Jake Owen – American Love – CD-Review

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5. Longplayer von Jake Owen. Alles, was der aus Vero Beach, Florida, stammende 35-jährige Sonnyboy musikalisch bisher anpackte, ist von Erfolg gekrönt gewesen. Seine Alben landeten allesamt in den Country-Charts unter den Top 10, sein „Barefoot Blue Jean Night“-Werk schaffte es sogar auf Platz 1, dazu gab es auch noch drei Nr.1-Singles. Owen hat sich über die Jahre mit kontinuierlich guten Leistungen unter den maßgebenden Künstlern Nashvilles etabliert.

Aber auch auf der Sonnenseite des Lebens stehende Menschen wie er, werden von Schicksalsschlägen nicht immer verschont. Die Krebsdiagnose seines Vaters und die Scheidung von seiner Frau, bedeuteten wenig erfreuliche Einschnitte in seinem Leben und haben ihm vermutlich hart zugesetzt. Wer allerdings jetzt mutmaßt, dass ein neuer Silberling „American Love“, Anlass gibt, sich in Trübsal zu ergießen, befindet sich auf dem Holzpfad.

Jake hat genau den entgegengesetzten Weg gewählt und präsentiert uns ein Album, das trotz einiger nachdenklicher Songs, überwiegend sommerlich gute Laune vermittelt. Er hat auch sein Äußeres verändert. Die längere Matte, die er noch auf dem Titelbild von „Days Of Gold“ präsentiert hatte, musste einem, ihm wirklich gut stehenden Kurzhaarschnitt weichen (mit der coolen goldenen Retro-Sonnenbrille erinnert er ein wenig an eine Mischung aus Kevin Costner und Nicolas Cage).

Apropos retro: Auf dem Cover-Artwork präsentiert er sich in einem klasse türkis/weiß gestylten alten VW-Bulli, dem auch mit „VW Van“ eine tolle flippig-bluesige, mit quäkender Harp verzierte Song-Hommage gewidmet ist. Launiger Song!

Sein neues Werk wird von zwei, dem amerikanischen Lebensgefühl zugeneigten Tracks eingerahmt,  und zwar mit dem Titelsong „American Love“ (klasse Groove, Bläser-unterstützt)  vorne weg und dem abschließenden „American Country Love Song“ (kräftige poppige Heartland-Nummer, die sich auch gut auf Luke Bryans „Spring Break“-Geschichten gemacht hätte). In beiden ist der zur Zeit sich in aller Munde befindliche Cadillac Three-Chef Jaren Johnston kompositorisch involviert.

Bei den restlichen neun Stücken pendelt Jake, sehr schön ausbalanciert, zwischen überaus melodischen, Charts-tauglichen Midtempo-Songs mit markanten Power-Refrains („After Midnight“, „Where I Am“, „You Ain’t Going Nowhere“) und einigen tollen, sehr atmosphärischen ruhigen Nummern wie das überragende und Real Country-betonteste „LAX“ (einziger Track, den Owen mitgeschrieben hat – heulende Steel, klasse Akustikgitarre, wunderbar im texanischen Stil dargebotene Harmoniegesänge von Hillary Lindsay) oder die Moll-getränkte, melancholische Piano-Ballade „When You Love Someone“.

Stark auch der pathetische Abgesang auf die leider nicht ewig währende Jugend bei „Everybody Dies Young“ und das von Chris Stapelton kreierte und im Background mitbesungene, soulig und fett groovende „If He Ain’t Gonna Love You“ (starke E- und Slide-Gitarre, gurgelnde Orgel). Zwei weitere Highlights!

Jake Owen zeigt sich auf seinem neuen Album „American Love“ in Aufbruchstimmung. Neuer persönlicher Style, neues Lebensgefühl, neue Produzenten (Ross Copperman, Shane McAnally und Lukas Bracewell), viel neue positive Energie. Was bleibt, ist seine weiterhin gute, qualitativ, ohne großes Aufsehen und moderne Spielereien auskommende Musik, die auch diesmal ganz sicher wieder in den Toprängen der Charts auftauchen wird! Ein abermals ansprechendes, tolles Werk!

Sony Nashville/RCA (2016)
Stil: New Country

01. American Love
02. After Midnight
03. Where I Am
04. Everybody Dies Young
05. VW Van
06. Good Company
07. LAX
08. If He Ain’t Gonna Love You
09. When You Love Someone
10. You Ain’t Going Nowhere
11. American Country Love Song

Jake Owen
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Bärchen Records

Gewinnspiel – David Nail

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Nachdem es beim letzten Mal noch recht überschaubar zuging, gab es diesmal doch eine sehr ordentliche Resonanz. Typische Gewinnspieljäger, ganze Familien-Clans und auch viele Genre-Liebhaber waren diesmal dabei.

Die schwierig zu beantwortende Lösung lautete ‚Baseball‘.

Über eine angenehme New Country-CD darf sich

Judith Sperber aus Neustadt

freuen, die das Werk in den nächsten Tagen zugeschickt bekommt!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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Universal Music zeigte sich großzügig, Sounds Of South gibt sich, wie immer, betont uneigennützig.

Kaum hatten wir den Review zu David Nails starkem neuen Album „Fighter“ online, da trudelte auch schon ein zweites Exemplar des Musikers ins Haus. Sounds Of South, das Magazin, das immer nur an seine Leser denkt, zögerte keine Sekunde, und ermöglicht einem interessierten Glückspilz, diese schöne New Country-Scheibe zu ergattern.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Welchen US-typischen Sport übte David Nail erfolgreich aus, bis er aus gesundheitlichen Gründen passen musste und schließlich im New Country-Business landete?

a) Tischtennis
b) Judo
c) Baseball

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 17.08.2016 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

David Nail
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Universal Music Group

The Cadillac Three – Bury In My Boots – CD-Review

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2. Album von The Cadillac Three! Das Trio um seinen charismatischen Bandleader Jaren Johnston, macht dort unverhohlen weiter, wo es 2014 mit seinem Debüt „Tennessee Mojo“ so herrlich unbekümmert begonnen hatte: Eine coole Mischung aus relativ einfach und wild gespieltem/gesungenem Southern Rock mit unterschwelliger Redneck-Attitüde, sowie dezenten New Country-Bezügen.

