Jana Kramer – Same – CD-Review

Die aus Detroit, Michigan, stammende Jana Kramer ist bis jetzt in erster Linie als Schauspielerin in Erscheinung getreten. Die Liste ihrer (Neben-) Rollen ist lang und führt von Serien wie ‚CSI‘ über ‚Grey’s Anatomy‘ bis hin zu ‚One Tree Hill‘, in der sie mittlerweile zu den Hauptdarstellern zählt. Dass Schauspielerei und Countrymucke ganz gut funktionieren können, haben u. a. Tim McGraw, John Corbett oder Christian Kane bereits bewiesen und auch die 28-jährige, hübsche Brünette zeigt bei ihrem Debüt, dass sie auf musikalischem Parkett durchaus ihre Reize zu bieten hat.

Angesichts des hohen Vermarktungspotenzials (nebenbei sorgte auch noch ihre nur einen Monat währende Ehe mit Schauspiel- und Serienkollege Jonathan Schaech für Gesprächsstoff) war mit Warner Music Nashville schnell ein gut situiertes und hier auch perfekt passendes Label zur Stelle, das mittels Department-Chef und Producer Scott Hendricks (Blake Shelton, Brooks & Dunn, Alan Jackson, Trace Adkins) für die perfekten Rahmenbedingungen eines erfolgreichen Albums sorgte.

Ihr Debüt kletterte dann auch ganz schnell auf Platz 5 der Billboard Countrycharts und ist das erste seit sehr langer Zeit, das es von einer Nicht-Blondine in die Top-Ten geschafft hat. Auch ihre Single „Why Ya Wanna“ (eine Powerballade mit etwas Rascal Flatts-Flair) hält sich momentan konstant unter den ersten Zwanzig.

Die elf Songs (zwei darunter von Jana mitkomponiert) bieten eigentlich alles, was das (New-) Countryherz begehrt, was im Prinzip, angesichts der arrivierten Songwriter (u.a. Jessi Alexander, Jim Beavers, Rachel Proctor, Katrina Elam, Troy Verges, Dean Maher, Jennifer Hanson) und der ganzen hochkarätigen Musikerschar wie Troy Lancaster, Tom Bukovac, Ilya Toshinsky, Bryan Sutton, Jimmie Sloas, Glenn Worf, Paul Franklin, Dan Dugmore, Shannon Forrest, Aubrey Haynie, Charlie Judge, Eric Darken, Gordon Mote & Co. (die sich spürbar für Jana ins Zeug legten), keine Überraschung ist.

Da gibt es einige richtig fröhlich abgehende Stücke, die dank ihrer noch sehr unverbraucht und jung klingenden Stimme absolut gute Laune verbreiten und auch immer mit einem gewissen Flirt-Faktor aufwarten („Good Time Comin‘ On“ – das Führungsriff erinnert ein wenig an „Listen To The Music“ von den Doobie Brothers; „I Hope It Rains“ – herrliches Mandolinengezirpe von Haynie; „Goodbye California“ – rhythmische Claps, Ooo-Ooh-Ooh-Gesänge Marke SHeDAISY; „One Of The Boys“ – mit Foot-Stompin‘-Refrain; „What I Love About Your Love“ – cooler Rhythmus, Fiddlefills) oder auch mal den einen oder anderen Seitenhieb in Richtung des Ex bei der Liederauswahl vermuten lassen („King Of Apology“).

Dass Jana es auch im langsamen Bereich drauf hat, offenbart sie bei emotional aufgemachten Tracks wie „Whiskey“ (Fiddle, Mandoline, weinende Steel, E-Fills, Harmoniegesänge), „Over You By Now“ (kammermusikartig mit Cello und Steel), „When You’re Lonely“ (atmosphärisch mit toller Bariton-E-Gitarre) und der entspannten Schlussnummer „Good As You Were Bad“ (steel-betont, Steel-Solo). Hier braucht sie sich bei Leibe nicht vor den bekannten Diven der Szene zu verstecken.

Das Debüt der hübschen Newcomerin Jana Kramer bietet somit über die gesamte Spieldauer angenehme Unterhaltung mit viel positiver Ausstrahlung und hat das Herz des (New-) Country-erfahrenen Rezensenten direkt gewonnen. Muntert bei unserem trüben Wetter dieser Tage richtig auf. Diese hübsche junge Dame ist nicht nur ein optischer Blickfang (sehr schöne Fotos im Booklet), sondern auch durchaus eine musikalisch ernstzunehmende Konkurrenz für Swift, Underwood, Pickler & Co. Keep it up, Jana!

Warner Music Nashville (2012)
Stil: New Country

01. Good Time Comin‘ On
02. I Hope It Rains
03. Why Ya Wanna
04. Goodbye California
05. Whiskey
06. Over You By Now
07. One Of The Boys
08. What I Love About Your Love
09. When You’re Lonely
10. King Of Apology
11. Good As You Were Bad

Jana Kramer
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Bärchen Records

James Otto – Sunset Man – CD-Review

Bärenstarker Nachfolger des weitgereisten und vielseitigen Musikers/Songwriters/Schauspielers, nachdem er bereits schon 2004 mit seinem sehr guten Debüt „Days Of Our Lives“ auf sich aufmerksam machte. James Otto, mittlerweile Mitglied der Country Kreativ-Schmiede „Muzik-Mafia“ (u.a. Big & Rich, Gretchen Wilson, Kid Rock), war allerdings mit seinem Major-Erstwerk nicht so richtig glücklich, da ihm zu viele unterschiedliche Leute einen Stempel aufdrücken wollten. Die Songs wurden ihm seinerzeit teilweise vorgeschrieben und auch die Vermarktungsstrategie erwies sich als nicht allzu glücklich.

