viel Liebe zum Detail angerichteten Bühne, begleiten ihn mit Leuten wie Keyboard-Legende Reese Wynans am Pianoflügel, Drummer Anton Fig und den Backgroundsängerinnen Juanita Tippins (mit wunderschönem ozeanischen Blumengeflecht im Haar), Mahalia Barnes (dezent Geisha-mäßig), bereits bekannte Gesichter.

Frisches und alternatives Blut wurde mit dem erfahrenen Perkussionisten Hossam Ramzy (Peter Gabriel), dem im Stile eines indischen Maharadschas bekleideten Sänger Gary Pinto, dem Multi-Instrumentalisten von den Hooters, Eric Bazilian (Dobro, Banjo, Flöte, Mandolinen, Saxofon) und dem nicht nur orientalischen Blickfang am Cello und der Erhu, Tina Guo aus Shanghai (mittlerweile aber in Los Angeles ansässig), ins Bandgefüge integriert.

Mit dem energiegeladenen Opener „This Train“, dem grandios atmosphärisch und folkig dargebotenen „Drive“, dem souligen „The Valley Runs Low“ und später „Livin‘ Easy“ (Bazilian mit starker Saxofon-Einlage) beinhaltet der Gig gleich vier Nummern seines letzten Studioalbum „Blues For Desperation“, die auch im akustischen Gewand überaus zu gefallen wissen. Natürlich wird auch der Backkatalog des Protagonisten reichhaltig verarbeitet.

Großartig sind das stampfende „Dust Bowl“, das wunderbare „Driving Towards The Daylight“ (Bazilian mit Banjo-, Wynans mit Pianofills, herrliche Harmoniegesänge), das countryeske „Black Lung Heartache“ mit einem wild slidenden Bonamassa oder auch das rhythmische „Get Back My Tomorrow“ (Publikum klatscht mit, Pinto mit Gesangseinlagen).

Ein Höhepunkt von vielen ist sicher auch das bluesig-gospelige „How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?“, bei dem auch Tippins und Barnes ihre Solo-Parts bekommen und eines seiner Paradestücke „Song Of Yesterday“ in einer über neun-minütigen, packenden Fassung.

Center-Stück dieses Live-Werkes ist jedoch „Woke Up Dreaming“, das in den Bonus-Features nochmals in einer weiteren Version vom 2. Spielabend präsent ist. Das Stück brachte Joe, laut dem Bonus-Interview auf der zweiten DVD, bei dem auch alle anderen Musiker reichhaltig zu Worte kommen, an den Rande seiner technischen Fingerfertigkeiten. Und in der Tat liefert er sich hier mit der wüst am Cello schreddernden Tina Guo ein atemberaubendes Spielduell.

Die Klassiker „Hummingbird“ (Leon Russell, Joe Cocker, B.B. King) und „The Rose“ (Bette Middler) beenden ein zutiefst beeindruckendes Konzert. Komplettiert wird dieses tolle Doppel-CD-/DVD-Package durch eine starke Bildergalerie von Christie Goodman.

Nach „Live At The Greek Theatre“ liefert Joe Bonamassa mit „Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening“ einen weiteren audio-visuellen Hochgenuss ab, der in allen Belangen überzeugt und mitnimmt. Da heißt es einfach nur gemütlich ab aufs Sofa und sich von diesen großartigen Musikern akustisch-bluesig und auch ein wenig orientalisch in herrlichem Ambiente berauschen zu lassen!

Mascot Label Group (2017)
Stil: Acoustic Blues Rock & More

DVD1:
01. Cold Streets (Intro)
02. This Train
03. Drive
04. The Valley Runs Low
05. Dust Bowl
06. Driving Towards The Daylight
07. Black Lung Heartache
08. Blue And Evil
09. Livin‘ Easy
10. Get Back My Tomorrow
11. Mountain Time
12. How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?
13. Song Of Yesterday
14. Woke Up Dreaming
15. Hummingbird
16. The Rose
17. Cold Streets (Credits)

DVD2:
01. Behind The Scenes
02. Woke Up Dreaming (Second Night)
03. Photo Gallery

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

Blues Alive Festival, 13.05.2017, Bürgerhaus Stollwerck, Köln – Festivalbericht

Auch wenn unser Fokus ja bekanntlich in anderen Genres angesiedelt ist, mache ich keinen Hehl daraus, dass ich, besonders live, gut gemachten und gespielten Blues Rock, ebenfalls ganz gerne höre. Die Premiere des Blues Alive Festivals im Kölner Bürgerhaus Stollwerck bot sich mit dem hochwertigen Line-up, bestehend aus Layla Zoe (die ich allerdings in letzter Zeit schon fast inflationär gesehen habe) sowie den Herren Danny Bryant und Blues Rock-Legende Walter Trout, besonders an, zumal ich die beiden letztgenannten Musiker bisher noch nicht auf der Bühne erlebt habe.

Der ganz schön korpulente Danny Bryant betrat pünktlich um 20:00 Uhr mit seinen beiden Mitmusikern Alex Phillips und Dave Raeburn die für ihn vorbereitete Bühne. Er stieg mit einem Instrumental in den Gig ein und sorgte für exakt 45 Minuten mit seinen diversen verzerrten und knarzenden E-Gitarren für einen unterhaltsamen Auftakt des Abends.

