Aaron Lewis – Sinner – CD-Review

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2012 wurde von Aaron Lewis, der sich bis dahin eigentlich, als Frontmann der Alternative Metal Band Staind, einen Namen gemacht hatte – das brachte ihm übrigens die Ehre ein, in der Liste der besten Metal-Sänger aller Zeiten auf Platz 49 geführt zu werden – eine feine Trennlinie gezogen, um sich, was seine anberaumte Solo-Karriere betrifft, voll und ganz auf Countrymusik zu konzentrieren.

Sein Longplayer-Debüt „The Road“ erreichte auch prompt einen Platz unter den Top 10 in den Billboard Country-Album-Charts. Jetzt, fast vier Jahre später (wo ist eigentlich die Zeit geblieben?), hat der wüst tätowierte, bärtige und wuchtig, sowie charismatisch wirkende Protagonist (so stelle ich mir rein äußerlich einen Parade-Redneck vor, eine typische Art von menschlichem Wesen, die man eigentlich immer nur zum Freund haben möchte…), genug eigenständiges neues Material kreiert, um mit „Sinner“ das nächste Country-Kapitel aufzuschlagen.

Aaron steigt in sein neues Werk sofort mit dem Titelsong „Sinner“ ein, direkt unter Beteiligung vom Duett-erprobten Hochkaräter Willie Nelson, der mit seiner kauzigen Stimme einen schönen Kontrast abgibt. Danach kommt mit „That Ain’t Country“ ein Klagelied auf die Authentizität des heutigen Liedguts im Genre. Kann man sehen, wie man will, Lewis fand die Songs der Altrecken halt ehrlicher und besser. Die instrumentelle Verarbeitung seiner Stücke ist demnach auch absolut in traditionellen Sphären angelegt. Steel, Dobro, Harp, Akustik- und E-Gitarren (absolute Klasse hier Bariton-Spezialist Brent Mason) geben den Ton an, gespielt natürlich nur von Klasse-Leuten (u. a. Ben Kitterman, Jim ‚Moose‘ Brown, Paul Franklin & Co.). Produziert hat in den berühmten Blackbird Studios mit Buddy Cannon eine weitere Koryphäe in diesem Bereich.

Als zusätzliche prominente Unterstützer sind Vince Gill, Dan Tyminski und Alison Krauss von Union Station mit dabei, Letztgenannte mit herrlichen Harmoniegesängen u. a. beim gelungenen Chris Stapelton-Cover „Whiskey And You“. Das Southern-rockige „Northern Redneck“ steht vermutlich noch im Zeichen der Zusammenarbeit vom Vorgänger mit Charlie Daniels. Ein typisches Lied, das auch auf jedes CDB-Album kompatibel wäre.

Und so ziehen sich die allesamt recht atmosphärisch, im Erzählstil gebrachten, durchgehend melodischen Tracks (bis auf zwei Ausnahmen alle von Aaron komponiert), in ihrer traditionell und fein performten Art, wie ein roter Faden bis zum Ende, durch das Album. Mir gefallen besonders Stücke wie „Mama“, „Stuck In These Shoes“ oder „I Lost It All“, dank der bereits angeführten Krauss-Harmoniegesänge. Am Ende darf dann Tochter Zoe Lewis mit ihrer The Loving Mary Band, das bereits mal von den Dixie Chicks gecorverte Bruce Robison-Stück „Travellin‘ Soldier“ präsentieren, Papa Aaron, singt diesmal nur als Zuarbeiter.

Als dezente Kritik möchte ich kurz vermerken, dass Lewis mir ein wenig zu viel depressive Stimmung in eigener Sache (Worte wie ‚demons‘, ‚damage‘, ‚darkness‘, ’sinner‘ usw. werden dazu gerne in den Texten verwendet) mit seinen musikalischen Proklamationen verbreitet. Im Prinzip sollte er heilfroh sein, ein erfolgreiches Dasein als Musiker fristen zu können.

Ich glaube, wenn bei ihm, 5 mal die Woche, wie bei mir, der Wecker um 04:23 Uhr (sowohl freiwillig, als auch gezwungener Maßen…) klingeln würde, um sich, nach dem Gang mit dem Hund, dann in den digital-dominierten, heutigen Büroalltag zu stürzen (inkl. zweier Fahrten durch das Baustellen-verzierte Ruhrgebiet), würden bei ihm aber die Dämonen erst recht und in noch viel längerer Schlange vor der Tür stehen! Ok, auch ich weiß, dass ich hier auf recht hohem Niveau jammere, ganz ganz vielen Menschen auf dieser Welt geht es trotzdem sicherlich deutlich schlechter auch als mir.

Fazit: Aaron Lewis zieht mit „Sinner“ seinen eingeschlagenen, auf traditionellen Country-Pfaden weilenden Stil, weiter konsequent fort. Charismatischer Gesang, klasse Gäste, exzellente Musiker und ein erfahrener Produzent sorgen für den Stoff, den Leute mit Wonne aufsaugen werden, die mit dem zeitgenössischen modernen New Country wenig am Hut haben, und mehr auf die gute alte Tage des Genres stehen oder, was ihren Musikgeschmack angeht, halt recht flexibel sind. Und, lieber Aaron, zu deiner Beruhigung: Du brauchst keine Buße tun, dass „Sinner“ sofort auf Platz 1 der Billboard Charts geschossen ist. Das hat der liebe Gott dir sicher schon längst auch so verziehen…

Dot Records (2016)
Stil: Country

01. Sinner (feat. Willie Nelson)
02. That Ain’t Country
03. Whiskey And You
04. Northern Redneck
05. Mama
06. Sunday Every Saturday Night
07. Lost And Lonely
08. Story Of My Life
09. Stuck In These Shoes
10. I Lost It All
11. Travelin‘ Soldier
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Aaron Lewis
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Universal Music Group

Billy Ray Cyrus – Thin Line – CD-Review

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Neuer Stoff von Billy Ray Cyrus! Nach vier Jahren Abstinenz, zumindest was die Neuveröffentlichung von Musik in eigener Sache angeht, hat es den umtriebigen Allround-Künstler erneut gepackt, wieder ins Studio zu gehen und ein weiteres Album aufzulegen.