Apropos New Country: Dieser Jaren Johnston ist schon eine interessante Person. Namhafte Größen der Nashville-Zunft wie u. a. Tim McGraw, Keith Urban, Eric Church als auch zuletzt Aerosmith-Chef Steven Tyler bei seinem Erstlingsexperiment in dieser Sparte, vertrauten bereits bei diversen Adaptionen auf die kreativen Kräfte des umtriebigen Songwriters und landeten Nr.1-Hits.

Beim TC3-Projekt scheinen die Uhren aber anders zu ticken. Auch wenn Big Machine Records sicherlich ebenfalls ein Label ist, dass gerne Charterfolge feiert, lässt man Johnston sowie seine beiden Mitstreiter und Langzeitkumpels Kelby Ray und Neil Mason hier eher an der langen Leine. Die dürfen sich eigentlich im Rahmen ihrer Ideen relativ freizügig in Wort und Musik austoben und das ist gut so.

Anführer Jaren Johnston erweist sich neben seinen beiden Bandkumpanen natürlich bei den, fast ausschließlich von ihm erdachten und gesungenen Texten (dazu kommen noch einige prominente Co-Writer wie Luke Laird, John Nite, Jimmy Robbins, Brent Anderson, Jerrod Niemann), als wahrer Wortakrobat, in dessen Lieblingsvokabular Begriffe wie ‚Whiskey‘ und ‚Hips‘ eine überaus gern gewählte Option darstellen.

Produziert hat der Dreier sechs Stücke selbst, bei den restlichen haben die beiden Koryphäen auf diesem Gebiet, Dan Huff (spielt hier auch Bouzouki und Gitarre) und Justin Niebank, Hand angelegt. Niebank hatte ja schon seiner Zeit bei Blackberry Smoke, die musikalisch durchaus als Seelenverwandte zu TC3 durchgehen (zumal Johnston und Charlie Starr auch recht ähnlich singen), für den entscheidenden Impuls in Sachen Karrieresprung gesorgt.

Die 14 Stücke des Albums bieten wieder, wie schon beim Vorgänger, unterhaltsame und abwechslungsreiche, frech und frei von der Seele weg gespielte Stücke, bei denen aber Johnstons Fähigkeiten, eingängige und markante Refrains und Hooks zu kreieren, offenkundig in Erscheinung treten. Diverse Stücke wären prädestiniert für andere Kollegen der Nashville-Garde. Kein Wunder, dass die sich teilweise um seine Songs reißen. Die neue Sprayer-Hymne „Graffitti“ oder das poppige „This Accent“ sind ganz heiße Kandidaten.

Toll das Titelstück mit seinen Stimmungswechseln und satten E-Gitarrentushs, atmosphärische Sachen wie „Drunk Like You“, „Buzzin'“ (herrliche Bariton-E-Gitarre) oder „Runnin‘ Red Lights“, der relaxte Abhängsong „Ship Faced“ (klasse hier das lustige Namenswortspiel ‚Bimmy Juffett‘ zu Ehren eines der Hauptvertreter dieser chilligen Song-Gattung) oder hippe rhythmische Tracks (teilweise mit angerappten Sprechgesang) wie „Slide“, „Party Like You“, das knackige „Soundtrack To A Six Pack“ (man kann sich denken, welcher bei den Jungs gemeint ist…) oder anzügliche „Hot Damn“.

Heimatverbundenheit wird im swampig stampfenden „Peace Love & Dixie“ bekundet. Gleiches gilt für „The South“, bei dem mit Georgia Florida Line, Dierks Bentley und Mike Eli (Eli Young Band) in den Acapella-umwehten Gesangsbridges ein großes, namhaftes Gastaufgebot zugegen ist. „White Lightning“ (auf dem Vorgänger im Akustik-Ambiente) ist jetzt in einer schönen Vollversion präsent.

Fazit: The Cadillac Three haben sich mit „Bury Me In My Boots“ als Kollektiv wieder ein Stück weiterentwickelt. Zum Trübsal blasen gibt es wahrlich keinen Anlass! Sounds Of South freut sich schon jetzt auf das Konzert der Burschen im November in Köln, über das natürlich berichtet wird. Sollten die Jungs ähnlich drauf sein, wie bei ihrem Gig als Support von Eric Church vor zwei Jahren, wird ein ebenfalls geplantes Interview sicherlich eine eine Mordsgaudi werden… Fürs Album gibt es jetzt schon mal ’ne Bestnote! These boots rock…, and don’t forget the whiskey!

Big Machine Records (2016)
Stil: Country Rock

01. Bury Me In My Boots
02. Slide
03. Drunk Like You
04. Graffiti
05. Buzzin‘
06. Party Like You
07. Ship Faced
08. Soundtrack To A Six Pack
09. White Lightning
10. The South
11. This Accent
12. Peace Love & Dixie
13. Hot Damn
14. Runnin‘ Red Lights

The Cadillac Three
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Oktober Promotion

David Nail – Fighter – CD-Review

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David Nail hatte als vielversprechendes Talent im Baseball recht früh gelernt, dass man für seine anvisierten Ziele oft auch kämpfen muss. Nachdem es, wie hinlänglich beschrieben, mit der großen Sportkarriere aus gesundheitlichen Gründen nicht klappte, zog es den aus Kennett, Missouri, stammenden heute 37-jährigen 2002 zur Country-Musik. Auch hier bewies Nail bisher seine außergewöhnlichen Qualitäten. Nach drei starken Major-Alben, fightet er heute mit den Großen der Zunft um die Spitzenpositionen in den Charts. Mit dem Song „Let I Rain“ landete er 2011 seinen ersten Nr. 1-Hit.

Die beiden letzten Werke „Sound Of A Million Dreams“ und „I’m A Fire“ landeten im Album-Bereich unter den Top-10. Jetzt will der sympathische Frauentyp mit seinem brandneuen Silberling „Fighter“ endgültig Nägel mit Köpfen machen und auch in dieser Sparte endlich die Pole-Position erklimmen. Die Aussichten stehen nicht schlecht, es ist erneut ein starkes Werk mit tollen Stücken geworden. Dazu kommen viele schillernde beteiligte Personen und der Einstieg direkt auf Platz 3 kann sich auch sehen lassen.

Nail eröffnet mit dem kraftvollen, von satten Akustik-, E-Gitarren, Mandolinen- und Akkordeonklängen getragenen „Good At Tonight“, das in seiner folkig-/Heartland-beschwingten Art ein wenig an die Hooters erinnert. Im mehrstimmig intonierten Refrain erhält er dabei Unterstützung von den zur Zeit in Nashville ebenfalls angesagten Brothers Osborne, die auch beim Komponieren assistierten.

