Vanderlinde – Live Trails – CD-Review

VDL_300

Review: Stephan Skolarski

Die seit Jahren vorbildliche Musikkultur in den Niederlanden lässt teilweise mit ein wenig Neid zu unserem „kleinen“ Nachbarn hinüberschauen. Nicht nur, dass fast jede internationale Band auf Tour immer einen Stop dort einlegt, auch die eigene Musikszene glänzt seit langem mit vielen unterschiedlichen Acts.

Vanderlinde, die sich nach ihrer treibenden Kraft, Bandleader Arjan van der Linde, benannt haben, bringen mit „Live Trails“ ihr erstes Live-Album heraus, das in Groningen aufgenommen wurde. Erwähnt werden muss die lobenswerte Idee der Band, die Einnahmen des Albums für wohltätige Zwecke zu Gunsten eines Waisenhauses in Ecuador zu spenden.

Der beschwingte Opener „The Difference“ bildet einen guten Auftakt für diese umfangreiche Live-Sammlung. „In One Day“ weist klare R.E.M.-Reminiszenzen auf, mit radiotauglichem Refrain, der sich schnell im Gehörgang festsetzt. Die schöne Akustik-Gitarren-Begleitung auf „Spending It All Jack“ lässt den Song sehr melodisch wirken und schließt mit einem fulminanten Gitarrensolo ab.

Hervorzuheben ist bereits jetzt Gitarrist Wietze Koning, der auf „When You Walk On By“ mit einem stimmigen und interessanten Solo begeistern kann. Das fünfte Stück „I’ll Weep Tonight“ ist ein langsames, harmonisches Duett und fügt sich mit der ausgefeilten Hookline gut in die Klangbilder ein. „Little Things“ ist wunderschön instrumentalisiert; Hauptaugenmerk sollte hier aber die Stimme van der Lindes sein, die sehr eingängig Erinnerungen an Michael Stipe aufkommen lässt. Mit „In Your World“ und „While The Devil Deals“ kommen zwei eher vom Country angehauchte Stücke, die dem Album einen kleinen Stilwechsel verpassen und ein wenig an eine Mischung aus den Eagles und Garth Brooks erinnern.

Das Gespür der Band für die richtige Stimmung findet sich auch auf den folgenden „Katie Lee“ und „Miss Molly“, die mit einem packenden Rhythmus aufwarten. Der letzte Song „She’s Rock’N’Roll“ wird von kräftigen Southern- und Blues Rock-Tönen getragen und bildet einen starken und powervollen Abschluss.

Leider kommt der Live-Sound in der Produktion nicht ausreichend zur Geltung. Das Potenzial für wuchtige und ausfüllende Stadionrock-Hymnen mit animierenden Mitsingrefrains a la R.E.M. oder U2 haben die Songs (noch) nicht. Vanderlinde stellen aber auf jeden Fall eine Bereicherung für die niederländische und europäische Musikszene dar und sind ein absoluter Geheimtipp für Liebhaber melodisch gut dosierter Rocksongs, die harmonisch eine schöne Soundlandschaft erschaffen.

Snakebite Records (2018)
Stil: Rock

01. The Differenece
02. In One Day
03. Spending It All Jack
04. When You Walk On By
05. I’ll Weep Tonight
06. Little Things
07. In Your World
08. While The Devil Deals
09. Katie Lee
10. Miss Molly
11. Across The Hall
12. She’s Rock’n’Roll

Vanderlinde
Vanderlinde bei Facebook
cmm – consulting for music and media

Greasy Tree – 03.02.2018, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

Greasy_haupt

Greasy Tree am 3.2.2018 im blue notez club. Das Powertrio aus Arkansas unter der Fahne von Teenage Head Music gab am Samstag ein tolles Konzert im Dortmunder Bluesclub.

Cameron Roberts, Red Dorton und Creed Slater betraten pünktlich um 20:15 Uhr die Bühne und legten los. Neben Eigenkompositionen aus ihrem Album „Greasy Tree“ spielten sie auch Songs wie „Red House“ (Jimi Hendrix), „Whipping Post“ (Allman Brothers), ein Medley von Led Zeppelin-Songs und Titel von ZZ Top, die im Zugabenteil das Konzert beendeten.

Dem treuen Stammpublikum im Blue Notez Club gefiel diese Mischung. Ein Gast meinte: „Eine Gitarre ein Bass und ein Schlagzeug, das reicht für gute Mucke.“ Recht hatte er. Das hat Spaß gemacht!

Line-up:
Cameron Roberts (guitar, vocals)
Dustin ‚Red‘ Dorton (bass, vocals)
Creed Slater (drums, vocals)

Bilder und Eindrücke: Peter Schepers

Greasy Tree
Greasy Tree bei Facebook
Teenage Head Music
Blue Notez Dortmund

Wade Bowen – Solid Ground – CD-Review

Bowen_300

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht, aber zu manchen Künstlern hat man irgendwie schon nach Hören des ersten Liedes einen ‚Draht‘, der einen dann im Verlauf der Karriere dieser nicht mehr los lässt. Ist bei mir jedenfalls oft so. Zu dieser Kategorie zählt für mich zweifellos Wade Bowen, den ich bereits seit seiner Mitwirkung bei West 84 und erst recht als Solo-Performer, zu einem meiner großen Lieblingsinterpreten zähle.

