Gretchen Peters – The Show. Live From The UK – CD-Review

Review: Michael Segets

Vor fünfundzwanzig Jahren trat Gretchen Peters das erste Mal im Vereinigten Königreich auf und legte damit den Grundstein für ihren Erfolg auf der Insel. Anlässlich dieses Jubiläums entstand die Doppel-CD „The Show. Live From The UK“, mit der die Songwriterin ihren treuen Fans in Großbritannien eine besondere Freude machen will. Das Werk enthält einen Zusammenschnitt von drei Konzerten, die Ende April 2019 aufgenommen wurden.

Die Hälfte der Songs stammt von einem Auftritt in Bristol, die anderen von welchen in Bexhill-On-Sea und Bury St. Edmunds. Auf dem erste Tonträger begleitet ein schottisches Streicher-Quartett die Band. Neben Peters besteht diese aus Barry Walsh (Klavier), Colm McClean (elektrische Gitarre) und Conor McCreanor (Bass). Ein Schlagzeug kommt also nicht zum Einsatz und so bietet „The Show“ einen insgesamt ruhigen Hörgenuss.

Peters, die 2014 in die Nashville Songwriter Hall Of Fame aufgenommen wurde, schreibt eingängige Songs mit teilweise bissigen Texten. So steigt die erste Scheibe stimmungsvoll mit „Arguing With Ghosts“ und „Hello Cruel World“ ein. Es folgen ruhige Balladen im gleichen Stil, unter denen „Revival“ besonders gut gesungen ist. „Blackbirds“ sticht durch seine dramatische Atmosphäre heraus. Das Stück heimste seinerzeit die Auszeichnung als bester Americana-Song des Jahres in Großbritannien ein.

Im Anschluss stellt Peters die Musiker vor und gibt eine Anekdote zu „When You Love Someone“, das als Soundtrack zusammen mit Bryan Adams geschrieben wurde, zum Besten. Das Track-Splitting ist hier unverständlich, da sich die Einleitung des Songs am Ende des vorherigen findet. Allerdings sind Live-Alben ja so konzipiert, dass man sie sich durchgehend anhört und so stört dieser Umstand nicht weiter. Während die einzelnen Beiträge durchweg gelungen sind, bleibt in der Gesamtsicht auf die erste CD doch festzuhalten, dass sie keinen großen Spannungsbogen entfaltet. Die Stücke ähneln sich in Tempo und Arrangement. Die zweite Scheibe zeigt sich deutlich variabler.

Der Opener des zweiten Durchgangs „When All You Got Is A Hammer” ist ein inhaltlich und musikalisch starker Song, bei dem Colm McClean zum Zuge kommt. Auch bei dem reduzierteren „Disappearing Act” setzt er erneut mit seiner E-Gitarre Akzente. Peters singt dort wunderbar mit trotziger Energie. Der leichte Country-Einschlag bei „Wichita“ passt zu der gewalttätigen Story, die der Text erzählt.

Nach launigen Bemerkungen über sonnenverbrannte Engländer performt Peters nochmal eine gefühlvolle Ballade („Say Grace“). Bei „Everything Falls Away” dominiert Barry Walsh am Klavier die Begleitung und legt ein längeres Solo hin. Für „The Matador“ holt Peters nochmal Seonaid Aitken mit ihrer Geige und für „Five Minutes“ die Cellistin Alice Allen auf die Bühne, bevor mit „Idlewild“ das Werk ausklingt.

Auf dem zweigeteilten „The Show. Live From The UK“ zeigt Gretchen Peters ihre Qualität als Songwriterin und Sängerin mit einem Querschnitt aus ihrer mehr als fünfundzwanzigjährigen Solokarriere. Die erste CD verläuft – durchgängig von einem Streicher-Quartett begleitet – in ruhigen Bahnen. Atmosphärisch abwechslungsreicher stellt sich die zweite CD dar, auf der das Können ihrer Begleitband deutlich wird.

Mit der neuen Scheibe im Gepäck gibt die gebürtige New Yorkerin im August erneut Konzerte in England und Schottland, wobei sie wieder einen Auftritt in Bristol hat. Dieser dürfte also ein Heimspiel in der Fremde sein.

Proper Records – Bertus (2022)
Stil: Americana

Tracks:
CD 1
01. Arguing With Ghosts
02. Hello Cruel World
03. The Secret Of Life
04. Revival
05. Love That Makes A Cup Of Tea
06. Blackbirds
07. When You Love Someone
08. On A Bus to St. Cloud
09. To Say Goodbye
10. When You Are Old

CD 2
01. When All You Got Is A Hammer
02. Disappearing Act
03. Whichita
04. Say Grace
05. Everything Falls Away
06. The Matador
07. Five Minutes
08. Idlewild

Gretchen Peters
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Bertus
V2 Records

Amanda Shires – Take It Like A Man – CD-Review

Review: Michael Segets

Wenn man Amanda Shires lediglich auf ihre Rolle als Ehefrau von Jason Isbell und Mitglied seiner Band The 500 Unit reduziert, dann geschieht ihr sicherlich Unrecht. Als Violinistin, die unter anderem Aufnahmen mit John Prine, Neal Casal, Todd Snider , Justin Townes Earle und Blackberry Smoke vorzuweisen hat, erarbeitete sie sich einen hervorragenden Ruf. Mit The Highwomen, eine Kollaboration zwischen ihr, Brandi Carlile, Natalie Hemby und Maren Morris, startete Shires 2019 ein viel beachtetes Bandprojekt. Die mehrfach ausgezeichnete Texanerin veröffentlicht nun ihr siebtes Soloalbum „Take It Like A Man“.