Haften geblieben sind dabei das atmosphärische „Slow Suicide“, das mit einer Les Paul performte (tolles Solo), dezent southern-umgarnte „Take Me Higher“ sowie die furios gecoverte Version von „All Along The Watchtower“ als Schlusspunkt.

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Alex Phillips (bass)
Dave Raeburn (drums)

Layla Zoe glich, von der Besetzung und Setlist her, ihrem Auftritt vor geraumer Zeit im Schwarzen Adler, im Rahmen der Double Trouble-Geschichte, zusammen mit Jane Lee Hooker. Die rothaarige kanadische Blues-Röhre beeindruckte wie gewohnt mit toller Charakter-Stimme und ihrer, aufs Publikum eingehenden und emotionalen Art (kommunizierte viel, tanzte mit den Leuten, strich einem Fotografen mit der  Hand durch den wohl gepflegten Drei-Tage-Bart).

Höhepunkte hier waren die emotional berührenden Songs „Sweet Angel“ (gewidmet ihrer, an einem  Aneurysma verstorbenen Freundin Marsha) und „Highway Of Tears“ (über getötete, vermisste und verschleppte kanadische Ureinwohnerinnen), sowie das starke „Workinghorse“ (mit Talkbox-Einlage des furios aufspielenden und scheinbar immer besser werdenden Gitarristen Jan Laacks). Eine kurzweilige, ebenfalls wie im Fluge vergangene  Stunde, mit ansprechendem Diven-Blues Rock dieser Zeit.

Line-up:
Layla Zoe (lead vocals)
Jan Laacks (electric guitar, vocals)
Christoph Hübner (bass, vocals)
Claus Schulte (drums)

Walter Trout, dem die verbundenen Qualen und Erlebnisse  im Zuge seiner Lebertransplantation 2014 deutlich im Gesicht eingemeißelt waren, brachte zunächst seine Finger mit einem quirligen Intro zum Opener „Help Me“ auf Betriebstemperatur. In der Folgezeit wurde er bei seinem etwas über zwei Stunden währenden, hochdynamischen Auftritt, seinem Status als Headliner des Abends, voll und ganz gerecht.

Angesichts des Erlebten (60 Kilo abgenommen, 8 Monate ans Bett gefesselt, musste Laufen und Sprechen wieder lernen, geschweige, sich das Gitarrenspiel wieder beizubringen), glich es schon einem Geschenk (für alle Beteiligten), ihn hier wieder mitreißend singen zu hören, als auch seine unzähligen filigranen E-Gitarren-Soli bestaunen zu können.

Selbstredend, dass während seines Gigs, das aus seiner Sicht düstere, depresssive und z. T. morbide Werk „Battle Scars“ mit Tracks wie u. a. „Almost Gone“, „Haunted By The Night“, „Playin‘ Hideawy“ und „Please Take Me Home“ (seiner Frau gewidmet, die ihm durch diese schwere Zeit geholfen hat), in dem all diese wenig erfreulichen Umstände reflektiert werden, im Blickpunkt des Geschehens stand.

Laune machte neben der Standard-Formation mit Sammy Avila (ließ seine Hammond ordentlich gurgeln), dem tierisch Gas gebenden Drummer Michael Leasure und dem Benjamin, Adam Ditt am Bass (wirkte, vermutlich aufgrund der Schwergewichte um sich herum, etwas schüchtern, zupfte aber sehr solide) vor allem auch die Einbindung der Gäste wie Sohnemann Jon, der auch bewies, dass er die musikalischen Gene des Vaters intus hat (wirbelte ebenfalls schon gehörig auf seiner hellblau-weißen Strat, dazu mit gutem Kurz-Lead Vocals-Einsatz), Sänger Andrew Elt (überwiegend Harmoniegesänge, einmal kurz als Fronter) und dem beim furiosen „The Blues Came Callin'“-Jam dazu stoßenden und erneut glanzvoll aufgelegten Danny Bryant.

Das grandios dargebotene „Going Down“ mit munterem ‚Bäumchen- Wechsel-Dich‘-Intermezzo am Frontmikro (stark hier auch Sammy Avila) zum Abschluss des Hauptteils, plus zwei Zugaben (eine Ballade, ein launiger Boogie) sorgten für ein maximales Maß an finaler Freude im sehr gut besuchten Stollwerck. Verdienter Applaus für Stehauf-Männchen Walter Trout und seine starke Begleittruppe!

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, electric guitar)
Adam Ditt (bass)
Michael Leasure (drums, vocals)
Jon Trout (electric guitar, vocals)
Sammy Avila (keys, vocals)
Andrew Elt (vocals, acoustic guitar)
Danny Bryant (electric guitar – jam)

Fazit: Dieses Blues Alive Festival im Kölner Bürgerhaus Stollwerck war ein toller und kurzweiliger Abend. Hervorragend durchorganisiert von der ersten bis zur letzten Minute mit drei vorzüglichen Bands, die sich allesamt in ihren ansprechenden Leistungen nichts schenkten. Schön dabei zu erleben, dass Walter Trout nach überstandener Lebertransplantation in seinem ‚2. Leben‘, musikalisch wie mental, wieder voll auf dem Damm zu sein scheint. Insgesamt eine Veranstaltung auf absolut hohem Niveau, die gerne in dieser Form im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden darf.