Der ist jetzt nach zwischenzeitlichen Kooperationen mit Randy Rogers wieder mit einer neuen Studio-Scheibe „Solid Ground“ am Start. Und um es vorwegzunehmen, eine überragende Arbeit, die der ursprünglich aus Waco stammende Texaner hier erneut abliefert. Das Schöne daran – Wade hat, trotz eines für ihn typischen musikalischen Red Dirt-Grundfundamentes, doch seinen Sound ein wenig spürbarer in Roots Rock/Americana-Gefilde variiert.

Das liegt zum einen an der produktionsseitigen Zusammenarbeit mit dem umtriebigen Kollegen Keith Gattis, als auch den vielen, hier integrierten, namhaften Musikern wie Black Crowes-Gitarrist Audley Freed, Jeff Trotts (Sheryl Crow), Fred Eltringham (The Wallflowers, Willie Nelson, Robert Plant), Billie Mercier (Ryan Adams, Lucinda Williams), Jenn Gunderman (Sheryl Crow), Rami Jaffe (The Wallflowers, Foo Fighters) und John Henry Trinko (Randy Houser), die quasi als Garanten eines Qualitätsproduktes bürgen.

Auch das Songwriting mit etablierten Musikern wie Gattis, Freed, Jon Randall, Andrew Combs, Jeremy Spillman, Charlie Worsham oder Seth James ließ allein schon vom Papier her, auf interessante Ergebnisse schließen, was sich am Ende auch mit elf durchgängig starken Tracks bestätigte.

Über Bowens warm-rauchige Wohlfühl-Stimme braucht nicht mehr viel geschrieben zu werden. Nicht, dass sie vermutlich schon unzählige Frauenherzen zum Dahinschmelzen gebracht haben dürfte, sie ist natürlich auch für solch einen beschrieben Sound ein idealer Wegbegleiter.
Grandios schon der Einstieg mit dem von Wade, Gattis und Freed komponierten, melancholisch-atmosphärischen „Couldn’t Make You Love Me“, gefolgt von dem grandiosen, durch Gattis allein kreierten Tex-Mex-Schwofer „Day Of The Dead“ (klingt unterschwellig wie die die texanische Abwandlung von „Hotel California“), mit toller Akkordeon-Untermalung und göttlich einsetzenden Mariachi-Trompeten zum Ende hin. Großartig!

Mit „So Long 6th Street“, „Acuna“, „Compass Rose“ oder „Anchor“ hat er vier hyper-melodische Stücke dabei, die seine Red Dirt-Klientel und auch Fans von Acts wie der Eli Young Band, No Justice & Co. begeistern werden. Die dazwischen liegenden Lieder wie „Broken Glass“, „Death, Dyin‘ And Develin‘ Eggs“ und „7:30“ bieten fantastisch instrumentierten Roots-/Americana-Stoff.

Und zur großen Überraschung schwenkt die Scheibe mit der launigen Uptempo-Nummer „Fell In Love On Whiskey“ und dem psychedelisch-düster-dämonenhaft umwehten „Calling All Demons“ (erinnert ein wenig an „Long-Haired Country Boy“) noch glatt in Richtung Southern Rock.

Mit „Solid Ground“ serviert uns Wade Bowen ein weiteres Meisterwerk seiner passablen Karriere. Der Titel wirkt, auch wenn man mit ‚solide‘ ja durchaus eine positive Begrifflichkeit suggeriert, angesichts der superben Leistungen aller Beteiligten auf diesem Werk, ungewollt ironisch, fast eher wie eine Art bodenlose Untertreibung. Ganz klar schon jetzt ein ganz heißer Anwärter auf das Album des Jahres 2018!

Thirty Tigers (2018)
Stil: Red Dirt/Roost Rock/Americana

01. Couldn’t Make You Love Me
02. Day Of The Dead
03. So Long 6th Street
04. Broken Glass
05. Death, Dyin‘ And Devilied Eggs
06. 7:30
07. Acuna
08. Compass Rose
09. Anchor
10. Fell In Love On Whiskey
11. Calling All Demons

Wade Bowen
Wade Bowen bei Facebook
Oktober Promotion

King King, 01.02.2018, Luxor Live, Arnheim – Konzertbericht

King_Haupt

Obwohl ich King King in den letzten Jahren live schon fast inflationär gesehen habe, gab es diesmal doch wieder gute Gründe, der Truppe des (in allen Beziehungen) schwergewichtigen Bandleaders Alan Nimmo (im obligatorischen Schotten-Rock und mit dementsprechend schottisch beflaggten, aus seinen Boots herausragenden Socken, auftretend), wieder einen Besuch abzustatten.

Zum einen ergab sich die Gelegenheit, die Band erneut im wunderschönen Luxor Live in Arnheim anzuschauen, örtlich für uns recht schnell und gut erreichbar, das uns ja beim Sass Jordan-Gig vor einigen Monaten, vom gesamten Ambiente her, richtig gut gefallen hatte.

