Steve Earle & The Dukes – So You Wannabe An Outlaw (Deluxe) – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

Steve Earle lotet in seinen Werken die Grenzen verschiedener Spielarten des Country aus und unternimmt immer wieder Ausflüge in Richtung Rock und Folk. Er setzt in seinen Alben unterschiedliche Schwerpunkte und konzipiert sie zumeist um diese herum. Die Grundidee von seinem 21. Album „So You Wannabe An Outlaw“ liegt darin, die Facetten seiner musikalischen Einflüsse auf einer Scheibe darzustellen.

Herausgekommen ist dabei eine CD, die die Bandbreite Steve Earles zwar wiedergibt, insgesamt aber einen deutlichen Schwerpunkt auf seine Country-Wurzeln legt. Er besinnt sich auf seine Anfänge, die von der Outlaw Music geprägt sind, wobei er sich auf dem vorliegenden Album vor allem an Waylon Jennings orientiert, dem es auch gewidmet ist. Standesgemäß wurde es in Austin, Texas, aufgenommen und von Richard Bennett produziert.

Das titelgebende Duett „So You Wannabe An Outlaw” mit der Outlaw-Country-Ikone Willie Nelson eröffnet die CD. Die beiden übernehmen zunächst jeder für sich eine Strophe des kratzigen Country-Songs, um die dritte dann gemeinsam zu singen. Mit „Lookin‘ For A Woman“ folgt ein weiteres Country-Stück, das mit dem gleichmäßigen Rhythmus dazu einlädt, sich aufs Pferd zu schwingen und Steve Earle auf seiner Suche zu begleiten. Der Ritt wird bei „The Firebreak Line“ dann etwas schneller, wobei Earles markante Stimme besonders gut zur Geltung kommt. Den dort eingeschlagene Weg in Richtung Country-Rock verfolgt das starke „If Mama Coulda Seen Me” konsequent weiter.

Das absolute Highlight der CD ist aber „Fixin‘ To Die“. Es ist schon eine Weile her, dass Earle eine so kraftvoll rausgeschriene und dunkle Rock-Nummer veröffentlicht hat. Thematisch greift er die Todesstrafe auf, gegen die er sich bereits bei früheren Songs aussprach, so beispielsweise auf dem Soundtrack zu „Dead Man Walking“. Dabei hat ihm das soziale und politische Engagement seiner Songs in der USA immer wieder Kritik eingebracht.

Seine Folk-orientierte Seite zeigt Earle bei den akustisch gehaltenen „News From Colorado“ und „The Girl On The Mountain”. Unter den Balladen ist „Goodbye Michelangelo“ jedoch besonders bemerkenswert. Earles knarziger Gesang transportiert hier viel Gefühl. Das Stück ist im Andenken an seinen Mentor, den kürzlich verstorbenen Guy Clark, geschrieben.

Mit Miranda Lambert singt Earle „This Is How It Is“. Auf seinen Alben finden sich gelegentlich Duette mit weiblichen Gesangspartnern. Im letzten Jahr veröffentlichte er sogar einen Longplayer zusammen mit Shawn Colvin.

Bei „You Broke My Heart” und „Walkin´ In LA”, einem Duett mit Johnny Bush, orientiert sich Earle am traditionellen Country der fünfziger Jahre. Der Twang und der übermäßige Einsatz von sanfter Geige und wimmerndem Pedal Steel sind nicht mein Fall. „Sunset Highway“ ist diesbezüglich noch im Toleranzbereich.

Auf der LP und der Deluxe-Edition der CD finden sich vier weitere Songs mit denen Earle seine musikalischen Vorbilder würdigt. „Ain’t No God In Mexico“ stammt aus der Feder von Billy Joe Shaver, „Sister’s Coming Home/Down At The Corner Beer Joint“ und „Local Memory” aus der von Willie Nelson. Den Abschluss bildet der Klassiker „Are You Shure Hank Done It This Way” von Waylon Jennings.

Da keines der Stücke die vier Minuten-Marke erreicht, liegt die Gesamtspielzeit bei 50 Minuten, die der Standard-CD ohne die Bonus-Tracks bei unter 39 Minuten. Die DVD der Deluxe-Edition umfasst ein „Making Of“ des Albums, das Video des Titelsongs sowie Track-by-Track-Kommentare von Earle, bei dem die Lieder kurz angespielt und dann von ihm erläutert werden.

Insgesamt liefert das Werk einen guten Überblick über Steve Earles vielfältiges musikalisches Schaffen. Daher dürfte für jeden Freund von Rootsmusik etwas dabei sein und dazu anregen, seine früheren Veröffentlichungen (nochmal) zu durchforsten. Die von mir favorisierte rockige Spielart des Country kommt etwas zu kurz, dennoch zeigt Earle beeindruckend, dass er diese immer noch beherrscht.

Warner Bros. Records (2017)
Stil: Country/Country Rock

CD:
01. So You Wannabe An Outlaw
02. Lookin‘ For A Woman
03. The Firebreak Line
04. News From Colorado
05. If Mama Coulda Seen Me
06. Fixin‘ To Die
07. This Is How It Ends
08. The Girl On The Mountain
09. You Broke My Heart
10. Walkin‘ In LA
11. Sunset Highway
12. Goodbye Michelangelo
13. Ain’t No God In Mexico (Bonus)
14. Sister’s Coming Home/Down At The Corner Beer Joint (Bonus)
15. Local Memory (Bonus)
16. Are You Sure Hank Done It This Way (Bonus)

DVD:
1. The Making Of The Album
2. “So You Wannabe An Outlaw” – Official Video
3. Steve Earle: Album Track-by-Track Video Commentary

Steve Earle
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Bärchen Records

Lucinda Williams – 26.08.2017, Kantine, Köln – Konzertbilder

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Die 64-jährige Grand Dame des Country-Folk-Rock mit ihrem 2. Konzert, im Rahmen der beiden Deutschland-Auftritte, in der Kölner Kantine.

Begleitet dieses Jahr von den drei Musikern Stuart Mathis, David Sutton und Butch Norton, alias Buick 6. Die Protagonistin wirkte bei der Performance ein wenig müde und abgekämpft von ihrem Gig, abends zuvor, in der Hamburger Fabrik. Der Sound und die Stimmung waren gut.

Line-up:
Lucinda Williams (lead vocals, guitars)
Stuart Mathis (guitars)
David Sutton (bass)
Butch Norton (drums)

Bilder und Eindrücke: Peter ‚Beppo‘ Szymanski

Lucinda Williams
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Kantine Köln
Peter ‚Beppo‘ Szymanski

Jive Mother Mary – Home Is Where The Heart Is – EP-Review

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Jive Mother Mary können bereits seit 2005 mit Banderfahrung aufwarten. Das von Mason Keck (guitars, vocals) und Seth Aldridge (drums) in Alamance, North Carolina gegründete Projekt, wurde später durch Tyler Schulz (guitars, vocals) und William Sanders (bass, vocals) vervollständigt.

Nach einer EP und zwei Alben, vielen Wohnungswechseln, immensem Touren (u. a. mit The Black Crowes, Jackyl, Blackfoot), steht jetzt seit Ende 2016 mit „Home Is Where The Heart Is“ eine weitere EP auf ihrer Habenseite.

Der Stil der Band wird zwar auf ihrer Webseite mit „Soul ’n Roll from the heart of North Carolina…“ beschrieben, ich würde aber doch eher einen vordergründigen Bezug zum Southern Rock attestieren, gemischt, vermutlich, dank ihrer Aufenthaltszeit in Los Angeles, mit einer angenehmen Brise Westcoast.

Diese kommt vor allem in zwei der insgesamt fünf Stücke zum Tragen. Zum einen beim herrlichen „Great Decline“ mit seinem unterschwellig mitlaufenden „Hotel Cailfornia“-Flair als auch beim folgenden „Planes, Trains, and Automobiles“ mit der Eagles-typischen Melodie und den wunderbaren Harmoniegesängen.

Der Opener „Feelin‘ Fine“ ist typischer junger, frecher Southern Rock à la Whiskey Myers & Co., wie man es am beigefügten unterhaltsamen Videoclip vorgeführt bekommt. Das atmosphärische „The Ride“ ist eine wunderschöne Southern-Ballade und besticht mit schönen schwurbeligen, übereinander gelegten E-Gitarren sowie den Piano- und Orgel-Tupfern von Gastmusiker Rhett Huffman, der sich als absoluter Gewinn erweist.

Am Ende hauen die Burschen mit „The Climb“, dem längsten Track, noch einen echten Kracher mit Southern Rock-typischem Twin-E-Gitarrenfinale heraus. Eine tolle Nummer! Wenn schon ein Musiker wie Josh Smithey (sich nach einem grandiosen Album als Sänger von Darkwater Redemption im musikalischen Ruhestand befindlich) Jive Mother Mary fast schon euphorisch mit „These guys are one of the best bands I’ve heard in a long time!“ lobt, kann das doch wohl nur ein ganz heißer Tipp sein, oder?

Teenage Head Music (2016)
Stil: Southern Rock

01. Feelin‘ Fine
02. The Ride
03. Great Decline
04. Planes, Trains, and Automobiles
05. The Climb

Jive Mother Mary
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Teenage Head Music

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 27.04.2017, Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Rahmen ihrer neuen CD „Change My Game“ zu Gast im vollen Dortmunder Musiktheater-Piano.

Unser Fotograf Peter Schepers war angesichts der spektakulären Leistung der Dänen, die er bis dato nicht kannte, absolut begeistert.  Seine, wie immer, auf den Punkt gebrachten Schnappschüsse des in zwei Sets geteilten Konzerts, diesmal hier bei uns in einer unten angefügten Bildergalerie.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Peter Schepers

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Jack The Radio – Badlands – CD-Review

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Letzten Monat besuchten Daniel und ich American Aquarium in der Kulturrampe Krefeld. Nach dem Konzert kamen wir ins Gespräch mit George Hage, der die Band auf der Tour verstärkte. Er drückte uns eine Promoversion von „Badlands“, dem immer noch aktuellen Werk von Jack The Radio, seiner eigentlichen Band, in die Hand. Die hier nahezu unbekannte Truppe aus North Carolina wurde schon 2009 gegründet und ist musikalisch unter anderem beeinflusst von Jack White, Tom Petty, The Black Keys, Spoon, My Morning Jacket, Jason Isbell, Ryan Adams und auch Taylor Swift.

Nun aber zu „Badlands“. Ich hörte die von George Hage selbst produzierte Scheibe das erste mal im Auto auf dem Weg zur Arbeit, ohne zuvor von JTR je etwas gehört zu haben. Bei den ersten Klängen von „Bad Man“ fühlte ich mich in meine Jugend zurückversetzt. Das Intro, in bester Manier von Filmmusik damaliger Italowestern, machte mich direkt neugierig. Der Song selbst ist leicht psychedelisch getragen mit schönen Gitarrensoli, meist im Hintergrund, und einem Refrain, der leicht an Indianergesänge erinnert und dem Song einen hohen Wiedererkennungswert gibt.

Mit „The Runaway“ wird es etwas rockiger und man vernimmt die Einflüsse der „Black Keys“ mit einem getriebenen Gitarren- und Schlagzeugspiel sowie zum Teil psychedelisch anmutenden Gesang. Ein Song, der in Rockdiskos alter Schule  zum Tanzen einladen würde. Mit „Ain’t So Bad“ spielen Jack The Radio einen Song, der die Einflüsse von Tom Petty erahnen lässt, ohne wie ein Abklatsch zu wirken. Auffällig sind mehrere Tempowechsel und Gitarrensoli, sowie der Einsatz vom Keyboard, welches wieder psychedelische Akzente setzt.

„The Takedown“, ein ruhiger Song, der auch im Hintergrund mancher Roadmovies ablaufen könnte, hat wie schon „Bad Man“ melodische Tendenzen, die der Italosparte zugeordnet werden können. „Leaves“, ein sehr melodischer Midtemposong mit schönen Keyboardeinlagen, könnte ebenfalls Bestandteil einer Petty-Scheibe sein. „Moonlight“, vom Stil her ähnlich wie der Song zuvor, ist durchaus als radiotauglich zu bezeichnen. Mit „My Way“ zeigen Jack The Radio, dass sie auch Southern Rock können. Schön anzuhören ist dabei das Gitarrensolo mit Bootleneck in der Mitte des Songs. Vom Gesangsstil her, sind hier Ähnlichkeiten zu Jaren Johnston von The Cadillac Three zu konstatieren. Könnte auch durchaus ein in Nashville produzierter Song sein.

Ihre Vielseitigkeit beweisen sie mit „City Slippin“, wo von Soul, Blues bis hin zu Southern Rock mehrere Musikrichtungen harmonisch miteinander verzahnt werden. „Criminals“, im Duett mit Elizabeth Hopkins, hat einen starken Coutryflair und man könnte meinen, Jeff Lynne hätte bei der Produktion Pate gestanden. Für mich persönlich der absolute Favorit des Albums. Einfach schöne Musik zum Genießen und Entspannen. Für mich passt auf diesen Song der Spruch eines Freundes: „Musik ist Liebe“!

Mit „Wild West Woman“ wird es wieder psychedelischer und der Rhythmus erinnert an indianische Tänze. Hier hätten auch Freunde von Potthead vermutlich ihren Spass. Der Midtempo-Track „Wayfared Warriors“  mit Country-Einflüssen, pettyesken Gesang, anmutigem Gitarrenspiel und leicht treibenden Drums, ist die Einleitung zum Finale des Werks. „Hills“ ein Song, der dem Southern-Genre zuzuordnen ist, bildet einen starken und auch sehr rockigen Abschluss. Den Song stelle ich mir mit seinem zum Teil brachialen Gitarrenspiel live als absoluten Abräumer vor.

Insgesamt eine starke Scheibe mit keinen musikalischen Längen oder Ausfällen, die insbesondere Fans von Tom Petty, NC und Southernrock gefallen wird. Durch die Vermischung mehrerer Stile kommt keine Langeweile auf. Ich war beim Hören nie in der Situation, mal schnell auf das nächste Stück zu drücken, so wie es bei einigen CDs manchmal der Fall ist. Schön wäre es, Jack The Radio mal in hiesigen Breiten live zu erleben. In ihrer Heimat spielten sie unter anderen immerhin schon als Support von Hall & Oates und George Thorogood.

Musiker:
George Hage – Vocals/Guitar/Keys/Producer
A.C. Hill – Vocals/Acoustic Guitar
Danny Johnson – Backing Vocals/Baritone Guitar/Lap Steel/Keys
Chris Sayles – Backing Vocals/Bass
Brent Francese – Drums
Elizabeth Hopkins – guest vocals on „Criminals“
BJ Barham – guest vocals on „Wayfared Warriors“

Review: Gernot Mangold

Pretty Money (2015)
Stil: Rock

01. Bad Man
02. The Runaway
03. Ain’t So Bad
04. The Takedown
05. Leaves
06. Moonlight
07. My Way
08. City Slippin
09. Criminals
10. Wild West Woman
11. Wayfared Warriors
12. Hills

Jack The Radio
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American Aquarium – Support: Tim Easton – 03.03.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Gut einen Monat nach dem starken Auftritt der Stolen Rhodes war es mal wieder an der Zeit, unsere geliebte Kulturrampe in Krefeld aufzusuchen, mit Tim Easton und den talentierten North Carolina-Jungs von American Aquarium galt es, in unseren Breitengraden, hochkarätige Insidermusik aus dem Alternative Country-, Roots-, Americana- Bereich, zu begutachten.

Der weit gereiste, mittlerweile in Nashville ansässige Singer/Songwriter Tim Easton bestritt mit einem starken Solo-Auftritt das Vorprogramm. Seine tolle rauchige, warmherzige Stimme, die mich an Leute wie J. J. Cale, Will Hoge und Russell Smith erinnerte, sein quirliges Akustikgitarrenspiel (auch in Slide-Manier), sowie diverse plustrige Harp-Einlagen, verpackt in eine humorvolle und sympathische Performance, kamen beim Krefelder Publikum bestens an.

Mit unterhaltsamen Stücken wie u. a.  „Elmore James“, „Special 20“, „Black Dog“, „Don’t Lie“, „Next To You“  oder dem brandneuen „The Old New Straitsville Blues“ zog er die anwesenden Leute unweigerlich auf seine Seite. Klar, dass er da nochmal für eine Zugabe ran musste, die mit Dylans „Watcha Gonna Do“, bei der er die Audienz mit Fuß-Stampfen und Klatschen als Percussion-Unterstützung involvierte, ihren launigen Abschluss fand. Eine tolle Leistung von Tim Easton!

Für die Burschen von American Aquarium lief der Tag dagegen alles andere als rund. Am Berliner Flughafen war ihr Gepäck zunächst verschwunden, was eine erhebliche Wartezeit zur Folge hatte (ich habe gar nicht mitbekommen, dass der BER schon in Betrieb ist…). Als am Ende die Sachen doch noch aufgefunden wurden, ging’s mit einer rasanten Höllenfahrt in Richtung Westen, um den ersten Gig der bevorstehenden Tour noch rechtzeitig antreten zu können.

Beim Opener „Wolves“ knarzte und fiepte dann noch das Mikro von Bandleader BJ Barham. Der verstand die Welt nicht mehr und war zu Anfang richtig angenervt. Nach ein paar Instruktionen in Richtung Mischpult, hatte sich dann beim folgenden „Southern Sadness“ die Lage beruhigt und das Quintett, mit den weiteren Musikern  George Hage, Bill Corbin, Kevin McClain und Whit Wright fand sich allmählich in den Gig herein.

BJ Barham, der im Stile der großen amerikanischen Musik-Geschichtenzähler wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Gram Parsons, Steve Earle & Co., als die kreative Person des Fünfers, fast ausnahmslos die Zügel in der Hand hatte, sowie Whit Wright, der immer wieder zwischen Keyboard und seiner Pedal Steel hin und her wechselte, waren die Personen, die im Prinzip die Hauptakzente setzten.

Die Rhythmusfraktion mit Bill Corbin und Kevin McClain verrichtete brav ihre Arbeit, der E-Gitarrist George Hage (auch Mitglied bei Jack The Radio) kam erst gegen Ende bei Tracks wie „Jacksonville“, „Losing Side of 25“ und „Man I’m Supposed To Be“ (atmosphärisches Bariton-Spiel) stärker zum Zuge.

Nachdem Barham bereits in der Mitte mit Stücken wie „The Unfortunate Kind“, „America Tobacco Company“ und „O‘ Lover“ ein Solo-Intermezzo hingelegt hatte, absolvierte er mit dem bissigen „Burn.Flicker.Die“ und einem Cover zu Ehren des kürzlich verstorbenen Guy Clark „She Ain’t Going Nowhere“ auch den Zugabenteil im Alleingang.

Da hätte man sich gerne vielleicht doch nochmal die komplette Band zum Abschluss mit einem Kracher, evtl. dazu mit integrierter Vorstellung der Mitglieder gewünscht. Auch ein paar Songansagen und sporadische Interaktion mit den Leuten hätte vermutlich etwas mehr Stimmung gebracht (die aber keineswegs schlecht war).

Fazit: Ein eher ruhiger Abend mit mit einem überzeugenden Auftritt des kauzigen Tim Easton und einem steigerungsfähigen Tournee-Auftakt von American Aquarium, der mir persönlich zu sehr im Zeichen ihres omnipräsenten Fronters stand. Da muss bei den nächsten Stationen doch etwas mehr Geschlossenheit demonstriert und auch das Publikum mehr ‚abgeholt‘ werden. Entschuldigend sind allerdings die oben erwähnten Umstände mit zu berücksichtigen, so ein stressiger Tag nach langem Flug hinterlässt einfach Spuren. Bei den kommenden Gigs geht da auf jeden Fall noch was!

Line-up:
BJ Barham (lead vocals, acoustic guitar)
George Hage (electric guitar)
Bill Corbin (bass)
Kevin McClain (drums)
Whit Wright (keys, pedal steel)

Tim Easton (lead vocals, acoustic guitar, harp)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

American Aquarium
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Tim Easton
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

The Delta Saints – Monte Vista – CD-Review

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Packe Red Hot Chili Peppers, die psychedelischen Sachen von Led Zeppelin und David Bowie in einen Mixer, schüttel diesen und nehme die Mischung, um den Sound der letzten Platten der Delta Saints zu würzen und es kommt „Monte Vista“ (tolles Coverbild übrigens) heraus. Der bluesige Charakter des letzten Longplayers „Bones“ ist dabei etwas auf der Strecke geblieben, dafür hat sich die Band verstärkt in eine Richtung entwickelt, die psychedelisch angehauchte Sachen der 70er mit Einflüssen aus Soul und Hip-Hop unterlegt, besonders durch die Rhythmus-Sektion (David Supica und Vincent Williams), in abwechslungsreiche und eigenständige Rockmusik umgesetzt.

Der Longplayer startet mit „California“, dem, beim ersten Hören, Radio-kompatibelsten Song, der in seiner rockig tanzbaren Manier, ein breites Hörerspektrum ansprechen müsste. Mit dem folgenden „Sun God“ ändert sich sofort der Stil und die psychedelischen Elemente treten stärker in den Vordergrund. „Burning Wheels“ erinnert mich vom mystischen Gesang her, an den indianisch anmutenden Beginn von Pottheads „Indians“. „Are You“ mit mehreren Tempowechseln, die aber bis auf das Gitarrensolo von Dylan Fitch, im mittleren Bereich liegen, erinnert ebenso wie das folgende „Crows“ an die psychedelischen Nummern von Led Zeppelin, wobei auch die Stimme von Ben Ringel in hohen Tonlagen, der von Robert Plant ähnelt, ohne  dabei den eigenen Charakter zu verlieren.

„Roses“ beginnt, insbesondere vom Bass und Drum-Part her, ähnlich wie Tracks der Red Hot Chili Peppers aus ihrer „Californication“-Zeit. Untermalt wird der Gesang immer wieder mit rockigen Gitarrensoli. Mit „Space Man“ geht die Zeitreise Richtung David Bowie zu Beginn seiner Karriere, ohne dabei verstaubt zu wirken. „Young And Crazy“ und „In Your Head“ mit groovender Rhythmussektion sind wieder sehr psychedelisch infiziert und dürften ebenfalls bei Fans der RHCP gut ankommen. Letzteres Stück wartet mit Gesangspassagen auf, die sich bei Live-Konzerten dazu eignen, in Interaktion mit dem Publikum zu treten. Das ruhige „Two Days“ mit epischen Gesangspassagen und einer Gitarre in der Songmitte, die mich in meine „alte“ Bowie-Zeit zurückversetzt, rundet diese Platte ab.

Mit „Monte Vista“ haben die Delta Saints die Wandlung von einer eher Blues-orientierten Formation zu einer wieder deutlich mehr psychedelisch angehauchten Band, mit den Einflüssen der legendären Led Zeppelin abgeschlossen, ohne sich selbst aufgegeben zu haben oder einem Abklatsch anderer Acts zu ähneln. Wer mit einem eventuellen Schwenk in Richtung mehr ‚Nashville‘ geliebäugelt hat (woher die Burschen ja stammen), dürfte von dem Album zunächst enttäuscht sein, was sich aber nach einem nochmaligen Hören und Freisetzen des Erwartungshorizonts ändern könnte/wird, da sich bei der Komplexität der Kreationen, vieles erst beim zweiten oder dritten Durchgang öffnet.

Insgesamt für mich ein gutes und interessantes Album, da die Band experimentierfreudig, altes und neues aus der Rock-Musik verknüpft und so ein abwechslungsreiches Werk hingelegt hat, welches nicht dem Mainstream (oder wir gehen auf ‚Nummer Sicher‘) zum Opfer gefallen ist. Wer Songs von „Monte Vista“ live erleben will, dem sei die anstehende Tournee wärmstens empfohlen, da die Delta Saints nicht nur versierte Studiomusiker sind, sondern auch live mit ihrem Charisma und ihrer dynamischen Spielweise schon im letzten Jahr, auch ohne ihren Keyboarder Nate Kremer, glänzen konnten.

Review: Gernot Mangold

Teenage Head Music (2017)
Stil: Roots Rock

01. California
02. Sun God
03. Burning Wheels
04. Are You
05. Crows
06. Roses
07. Space Man
08. Young And Crazy
09. In Your Head
10. Two Days

The Delta Saints
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Teenage Head Music

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – Change My Game – CD-Review

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Thorbjørn Risager und seine The Black Tornado hatten uns bei ihrem furiosen Konzert im Rheinberger Schwarzen Adler, schon bereits mit einigen Tracks aus ihrem neuen Album „Change My Game“ im Vorfeld konfrontiert. Hier war die spannende Frage, ob die Stücke auch im Studio so zünden würden und was die Dänen sich noch so an weiteren Dingen einfallen lassen haben.

Der erste Blick fällt natürlich auf die äußerst geschmackvolle Covergestaltung mit dem tollen Titelbild, auf dem die Burschen in irgendeiner düsteren nächtlichen Hintergasse, effektvoll in passenden Farben abgelichtet wurden. Sowas nennt man hohe Fotokunst.

Musikalisch bleibt sich das Oktett, bestehend aus Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar), Peter Skjerning (guitars, canjo), Emil Balsgaard (keys), Søren Bøjgaard (bass, guitar, percussion), Martin Seidelin (drums, percussion), Hans Nybo (saxophone), Peter W Kehl (trumpet, saxophone) und Kasper Wagner (saxophone) weitestgehend treu, öffnet sich aber auch mit einer gesund eingebrachten Portion von mainstreamigerem Songwriting, einem breiteren Spektrum an Hörerschaft. Produziert in erstklassigem Sound haben die Burschen selbst.

Den Einstieg wählten die Nordlichter mit dem, vom Konzert bekannten, sehr atmosphärischen „I Used To Love You“, klasse hier das E-Solo von Skjerning, wie auch der, im gesamten Verlauf, wieder überragende Gesang ihres Leaders Thorbjørn Risager. Das folgende „Dreamland“ stampft mit Urgewalt in Südstaaten Rock-Manier, hat so ein bisschen was von „Penthouse Pauper“ vom einstigen Molly Hatchtet– Album „Beatin‘ The Odds“. Wahnsinn hier das Zusammenwirken von plusternden Bläsern, E-Gitarre und Emil Balsgaards gurgelnder Orgel.

Der ebenfalls schon performte Titelsong „Change My Game“ hat eine funkige Note. Cooler Song, sogar durchaus tanzbar. Auf „Holler’N’Moan“ kam vermutlich das von Skjerning in Rheinberg, mit einem, aus einer Blechbüchse als Korpus versehene, präsentierte Canjo zum Einsatz, das geslidet, quasi Dobro-ähnliche Klänge hervorruft. Demnach ein, auf unser Magazin zugeschnittener Track mit Swamp-Flair. Klasse auch das quäkige Trompeten-Solo.

„Hard Time“ entpuppt sich mit einer mandolinenartig gespielten flockigen Akustikgitarrenlinie als mein persönliches Lieblingsstück . Ein wunderbar eingängiger Ohrwurm, der statt nach harten Zeiten, eher nach melancholischer Besinnung bei Abendsonne mit kühlem Getränk in einer zum Meer geöffneten Strandbodega klingt. Wunderbar die Slide-Passagen und auch die schön dazu säuselnde Background-Crew samt Miriam Mandipura-Mumba, Pia Trøjgaard und Mads Lumboldt.

Der Slow Blues „Long Gone“ bietet wieder Atmosphäre pur. Hier kann sich Risagers Charakter-Stimme natürlich am besten entfalten. Unter dem Motto „ZZ Top meets Lynyrd Skynyrd“ fliegt einem das von röhrenden Gitarren,  wummernder Orgel und pausbackigen Bläsern dominierte „Hold My Lover Tight“ um die Ohren. Hier lässt die Band förmlich ihr ganzes, wuchtiges Spiel-Potential los.

„Maybe It’s Alright“ mit stoneskem E-Gitarren-Rhythmus ist wieder typischer Stoff, um ein Live-Publikum in Wallung zu bringen. Spaß machen die weiblichen Harmoniegesänge.  Der „Train“ dürfte mit markanter Canjo-Hook und klimpernden HT-Piano, erneut unsere Southern Rock-Klientel verzücken.

Schwere Kost bietet „Lay My Burdon Down“. Erinnert ein wenig an den guten alten Tom Waits. Wer sich schon mal mit seiner eigenen Beerdigung auseinandersetzen möchte, hätte, auch wenn er ja nicht mehr viel davon mitbekommen würde,  hier einen stilvollen Trauermarsch zu seinen Ehren im Angebot. Als Rausschmeißer haben dann die Dänen mit „City Of Love“ noch einmal einen stark instrumentierten Blues Rocker im Portfolio, der aufgrund der E-Gitarre, zum krönenden Abschluss, Esprit von ZZ Tops berühmten „La Grange“ versprüht.

Thorbjørn Risager & The Black Tornado sind mit „Change My Game“ auf einem Zwischen-Zenit ihrer Karriere angelangt. Der Begriff ‚Danish Dynamite‘ erhält in diesem Fall eine musikalische Dimension. Ihr unermüdliches Auftreten, ob in Clubs, Hallen oder auf Festivals hat sich auch auf ihre Studio-Arbeit weiter positiv ausgewirkt.  Hier passt und reift eigentlich alles zusammen, um zu einem der ganz großen (Blues) Rock-Acts unser Zeit zu avancieren. Ich hab momentan echt keine Idee, was man da noch groß verbessern könnte! Einfach erstklassig!

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock & More

01. I Used To Love You
02. Dreamland
03. Change My Game
04. Holler ‚N‘ Moan
05. Hard Time
06. Long Gone
07. Hold My Lover Tight
08. Maybe It’s Alright
09. Train
10. Lay My Burden Down
11. City Of Love

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Ruf Records

T.G. Copperfield – Same – CD-Review

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Der Regensburger Gitarrist Tilo George Copperfield, vielen Leuten bekannt durch seine Mitwirkung in Bands wie Hoaß und 3 Dayz Whiskey erfüllt sich den Traum eines wohl jeden Musikers und bringt, schlicht als „T. G. Copperfield“, nach sich selbst benannt, sein erstes Solo-Album auf den Markt.

Der umtriebige junge Mann hat dabei seine Hausaufgaben bestens gemacht. Er präsentiert ein abwechslungsreich gestaltetes Werk, auf dem er alle Songs komponiert, besungen und mit Gitarrenklängen bestückt hat. Umgeben hat er sich mit gestandenen Musikern aus der süddeutschen Szene, produziert hat Dr. Will.

Er bringt dazu, die für einen Solo-Interpreten gewisse gesunde Portion ‚Selbstverliebtheit‘ und Selbstbewusstsein mit, wie man es z. B. auch aus dem gut und ebenfalls hoch professionell gestalteten Cover Artwork erahnen kann. Dazu hat er seine Lektion bestens gelernt, die heutigen Medien, bzw. sozialen Netzwerke perfekt zu Werbung in eigener Sache zu nutzen. Man kann wirklich sagen: Der Bursche weiß, was er will und wie er vorankommen möchte.

Seine Kreationen schöpfen dabei ihre Kraft und Inspiration aus Stilrichtungen, die uns (mich) seit den Siebziger Jahren mehr oder weniger konstant begleiten. Schon der lässig hingroovende Opener „Rolling Stone“ offeriert eine gewisse Vorliebe Tilos für das Gitarrenspiel von John Fogerty (später auch noch mal bei „Motorcycle Bandit“ zu hören), demnach ist der Song auch in CCR-Gefilden angesiedelt.

Das kräftige „Going Down Fighting“ wird von einer herrlich wummerden Orgel bestimmt, gespielt von Ludwig Seuss, der mit diversen Tasteneinlagen auch im weiteren Verlauf, die Hauptakzente neben dem Protagonisten setzt. Das relaxte „El Paso“ stellt die erste Bezüge zu unserem Magazin her. Dezente Reminiszenzen an J.J. Cale (vor allem beim E-Piano) treten hier zu Tage.

Copperfield kann auch Country, wie der schöne Schunkler „Life In Hell“, geführt von Seuss‘ klimperndem HT-Piano-Spiel, beweist. Das wohl eingängigste und hitverdächtigste Lied ist das pettyeske „The Fire Went Out“. Tolle surrende E-Slide-Einlagen von Tilo (überhaupt mit toller Gitarrenarbeit in allen Belangen), gurgelnde Orgel und nette Harmoniegesänge von Isabel Pfeiler sorgen für eine hohe Radiotauglichkeitsquote.

Gegen Ende lässt es T.G. beim stampfenden „Spoonful Of Blues“ nochmal ordentlich krachen, bevor er mit dem ‚kopflosen Bill‘ das, von viel Abwechslungsreichtum gezeichnete Werk in Tex-Mex-Manier ausklingen lässt. Schön hier die zirpende Mandoline. Insgesamt somit eine gute Debütarbeit, lieber T.G.!

Timezone Records (2017)
Stil: Rock & More

01. Rolling Stone
02. Going Down Fighting
03. The Lowdown
04. 3.30 Blues
05. El Paso
06. Life in Hell
07. The Fire Went Out
08. Diabolo
09. Motorcycle Bandit
10. City Of Angels
11. Spooful Of Blues
12. Headless Bill

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Timezone Records

Saints Eleven – Coming Back Around – CD-Review

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Hat der Kollege Daus über die Jahreswende etwa zu viel Marihuana geraucht, wird vermutlich so mancher beim Blick auf das Cover der neuen Scheibe „Coming Back Around“ von den Saints Eleven denken. Aber keine Bange, hier handelt es sich beileibe nicht um eine Reggae-Platte, sondern um  bemerkenswert authentischen Country-Roots-Stoff eines texanischen Trios, bestehend aus Bandleader Jeff Grossman, Jeff Mosley und Alex Shepherd, produziert von keiner geringeren Ikone in diesem Bereich als Walt Wilkins (ebenfalls bekannt als Walt Wilkins & The Mystiqueros), zudem auch mit seiner Frau Tina im Background singend und noch Gitarren-und Percussion-Klänge beisteuernd.

Die Zusammenarbeit ist gezeichnet von gegenseitiger Anerkennung und Respekt vor dem bisher Geleisteten. So betituliert Grossman Wilkins als den ‚Texas Country Jesus‘, während dieser den Ball so zurückspielt: „Ich war direkt von Jeffs Stimme angezogen. Echt, rau und wild, mit einem breiten emotionalen Spektrum. Danach begann ich mich mit diesem toll verarbeiteten Liedgut über wahrhafte Leute in der realen Welt, mit ihrer Komplexität und ihren Ecken und Kanten zu beschäftigen. Seine Aussagen sind einzigartig, klar und direkt und die Band nimmt sie ernst. Solche Jungs musste ich fördern. Es war ein verdammtes Vergnügen, dieses Album mit den Saints Eleven zu produzieren.“

Vom starken Opener „My Heart“ (schöne Tempowechsel, klasse Backings von Tina Wilkins) bis zum relaxten Countryschwofer „The Same“ zum Abschluss trifft man en masse auf knarzige Akustikgitarren, klirrende Mandolinen, sirenenartige Fiddeln, leiernde Steels, raunzendes Dobro, gluckerndes E-Piano, gurgelnde Orgeln und immer wieder schön dosiert eingestreute E-Gitarre, die alle von Wilkins glasklar herausgearbeitet wurden.

Grossmans Stimme liegt nach meinem Empfinden irgendwo in der Mitte zwischen den Band Of Heathens-Frontern Ed Jurdi und Gordy Quist, sodass teilweise auch eine gewisse musikalische Verbindung aufflammt, wie zum Beispiel beim Titelstück „Coming Back Around“, wobei die Saints Eleven allerdings deutlich countryesker unterwegs sind, wie etwa beim Heuler „Cryin‘ Time“, ein ‚Cryin‘ In My Beer‘-Song der etwas flotteren Art.

Herrlich auch das sparsam instrumentierte bluesige „For Those That Came“ das zunächst von Piano und Akustikgitarre bestimmt wird, im zweiten Teil mit einsetzender Orgel und Harmoniegesängen einen dezenten Gospeltouch erfährt. Mein Highlight ist das atmosphärische Duett von Jeff mit der stark singenden Courtney Patton (erinnert hier an Kathy Mattea) bei „Let Them Go“, wie es derart fesselnd wohl nur in Texas dargeboten wird. Herrlich hier auch die swampig surrende E-Slide-Gitarre und die quietschende Fiddle. Man bekommt fast eine Gänsehaut. Grandiosl!

Mit den Saints Eleven begegnen wir einer texanischen Band, die sich auf „Coming Back Around“ ausschließlich musikalischer Qualität und Spielfreude verschrieben hat, ohne aber dabei das melodische Element aus den Augen zu verlieren. Toller authentischer Stoff für Freunde von Acts wie Band Of Heathens, Dustin Bentall, Randy Rogers und Wade Bowen (auf ihrer Countryschiene), J.P. Harris, Josh Abbott & Co.

Eigenproduktion(2016)
Stil: Country & More

01. My Heart
02. Coming Back Around
03. Heartbreak Songs
04. Shelter Me
05. For Those That Came
06. Sunday Drive
07. Cryin Time
08. Strange Round Here
09. Almost Home
10. Let Them Go (feat. Courtney Patton)
11. The Same

Saints Eleven
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