Cyrus besitzt ja schon seit einiger Zeit mit Blue Cadillac Music sein eigenes Label und genügend finanziellen Spielraum, frei von irgendwelchem Druck, Musik zu komponieren und umzusetzen, wie es ihm gerade in den Sinn kommt.

Diesmal hat er schöne Mischung aus Neukreationen und Altstücken zusammengestellt, bei denen zum Teil in Wertschätzung, Einflussgrößen gehuldigt („Stop Pickin‘ On Willie“, „Hey Elvis“ – beides launige Uptemponummern) oder gecovert (Don Williams- „Tulsa Time“ , Kris Kristofferson – „Help Me Make It Through The Night“, Merle Haggard – „Going Where The Lonely Go“) werden.

Zur Umsetzung hat er dazu ein imposantes Aufgebot an Mitmusikern eingebunden, (teilweise Leute, die man auf einem Countryalbum nicht unbedingt erwarten würde) die dem Ganzen natürlich eine interessante Zusatzwürze geben.

Zunächst hat Shelby Lynne, beim wunderbar melancholischen Opener und Titelsong „Thin Line“ (großartiges Highlight) und dem, an Billys Mega-Hit „Some Gave All“ erinnernden „Sunday Morning Coming Down“, starke Gesangseinsätze, die ganz hervorragend mit Billy Rays Raspel-Organ (übrigens sehr tolle vokale Gesamtleistung  von ihm) in Einklang stehen.

Aerosmith-Gitarrist Joe Perry gibt dem rockig stampfenden „Tulsa Time“ mit furiosen Wah-Wah-E-Gitarreneinlagen einen herrlichen Drive. Shooter Jennings ist bei „Killing The Blues“ und „I’ve Always Been Crazy“ samt seiner schroffen Art mit an Bord und hat die Stücke auch produziert, letzteres wird durch Lee Roy Parnells klirrende Slide-Künste veredelt.

Dem nicht genug. Für den stimmungsreichen, rhythmischen, Fuß-wippenden Country Rocker „Hey Elvis“ bitten Rock-Superstar Bryan Adams und Ex-Deep Purple Bassist, sowie Ex-Black Sabbath-Sänger Glenn Hughes  mit inbrünstigen Harmoniegesängen (ihre markante Stimmen wurden deutlich hörbar zugesteuert) um die ersehnte Rückkehr des Rock’N’Roll Königs („…Hey Elvis,  come back to Memphis, you’re still the king“). Hughes musste dann auch beim balladesken „Hope (Let It Find You)“ nochmal ans Mikro. Jungstar Kenley Shea Holm assistiert beim Klassiker „Help Me Make It Through The Night“.

Das Ende steht dann ganz im Zeichen der Familie Cyrus: Sohnemann Braison beweist sein geerbtes Talent mit Harmoniegesängen und E-Gitarrenspiel auf dem klasse umgesetzten Haggard-Country-Schwofer „Going Where The Lonely Go“. Tochter Miley lässt den Hörer beim ‚Outstanding Track‘ „Angels Protect This Home“ quasi an einer spirituellen Sitzung mit Vater Billy teilhaben. Stoische Klangschalentöne  und tibetanisch anmutende Gesänge von beiden  (dazu ein paar Akustikgitarrenklänge von Billy Ray) fordern imaginär nahezu auf, in den Lotussitz überzugehen und den 9-Minuten währenden Abschluss-Track in Yoga-ähnlichen Sphären zu begleiten – Om!

Eine recht extravagante Zusatz-Geschichte, auf die man sich einlassen kann oder nicht, die aber nichts daran ändert, dass Billy Ray Cyrus mit „Thin Line“ wieder ein richtig starkes Country (Rock)-Werk abgeliefert hat. Der Mann bleibt ein toller authentischer Musiker, dem es immer wieder zuzuhören lohnt. Wir ziehen eine ganz dicke Linie unserer Hochachtung unter dieses gelungene Album!

Blue Cadillac Music (2016)
Stil: New Country

01. Thin Line (feat. Shelby Lynne)
02. Loving Her Was Easier (Than Anything I’ll Ever Do Again)
03. They’re Playin Our Song
04. My Heroes Have Always Been Cowboys
05. Stop Pickin‘ On Willie
06. Sunday Morning Coming Down (feat. Shelby Lynne)
07. Tulsa Time (feat. Joe Perry)
08. Hillbilly On
09. Killing The Blues (feat. Shooter Jennings)
10. I’ve Always Been Crazy (feat. Shooter Jennings & Lee Roy Parnell)
11. Hey Elvis (feat. Bryan Adams & Glenn Hughes)
12. Help Me Make It Through The Night (feat. Kenley Shea Holm)
13. Hope (Let It Find You)
14. Going Where The Lonely Go (feat. Braison Cyrus)
15. Angels Protect This Home (feat. Miley Cyrus)

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Bärchen Records

Jason Aldean – They Don’t Know – CD-Review

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7. Studio-Album von Jason Aldean. Er zählt schon seit geraumer Zeit zu den Stadien-füllenden Megastars der Nashville-Szene und was soll man nach sechs Alben, die alle bis auf zwei kleine Ausnahmen unter den Top-5 der Billboard Country- als auch der Genre übergreifenden Charts gelandet sind (die beiden letzten jeweils in beiden Rankings auf Platz 1), großartiges ändern?

Aldean und sein Langzeit-Produzent Michael Knox fahren weiter die Erfolgslinie und überlassen das Experimentieren anderen. Gut so! Man ist mittlerweile in der bequemen Lage, sich in Ruhe die Songs herauspicken zu können (natürlich ist auch hier wieder alles am Start, was sich an angesagten Songwritern auf dem Markt befindet), die zu Jason am Besten passen. Mit seiner exzellenten Liveband, bestehend aus Rich Redmond, Tully Kennedy und Kurt Allison, die jederzeit in der Lage ist, auf Augenhöhe mit den arrivierten Nashville Studio-Musikern zu agieren (auch hier sind natürlich wieder bewährte Leute wie u. a. Adam Shoenveld, Danny Radar, Rob McNelley, John Willis, Mike Johnson mit an Bord) hat man dazu ein perfekt eingespieltes und funktionierendes Team, auf das man sich ebenfalls blind verlassen kann.