Das von Jonathan Singleton und dem auch uns bekannten Deric Ruttan verfasste, recht poppige „Night’s On Fire“ kommt mit seinem Powerrefrain im Stile der Rascal Flatts daher, klasse hier das Banjo-Spiel von Ilya Toshinsky. Das Stück konnte als Single allerdings nicht bis nach ganz oben durchbrechen. Chris Stapeltons Handschrift ist beim atmosphärischen, recht reduziert instrumentierten „Ease Your Pain“, als einer der Co-Autoren unverkennbar.

Ganz großes Kino ist die Piano-umwehte Ballade „Home“, bei dem Lori McKenna (geschrieben von ihr, David und Barry Dean) eine kongeniale Gesangspartnerin zum Protagonisten abgibt. Großartig allein schon das von Reed Pittman gespielte Intro. Der Gesang setzt erst nach fast 1 1/2 Minuten ein. Paul Franklin lässt seine Steel wunderbar einfühlsam wimmern. Ein unter die Haut gehender Song, mit einer der stärksten in Nails Karriere.

Dem angenehmen Midtempo-Track „Lie With Me“ folgt eine Phase, in der David sein momentanes Seelenleben dem aufmerksam folgenden Hörer öffnet: Zunächst mit einem weiteren Highlight der CD, der bluesig souligen Ballade „I Won’t Let you Go“, bei der Vince Gill seine unnachahmlichen Harmoniegesänge mit einbringt (klasse E-Gitarrenbegleitung inkl. Solo von Jerry McPherson und Ilya Toshinsky, Piano und plusternde Bläser kommen im Verlauf dazu). Das Titelstück „Fighter“ ist, seiner Frau Catherine gewidmeter Lovesong, „Babies“ steht natürlich im Zeichen seiner jüngst geborenen Zwillinge und das kammermusikartig dargebotene „Old Man’s Symphony“ (mit Streicherbegleitung) ist als ehrliche Hommage an seinen Vater konzipiert. Bei diesem, wieder sehr zurückgenommenen Lied unterstützen ihn Bear und Bo Rinehart von der Christian Rockband Needtobreathe.

Davor liegen mit dem fluffig poppigen „Got Me Gone“ (single-tauglich) und dem relaxt groovenden „Champagne Promise“ zwei Stücke, die durch klasse Backgroundgesänge von Sarah Buxton und Logan Brill ihren Zusatzreiz erhalten. Nicht nur bei letztgenanntem Song mit seinem angenehmen soften Touch frage ich mich bei David Nail oftmals, warum mir bei ihm immer wieder der Name Christopher Cross als Referenzgröße in den Sinn kommt.

Insgesamt wieder ein ganz tolles Werk, auf dem David Nail als großartiger Sänger und starker Songwriter brilliert. Durchgehend tolle Songs eingespielt von exzellenten Musikern, produziert von Frank Lidell (Eli Young Band) z. T. mit Glenn Worf und Chuck Ainley. Einziger kleiner Kritikpunkt ist das Booklet (zumindest das meinem Exemplar inne liegende). Hier frage ich mich, warum die Songinformationen (Texte/ Musiker Credits) nur bis Stück 7 abgedruckt wurden und dann völlig fehlen (ist das Keinem aufgefallen?). Das ist irritierend und sollte bei einem Majorwerk eigentlich nicht Usus sein, zumal man den Platz bei einseitiger Gestaltung von zwei integrierten Nail-Bildern, durchaus hätte frei machen können. Ist aber nur eine kleine Randnote.

Mit „Fighter“ könnte David Nail jetzt, auch was Alben betrifft, der ganz große Wurf gelingen. Verdient hätte er es in jedem Fall, nach vier durchgängig guten Scheiben, alle Male. Toller Stoff, dessen einnehmender Wirkung man sich kaum entziehen kann. Nie wurde Mainstream-Country stilvoller, authentischer und hochwertiger in Szene gesetzt!

MCA Nashville (2016)
Stil: New Country

01. Good At Tonight
02. Night’s On Fire
03. Ease Your Pain
04. Home
05. Lie With Me
06. I Won’t Let You Go
07. Fighter
08. Babies
09. Got Me Gone
10. Champagne Promise
11. Old Man’s Symphony

David Nail
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Universal Music Group

Steven Tyler – We’re All Somebody From Somewhere – CD-Review

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Eigentlich hat sich mein Magazin ja auf die Fahne geschrieben, Bands und Interpreten zu supporten, die in unseren Gefilden eher nur von Insidern wahrgenommen werden oder für solche interessant sein könnten. Aber, wenn ein ein Superstar wie Aerosmith-Frontmann Steven Tyler ein Country-Album in Angriff nimmt, geht das natürlich auch an Sounds Of South nicht spurlos vorbei.

Und alles, was in Nashville in Sachen Produzenten (T-Bone Burnett, Dan Huff, Marti Fredriksen, Jaren Johnston), an Musikern (eine ganze Armada u. a. mit Tom Bukovac, Stuart Duncan, Ilya Toshinsky, Fred Eltringham, Chris McHugh, Dennis Crouch, Rebecca Lovell) und Songwritern (The Warren Brothers, Hillary Lindsey, Rhett Akins, Chris DeStefano, Brett James, Troy Verges, Eric Paisley, etc.) Rang und Namen hat, stand für den schillernden hochdekorierten Sänger Spalier.

Man merkt sofort, dass das ganze Projekt von absolut gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist. Tyler, der fast alle Tracks mitgeschrieben hat, ist der Spaß sichtlich anzuhören, er fühlt sich im Rahmen all dieser Nashville-Könner pudelwohl, und legt ein vokale Performance hin, die ihres Gleichen sucht. Er hängt sich sprichwörtlich ‚richtig rein‘. Und auch die Musiker und Mitschreiber aus dem Country-Mekka haben ihm die Songs quasi auf den Leib zugeschnitten, bzw. so einfühlsam eingespielt, dass sich sein (immer ein wenig rotzig klingender) Gesang optimal entfalten kann. Es hat alles wirklich ‚Hand und Fuß‘. Absolute Profis eben!