Zweitens galt es wieder bei Fotografen-Kollege Gernot eine musikalische Bildungslücke zu schließen, der schändlicher Weise Nimmo & Co. bis dato überhaupt nicht kannte. Weiterhin hat King King ja mit „Exile & Grace“ ein neues Album am Start. Somit konnte man sich auch auf etwas neue Musik gefasst machen. Last but not least hatten die Briten mit Jonny Dyke (u. a. Amy McDonald, B.E.King, Patricia Kaas) einen neuen Keyboarder zu integrieren. Hier war die spannende Frage, wie er die nicht kleine Lücke, die Bob Frizdema hinterlassen hat, mit neuem Leben füllen wird.

Pünktlich wie ein schottischer Maurer betrat Nimmo mit seiner arrivierten Gefolgschaft Wayne Proctor, Lindsay Coulson und besagtem Jonny Dyke um 20:30 Uhr zu AC/DC-Klängen die, mit den herrlichen Verzierungen an den Seiten gerahmte, großzügige Bühne, im erneut beeindruckend beleuchteten Auditorium.

Und schon beim Opener stand das neue Werk im Fokus. Mit “(She Don’t) Gimme No Lovin‘” gab es einen zünftigen Rocker im Stile der legendären Combo Bad Company, die nicht nur aufgrund der Stimmähnlichkeiten zwischen Paul Rodgers und Alan Nimmo, auch im weiteren Verlauf bei vielen der dargebotenen Tracks durchschimmerte.

Mit den beiden eingängigen Ohrwürmern „Waking Up“ und „You Stopped The Rain“ (mit erster integrierter Publikumsinteraktion und zwei tollen Nimmo-E-Soli) des starken Vorgänger-Werkes „Reaching For The Light“, das auch diesmal immer noch den Hauptfokus des Gigs bildete, kam sofort gute Stimmung in den insgesamt ganz ordentlich besuchten großen Saal des Luxor Live.

Alan witzelte, dass er zum ersten Mal mit 12 Jahren im Rahmen eines internationalen Jugenfußballspiels in Arnheim gewesen ist, und natürlich gewonnen hatte. Er erklärte, dass die Schotten damals in dieser Alterssparte nahezu unschlagbar gewesen wären (vermutlich dank ihm…), erst in den darüber liegenden Stufen hätte es dann (bis heute) leider nicht mehr so geklappt (ich gehe davon aus, dass er da schon zur Gitarre übergeschwenkt war…).

Über „Broken“ (vom neuen Album), dem wunderbar atmosphärischen „Long History Of Love“ (Dyke brilliert mit Orgel-Solo), dem Stones-/Bad Co.-umgarnten Rocker „Lose Control“ (schöne HT-Fills von Dyke), das furiose „Rush Hour“ und dem weiteren, zünftigen „Exile & Grace“-Track „Long Time Running“, war die Zeit bereits wie im Nichts verflogen und es ging schon in Richtung Zielgerade.

Die hatte mit dem grandiosen „Stranger To Love“ , bei der die Band ihre ganze Klasse bewies und Alan zur berühmten, ganz verstärker-losen „Leisespielphase“ (man hörte nur die zarten Metallseiten seiner Gibson Les Paul klingen, sodass die ansonsten ja immer ziemlich redseligen Holländer sogar mal inne hielten) ansetzte und der funkigen, shuffligen, aber auch extrem launig abrockenden und klasse gespielten Nummer „All Your Life“ (inkl. Vorstellung der Band jeweils mit kleinen Solo-Einlagen) zum Abschluss des Hauptteils, ganz starke Kost zu bieten.

Da war natürlich noch nicht an Feierabend zu denken. Das Quartett bot dann mit der atmosphärischen Ballade „Find Your Way Home“ und dem dezent Southern soulig–garnierten Gute-Laune-Schunkler „Let Love In“, bei dem Nimmo seine Audienz nochmals zum Mitsingen der Refrainzeilen einbezog, äußerst vergnügliche Abschluss-Minuten.

King King war somit auch bei unserem zweiten Auslands-Einsatz wieder eine Reise wert. Eine typische Band vom Kaliber ‚kannste blind hingehen‘. Nimmo & Co. werden demnächst natürlich auch wieder in unseren Landen ‚vorsprechen‘, siehe hierzu unsere Konzert-Tipps. Danke von unserer Seite an das nette und hilfsbereite Luxor Live-Team sowie an das  kooperative KK-Management bezüglich der unproblematisch und glatt verlaufenen Akkreditierung.

Line-up:
Alan Nimmo (lead vocals, electric guitar)
Lindsay Coulson (bass)
Wayne Proctor (drums, backing vocals)
Jonny Dyke (keys, backing vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

King King
King King bei Facebook
Brooke Lynn Promotion
Luxor Live, Arnheim

Brian Fallon – Sleepwalkers – CD-Review

Fallon_300

Review: Michael Segets

Bruce Springsteen adelte den ebenfalls in New Jersey geborenen Brian Fallon, als er ihn bei seinem Konzert im Hyde Park 2009 auf die Bühne holte. Zuvor trat Fallon als Frontmann von The Gaslight Anthem in Erscheinung. Mit „Handwritten“ (2012) lieferte die Band ein Rockalbum ab, das zu den besten der letzten Dekade gehört. Zwischenzeitlich ruht das Bandprojekt und 2016 veröffentlichte Fallon sein erstes Solowerk „Painkiller“. Nun legt er „Sleepwalkers“ nach, das tendenziell rockiger als sein Debüt ausfällt.

