Little Texas – Young For A Long Time – CD-Review

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Neue Scheibe von Little Texas! “Young For A Long Time“ lautet der Titel, der irgendwie auch ganz gut zu der mittlerweile seit 1984 aktiv gebliebenen Band passt (natürlich mit einigen Unterbrechungen), denn die hat es auch in geschrumpfter Besetzung (ihre beiden charismatischen damaligen Bandleader Brady Seals und Tim Rushlow sind ja schon lange nicht mehr dabei) geschafft, ihren typischen Sound den heutigen Gegebenheiten wunderbar anzupassen, ohne dabei das Gesicht und ihren Stil zu verlieren.

Die Scheibe ist fast so etwas wie ein zweites Comeback. Seit ihrem letzten Album sind mittlerweile (wo ist die Zeit geblieben?) acht Jahre vergangen. Die Besetzung mit Porter Howell (lead vocals, guitars, banjo), Duane Propes (bass, piano, vocals), Dwayne O’Brian (acoustic guitar, vocals) und Del Gray (drums, percussion) ist konstant die gleiche wie beim Vorgänger “Missing Years“. Produziert hat diesmal das Quartett selbst, Anthony Martin durfte nur noch zwei Mal assistieren, hat aber auch ergänzende Keyboards-Einsätze. Auch das Songwriting (die Titel wurden von 2007 bis 2014 kreiert) behielt der texanische Vierer weitestgehend in eigener Hand, lediglich wenige Co-Autoren (u. a. Paul Jefferson – ex-Hilljack) wurden mit eingebunden.

Das Werk beginnt mit dem Titelsong, einem knackigen New Country-Track, der mit schönen Southern-typischen Twin-Gitarren verziert wurde. Herrlich das direkt auf dem Fuße folgende, entspannt verlaufende “Can’t Get In A Hurry Here“. Das Lied durchströmt ein warmes Westcoast-Feeling im Stile der Eagles mit tollen Vokalharmonien, angenehmer Akustik- wie auch E-Gitarrenbegleitung, Porter Howell singt auf gleicher Wellenlänge wie ein Don Henley. Starkes Stück!

In eine ähnliche Kerbe schlagen auch “Kings Of This Town“ (Akkordeonklänge im Hintergrund, relaxte Akustikgitarre) und die schönen atmosphärischen Schwofer “Slow Ride Home“ (nette Pianotupfer), “Take This Walk With Me“ (klasse Akustikgitarrenspiel, Piano, E-Baritongitarren-Fills) und das mit fast progressiver E-Gitarrenarbeit vorgetragene “How Many Chances“ (Synthie-Strings) oder das flockige, sehr melodische “Nothin‘ You Can Do“(starke Harmoniegesänge). Ansonsten geben die Jungs aber ordentlich Dampf und überraschen zum Teil auch mit deftig rockiger Gangart. “Why I Brought My Boots“ ist ein launiger Countryrock-Stampfer Marke Jack Ingram, und solange es solch tolle Slide-trächtige Southern Rocker gibt, wird der Titel “Rednecks Do Exist“ nicht s an Aktualität verlieren.

“Yeah Yeah Yeah“ kommt mit einem lässigen Keith Urbanschem Banjo und zum Mitgrölen animierenden Shout-Refrain. Der perfekte Song fürs Live-Programm. Zum Abschluss geht mit “This Hot In Texas“ nochmal richtig die Post ab. Der Song ist purer Southern Rock und wird mit seiner schweren E-Gitarrengangart (klasse Solo mit Wah-Wah-Anschluss) und einem furiosen Instrumental-Finish (inkl. klimperndem Honky Tonk-Piano) so manchen glühenden Verehrer des Genres vom Hocker werfen. Hammer!

Als Zusatz-Bonbon gibt es noch zwei Neueinspielungen ihrer Hits vom einstigen “Big Time“-Werk, “What Might Have Been“ und “God Blessed Texas“, die sich am Original orientieren, aber ihren Reiz durch den neuen Gesang von Howell (damals sang Brady Seals) und einer deutlich peppigeren Produktion auszeichnen. Gerade letztgenanntes Stück dürfte nochmal die Skynyrd-Fans begeistern (herrliches Slide-Solo, Honky Tonk-Piano), Little Texas haben ganz sicher auch den Southern Rock im Blut. Meisterlich!