So war der Wechsel des passionierten Bob Seger-Fans zum Warner Brothers Nashville Unter-Label „Raybaw“ eigentlich nur konsequent und die Produktion durch John Rich von Big & Rich aus o.a. Gründen naheliegend. Drei Tracks auf seinem brandaktuellen Album „Sunset Man“ wurden dazu noch von Rascal Flatts-Bassist Jay DeMarcus betreut („For You“, „You Don’t Act Like My Woman“ und“The Man That I Am“). Die ganze, neu gewonnene Energie entläd sich direkt beim modernen, muskelstrotzenden, stampfenden Opener „Ain’t Gonna Stop“, der ibn allerbester, satter „Big & Rich“- Manier aus den Boxen „rockt“.

Kein Wunder, denn der Song ist eine Komposition von James und den beiden, wobei John Rich und Big Kenny ihre unverwechselbaren Background Gesänge mit einbrachten. Mit „Just Got Started Lovin’ You“ (bereits in den Top-5 der Billboard Country-Singles-Charts mit Pfeil nach oben) )bekommt man dann erstmalig den typischen James Otto geboten: Eine herrlich flockig, relaxt dahin groovende traditionell verwurzelte (New) Countrynummer mit einer frischen, unbefangenen, leicht souligen Note. „For You“, eine der zwei Fremdkompositionen (der gesamte Rest stammt aus der Feder von Otto mit diversen hochkarätigen Co-Autoren wie Monty Powell, John Rich, Big Kenny, Jay DeMarcus, Shannon Lawson, Monty Criswell) ist eine wunderschöne Ballade, bei der man den Einfluss von DeMarcus zwar spürt, die aber dann doch ohne den poppigen Bombast seiner Hausband Rascal Flatts auskommt.

Ein weiterer Höhepunkt einer tollen CD ohne jede Schwächen ist das ebenfalls dezent soulige, locker dahinwippende „These Are The Good Ole Days“, bei der Otto mit seiner warmen, dezent raspeligen Stimme sich ganz in seinen Element zu befinden scheint. Ganz toll auch das recht traurige „Where Angels Hang Around“, das in seiner Gestaltung wie ein countryintonierte Version des Marc Cohn-Klassikers „Walking In Memphis“ rüber kommt (tolle Pianobebleitung). Der prächtige, melodische, lockere Titelsong „Sunset Man“ steckt textlich voller witziger Selbstironie und gewinnt durch die flockige Instrumentierung mit einer herrlichen Baritone-E-Guitar (Troy Lancester), Mandoline (glänzend Jonathan Yudkin), Steel (Mike Johnson) und dem schönem Piano (Mike Rojas) eine unwiderstehliche, leicht Westcoast eingefärbte New Country-Frische.

Selbstredend wurde das Werk natürlich ausnahmslos von Klasse-Musikern aus der ersten Garde Nashvilles eingespielt (u.a. Tom Bukovac, Tommy Harden, GlennWorf, Russ Pahl, Tony Harrell, Eric Darken, Dan Dugmore). „You Don’t Act Like My Woman“ (dezentes Southern-Flair, klasse Bukovac-E-Gitarren-Solo), „When A Woman’s Not Watching“ (emotional, heulende Fiddle, leiernde Steel Gitarre) und „Damn Right“ (atmosphärisches Southern-Flair, soulig) sind weitere angenehme, höchst melodische Balladen, während bei „Drink & Dial“ noch mal launiges Big & Rich-Feuer (Refrain zum Mitsingen) entfacht wird. Mit dem Country-bluesigem „The Man That I Am“ gelingt James Otto dann am Ende noch einmal ein grandios instrumentierter Abschluss (besonders der psychedelisch-angehauchte Ausklang, genial dabei Bukovac an der E-Gitarre).

Das neue Werk von James Otto ist vergleichbar mit der Schönheit und Stimmung eines malerischen Sonnenuntergangs, kommt karrieretechnisch wohl aber eher einem Sonnenaufgang gleich. Dieser Musiker ist auf dem richtigen Weg ein ganz Großer seiner Zunft zu werden. So muss knackiger, auf den Punkt gebrachter Nashville-New Country heute klingen. Dicke Konkurrenz für Stars wie Tim McGraw, Travis Tritt, Montgomery Gentry, Big & Rich & Co. Von daher unser unumstößliches Urteil: (James) Otto – finden wir gut!

Warner Bros (2008)
Stil: New Country

01. Ain’t Gonna Stop
02. Just Got Started Lovin‘ You
03. For You
04. These Are The Good Ole Days
05. Where Angels Hang Around
06. Sunset Man
07. You Don’t Act Like My Woman
08. When A Woman’s Not Watching
09. Drink & Dial
10. Damn Right
11. The Man That I Am

James Otto
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Bärchen Records

Tracy Lawrence – Strong – CD-Review

Law

Tracy Lawrence hat schon etliche CDs veröffentlicht und muss sicherlich mit zu den Urgesteinen der New-Country-Szene gezählt werden. Jede Menge Anerkennung hat er sich damit ohne Zweifel erarbeitet, zum Superstarstatus eines Garth Brooks oder Tim McGraw hat es bisher aber nicht gereicht.
Ein wichtigen Schritt in diese Richtung dürfte er allerdings jetzt mit seinem neuen Album „Strong“ gemacht haben. Das Werk hat kaum Aussetzer, dafür aber jede Menge hitverdächtige Songs. So hat sich auch die erste Singleauskoppelung „Paint Me A Birmingham“ bereits in den Country-Billboard-Charts (Platz 4) eingenistet.

Insgesamt gesehen drängt sich mir ein Vergleich mit Chris Cagles letzter Scheibe förmlich auf, auch wenn Tracy bei „Strong“ den Fokus komplett auf Fremdkompositionen gesetzt hat, dies aber mit sehr viel Bedacht. Ähnlich wie bei Cagle präsentiert er seinen Mix aus knackigen Mid- und Uptempo-Nummern und kraftvollen Balladen mit viel Herzblut und man spürt, wie er mit Leib und Seele bei der Sache ist.

