Little Texas – Missing Years – CD-Review

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Little Texas, eine der erfolgreichsten New Country-Bands der 90er-Jahre, hatte mit Brady Seals und Tim Rushlow den Verlust von gleich zwei charismatischen Bandleadern zu verkraften (beide versuchten es zunächst solo, um dann mit ihren Projekten Rushlow und Hot Apple Pie Fuß zu fassen), was naturgemäß zunächst einen länger anhaltenden Break zur Folge hatte.

2004 versuchte der verbliebene Rest nach Klärung der rechtlichen Belange ein Comeback mit Steven Troy als neuem Sänger, der allerdings 2006 schon wieder ausschied. Seit Lead-Gitarrist Porter Howell nun das Mikro übernommen hat (erstaunlich, dass er bei seinen gesanglichen Qualitäten nie früher zum Zuge kam) fluppt die Sache wieder.

Das Quartett mit den übrigen Ursprungsmitgliedern Del Gray (drums), Duane Propes (bass, vocals), Dwayne O’Brien (guitars, vocals) und Porter Howell (lead vocals, lead guitar) meldete sich dieses Jahr mit einem Doppelschlag zurück. Zunächst gab es als Appetithappen ein tolles Live-Album mit ihren größten Hits, zwei Covernummern und einem neuen Stück, das ihren Ruf als ausgezeichneter Live-Act eindrucksvoll untermauerte (die Band spielte in ihren Anfangstagen wie auch zu ihren Hoch-Zeiten fast 300 Gigs pro Jahr, was ihr den Ruf als ‚hardest working band in country music‘ einbrachte).
Knapp zwei Monate später ist mit „Missing Years“ jetzt ein brandneues Studioalbum auf dem Markt. Die Hälfte der Nummern stammt aus der Feder von Howell, Gray und O’Brien, der Rest wurde von arrivierten Nashville-Songwritern (u.a. Marc Beeson, Don Pfrimmer, Anthony Smith, Angelo & Brett James) beigesteuert.

Neben einigen entspannten New Country-Songs, die meist aufgrund der herrlichen Harmoniegesänge mit viel Westcoast-Flair umgarnt sind (die Band klingt hier oft wie eine Art ‚texanischer‘ Eagles), zeigen Little Texas diesmal eine doch sehr überraschende, raue Seite. Es gibt für ihre Verhältnisse recht viele rockige Country-Songs mit Southern-Anleihen und auch dezentem Redneck-Touch. Howell meistert vokal dabei jedes Tempo auf angenehme Art und Weise und lässt auch seine exzellenten Gitarrenkünste mehrfach aufblitzen.

Mir persönlich gefallen am besten „Rebel“, ein swampiger Southern-Stomper, mit klasse Slide-Arbeit, der Stones-mäßige Honkytonk-Gute-Laune-Rocker „Party Life“ (schöne E-Gitarren, Kuhglocken-Drums) und die humorvolle Hommage an ihren Heimatstaat „Texas 101“ (»… We got George Bush and Dixie Chicks, I guess oil and water just don’t mix …«). Letztgenanntes Stück wurde von Howell übrigens zusammen mit Johnny Slate und einem gewissen Paul Jefferson, Bandleader einer weiteren sehr talentierten und von mir heiß geliebten Band, namens Hilljack, komponiert, die 2005 ein brillantes CD-Debüt gab, und auf deren Nachfolger ich schon seit längerem warte. Jefferson und Howell weisen übrigens auch erstaunliche Stimmähnlichkeiten auf.

Fazit:  Little Texas haben mit ihrem neuen Werk „Missing Years“ auch ohne ihre einstigen Leitwölfe ein erstaunliches, und sehr abwechslungsreiches Comeback auf allerhöchstem musikalischen Niveau hingelegt. Vielleicht sogar eins ihrer besten Studioalben bisher. Die zum Quartett erschlankte Band mit Peter Howell als Frontmann hat ohne Zweifel Zukunft.

Montage Music Group (2007)
Stil: New Country

01. Gotta Get Me Down Home
02. Missing Years
03. Rebel
04. Knees
05. Reason
06. Party Life
07. Texas 101
08. So Long
09. When He’s Gone
10. You Ain’t Seen Me Lately
11. Your Blues
12. Your Woman

Little Texas
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Bärchen Records

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