Die beiden ersten Titel des Longplayers wurden vorab herausgebracht und spiegeln die Grundatmosphäre des Werks wider, auf dem es Brian Fallon dank seiner charakteristischen Stimme sowie guten Texten schafft, Gefühle wie Angst, Trotz oder Hoffnung zu verarbeiten und mit den Mittel des Rock auszudrücken. „If Your Prayers Don’t Get To Heaven” legt mit klarem Rock ’n Roll-Rhythmus locker los, wobei Fallon mit seinen stimmlichen Vibes dem Stück seinen Stempel aufdrückt, sodass unverkennbar ist, aus wessen Feder es stammt. Rockig schließt „Forget Me Not“ an. Der klasse Refrain ist eingängig und einzelne rausgeschriene Textzeilen machen den Song zusätzlich interessant.

Auch auf „Come Wander With Me“ transportiert Fallons Gesang Emotionen, die Aggression und Verletzlichkeit zugleich zum Ausdruck bringen. Nicht weniger intensiv ist „Etta James“, bei dem das Tempo etwas heruntergefahren wird. Das Lied um die vor sechs Jahren verstorbene Sängerin klingt am Ende sanft aus und leitet so passend zu „Her Majesty’s Service“ über. Die Nummer weist Tempowechsel auf, ist aber insgesamt im oberen Midtempo-Bereich zu verorten. Sie wirkt schön eingängig, zumal Fallon das raue Kratzen aus seiner Stimme herausnimmt.

„Proof Of Life“ beginnt mit einem irischen Einschlag. Ohne Kitsch baut Brian Fallon hier mehrstimmige Passagen und helle akustische Gitarrentöne in den langsamen Song ein. Bei „Little Nightmares“ packt Fallon wieder die E-Gitarre aus. Das dominierende Schlagzeug, das auch bei den vielen anderen Titeln auffällt, nimmt mit stampfendem Rhythmus richtig Fahrt auf und wird bei Konzerten für viel Bewegung im Publikum sorgen.

Die Bläser auf dem Titelstück „Sleepwalkers“ erzeugen ein Motown-Feeling. Besonders gelungen sind dabei die stilleren Phasen mit den anschließenden Steigerungen des Tempos. Danach folgen noch zwei Rockstücke. „My Name Is The Night“ bietet überraschende Gitarrensequenzen und Fallon bringt mit Hauchen und Schreien sein emotionales Repertoire zum Ausdruck. Bei „Neptune“ kommen Keys zum Einsatz, die den Sound gegenüber dem der anderen Songs leicht variieren. Die Orgel prägt auch „Watson“, das im mittlerem Tempo das Ende des Longplayers vorbereitet. Zum Abschluss unternimmt Fallon noch mit dem akustisch gehaltenen „See You On The Other Side“ einen Ausflug in den Folk.

Brian Fallon liefert mit „Sleepwalkers“ ein homogenes Rockalbum auf hohem Niveau ab, das vor allem auf druckvolle Rhythmen setzt. Es lebt von seiner markanten Stimme und seinen Qualitäten als Songwriter. Fallon hält dabei die Fahne des Heartland Rocks hoch und tritt so mit einem eigenständigen Sound in die Fußstapfen des Bosses.

Island Records/Universal (2018)
Stil: Heartland Rock

01. If Your Prayers Don’t Get To Heaven
02. Forget Me Not
03. Come Wander With Me
04. Etta James
05. Her Majesty’s Service
06. Proof Of Live
07. Little Nightmares
08. Sleepwalkers
09. My Name Is The Night
10. Neptune
11. Watson
12. See You On The Other Side

Brian Fallon
Brian Fallon bei Facebook
Universal Music

Wishbone Ash – Support: Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

WA_Haupt

Ein überragender Abend mit Wishbone Ash und ihrem Support Doris Brendel im Musiktheater Piano in Dortmund, wenn auch zunächst nicht ganz rund verlaufen. Die Bands waren verspätet am Ort des Geschehens eingetroffen und hatten vermutlich auf einen Soundcheck hinter ‚verschlossener Tür‘ bestanden. Das hatte bei einem ausverkauften Haus im Piano zu einer langen dicht gedrängten Warteschlange bis durch die ganze Kneipe geführt. Besitzerin Jenny Dore war die ‚dicke Krawatte‘ angesichts des damit wohl verbundenen Verlust an Getränkeumsatzes förmlich anzumerken.