Und so brennt dann auch direkt bei den beiden Eröffnungsstücken der Lawrence. „It’s All How You Look At It“ und „Strong“ haben alles, was ein guter New-Country-Song braucht: Rockiger Rhythmus, sparsame Fiddle-, Steel- und Pianoeinlagen, dezente Backgrounds und klasse E-Gitarren.
Die druckvollen Sachen wie „Everywhere But Hollywood“ und „What The Flames Feel Like“ (erinnert an „It’s All In Your Head“ von Diamond Rio) zählen zu meinen weiteren Favoriten. Toll auch die Hillbilly-Honkytonk-Tanznummer „Sawdust On Her Halo“, das mit seinen Steel-Passagen ein wenig Pirates Of The Mississippi-Charakter aufweist.

Nach dem locker flockigen „Think Of Me“ glaubt man sich schon bei der abschließenden Ballade „The Questionnaire“ in aller Ruhe entspannt zurücklehnen zu können, da durchrüttelt einen gegen Ende ein plötzlich einsetzender Schlagzeugwirbel und ein gigantisches Gitarrensolo, das im Genre seines Gleichen suchen dürfte.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Als Rezensent eines Musikmagazins und der damit verbundenen inflationären Hörtätigkeit von CDs ist man mangels Zeit zum Teil der Gefahr einer oberflächlichen Bewertung ausgesetzt (gerade im New-Country-Bereich), allerdings bemühe ich mich, dies in der Regel zu vermeiden. Deshalb erscheinen mir gerade die Anfangs- und Endstücke eines Werkes in kommerzieller Hinsicht die wichtigsten zu sein, weil diese doch am meisten im Ohr hängen bleiben. Und auch in diesem Punkt hat Mr. Lawrence somit alles richtig gemacht, das Spannungsbarometer erstreckt sich jedoch, wie bereits anfangs erwähnt, über die gesamte Spieldauer.

Eine tolle Scheibe, die ganz sicher zu den Highlights des Jahres 2004 zählen wird, oder wie der Amerikaner es einfach sagen würde: „Strong“!

DreamWorks Records Nashville (2004)
Stil: New Country

01. It’s All How You Look At It
02. Strong
03. Stones
04. Paint Me A Birmingham
05. Everywhere But Hollywood
06. A Far Cry From You
07. Bobby Darwin’s Daughter
08. What The Flames Feel Like
09. Sawdust On Her Halo
10. When Daddy Was A Strong Man
11. Think Of Me
12. The Questionnaire

Tracy Lawrence
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Bärchen Records

Danni Leigh – A Shot Of Whiskey & A Prayer – CD-Review

Dan

Wow! Was für eine heiße Frau, dachte ich, als sie mir das erste Mal mit ihrem Videoclip zu „Honey I Do“ in der Sendung Country Roads begegnete. Nicht nur ein knackiger Song, sondern auch das Äußere nicht minder ansprechend! Mein Interesse war geweckt, aber es sollte noch einiges an Zeit vergehen, bis diese Scheibe in meinem Besitz landen sollte.

Zunächst suchte ich die CD in den zwei, drei einschlägigen hiesigen Läden, die recht gut mit New-Country-Musik ausgestattet sind, jedoch Fehlanzeige. Auch bei Bärchen Records weit und breit nichts von Danni Leigh zu lesen. Die Gründe dafür sind allerdings in den recht unglücklichen Umständen zu suchen, unter denen das Werk entstanden war, denn es wurde mehrfach gecancelt oder verschoben, bis Sony sich letztendlich bereit erklärte, es im Rahmen ihres ‚Fan-Demand-Projekts‘ zu veröffentlichen.

Danni Leigh wurde in Strasburg, Virginia, einer kleinen Stadt in der Nachbarschaft ihres Idols Patsy Cline geboren. Mit drei Jahren singt sie schon zum ersten Mal solo in der heimatlichen Kirche. Ihren ersten Job nimmt sie mit sechzehn Jahren in einem Plattenshop an und endeckt ihre Vorliebe für Reiten und Motorradfahren. Gerade mal 19 geworden, führt sie ihr Weg nach Orlando, Florida und sie singt für gerade anbietende Countryband im Umkreis, mit mehr oder weniger Erfolg.

Erwähnenswert vielleicht Auftritte mit und der Artimus Pyle Band. Sie entschließt sich letztendlich nach Nashville zu gehen und nimmt dort einen Job als Kellnerin im legendären Bluebird Cafe an, in dem die ansässige Musikerszene ein und aus geht. Danni beginnt einige Songs zu schreiben, unter anderem „I Want To Feel That Way Again“, das mit ihr als Co-Writerin für Tracy Byrd zu einem Top-Five-Hit wird, und sich 28 Wochen in den Charts hält. Cafebesucher Michael Knox von Warner vermittelt ihr den ersten Plattendeal bei Decca Records. Die Firma wird kurze Zeit später im Rahmen heute üblicher Fusionen geschluckt und damit platzten auch zunächst Dannis Hoffnungen.

Ihr Kämpferherz wird aber dann doch noch belohnt und sie erhält bei Monumental Records eine weitere Chance unter der Regie von Emory Gordy jr. (Patty Loveless) und Richard Bennett. Nach zwei Singleauskoppelungen und recht mäßigem Erfolg in den Radiostationen wird das Werk erneut verschoben, bis Sony wie bereits erwähnt, den langersehnten Traum zur Realität werden ließ. Mittlerweile tauchte die Kurzkritik auch bei Jürgen Thomä auf, in der Mrs. Leigh als weiblicher Dwight Yoakam bezichtigt wird, was mich widerum eher abschreckte.