Die Zwangspause der Pandemie nutzte Sie, um sich auf das Schreiben neuer Songs zu konzentrieren, bei denen sie vor allem ihre familiären Beziehungen bearbeitet. In einem kreativen Schub entstanden innerhalb eines Monats 26 Stücke. Zehn davon schafften es schließlich auf den Longplayer, wobei sie sich für die musikalische Umsetzung hauptsächlich bei Lawrence Rothman Unterstützung holte.

Der Opener „Hawk For The Dove“ stellt zugleich das Highlight des Albums dar. Die erste Single – im Pressetext als Southern Gothic bezeichnet – beeindruckt durch ihre dunkle Atmosphäre und geht direkt in die Gehörgänge. Der düstere Hall von Isbells Gitarre erinnert an Gunner & Smith. Shries glänzt bei einem kurzen, kratzigen Geigensolo. Zudem wirkt ihr Sopran hier eher lasziv als süßlich, wie bei einigen anderen Stücken. Weniger expressiv und deutlich reduzierter, aber gleichfalls stimmungs- und spannungsvoll sind „Don’t Be Alarmed“ und „Fault Lines“.

Shires liefert perfekt produzierte Songs ab, die überwiegen opulent arrangiert sind. Dass Streicher durchgängig präsent sind, versteht sich fast von selbst. Daneben übernimmt manchmal ein Klavier die Führungsrolle („Empty Cup“, „Everything Has Its Time“), mal fallen die Bläser („Stupid Love“) besonders auf. Wie die zweite Single „Take It Like A Man“ bewegen sich die meisten Stücke insbesondere in der ersten Hälfte des Albums im unteren Tempobereich.

Das einzige Stück mit einem Upbeat ist das lockere „Here He Comes“. Der Titel wurde als letzter aufgenommen, wurde aber in der Mitte des Albums geschickt platziert. In der zweiten Hälfte des Longplayer zieht Shires das Tempo gemäßigt an und gibt ihren Kompositionen „Bad Behavior“ und „Lonely At Night“ leicht jazzige Züge mit. Die Klangfarbe ihrer Stimme würde man wahrscheinlich eher im Country verorten, aber Shires setzt ihre Stimme durchaus variabel ein und steht gesanglich bei sämtlichen Songs ihren Mann.

In den dunklen Momenten fesselt Amanda Shires Album „Take It Like A Man“. Vor allem mit dem expressiven „Hawk For The Dove“ setzt sie ein Ausrufezeichen als Songwriterin und Musikerin. Darüber hinaus finden sich auf dem Album gelungene Balladen, sauber arrangiert mit vollem Begleitprogramm durch Streicher, Bläser und Keys. Diese werden bei einem eher auf Harmonien bedachtem Publikum in Nashville und Umgebung sicherlich Anklang finden.

ATO Records/PIAS-Rough Trade (2022)
Stil: Americana

Tracks:
01. Hawk For The Dove
02. Take It Like A Man
03. Empty Cup
04. Don’t Be Alarmed
05. Fault Lines
06. Here He Comes
07. Bad Behavior
08. Stupid Love
09. Lonely At Night
10. Everything Has Its Time

Amanda Shires
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Pias/Rough Trade
Oktober Promotion

Arlo McKinley – This Mess We’re In – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach der Veröffentlichung von „Die Midwestern“ (2020) stand Arlo McKinley in den Startlöchern, als Musiker durchzustarten und seine Karriere voranzutreiben. Eine große internationale Tour war geplant, bevor ihn die Pandemie auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Damit nicht genug, kam es noch zu mehreren Todesfällen in Familie und engem Freundeskreis. McKinley blickt also auf schwere Zeiten zurück, einschließlich Alkohol- und Drogensucht. Mit „This Mess We’re In“ kämpft er sich aus diesem finsteren Tal, bereit nach vorne zu blicken.

Mit der Vorgeschichte und dem Titel dürfte klar sein, in welche Richtung die elf Songs des Albums gehen. Es ist keine Partyscheibe geworden, sondern ein getragenes und introvertiertes Werk, das sich für ruhige Stunden anbietet. Der zweiundvierzigjährige McKinley gewährt dem Hörer einen Einblick in sein Innenleben und nimmt ihn mit auf eine Reise durch seine bisherigen Lebenserfahrungen. In diesen findet man seine eigenen durchaus in der einen oder anderen Hinsicht wieder, sodass man eine Beziehung zu den Songs aufbaut. Durch die reflexive Selbstbeobachtung in den Texten finden sich Parallelen zu BJ Barham, der mit American Aquarium unlängst „Cicamacomico“ vorlegte. Neben diesem reiht sich „This Mess We’re In“ nun als weiteres, diesjähriges Referenzwerk ein, an dem sich andere Musiker in Sachen Authentizität messen lassen müssen.

Bei der Produktion vertraute McKinley erneut Matt Ross-Spang (Jason Isbell, The Allman Betts Band, Charley Crockett), der bereits „Die Midwestern“ betreute. Wie auf dem vorangegangenen Album setzt McKinley bei den Arrangements seiner Songs auf eine vollständige Bandbegleitung, diesmal durch orchestrale Streicher ergänzt. Auf dem Titelstück und auf „I Wish I“ sind die Streicher besonders opulent vertreten, passen sich in der Kombination mit einem Klavier aber sehr gut in die melancholische Stimmung der Songs ein. McKinley findet so eine Alternative zur Steel Pedal, die sich häufiger als Untermalung im Americana findet.