P.S. Vielen Dank an Fotokünstler Albrecht Schmidt, der für den am Knie verletzten Jörg Schneider spontan eingesprungen ist und somit Premiere in diesem Magazin feiert.

Bilder: Albrecht Schmidt
Bericht: Daniel Daus

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Layla Zoe
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Walter Trout
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Rock-Times Production
Ruf Records
Bürgerhaus Stollwerck Köln

Dudley Taft – 22.04.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Der Ur-Groß-Neffe des 27. Amerikanischen Präsidenten spielte, an seinem zweiten Abend der Europatour, mit seinen Mitstreitern (Kasey Williams am Bass und Darin Watkins am Schlagzeug) ein zweigeteiltes Set, das keine Wünsche offen ließ. Neben einem Querschnitt aus seinen letzten drei Alben präsentierte er solche Klassiker wie: „Leland Mississippi Blues“ (Johnny Winter), „When The Levee Breaks“ (Led Zeppelin), If Heartaches Were Nickels“ (Warren Haynes, Joe Bonamassa), „Backdoor Man“ (Willie Dixon) und „Oh Well“ (Fleetwood Mac). Die Musik, eine Mischung aus Rock-, Blues-, Blues Rock- sowie Grunge-Einflüssen, von einigen als Seattle Blues bezeichnet, kam jedenfalls beim Publikum richtig gut an.
CD Tipp: „Live in Europe“

Bilder: Peter Schepers

Dudley Taft
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Blue Notez Dortmund

Watermelon Slim – Golden Boy – CD-Review

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Was für ein Leben, was für ein Gesicht! Bill Homans alias Watermelon Slim hat in seinem Leben schon wirklich viel erlebt. Oder sollte man aufgrund seines zerfurchten Charakterantlitzes besser sagen ‚durchgemacht‘? Er ist Vietnam-Veteran, war Arbeiter (aus dieser Zeit stammt sein Spitzname ‚Watermelon Slim‘, als er auf einer Wassermelonenfarm arbeitete), Trucker und Sozialaktivist, bevor er sich vor rund 15 Jahren dazu entschloss, hauptberuflich der Musik zu widmen, nachdem er seine Vietnam-Erfahrungen bereits 1973 in seinem ersten Album „Merry Airbrakes“ verarbeitet hatte.

So ganz nebenbei hat er es in seinem abwechslungsreichen Leben auch noch geschafft, einen Bachelor-Abschluss in Journalistik, sowie einen Masters-Diplom in Geschichte zu erlangen und er ist Mitglied von Mensa International, einem Verein für hochbegabte Leute. Da wundert es nicht, dass er sich das Gitarrespielen selbst beibrachte, während er in Vietnam verwundet im Lazarett lag.

Unterstützt von neun Musikern und einem fünfköpfigen Chor, hat Bill Homans für sein neues Album „Golden Boy“ zehn Stücke aufgenommen, von denen sieben Songs aus seiner eigenen Feder stammen. Alle Tracks der CD lassen sich stilistisch aber nicht so recht in eine einzige Schublade packen. Es ist eher ein Konglomerat verschiedenster Bluesspielarten, aber immer mit durchaus politischen und zeitkritischen Texten versehen. Leider sind diese oftmals nicht gut zu verstehen, was wohl dem, für europäische Ohren, nuscheligen Gesang von Watermelon Slim geschuldet ist.

Hinzukommt, dass seine Bassstimme zwar sehr interessant und authentisch klingt, aber in ihrer Modulation doch eher begrenzt ist. So führt er im, in der CD beiliegenden Booklet im Line-up hinter seinem Namen bezeichnenderweise auch nicht ‚vocals‘, sondern ‚voice‘ an… Glücklicherweise stehen die Lyrics aber ebenfalls zum Nachlesen in dem Heftchen. Gewidmet hat er die CD den ‚Vietnam Veterans Against The War‘ und der kanadischen Nation, mit der ihn viele freundschaftliche Beziehungen verbinden.

Gleich mit dem ersten Stück der CD „Pick Up My Guidon“, welches sich am ehesten dem Chicago-Blues zurechnen lässt und nach meinem Geschmack wohl der beste Titel auf dem Silberling ist, geht es kraftvoll los. Der in den Refrains Zuversicht ausstrahlende Song handelt ganz allgemein davon, sich von Schicksalsschlägen nicht unter kriegen zu lassen.

In dem etwas düsteren „WBCN“ singt Homans, von Marschtrommeln begleitet, mit seiner Grabesstimme gegen Nazis an. Auch der Coversong „Barrett’s Privateers“, im Original von Folksänger Stan Rogers gesungen, wirkt wegen seines reinen A-Capella-Sprechgesanges wie ein Drillsong der US Army. Einen musikalischen Kontrast dazu bieten die Tracks „You’re Going To Need Somebody“ und „Northern Blues“, zwei wunderbare Finger-Picking-Delta-Blues-Songs und „Mean Streets“, einem weiteren harten Blues-Stück, in dem es um die Situation von Obdachlosen geht.