Vor einigen Wochen bei einem Einkaufsbummel im Oberhausener Centro hielt ich die CD dann doch noch in den Händen. Der riesige Laden total überfüllt, sämtliche Kopfhörer ebenso. Links und rechts Kids, die sich reichhaltig mit Techno- und Hip-Hop-Müll eingedeckt hatten und denen eine Scheiss-Egal-Haltung, was das Geschehen hinter ihnen anging, auf die Stirn geschrieben zu sein schien. So wählte ich die Position hinter einem Mann, ungefähr in meinem Alter, der schon gerade begonnen hatte, zwei, für die Zivilisation so wertvolle Dinge wie Bravo-Doppel-CDs zu hören, und dies dann aber auch mit stoischer Ruhe tat.

So verbrachte ich erstmal die Zeit mit dem wunderschön anzuschauenden Cover – die Frau ist echt unglaublich attraktiv – aber nach mehr als einer Viertelstunde und ersten mordlüsternen Blicken meinerseits, kam ich dann doch noch in den Genuss, mir einen kurze Kostprobe ihres Werkes zu verschaffen. Und so kamen Danni und Daniel dann doch noch zusammen.

Die Songs selber sind eine recht bunte Mixtur jenseits aller kommerziellen Pfade. Drohende, zur Introvertiertheit neigende Passagen, ala Dwight Yoakam, werden immer wieder durch plötzliche Tempowechsel oder peppige Country-Rock’N’Roller mit viel Drive abgelöst. Dazu nette Gitarrenparts, viel Steel und einiges an Fiddelei, das Übliche halt, was zu einer schönen New-Country-CD gehört.

Ihre Stimme erinnert mich teilweise, bei einigen Liedern, an die von Janis Joplin. Meine persönlichen Favoriten sind die absolute Killerballade „Can’t Build A Better Love, Honey I Do“ und die Barroomballade „Back In Your Arms Again“. Gerade bei den langsamen Stücken hält sie recht gut die Balance und driftet nicht in das mir so verhasste Geheule mancher anderer Country-Ladies.

Fazit: Ein Album, bei dem letztendlich auch die musikalische Qualität das hält, was die Optik von vorne herein eh schon verspricht. Manko die knappe halbe Stunde zum damaligen Preis von 36 DM.

Sony Music (2001)
Stil: New Country

01. Chain Gang
02. Longnecks, Cigarettes
03. Trying To Get Over You
04. Watcha Gonna Do
05. Shiver Of Lonesome
06. Honey I Do
07. Little Things
08. Can’t Build A Better Love
09. I Don’t Feel That Way Anymore
10. Back In Your Arms Again
11. Cruel Heart

Danni Leigh
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Aaron Lewis – The Road – CD-Review

Sowohl der YouTube-Clip des Songs „Forever“ aus Aarons Lewis‘ im letzten Jahr veröffentlichten Solo-Album „The Road“ als auch sein kontrovers diskutierter Gesang aufgrund seines Mitwirkens in einer Grunge Band namens Staind hatten mich neugierig gemacht. Glücklicherweise hatte Bärchen Records die Scheibe auch noch in seinem Programm, sodass die Motivation zu einem Review angeheizt war.

Jetzt liegt mir sein Werk vor und ich bin von diesem bis an den Hals tätowierten Redneck-Typen (so einen möchte man bei Handgreiflichkeiten sicher nicht auf der Gegenseite haben…) ziemlich positiv überrascht. Ich habe mir parallel natürlich auch diverse Beispielsongs mal von Staind angehört, wo Lewis sich vokal dann auch tatsächlich zum Teil in ganz anderen Sphären bewegt.

Bei normalem Gesang finde ich die Stimme für die Art von Musik durchaus okay und würde sie irgendwo zwischen Metallicas James Hetfield und Nickelbacks Chad Kroeger ansiedeln (also alles andere als schlechte Referenzen), das zwischenzeitliche Gebrülle gehört zum Genre und Stil der Band vermutlich mit dazu, empfinde ich auch als weniger gelungen. Auf dem Country-Album meint man dann tatsächlich, ein ganz anderer Mensch stünde da hinterm Mikro. Als stimmliche Vergleichsgrößen fallen einem hier spontan eher Leute wie Charlie Daniels, Billy Ray Cyrus, Bobby Pinson oder Bill McCorvey (Pirates Of The Mississippi) ein.

Lediglich einmal, ganz kurz bei der schönen, ansonsten sehr melancholisch gehaltenen Ballade „Anywhere But Here“, geht er im Staind-Stil (allerdings viel gemäßigter) aus sich heraus und lässt, so hat man den Eindruck, den im Text beschriebenen Frust lauthals heraus. Wirkt hier sogar richtig authentisch. Widersprechen muss ich dem Kollegen in meinem Gesamtfazit auf jeden Fall, dass dieser Mann eine stimmliche Fortbildung benötigt. All das bisher Formulierte weist eher auf eine recht hohe vokale Variabilität hin, und gerade für’s Country-Parkett ist der Mann fast wie geschaffen.

Die Songs von „The Road“ sind alle bis auf einen (nur das patriotische „Red White & Blue“ stammt nicht von ihm – ist aber nicht der Skynyrd-Song) von Ihm selbst komponiert (übrigens ist Lewis als Songwriter auch schon Grammy-nominiert gewesen) und überwiegend sehr traditionell angesiedelt. Im Vergleich zum Rest ist lediglich die Single „Endless Summer“ fast überschwänglich fröhlich gestaltet. Sie hat aufgrund ihrer eingängigen Art und dem schönen Refrain das Zeug zu einem New Country-Hit oder zumindest für gesteigerte Radio-Präsenz.