Hier hätten sich die Akteure eigentlich keinen Zacken aus der (britischen) Krone gebrochen, wenn man die Vorbereitungen unter Anwesenheit des Publikums durchgeführt hätte. Brexit hin oder her, es wären sicherlich keine Staatsgeheimnisse offeriert worden. Immerhin, nach einigem hektischen Treiben, betraten Doris Brendel samt Band und ihren markanten Kostümierungen, kurz nach 20:00 Uhr die Bühne.

Das Quintett präsentierte einen 6-Stücke-Set, wobei das immer noch aktuelle Album „Upside Down World“ mit den Stücken „Slap Me And You Die“, „A Little Act Of Defiance“ und dem schönen „Adored“ das Grundgerüst bildete. Das soundtechnisch noch nicht perfekt funktionierende, proggige „You’re Losing It“ als Opener, „Latest Fantasy“ und das finale, mit  zusätzlichen Trommeln von Gitarrist Lee Dunham und Bassist Lincoln Spalding begleitete „The One“, sorgten für eine kurzweilige Dreiviertelstunde, mit einigen schönen Lichteffekten seitens Brendels (Laserleuchthandsschuhe und -wedel), in Neofolk-, klassisch- und keltisch-umwehten Rock-Ambiente, Richtung Acts wie Runrig & Co. Ein schöner und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash. Die separate Bildergalerie kann man hier anklicken.

Der Headliner des Abends (übrigens 1980 mein aller erster größerer Gig in meinem damalig noch jungen Leben) inklusiv seines charismatischen Bandleaders Andy Powell, ja quasi ein Urgestein der Rockmusikgeschichte, schien sich, aufgrund der Unannehmlichkeiten, besonders ins Zeug legen zu wollen. Ich habe die Band noch nie so gut gesehen.

Das lag hauptsächlich an der Einbindung des neuen Zweitgitarristen Mark Abrahams, in dem Powell jetzt einen absolut kongenialen Partner gefunden zu haben scheint. Der spielte sich im Gegensatz zum eher introvertierten Vorgänger-Gitarristen Muddy Manninen vor fast einem Jahr an gleicher Stelle, teilweise regelrecht in einen Rausch, lächelte oft ins Publikum und hatte offensichtlich großen Spaß an den deutlich mehr gewährten spielerischen Freiheiten seitens des Bandleaders.

Der hatte ebenfalls sichtliche Freude, hier nochmals so richtig von einem Jungspund gefordert zu werden. Er gab sich natürlich keine Blöße und brillierte ebenfalls. Das obligatorische Instrumental „Bonafide“ als Eröffnung diente zur Abstimmung der Twin-Passagen, das berühmte und kaum jemals in dieser Form von anderen Interpreten übertroffene Markenzeichen und Stilmittel der Kulttruppe, an diesem Abend natürlich wieder reichhaltig praktiziert.

Die starke Rhythmusfraktion aus Drummer Joe Crabtree und dem kauzigen Langzeit-Bassisten Bob Skeat (wieder mit beeindruckend aussehendem Rickenbacher-Viersaiter) bildete das gewohnt kräftige Fundament für die beiden E-Gitarristen (Abrahams überwiegend mit einer Gibson Les Paul und sporadisch einer Stratocaster agierend, Powell größtenteils mit seinen typischen Flying V Gibsons).

Eine nette Geste war es, Doris Brendel und Lee Dunham für einige Stücke wie den Ohrwurm „Way Down South“ und die ‚epische Phase‘ samt Klassikern wie „The King Will Come“ und den ineinander übergehenden „Warrior“ und „Throw Down The Sword“, sowie den beiden finalen großartigen Zugaben, mit als Backgroundsänger einzubinden.

Schön war auch der Akustikteil mit den beiden Tracks „Leaf And Stream“ und dem geschichtsträchtigen „Wings Of Desire“. Bei einem der Highlights des Gesamt-Gigs, dem Instrumental „F.U.B.B.“ zog der fingerfertige Abrahams dann wirklich auch alle Register heutiger soundtechnischer Gitarren-Effekt-Spielereien an seinem Fußboard. Grandios, was hier bei seinen variablen Soli abging.

Die weiteren Klassiker wie das herrlich rockende „Jailbait“ und das ebenfalls furiose WA-Uralt-Paradestück „Phoenix“, sowie die launigen Zugaben „Blowin‘ Free“ und der megastarke Rausschmeißer „Faith, Hope & Love“ (mit Reggae-Touch am Schluss, tolle Hamoniegesänge von Brendel) ließen das proppevolle Musiktheater zu Begeisterungsstürmen avancieren. Als Andy Powell die beeindruckende Performance seiner Band mit dem plakativen Statement „faith, hope and love … is everything you need!“ beendete, gab es kein Halten mehr und das Quartett wurde mit Standing Ovations in den Feierabend verabschiedet.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar)
Mark Abrahams (lead guitars, vocals)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Wishbone Ash
Wishbone Ash bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

Brendel_Haupt

Das bunt kostümierte Quintett um Bandleaderin und Namensgeberin Doris Brendel präsentierte sich an diesem Abend im Dortmunder Musiktheater Piano als angemessener und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash.