Indianische Einflüsse hingegen finden sich in „Wolf Cry“. So klingt Watermelon Slim wohl, wenn er auf Kriegspfad geht. „Cabbagetown“, geschrieben von Scott Nolan, dem Produzenten dieses Albums, ist, genau wie „Winners Of Us All“, bei dem es um die Opfer des amerikanischen Traums geht, ein schöner melodiöser Slow-Blues, ‚Cabbagetown‘ allerdings mit dezenten irischen Folkeinflüssen. Zum guten Schluss singt er dann noch in ‚Dark Genius‘ über die Verdienste von JFK und Sadat.

Wie gesagt, die Tracks gehören schon alle irgendwie ins Bluesgenre, sind innerhalb dieses Spektrums teilweise aber recht unterschiedlich angelegt. Die alles zusammenhaltende Klammer ist dabei Watermelon Slims sonore, aber schnell monoton wirkende, vom Leben geprägte Stimme.

Review: Jörg Schneider

Dixie Frog Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Pick Up My Guidon
02. You Are Going To Need Somebody On Your Bond
03. WBCN
04. Wolf Cry
05. Barrett’s Privateers
06. Mean Streets
07. Northern Blues
08. Cabbagetown
09. Winners Of Us All
10. Dark Genius

Watermelon Slim
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Josh Hoyer & Soul Colossal – 31.03.2017, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

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Es wird eigentlich höchste Zeit, dass diese Webseite, ein erträgliches Einkommen abwirft. Wo bleibt endlich mal ein Millionen-schwerer Investor? So kann man jedenfalls als berufstätiger Mensch einfach nicht alles an aktuell guter Musik anschauen, geschweige denn besprechen, was hier so durch die Lande schwirrt. Deshalb hatten Gernot und ich uns den Gig von Josh Hoyer & Soul Colossal zwei Tage zuvor in Krefeld erspart.

Kurz vor unserer Anreise zum Delta Saints-Gig im Oberhausener Zentrum Altenberg checkte ich routinemäßig noch mal die Einlasszeit und zu meiner großen Überraschung, war o. a. Act aus Lincoln, Nebraska scheinbar recht kurzfristig mit auf die musikalische Menükarte des Abends gesetzt worden. Manchmal wird man somit, auch durchaus zu seinem Glück gezwungen.

Denn das tolle Quintett um seinen engagiert auftrumpfenden Leader, wusste auf ganzer Linie zu überzeugen, ja ich lehne mich mal aus dem Fenster, war sogar letztendlich der heimliche Gewinner diese Doppel-Events.

Die Burschen ließen von Anfang an keinen Zweifel, dass sie die wenigen Zuschauer (das Zentrum Altenberg war leider nicht mal zur Hälfte gefüllt), auf eine launige und energiegeladene Reise mit Stax-, Motown-, Muscle Shoals-, New Orleans-, Blues-, Soul-, Funk- und Rock-Hörenswürdigkeiten mitnehmen wollten. Und es gelang ihnen bestens!

Obwohl ich nicht ein Stück der Band bis dato kannte, blieben mir Tracks wie u. a. „Time For Love“ (mit kurz integriertem „Miss You“), „Knockout“ (Wah Wah in Kushners Solo), der Schwofer „Nobody’s Fault But Mine“, „Illusion“, der Otis Clay-Schunkler „Trying To Live My Life Without You“ bis zum finalen „Natural“ (wo so richtig vor der Bühne getanzt und gegroovt wurde) in äußerst angenehmer Erinnerung.

Mein Favorit des Abends war allerdings das herrliche „Just Call Me“, in dem Benjamin Kushner ein herrlich intensives Southern Rock-Gitarren-Solo auf seiner Telecaster abließ. Überragend fand ich auch den schmächtigen Schlagzeuger Larell Ware, der zum Teil mit sehr variablem und überaus kraftvollem Drumming, eine ungemeine Dynamik in die Stücke hineinbrachte.

Fazit: Josh Hoyer & Soul Colossal wussten mit ihrer herzerfrischenden, kommunikativen und launigen Spielweise absolut zu gefallen. Die Band werden wir sicherlich nicht zum letzten Mal aufgesucht haben. Tolle Leistung des gesamten Musiker-Kollektivs!

Line-up:
Josh Hoyer (Lead vocals, keys, percussion)
Mike Dee (sax)
James Fleege (bass)
Benjamin Kushner (guitar)
Larell Ware (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Josh Hoyer & Soul Colossal
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Teenage Head Music
Zentrum Altenberg Oberhausen

Eric Bibb – Migration Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das erste, was an der neuen CD von Eric Bibb auffällt, ist das edel wirkende und fotografisch hochwertig in s/w gestaltete und mit leichter Sepiatonung gedruckte Hochglanz-Cover. Dazu gesellt sich ein feines Booklet in ebensolcher Qualität mit einleitenden Worten von Eric Bibb und seinen Mitstreitern J.J. Milteau, einem französischen Bluessänger und Mundharmonikaspieler, sowie Michael Jerome Browne, dreimaliger Gewinner des Canadian Folk Music Award.