Ansonsten behandelt Aaron die typischen Country-Themen, wie die Straße, Erlebnisse aus dem Musikerleben, Einsamkeit, Trinken, verlorene Chancen, Probleme mit Frauen und sich selber, etc. Die Texte sind im eingesteckten Booklet des DigiPaks mitgeliefert. Und bei „Granddaddy’s Gun“ outet er sich beileibe nicht als potenzieller Unterstützer von Obamas Plänen, die Macht der Waffenlobby einzuschränken. So sind’se halt, die Amis – scheint irgendwie genetisch bei ihnen verankert zu sein – einfach unbelehrbar und bekloppt, was dieses Thema betrifft!

Ich bin zwar im Prinzip nicht der traditionelle Country-Typ, aber hier stimmt einfach das Gesamtpaket. Vor allem die beteiligten, durchgehend exzellenten Musiker, u. a. besonders zu erwähnen, Brent Mason an der Bariton-E-Gitarre, Ben Kitterman an der Dobro und Paul Franklin an der Steel-Gitarre zeigen bei glasklarer, moderner Produktion von Lewis und Veteran James Stroud (in den Achtzigern mal Mitglied der Marshall Tucker Band) ihr außergewöhnliches Können. Gerade Masons famoses Gitarrenspiel hat so etwas wie Lehrbuchcharakter. Wahnsinn, was der an Soli und Fill-Arbeit im Zusammenwirken mit Sol Littlefield leistet.

Nicht zu vergessen nochmals Lewis‘ perfekt zu den Songs passende Stimme zu erwähnen – 1a! Was seine Qualitäten im Country-Genre angeht, muss ich Aaron Lewis für „The Road“ somit eine Meisterleistung attestieren. Nachschlag hier in jedem Fall erwünscht, weiter rumgegrowlt darf dann ruhig bei seinem Staind-Projekt werden – und alle sind glücklich…!

Blaster Records, Warner Music Nashville (2012)
Stil: New Country

01. 75
02. The Road
03. Endless Summer
04. Red, White & Blue
05. Lessons Learned
06. Forever
07. Granddaddy’s Gun
08. State Lines
09. Anywhere But Here
10. Party In Hell

Aaron Lewis
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Bärchen Records

Little Texas – Missing Years – CD-Review

Little Texas, eine der erfolgreichsten New Country-Bands der 90er-Jahre, hatte mit Brady Seals und Tim Rushlow den Verlust von gleich zwei charismatischen Bandleadern zu verkraften (beide versuchten es zunächst solo, um dann mit ihren Projekten Rushlow und Hot Apple Pie Fuß zu fassen), was naturgemäß zunächst einen länger anhaltenden Break zur Folge hatte.

2004 versuchte der verbliebene Rest nach Klärung der rechtlichen Belange ein Comeback mit Steven Troy als neuem Sänger, der allerdings 2006 schon wieder ausschied. Seit Lead-Gitarrist Porter Howell nun das Mikro übernommen hat (erstaunlich, dass er bei seinen gesanglichen Qualitäten nie früher zum Zuge kam) fluppt die Sache wieder.

Das Quartett mit den übrigen Ursprungsmitgliedern Del Gray (drums), Duane Propes (bass, vocals), Dwayne O’Brien (guitars, vocals) und Porter Howell (lead vocals, lead guitar) meldete sich dieses Jahr mit einem Doppelschlag zurück. Zunächst gab es als Appetithappen ein tolles Live-Album mit ihren größten Hits, zwei Covernummern und einem neuen Stück, das ihren Ruf als ausgezeichneter Live-Act eindrucksvoll untermauerte (die Band spielte in ihren Anfangstagen wie auch zu ihren Hoch-Zeiten fast 300 Gigs pro Jahr, was ihr den Ruf als ‚hardest working band in country music‘ einbrachte).
Knapp zwei Monate später ist mit „Missing Years“ jetzt ein brandneues Studioalbum auf dem Markt. Die Hälfte der Nummern stammt aus der Feder von Howell, Gray und O’Brien, der Rest wurde von arrivierten Nashville-Songwritern (u.a. Marc Beeson, Don Pfrimmer, Anthony Smith, Angelo & Brett James) beigesteuert.

Neben einigen entspannten New Country-Songs, die meist aufgrund der herrlichen Harmoniegesänge mit viel Westcoast-Flair umgarnt sind (die Band klingt hier oft wie eine Art ‚texanischer‘ Eagles), zeigen Little Texas diesmal eine doch sehr überraschende, raue Seite. Es gibt für ihre Verhältnisse recht viele rockige Country-Songs mit Southern-Anleihen und auch dezentem Redneck-Touch. Howell meistert vokal dabei jedes Tempo auf angenehme Art und Weise und lässt auch seine exzellenten Gitarrenkünste mehrfach aufblitzen.

Mir persönlich gefallen am besten „Rebel“, ein swampiger Southern-Stomper, mit klasse Slide-Arbeit, der Stones-mäßige Honkytonk-Gute-Laune-Rocker „Party Life“ (schöne E-Gitarren, Kuhglocken-Drums) und die humorvolle Hommage an ihren Heimatstaat „Texas 101“ (»… We got George Bush and Dixie Chicks, I guess oil and water just don’t mix …«). Letztgenanntes Stück wurde von Howell übrigens zusammen mit Johnny Slate und einem gewissen Paul Jefferson, Bandleader einer weiteren sehr talentierten und von mir heiß geliebten Band, namens Hilljack, komponiert, die 2005 ein brillantes CD-Debüt gab, und auf deren Nachfolger ich schon seit längerem warte. Jefferson und Howell weisen übrigens auch erstaunliche Stimmähnlichkeiten auf.

Fazit:  Little Texas haben mit ihrem neuen Werk „Missing Years“ auch ohne ihre einstigen Leitwölfe ein erstaunliches, und sehr abwechslungsreiches Comeback auf allerhöchstem musikalischen Niveau hingelegt. Vielleicht sogar eins ihrer besten Studioalben bisher. Die zum Quartett erschlankte Band mit Peter Howell als Frontmann hat ohne Zweifel Zukunft.