Bei anderen Stücken übernimmt eine akustische Gitarre die Führungsrolle, so bei „Dancing Days“ oder beim Opener „I Don’t Mind“, bei dem die Streicher später kräftig einsteigen. Elektrische Gitarren werden seltener ausgepackt, sorgen aber bei „Rushintherug“ für einige Akzente. Die Songs bewegen sich im unteren („Stealing Dark From The Night Sky“)
bis mittleren („Back Home“) Tempobereich, unterscheiden sich jedoch aufgrund der Refrains, die oft einen hohen Wiedererkennungswert haben, sowie durch rhythmische Variationen („Where You Want Me“) voneinander. Die Spannweite reicht von leicht countryfizierten Balladen („City Lights“) bis zu fast hymnischen Beiträgen („Here’s To The Dying“).

Die Scheibe überzeugt durch das ausgereifte Songwriting, das sich bei mehrmaligen Durchläufen immer mehr erschließt, und die angenehme Klangfarbe von McKinleys Stimme. Das Album wirkt homogen, aber niemals langweilig. Das Stück, das sich direkt von den anderen abhebt ist „To Die For“. Der rockigste Track auf dem Longplayer geht sofort ins Ohr und bekommt, wenn die Orgel einsetzt, eine gewaltige Wucht. Der mittig platzierte Song bildet so einen gelungenen Kontrast zu den anderen und schafft es sicher auf meine persönliche Bestenliste von 2022.

„This Mess We’re In“ besticht durch seine lyrischen Qualitäten und seine mehrschichtigen Kompositionen. Arlo McKinley kleidet seine authentisch wirkende Auseinandersetzung mit seinen vergangenen Krisen in ruhige Songs und setzt dabei auf ausgiebige Streicherarrangements. Während das Gesamtwerk nach wiederholten Durchläufen einen immer größeren Eindruck hinterlässt, liefert McKinley mit „To Die For“ einen herausragenden Einzeltitel ab, der sich unmittelbar in die Gehörgänge einbrennt.

Oh Boy Records – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Americana

Tracks:
01. I Don’t Mind
02. City Lights
03. Back Home
04. Stealing Dark From The Night Sky
05. To Die For
06. Dancing Days
07. This Mess We’re In
08. Rushintherug
09. Where You Want Me
10. Here’s To The Dying

Arlo McKinley
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

American Aquarium – Chicamacomico – CD-Review

Review: Michael Segets

„In meiner sechzehnjährigen Karriere war ich noch nie stolzer auf eine Reihe von Songs, weder textlich noch stilistisch. Sie haben Gewicht, aber sie sind nicht beschwert. Es ist eine traurige Platte, die einem ein gutes Gefühl gibt.“ Mit diesen Worten beschreibt BJ Barham sein neues Album „Chicamacomico“, das er mit seiner Band American Aquarium einspielte. Nun ist immer Vorsicht geboten, wenn Musiker über ihr aktuelles Werk sprechen. Tendenziell ist es stets das beste ihrer Karriere. Im Falle von „Chicamacomico“ bin ich aber geneigt, der Einschätzung von Barham zu folgen.

Mit der CD legt American Aquarium den insgesamt stärksten Longplayer der Bandgeschichte vor, bei dem jeder Song ein ziemlich hohes Niveau hält. Auf ihren früheren Veröffentlichungen finden sich zwar herausragende Songs, die als Einzeltitel die neuen Tracks toppen, als Gesamtwerk ist „Chicamacomico“ allerdings die erste Wahl aus dem Bandkatalog, auch wenn es mit seinen zehn Tracks nur auf eine gute halbe Stunde Spielzeit kommt.

Die Songtexte handeln von Verlust, Trennung und Abschied. Jede Textzeile wirkt authentisch und persönlich. Die aufgegriffenen Situationen, wie beispielsweise der Tod von Familienangehörigen oder das Ende von Beziehungen, durchlebt wohl jeder Mensch, daher haben die Texte etwas allgemeingültiges. Die Gefühle und Gedanken, an denen uns Barham teilhaben lässt, zeugen von einer hohen Sensibilität und einer schonungslosen Reflexivität. Diese wird beispielsweise bei „Little Things“ deutlich, wenn er davon singt, wie sich sein Selbstverständnis im Laufe der Zeit wandelte. Verstand er sich früher als Musiker mit Familie, fühlt er sich nun als Vater und Ehemann, der Musik macht. In den nuancierten Lyrics liegt ein Grund, warum Barham zu den besten Songwritern seiner Generation zählt.

Die Kraft der Musik, die helfen kann, mit dem Leiden an dem Schicksal umzugehen, beschwört er beim abschließenden „All I Needed“. Der Schlusstrack ist zugleich das rockigste Stück auf der CD. Bei „Built To Last“ schlagen American Aquarium ebenfalls kräftigere Töne an, ansonsten bewegt sich das Album in ruhigen Gefilden. Nicht nur thematisch, auch musikalisch stellt sich „Chicamacomico“ daher als sehr homogen dar. Die einzelnen Songs bleiben dennoch gut unterscheidbar, was vor allem an den eingängigen und ausgefeilten Refrains liegt. Unterstützung beim Songwriting holte sich Barham bei Lori McKenna und Hayes Carll.