So wird auf seinem neuen Werk „They Don’t Know“ auch diesmal an die bewährten Konzepte von „My Kinda Party“ und „Old Boots, New Dirt“ nahtlos angeknüpft. Überwiegend kräftige und mitreißende Countryrocker sowie ein paar Balladen, die vom Anliegen dazu prädestiniert sind, ein Spektakel in den großen Arenen, die mittlerweile nun mal Aldeans überwiegende Projektionsfläche sind, abzuliefern. Die Songs sind durchweg klasse und vielleicht sogar noch ein wenig besser als bei früheren Werken.

Erneut gibt es satte 15 Tracks, beginnend mit euphorischen, vom knackigen E-Gitarren durchzogenen „Lights Come On“ (belegte bereits Platz 3), bis zum abschließenden, atmosphärischen „When The Lights Go Out“. Man hat wieder die Qual der Wahl, welche Stücke als Singles ins Rennen geschickt werden sollen. Den zweiten Anlauf macht das von dezenter Melancholie gezeichnete, etwas ruhigere „A Little More Summertime“, das eher Aldeans sentimentale Seite repräsentiert.

Tradition hat ja auch ein Duett mit einer aktuell angesagten Kollegin. Diesmal ist Kelsea Ballerini die Partnerin beim der herzzerreißenden, Blockbuster-tauglichen Ballade „First Time Again“. Am wohlsten fühlt sich Aldean aber spürbar, wenn in Southern-rockiger Manier, wie beim krachenden Titelstück „They Don’t Know“ (geht in Richtung „My Kinda Party“), „One We Won’t Forget“ oder dem herrlichen „The Way A Night Should Feel“ (Co-Writer Brett James) ordentlich Gas gegeben wird.

Fazit: Superstar Jason Aldean geht unbeirrt seinen Weg weiter. Rockiger New Country vom Feinsten! Das Songmaterial ist exzellent und „They Don’t Know“ bietet erneut exakt das, was seine Fans von ihm hören wollen. Das Album wird, das wissen wir schon jetzt, ganz sicher wieder die Pole erklimmen. Was eigentlich in seiner Karriere nur noch fehlt, ist eine Genre-übergreifende Billboard Top 100 Nr.1-Hitsingle. Bleibt lediglich die spannende Frage, ob es diesmal klappt. Verdient hätte er es und das Material hat allemal die Klasse dazu. Wir sagen, viel Glück und ‚toi toi toi‘, Jason Aldean!

Broken Bow Records (2016)
Stil: New Country

01. Lights Come On
02. A Little More Summertime
03. This Plane Don’t Go There
04. Comin‘ In Hot
05. First Time Again (with Kelsea Ballerini)
06. Bad
07. They Don’t Know
08. One We Won’t Forget
09. Whiskey’d Up
10. In Case You Don’t Remember
11. All Out Of Beer
12. Any Ol‘ Barstool
13. The Way A Night Should Feel
14. Reason To Love L.A.
15. When The Lights Go Out

Jason Aldean
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Bärchen Records

Justin Moore – Kinda Don’t Care (Deluxe Edition) – CD-Review

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Justin Moore kann dem weiteren Leben eigentlich gelassen entgegen sehen. Alles, was er seit seinem Debütalbum 2009 in musikalischer Hinsicht angepackt hat, scheint blendend zu funktionieren. Während dieses sich noch ’nur‘ mit Rang 3 in den Billboard Country Album-Charts begnügen musste, haben alle Nachfolger die Nr. 1 problemlos gemeistert, parallel auch noch in den allgemeinen US Charts immer die Top-10-Ränge erreicht.

Dies gilt auch für sein neustes und viertes Werk „Kinda Don’t Care. Da schert es den Protagonisten vermutlich einen feuchten Kehricht, was so mancher Kritiker über ihn los lassen wird. Fakt ist, dass Moore, auch auf seinem neuen Silberling, wie schon beim starken Vorgänger „Off The Beaten Path„, mit satten 16 Stücken in der Deluxe-Version, wieder richtig reinklotzt und seine Muskeln, gegenüber der nicht schlafenden Konkurrenz, ordentlich spielen lässt.

Produziert haben in großen Teilen Scott Borchetta und Jeremy Stover und bei zwei Tracks wurde zusätzlich Julian Raymond involviert. Selbstredend, dass bei einem solchen Werk das große Besteck (und dies in mehrfacher Hinsicht) an Nashville-Musikern  und Songwritern (Moore hat zwei Lieder mitkomponiert) aufgefahren wurde.

Fest steht, dass sich Nashville seit dem Auftauchen von Interpreten wie Georgia Floriada Line, Sam Hunt & Co. verändert hat, und das nicht unbedingt zum Positiven. Trotzdem hat der immense Erfolg dieser Künstler natürlich einen gewissen Druck auf die bisherigen Platzhirsche des Genres ausgeübt. Acts wie Luke Bryan, Keith Urban, Thomas Rhett, Little Big Town lassen sich mittlerweile zu Sachen hinreißen, wo man zum Teil wirklich den Kopf schüttelt.

Auch an Justin Moore ist diese Entwicklung natürlich nicht spurlos vorbei gegangen. Selbst bei ihm sind mittlerweile Loops, ein paar Synthies, soulige Grooves und diese heroischen ‚Ooohoh-Gesänge‘  in seine Stücke (z. B. „Goodbye Back“,  das dezent epische „Between You And Me“, „Spendin‘ The Night“), eingezogen (er hatte das ja bis zu einem gewissen Zeitpunkt, immer kategorisch abgelehnt), haben aber nicht störend Überhand genommen. Akustik- und E-Gitarren haben hier weiter das Sagen und er hat den großen Vorteil, dass  seine großartige Stimme einfach Country ist. Ich glaube, er könnte auch einen Punksong singen und trotzdem wäre das noch irgendwie Genre-kompatibel.