Montage Music Group (2007)
Stil: New Country

01. Gotta Get Me Down Home
02. Missing Years
03. Rebel
04. Knees
05. Reason
06. Party Life
07. Texas 101
08. So Long
09. When He’s Gone
10. You Ain’t Seen Me Lately
11. Your Blues
12. Your Woman

Little Texas
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Bärchen Records

The Lost Trailers – Same – CD-Review

Wenn man die beiden Vorläufer-CDs der Lost Trailers kennt, und das Resultat ihres jetzt gleichnamig benannten Debüts auf BNA-Records auf sich wirken lässt, glaubt man seinen Ohren nicht zu trauen. Man hat den Eindruck, dass hier völlig unterschiedliche Bands gewerkelt haben.

Gab es in den Jahren zuvor eine wilde Mischung diversester Stile von britisch angehauchtem Pop, über Rock, Heartland Rock bis zu vereinzelten Countrysongs, hat Nashville-Star-Produzent Blake Chancey (Dixie Chicks, Montgomery Gentry) nun für klare Strukturen gesorgt. Zum einen verordnete er ein von vorn bis hinten stimmiges New-Country-Konzept und auch der Gesang wurde jetzt vom eindeutig besseren Sänger in der Gruppe, Ryder Lee (Keyboards, Vocals), fast ausschließlich übernommen, während sich der andere Chef der Truppe, Stokes Nielson (Guitars, Vocals), dem Songwriting widmete. Gut so, denn das funktioniert nämlich prächtig.

Die Lost Trailers sind ein Quintett aus Georgia, gegründet von den beiden oben bereits angeführten Musikern, die sich bereits zu High School Zeiten kennen gelernt hatten. Dazu kamen der Bruder von Stoke, Andrew am Bass, und Drummer Jeff Potter, ebenfalls von der gleichen Schule. Letzter im Bunde war Gitarrist Manny Medina. Ihr Band-Name rührt von einem Diebstahl, bei dem der Anhänger mit ihrem gesamten musikalischen Equipment abhanden gekommen war. Wie hellseherisch dieser Name gewählt war, zeigte dann auch das weitere Geschehen, denn ihnen wurde unglaublicher Weise noch zwei weitere Male die Ausrüstung gestohlen, was fast zum Aus der Truppe geführt hätte. Aber das ist Schnee von gestern.

Widmen wir uns ihrer wohl größten Chance, auf musikalischem Terrain den Bekanntheitsgrad zu steigern. Die CD umfasst 11 Songs, die recht kurzweilig und flockig in Country-typischer Gesamtzeit von um die vierzig Minuten an einem vorüberziehen. Es wird überwiegend flotter, sehr melodischer New-Country-Mainstream geboten, meist mit Piano, Akustik- u. E-Gitarren nett untermalt, dazu gesellen sich ab und zu Mandolinen- und Steel-Elemente, sowie recht gut passende Harmoniegesänge. „I’m A Country Man“ und „Dixie Boy Special“ (featuring David Lee Murphy), driften dank satter E-Gitarren und typisch weiblichen Backs in Southern-Rock-Gefilde. Gleiches gilt für die traumhafte, Slide-dominierte, herrlich relaxte Southern-Ballade „All This Love“ aus der Schmiede des prominenten Songwriter-Trios Gary Nicholsen, Paul Overstreet und Jon Randall. Ein Killer-Song! Auf balladesken Pfaden schweifen sonst nur noch „Tell Me“ und das abschließende „Simple Life“. Ein bisschen an den Erfolgstrend von Big & Rich sich anlehnend, das recht hippe (hoppe) „Gravy“, dass durch eine klasse E-Passage noch im Rahmen des Erträglichen bleibt.

Insgesamt recht leicht-verdaulicher, sympathischer, aber wirklich gut gemachter, southern-angehauchter New-Country, der Marke Larry Stewart (Restless Heart), Sawyer Brown, Blue County, Hilljack oder Forty5South. In jedem Fall das bisher beste Album von The Lost Trailers. Chance eindeutig genutzt! Und vielleicht reicht es ja auch bald mal für einen richtigen Tourbus…

BNA Records(2006)
Stil: New Country

01. Call Me Crazy
02. Why Me
03. I’m A Country Man
04. Summer Of Love
05. Dixie Boy Special
06. All This Love
07. Hey Baby
08. The Only One
09. Tell Me
10. Gravy
11. Simple Life

The Lost Trailers
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Bärchen Records

Brad Paisley – Time Well Wasted – CD-Review

Mit seinen gerade mal 32 Jahren ist Brad Paisley bereits eine nicht mehr wegzudenkende Größe, wenn es darum geht, die Awards im Country/New Country-Bereich zu verteilen. Kaum ein anderer schafft es so locker, traditionelle Töne mit moderner, knackiger Spielweise zu verbinden, und daurch praktisch die komplette Country-Fangemeinde für sich zu gewinnen. Seine musikalischen Markenzeichen: Sehr angenehme, großartige Baritone-Stimme, exzellenter, atemberaubend versierter Gitarrist und humorvoller Songwriter! Dazu kommt sein blendendes Aussehen, gepaart mit Lausbubencharme, so ein Typ also, mit dem man Nächte durchzechen und allerhand anstellen kann, trotzdem aber kompatibel sowohl als Mädchen-, als auch Schwiegermutterschwarm! Es fällt einfach jedermann leicht, Brad Paisley zu mögen.