Die obligatorischen Songtexte sind im Booklet natürlich auch fast alle nachzulesen. Bis auf die Songtexte ist alles in englischer, deutscher und französischer Sprache verfasst. Allein sich dieses schön produzierte Booklets anzuschauen, macht schon sehr viel Freude, zumal zu jedem Songtexte auch noch ein paar Gedanken und Hintergrundinfos gegeben werden. Dies alles ist sehr schön gemacht und stimmt bestens auf die eigentliche CD ein.

Eric Bibb, der heute überwiegend in Europa lebt, wurde in seiner Jugend durch die Blues- und Folkmusik geprägt und hat im Laufe seiner Karriere u. a. schon mit so großen Musikern wie Ray Charles, John Mayall, Bonnie Raitt, Charlie Musselwhite und Taj Mahal zusammengearbeitet. Auf seinem neuen Werk nimmt er sich eines aktuell die Menschen bewegenden Themas an. Wie der Titel „Migration Blues“ schon vermuten lässt, liegen ihm die Flüchtlinge und die diesen Menschenströmen zugrunde liegenden Fluchtursachen am Herzen. Zitat Eric Bibb: „Mit diesem Album möchte ich uns alle ermutigen, unseren Verstand und unsere Herzen weit zu öffnen für die andauernde Notlage von Flüchtlingen überall. Wie die Geschichte zeigt, stammen wir alle von Menschen ab, die irgendwann einmal weiterziehen mussten.“

So handeln seine Songs vom einfachen Leben im Delta („Diego’s Blues“) und von Flucht und Vertreibung („Delta Getaway“, „Four Years, No Rain“, ein Song, von dem Bibb selbst sagt, dass er alles auf den Punkt bringt), angefangen in den 20’er Jahren des letzten Jahrhunderts, als aus wirtschaftlicher Not heraus, Menschen aus den armen Südstaaten, auf der Suche nach einem lebenswerteren Dasein, in den reicheren Norden der USA auswanderten, bis hin zu den Bootsflüchtlingen heutzutage („Prayin‘ For Shore“ mit Big Daddy Wilson als Gastsänger im Hintergrund).

Das Album umfasst insgesamt 15 Tracks, drei davon sind, für das Album recht fröhliche, reine Instrumentalstücke: „Migration Blues“ ist ein Mundharmonika untermaltes Duett aus einer 12-seitigen Resonatorgitarre, gespielt von Bibb und einer 12-seitigen Slidegitarre, gespielt von Browne. Ein schönes Mundharmonika-betontes (JJ Milteau)  Cajun-Traditional ist „La Vie, C’est Comme Un Oignon“, zusätzlich instrumentiert mit Fiddel und Cajun-Triangel, die von Michael Jerome Browne betätigt werden. Auf „Postcard From Booker“ brilliert Eric Bibb allein auf einer Booker-Gitarre. Die übrigen Songs des Albums sind größtenteils eher melancholisch und stimmen nachdenklich, vermitteln mitunter aber auch ein Gefühl von Hoffnung und Zuversicht („Brotherly Love“ & „Mornin’ Train“, ein Spiritual mit Ulrika Bibb als zweite Stimme) auf eine bessere Zukunft bis nach dem Tod.

Musikalisch gibt es auf der CD puren Delta-Blues mit sehr deutlichen Folk- bzw. Countryeinflüssen zu hören, alle Stücke größtenteils im Fingerpicking-Stil. Der gesamte Silberling ist daher auch sehr zurückhaltend und feinfühlig mit Akustik-Saiteninstrumenten arrangiert, wodurch Bibb’s Stimme und seine Fingerpicking-Technik sehr prägnant zur Geltung kommen und teilweise an Taj Mahal („We Had To Move“) erinnern. Außerdem verzichtet Bibb bei den Arrangements, von zwei Ausnahmen abgesehen („Delta Getaway“ & „With A Dolla‘ In My Pocket“), auf ein Schlagzeug. Dafür spielen Bibb und Browne abwechselnd 12-seitige Gitarren, Tenorgitarre, Baritongitarre, Resonatorgitarre, Slidegitarre, Banjo und Mandoline, während Milteau fast jeden der Songs auf seiner Mundharmonika begleitet.

Es ist sicherlich kein Album mit viel Gute-Laune-Musik, dafür aber mit sehr feinem Gitarrenspiel. Man muss sich in Ruhe auf die Musik einlassen. Also macht man es sich am besten zu Hause im Sessel bequem, setzt die Kopfhörer auf, vertieft sich in die Songtexte und fühlt jede einzelne Vibration der von Eric Bibb und Michael Jérôme Browne gezupften bzw. geschlagenen Saiten sowie die Schwingungen der einfühlsam von JJ Milteau gespielten Mundharmonika. Liebhaber des Delta-Blues sollten die Scheibe auf jeden Fall in der Sammlung haben.