Jeder Titel entwickelt seinen eigenen Reiz, der mit mehrmaligen Hören noch wächst. Daher bleibt es eigentlich überflüssig, einzelne hervorzuheben. Bei den ersten Durchläufen fallen „Little Things“ und „Wildfire“ auf. Mittlerweile sprechen mich der Titeltrack sowie „The First Year“ besonders an. Bei dem vorangegangenen Album „Lamentations“ (2020) fuhren American Aquarium bereits die Country-Einflüsse zurück. Auf „Chicamacomico“ sind sie minimiert – am deutlichsten noch bei „Just Close Enough“ durchscheinend – und auch die Pedal Steel ist insgesamt nicht mehr so dominant wie auf einigen früheren Werken. Gesanglich zeigt sich Barham auf der Höhe und setzt mit ihm überraschende Akzente („The Hardest Thing“).

Das Line-Up von American Aquarium weist wenig Kontinuität auf. Als derzeitige Mitglieder begleiten Zack Brown (Klavier), Bill Corbin (Bass), Colin DiMeo (Gitarre), Ryan Johson (Gitarre), Kevin McClain (Schlagzeug) und Whit Wright (Pedal Steel) Barham bei seinem Bandprojekt. Brad Cook löst Shooter Jennings, der beim sozialkritischen „Lamentations“ mitarbeitete, als Produzent ab.

Mit „Chicamacomico“ ist American Aquarium, der Band von BJ Barham, ein Geniestreich gelungen. Wie das Cover zunächst unscheinbar wirkend entwickelt jeder einzelne Song bei näherer Betrachtung Tiefe. Trotz der schweren Thematik, die um Verluste kreist, hat das Werk eine reinigende und befreiende Wirkung jenseits aller Durchhalteparolen. Die Konstanz der Songqualität macht „Chicamacomico“ zum bislang gelungensten Longplayer von American Aquarium und wahrscheinlich auch zum besten Americana-Album dieses Jahres.

Losing Side Records – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Americana

Tracks:
01. Chicamacomico
02. Little Things
03. Just Close Enough
04. The First Year
05. Built To Last
06. Wildfire
07. The Things We Lost Along The Way
08. Waking Up The Echoes
09. The Hardest Thing
10. All I Needed

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Oktober Promotion

Patty Griffin – Tape – Home Recordings & Rarities – CD-Review

Review: Michael Segets

Was macht man so, wenn man als Musikerin während einer Pandemie zuhause sitzt? Anscheinend googelt man sich selbst. Patty Griffin jedenfalls durchforstete das Internet, speziell diverse Streaming-Dienste, nach Treffern ihrer Stücke. Vor allem Playlists von raren Tracks weckten ihr Interesse. Was sie dort fand, riss sie zwar nicht vom Hocker, inspirierte sie aber, sich ihr persönliches Archiv vorzunehmen. Dort stieß sie auf einige Songs, die in Vergessenheit geraten waren und von denen sie denkt, dass sie nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. So wurde der Grundstein zu „Tape – Home Recordings & Rarities“ gelegt.

Letztlich schafften es zehn Titel auf das Album. Sie stammen von Heimaufnahmen, teilweise mit Band, und einer Studio-Demosession in Nashville. Die Klangqualität ist vielleicht nicht durchgehend perfekt, aber Griffin kommt es auf das Gefühl an, das die Aufnahmen rüberbringen. Dieses bei einer Performance zu aktivieren, fällt ihr nach eigener Aussage alleine leichter als in einem Studio mit etlichen anderen, technikfixierten Personen. Viele Songs transportieren tatsächlich eine intime Stimmung, unabhängig davon, ob sie sich am Klavier oder der akustischen Gitarre begleitet.

Bei den Stücken, die mit dem Klavier eingespielt wurden, entwickelt „Night“ eine besondere Atmosphäre, wobei „Forever Shall Be“ und „Sundown“ ihm nicht viel nachstehen. Aus meiner Sicht verzichtbar wäre das instrumentelle „Octaves“ gewesen. Soundtechnisch eine Nuance schwächer erscheinen die Tracks mit akustischer Gitarrenbegleitung. Vom Song her gesehen überzeugt vor allem „Get Lucky“ und wurde zu Recht als erster ausgekoppelt. Gelungen ist ebenso die Ballade „Kiss Of A Man“, bei der deutlich wird, warum Griffin als renommierte Folksängerin und Songschreiberin gilt.

Das kurze und flottere „Strip Of The Night“ sowie „One Day We Could“ sorgen dafür, dass sich die Anzahl der durch Gitarre beziehungsweise Klavier begleiteten Titel die Waage hält. Hinzu kommen noch zwei mit Band eingespielte Stücke. „Don’t Mind“ sticht auf dem Album heraus. Der Blues lebt von der Orgel, die den Song dominiert. „Little Yellow House“ passt sich hingegen nahtlos in den Kanon der übrigen Balladen ein.

Die mehrfach ausgezeichnete Musikerin aus Maine arbeitete bereits mit Emmylou Harris, Robert Plant und Buddy Miller zusammen. Mit The Chicks geht Griffin diesen Sommer erneut auf Tour und beteiligt sich ebenso bei Rodney Crowells Songwriting Camp in Nashville. Während der Konzertreise durch die USA verkauft sie eine limitierte Edition von „Tape“ stilecht als Audiocassette. Die europäischen Fans werden es schwer haben, an dieses Sammlerstück zu kommen.