Und dies erklärt eigentlich auch schon, natürlich neben seinen enormen musikalischen Fähigkeiten, den immensen Erfolg seiner bisherigen Alben, die sich millionenfach verkaufen ließen. Auch sein neues Album „Time Well Wasted“ wird, da braucht man kein Prophet zu sein, zum Bestseller avancieren. Völlig zu recht, denn das ist traditioneller, spielfreudiger und abwechslungsreicher (New)Country vom Allerfeinsten! Paisley ist erneut ein Werk gelungen, das in Kürze die Charts stürmen, dabei jede Menge Hits abwerfen wird, und so manchen Radiosender vor die Qual der Wahl stellen wird, was er denn spielen soll. Sein Label hat sich als erste Single für die balladesk beginnende Partyhymne „Alcohol“ entschieden, die in einer bestgelaunten Mitgrölnummer voller Live-Flair endet, mit dem Resultat, dass sie Brad seinen bisher höchsten Einstieg in die Billboard-Single-Charts bescherte.

Glänzt neben einer klasse instrumentellen Darbietung vor allem durch seinen humorig-bildhaften Text. Schon der flotte, dynamische Album-Opener „The World“, eine steelgetränkte, rhythmische Tanznummer, mit knackigem Drumming und herrlichen Fiddle- und E-Gitarren-Fills, sowie Brads fingerfertigem, wieselflinkem Telecaster-Spiel, dürfte die Besohlung so manchen Cowboystiefels arg in Mitleidenschaft ziehen. Ein furioser Auftakt! „Waitin’ On A Woman“ ist dann die erste, von einigen atmosphärischen Balladen, die sich durch Brads warme Stimme und jeder Menge integrierter, instrumentaler Feinheiten mit Steel, Piano, Dobro (klasse: Jerry Douglas!), Mandoline und schönen E-Gitarren-Soli (Paisley spielt fast sämtliche Gitarrenparts auf dem Album selbst, bis auf James Burton, der bei dem Bonustrack „Cornography“ aushilft und Gary Hooker, ansonsten gibt’s an diesem Instrument gibt’s keine Gäste) auszeichnen. Das Verhältnis von entspannteren Titeln und knackigen Uptempo-Nummern hält sich ungefähr die Waage und ist sehr gut aufeinander abgestimmt.

Ganz hervorragend gelungen ist beispielsweise auch „I’ll Take You Back“, ebenfalls eine peppige Nummer, die mit einem super flotten, dezent nach Bluegrass anmutenden Instrumental-Finish endet, bestehend aus Steel-, Fiddle-, Piano und E-Gitarrensolo. Ganz stark! Paisley’s Akzeptanz, trotz seines relativ jungen Alters, in der Riege der großen Traditionalisten kann man zudem an zwei Gast-Stars ausmachen, die es sich nicht nehmen ließen, auf „Time well wasted“ mitzuwirken: Zum einen Alan Jackson bei dem feinen, sehr traditionellen, Duett „Out In The Parkin’ Lot“, und zum anderen Dolly Parton bei der großartigen Ballade „When I Get Where I’m Going“, wo sie ihre „piepsige“ Harmoniestimme in den Refrain einfließen lässt. Passt prima!

Herrlich Brads romantischer, vielleicht auch wieder etwas augenzwinkernder Text bei „Flowers“, wo er sich über die „Leiden der Rosen“ Sorgen macht, die es braucht, um das Herz seiner Liebsten zurück zu gewinnen („…can’t you hear the roses cry, tell me how many flowers have to die, before you give this love another try…“). Zwei Leckerbissen gegen Ende sind noch das mit einem Banjo unterlegte und von einem markigen Rock’N’Roll-E-Riff dominierte „Easy Money“ mit seinen heulenden Fiddels und starken Steel- und E-Gitarren-Läufen, sowie eine wirklich grandiose Instrumentalnummer („Time Warp“), eine Art Verschachtelung von coolen, jazzigen Barroom- und Highspeed-Bluegrass-Elementen, wobei man den Eindruck hat, dass sich die beteiligten Musiker (besonders Brad selbst) bei den zahlreichen Soli (Steel, Fiddle, E-Gitarre, Piano) die Finger blutig gespielt haben müssen. Der helle Wahnsinn!

Mit Brad Paisleys, mit 65 Minuten prall gefülltem, viertem Album „Time Well Wasted“ wird der erlauchte Countryfan über alle Maßen zufrieden sein! Er war nie besser! Die Chesneys, Jacksons und Co. müssen sich für die kommenden Awards warm anziehen. Ein echtes „Winner-Album“! Fazit: Erstklassig!

RCA Country (Sony Music) (2005)
Stil: New Country

01. The World
02. Alcohol
03. Waitin‘ On A Woman
04. I’ll Take You Back
05. She’s Everything
06. You Need A Man Around Here
07. Out In The Parkin‘ Lot
08. Rainin‘ You
09. Flowers
10. Love Is Never-Ending
11. The Uncloudy Day
12. When I Get Where I’m Going
13. Easy Money
14. Time Warp
15. Time Well Wasted
16. Cornography (Bonus Track)

Brad Paisley
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Bärchen Records

Brad Martin – Wings Of A Honky Tonk Angel – CD-Review

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Die CD ist zwar schon im Jahr 2002 erschienen, in der heute schnelllebigen Zeit also fast ein Oldie, aber ich meine, dass Brad Martin sich mit seinem Debütwerk einen Platz in unserem ehrenwerten Magazin redlich verdient hat. Der 29-jährige, der Countrygrößen wie Merle Haggard und Hank Williams Sr. als Vorbilder nennt, wird gerade den weiblichen New-Country-Fans aufgrund seiner Ähnlichkeit mit James Dean gefallen. Mein Lob beschränkt sich allerdings naturgemäß ausschließlich auf seine musikalischen Qualitäten.

Zehn kurzweilige Songs, davon acht selbst komponiert, in einer guten halben Stunde, für mich etwa eine Fahrt zum Arbeitplatz, mit hohem Wiedererkennungswert. Spätestens beim zweiten Hördurchgang haben sich die Melodien und Refrains fest in den noch vorhandenen Gehirnzellen eingenistet.

Zum Teil mehr kommerziell orientierte Lieder wie der Killerhit „Before I Knew Better“, die Ballade „Completely“, die knackigen Uptemponummern wie „Run To Me“ und „Just Like Love“ (mit schönen Gitarrenparts) wirken aufgrund starker Instrumentierung keinesfalls künstlich. Honky-Tonk-Stücke wie „Rub Me The Right Way“ oder „Damn The Whiskey“ mit klimperndem Piano und beim letztgenannten mit einem im Genre eher selten vorkommendem Saxophonsolo, gehen einfach nur gut ab.

Die Barroomballade „On The Wings Of A Honky Tonk Angel“ und das erwärmende „That’s A Woman“ lassen einen kurz innehalten. Das Abschlussstück „Wait“ mit seinem rockigen Touch und dezenten Mundharmonikaeinsätzen gewährleistet, dass man diese CD in guter Erinnerung behält. Auffällig ist Brad’s angenehme Stimme und die häufig eingebrachten Steelguitar-Passagen von Könnern namens Paul Franklin und Dan Dugmore.

Brad Martin hat sich mit tadelloser Leistung einen Nischenplatz irgendwo in der Nähe von Garth Brooks, Lonestar und Trace Adkins erarbeitet.
Bitte mehr davon…

Sony Music Entertainment/Epic (2002)
Stil: New Country

01. Before I Knew Better
02. Completely
03. Rub Me The Right Way
04. On The Wings Of A Honky Tonk Angel
05. Run To Me
06. The Fifth
07. Just Like Love
08. That’s A Woman
09. Damn The Whiskey
10. Wait

Bärchen Records

Richard Marx – My Own Best Enemy – CD-Review

Wissen möchte ich nicht, wie viele Beziehungen beim Hören allseits bekannter Balladen von Mainstream-Ikone Richard Marx entstanden, aber wohl auch in gleichem Maße wieder zerbrochen sind.

Ich behaupte, dass selbst die hartgesottensten Rocker im Clinch bei fummelträchtigen Songs der Marke „Angelia“, „Right Here Waiting“ oder „Now And Forever“ irgedwann mal weich geworden sind, und ich kenne auch kaum jemanden, der nicht wenigstens ein Marx-Album in seine CD-Sammlung integriert hat.
Mit „My Own Best Enemy“ präsentiert er jetzt sein siebtes Studioalbum (mittlerweile wieder mit Major-Kontrakt), wenn man seine „Greatest Hits“ Scheibe mal nicht in Betracht zieht.

Rein äußerlich ist er, wie auch seine Musik, gereift. Der 80er-David Hasselhof-Look wurde durch eine zeitgemäße, moderne Frisur ersetzt, das Cover-Layout ist in äußerst geschmackvollen Farben (inkl. aller Texte) graphisch perfekt in Szene gesetzt, die Songs wirken eine Spur ruhiger und abgeklärter.

Einzig das kehlkopflastige Timbre seiner Stimme ist nach wie vor unverwechselbar. Bei den Musikern vertraut er diesmal neben einigen alten Bekannten wie Bruce Gaitsch, Martin Landau oder Michael Thompson interessanterweise größtenteils auf Instrumentalisten, die üblicherweise im New-Country-Genre ihre Dollars verdienen.

Wahrscheinlich nicht zuletzt dank seiner Zusammenarbeit mit Interpreten wie Vince Gill, und SheDAISY, für die er Stücke geschrieben hat, oder Emerson Drive, deren letztes Album „What If“ er vor kurzem produziert hat. So steuert diesmal Keith Urban (Marx-Fans können auch ruhig mal in dessen Alben „Golden Road“ und „Be Here“ reinriechen) Gitarre und Backgrounds bei „When You’re Gone“ und „One Thing“ dazu und Sternchen Jessica Andrews addiert ihr Stimmchen bei „Love Goes On“. Klasse-Leute wie Gitarrist J. T. Corenflos , Drummer Steve Brewster oder Steel Guitar Ass Paul Franklin sind eh klingende Namen in Nashville-Studio-Musiker-Gilde.

Hitverdächtig oder zumindest radiotauglich sind fast alle Songs. Die Übergänge zwischen den Songs sind relativ fließend, vom leicht hektischem Ambiente früherer Alben keine Spur. Balladen gibt es jede Menge. „One Thing“ mit viel Power, könnte auch aus dem Repertoire von Bryan Adams stammen, „Ready To Fly“ streicherunterlegt, mit wunderschönem Akustikgitarrenspiel von Michael Thompson oder das beruhigende „Again“. Das leicht depressiv angehauchte „The Other Side“ oder „Falling“ sind weitere Beispiele balladesker Marxscher Kunst.

Überragend „Nothing Left To Say“ ein rhythmisch, melodisch dahindriftender Midtemposong und die rockigen Uptemponummern wie „When You’re Gone“ (schönes E-Solo von Keith Urban), sowie „Colder“ (hier glänzt Michael Landau an der Gitarre). Wunderschön auch das Pop-Rock-Stück „Someone Special“ mit dezenten Steel-Gitarren, dürfte als liebevolle Widmung an Richards Ehefrau gedacht sein.

Apropos Beziehungen. Mir, dem mental gefestigten Ehemann dient die Scheibe, um beim gemütlichen Gläschen Wein vom harten Alltagsleben abzuschalten. Für den suchenden Single stellt sie ohne Zweifel eine interessante Option als Hintergrundmusik beim spätabendlichen Zeigen der berühmten Briefmarkensammlung dar…

Manhatten Records (2004)
Stil: Rock & More

01. Nothing Left To Say
02. When You’re Gone
03. One Thing Left
04. Love Goes On
05. Ready To Fly
06. Again
07. Colder
08. Everything Good
09. The Other Side
10. Someone Special
11. Suspicion
12. Falling

Richard Marx
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