Line-Up:
Eric Bibb (vocals, guitar, banjo)
Michael Jérôme Browne (guitar, fiddle, mandoline, cajun triangle)
JJ Milteau (harmonica)
Olle Lindner (drums on „Delta Getaway“ & „With a Dolla‘ In My Pocket“)
Bis Daddy Wilson (background vocals on „Prayin‘ For Shore“)
Ulrika Bibb (background vocals on „Mornin‘ Train“)

Dixiefrog Records (2017)
Stil: Delta Blues

01. Refugee Moan
02. Delta Getaway
03. Diego’s Blues
04. Prayin‘ For Shore
05. Migration Blues
06. Four Years, No Rain
07. We Had To Move
08. Masters Of War
09. Brotherly Love
10. La Vie C’estcomme Un Oignon
11. With A Dolla‘ In My Pocket
12. This Land Is Your Land
13. Postcard From Booker
14. Blacktop
15. Mornin‘ Train

Eric Bibb
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Michael Jerome Browne
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J.J. Milteau
H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Samantha Fish – Chills & Fever – CD-Review

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Mit ihrem neuen Werk „Chills & Fever“ legt die 28-jährige Bluessängerin aus Kansas-City, deren Liebe eigentlich dem einfachen und rauen Rock ’n‘ Roll gehört, ein R&B-Album vor, mit dem sie ihre musikalische Vielfältigkeit unter Beweis stellt.

Es ist ein Album, welches so ganz anders ist als z. B. ihr Erstlingswerk „Runaway“ aus dem Jahre 2012, für das sie immerhin in Memphis den Blues Music Award für das „Best New Artist Debüt“ bekam. Während „Runaway“ und die beiden Nachfolgealben „Black Wind Howlin“ und „Wild Heart“ rockig-bluesig waren, ist „Chills & Fever“ ganz offenkundig eine Hommage an den Soul und Rhythm & Blues vergangener Zeiten. Es ist eine energiegeladene Scheibe mit tollen Bläserarrangements, aber auch Einflüssen aus dem Blues.

Eingespielt hat Samantha Fish das Album in der Musikmetropole Detroit, in der auch das legendäre Soul-Label „Motown Records“ beheimatend war, zusammen mit Producer Bobby Harlow und tatkräftiger Unterstützung von Mitgliedern der Garage-Rocker „Detroit Cobras“, einer Band, die ihre Anhänger in der Punk- und Blues-Szene des Mittleren Westens der Staaten hat. Außerdem zeichnen sich Mark Levon (Trompete) und Travis Blotzky (Saxophon) für die Bläsereinlagen verantwortlich.

Alle 14 Songs des Album sind mehr oder weniger bekannte Blues- und Soul-Klassiker aus der Feder so bekannter Legenden wie z. B. Jackie DeShannon, Jerry Ragavoy, Bert Berns und Allen Toussaint. Sanantha Fish hat die Stücke neu arrangiert und bietet sie herzergreifend frisch dar. Die Nummern zünden mal flott mit souligen Bläsern („He Did It“, „Somebody’s Always Trying“), dann wieder funky und rhythmisch („It’s Your Voodoo Working“) oder fröhlich mitreißend („I’ll Come Running Over“) und mit schönen Tempowechseln („Little Baby“), bis hin zu mehr R ’n‘ B lastigen Tracks wie z. B. „Crow Jane“.

Samantha Fishs Stimme, angesiedelt zwischen Mezzosopran und Alt, kommt immer klar und sauber rüber, stilistisch vielfach erinnernd an Amy Winehouse: etwas lasziv wie auf dem saxophonakzentuierten Titelsong „Chills & Fever“, relaxed bei den beiden, an Barsongs anmutenden Stücken „Hello Stranger“ und „You’ll Never Change“ oder schmachtend bei dem etwas düsteren „Either Way I Lose“. Dass Samantha Fishs musikalische Wurzeln aber im Rock & Roll und damit auch im Blues liegen, wird spätestens dann deutlich, wenn in den Songs immer wieder ihre bluesgeladene Leadgitarre aufblitzt und sich mit wohlarrangierten Bläsersätzen abwechselt, die mal treibend und mal untermalend die Charakteristik der Songs bestimmen.

Und natürlich gibt es auch schöne Blues-angehauchte Stücke auf der Scheibe. Die Titel „Never Gonna Cry“, „Nearer To You“ und „Hurt’s All Gone“ stehen dafür. Insgesamt ist es eine Gute-Laune-CD mit vielen schwungvollen und tanzbaren Songs (u. a. „You Can’t Go“) von der Smantha Fish selbst sagt, dass sie im Studio einen Mordsspaß bei der Aufnahme der CD hatte und sich dabei so authentisch wie nie zuvor gefühlt habe. Und dieses Feeling kommt auf dem Album wunderbar rüber, nicht zuletzt auch wegen der, an den Rhythm & Blues der 60’er und 70’er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnernden Bläser und der kantigen Intensität der Lieder.

Für Fans dieses Genres ist die Scheibe definitiv ein Muss und sollte in keiner Musiksammlung fehlen, für alle anderen gilt: Hört euch die Scheibe zumindest mal an, es lohnt sich absolut!