In Ergänzung und zur Komplettierung der Sammlung richtet sich „Tape – Home Recordings & Rarities“ in erster Linie an die langjährigen Fans von Patty Griffin. Aus ihrem Privatarchiv stellt sie zehn, zumeist auf die Begleitung durch Gitarre oder Klavier reduzierte Songs zusammen, die sie unverstellt von ihrer sensiblen Songwriter-Seite zeigen. Für diejenigen, die mit Griffins Werk nicht so vertraut sind, stellt der Griff zu ihrem Debüt „Living With Ghosts“ aus dem Jahr 1996 die bevorzugte Wahl dar.

PGM Recordings/Thirty Tigers-Membran (2021)
Stil: Folk/Americana

Tracks:
01. Get Lucky
02. One Day We Could
03. Strip of Light
04. Don’t Mind
05. Sundown
06. Little Yellow House
07. Night
08. Kiss of a Man
09. Octaves
10. Forever Shall Be

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Oktober Promotion

David Newbould – Power Up! – CD-Review

Review: Michael Segets

Das space-ige Cover von „Power Up!” im Comicstil ist schon eigenwillig. Auch musikalisch geht David Newbould seinen eigenen Weg und scheint sich wenig um Konventionen zu scheren. Er scheut nicht vor ungewöhnlichen, zwischen Rock und Americana angesiedelten Arrangements zurück. Diese funktionieren mal besser, mal sind sie gewöhnungsbedürftig, wenn man wie ich eher ein Freund gradliniger Songs ist.

„Power UP!“ startet zwischen Rock und Funk mit dem temporeichen Titelsong. Newbould unterlegt seinen Gesang mit Hall, streut ein Sprachintermezzo und ein Saxophon-Solo ein. Nach dem wilden Einstieg mit einigen Soundvariationen kommt „Peeler Park“ zunächst gradlinig rockend daher, bevor es mit einem expressiven Gitarrenpart eine härtere Gangart anschlägt. „Blood On My Hands“ und „The Lawn“ sind im Vergleich gemäßigter. Mit ihrem akzentuierten Rhythmus und vollem Sound wirken sie ebenfalls rockig, wobei sie auch als opulenter Americana durchgehen könnten. Newbould zeigt gesanglich viele Facetten. Vor allem bei „Blood On My Hands“ erzeugt er Gänsehautmomente, allerdings sind ein paar langgezogene Passagen auch überbordend.

Mit „Home Depot Glasses“ fährt Newbould das Tempo deutlich runter. Er trägt die John Prine gewidmete zweite Vorabauskopplung im Sprechgesang vor. Bereits im letzten Jahr erschien „Ready For The Times To Get Better“. Der von Allan Reynolds geschriebene Song stellt ein Highlight auf der CD dar. Untermalt durch die Geige von Kristen Weber entwickelt er einen schönen Retrocharme. Mein unangefochtener Favorit auf dem Album ist allerdings „Last Letter“. Mit kräftigen Gitarren und dynamischen Background Vocals von Bee Taylor hat der rhythmische Song gehörig Power.

In der zweiten Hälfte finden mit „One Last Dance“ und „That Was Another Time“, das mit einer dramatischen Spannungskurve Fahrt aufnimmt, nochmal am Rock orientierte Titel ihren Platz. Daneben verläuft „Sunrise Surprise“ in ruhigen Americana-Bahnen. Newbould verzichtet hier auf überraschende Arrangements oder gewollt ausdrucksstarken Gesang und liefert so einen soliden Song ab. Das abschließende „Diggin‘ In“ ist ebenfalls semi-akustisch gehalten, wobei es mit einem kurzen instrumentalen Jam endet.

Der Kanadier, der über New York schließlich in Nashville gelandet ist, veröffentlicht seit fast einem Vierteljahrhundert seine Musik und hat bislang zehn LPs und EPs herausgebracht. Mit Ausnahme des bereits erwähnten „Ready For The Times To Get Better“ stammen alle Songs des neuen Albums aus der Feder von Newbould, wobei der Opener von Scot Sax, der die CD auch produzierte, mitgeschrieben wurde.

Auf „Power Up!“ lässt David Newbould seiner Kreativität freien Lauf und beweist als Komponist und Sänger eine große Bandbreite. Bei manchen Arrangements und stimmlichen Variationen wäre weniger vielleicht mehr gewesen, aber durch sie hebt sich Newbould von anderen Musikern ab, die in Sachen Rock und Americana unterwegs sind.

Blackbird Record Label (2022)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Power Up!
02. Peeler Park
03. Blood On My Hands
04. The Lawn
05. Home Depot Glasses
06. Ready For The Times To Get Better
07. Last Letter
08. One Last Dance
09. That Was Another Time
10. Sunrise Surprise
11. Diggin’ In

David Newbould
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Delbert McClinton – Outdated Emotion – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Ich war schon immer ein Flüchtling vor dem Gesetz der Durchschnittswerte.“ sagt Delbert McClinton, der vom Rolling Stone Magazin als ‚Godfather of Americana Music‘ betitelt wird, sehr selbstbewusst über sich. Nun ja, der 81-jährige ist vierfacher Grammy-Preisträger und Empfänger des Lifetime Achievement Award der „Americana Music Association. Delbert McClinton kann sich das daher, nicht nur aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, wohl auch leisten. Sein 27. Studioalbum „Outdated Emotion“ wird sich allerdings trotzdem daran messen lassen müssen.