Nachdem er mit der ersten vorab veröffentlichten Single „Love Is Your Name“ direkt die Top-20 der Billboard Country Hot Songs erreicht hatte, hat man bei den restlichen 14 Songs quasi die ‚Qual der Wahl‘, was da noch so an Zählbarem rausgeholt werden kann. Schon der atmosphärische Opener „My Own Worst Enemy“ mit dem toll unterlegten Akkordeon nimmt absolut gefangen. Klasse hier direkt der selbstironische Teint, der auch bei einigen anderen Tracks wie die z. T. kammermusikartigen „It Ain’t Easy“ und „Somebody New“ (mit Mandoline, Fiddle), „What Am I Doin‘ Right“ (mit etwas Tesla-Unplugged-Feeling) oder das stonesk rockende „The Good, The Bad The Ugly In Me“ immer wieder zum Vorschein kommt. Tyler weiß um seine kleinen Schwächen und kann sich selbst in den Texten ein wenig auf die Schippe nehmen. Das hat echt was Sympathisches.

Weitere Highlights sind Stücke wie der Titelsong, bei dem der ebenfalls ‚bunte Vogel‘, Cadillac Three-Chef Jaren Johnston maßgeblich involviert ist (schönes Intro: Johnston fragt, ob Steven eine Botschaft für die heutigen Kids hätte, der antwortet keck: „We’re All Somebody From Somewhere“ und dann legt der schön rebellisch klingende Song mit einer klirrenden Mandoline los), das mit sommerlicher Ukulele und Dobro bestückte „Make My Own Sunshine“, das eingängige „Gypsy Girl“ (Gast an der Akustikgitarre: Lindsay Buckingham), das hitverdächtige „Only Heaven“ (mit typischem Dan Huff E-Gitarren-Solo), das poppige „Red White & You (schönes Wortspiel) oder das Cajun-gefärbte „Sweet Lousiana“.

Am Ende zeigt der Protagonist beim unter die Haut gehenden, mit fröstelnden mit Cello und Violine unterlegten „Jamie Got A Gun“ Flagge für Opfer von häuslichem Missbrauch oder Gewalt. Hierzu hat er mit der Organisation Youth Villages eine wohltätige Stiftung namens ‚Janie’s Fund’ins Leben gerufen. Vorbildlich! Den starken Abschluss einer durchgehend fesselnden CD bildet das viel gecoverte und vornehmlich durch Janis Joplin berühmt gewordene „Piece Of My Heart“. Ob Tyler dieser Version das Wasser reichen kann, möge jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist, dass diese Fassung auch klasse ist (grandiose Backings von der auch bei uns geschätzten Rebecca Lynn Howard).

Fazit: Die spannende Frage, ob Steven Tyler Country kann, ist abschließend mit einem eindeutigen ‚Ja‘ zu beantworten. Hier passt alles bis ins kleinste Detail zusammen (dazu noch ein aufwendiges Cover-Artwork mit tollen Bildern von Steven und allen Texten). Absolute Kaufempfehlung. Experiment gelungen!

P.S.

Was habe ich eigentlich soviel geschrieben? Der Meister persönlich hat das Ganze sehr komplex so zusammengefasst:
MY OWN WORST ENEMY discovered that WE’RE ALL SOMEBODY FROM SOMEWHERE but HOLD ON he (WON’T LET GO), like everything else, IT AIN’T EASY but when LOVE IS YOUR NAME it helps, yet I still find I need to MAKE MY OWN SUNSHINE with assistance from a GYPSY GIRL and maybe SOMEBODY NEW, however, it’s ONLY HEAVEN that really sees THE GOOD, THE BAD, THE UGLY AND ME but I see the RED, WHITE & YOU all the way down to SWEET LOUISIANA I ask myself, WHAT AM I DOIN’ RIGHT? because JANIE’S GOT A GUN but this world has a PIECE OF MY HEART. Noch Fragen?

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. My Own Worst Enemy
02. We’re All Somebody From Somewhere
03. Hold On (Won’t Let Go)
04. It Ain’t Easy
05. Love Is Your Name
06. I Make My Own Sunshine
07. Gypsy Girl
08. Somebody New
09. Only Heaven
10. The Good, The Bad, The Ugly & Me
11. Red, White & You
12. Sweet Louisiana
13. What Am I Doin‘ Right?
14. Janie’s Got A Gun
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Steven Tyler
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Janie’s Fund

Van Zant – Red White & Blue (Live) – CD-Review

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Eines muss man den Van Zants lassen: Verkaufstüchtig waren Donnie und, ganz besonders, Johnny, schon immer. Ihr schelmisches Grinsen auf dem Cover sagt da schon Einiges. In einer Zeit, wo es mal wieder ziemlich ruhig um 38 Special und Lynyrd Skynyrd, abgesehen von ihren weiter immer noch voller Spannung zelebrierten Live-Konzerten (…), ist, haben sich die beiden jüngeren Brüder von Ronnie Van Zant an ihre Duo-Zeit in Nashville zurückbesonnen und voller Freude festgestellt, dass es noch Live-Mitschnitte ihrer 2006er ‚Get Right With The Man-Tour‘ (mit Gretchen Wilson), speziell vom Gig im Wild Adventures Theme Park in Georgia gibt.

Die müssten doch eigentlich an den Mann, bzw. natürlich auch an die Frau zu bringen sein. Und damit die Fans ihrer beiden Hauptbands auch noch mit ins Boot genommen werden können, nahm man, weitsichtig, wie sie schon damals waren, Songs wie „Wild Eyed Southern Boys“, „Red White & Blue“, „Call Me The Breeze“ und „Sweet Home Alabama“ mit in die Setlist. Gerade die 672. und 968. Version bzgl. der beiden letztgenannten Stücke will ja bestimmt jeder sein Eigen nennen. Man könnte ja was verpasst haben…

Als Titel und Center wurde allerdings zur leichten Irreführung der, 2003 von Donnie, Johnny und den Warren Brothers für das Skynyrd-„Vicious Cycle„-Album kreierte, Track „Red White & Blue“ gewählt. Die Erklärung dafür gibt’s dazu als Textbausteine aus dem Van Zantschen Phrasenfundus: „The song was a key moment – especially the lyric ‚We’re trying to sing the truth to you‘. I think that’s what we’ve always done. That’s one of the reasons both Skynyrd and the things we’ve done as Van Zant have been around so long. We really don’t know how to do anything else except sing about what we know, and try to tell the truth. I try to be as honest as possible, and I think people see that. We’re not trying to be anybody we’re not”, so Johnny Van Zant.