Sie setzen beim Independent-Label „Goldenlane Records“ konsequent den Weg fort, den sie seit “Missing Years“ eingeschlagen haben. Eine gelungene Mischung aus ruhigen, melodischen Tracks und einigen prächtigen Southern Rock Stücken. Mit “Young For A Long Time“ beweisen sie, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen zählen und immer noch genug Energie für neue starke Kreationen vorhanden ist. Die Zeitspanne bis zum nächsten Werk darf dann allerdings gerne etwas kürzer ausfallen… Toller Stoff!

Goldenlane Records (2015)
Stil: New Country

01. Young For A Long Time
02. Can t Get In A Hurry Here
03. Why I Brought My Boots
04. Slow Ride Home
05. Rednecks Do Exist
06. Kings Of This Town
07. Yeah Yeah Yeah
08. Take This Walk With Me
09. Nothin You Can Do
10. How Many Chances
11. This Hot In Texas
12. What Might Have Been
13. God Blessed Texas

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Bärchen Records

 

 

Hot Apple Pie – Same – CD-Review

Hot Apple Pie sind ein neu gegründetes, erstklassiges New Country-Quartett um den Ex-Little Texas-Keyboarder Brady Seals! Der hatte, ähnlich wie der zweite „Kopf“ dieser einst sehr erfolgreichen Truppe, Tim Rushlow, in den letzten Jahren auf Solopfaden geweilt und auch diverse, weniger erfolgreiche Werke (u. a. „The Truth“ und „Thompson Street“) eingespielt, die aber eher der Rock-/Pop-Sparte zugeordnet werden müssen. Umso erfreulicher, daß sich Seals jetzt mit seiner neuen Band doch wieder, wie auch Rushlow, „reumütig“ in ein Kollektiv zurückkehrt, das sich wieder eindeutig der Country-Schiene zuwendet. Gut so!

Denn bei Hot Apple Pie, mit ihrer tollen, immer knackigen, frischen, sehr peppigen, exakt die Balance zwischen traditionellen Roots und modernem Countryrock-Sound treffenden Mixtur, stimmt das Konzept von vorn bis hinten. Zum einen die Band. Mit Mark „Sparky“ Matejka (spielte schon für Charlie Daniels, The Kinleys, Sons Of The Desert – mittlerweile festes Mitglied bei Lynyrd Skynyrd) an den Gitarren und Banjo, sowie Drummer Trey Landry sind zwei hochgradig begabte Musiker an Bord, die Brady auch schon zu Solo-Zeiten unterstützten, hinzu stieß mit Keith Horne (Bass und Akustik Gitarre) ein weiterer, etablierter Könner (tourte u. a. mit Tanya Tucker, Waylon Jennings, Peter Frampton, Ricky Van Shelton, Trisha Yearwood und Lonestar), was natürlich die hohe musikalische Kompetenz schon erahnen läßt.

Zudem fungieren als Gäste die Steel-Koryphäen Paul Franklin und Dan Dugmore, sowie als Duett-Partner Willie Nelson bei dem astreinen Barroom-Heuler „Slowin’ Down To Fall“. Zweitens die Songwriter. Seals stammt ja aus einem richtigen Musiker-Clan (Country-Star Dan Seals, Pop-Ikone Jimmy Seals von Seals & Crofts, die Komponisten Troy und Chuck und sogar Cousin T. J., alias Kizzy Plush)! Von letzterem erhielt er kompositorisch hier auch tatkräftige Unterstützung, ebenso wie von solch klangvollen Namen wie Rodney Crowell, Jeffrey Steele, Al Anderson oder Mike Reid! Drittens die Zusammenstellung des Songmaterials. Es gelang 13 wunderbar abwechslungsreiche, sehr melodische und im richtigen Rhythmus aufeinander abgestimmte Songs zu kreieren, auf dem die Band ihr versiertes Können vielfältig einbringen konnte.