Line-Up:
Samantha Fish (Vocals, lead Guitar)
Joe Mazzola (Rhythm Guitar)
Steve Navara (Bass Guitar)
Kenny Tudrick (Drums)
Bob Mervak (Electric piano)
Marc Levron (Trumpet)
Travis Blotzky (Saxophone)

Review: Jörg Schneider

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock & More

01. He Did It
02. Chills & Fever
03. Hello Stranger
04. It’s Your Voodoo Working
05. Hurt’s All Gone
06. You Can’t Go
07. Either Way I Lose
08. Never Gonna Cry
09. Little Baby
10. Nearer To You
11. You’ll Never Change
12. Crow Jane
13. Somebody’s Always Trying
14. I’ll Come Running Over

Samantha Fish
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Ruf Records

John Mayall – 09.03.2017, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Am 29. November 1933 erblickte John Mayall, der Godfather des weißen Blues, in Macclesfield, Cheshire, England das Licht der Welt. Aber erst Anfang der 60er- Jahre des letzten Jahrhunderts, erlangte er im Alter von 30 Jahren mit den Bluesbreakers große Bekanntheit. Im Laufe der Zeit spielten bei John Mayalls Bluesbreakers so bekannte Musiker wie John McVie, Eric Clapton, Jack Bruce, Peter Green, Mick Taylor, Mick Fleetwood und Mick Taylor.

Und heute steht der Großmeister des Blues mehr als 50 Jahre nach Gründung der Bluesbreakers im Alter von 83 Jahren immer noch auf der Bühne und gibt seinem Tourneeplan zufolge bis Ende des Jahres über 80 Konzerte in Europa und den Staaten! Von Altersmüdigkeit anscheinend keine Spur und es ist wirklich erstaunlich, wie Mayall in seinem Alter immer noch diese Energie aufbringt.

Im Januar diesen Jahres hat er sein 66stes Studioalbum „Talk About That“, auf dem unter anderem auch Joe Walsh zu hören ist, veröffentlicht. Leider hat er aber daraus während seines Konzertes in der Kantine nur „Don’t Deny Me“, einen schönen Harp-Song mit kräftigen Basseinlagen, gespielt. Ansonsten gab’s an diesem Abend hauptsächlich ältere Stücke aus seinem reichhaltigen Repertoire des JM zu hören. Nach Fertigstellung des Albums hat sich leider Mayalls Gitarrist Rocky Athas aus der Band zurückgezogen, so dass der Altmeister fürs Erste zusammen mit den beiden verbliebenen Musikern Greg Rzab und Jay Davenport als Trio auftritt.

Sichtlich bester Laune betraten die drei Musiker mit etwas Verspätung, die wohl dem Andrang am Merchandise-Stand geschuldet war, gegen 20:15 Uhr die Bühne und legten vor ausverkauftem Haus zum Einstimmen, mit dem beschwingten Klassiker „Streamline“ vom 1967er Album „Crusade“ los, gefolgt von „Big Town Playboy“, einem neueren Song aus 2014. „Moving On“ vom gleichnamigen 1973er Werk klang in der derzeitigen Besetzung zwar immer noch sehr rhythmisch, konnte aber an die Originalaufnahme, sicherlich auch wegen den neuen Zusammensetzung der Band, ohne Sidegitarristen Rocky Athas, nicht heranreichen.

Anschließend folgt das eingangs bereits erwähnte „Don’t Deny Me“, welches das bis dahin eher ruhige Publikum erstmals mit reichhaltigem Applaus belohnte. Vom diesem ermutigt und inzwischen warmgespielt, ging es mit dem leicht düsteren, keyboardlastigen „Demons In The Night“ vom 2002er Album „Stories“ weiter. Mit dem „Moving Grooving Blues“ bewies John Mayall ein weiteres mal, dass er auch an der Gitarre eine gute Figur macht. Der Song aus den 90ern ist in der Gangart etwas härter und sehr rhythmisch angelegt, mit einem wilden Schlagzeugsolo im Mittelteil, stets von Johns flirrender und psychedelisch angehauchter Gitarre begleitet.

Ruhigere und verträumte Töne lieferte dann der relativ lange Track „Special Life“ vom gleichnamigen 2014er Album mit einem, am Keyboard erzeugten Xylophon-artigen Intro, welches sich als wiederkehrendes Motiv durch das ganze Stück zog, einer wundervollen Harp-Passage in der Mitte und einem von Greg Rzab hervorragend gespielten Bass-Solo.

Im folgenden Stück bekam dann auch Schlagzeuger Jay Davenport die Möglichkeit, seine Künste unter Beweis zu stellen. In „Dancing Shoes“, einem erstmals 1999 auf „Padlock On The Blues“ erschienenen, vom Swing beeinflussten Stück, lieferte der Mann an der Schießbude ein furioses, minutenlanges Schlagzeugsolo ab.

Die weiteren musikalischen Highlights des Abends waren „Early In The Morning“ („Along For The Ride“, 2001), dessen Refrain vom Publikum begeistert mitgesungen wurde und durch ein schönes Duett zwischen Greg Rzab am Bass und John Mayall an der Gitarre geprägt war, sowie der stampfende Klassiker „Chicago Line“ (gleichnamiges Album, 1988) bei dem der Meister Harp und Keyboards gleichzeitig bediente.

Und da es das letzte Stück des Abends war und wohl auch den Höhepunkt darstellen sollte, wurde das Stück zusätzlich noch mit einem minutenlangen Harpsolo gewürzt, gefolgt von einem nicht enden wollenden gewitterartigen Bass-Solo mit anschließendem Schlagzeugsolo! Das Publikum war begeistert, klatschte und sang mit, was das Zeug hielt.