Mit seinem neuesten Werk hat sich McClinton nach eigener Aussage den Traum erfüllt, ein Album mit Songs zu produzieren, die ihn seit seiner Jugend am meisten beeinflusst haben. So finden sich auf der Scheibe insgesamt 16 Tracks u. a. von Hank Williams mit drei flotten Americana-Standards („Settin‘ The Woods On Fire“, „Jambalaya“ und „Move It On Over“), von Jimmy Reed („Ain‘t That Lovin‘ You“ und „I Ain‘t Got You“) sowie von Little Richard mit der wilden pianogetriebenen Boogie-Woogie-Nummer „Long Tall Sally“. Hinzu gesellen sich dann auch noch fünf eigene Songs

Die Scheibe startet mit dem Klassiker „Stagger Lee“, einem flotten Shuffle über den schwarzen Zuhälter und Kutscher Lee Shelton, der am Heiligabend 1895 seinen Kumpel William „Billy“ Lyons ermordete. Nach dem bereits erwähnten „Settin‘ The Woods On Fire“ folgt mit „The Sun Is Shining“ ein gemütlicher eigenkomponierter Shuffle bevor es mit „One Scotch, One Burbon, One Beer“, ursprünglich von Amos Milburn komponiert, weitergeht. Hier klingt allerdings die John Lee Hooker-Version des Songs von 1962 wesentlich authentischer als McClintons neue Adaption.

Aus McClintons eigener Feder stammen die Americana-Titel „Two Step Too“ und „Money Honey“, der sehr schöne Piano- und Percussionblues „Conneticut Blues“ und der Midtemposong „Sweet Talkin‘ Man“. Zwischendurch taucht dann noch der 1973‘er Slowblues von T-Bone Walker „I Want A Little Girl“ auf, der später auch von Eric Clapton gecovert wurde, auf.

Die beiden Rausschmeißer bilden zum Abschluss der Pianoblues „Hard Hearted Hannah“ von Milton Ager und „Call Me A Cab“, wiederum eine Eigenkomposition von McClinton in Form eines halbminütigen Sprechgesanges mit Kontrabassbegleitung.

Mit „Outdated Emotion“ kehrt Delbert McClinton mit seiner warmen Stimme zu den Wurzeln seiner Musik zurück, wobei er von kraftvollen Bläsersätzen und einer starken Rhythmusfraktion unterstützt wird. So schließt sich also der Kreis, indem McClinton altbekannten Tunes aus Rock, Blues, Jazz und Country ein neues Leben einhaucht. Americanafans wird beim Hören dieser Scheibe sicherlich das Herz aufgehen, Delbert McClinton ist und bleibt der „Godfather Of Americana Music“.

Label: Hot Shot Records/Thirty Tigers
Stil: Americana

Tracks:
01. Stagger Lee
02. Settin‘ The Woods On Fire
03. The Sun Is Shining
04. One Scotch, One Burbon, One Beer
05. Long Tall Sally
06. Two Step Too
07. I Want A Little Girl
08. Ain‘t That Lovin‘ You
09. Jambalaya
10. Conneticut Blues
11. I Ain‘t Got You
12. Move It On Over
13. Hard Hearted Hannah
14. Sweet Talkin‘ Man
15. Money Honey
16. Call Me A Cab

Delbert McClinton
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Oktober Promotion

John Mellencamp – Strictly A One-Eyed Jack – CD-Review

Review: Michael Segets

Wie die Zeit vergeht! Fünf Jahre liegt nun das letzte Studioalbum von John Mellencamp mit eigenen Songs zurück. Mit „Strictly A One-Eyed Jack“ setzt der Siebzigjährige seine musikalische Reise fort. Von den wilden Anfangsjahren als Rockstar hat sich Mellencamp nach seinem Herzinfarkt in den 1990ern verabschiedet. Bereits vorher verschob sich seine musikalische Orientierung vom Heartlandrock zum Folkrock.

Dabei verlief diese Entwicklung nicht kontinuierlich und auch für andere Musikstile zeigte er sich zwischenzeitlich offen. Seine Alben der letzten fünfzehn Jahre sind tendenziell ruhiger geworden. Die Songs auf „Strictly A One-Eyed Jack“ bewegen sich in Americana- sowie gemäßigten Folkrock-Gefilden und werden durch Blueseinflüsse ergänzt.

Mittlerweile hat sich die Klangfarbe seiner Stimme etwas geändert, sie liegt bei manchen Stücken irgendwo zwischen Tom Waits und Louis Armstrong. Geblieben ist die Vorliebe für die erdige Begleitung seiner Songs, bei denen eine Geige oftmals zum Zuge kommt.

So baut Mellencamp unter anderem beim akustisch gehaltenen „I Always Lie To Strangers“ eine stimmungsvolle Passage für das Instrument ein. Während der Opener auf ganzer Linie überzeugt, wirkt „Driving In The Rain“ etwas altbacken, nicht zuletzt durch den säuselnden Backgroundgesang am Ende des Stücks.