Mit den seiner Zeit beteiligten Musikern wie Eric Lundgren, Keyboarder Bobby Capps und Steelgitarrist Mark Muller wurde dann ansonsten das einstige Album „Get Right Withe The Man“ aus dem Jahre 2005 in fast detailgetreuer Manier runtergespielt. Sicherlich würde man sich in unserem Lande (und auch ich) freuen wie ein kleines Kind, hätte man so ein Konzert mal live erleben können, aber auf CD ist das in der heutigen Zeit, ehrlich gesagt, nicht mehr als ein kurzes nostalgisches Hör-Intermezzo wert. Auf DVD/Blue Ray hätte ich einem solchen Konzertmitschnitt evtl. noch eine gewisse Legitimation attestiert.

Fazit: Wieder mal eine (recht überflüssige) Veröffentlichung in der langen Reihe der Aufwärmprodukte aus dem berühmten Van Zant-/Skynyrd-/38 Special-Dunstkreis. Fairer Weise muss man sagen, dass die musikalische Qualität des Werkes an sich natürlich unantastbar ist, Van Zant klingen hier, im Vergleich zum Studio, sogar etwas Southern-rockiger. Zu empfehlen für Leute, die das Studio-Album nicht kennen/haben oder natürlich für alle Sammelfanatiker. Ansonsten meiner Ansicht nach aber eher ‚Red White & Schmu‘!

Loud & Proud Records, 2016
Stil: New Country / Southern Rock

01. Takin‘ Up Space
02. Nobody Gonna Tell Me What To Do
03. Sweet Mama
04. Wild Eyed Southern Boys
05. Things I Miss The Most
06. I Know My History
07. Help Somebody
08. Plain Jane
09. I Can’t Help Myself
10. I’m Doin‘ Alright
11. Red White & Blue
12. My Kinda Country
13. Call Me The Breeze
14. Sweet Home Alabama

Van Zant
Bärchen Records

Jon Pardi – California Sunrise – CD-Review

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Diese herrliche Countrymusic ist wirklich so frisch und wunderbar wie ein kalifornischer Sonnenaufgang. Jon Pardi weiter groß in Form! Der aus Dixon stammende Kalifornier gibt sich auf seinem 2. Major-Album „California Sunrise“ (Capitol Nashville) weiter Heimat verbunden, obwohl Nashville natürlich heute eindeutig zum zentralen Lebensmittelpunkt Pardis avanciert ist. Der 31-Jährige, der mit seinem Debütwerk „Write You A Song“ mit Platz 3 in den Country Billboard Album-Charts (immerhin auch Platz 14 in den US-Top 200 Charts) bereits richtig erfolgreich auftrumpfte, zeigt sich vom aufkommenden Erwartungsdruck relativ unbeeindruckt und serviert eine starke Melange aus knackig modernem und durchaus traditionell gehaltenem New Country und zeigt dabei den effekthascherischen und Popmusik-anbiedernden Unsitten, vieler seiner zeitgenössischen Kollegen, die kalte Schulter.

Ja, man kann schon fast sagen, er gibt hier durchaus ein wenig die Richtung vor, wie gut gemachter New Country heute in Nashville wieder klingen sollte. Eingespielt hat Pardi die von ihm größten Teils wieder mitkomponierten Tracks in einem kleinen Kreis von exzellenten Musikern (die überragenden Rob McNelley und Danny Rader, Kris Donegan, Lee Francis, Miles McPherson und Dave Cohen) live im Studio, die Regie hat wieder Bart Butler übernommen.

Allein schon der Anfang mit „Out Of Style“ (passender Weise mit Fiddle, Steel, E-Gitarre und Wurlitzer sehr schön retro gehalten) wie auch der tolle Titelsong „California Sunrise“ am Ende, überraschen, für ein Major-Werk, jeweils am Ende mit kleinen Jam-Passagen, wo die hervorragenden Musiker spürbar ihrer Spielfreude, samt ihres begnadeten Könnens, freien Lauf lassen. Stark, so sollte es sein. Kompliment ans Label!

Zwischendrin beweist der Protagonist mit sehr abwechslungsreich und kurzweilig gestalteten Songs ein sehr gutes Gespür, seine bisherige Klientel weiter ‚bei der Stange‘ zu halten, bzw. auch neue Fans (gerade im Genre-Hardliner-Bereich) hinzu zu gewinnen. Klasse z. B. das mit etwas unterschwelligem Bakersfield-Flair bedachte (typische Fiddle, starke Banjountermalung), herrlich melodische „Cowboy Hat“, das so ein wenig an Blake Sheltons Hit „Honey Bee“ erinnert. Als erste Single wurde aber der relaxte Gute-Laune-Schunkler „Head Over Boots“ (Fiddle, leiernde Steel, Bariton-E-Gitarre+Solo) auserkoren, der sich schon auf dem Weg befindet, die Top-10 zu knacken.

Rockige Tracks wie das Neunzer-angehauchte „Night Shift“, das Gypsy-mäßig groovende „Dirt On My Boots“ (quietschende Fiddle), der euphorisierte Country Rock-Mitgröler „All Time High“, das fett stampfende „Paycheck“ (‚angriffslustiger‘ Gesang von Pardi, Bariton-E-Gitarre) sowie das Southern Country Rock-trächtige „Lucky Tonight“ (fulminantes Slide-Spiel von McNelley, herrliche Orgel), reichen ruhigeren Sachen wie „Can’t Turn You Down“ (Powerballade), dem schönen Schwofer „She Ain’t In It“ (voller Eagles-Westcoast-Feeling, Richtung „Tequila Sunrise“) oder dem melancholisch, eine verpasste Liebe, Revue passieren lassenden „Heartache On The Dancefloor“ (großartiges E-Solo) in einem sehr gut ausgependelten Verhältnis, die Klinke in die Hand.

New Country-Liebhabern, denen viele Stars der Szene wie Luke Bryan & Co. mittlerweile zu Country-entfremdet daher kommen, ein Eric Church zu experimentell geworden (übrigens beide mit sehr ähnlicher Stimme ausgestattet) ist, oder nach einem neuen, modernen George Strait Ausschau halten, dürften in Jon Pardi eine sehr gut passende Alternative finden. Mit seinem hochklassig eingespielten „California Sunrise“ dürften ihm in Nashville weiter viele sonnige Tage gesichert sein. Starke Platte! In diesem Stil macht New Country weiter großen Spaß!