Der Rest hat mit tollen Tracks wie u. a. dem satten Opener „Robbin‘ Trains“ (Country Rocker mit viel Wums), dem starken Titelsong (wunderbar lässig gespielt und gesungen), der ersten Single, dem stonesken „You Look Like I Need A Drink“, dem Aldean-mäßigen „Somebody Else Will“, den Southern-Power-Balladen „Rebel Kids“ und „Life In The Livin'“, dem Redneck-umwehten, launigen, Mittelfinger zeigenden Duett mit Spezi Brantley Gilbert „More Middle Fingers“, dem pfiffigen „Middle Class Money (die Pfeif-/Mundhamonika-Kombi-Hookline verleitet unweigerlich zum Mitpfeifen – dazu herrlich heulende Steel), dem Heartland-Rocker „Pick-Up Lines“ (fettes E-Solo) und dem melancholischen, voller Pathos getränkten Country-Schwofer „When I Got Home“ zum Abschluss, einiges an starker Musik zu bieten.

Justin Moore erntet mit seinem neuen Werk erneut die Früchte, seiner, von Fleiß und Qualität, gezeichneten Arbeit. Verdienter Lohn: Auch „Kinda Don’t Care“ hat sofort die Spitze der Billboard Country-Album Charts belegt. Er ist neben Leuten wie Blake Shelton, Jason Aldean, Luke Bryan, Dierks Bentley, Gary Allan & Co. im Kreise der ganz Großen mittlerweile fest etabliert.

Auch wenn so manche Kritiker, ihm vermutlich Verrat an den wirklichen Fans der ersten Stunde vorwerfen werden, sollte man hier doch schön fair sein und die Kirche im Dorf lassen. Der Spagat zwischen heutigen Trends und gutem neo-traditionalistischem New Country ist ihm erneut hervorragend gelungen.  Ich persönlich finde seine neue Scheibe abermals richtig toll! Dicke Kaufempfehlung!

Valory Records/Universal (2016)
Stil: New Country

01. Robbin‘ Trains
02. Put Me In A Box
03. Kinda Don’t Care
04. Hell On A Highway
05. Goodbye Back
06. You Look Like I Need A Drink
07. Somebody Else Will
08. Between You And Me
09. Got It Good
10. Rebel Kids
11. More Middle Fingers (feat. Brantley Gilbert)
12. Life In The Livin‘
13. Middle Class Money
14. Pick-Up Lines
15. Spendin‘ The Night
16. When I Get Home

Justin Moore
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Universal Music Group

Drake White – Spark – CD-Review

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Wieder ein äußerst vielversprechendes Debüt im Nashville-Circus: Drake White, ursprünglich aus Hokes Bluff, Alabama, stammend, seit 2013 auf musikalischen Pfaden in Music City unterwegs. Big Machine-Chef Scott Borchetta zeichnete ihn letztendlich für das wieder ins Leben gerufene Unterlabel Dot Records, das auch Aerosmith-Chef Steven Tyler unter Vertrag hat. Zur Zeit ist White als Support von Zac Brown (der singt hier im Background auf „Back To Free“), auf dessen ‚Black Out The Sun‘-Tour unterwegs.

Produziert haben bis auf eine Ausnahme (Andrew Petroff/Adam Schwind bei „Waitin‘ On The Whiskey To Work“), die für ihre kommerziell erfolgreichen Veröffentlichungen bekannten Russ Copperman und Jeremy Stover, die hier natürlich auch alle notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen haben (mit einem Heer an arrivierten Nashville-Schreibern und Klasse-Musikern an Drakes Seite ), sich aber, was technischen Schnickschnack (Loops, Synthies) angeht, sehr angenehm zurückhalten.

Sie setzen bei Drake White eher auf eine recht hohe stilistische Bandbreite, was sich bei dessen toller, charismatischer Stimme auch anbietet. So pendelt das eröffnende, im Erzählstil gesungene „Heartbeat“ irgendwo zwischen Eric Church und Kip Moore (dezente Heartland-Elemente, Powerrefrain), das dem amerikanischen Durchschnittsbürger gewidmete „Story“ in herrlich traditionellen Countrygefilden (klasse Banjoeinlagen) und die starke Ballade „Makin‘ Me Look Good Again“ (großartiges Backsinging von Carolyn Dawn Johnson, herrliches E-Gitarrensolo) im bluesigen Southern Soul-Bereich. Direkt drei völlig unterschiedliche,  Tracks. Allesamt gelungen!

Fulminant auch Whites und Dawn Johnsons gesangliches Zusammenwirken auf dem von knarziger Mandoline, Ukulele, Slide und quäkender Mundhamonika begleiteten „It Feels Good“ (dezentes Little Big Town-Flair). Einer der vielen Höhepunkte des Albums. Der zur Zeit omnipräsente Cadillac Three-Chef Jaren Johnston setzt kompositorische und gesangliche Akzente beim fluffigen „Livin‘ The Dream“.

Ein Hauch von Southern Rock-infizierten New Country bietet „I Need Real“ (Marshall Tucker-mäßige Gitarren-Fills und Solo), „Back To Free“ und das folkige „Live Some“ wandeln auf Chris Stapeltons/Eric Churchs Spuren, das humorvolle angejazzte „Equator“ (was für ein Titel für eine Countryscheibe – tolle Piano- und Bläser-Einlagen) macht unglaublich Laune. Der musikalische Appel an das Durchhaltevermögen im Leben, „Elvis“ (…Rome wasn’t built in no day and Elvis wasn’t born the king…), rockt ordentlich und das finale poltrige „Take Me As I Am“ groovt nochmal richtig schön lässig und bluesig-soulig,  (wieder fantastischer Gesang von Drake, klasse E-Solo) hat aufgrund des Stadion-tauglichen Mitsing-Refrains (mit Crowd-Harmonies) aber auch hymnischen Charakter. Ein Song mit weiterem Hit-Potential am Schluss.