Viertens der Musikstil. Es wurde wieder auf die Karte New Country/Country-Rock gesetzt, eine Sparte in der sich alle Beteiligten spürbar wohl fühlen. Nicht selten wird man wieder an Little Texas erinnert, wie auch an knackige Restless Heart, zuweilen mit einem feinen Schuß Moderne ala Big & Rich! Macht einfach riesig Spaß den Jungs zuzuhören. Die CD startet gleich mit dem großartigen „Fun“-Stück „Hillbillies“, wo in spaßiger Weise die Neigungen dieser Spezies besungen werden. Tolle, groovend funkige Note, nicht zuletzt durch einen klasse Upright Bass, southern-lastige Slide-Läufe, feine Twin-Einsätze und eine klasse „Hey-Hillbilly“-Mitgrölpassage am Ende. Wird sicherlich ein Live-Kracher!

Nach der peppigen, mit tollen Gitarren und prächtuger Steel ausgestatteten, gut tanzbaren, melodischen New-Country-Uptemponummer „We’re Makin’ Up“, ein wenig an Little-Texas-Zeiten erinnernd, folgt mit „California King“ ein balladesker, autobiographisch zu sehender Song, der Seals‘ Solo-Jahre in Los Angeles beleuchtet („I packed my guitar and hopped a train and made my escape, and I took only good memories with me.., this small town boy’s goin’ back to Tennessee, California king… just ain’t me“). Tolles Akustik-Intro, herrliche E-Gitarren-, Akkordeon- und Organ-Fills – ein packender Vortrag! Im Prinzip jagt ein Highlight das nächste!

Sehr stark auch die mitreißende, schnell gespielte Coverversion von The Bands/Robbie Robertsons 35 Jahre altem „The Shape I’m In“ im traditionellen, grassig rockigen Outlaw-Flair und mit herrlichen Instrumental-Gitarren-Schlagabtauschen (besonders imponierend das Akustik-Solo von Keith Horne), sowie einem bluesig integriertem Harmonika-untermalten Break. Ein southern-swampiger Rocker der Marke Jeffrey Steele/Anthony Smith mit knackigem Gitarrensound und schwülen Organ-Tupfern ist „Redneck Revolution“.

Die wunderbare Ballade „Annabelle (Arkansas Is Callin’ You)“, aus der Feder von Brady und Rodney Crowell lädt dann mal zum Relaxen ein – eine sehr entspannte Nummer! Nach zwei weiteren, herrlich eingängigen New Country-Stücken bildet mit „All Together Now“ nochmal ein echter Hit den Abschluss, der wieder jede Menge Leckerbissen enthält. Schönes Piano-Intro, dezentes Southern-Flair, tolle Harmoniegesänge, heulende Orgel, starkes E-Gitarren-Solo, inbrünstig gesungener Refrain mit Southern/Country-typischem Langziehen der Endsilben einer Zeile und ein Accapella-Break und Beatles-ähnlichem, „Hey Jude“-mäßigem „Na-Na-Na“-Finale! Ein Song mit Langzeitwirkung, genau richtig positioniert! Brady Seals Rückkehr zu seinen Wurzeln dürfte die richtige Entscheidung gewesen sein.

Von Hot Apple Pie wird man vermutlich wohl in Zukunft in dieser Konstellation noch einiges geboten bekommen. Fest steht: Das ist sicher die heißeste Apfeltorte, die bisher in Amerika produziert wurde. Starke CD!

Dreamworks Records (2005)
Stil: New Country

01. Hillbillies
02. We’re Makin‘ Up
03. California King
04. Easy Does It
05. The Good Life
06. Why Can’t I Get To You
07. The Shape I’m In
08. Slowin‘ Down The Fall
09. Redneck Revolution
10. Annabelle (Arkansas Is Callin‘ You)
11. Everybody Wants To Dance With My Baby
12. I Should Have Seen Her Leavin‘ Comin‘
13. All Together Now

Montgomery Gentry
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