Capitol Nashville (2016)
Stil: New Country

01. Out Of Style
02. Cowboy Hat
03. Head Over Boots
04. Night Shift
05. Can’t Turn You Down
06. Dirt On My Boots
07. She Ain’t In It
08. All Time High
09. Heartache On The Dance Floor
10. Paycheck
11. Lucky Tonight
12. California Sunrise

Jon Pardi
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Bärchen Records

Brandy Clark – Big Day In A Small Town – CD-Review

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Zweites, mit Hochspannung und viel Vorschusslorbeeren bedachtes Album der Singer/Songwriterin Brandy Clark. Die 40-Jährige, ursprünglich aus Morton, Washington, stammende Künstlerin, präsentiert mit „Big Day In A Small Town“, diesmal ein, als Art Konzeptalbum aufgebautes Werk, das in elf sympathischen Anekdoten, das Kleinstadtleben, mit all seinen Klischees und Facetten beleuchtet.

Brandy Clark hatte zu Anfang ihres musikalischen Treibens, nachdem sie eine Basketballkarriere aufgegeben hatte und zugunsten der Musik nach Nashville gezogen war, zunächst viele Erfolge als Songlieferant für bekannte Acts der Szene wie Sheryl Crow, Miranda Lambert („Mama’s Broken Heart“), The Band Perry („Better Dig Two“), Reba McEntire, LeAnn Rimes, Billy Currington, Darius Rucker oder Kacey Musgraves („Follow Your Arrow“). Diverse Nominierungen (u. a. bei den Grammys) und für letztgenannten Song sogar ein CMA-Award, ließen kein Zweifel an ihren kreativen Qualitäten.

Seit 2012 konzentriert sich Clark auch auf ihre eigene Karriere. Nach einer EP und ihrem, von Kritikern mit Lob überschütteten Major-Debüt „12 Stories“, das in kommerzieller Hinsicht allerdings noch nicht die erwartete Resonanz erfuhr, soll jetzt mit „Big Day In A Small Town“, für das Warner Bros. ihr Top-Produzent Jay Joyce (u. a. Little Big Town, Keith UrbanEric Church, Carrie Underwood) zur Seite stellte, der endgültige Durchbruch geschafft werden. Die spannende Frage war hier, ob das Gespann Joyce, der ja in letzter Zeit mit seinen sehr modernen ‚Innovationen‘, viel Kritik/Unmut der herkömmlichen New Countryklientel auf sich zog, und die eher, in Richtung Vorbilder Marke Patsy Cline oder Reba McEntire gestrickte Protagonistin, zusammen überhaupt harmonieren würden.

Um es vorweg zunehmen, es hat prächtig funktioniert, da sich Joyce, der eher traditionell ausgerichteten Akteurin weitestgehend untergeordnet hat, und nur an einigen ‚Stellschrauben‘, im Vergleich zum Vorgänger, marginal gedreht hat. Das Ergebnis ist ein schöner Mix, bzw. Kompromiss aus einigen eingängigen New Countrytracks mit dezenten Hit-Ambitionen, so wie die melodischen Opener „Soap Opera“ (chorales Intro, Banjounterlegung, E-Kurz-Solo) und dem flockigen „Girl Next Door“ (beide mit Sugarland-Flair) oder der humorvolle groovige Country Rocker „Broke“ und das flotte „Love Can Go To Hell“ (ein wenig Fleetwood Mac goes Country), sowie, gerade im zweiten Teil des Albums, eine schöne Inszenierung des altbewährten Country, mit seinem typischem breitgefächerten Storytelling, wie ihn Kacey Musgraves in letzter Zeit so vortrefflich und erfolgreich praktiziert hat.

Die bedankt sich übrigens bei Brandy für ihre, bereits o. a. Dienste, in dem sie beim Retro-Schunkler „Daughter“, ihren Harmonie-Gesang mit einbringt. Die von Lori McKennas Handschrift gezeichnete Hommage an das schwere Leben allein erziehender Mütter „Three Kids No Husbands“ oder der Saloon-Heuler „Drinkin‘ Smokin‘ Chheatin'“ (ganz allein aus Brandys Feder – die auch die übrigen Tracks, naturgemäß mit diversen Co-Writern wie u. a. schwerpunktmäßig Shane McAnally und Jessie Jo Dillon, kreiert hat), sind weitere Exemplare aus der ‚guten alten Zeit‘ des Genres.

Mit „Homecoming Queen“, „You Can Come Over“ (schöne, Procul Harum-mäßige Orgel) und dem abschließenden melancholischen, den Verlust des Vaters beklagenden „Since You’ve Gone To Heaven“, wurden ein paar atmosphärische Balladen eingeflochten, die den ausdrucksstarken Gesang Clarks (irgendwo zwischen einer ‚twangenden‘ Jennifer Nettles, Julie Roberts und Kacey Musgraves), vortrefflich dokumentieren.

Eingespielt haben das Werk gestandene Musiker u. a. wie Fred Eltringham, Dave Roe, John Deaderick (setzt viel Akzente an den diversen Keys), Forest Glen Whitehead, Jay Joyce, Keith Gattis und Rob McNelley. „Big Day In A Small Town“ präsentiert Brandy Clark als ‚komplette‘ Künstlerin, die sowohl als exzellente Songschreiberin, gute Sängerin, und auch als Instrumentalistin (Akustik-Gitarre) zu gefallen weiß. Mit Jay Joyce, diesmal als feinfühligem Produzenten an ihrere Seite, könnten jetzt recht große Tage bevorstehen. Verdient hätte sie es ohne Zweifel. Ein starkes Album. Dicke Konkurrenz für Kacey Musgraves, Jennifer Nettles & Co.

Warner Bros. (2016)
Stil: New Country

01. Soap Opera
02. Girl Next Door
03. Homecoming Queen
04. Broke
05. You Can Come Over
06. Love Can Go To Hell
07. Big Day In a Small Town
08. Three Kids No Husband
09. Daughter
10. Drinkin‘ Smokin‘ Cheatin‘
11. Since You’ve Gone To Heaven

Brandy Clark
Brandy Clark bei Facebook
Bärchen Records

The Infamous HER (Monique Staffile) – Interview

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Als Monique Staffile, alias Her, nach ihrem starken Konzert im Kölner Yard Club, sämtliche Merchandise-Aktivitäten, Smalltalk mit ihren Fans, sowie noch einige Posen für die anwesenden Fotografen, erledigt hatte, stand sie uns auch noch bereitwillig für ein Interview zur Verfügung, in dem sie über „Revolution„, Nashville, Gummibärchen, ihre Tierliebe und andere Dinge plauderte.