Line-up Doris Brendel:
Doris Brendel (lead vocals, flute)
Lee Dunham (lead guitars, vocals, percussion)
Lincoln Spalding (bass, vocals, percussion)
Sam White (drums)
Rob Lindop (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doris Brendel
Doris Brendel bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Devin Dawson – Dark Horse – CD-Review

Dawson_300

Mit Devin Dawson betritt ein weiterer hochtalentierter Jungkünstler die Bühne Nashvilles. Kein geringerer als Star-Produzent Jay Joyce (The Wallflowers, Emmylou Harris, John Hiatt, Eric Church, Little Big Town) erkannte sein Potential und verhalf dem zuvor bereits durch YouTube-Clips populären Burschen, direkt zu einem Major-Kontrakt bei Warner Music Nashville.

Zwölf gelungene Eigenkompositionen (mit teilweise namhaften Co-Writern wie a. a. Barry Dean, Brett Beavers und den Warren Brothers), sein starker variabler Gesang und seine Einbindung an der Akustikgitarre (da gibt es ja wahrlich auch viele Spezialisten unter Nashvilles Studiomusiker-Zunft) sind zweifellos Indikatoren dafür, warum Joyce hier frühzeitig seine Fühler in Richtung Dawson ausgestreckt hat.

Trotz seines Lippenbekenntnisses im Titelstück „Dark Horse“ mit „my heart bleeds for country music“ benötigt man, wie schon in letzter Zeit bei Kollegen der Marke Brown, Hunt, Rhett & Co., meiner Ansicht nach, bis auf ein paar typischer Akustik- und E-Gitarrenspiel-Ingredienzien (Steel-ähnliches Slide, Bariton-E-Fills), doch ein erhebliches Maß an Phantasie, um Genre-Bezüge herzustellen.

Vieles erinnert mich persönlich von der dezent introvertierten, melancholischen Art und auch vom Gesang her, an die weniger Blues-betonten Sachen eines John Mayers. Überwiegend sehr schöne Musik zum Relaxen, manchmal auch tanzbar, nicht zuletzt auch dank der sehr transparent und glasklaren Produktion von Joyce.

Wir tauchen mit „Dip“, „Placebo“, „War Paint“ und „Prison“ in zum Teil sehr kühl und distanziert wirkende Klangwelten ein, aber genießen auch mit Stücken wie „Second To Last“ oder „Symptoms“ das wärmende Esprit R&B-lastiger Kreationen.

Besonders Spaß bereiten mir die Sachen, wo zumindest unterschwelliges (New) Country-Flair aufkommt. Hier stehen mit dem wunderschönen Ohrwurm „All On Me“ (erste Single mit Top-20-Platzierung), dem atmosphärischen „Asking For A Friend“ (Acoustic Slide), „I Don’t Care Who Sees“, dem Schwofer „Secondhand Hurt“, „I Can’t Trust Myself“ und dem finalen, Melancholie-getränkten Titelstück „Dark Horse“ doch gut die Hälfte der Tracks zu Buche.

Trotz eines gewissen Faibles Devin Dawsons für die Dunkelheit (Coverartwork mit allen Texten als auch der Videoclip zur ersten Single sind komplett im düsteren Bereich der Schwarz/Weiß-Skala gestaltet), stellt der Protagonist mit seinem insgesamt hörenswerten Debütalbum „Dark Horse“ die Weichen in eher rosarote Zeiten.

Atlantic/Warner Music Nashville (2018)
Stil: R&B, Countrypop

01. Dip
02. All On Me
03. Asking For A Friend
04. Second To Last
05. Symptoms
06. I Don’t Care Who Sees
07. Secondhand Hurt
08. Placebo
09. War Paint
10. I Can’t Trust Myself
11. Prison
12. Dark Horse

Devin Dawson
Devin Dawson bei Facebook
Warner Music Germany

Thunder – 23.01.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

Thunder_haupt

Ich kenne eigentlich niemanden in meinem Southern Rock-Bekanntschaftskreis, der nicht auch irgendwie Sympathien für die britische Hard Rock-Band Thunder empfindet. Gutes, melodisches, niveauvolles und auch viel launiges, biersüffiges Songmaterial, charismatischer Leadgesang samt starker Band-Persönlichkeiten, hervorragende Gitarrenarbeit, sind allesamt, auch in ‚unseren‘ Kreisen, gern registrierte Attribute.

So bin ich seit Anfangstagen in Besitz aller ihrer eigentlich ausnahmslos gelungenen Studioalben und auch einiger Live-Tonträger. In unseren Landen war die Band um Luke Morley und Danny Bowes nie die ganz große Nummer, sondern eher immer ein gern gebuchter und angesehener Anheizer für Festivals und die ganz großen Acts der Hard Rock und Heavy Metal-Szene. Es reichte als Headliner meist, wenn überhaupt, leider höchstens für Hallen der mittleren Kategorie.

Seitenprojekte, nach sporadischen Trennungen und Reunion der Band, ihrer beiden Leader (Bowes & Morley) und auch von Chris Childs und Harry James (wieder mit herrlich kauziger Erscheinung) bei Shadowman, waren stets von gewohnt ordentlicher Qualität, fanden aber kommerziell gesehen, lediglich überschaubare Beachtung.

