Lonestar – 20.02.2011, Four Corners, Untermeitingen – Konzertbericht

Was unternimmt man nicht alles für die Musik! Die New Country-Band Lonestar ist in den Staaten mit diversen Nr. 1-Songs und mehrfach prämierten Alben (teilweise mit Doppel-Platin) ein echtes Schwergewicht. Gut, mit dem Ausscheiden zweier ihrer charismatischen Persönlichkeiten wie John Rich (zu Anfangszeiten Bassist der Band), heute Teil des ebenfalls megaerfolgreichen Duos Big & Rich, dazu auch solo und als Produzent, sowie seit 2007 Sänger Ritchie McDonald (entschied sich für eine Solo-Karriere), fehlen natürlich mittlerweile zwei absolute Persönlichkeiten und ich behaupte mal einfach, dass man Lonestar in dieser Original-Besetzung vermutlich hier nie zu sehen bekommen hätte.

Aber egal, mit dem neuen Sänger Cody Collins haben die restlich verbliebenen Mitglieder Michael Britt, Keach Rainwater und Dean Sams einen Cut gemacht und frönen jetzt einem etwas ‚verjüngten‘ musikalischen Stil, Marke Keith Urban, Rascal Flatts & Co., wie ihr erstes Album „Party Heard Around The World“, das erste in der Post-McDonald-Ära, bewies. Mich hatte schon gefuchst, dass ich sie letztes Jahr, aufgrund meines bereits gebuchten Urlaubs, nicht zu Gesicht bekommen konnte. Denn da sind sie auch, wie an diesem Wochende, bereits zu einem Doppelkonzert im Four Corners angetreten.

Eine tolle Location, dieses Four Corners, gelegen in einem Industriegebiet etwas außerhalb von Untermeitingen! Aber von vorne. Ich hatte die geplanten Auftritte wieder sehr spät zur Kenntnis genommen (der Gig samstags war da bereits ausverkauft) und die Tickets demnach auch relativ kurzfristig dann für sonntags geordert. Die Zusendung klappte aber tadellos. Da wir für unseren Hund nur eine Betreuung von Sonntag Mittag bis Montag früh in der Eile organisieren konnten, entschied ich auf eine Übernachtung zu verzichten und damit die 620 km-Reise in die Nähe von Augsburg (mit Besichtigung der Stadt), Konzert und Rückfahrt der gleichen Strecke in einem ‚Abwasch‘ zu erledigen. Eine ambitioniertes Vorhaben, das es nach etlichen Stunden auf den Beinen und einem Wintereinbruch am Abend (der die Rückfahrt auf den ersten 200 km zusätzlich erschwerte – aber dafür ohne Staus) dann auch wirklich war!

Da der Magen schon am späten Mittag knurrte, hatten wir uns entschlossen bei einem Italiener in Augsburg zu dinieren. Wir verpassten dadurch leider ein Mahl im Four Corners, das dafür viele der Anwesenden an den Tischen im in Oktoberfest-Manier aufgemachten Saal einnahmen. Was da an Getränken und Essen im Verlaufe des Abends durch die Besitzerin Marianne Theil und ihr Team in den beengten Verhältnissen plus der beiden zu erklimmenden Emporen abgewickelt wurde, war schon unglaublich. Und die Dame schien immer zur Stelle zu sein, Bestellungen wurden stante pede erledigt. Chapeau für diese Energieleistung.

Der Saal strahlte eine Mischung aus Western-Saloon-Flair und Bierzeltatmosphäre aus. An der Decke war eine Art Kutschenwagen befestigt, in der Ecke zu einer der Emporen baumelte ein Galgenstrick von der Decke. Sämtliche Plätze waren mit Namensschildern beschriftet. Wir hatten leider im Emporenbereich einen nicht ganz so günstigen Platz am Rande der Bühne erhalten, der einen kompletten Blick aufgrund einer zusätzlichen Bedachung der Bühne nicht zuließ. Da ich als ‚Privatperson‘ angereist war, wollte ich eigentlich erst gar keinen Bericht verfassen und das Konzert einfach so genießen. Angesteckt durch die Atmosphäre, beschloss ich dann aber doch spontan, das Ganze schriftlich festzuhalten.

Pünktlich um 20.00 Uhr eröffnete die Vorgruppe Cripple Creek Band das Geschehen und hinterließ direkt einen hervorragenden Eindruck. Sie präsentierte einen unterhaltsamen Mix aus Coverstücken bekannter New Country-Interpreten wie Trace Adkins („Swing“), Brad Paisley („You’re The World“ – in einer peppig aufgemachten Klasse-Version), Keith Urban („Who Wouldn’t Wanna Be Me“), Rascal Flatts („Backwards“) und Charlie Daniels („The Devil Went Down To Georgia“ – hier brachte der vielseitige Helmut Limbeck, der wie eine Kreuzung aus Brad Paisley und Pierre Littbarski optisch rüber kam, die Saiten seiner Fiddle regelrecht zum Glühen) und eigenen Songs, um ihr demnächst erscheinendes Album schon im Vorfeld zu promoten.