Sounds Of South: Wieder zurück in Deutschland! Was gefällt dir an unserem Land?
Her: Ja, ich liebe eigentlich fast alles bei euch! Wirklich bewundernswert hier ist, dass fast jeder musikbegeistert zu sein scheint und auch die hier auftretenden Musiker unterstützt. In den Staaten lassen sich viele Besucher, selbst während eines Konzerts, von Dingen wie Handys, etc. ablenken. In Deutschland hören uns die Leute während des Gigs aufmerksam zu, kaufen meist danach noch CDs und T-Shirts. Das ist klasse und deshalb kommen wir auch gerne jedes Jahr hier hin. Ihr habt natürlich das beste Bier, ich liebe eure Schnitzel, dazu besitze ich noch eine Obsession für eure Gummibärchen (lacht herzhaft und hält uns eine riesengroße Tüte eines bekannten deutschen Fruchtgummi-Produzenten entgegen)!

Sounds Of South: Warum der Schwenk von Her & Kings County zum alleinigen Her?
Her: Wir hießen schon zu Beginn als Band nur Her, praktisch zu vergleichen mit Blondie. Als wir nach Nashville kamen und mit Warner Brothers einen Vertrag unterzeichneten, wollten die einen Zusatznamen zu Her, also wie z. B. Allison Krauss & Union Station, so entschieden wir uns für Her & Kings County. Als wir dann irgendwann Krach mit dem Label hatten, sind wir wieder zu Her zurückgekehrt. Aber ich möchte betonen, als Band! Also, wie bereits erwähnt, so ähnlich wie Blondie.

Sounds Of South: Mir hat das Album „Raise A Little Hell“ mit Kings County im Vergleich zu „Gold“, ehrlich gesagt, wesentlich besser gefallen. Schick mich jetzt aber bitte nicht zur Hölle…! Wie ist deine Meinung?
Her: Unserem Album „Raise A Little Hell“ lag ein fast sieben Jahre währender Songwriting-Prozess zu Grunde, der insgesamt sogar schon zehn Jahre zurückliegt, als Countrymusik noch deutlich anders gestrickt war als heute. Wir haben praktisch jedes Jahr andere Stücke geschrieben. Das „Gold“-Album kam direkt nach dem Bruch mit unserem Label zustande, so hatte es einen sehr rebellischen Charakter, wir wollten Nashville zeigen, dass wir uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu tun haben (…„Nashville, shot the f*** off… OT-Monique)! Deshalb war „Gold“ natürlich anders. Mit unserem neuen Album „Revolution“ haben wir aber wieder ein wenig versucht, Country- und Southern Rock-Einflüsse mit zu verarbeiten.

Sounds Of South: Wie kommt dein neues Video „Crush“ in den doch ziemlich religiös verwurzelten und eher prüden Staaten an?
Her: Die Absicht hinter „Crush“ war, mal was Schockierendes zu produzieren. Wir leben ja in Nashville, Tennessee, also im Süden der Staaten, der ja naturgemäß recht religiös geprägt ist. In New York, wo ich ursprünglich herkomme, gibt es eine große Gay-Bewegung. Diese beiden Elemente wollte ich einfach zusammenbringen, das löst dann natürlich den einen oder anderen Schock aus.

Sounds Of South: Bist du überhaupt gläubig?
Her: Nein, auf gar keinen Fall, ich bin zwar katholisch aufgewachsen – aber nein, definitiv nicht!

Sounds Of South: Wie kam eigentlich die Zusammenarbeit mit Rick Huckaby (ein Musiker den wir auch total mögen, und den wir vermutlich ohne dich nie kennengelernt hätten) zustande?
Her: Rick Huckaby? Echt? Wegen mir? Ich werde ihn deswegen zuhause sofort anrufen!

Sounds Of South: Ja, du hast ja ein Duett („My Heart Can’t Take Anymore“) mit ihm auf „Raise A Little Hell“ gesungen, danach haben wir ihn kontaktiert. Er hat uns sofort alle seine CDs zugeschickt und wir haben dann in unserem Magazin ein Portrait von ihm gemacht.
Her: Cool! Rick Huckaby ist ein toller Mensch und Musiker, mit einer klasse Stimme und wir sind in Nashville natürlich sehr gut befreundet. Ich liebe seine Stimme! Hat er dir eigentlich erzählt, dass er einen Großteil der dortigen Demosongs ‚einsingt‘? All‘ die großen Nashville-Stars wie Kenny Chesney & Co. hören sich erst mal Ricks Version an, bevor sie dann zu Werke gehen. Oft versuchen sie, ihn zu kopieren! Er wird deshalb in Nashville auch ‚The Demo-Singer‘ genannt. Aufgrund seines tollen Gesangs (und Sounds Of South kann dem nur zustimmen) war ich über das Duett mit ihm natürlich sehr froh!

Sounds Of South: Wie ist generell deine Meinung über Nashville?
Her: Eigentlich liebe ich Nashville. Ich bin ja vor gut acht Jahren dort hingezogen. Da war die Stadt noch recht übersichtlich und die Countrymusik echt cool und stark. Heute kommen die Leute nur noch mit dem Gedanken nach Music City, um Superstars, nach dem Motto: ‚Mach mich berühmt‘, zu werden. So funktioniert das dort aber eigentlich nicht. Das gute Nashville hat eine eher kleine, aber tolle Musiker-Gemeinschaft, die ich sehr mag. Das ’neue‘ Nashville ist leider eher wie Kalifornien oder New York (Monique rümpft verächtlich die Nase). Es hat sich vieles (zum Nachteil) verändert…

Sounds Of South: Wie sehen die nächsten Projekte aus?
Her: Wir arbeiten schon jetzt an einem neuen Werk, das ein Akustik-Album sein wird. Da werden dann mehr Instrumente wie Mandoline und Banjo eingebracht. Jetzt versuchen wir noch, die „Revolution“-Tour ein bisschen zu pushen, bis zum Ende des Sommers geht es nach unserer Rückkehr, in den Staaten weiter, wir werden also ziemlich beschäftigt sein.