Live habe ich die Briten bisher zweimal erlebt, einmal 1995 in der proppevollen Bochumer Zeche (mit Lee Aaron als Support) am vermeintlichen Zenit ihrer Karriere und viele Jahre später auch nochmals an gleicher Stelle, was aber auch schon weit über zehn Jahre her ist. Schön, dass sich jetzt wieder im Rahmen ihrer aktuellen „Rip It Up“-Tour, in der Kölner Kantine, erneut die Gelegenheit, diesmal sogar im Rahmen eines Konzertberichts ergab. Nur enttäuschende, knapp etwas über 300 Zuschauer, hatten letztendlich an einem Dienstag in der Woche die gleiche Intention wie wir.

Zunächst hatte die Dortmunder Band Markk 13 mit Eigenkompositionen im Dunstkreis klassischen 90er Hard Rocks a la Bonfire und Konsorten wie u. a. „Dead Widow“, Girls Gone Wild“ und „Bad Side Of The City“ für eine halbe Stunde den Support-Act gegeben, wobei Gitarrist Roman Rakete mit einigen quirligen E-Soli punkten konnte. Eine ganz passable Vorstellung.

Nach 30 Minuten Umbaupause betraten um 21:00 Uhr Bowes, Morley, James, Childs und Ben Matthews die Bühne, um mit „Wonder Days“, dem Titelstück ihres vorletzten Albums, sofort den Stimmungspegel auf ein beträchtliches Maß anzuheben (und auch bis zuletzt zu halten). Über „The Enemy Inside“, „Serpentine“ ging es zu „Ressurection Day“, das die überstandene Krebserkrankung mit den damit verbundenen Unannehmlichkeiten von Ben Matthews reflektiert.

Mit „Right From The Start“ folgte das erste Stück des neuen Werkes „Rip It Up“ und zugleich die erste der berühmten Thunder-Semi-(Akustik) Balladen, bei der Danny mit emotionalem Gesang und Luke mit seinen filigranen Soli (hier an der Stratocaster) glänzten. Die beiden Thunder-Klassiker „Backstreet Symphony“ und „Higher Ground“ führten zum ersten Siedepunkt des Gigs.

Überhaupt trug der nicht zu bremsende, stetige Unruheherd, Danny Bowes, wie immer, seinen erheblichen Teil dazu bei, dass der beträchtliche Unterhaltungswert garantiert war. Er sang in seiner unnachahmlichen Art, kreischte, wirbelte über die Bühne, hüpfte und animierte die Zuhörerschaft immer wieder zur Interaktion. Das war durchgehend 120% pure Energie, obwohl der Mann mittlerweile ja auch schon stramm auf die Sechzig zugeht.

Das starke atmosphärische „In Another Life“ (hymnisch anmutendes Solo von Morley am Ende), das stoneske „The Thing I Want“ und die Killerballade „Don’t Wait For Me“ (Highlight!) waren die Vorboten für ein furioses Finish-Trio mit Tracks wie „She Likes The Cocaine“, dem 90er-Hit „Love Walked In“ und dem zünftigen „I Love You More Than Rock’n’Roll“ zum Ende des Hauptteils.

Die stürmischen Zugabeforderungen des begeistert und frenetisch mitgehenden Publikums wurden mit dem launigen Who-Evergreen „Substitute“ (sprichwörtlich als Ersatz für das eigentlich geplante „River Of Pain“) und „Dirty Love“ (Bowes zelebrierender Auftritt beim Intro war schon allein das Eintrittsgeld wert) bestens gewürdigt, bei dem das Quintett der diesmal, auch mit vielen jüngeren Menschen durchsetzten Audienz, wie so oft bewies, dass Männer unseres Alters immer noch höllisch intensiv abrocken können. Unterhaltung pur, ein absolut starker und kurzweiliger Abend mit Thunder in der Kölner Kantine – natürlich auch für Southern Rock-Freaks wie uns!

Danke an Marcus Neu (Kantine) für die Akkreditierung!

Line-up:
Danny Bowes (Lead vocals)
Luke Morley (Electric and acoustic guitars, vocals)
Ben Matthews (Keyboards, electric guitar, vocals)
Chris Childs (Bass, vocals)
Harry James (Drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thunder
Thunder bei Facebook
Kantine Köln

Blues Caravan – 21.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BC_Haupt

Was für ein grandioser Abend im Musiktheater Piano in Dortmund! Labelinhaber Thomas Ruf, hat diesmal im Rahmen eines 22 Konzerte umfassenden Blues Caravans durch Deutschland mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei echte Blues-Rock-Schwergewichte auf die Reise geschickt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky noch eine talentierte weibliche Newcomerin in Obhut gegeben, deren neue CD „Bad Penny“ es auch ein wenig bei uns zu promoten galt.

Dem nicht genug. Mit Star-Bassist Roger Inniss, den wir ja neulich schon bei Tasha Taylors Konzert bewundern durften, und dem furiosen Drummer aus der Bernard Allison Band, Mario Dawson, wurde das musikalische Treiben der drei Protagonisten in Sachen Rhythmus-Sektion, mit absoluter Weltklasse unterfüttert.