Die Melodie von dem kurzen „Streets Of Galilee“ wird von einem Klavier getragen, was bei Mellencamps früheren Veröffentlichungen sonst eher selten vorkommt. Das Piano steht ebenso beim bluesigen „Gone So Soon“ im Zentrum. Im Verlauf des Songs läuft eine Trompete ihm allerdings den Rang ab. Das Stück hat einen Retro-Charme, der ebenso von „Chasing Rainbows“ – eine runde, entspannte Nummer – mit seinem Chor versprüht wird. Dem leicht angejazzten Blues „I Am A Man That Worries“ kann man hingegen einen gewissen Drive nicht absprechen.

Eine elektrische Gitarre setzt bei „Sweet Honey Brown“ Akzente. Richtig folkrockig wird es aber erst mit „Simply A One-Eyed Jack” und besonders mit dem schnelleren „Lie To Me“. Ebenfalls rockige Töne schlägt „Did You Say Such A Thing“ an. Bruce Springsteen steuert hier die Background-Vocals bei. Springsteen wirkt auch auf „A Life Full Of Rain“ mit.

Höhepunkt der Kollaboration der beiden Altrocker stellt allerdings das Duett „Wasted Days“ dar. In den achtziger Jahren wurde in der Presse mehrfach eine Konkurrenz von Mellencamp und Springsteen kolportiert und durch ständige Vergleiche konstruiert. Umso schöner ist, dass die beiden nun – meines Wissens das erste Mal – gemeinsam ins Studio gegangen sind.

Mellencamp, der sich früher mehrmals politisch und sozial mit seiner Musik engagierte, bleibt diesmal bei persönlichen Themen. Wahrheit und Lüge sowie das Motiv des Regens finden sich mehrmals in Titeln und Texten. Etwas Nostalgie schwingt dabei mit, welche sich auch gelegentlich in der musikalischen Begleitung widerspiegelt.

John Mellencamp tritt bei „Strictly A One-Eyed Jack“ als gereifter Sänger und Songwriter auf. Bei seinem 25. Studioalbum behält er seinen Stil der letzten Veröffentlichungen bei, unternimmt allerdings einzelne Ausflüge zurück in Richtung Folkrock. Ein Highlight ist sicherlich das Duett mit Bruce Springsteen „Wasted Days“. Auch wenn nicht jeder Track einen Volltreffer darstellt, verschwendet man keinesfalls seine Zeit mit dem Werk.

Republic Records/Universal Music (2022)
Stil: Americana/Folkrock

Tracks:
01. I Always Lie To Strangers
02. Driving In The Rain
03. I Am A Man That Worries
04. Streets Of Galilee
05. Sweet Honey Brown
06. Did You Say Such A Thing (feat. Bruce Springsteen)
07. Gone So Soon
08. Wasted Days (feat. Bruce Springsteen)
09. Simply A One-Eyed Jack
10. Chasing Rainbows
11. Lie To Me
12. A Life Full Of Rain (feat. Bruce Springsteen)

John Mellencamp
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Republic Records

Jeffrey Halford & The Healers – Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019) – CD-Review

Review: Michael Segets

Der in Kalifornien lebende Jeffrey Halford ist wieder in seiner Heimat zurückgekehrt, nachdem seine Europa-Tour letzten Monat endete. Die Konzerte habe ich verpasst, aber dennoch gaben sie Anlass, mal in das hierzulande wenig bekannte Werk des Songwriters rein zu hören. Dafür bietet sich die Best-Of-Scheibe „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ geradezu an.

Der als Straßenmusiker seine Karriere beginnende Halford tourte bereits mit einigen namhaften Größen wie Taj Mahal, Los Lobos, George Thorogood, Gregg Allman, Etta James, John Hammond, Guy Clark und Robert Earl Keen. Auf der Compilation blickt er auf zwanzig Jahre seines Musikschaffens zurück und wählte dafür zwanzig Songs von sieben Alben aus. Die Stücke sind chronologisch auf der CD versammelt und geben so einen Einblick in die Stationen seiner musikalischen Entwicklung.

Das Album beginnt mit dem starken Roots-Rocker „Bad Luck“, das wie „Creole Moon“ von „Kerosene“ (1999) stammt. Danach folgen zwei Tracks („Radio Flyer“, „Lost And Found“) unter Beteiligung von Chuck Prophet (Green On Red). Im Original wurden sie gemeinsam mit „Satchel’s Fastball“, bei dem The Gospel Hummingbirds mitwirken, auf „Hunkpapa“ (2001) veröffentlicht. Neben weiteren rockigen Stücke („Nine Hard Days“, „Watching The Trains“) finden sich akustisch gehaltene Songs („Railbirds“, „Sea Of Cortez“) auf der Zusammenstellung. Eine besondere Dynamik entwickelt „Rainmaker“, das zu den herausstechenden Songs gehört. Weniger überzeugend ist „West Towards South“, bei dem Halford mit seinem Sprechgesang eher experimentelle Töne anschlägt.

„Lousiana Man“ groovt, nicht zuletzt durch die Orgel von Augie Meyers (Sir Douglas Quintett, Texas Tornados, Bob Dylan). Diese treibt auch durch den Tex-Mex „In A Dream“. Einen Ausflug in den Country unternimmt „Deeper Than Hell“. Ansonsten sind mehrere Titel dem Americana zuzuordnen, der in einer meist rockigen Richtung interpretiert wird. Abwechslungsreich ist der Gitarreneinsatz. Eine Resonator-Gitarre ist bei „North Beach“ sowie bei „Elvis Shot the Television“ zu hören. Eine dunkle, staubige Atmosphäre erzeugen die Saiten auf „Mexiko“, eine sanfte der Slide bei „Two Jacksons“. Die Melodie einer akustischen Gitarre trägt „10,000 Miles“.