Fazit: Mit Drake White erleben wir einen sehr vielversprechenden  und überaus variablen Newcomer im Bereich (New) Country, Countryrock. Natürlich eine Gewinn-orientierte Nashville-Produktion, die aber ungemein viel Spirit und Seele aufweist. Der Kerl ist ein toller Songwriter (hat fast alle Stücke mitgeschrieben) und charismatischer Performer mit einer fantastischen, angerauten Stimme. Viel Southern-, Soul- und gar ein wenig bluesige Momente, und eine tolle Gratwanderung zwischen traditionellen Country-Elementen und kernigen, erdigen, satten Rockeinflüssen. Sein vielschichtiges Debüt „Spark“ erinnert zuweilen ein wenig an Eric Church, aber eben mit rauerer Stimme und nicht ganz so experimentell, zumindest, wenn man dessen „Outsider“-Werk betrachtet. Super Einstand von Drake White!

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. Heartbeat
02. Story
03. Makin‘ Me Look Good Again
04. It Feels Good
05. Livin‘ The Dream
06. I Need Real
07. Back To Free
08. Equator
09. Live Some
10. Waitin‘ On The Whiskey To Work
11. Elvis
12. Take Me As I Am

Drake White
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Bärchen Records

Jake Owen – American Love – CD-Review

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5. Longplayer von Jake Owen. Alles, was der aus Vero Beach, Florida, stammende 35-jährige Sonnyboy musikalisch bisher anpackte, ist von Erfolg gekrönt gewesen. Seine Alben landeten allesamt in den Country-Charts unter den Top 10, sein „Barefoot Blue Jean Night“-Werk schaffte es sogar auf Platz 1, dazu gab es auch noch drei Nr.1-Singles. Owen hat sich über die Jahre mit kontinuierlich guten Leistungen unter den maßgebenden Künstlern Nashvilles etabliert.

Aber auch auf der Sonnenseite des Lebens stehende Menschen wie er, werden von Schicksalsschlägen nicht immer verschont. Die Krebsdiagnose seines Vaters und die Scheidung von seiner Frau, bedeuteten wenig erfreuliche Einschnitte in seinem Leben und haben ihm vermutlich hart zugesetzt. Wer allerdings jetzt mutmaßt, dass ein neuer Silberling „American Love“, Anlass gibt, sich in Trübsal zu ergießen, befindet sich auf dem Holzpfad.

Jake hat genau den entgegengesetzten Weg gewählt und präsentiert uns ein Album, das trotz einiger nachdenklicher Songs, überwiegend sommerlich gute Laune vermittelt. Er hat auch sein Äußeres verändert. Die längere Matte, die er noch auf dem Titelbild von „Days Of Gold“ präsentiert hatte, musste einem, ihm wirklich gut stehenden Kurzhaarschnitt weichen (mit der coolen goldenen Retro-Sonnenbrille erinnert er ein wenig an eine Mischung aus Kevin Costner und Nicolas Cage).

Apropos retro: Auf dem Cover-Artwork präsentiert er sich in einem klasse türkis/weiß gestylten alten VW-Bulli, dem auch mit „VW Van“ eine tolle flippig-bluesige, mit quäkender Harp verzierte Song-Hommage gewidmet ist. Launiger Song!

Sein neues Werk wird von zwei, dem amerikanischen Lebensgefühl zugeneigten Tracks eingerahmt,  und zwar mit dem Titelsong „American Love“ (klasse Groove, Bläser-unterstützt)  vorne weg und dem abschließenden „American Country Love Song“ (kräftige poppige Heartland-Nummer, die sich auch gut auf Luke Bryans „Spring Break“-Geschichten gemacht hätte). In beiden ist der zur Zeit sich in aller Munde befindliche Cadillac Three-Chef Jaren Johnston kompositorisch involviert.

Bei den restlichen neun Stücken pendelt Jake, sehr schön ausbalanciert, zwischen überaus melodischen, Charts-tauglichen Midtempo-Songs mit markanten Power-Refrains („After Midnight“, „Where I Am“, „You Ain’t Going Nowhere“) und einigen tollen, sehr atmosphärischen ruhigen Nummern wie das überragende und Real Country-betonteste „LAX“ (einziger Track, den Owen mitgeschrieben hat – heulende Steel, klasse Akustikgitarre, wunderbar im texanischen Stil dargebotene Harmoniegesänge von Hillary Lindsay) oder die Moll-getränkte, melancholische Piano-Ballade „When You Love Someone“.

Stark auch der pathetische Abgesang auf die leider nicht ewig währende Jugend bei „Everybody Dies Young“ und das von Chris Stapelton kreierte und im Background mitbesungene, soulig und fett groovende „If He Ain’t Gonna Love You“ (starke E- und Slide-Gitarre, gurgelnde Orgel). Zwei weitere Highlights!

Jake Owen zeigt sich auf seinem neuen Album „American Love“ in Aufbruchstimmung. Neuer persönlicher Style, neues Lebensgefühl, neue Produzenten (Ross Copperman, Shane McAnally und Lukas Bracewell), viel neue positive Energie. Was bleibt, ist seine weiterhin gute, qualitativ, ohne großes Aufsehen und moderne Spielereien auskommende Musik, die auch diesmal ganz sicher wieder in den Toprängen der Charts auftauchen wird! Ein abermals ansprechendes, tolles Werk!

Sony Nashville/RCA (2016)
Stil: New Country

01. American Love
02. After Midnight
03. Where I Am
04. Everybody Dies Young
05. VW Van
06. Good Company
07. LAX
08. If He Ain’t Gonna Love You
09. When You Love Someone
10. You Ain’t Going Nowhere
11. American Country Love Song

Jake Owen
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Bärchen Records

Gewinnspiel – David Nail

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Nachdem es beim letzten Mal noch recht überschaubar zuging, gab es diesmal doch eine sehr ordentliche Resonanz. Typische Gewinnspieljäger, ganze Familien-Clans und auch viele Genre-Liebhaber waren diesmal dabei.

Die schwierig zu beantwortende Lösung lautete ‚Baseball‘.

Über eine angenehme New Country-CD darf sich

Judith Sperber aus Neustadt

freuen, die das Werk in den nächsten Tagen zugeschickt bekommt!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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Universal Music zeigte sich großzügig, Sounds Of South gibt sich, wie immer, betont uneigennützig.

Kaum hatten wir den Review zu David Nails starkem neuen Album „Fighter“ online, da trudelte auch schon ein zweites Exemplar des Musikers ins Haus. Sounds Of South, das Magazin, das immer nur an seine Leser denkt, zögerte keine Sekunde, und ermöglicht einem interessierten Glückspilz, diese schöne New Country-Scheibe zu ergattern.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Welchen US-typischen Sport übte David Nail erfolgreich aus, bis er aus gesundheitlichen Gründen passen musste und schließlich im New Country-Business landete?

a) Tischtennis
b) Judo
c) Baseball

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 17.08.2016 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

David Nail
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Universal Music Group

The Cadillac Three – Bury In My Boots – CD-Review

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2. Album von The Cadillac Three! Das Trio um seinen charismatischen Bandleader Jaren Johnston, macht dort unverhohlen weiter, wo es 2014 mit seinem Debüt „Tennessee Mojo“ so herrlich unbekümmert begonnen hatte: Eine coole Mischung aus relativ einfach und wild gespieltem/gesungenem Southern Rock mit unterschwelliger Redneck-Attitüde, sowie dezenten New Country-Bezügen.

Apropos New Country: Dieser Jaren Johnston ist schon eine interessante Person. Namhafte Größen der Nashville-Zunft wie u. a. Tim McGraw, Keith Urban, Eric Church als auch zuletzt Aerosmith-Chef Steven Tyler bei seinem Erstlingsexperiment in dieser Sparte, vertrauten bereits bei diversen Adaptionen auf die kreativen Kräfte des umtriebigen Songwriters und landeten Nr.1-Hits.

Beim TC3-Projekt scheinen die Uhren aber anders zu ticken. Auch wenn Big Machine Records sicherlich ebenfalls ein Label ist, dass gerne Charterfolge feiert, lässt man Johnston sowie seine beiden Mitstreiter und Langzeitkumpels Kelby Ray und Neil Mason hier eher an der langen Leine. Die dürfen sich eigentlich im Rahmen ihrer Ideen relativ freizügig in Wort und Musik austoben und das ist gut so.

Anführer Jaren Johnston erweist sich neben seinen beiden Bandkumpanen natürlich bei den, fast ausschließlich von ihm erdachten und gesungenen Texten (dazu kommen noch einige prominente Co-Writer wie Luke Laird, John Nite, Jimmy Robbins, Brent Anderson, Jerrod Niemann), als wahrer Wortakrobat, in dessen Lieblingsvokabular Begriffe wie ‚Whiskey‘ und ‚Hips‘ eine überaus gern gewählte Option darstellen.

Produziert hat der Dreier sechs Stücke selbst, bei den restlichen haben die beiden Koryphäen auf diesem Gebiet, Dan Huff (spielt hier auch Bouzouki und Gitarre) und Justin Niebank, Hand angelegt. Niebank hatte ja schon seiner Zeit bei Blackberry Smoke, die musikalisch durchaus als Seelenverwandte zu TC3 durchgehen (zumal Johnston und Charlie Starr auch recht ähnlich singen), für den entscheidenden Impuls in Sachen Karrieresprung gesorgt.

Die 14 Stücke des Albums bieten wieder, wie schon beim Vorgänger, unterhaltsame und abwechslungsreiche, frech und frei von der Seele weg gespielte Stücke, bei denen aber Johnstons Fähigkeiten, eingängige und markante Refrains und Hooks zu kreieren, offenkundig in Erscheinung treten. Diverse Stücke wären prädestiniert für andere Kollegen der Nashville-Garde. Kein Wunder, dass die sich teilweise um seine Songs reißen. Die neue Sprayer-Hymne „Graffitti“ oder das poppige „This Accent“ sind ganz heiße Kandidaten.

Toll das Titelstück mit seinen Stimmungswechseln und satten E-Gitarrentushs, atmosphärische Sachen wie „Drunk Like You“, „Buzzin'“ (herrliche Bariton-E-Gitarre) oder „Runnin‘ Red Lights“, der relaxte Abhängsong „Ship Faced“ (klasse hier das lustige Namenswortspiel ‚Bimmy Juffett‘ zu Ehren eines der Hauptvertreter dieser chilligen Song-Gattung) oder hippe rhythmische Tracks (teilweise mit angerappten Sprechgesang) wie „Slide“, „Party Like You“, das knackige „Soundtrack To A Six Pack“ (man kann sich denken, welcher bei den Jungs gemeint ist…) oder anzügliche „Hot Damn“.

Heimatverbundenheit wird im swampig stampfenden „Peace Love & Dixie“ bekundet. Gleiches gilt für „The South“, bei dem mit Georgia Florida Line, Dierks Bentley und Mike Eli (Eli Young Band) in den Acapella-umwehten Gesangsbridges ein großes, namhaftes Gastaufgebot zugegen ist. „White Lightning“ (auf dem Vorgänger im Akustik-Ambiente) ist jetzt in einer schönen Vollversion präsent.

Fazit: The Cadillac Three haben sich mit „Bury Me In My Boots“ als Kollektiv wieder ein Stück weiterentwickelt. Zum Trübsal blasen gibt es wahrlich keinen Anlass! Sounds Of South freut sich schon jetzt auf das Konzert der Burschen im November in Köln, über das natürlich berichtet wird. Sollten die Jungs ähnlich drauf sein, wie bei ihrem Gig als Support von Eric Church vor zwei Jahren, wird ein ebenfalls geplantes Interview sicherlich eine eine Mordsgaudi werden… Fürs Album gibt es jetzt schon mal ’ne Bestnote! These boots rock…, and don’t forget the whiskey!