Auch Bernard Allisons neues Werk „Let It Go“ steht in den Startlöchern, zudem hatte Ruf Records ja noch anlässlich des 20. Todestages seines Vaters Luther im letzten Jahr ein fantastisches, limitiertes LP-Set auf den Markt gebracht, sodass der Geist dieser Blues-Musik-Ikone naturgemäß im Konzert  mitschwebte und auch mit Stücken gehuldigt wurde.

Aber von vorne. Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich!), betraten die Musiker samt Label-Chef die Bühne. Blickfang war zunächst natürlich der weibliche Part des Trios, der mit hochhackigen Stiefeletten, einer super-eng anliegenden Leggings und einem Flokati-ähnlichen weißen Überwurf, rein optisch, auch eher anderen Gewerben als dem Blues-Musikertum, hätte zugeordnet werden können. Aber was soll’s, scheiß was auf ‚Haute Couture‘, hier geht’s schließlich um Musik!

Nach Rufs Vorstellung stieg das Quintett mit Luther Allisons „Low Down And Dirty“, dem Stück, mit dem man das Ereignis auch als Trailer beworben hatte, in den Gig ein. Der abwechselnde Gesang der drei Hauptdarsteller und die surrenden E-Gitarren (Bernard mit klasse Slide), samt des damit verbundenen Southern Blues Rock-Flairs, waren natürlich direkt nach unserem Gusto. Stark!

Zu loben ist besonders die kurzweilige Gestaltung des Abends. Im Anschluss hatte jeder der drei Protagonisten Gelegenheit, sich in kleineren Segmenten, in eigener Sache zu präsentieren und zeitweise zu pausieren. Lediglich Inniss und und Dawson mussten richtig schuften, die spielten von Beginn bis Ende durch.

Los ging es mit Vanja Sky, die mit ein paar Stücken aus ihrem neuen Album „Bad Penny“ aufwartete. Ihre gute Stimme, ordentliches Gitarrenhandwerk und Songwriting, geben Hoffnung, in einem, von Damen mittlerweile auch stark frequentierten Genre, demnächst Fuß fassen zu können. Mike Zito kam zur Unterstützung zweimal mit auf die Bühne. Hängen blieb u. a. das Slide-trächtige „Crossroads Of Life“,  die Rory Gallagher-Cover-Nummer „Bad Penny“ und das Rhythm-bluesige, abschließende „Give Me Back My Soul“.

Als nächster war mit Mike Zito, einer meiner persönlichen Lieblings-Blues Rocker, an der Reihe. Mit seiner tollen Stimme, seiner Southern-umwehten Interpretation des Blues Rocks und all seinen ausnahmslos starken Alben, hat er sich schon lange in mein Herz gespielt. Jetzt hatte ich endlich auch mal die Gelegenheit, ihn live zu erleben (übrigens, wie sich nachher am Merchandising- Stand herausstellte, auch ein sehr sympathischer Typ).

„One More Train“, „Keep Coming Back“, das überragende „Gone To Texas“, „Wasted Time“ (mit Stevie Ray Vaughan-Flair) und „Make Blues Not War“, das Titelstück seines aktuellen Albums, und das Southern Rockige „Highway Mama“ hießen die Stationen seiner brillanten ‚Solo‘-Performance. Danach folgte eine viertelstündige Pause.

Der wie ein Rasta-lockiger Mafiosi in Erscheinung tretende Bernard Allison, legte als Spaßmacher im Bunde samt Inniss und Dawson, mit einem fingerfertigen Instrumental los und servierte mit dem Reggae-umgarnten „Love Was Meant To Be“ meinen Favoriten seines Sets nach. Auch seine Version von Hendrix „Voodoo Child“ in einer ‚Extended Version‘ war der Hammer.

Der mit satten vier Stücken gestaltete Zugabenbereich stand dann nochmals mit u. a. „Life Is A Bitch“, bei dem dann alle wieder zugegen waren, im Zeichen von Luther Allison. Am Ende konnten auch Roger Inniss und Mario Dawson mit zwei furiosen Solo-Einlagen auf ihren Arbeitsgeräten glänzen, wobei Letztgenannter auf seinem Schlagzeug (teilweise mit sich überkreuzenden Schlägen) regelrecht wütete.

Nach fast 3 Stunden (inkl. der Pause) ganz großer Blues Rock-Schule ging es anschließend noch am Merchandising-Stand weiter und es durfte sich über reißenden Tonträger-Absatz, den man sich auch redlich verdient hatte, gefreut werden. Sky, Zito und Allison standen am Ende auch noch anstandslos für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie zur Verfügung.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit spielfreudigen und gut gelaunten Akteuren, der keine (Blues Rock)-Wünsche offen ließ. Wer die reichhaltigen Gelegenheiten bei den noch kommenden Konzerten, verstreichen lassen sollte, verpasst wirklich einen musikalischen Genuss. Blues Caravan 2018 – Hingehen Pflicht!

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Vanja Sky
Vanja Sky bei Facebook
Bernard Allison
Bernard Allison bei Facebook
Mike Zito
Mike Zito bei Facebook
Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment