Carl Carlton & The Songdogs – 17.11.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Vor etwa 20 Jahren scharrte Carl Carlton, ein gebürtiger Friese, eine Gruppe hochkarätiger Musiker um sich, mit der er seine tief im Blues und R´n´B verwurzelten musikalischen Ideen in Songs umzusetzen gedachte. Vater des Gedankens war kein geringerer als Robert Palmer, mit dem er bis zu dessen Tod etwa 10 Jahre zusammen arbeitete.

So entstanden Carl Carlton & The Songdogs, zu deren Stammbesetzung bis zur ersten Auflösung, temporäre Musiker wie Palmer, Levon Helm und Garth Hudson von The Band, Sonny Landreth, Ronnie Wood, um nur einige zu nennen, beiwohnten. Dass Carlton selbst als Produzent für Eric Burdon, Joe Cocker oder Paul Young arbeitete und Udo Lindenberg, Marius Müller Westernhagen Peter Maffay und Wolfgang Niedecken über Jahre begleitete, sei nur am Rande erwähnt, um eine Vorstellung zu haben, wer an dem Abend im Musiktheater Piano zu Gast war.

Nach einer erfolgreichen Reunion 2019 stand nun die Stammbesetzung von Carl Carlton & The Songdogs im Rahmen der „High In A Sweet“-Release Tour auf der Bühne, zu der im späteren Verlauf noch ein Überraschungsgast hinzustieß.
In den etwa zwei Stunden zeigte die Band, warum sie schon zu Anfangszeiten von den Kritikern hochgelobt worden ist.

Die Setlist umfasste Songs aus den bisherigen Studioalben der Band aber auch eine hochklassig gespielte Coversongs von Musikern, die Carlton bei seiner Musik beeinflusst haben. So nannte er Gregg Allman, bevor er den Allman Brothers-Klassiker „Jessica“ mit einer regelrechten Jamsession im Mittelteil präsentierte, als einen dieser Musiker, welche nun im Himmel in einer Supergroup spielen könnten.

Auch der vor kurzen verstorbenen Stones Legende Charlie Watts wurde mit „Can´t You Hear Me Knocking“ als erste Zugabe eine Aufwartung gemacht, die auch den wie im Original eigentlich durch Zufall aufgenommenen improvisierten Jam nicht ausließ.

Der Großteil der Songs stammte dann aber doch aus der Feder Carltons, ließ aber keine Zweifel an den Einflüssen zu. „Lifelong Guarantee“ mit klasse Honkytonk-Pianoeinlage von Pascal Kravetz hätte auch Platz auf jeder der alten rauen Stones-Platten haben können. Hier zeigte sich auch, wie bei den anderen Songs, die Klasse seiner Band, in der visuell auf der Bühne, in erster Reihe mit Carlton, zwei Urgesteine von Mothers Finest in die Saiten griffen oder diese zupften.

Moses Mo wechselte sich mit Carlton bei der Lead- und Rhythmus-Gitarre ab und wirbelte zuweilen tanzend über die Bühne während er sein Instrument bearbeitete. Dass Carlton zuweilen daneben stand, um das Treiben zu bestaunen, ist auch als Anerkennung der Spielkunst zu sehen. Dabei nutze er nicht nur seine Finger, um die Saiten in Vibration zu bringen, sondern zeigte, dass es auch mit den Zähnen gelingen kann, wenn man es eben kann.

Ganz stark auf sein Auftritt bei „God`s Gift To A Man“, als er zu Beginn des Songs an den Bühnenrand sprang, einige knackige Riffs in die Menge schleuderte und ein rockender Bluessong folgte, der einen gedanklich an die ganz alten AC/DC erinnerte.

Wyzard am Bass bestätigte fortwährend, dass der Rhythmus bei Ihm im Blut steckt und sorgte neben Drummer Bertram Engel für die volle Grundlage der Songs. Mit seiner Kleidung hätte er auch bei Bob Marley gut in die Band gepasst und bei „Love, Understanding & Respect“ und „Kingston“ zeigte er auch tanzend, seine Reggae-Affinität. Stark, wie die Band hier Reggae und Bluesrock ineinander verschmelzen ließen. Zu denken gab Carlton beim ersten Song, was der Einzug von harten Drogen in Jamaica für negative Spuren hinterlassen hat.

Mitten im Konzert wurden für einen Song Barhocker auf die Bühne gestellt und Carlton bat die Schauspielerin und Musicalsängerin Melanie Wiegmann auf die Bühne. Zunächst gab es mit „Love Hurts“ einen Song, der vielen durch Nazareth bekannt ist, aber erstmals von den Everly Brothers veröffentlicht wurde und auch von vielen anderen Musikern gecovert wurde.

Carlton und Wiegmann lehnten sich mit ganz dezenter Unterstützung der Band aber an der Version von Emmylou Harris an. Danach wurde es wieder lauter und Carlton und Wiegmann performten einen Grateful Dead-Song, der nach Aussage Carltons einer der letzten gesungenen Songs von Gregg Allman vor dessen Tod war. In „Black Muddy River“ brachte die Band einen gehörigen Southern Flair in die Halle (hier auch starke Gesangspassagen von Pascal Kravetz), welcher dann im Instrumental „Jessica“ mündete, wo ein Feuerwerk an Gitarren- und Keyboardsoli einen in die Weiten der Südstaaten versetzten.

Stark auch „Coming Home“ und „Moonlight in New York“, in dem sich Carton vom Songwriting her Richtung Tom Petty bewegte und auch seine Qualitäten als Gitarrist zuweilen slidend offerierte. In einem Konzert ohne Längen gelang es Carl Carlton & The Songdogs die etwa 120 Besucher in die Welt der Garde alter Songwriter zu versetzen und von der momentanen Situation um Corona abzulenken. Passend beendete er das Konzert dann mit dem Lennon-Stück „Instant Karma“, das dieser mit Yoko Ono veröffentlichte und brachte gewissermaßen das Piano leuchten und ein Strahlen in die Augen der Zuschauer.

Ein besonderer Dank geht an das Piano, dem es zu so unplanbaren Zeiten weiter gelingt, so großartige Künstler in den Westen zu holen und so die Kultur weiterleben lässt.

Line-Up:
Carl Carlton – vocals, guitar
Moses Mo – guitar, backing vocals
Pascal Kravetz – keyboards, organ, backing vocals
Wyzard – bass, backing vocals
Bertram Engel – drums, backing vocals
Special Guest: Melanie Wiegmann – vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Erja Lyytinen Band – Support: Ivy Gold 07.11.2021, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Schon um 19:00 Uhr begann der Konzertabend in der Harmonie Bonn. Den Auftakt machten die Newcomer von Ivy Gold, die Anfang des Jahres ihr Debütalbum herausgebracht haben und nun das erste Mal überhaupt live aufgetreten sind. Hinter Ivy Gold verstecken sich durchaus namhafte Musiker. Um das Ehepaar Manou und Sebastian Eder haben sich international renommierte Musiker versammelt, die nun erstmals das Album „Six Dusty Winds“ live vorstellen konnten.

Mit Applaus begrüßten die Fans, welche die Harmonie etwa zu einem Drittel füllten, die Band und Manou stellte diese kurz vor. Dabei merkte man ihr zunächst das Lampenfieber vor diesem ersten Auftritt noch leicht an, was sie auch nicht verhehlte. Im weiteren Verlauf machte Sie die Ansagen mal auf Deutsch, aber auch in Englisch, sodass auch ihre Musiker diese verstanden.

Die aus den Staaten stammende Rhythmussektion um Tal Bergmann, der u. a. auch schon für Joe Bonamassa, Billy Idol oder Roger Daltrey die Drumsticks schwang und Basser Kevin Moore sorgten für die passende, zuweilen groovende bluesige Grundlage der Band. Keyboarder Anders Olinder, der auch schon für Peter Gabriel und Glenn Hughes aktiv war, gab den Songs zuweilen einen progressiven Hauch, wenn er die Harmonie in Klangteppiche hüllte, glänzte aber auch mit kurzen Soloeinlagen.

Im Mittelpunkt stand allerdings Sängerin Manou, deren Nervosität schnell schon beim ersten Song „This Is My Time“ verflogen war und zu deren klarer, eher hohen Stimme das Gitarrenspiel Sebastian Eders zuweilen fast wie ein kongenialer Partner wirkte. Der war irgendwie ein ruhender Pol, zuweilen in sein Gitarrenspiel vertieft, an den sich die extrovertiertere Manou zuweilen auch optisch anlehnen konnte.

Man merkte der Band von Beginn an, mit welcher Spielfreude sie sich endlich live zeigen konnte. Bassist Moore hatte praktisch das ganze Konzert ein Lächeln im Gesicht und Tal Bergmann konnte in einem Solo sein Können unter Beweis stellen, wo er dann wie entfesselt loslegte.

In den knapp 50 Minuten, die der Band zur Verfügung stand, wurde inklusiv der Zugabe „Without You“ das gesamte Album präsentiert. Nach dem letzten Song bedankte und verabschiedete sich eine sichtlich gerührte Manou vom gut mitgehenden Publikum, welches in Anlehnung an den Titel des letzten Songs auch einen Anteil an einer gelungenen Premiere der Band hatte.

Nur wenige Minuten später standen die Musiker am Merchandisingstand für die Fans zum Smalltalk zur Verfügung und rundeten so einen gelungenen Premierenabend ab. In dieser Form ist von der internationalen Formation von Ivy Gold noch einiges zu erwarten.

Line-up: Ivy Gold
Manou: lead vocals
Sebastian Eder: guitars
Anders Olinder: keyboards
Kevin Moore: bass
Tal Bergmann: drums

Nach einer etwa 30-minütigen Umbaupause betrat dann Erja Lyytinnen, scheinbar nur mit einem grobmaschigen Netz bekleidet mit ihrer Band die Bühne. Die Sittenwächter oder womöglich eifersüchtige Ehefrauen können an dieser Stelle aber direkt beruhigt werden, auf das, was man durch das scheinbare Netz schaute, war hellbraun beiger Stoff.

Schon mit der Begrüßung zu Beginn des Konzertes brachte die charmante Finnin die Besucher direkt hinter sich und es sollen rasante knapp 100 Minuten Powerblues folgen, bei denen natürlich Erja meist im Mittelpunkt des Geschehens stand. Sichtlich gut gelaunt moderierte sie teilweise humorvoll posend die Songs an und wies augenzwinkernd darauf hin, dass sie sich passend zum Tag, in ihre Sonntagsgarderobe geschmissen hatte. Das sie den Titel ‚Queen of Sliding‘ nicht umsonst trägt, bewies sie bei einigen zuweilen furiosen Soli, wo sie mit dem Bottleneck regelrecht über die Saiten ihrer Gitarren jagte.

Einen großen Anteil, dass Lyytinen sich zuweilen losgelöst austoben konnte, hatten natürlich die jungen Musiker ihrer bewährten Begleitband. Visuell stand dabei Tatu Back mit Lyytinen in der ersten Reihe und steuerte nicht nur einen wummernden, oft groovenden Bass inklusive eines kurzen Solo bei und unterstütze die auch stimmlich bestens aufgelegte Finnin mit Backgroundgesang. Iiro Laitinen, der andere Part der Rhythmussektion, sorgte mit meist energiegeladenen und stampfenden Drumpassagen für einen Rhythmus, der die anderen zuweilen vor sich hertrieb.

Dass er aber nicht nur schnell und krachend kann, offerierte er in ruhigen Passagen, wo er mit seinen Sticks die Drums scheinbar zu streicheln schien. An den Keyboards sorgte Miika Aukio für einen vollen Sound, in welchem er die Gitarrenarbeit Lyytinens untermalte und auch mit einigen stakkatoartigen kurzen Soli prägende Elemente setzte.

Lyytinen und Band gelang es an diesem Abend die Besucher, welche zum Teil auch tanzend mitgingen, von Beginn an, auch mit einigen Texas Blues-rockigen Sachen im Rhythmusstil von ZZ Top zu begeistern und so verging das Konzert wie im Flug. Unter dem frenetischen Applaus der Fans legte die Band noch zwei Zugaben nach. Nach einer kurzen Anleitung von Erja Lyytinen, in welcher sie den Zuschauern in einem Crashkurs einige finnische Worte beibrachte, beendete Sie das Konzert mit einem verrockten finnischen Traditional samt gesanglicher Unterstützung der Fans.

Wie gewohnt ging Lyytinen von der Bühne weg, direkt zum Merchandisingstand, um diverse Fanartikel zu signieren. Sie machte sich sogar die Mühe, die Fans nach deren Namen zu fragen und sich diesen buchstabieren zu lassen, sodass alle mit einem persönlich signierten Tonträger zufrieden den Heimweg antreten konnte.

Nach dem Konzert gab es dann noch den Hinweis, dass Lyytinnen im Oktober 2022 nicht nur bei der Bluesnacht im Kölner Bürgerhaus Stollwerck den Support für Walter Trout und Julian Sas machen wird, sondern auch wieder in der Harmonie zu Gast sein wird.

Ein besonderer Dank an die Harmonie und die Bands für die problemlose Akkreditierung sowie den netten Empfang an diesem begeisternden Konzertabend mit einem bestens abgemischten Sound. Auch ein Kompliment an die Lichttechnik, für die visuelle Untermalung der Musik.

Line-up: Erja Lyytinen Band
Erja Lyytinen: guitars & lead vocals
Miika Aukio: keyboards
Tatu Back: bass & vocals
Iiro Laitinen: drums 

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Harmonie Bonn

Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Danny Bryant – The Rage To Survive – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Seit dem 29. Oktober liegt nun Danny Bryants zwölftes Album in den Läden und wartet auf hoffentlich zahlreiche Käufer aus der Blues Rock-Fraktion. Es trägt den Namen „The Rage To Survive“ und kann nach seinem 2019‘er Vor-Corona-Album „Means Of Escape“ durchaus als eine Aufarbeitung der bei Bryant durch die Pandemie hervorgerufenen Emotionen und Erfahrungen verstanden werden, die der Brite in gefühlvollen und nachdenklich stimmenden Texten verarbeitet und zu Gehör bringt. Und selbstverständlich stammen auch alle Melodien und Arrangements aus seiner Feder.

Zudem wurde die Scheibe in den bekannten Chapellier-Studios in Lincolnshire, GB, aufgenommen, wobei es Bryant ein besonderes Anliegen war, die Platte live einzuspielen, um all die in der Corona-Zwangspause aufgestaute Energie zusammen mit seinen Mitstreitern rauszulassen und rüberzubringen. Was den Jungs nach meiner Ansicht auch prima gelungen ist, das Album deckt die gesamte Gefühlsbreite von hoch emotional bis rockig-hart ab.

Der kraftvoll-raue Titeltrack „The Rage To Survive“ mit seinen teilweise sägenden Gitarrenriffs macht sofort unmissverständlich klar, wohin die musikalische Reise dieser CD in weiten Teilen führt. „Trouble With Love“ stampft zwar etwas weniger rockig, besticht aber durch eine harte Basslinie.

Das folgende „Invisible Me“ (6:30 Minuten Spielzeit !) ist ein sehr gefühlvoller, aber tiefschwarzer Blues mit einem feinen Trompetenintro, gefolgt von Pianoklängen und Bryants leicht verhalltem Gesang, an das sich das von Keyboarduntermalung beherrschte Midtempo-Stück „Rescue Me“ anschließt.

Zur Halbzeit nimmt „Falling Tears“ im Vergleich zu den vorherigen Songs eine Sonderstellung ein, handelt es sich doch um einen rein akustisch gespielten, sehr schönen Blues. Mit „Make Me Pay“ gibt‘s dann einen ordentlichen Oldschool-Blues Rock mit wabernden Keys und dezentem Pianogeklimper im Back auf die Ohren, danach lädt „Rain Stopped Play“ zum Relaxen und Träumen ein und das flotte Instrumentalstück „Looking Good“ kommt mit seinen Bläsersätzen leicht jazzig daher. Ein treibender, in die Beine gehender, Rock’n’Roll-Knaller ist dann noch einmal „Till The Bottle Runs Dry“ bevor die Scheibe mit der ruhigen Ballade „Westport“ zu Ende geht.

Mit „The Rage To Survive“ legt Danny Bryant sein wohl persönlichstes und ausdrucksstärkstes Album vor und zeigt einmal mehr seine großen Qualitäten als Gitarrist, aber auch als feinfühliger Texter und Songwriter. Seine raue und teilweise etwas kehlig klingende Stimme passt wunderbar zu seinen ehrlichen Songs und geben ihnen den letzten Schliff. Und letztendlich kommt es ja auch nur auf die Emotionen an.

Wer nun neugierig geworden ist, hat dieses Jahr im November/ Dezember reichlich Gelegenheit Danny Bryant live zu erleben (siehe dazu auch unsere Konzerttipps). 

Jazzhaus Records (2021)
Stil: Rock / Blues

Tracks:
01. The Rage To Survive
02. Trouble With Love
03. Invisible Me
04. Rescue Me
05. Falling Tears
06. Make Me Pay
07. Rain Stopped Play
08. Looking Good
09. Till The Bottle Runs Dry
10. Westport

Danny Bryant
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Another Dimension

The Cold Stares – 28.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Die aus den Staaten kommenden The Cold Stares sind erstmals auf Europatour und machten auch im Dortmunder Musiktheater Piano Halt. Dass Newcomer oft einen schweren Stand haben, zeigte sich an der Besucherzahl, die ziemlich übersichtlich war und erhebliche Lücken im Publikum offenbarte, was wieder das Risiko der Veranstalter, aber auch der Künstler gerade in der jetzigen Zeit zeigt, wo vielen das Infektionsrisiko bei Veranstaltungen noch immer zu groß ist.

Umso beachtlicher, dass das Musiktheater Piano und 3Dog Entertainment dennoch wagten, die hierzulande noch recht unbekannte Band zu engagieren, was sich aus musikalischer Sicht auf jedem Fall gelohnt hat. Als das Duo die Bühne betrat, mag so mancher, der ohne Vorwissen das Piano besucht hatte, sich erst einmal die Augen gerieben haben.

Der untere Teil der Bühne gehörte dem Sänger und Gitarristen Chris Tapp und der erhöhte Teil dem Drummer Brian Mullins. Nachdem Chris Tapp die Band kurz vorgestellt hatte und zum Ausdruck brachte, wie sie sich freuen, in dieser schönen Location bei ihrer ersten Europatour zu spielen, jagten die Zwei über knapp 70 Minuten von Song zu Song.

Der Großteil der Songs kam von den eigenen mittlerweile drei Alben inklusiv ihres aktuellen Werkes „Heavy Shoes“ und wenigen, eingestreuten Coverstücken, wie z. B. das legendäre „Whipping Post“, was die beiden in einer straighten schnörkellosen Hard Rock-Nummer präsentierten.

Beeindruckend war, mit welcher Dynamik und welchem Soundvolumen das neu renovierte altehrwürdige Musiktheater Piano beschallt wurde, was von der Klasse der Musiker zeugt. Chris Tapps kraftvoller Gesang erinnerte zuweilen an Phil Lynott, genau wie auch das Gitarrenspiel bei manchen Sogs auch zu Thin Lizzy gepasst hätte. Einige eher getragene hart rockende Songs erinnerten an düstere Phasen von Black Sabbath und Brian Mullins hämmerte bei vielen Songs so auf die Drums ein, dass man glauben konnte, eine Reinkarnation von John Bonham würde hinter den Drums sitzen.

Nach etwa 65 Minuten Spielzeit legte das Duo mit „Mojo Hand“ ihren vermutlich bekanntesten Song als Zugabe nach, welcher auch der Trailer des Videogames „Cyberpunk 2077“ ist und über 10 Mio. Streams auf Youtube hat. Trotz der hierzulande einer mit 70 Minuten eher kurzen Spielzeit, gab es nur zufriedene Gesichter im Publikum, da diese auf der Überholspur ohne Schnörkel bestritten wurde. Nach der Show nahmen sich die beiden Musiker noch ausgiebig Zeit für die Fans am Merchandisingstand, aber auch auf der Bühne, wo Tapp einem Fan seine Gitarre in die Hand gab und mit diesem darüber plauderte.

Von The Cold Stares wird in Zukunft, wenn sie ihre rohe dynamische Art beibehalten, noch Einiges zu erwarten sein, nicht umsonst hat mit der Mascot Label Group ein Schwergewicht die Band in diesem Jahr unter Vertrag genommen. Der Auftritt des Abends im Piano wird vermutlich nicht der letzte dort gewesen sein und mit der Werbung, die die Band für sich gemacht hat und dem großen Label im Rücken, ist zu erwarten, dass dann auch die Zuschauerzahl um einiges höher sein wird.

Line-up:
Chris Tapp – vocals, guitar
Brian Mullins – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

The Cold Stares
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ben Granfelt Band – 25.10.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Der 25.10.2021 kann als ganz besonderer Montagabend seit Bestehen der Krefelder Kulturrampe gesehen werden. Erstmals seit 600 Tagen ohne Konzerte, fand endlich wieder ein Konzert auf der schrägen Bühne der statt, nachdem seit März 2020 coronabedingt die Events auf das Openair-Gelände des Schlachtgartens verschoben worden waren.

Schon am Eingang der Rampe zeigte sich, dass Pille Peerlings und sein Team die eventfreie Zeit genutzt haben, um den Laden etwas aufzuhübschen. Eine Überdachung über den vorgelagerten kleinen Biergarten mit einem Bildschirm, der live das Geschehen in der Rampe überträgt, sorgt dafür, dass auch draußen die Besucher geschützt sind und beim frische Luft schnappen das Konzert weiter verfolgen können.

Beim Betreten der Innenräume konnte man bei langjährigen Rampengängern ein Staunen feststellen. Das Ziegelmauerwerk, das von seinem, in die Jahre gekommenen Putz befreit worden war und die nun freiliegende Holzdeckenkonstruktion sowie ein riesiger fensterartiger Durchbruch von der Kneipe zum Konzertsaal, geben der Location deutich mehr Gemütlichkeit und eine scheinbar größere Weite.

Um diesen Umbau und das Wiederaufleben der Kulturrampe entsprechend zu würdigen, kamen Ben Granfelt und Band gerade Recht. Zunächst betrat Pille Peerlings unter dem Applaus der etwa 80 Besucher, was für einen Montagabend eine beachtliche Zahl ist und bei 100 zugelassenen Gästen eine sehr gute Auslastung bedeutet, die Bühne. Symbolisch zerriss er den Zettel, der jetzt schon so lange darauf hinwies, dass im Moment keine Veranstaltungen hier durchgeführt werden, und gab zum Besten, dass Rock`n`Roll doch eine Lösung ist, und bat den schon im Publikum wartenden Ben Granfelt samt Band auf die Bühne.

Im Sturm eroberte der charismatische Finne die Herzen der Fans. In einer Mischung aus Englisch und Deutsch machte Granfelt die Ansagen und gab manches zum Entstehen der Songs und aus dem Geschehen um die Band preis, sowie zum Beispiel den Wiederkauf seiner alten hellblauen Fender- Gitarre, die er mal aus Geldnot verkauft hatte und plötzlich in einem Pfandhaus stehen sah und wie er dann von einem Freund beim Rückkauf unter die Arme gegriffen wurde.

Was sich musikalisch in den zwei Sets über insgesamt über zwei Stunden abspielte, war dann atemberaubend. Unterstützt von seiner Rhythmussektion um Bassisten Masa Maijanen, der zum Glück von einer schweren Coronaerkrankung wieder genesen ist und dem jungen Drummer Jari Salminen, feuerte Granfelt ein regelrechtes Feuerwerk an seinen beiden Gitarren ab, was zeigte, dass er mit Sicherheit zu den Topgitarristen in der Szene zählt.

Auch stimmlich hat Granfelt sich so weiterentwickelt, dass diese nicht im Gewitter der Instrumente untergeht. Die Songauswahl an dem Abend war eine bunte Mischung aus älteren eigenen Songs, einigen Tracks aus dem aktuellen Studioalbum „True Colours“ sowie Coverversionen, die in der präsentierten Form schon etwas Besonderes waren.

Hervorzuheben aus dem ersten Set, war das emotionale „Last Notes“, im Andenken an seinen Vater, „My Soul To You“ und natürlich „Faith Hope & Love“, das er in seiner Zeit für Wishbone Ash geschrieben hatte und seine Qualitäten im Songwriting beweist. Beeindruckend war, wie er die Gitarre in den Soloparts regelrecht singen ließ.

War das erste Set schon ziemlich fulminant, verstand es Granfelt im zweiten Set noch einen drauf zu setzen. Das schon dem Titel nach anmutende Instrumental „Oriental Express“, das einen scheinbar in die Welt des Orients transportierte, machte die Virtuosität Granfelts, aber auch die Dynamik und Spielfreude der gesamten Band deutlich und sorgte für einige exstatisch mittanzende Fans.

Mit „Breathe“ wurde es vor dem Finale Furioso noch einmal etwas ruhiger und Granfelt bewies, dass man diesen Song auch als Trio präsentieren kann, ohne das etwas fehlt. Einer der absoluten Höhepunkte war dann, als Granfelt den J.J. Cale-Song „Cocaine“ ankündigte und sagte, dass er diesen in einer Hendrixversion spielen würde. Nach einem kurzen Intro („Crosstown Traffic“) erklang das für Cocaine typische Riff, aber in einer Geschwindigkeit und Dynamik, welche deutlich machte, warum Eric Clapton als Slowhand betitelt wird.

Hier war Fasthand Granfelt am Werke, der fast dafür sorgte, dass die Decke der Rampe abhob. Dass ein bisschen „Sunshine Of Your Love“ von Cream eingebaut wurde und die letzte Strophe in bester Bob Marley-Manier gespielt wurde, sei nur an Rande erwähnt.

Zum Abschluss kündigte er noch das obligatorische, fast hymnische „Going Home“ an, nach dem fast nichts mehr gehen kann, er sich in der Anmoderation aber noch den Spielraum für eine Zugabe gab. Da die Fans genug Lärm machten, fing Granfelt an von einer Nacht im Hotel in Hamburg zu erzählen, wo er aufwachte und glaubte er wäre David Gilmour. Daraus entstand ein Instrumental „Late Night In Hamburg“, dass vom Gitarrensound und Feeling auf Pink Floyd-Scheiben gepasst hätte und einen würdigen Abschluss eines eindrucksvollen Konzertabends bildete.

Direkt von der Bühne weg, begab sich Granfelt und der Rest der Band zum Smalltalk und Signieren von Fanutensilien zum Merchandisingstand und zeigte auch dort mit einer Gelassenheit und guten Laune die Seite, die Fans an Musikern überaus schätzen.

Ein besonderer Dank, neben den Musikern, gilt natürlich Pille Peerlings und seinem Team, die dieses Ereignis in einer runderneuerten Kulturrampe ermöglichten. Fortsetzungen folgen, Rock`n`Roll ist eine Lösung!

Line-up:
Ben Granfelt – guitars, lead vocals
Masa Maijanen – bass
Jari Salminen – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Kulturrampe Krefeld

Yasi Hofer Trio – 15.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach zunächst schleppendem Vorverkauf zum Yasi Hofer-Gig fanden doch etwa 100 Musikfans den Weg ins Musiktheater Piano, die animiert durch den engagierten Bandauftritt, für eine gute Stimmung sorgten. Unter dem Applaus der Fans betrat das Trio, welche schon vor etwa drei Jahren einen überzeugenden Auftritt in Lütgendortmund hatte, die Bühne und legte direkt mit dem Instrumental „Skydriver“ los.

Danach richtete Hofer einige Worte ans Publikum. Sie dankte den Machern des Piano, die es ermöglichen, live wieder aufzutreten und, wie schön es ist, wieder in Dortmund spielen zu können. Dem Einwand aus dem Publikum, dass das Piano in Lütgendortmund liege und nicht in Dortmund konterte sie augenzwinkernd, dass sie das dann noch einmal genau googeln würde.

Was danach folgte, war ein über zweistündiger Auftritt, in dem die Band in zwei Sets, Songs aus ihren mittlerweile drei Studienalben präsentierte. Die sympathische Art der drei Musiker, wie sie ihren Mix aus verschiedensten Musikstilen mit einer zu sehenden und zu spürenden Spielfreude vortrugen, hatte mit Sicherheit auch einen großen Anteil, dass direkt von Anfang an der Funke aufs Publikum übersprang und man fast vergessen konnte, dass das Piano noch Platz für einige Zuschauer mehr gehabt hätte.

Beeindruckend war, wie es der Band gelang, progressive Bestandteile mit Rock, Fusion, einigen folkigen Elementen, Blues, aber auch Jazz, so zu kombinieren, dass aus diesen heterogenen Musikstilen am Ende ein absolut homogener Soundmix entstand. Auch durch die vielen Tempowechsel innerhalb der Songs ergab sich ein kurzweiliges Konzert, das die Besucher absolut in ihren Bann zog.

Dass es sich beim Yasi Hofer Trio um eine Band handelt, zeigte sich auch dadurch, dass neben der Fronterin Yasi, die ihre Gitarren mit einer spielerischen Leichtigkeit in einer großen Bandbreite bearbeitete, auch die Rhythmusfraktion in den meisten Songs prägende Elemente hatte.

Innerhalb vieler Songs setzte Drummer Christoph Scherer gezielt zuweilen stakkatoartige Akzente, die in dem bestens abgemischten Sound auch klar heraushörbar waren. Steffen Knauss nutzte den Bass neben der Rhythmusarbeit zuweilen auch als Soloinstrument.

Neben dem auditiven Zusammenspiel gab der Auftritt auch visuell klar zu erkennen, dass es sich um ein eng zusammengewachsenes Trio handelt. Drummer Christoph Scherer wurde immer wieder auch räumlich eingebunden, indem die beiden Anderen sich Richtung Drums begaben und ihm gewissermaßen zuspielten. Auch Hofer und Steffen Knauss gingen mit ihren Instrumenten spielend aufeinander zu, um in ihrer Musik nahezu zu verschmelzen.

Insbesondere bei den immer wieder eingestreuten Instrumentals wie dem erst ruhig-sphärischen „Eclipsed“, das sich mit laufender Dauer immer furioser entwickelte, dem progressiven, zuweilen jazzigen „Downhill“ oder „Clouds“, das sich, wie Wolken am Himmel, fortwährend von verträumt über progressiv bis hin zum Blues veränderte, zeigte sich, warum ein Steve Vai Yasi Hofer vor einigen Jahren zu sich auf die Bühne holte oder auch ein Marco Minnemann mit ihr zusammenarbeitete.

Aus einem starken Konzert fällt es schwer, einzelne Songs hervorzuheben. Highlights im ersten Set waren aber das leicht tragende bluesige „Working Man’s Life“, mit passend zum Thema zuweilen leicht düsterem Gesang, oder das eigentlich als Akustiknummer geschriebene „I Hear You“, das auch mit der E-Gitarre seinen folkigen Charakter nicht verlor.

Im zweiten Set begeisterten das ruhige  Instrumental „Freedom“, natürlich gespickt mit feinen Soli, das rockende „Now“ mit starken Riffs zwischen den Gesangspassagen und einem hart rockenden Solo, dass groovende, nach Aussage Hofers, tanzbarste Stück von ihr und das harte bluesige „Crossfire“, in dem natürlich das entsprechende furiose Gitarrensolo das I-Tüpfelchen aufsetzte, an das sich zum Abschluss noch das fast in Richtung Hard Rock gehende Instrumental „City Of Green Fields“ anschloss.

Mit dem entsprechenden Applaus und unter Zugabeforderungen verabschiedete sich das Trio sichtlich gerührt von den Fans und ohne die Bühne zu verlassen, kamen die drei gerne dem Wunsch der Fans nach und legte mit einer starken Version von „Liar“ für mich den Höhepunkt des Abends nach.

Die harten Gitarrenriffs und die Songstruktur erinnerten mich ein klein wenig an die harten Rocksongs von Neil Young mit Crazy Horse und wie Hofer dabei den Kontakt zum Basser Knauss suchte oder beide eine Art Kreis mit Drummer Scherer bildeten, sah ich auch einige Male bei Gigs des Kanadiers, wo die Bandmitglieder regelrecht ineinander als Einheit verschmolzen. Da nach diesem Kracher nicht mehr viel gehen konnte, war es geschickt, quasi als Outro, mit „Troubled“ noch ein Instrumental nachzulegen, das Drummer Christoph Scherer mit einem Pling abschloss.

Yasi Hofer und Band ist es gelungen, das hohe Niveau des Konzertes von vor drei Jahren nochmals zu steigern, sodass der Band um die junge Ausnahmegitarristin aus Ulm in dieser Spiellaune noch einiges zuzutrauen ist. Abgerundet wurde dieser Konzertabend dadurch, dass sich die Band nach dem Konzert alle Zeit nahm, um am Merch-Stand CDs zu signieren oder mit den Fans Smalltalk zu halten.

Man darf gespannt sein, ob es Hofer beim nächsten Mal schafft, das Piano zu füllen, was nach diesem Auftritt nicht verwundern würde.

Line-up:
Yasi Hofer (lead vocals, electric guitar)
Steffen Knauss (bass, backing vocals)
Christoph Scherer (drums, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Yasi Hofer
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ben Granfelt – Live… Because We Can! – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Der Titel des neuen Ben Granfelt Live-Albums „Live… Because We Can!“ kann in mehrerlei Hinsicht interpretiert werden. Das Konzert wurde 2019 in seiner Heimatstadt Helsinki kurz vor dem Corona-Lockdown gespielt, wo Liveshows noch ohne Einschränkungen möglich waren, jetzt zur Veröffentlichung sind Livekonzerte endlich wieder möglich sind (und haben es verdient besucht zu werden) oder einfach die Aussage, dass sie es einfach können, die Studiosongs und 1,5 Coversongs live auf die Bühne zu bringen.

Wie von Granfelt im Inlay beschrieben, handelt es sich  um ein authentisches Livealbum, nur mit den notwendigen Bearbeitungen im Krefelder A1 Studio, um den Mitschnitt stereokompatibel als CD und auch als Doppelvinyl in einer guten Aufnahmequalität zu präsentieren. Es ist bewusst darauf verzichtet worden, im Studio Passagen zusätzlich oder neu einzuspielen, was nicht allzu selten der Fall ist.

Der finnische Saitenhexer zeigt sich an dem Abend des Heimspiels in bester Spielfreude und offerierte einmal mehr, warum er einige Jahre ein wichtiges Bestandteil von Wishbone Ash war und auch am Songwriting seinen Anteil hatte, sodass  „Faith, Hope & Love“ streng genommen gar nicht als Coversong gesehen werden kann. Interessant ist, dass wie bei einigen anderen Songs Keyboarder Kasper Martenson den Part der zweiten Gitarre übernimmt, was den Stücken auch für Granfelt-Fans noch einmal etwas Besonderes gibt, da er sonst meist im Trio mit der auch hier mitwirkenden Rhythmussektion mit Masa Maijanen am Bass und Miri Miettinen an den Drums auf Tour ist.

Es fällt schwer, aus den 14 Songs, die einen Querschnitt aus seiner Solokarriere abbilden, einzelne Stücke hervorzuheben, da alle eine Berechtigung haben, in der Setliste zu stehen und als keine vermeintlichen Lückenfüller zu sehen sind, um die etwa 80 Minuten Spielzeit voll zu bekommen.

Was sich aber zum Ende des Konzertes, beginnend mit „Breathe“, hier auch mit tollem Zusammenspiel von Gitarre und Keyboards, abspielt ist schon beeindruckend. Beim „Almighty Blues“ zeigt die ganze Band die Urgewalt, welche im Blues stecken kann. Stark hier auch die Dynamik, mit welcher Masa Maijanen am Bass und Miri Miettinen an den Drums eine bombastische Grundlage für Granfelts Gitarrenarbeit legen.

Nach diesem Song kann als Abschluss eigentlich nur noch eins kommen. Das fast hymnische abschließende „Going Home“ ist ein Abschluss, welcher nicht nur Granfelt-Fans in Euphorie versetzt. Auf der CD folgt als „letzte Zugabe“ oder Bonustrack noch das Instrumental „Power Of Passion“ als passendes Outro.

„Live… Because We Can!“ ist mit seinem Abwechslungsreichtum vom Blues, über Balladen bis zu klassischem Rock mit psychedelischen Einflüssen ein Album, welches für Rockmusikfans allgemein interessant ist und einer Art Greatest Hits Live-Scheibe nahekommt. Das Album kann die Wartezeit zu anstehenden Granfelt-Konzerten verkürzen oder auch der Zucker sein, der Hörer dazu verleitet, sich Granfelt mit seiner Band live anzusehen. Es wird sich auf jedem Fall lohnen. Besucht Rockkonzerte, kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung!

Line-up:
Ben Granfelt: Guitars & Vocals
Masa Maijanen: Bass
Miri Miettinen: Drums
Kasper Martenson: Keyboards

Ben Granfelt-Livedaten Herbst 2021:
22.10 Blue Notez, Dortmund DE
23.10 Bierfabrik, Pockau DE
25.10 Kulturrampe, Krefeld DE
26.10 Kofferfabrik, Furth DE
28.10 Wunderbar Weite Welt, Eppstein DE
29.10 Ducsaal, Freudenburg DE
30.10 Bluesroute Festival, Helmond NL
31.10 Haus Eifgen, Wermelkirchen DE
01.11 B.L.U.E.S, Rhede DE

A1 Records, Broken Silence
Stil: Blues, Rock

Tracklist:
01. Mind Your Head And Watch Your Step
02. Open Road
03. Because We Can
04. Endless
05. My Soul To You
06. Check Up From The Neck Up
07. Faith, Hope & Love
08. Life, Living And You
09. Wayward Child
10. Soul Searching
11. Breathe
12. Almighty Blues
13. Going Home
14. Power Of Passion [Bonus Track auf CD]

Ben Granfelt
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A1 Records

Davy Knowles – What Happens Next – CD-Review

Review: Jörg Schneider

In den nächsten Tagen erscheint das neueste Album des in Illinois lebenden Gitarristen Davy Knowles. Mit „What Happens Next“ setzt er nun nach dem 2014 erschienenen Werk „The Outsider“, und dem 2016’er Album „Three Miles From Avalon“, um nur zwei zu nennen, die Reihe seiner erfolgreichen und von den Kritikern hoch gelobten Alben fort.

Das aktuelle Album enthält zwölf schöne, rockige und bluesige Nummern, teilweise garniert mit dezenten Folk-, Americana- und Soul-Einflüssen. Die Scheibe startet dann auch mit dem riffigen Rocker „Light Of The Moon“, umweht von Keyboardklängen wie aus den 60‘ern und einem leicht souligen Gesang und einprägsamen Refrains. Und im Anschluss geht’s rockig, stampfend mit „Heartbreak Or Nothing“ weiter, bevor die bluesige, Americana-beeinflusste Nummer „Roll Me“ mit eingängigen Gesangseinlagen folgt.

Auch im weiteren Verlauf wechseln sich auf der CD rockige und bluesige Songs ab. Da gibt es das fröhlich-fetzige „Get Lucky“, das seinem Titel alle Ehre macht, und mit einem etwas funkigen Intro aufwartet sowie das leicht verhallte Bluesepos „Devil And The Deep Blue Sea“, mit knapp 5 1/2 Minuten Spieldauer der längste Track auf dem Album. Die Titel „One & The Same“ (mit wiederkehrenden rockig-scharfen Riffs) und „Solid Ground“ mit stakkatoartigem Grundthema befriedigen die Bedürfnisse der Liebhaber einer härteren Gangart. „River“ hingegen überzeugt als Blues durch seine Pianobegleitung und den folkbeeinflussten Gesang von Davy Knowles.

Rhythmisch rockig wird‘s dann wieder mit der „Side Show“ (mit wiederkehrendem starken Bassmotiv), während „Wake Me Up When The Nightmare‘s Over“ wesentlich melodiöser ist und leichte Southern-Americana-Einflüsse aufweist. Und zwischen beiden Songs ist das einfühlsame und nachdenklich stimmende „Hell To Pay“ zu hören. Zum Abschluss präsentiert Davy Knowles schließlich sein wohl persönlichstes Stück „If I Ever Meet My Maker“, eine feine Folk-Ballade im Fingerpicking-Stil auf der Akustikgitarre.

Mit „What Happens Next“ beweist Davy Knowles einmal mehr seine Qualitäten als Blues-Rock Gitarrist und Songwriter: kraftvolle und bissige Riffs in den rockigen Titeln und lässig subtile Gitarrenarbeit bei den eher ruhigeren Songs, immer gepaart mit gefühlsbetonten Gesangseinlagen, insbesondere bei den zahlreichen Bluesnummern. Unter dem Strich also ein empfehlenswertes Album für Blues Rock-Enthusiasten.

Provogue Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Light Of The Moon
02. Heartbreak Or Nothing
03. Roll Me
04. Get Lucky
05. Devil And The Deep Blue Sea
06. One & The Same
07. Solid Ground
08. River
09. Side Show
10. Hell To Pay
11. Wake Me Up When The Nightmare‘s Over
12. If I Ever Meet My Maker

Davy Knowles
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Jason Isbell And The 400 Unit – Georgia Blue – CD-Review

Review: Michael Segets

Jason Isbell And The 400 Unit geben mit dem Titel „Georgia Blue” ein politisches Statement ab, ohne dass sich die Songs um Politik drehen würden. Aus Freude vor dem knappen Wahlsieg der Demokraten – deren Farbe Blau ist – in Georgia nahm Isbell ein musikalisches Projekt in Angriff, das ihn schon längere Zeit umtrieb. Obwohl Isbell in Alabama geboren wurde und in Tennessee lebt, steht ihm die Musik aus Georgia besonders nah. Auf dem Coveralbum würdigen er und seine Band Künstler unterschiedlicher Couleur, die in dem Bundesstaat beheimatet sind beziehungsweise waren. Herausgekommen ist ein Potpourrie unterschiedlicher musikalischer Stile, das durch die Vielzahl an Gastmusikerinnen, die den Leadgesang übernehmen, zusätzlich an Farbe gewinnt.

Jason Isbell And The 400 Unit bestreiten lediglich fünf Songs ohne weitere Unterstützung. Die Stücke „I’ve Been Loving You Too Long” von Soul-Legende Otis Redding, „Reverse” von der weniger bekannten Indie-Band Now It’s Overhead und „I’m Through”, das Vic Chestnutt geschrieben hat, präsentieren sie in der üblichen Rollenverteilung. Isbells Ehefrau Amanda Shires übernimmt beim psychodelisch angehauchten „Cross Bones Style“ den Gesang, Gitarrist Sadler Vaden steht bei dem kräftig rockenden „Honeysuckle Blue“ im Rampenlicht.

Der Song, der im Original von Drivin‘ N‘ Cryin‘ stammt, stellt neben dem Black-Crowes-Cover „Sometimes Salvation“ meinen Favorit auf dem Album dar. Die Version des Klassikers von James Browne „It’s A Man’s, Man’s, Man’s World“ kann zusätzlich auf der Habenseite verbucht werden. Ebenso wie bei „Midnight Train To Georgia” ist Brittney Spencer dort am Mikro. Neben Spencer wurden drei weitere Gastsängerinnen für das Georgia-Tribute-Werk gewonnen: Adia Victoria („The Truth“), Brandi Carlile und Julien Baker („Kid Fears“).

Jason Isbell And The 400 Unit berücksichtigen in ihrer Auswahl The Allman Brothers Band und – mit zwei Titeln vertreten – R.E.M. Beim über zwölfminütigen Instrumentalstück „In Memory Of Elizabeth Reed“ wirkt Peter Levin, der eher in der Jazz-Ecke angesiedelte Keyboarder, mit. Die R.E.M.-Stücke bilden den Auftakt und Abschluss des Longplayers. Mit „Nightswimming” steigt er ruhig und akustisch ein. Das flottere „Driver 8” sorgt für seinen gelungenen Ausklang.

Die persönliche Auswahl der Cover auf „Georgia Blue“ zeigt zum einen die Vielfalt der musikalischen Einflüsse, die Jason Isbell And The 400 Unit inspirieren. Es sind Blues, Soul und diverse Spielarten des Rock – von Indie bis Southern – vertreten. Auf der anderen Seite ist das Konzept so offen, dass der Longplayer droht, seine Linie zu verlieren. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den wechselnden Leadgesang. Insgesamt erscheint er daher eher als eine Compilation zur Abbildung der Musikszene Georgias als ein Isbell-Album. Aber bei dem angebotenen musikalischen Spektrum wird fast jede Geschmacksrichtung gelegentlich bedient und vielleicht gewinnen Jason Isbell And The 400 Unit so neue Hörer hinzu.

Eine neue Veröffentlichungspolitik einiger Labels, die seit diesem Jahr verstärkt zu beobachten ist, verwundert. Die Herausgabe als CD und/oder LP erfolgt in mehreren Fällen deutlich später als die in digitaler Form. So sind die Hardcopies für „Georgia Blue“ erst für den 26.11.2021 angekündigt. Positiv zu verzeichnen ist hingegen, dass die Erlöse von „Georgia Blue“ an Black Voters Matter, Georgia Stand Up und Fair Fight gehen.

Southeastern Records – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. Nightswimming (feat. Bèla Fleck and Chris Thile)
02. Honeysuckle Blue (feat. Sadler Vaden)
03. It’s A Man’s, Man’s, Man’s World (feat. Brittney Spencer)
04. Cross Bones Style (feat. Amanda Shires)
05. The Truth (feat. Adia Victoria)
06. I’ve Been Loving You Too Long
07. Sometimes Salvation (feat. Steve Gorman)
08. Kid Fears (feat. Brandi Carlile and Julien Baker)
09. Reverse
10. Midnight Train To Georgia (feat. Brittney Spencer and John Paul White)
11. In Memory Of Elizabeth Reed (feat. Peter Levin)
12. I’m Through
13. Driver 8 (feat. John Paul White)

Jason Isbell
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