In seiner Werkschau „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ zeigen Jeffrey Halford & The Healers mehrere Facetten. Zwischen Rock und Americana verarbeiten sie Einflüsse von Gospel und Country, wobei auch moderate Experimente ihren Platz finden. Insgesamt gibt das Album einen abwechslungsreichen Einblick in den bisherigen Output von Halford, bei dem der Eindruck entsteht, dass sich in jüngerer Zeit eine Entwicklung in Richtung Americana abzeichnet. Um dies zu bestätigen, müssten der Backkatalog näher gesichtet und die nächste Veröffentlichung abgewartet werden. Auf meiner Konzertliste stehen Jeffrey Halford & The Healers jedenfalls, wenn sie wieder den Sprung über den Atlantik machen.

Continental Song City – in-Akustik (2020)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Bad Luck
02. Creole Moon
03. Radio Flyer
04. Lost And Found
05. Satchel’s Fastball
06. Nine Hard Days
07. Watching The Trains
08. Railbirds
09. Louisiana Man
10. In A Dream
11. Mexico
12. Rainmaker
13. North Beach
14. Two Jacksons
15. Door ‘3
16. Elvis Shot The Television
17. 10,000 Miles
18. West Towards South
19. Deeper Than Hell
20. Sea Of Cortez

Jeffrey Halford & The Healers
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Andrew Waite – Same – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Ausgestattet mit einem Universitäts-“Degree of Music Education“ veranstaltet der kanadische Musiker Andrew Waite seit Jahren Island Rock Camps für Studierende. Als der aus Charlottetown, Prince Edward Insel (Ostküste Kanadas) stammende Singer/Songwriter und Gitarrist 2018 seinen Debut-Longplayer „Tremors“ vorstellte, waren gleich eine ganze Reihe von Award-Nominationen, bis hin zum ‚Songwriter of the Year‘ fällig.

Waite, der Bruce Springsteen, Jason Isbell, aber auch den Iren Glen Hansard, sowie den Kanadier Dan Mangan als einflussreiche Vorbilder nennt, veröffentlicht nun sein zweites Solo-Werk. Mit den spielerisch, fließend ineinander verlaufenden Initialen „AW“ auf dem Plattencover, macht das Rock-Album jedoch nur unauffällig und bescheiden Werbung für den Inhalt. Diese spielerisch, aber gleichzeitig schöpferisch tiefgreifende Art des Songwritings verkörpert Andrew Waite ebenso in seinen Lyrics. Hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit Produzent Chris Kirby und Colin MacDonald (Sänger der in Kanada sehr bekannten Rockband The Trews), die teilweise im Co-Writing beteiligt sind.

Dementsprechend fungiert der erste Titel des neuen Longplayers „Ain’t Goin‘ Out Like That“ wie ein Powerhouse-Opener, ein Energie-versprühender 4-Minuten „Knaller“, der unvermittelt an die Anfangsjahre des „Boss“ erinnert – der perfekte Track für die erste Single! Auch die zweite Nummer „Full Time, Tryin‘ 2 Luv“, die im Upbeat-Tempo das Album vorantreibt, ist schon vorab zu hören und beweist ihren Full-Time-Dance-Status mühelos.

Das intuitive Stück „Silence“, ebenfalls bereits veröffentlicht, entfaltet seine sprichwörtliche Ruhe in Form einer „Music to comfort the Soul“, bevor mit „Best I’ve Ever Had“ ein Country-Rock folgt, der in seinen Strukturen dem Heartland-Sound durchaus ähnlich wirkt. Kraftvolle Inszenierungen von „Call Me In The Morning“ und „World’s Burning Down“ beschreiben zusammen mit Waite’s stimmlichen Fähigkeiten deutlich seine rockige Handschrift.

Der alternativ-soundige Track „Numb“ und der Folk-Rock „It Won’t Come Easy“ – mit Fiddel, Banjo und einladenden Vocals sorgen für akustische Abwechslung im ansonsten geradlinigen LP-Programm. Eine ausdrückliche Springsteen-Hommage (Verszeile: „Springsteen could get me so far“) bietet als vorletztes Stück die Hymne „Dopamine“. In diesem Fall ein musikalischer Botenstoff für positive Gefühlserlebnisse, die ganz leise in „Where Did The Night Go“ und stimmungsvoller Begleitung zu Ende gehen.

Mit seinem gleichnamigen Album versucht der kanadische Americana-Soul-Rocker Andrew Waite den Debüt-Erfolg seines Erstlingswerks zu wiederholen und überzeugt auf ganzer Linie mit einer insgesamt frischen Produktion. Der Longplayer des leider hier noch unbekannten Songschreibers enthält jedoch einen soliden Vorgeschmack auf die schon lange geplante Europa-Tournee.

Eigenproduktion (2021)
Stil: Americana, Country-Rock

Tracks:
01. Ain’t Goin‘ Out Like That
02. Full Time, Tryin‘ 2 Luv
03. Silence
04. Best I’ve Ever Had
05. Numb
06. Best I’ve Ever Had
07. World’s Burning Down
08. It Won’t Come Easy
09. Dopamine
10. Where Did The Night Go

Andrew Waite
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