Welch furioses Ende! Als Zugabe gab es dann Mayalls wohl  bekanntesten Klassiker „Room To Move“, immer noch mit einem wild-virtuos dargebotenen Mundharmonikaspiel wie eh und je, allerdings mit inzwischen leicht schwächelnder Stimme des Bluesmeisters. Ingesamt bestand das Konzert zwar nur aus 12 Songs, was sich zunächst recht sparsam anhört. Aber wer John Mayall kennt, der weiß, dass er auf der Bühne gerne improvisiert und seine Stücke durchaus recht lang geraten können. Das Konzert endete daher auch erst nach gut zwei Stunden!

Welch eine Kondition! Mayalls Stimme klingt immer noch klar und kräftig, ließ aber mit fortschreitendem Konzert etwas nach. Da merkte man ihm schon sein fortgeschrittenes Alter an. Aber ein begnadeter Sänger war John Mayall ja an sich nie, wohl aber ein starker Harp-Spieler mit dem richtigen Bluesfeeling. Und das ist er und hat er immer noch!

Leider war der Gig durch das Ausscheiden des Gitarristen Rocky Athas in weiten Bereichen etwas zu bassbetont, eine begleitende Sidegitarre fehlte eindeutig und hätte den Stücken bestimmt sehr gut getan. Trotzdem, das Publikum war hellauf begeistert und feierte den Grand Seigneur des weißen Blues mit reichhaltigem und lang andauerndem Applaus. John Mayall liebt den Blues nicht nur, er lebt ihn einfach, auch heute noch mit 83 Jahren! Er ist mit soviel Spielfreude dabei, dass man wirklich geneigt ist, sein hohes Alter zu vergessen.

Line-up:
John Mayall (Lead vocals, keyboard, harmonica, guitar)
Greg Rzab (Bass)
Jay Davenport (Drums)

Text und Bilder: Jörg Schneider

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Jörg Schneider

Layla Zoe – 05.03.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Nach ungestümem Tatendrang, personifiziert durch die Mädels von Jane Lee Hooker, war für den Rest des weiblich dominierten Abends, ‚Diven-Time‘ angesagt. Fotograf Gernot und ich haben die charismatische Kanadierin Layla Zoe jetzt zum dritten Mal in noch gar nicht so lange zurückliegender Zeit erlebt.

Zum einen bei der vorletzten Rheinberger Bluesparty in der voluminösen Stadthalle, dann im Zentrum Altenberg in Oberhausen, einer mittelgroßen Location, und nun im eher Club-trächtigen Schwarzen Adler, quasi zum Anfassen. Bei allen drei Gigs stand ihr starker Gitarrist Jan Laacks als einzige Konstante zur Seite, gewechselt wurde jedes Mal die Rhythmusfraktion, die in Vierbaum diesmal mit dem rein deutschen Duo Claus Schulte und Christoph Hübner vertreten war.

Layla Zoe aktueller Silberling ist nach wie vor „Breaking Free“ und aus dem Fundus dieses Werkes bediente sie sich auch größtenteils.  Mit dem kräftigen „Backstage Queen“ ging’s los,  das shufflige, dezent progressive „Runaway“ (Laacks entlockte seiner Stratocaster z. T. Pink Floyd-ähnliche Klänge), das Southern-soulige „A Good Man“ (gefiel uns natürlich besonders), sowie das Hendrix-umwehte „Pull Yourself Together“ folgten samt der variablen Stimmgewalt der Protagonistin.

„Workinghorse“ mit Peter Frampton-Talkbox-Gedächtnis-Einlage  und das mit einem, in Southern Rock-Tradition gespieltem langen E-Gitarrensolo, verzierte „Why Do We Hurt The Ones We Love“, standen im Zeichen von Jan Laacks, der sich spielerisch noch einmal verbessert zu haben scheint (tolle Leistung!). Über das krachende „Why You So Afraid“ und das retrobehaftete „“Never Met A Man Like You“ ging es schon auf den Höhepunkt des Gigs zu.

„Highway Of Tears“, ein Stück, in dem es um verschwundene Frauen und deren verzweifelte Angehörige in Kanada geht, war dann am Ende das hoch-emotionale und auch das spielerisch stark dargebotene Finale, nach dem jeder andere Track, kaum noch hätte Wirkung entfalten können. Von daher ein absolut richtiger und stimmiger Ausklang.

Am Ende waren Gernot und ich uns einig, in der eher gedrungenen Räumlichkeit des Adlers, den bisher besten Auftritt des Rotschopfes erlebt zu haben. Layla Zoes Musik und einnehmende Aura kam einfach intensiver rüber, nicht nur aufgrund ihres Gangs von der Bühne ins Publikum bei der, unter die Haut gehenden Ballade „Sweet Angel“ (ein Song für ihre ehemals beste Freundin Marsha, die 2010 aufgrund eines Hirnaneurysmas gestorben ist).

So wurde der Sonntag-Abend mit Jane Lee Hooker und Layla Zoe , der unter dem Motto ‚Double Trouble‘ gestartet war, am Ende eher ein ‚Twice the Fun‘ für alle Beteiligten. Danke dafür natürlich auch explizit an Ernst Barten und Ruf Records!

Line-up:
Layla Zoe (lead vocals)
Jan Laacks (electric guitar, vocals)
Christoph Hübner (bass, vocals)
Claus Schulte (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Layla Zoe
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