Sounds Of South: Wie viele Verehrer muss Monique Staffile täglich abwimmeln?
Her: Du meinst auf Facebook (Monique lacht schnippisch)? In den Social-Media-Gefilden befinden sich viele verrückte Menschen. Zunächst meinst du, sie mögen dich, am Ende stellt sich heraus, dass es gar nicht so ist, ich lösche sie dann sofort. Aber ich erahne schon, was du wirklich meinst. Ich weiß mit ihnen umzugehen, ich bin ein großes Mädchen… (lacht)!

Sounds Of South: Wie ist und was macht die private Monique so?
Her: Ich habe hauptsächlich zwei große Vorlieben: Auf der einen Seite Autos, natürlich deutsche Autos! Ich besitze einen alten VW und einen Mercedes aus den Siebzigern, das sind meine beiden Babys, die besonders pflege. Auf der anderen Seite liebe ich Tiere. Ich rette Tiere fast jeder Sorte. Neulich habe ich einer Maus das Leben gerettet, die mir in der Küche Gesellschaft leistete. Dazu pflege ich jede Menge Hunde. Also Autos und Tiere sind neben der Musik meine große Passion!

Sounds Of South: Vielen Dank für das nette Gespräch!

Bilder: Gernot Mangold
Gespräch / Text: Daniel Daus

Her
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The Infamous HER – 07.06.2016, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Her’s musikalische Revolution in Köln

Zum Abschluss einer richtig intensiven Konzertwoche mit gleich vier Ereignissen hatten wir (Fotograf Gernot Mangold begleitete mich wieder) uns beim letzten Kapitel nochmals einiges vorgenommen. Diesmal war in Köln eine Doppelveranstaltung mit JJ Grey & Mofro in der Kantine und Her im daneben liegenden Yard Club geplant. Dazu hatten wir ein Interview mit Monique Staffile ins Auge gefasst. Im Hinblick darauf, dass ich meine Brötchen natürlich leider mit anderen Dingen verdienen muss, war das schon einige heftige Sache.

Heftig hatte sich in den späten Nachmittagsstunden auch wieder unser derzeitiges Wetter mit zuckenden Blitzen, barschem Donnerhall und sintflutartigen Regengüssen zu ‚Wort‘ gemeldet, sodass ich aufgrund des Weges von Rheinberg zur Domstadt (vorbei an vielen hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkten), angesichts der Verkehrsmeldungen, schon leichte Bauchschmerzen hatte. Aber die Befürchtungen erwiesen sich letztendlich als unbegründet und wir trafen rechtzeitig am Ort des Geschehens ein.

Her, alias Monique Staffile, hatte vor etwas über einem Jahr ja an gleicher Stelle, damals noch unter Her & Kings County firmierend, bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich war richtig gespannt, wie sich die feurige, aus New York stammende Dame (allerdings mittlerweile in Nashville lebend) weiterentwickelt hat. Sie sah natürlich wieder, wie nicht anders zu erwarten, äußerst knackig aus: Ein Oliv-farbener abgeschnittener Halb-Overall, der bei weit geöffnetem Ausschnitt, großzügige Einblicke auf ihr darunter liegendes, Leopard-verziertes Bikini-Oberteil(chen) gewährte, dazu kniehohe Stiefel über einer zum Teil schon leicht ramponierten Netzstrumpfhose, riefen bei einer überaus züchtigen Person wie mir und den anwesenden anderen männlichen Besuchern natürlich tiefste innerliche Empörung hervor…!

Mit im Gepäck hatten Her und ihre Mitstreiter Caleb Sherman (guitars, vocals), der wieder herrlich kauzige Brandon Roberts (bass, vocals) und Schlagzeuger Brandon Barnes (drums, vocals) ihr brandaktuelles Album „Revolution“, das von India Records für unseren Markt wieder mit viel Mühe und Liebe inszeniert worden ist. Dem tollen Cover der Scheibe konform, kam das Quartett dann auch in US-beflaggten Tüchern zunächst vermummt auf die Bühne und heizte mit „Be My Lover“ sofort ordentlich ein. Der heimliche Lenker der Band, Caleb Sherman, ließ direkt, schön Southern-mäßig, den Bottleneck über sein Arbeitsgerät sliden. Klasse Auftakt!

Das rhythmische „My Backyard“, auch vom starken „Raise A Little Hell“-Silberling, ließ die gute Laune, der leider wieder recht überschaubaren Besucheranzahl, weiter in die Höhe steigen. Das erste Stück aus der neuen Scheibe, „Only One“, wurde durch sexy anmutende Posen von Monique zusätzlich visuell upgedatet. Abgesehen davon, muss unbedingt erwähnt werden, dass sie eine wirklich starke Sängerin ist. Beim folgenden Titelstück „Revolution“ verhüllte sich die Protagonistin beim Intro zunächst im Dunklen auf dem Boden hockend komplett in die mitgeführte US-Flagge, um dann mit Einsetzen des Songhauptteils in eine rebellische Performance herauszuplatzen, bei der sie die Fahne dann mit wilden Bewegungen um Hals und Kopf schwung. Eindrucksvoll!

Im weiteren Verlauf präsentierte das Quartett toll gespielte Tracks wie „Crush“ (dazu wurde ja auch aktuell ein herrlich provozierendes Video produziert, das in klerikalen Kreisen sicherlich helle Begeisterung auslösen wird…), der Stadion-taugliche Rocker „Tonight“, das atmosphärische Robin Beck-mäßige „Damn“, „Where Did All The $ Go“ (Interaktion mit Publikum), das launige „Family Tree“ (Monique mit Tambourine-Shaking), das lasziv inszenierte „Seperately“ , „You“ und „Give It To Me“. Das furiose „White Thrash“ mit dem eingebundenen Who-Klassiker „Teenage Wasteland“ brachte die Stimmung endgültig zum Sieden.

Die Zugaben, wie das verspielte „Act Like You Know“ und das laut eingeforderte „Raise A Little Hell“ komplettierten einen versiert abgewickelten, stimmungsvollen wie ansehnlichen Gig, der auch meinem Revoluzzer-Kollegen aus alten Schultagen sichtlich Freude bereitet hatte. Anschließend gaben sich Her & Co. am Merchandising-Stand gewohnt lebensnah und die äußerst sympathische Monique nahm sich auch noch die Zeit für ein Interview mit uns. Ein echt lohnenswerter, toller Abend! So let the „Revolution“ roll on!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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