Big Machine Records (2016)
Stil: Country Rock

01. Bury Me In My Boots
02. Slide
03. Drunk Like You
04. Graffiti
05. Buzzin‘
06. Party Like You
07. Ship Faced
08. Soundtrack To A Six Pack
09. White Lightning
10. The South
11. This Accent
12. Peace Love & Dixie
13. Hot Damn
14. Runnin‘ Red Lights

The Cadillac Three
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Oktober Promotion

David Nail – Fighter – CD-Review

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David Nail hatte als vielversprechendes Talent im Baseball recht früh gelernt, dass man für seine anvisierten Ziele oft auch kämpfen muss. Nachdem es, wie hinlänglich beschrieben, mit der großen Sportkarriere aus gesundheitlichen Gründen nicht klappte, zog es den aus Kennett, Missouri, stammenden heute 37-jährigen 2002 zur Country-Musik. Auch hier bewies Nail bisher seine außergewöhnlichen Qualitäten. Nach drei starken Major-Alben, fightet er heute mit den Großen der Zunft um die Spitzenpositionen in den Charts. Mit dem Song „Let I Rain“ landete er 2011 seinen ersten Nr. 1-Hit.

Die beiden letzten Werke „Sound Of A Million Dreams“ und „I’m A Fire“ landeten im Album-Bereich unter den Top-10. Jetzt will der sympathische Frauentyp mit seinem brandneuen Silberling „Fighter“ endgültig Nägel mit Köpfen machen und auch in dieser Sparte endlich die Pole-Position erklimmen. Die Aussichten stehen nicht schlecht, es ist erneut ein starkes Werk mit tollen Stücken geworden. Dazu kommen viele schillernde beteiligte Personen und der Einstieg direkt auf Platz 3 kann sich auch sehen lassen.

Nail eröffnet mit dem kraftvollen, von satten Akustik-, E-Gitarren, Mandolinen- und Akkordeonklängen getragenen „Good At Tonight“, das in seiner folkig-/Heartland-beschwingten Art ein wenig an die Hooters erinnert. Im mehrstimmig intonierten Refrain erhält er dabei Unterstützung von den zur Zeit in Nashville ebenfalls angesagten Brothers Osborne, die auch beim Komponieren assistierten.

Das von Jonathan Singleton und dem auch uns bekannten Deric Ruttan verfasste, recht poppige „Night’s On Fire“ kommt mit seinem Powerrefrain im Stile der Rascal Flatts daher, klasse hier das Banjo-Spiel von Ilya Toshinsky. Das Stück konnte als Single allerdings nicht bis nach ganz oben durchbrechen. Chris Stapeltons Handschrift ist beim atmosphärischen, recht reduziert instrumentierten „Ease Your Pain“, als einer der Co-Autoren unverkennbar.

Ganz großes Kino ist die Piano-umwehte Ballade „Home“, bei dem Lori McKenna (geschrieben von ihr, David und Barry Dean) eine kongeniale Gesangspartnerin zum Protagonisten abgibt. Großartig allein schon das von Reed Pittman gespielte Intro. Der Gesang setzt erst nach fast 1 1/2 Minuten ein. Paul Franklin lässt seine Steel wunderbar einfühlsam wimmern. Ein unter die Haut gehender Song, mit einer der stärksten in Nails Karriere.

Dem angenehmen Midtempo-Track „Lie With Me“ folgt eine Phase, in der David sein momentanes Seelenleben dem aufmerksam folgenden Hörer öffnet: Zunächst mit einem weiteren Highlight der CD, der bluesig souligen Ballade „I Won’t Let you Go“, bei der Vince Gill seine unnachahmlichen Harmoniegesänge mit einbringt (klasse E-Gitarrenbegleitung inkl. Solo von Jerry McPherson und Ilya Toshinsky, Piano und plusternde Bläser kommen im Verlauf dazu). Das Titelstück „Fighter“ ist, seiner Frau Catherine gewidmeter Lovesong, „Babies“ steht natürlich im Zeichen seiner jüngst geborenen Zwillinge und das kammermusikartig dargebotene „Old Man’s Symphony“ (mit Streicherbegleitung) ist als ehrliche Hommage an seinen Vater konzipiert. Bei diesem, wieder sehr zurückgenommenen Lied unterstützen ihn Bear und Bo Rinehart von der Christian Rockband Needtobreathe.

Davor liegen mit dem fluffig poppigen „Got Me Gone“ (single-tauglich) und dem relaxt groovenden „Champagne Promise“ zwei Stücke, die durch klasse Backgroundgesänge von Sarah Buxton und Logan Brill ihren Zusatzreiz erhalten. Nicht nur bei letztgenanntem Song mit seinem angenehmen soften Touch frage ich mich bei David Nail oftmals, warum mir bei ihm immer wieder der Name Christopher Cross als Referenzgröße in den Sinn kommt.

Insgesamt wieder ein ganz tolles Werk, auf dem David Nail als großartiger Sänger und starker Songwriter brilliert. Durchgehend tolle Songs eingespielt von exzellenten Musikern, produziert von Frank Lidell (Eli Young Band) z. T. mit Glenn Worf und Chuck Ainley. Einziger kleiner Kritikpunkt ist das Booklet (zumindest das meinem Exemplar inne liegende). Hier frage ich mich, warum die Songinformationen (Texte/ Musiker Credits) nur bis Stück 7 abgedruckt wurden und dann völlig fehlen (ist das Keinem aufgefallen?). Das ist irritierend und sollte bei einem Majorwerk eigentlich nicht Usus sein, zumal man den Platz bei einseitiger Gestaltung von zwei integrierten Nail-Bildern, durchaus hätte frei machen können. Ist aber nur eine kleine Randnote.

Mit „Fighter“ könnte David Nail jetzt, auch was Alben betrifft, der ganz große Wurf gelingen. Verdient hätte er es in jedem Fall, nach vier durchgängig guten Scheiben, alle Male. Toller Stoff, dessen einnehmender Wirkung man sich kaum entziehen kann. Nie wurde Mainstream-Country stilvoller, authentischer und hochwertiger in Szene gesetzt!

MCA Nashville (2016)
Stil: New Country

01. Good At Tonight
02. Night’s On Fire
03. Ease Your Pain
04. Home
05. Lie With Me
06. I Won’t Let You Go
07. Fighter
08. Babies
09. Got Me Gone
10. Champagne Promise
11. Old Man’s Symphony

David Nail
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Steven Tyler – We’re All Somebody From Somewhere – CD-Review

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Eigentlich hat sich mein Magazin ja auf die Fahne geschrieben, Bands und Interpreten zu supporten, die in unseren Gefilden eher nur von Insidern wahrgenommen werden oder für solche interessant sein könnten. Aber, wenn ein ein Superstar wie Aerosmith-Frontmann Steven Tyler ein Country-Album in Angriff nimmt, geht das natürlich auch an Sounds Of South nicht spurlos vorbei.

Und alles, was in Nashville in Sachen Produzenten (T-Bone Burnett, Dan Huff, Marti Fredriksen, Jaren Johnston), an Musikern (eine ganze Armada u. a. mit Tom Bukovac, Stuart Duncan, Ilya Toshinsky, Fred Eltringham, Chris McHugh, Dennis Crouch, Rebecca Lovell) und Songwritern (The Warren Brothers, Hillary Lindsey, Rhett Akins, Chris DeStefano, Brett James, Troy Verges, Eric Paisley, etc.) Rang und Namen hat, stand für den schillernden hochdekorierten Sänger Spalier.

Man merkt sofort, dass das ganze Projekt von absolut gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist. Tyler, der fast alle Tracks mitgeschrieben hat, ist der Spaß sichtlich anzuhören, er fühlt sich im Rahmen all dieser Nashville-Könner pudelwohl, und legt ein vokale Performance hin, die ihres Gleichen sucht. Er hängt sich sprichwörtlich ‚richtig rein‘. Und auch die Musiker und Mitschreiber aus dem Country-Mekka haben ihm die Songs quasi auf den Leib zugeschnitten, bzw. so einfühlsam eingespielt, dass sich sein (immer ein wenig rotzig klingender) Gesang optimal entfalten kann. Es hat alles wirklich ‚Hand und Fuß‘. Absolute Profis eben!

Nachdem er mit der ersten vorab veröffentlichten Single „Love Is Your Name“ direkt die Top-20 der Billboard Country Hot Songs erreicht hatte, hat man bei den restlichen 14 Songs quasi die ‚Qual der Wahl‘, was da noch so an Zählbarem rausgeholt werden kann. Schon der atmosphärische Opener „My Own Worst Enemy“ mit dem toll unterlegten Akkordeon nimmt absolut gefangen. Klasse hier direkt der selbstironische Teint, der auch bei einigen anderen Tracks wie die z. T. kammermusikartigen „It Ain’t Easy“ und „Somebody New“ (mit Mandoline, Fiddle), „What Am I Doin‘ Right“ (mit etwas Tesla-Unplugged-Feeling) oder das stonesk rockende „The Good, The Bad The Ugly In Me“ immer wieder zum Vorschein kommt. Tyler weiß um seine kleinen Schwächen und kann sich selbst in den Texten ein wenig auf die Schippe nehmen. Das hat echt was Sympathisches.

Weitere Highlights sind Stücke wie der Titelsong, bei dem der ebenfalls ‚bunte Vogel‘, Cadillac Three-Chef Jaren Johnston maßgeblich involviert ist (schönes Intro: Johnston fragt, ob Steven eine Botschaft für die heutigen Kids hätte, der antwortet keck: „We’re All Somebody From Somewhere“ und dann legt der schön rebellisch klingende Song mit einer klirrenden Mandoline los), das mit sommerlicher Ukulele und Dobro bestückte „Make My Own Sunshine“, das eingängige „Gypsy Girl“ (Gast an der Akustikgitarre: Lindsay Buckingham), das hitverdächtige „Only Heaven“ (mit typischem Dan Huff E-Gitarren-Solo), das poppige „Red White & You (schönes Wortspiel) oder das Cajun-gefärbte „Sweet Lousiana“.

Am Ende zeigt der Protagonist beim unter die Haut gehenden, mit fröstelnden mit Cello und Violine unterlegten „Jamie Got A Gun“ Flagge für Opfer von häuslichem Missbrauch oder Gewalt. Hierzu hat er mit der Organisation Youth Villages eine wohltätige Stiftung namens ‚Janie’s Fund’ins Leben gerufen. Vorbildlich! Den starken Abschluss einer durchgehend fesselnden CD bildet das viel gecoverte und vornehmlich durch Janis Joplin berühmt gewordene „Piece Of My Heart“. Ob Tyler dieser Version das Wasser reichen kann, möge jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist, dass diese Fassung auch klasse ist (grandiose Backings von der auch bei uns geschätzten Rebecca Lynn Howard).

Fazit: Die spannende Frage, ob Steven Tyler Country kann, ist abschließend mit einem eindeutigen ‚Ja‘ zu beantworten. Hier passt alles bis ins kleinste Detail zusammen (dazu noch ein aufwendiges Cover-Artwork mit tollen Bildern von Steven und allen Texten). Absolute Kaufempfehlung. Experiment gelungen!

P.S.

Was habe ich eigentlich soviel geschrieben? Der Meister persönlich hat das Ganze sehr komplex so zusammengefasst:
MY OWN WORST ENEMY discovered that WE’RE ALL SOMEBODY FROM SOMEWHERE but HOLD ON he (WON’T LET GO), like everything else, IT AIN’T EASY but when LOVE IS YOUR NAME it helps, yet I still find I need to MAKE MY OWN SUNSHINE with assistance from a GYPSY GIRL and maybe SOMEBODY NEW, however, it’s ONLY HEAVEN that really sees THE GOOD, THE BAD, THE UGLY AND ME but I see the RED, WHITE & YOU all the way down to SWEET LOUISIANA I ask myself, WHAT AM I DOIN’ RIGHT? because JANIE’S GOT A GUN but this world has a PIECE OF MY HEART. Noch Fragen?

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. My Own Worst Enemy
02. We’re All Somebody From Somewhere
03. Hold On (Won’t Let Go)
04. It Ain’t Easy
05. Love Is Your Name
06. I Make My Own Sunshine
07. Gypsy Girl
08. Somebody New
09. Only Heaven
10. The Good, The Bad, The Ugly & Me
11. Red, White & You
12. Sweet Louisiana
13. What Am I Doin‘ Right?
14. Janie’s Got A Gun
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Steven Tyler
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