Bei mir blieben das Westcoast-angelehnte „Blue Water“, das auf dem Sampler des Country Music Meeting 2011 enthaltene „I Forgot To Forget“ und ein schwerer von Bassist Mike Gerst gesungener Southern Rocker in Erinnerung, bei dem auch der Bandleader Eric Hügel (wie auch bei vielen anderen Songs) auf seiner Telecaster satte E-Gitarrenarbeit ablieferte (klasse vor allem sein Bariton-Spiel). Nach gut einer Stunde erhielten sie für ihren tadellosen, sympathischen und sehr unterhaltsamen Auftritt zurecht tosenden Applaus. Klasse, die Jungs!

Eine halbe Stunde später legte dann Lonestar im Sextett mit „You’re Like Coming Home“ los. Direkt fiel auf, dass Sänger Cody Collins doch noch ziemlich bubihaft wirkt und, klaro, dem Charisma eines Ritchie McDonalds noch nicht das Wasser reichen kann, was die Band auch vermutlich bei der Besetzung der Personalie bewusst kalkuliert hat. Dafür verleiht er Lonestar ein deutlich flotteres und juvenileres Image. Er schöpfte den Rahmen seines Könnens mit Bravour aus. Der Part des Bandleaders wurde von daher von Gründungsmitglied Dean Sams bekleidet, der gleich mehrfach den Entertainer mimte und immer wieder den Dialog zum mit vielen Cowboyhüten bespickten Publikum suchte. Eine echte Quasselstrippe, wenn er einmal losgelegt hat!

Was folgte, war eine schöne Auswahl der gesamten Schaffensperiode („Tell Her“, „Heartbreak Everday“, das rockige „Be Careful When You Kiss Me“, das launige „You Walked In“, „What About Now“, der Superhit „Amazed“- damals wochenlang nicht nur in den Country-, sondern auch in den normalen Charts Nr.1, „With Me“, die schöne Ballade „Smile“, „Front Porch Looking In“, „No News“, garniert mit Stücken vom aktuellen Album wie „Beat“, das herrlich melodische „Making Memories“ und das treibende „Live, Laugh And Love“. Klasse auch das dazwischen geschobene Cover von Marc Cohns „Walking In Memphis“, das in der Lonestar-Version deutlich flotter gespielt wurde.

Mein Mann des Abends war jedoch Michael Britt, der seine immer präzise auf den Punkt gebrachten E-Soli in angenehm untheatralischer Art performte. Der um 23.00 Uhr stürmisch eingeforderte Zugabenteil begann mit dem weiteren, balladesken Nr.1- Hit „I’m Already There“, das dann im eigentlichen Quartett und auf Hockern präsentiert wurde. Der Titeltrack vom Album „Party Heard Around The World“ (mit integriertem Beatles-„Get Back“) bildete die flotte Vorhut für ein anschließendes Rock-Medley, wobei man sich darüber streiten kann, ob so weitere olle Kamellen wie u.a. ZZ Tops „Gimme All Your Lovin'“, Thin Lizzys „The Boys Are Back In Town“ oder Led Zeppelins „Rock’N’Roll“ bei einem New Country-Konzert wirklich angebracht sind. Sie bewiesen zumindest, dass Countrymusiker auch die Rockkeule mühelos schwingen können. Ich persönlich brauche solche abgenudelten Stücke nicht unbedingt und hätte lieber dafür noch drei weitere Lieder aus dem reichhaltigen Lonestar-Fundus gehört.

Der glänzenden Stimmung des Abends tat es aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Leute waren mit diesem furiosen Finale hoch zufrieden und verabschiedeten Lonestar zurecht mit deftigem Applaus. Die lange Reise hatte sich gelohnt. Nur der Wettergott gab den Spielverderber und begrüßte uns mit einer geschlossenen Schneedecke und einem total eingeschneiten Wagen. Nach 26 Stunden auf den Beinen und 1250 zurückgelegten Kilometern hatte das ‚Unterfangen Lonestar‘ mit der heilen Ankunft zuhause dann aber ein glückliches Ende!

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Four Corners Untermeitingen

Van Zant – Get Right With The Man – CD-Review

Dritte Zusammenarbeit der beiden Van Zant-Brüder Donnie (38 Special) und Johnny (Lynyrd Skynyrd)! Um es gleich vorweg zu nehmen: Ganz klar die stärkste, und das ohne Wenn und Aber! Zwei gestandene Southern Rocker begeben sich auf, natürlich schön southern-infizierte, New Country-/Countryrock-Pfade und machen der Konkurrenz à la Montgomery Gentry & Co. mächtig Dampf „unterm Hintern“! Die beiden Vorgängeralben „Brother To Brother“ und „II“ waren sicherlich nicht von schlechten Eltern, klangen jedoch, auch wenn Donnie und Johnny ihre Southern-Roots nicht verleugneten, recht mainstreamig und (vor allem das zweite) ziemlich glatt.

Und besinnt man sich nun auf die Neigungen ihres großen Bruders Ronnie zurück, was lag da näher, als es mal mit einem southern-lastigen Country(rock)-Album zu versuchen, denn der liebte es schon damals die Einflüsse des Genres in so manchem Skynyrd-Songs unterzubringen, wie Stücke der Marke „Mississippi Kid“, „Made In Shade“, „Honky Tonk Night Time Man“ und andere eindeutig beweisen. So ist diese Entwicklung durchaus als konsequent zu bezeichnen, zumal Southern-orientierte Country-Musik in Nashville als Nische eigentlich noch nicht übermäßig besetzt ist, aber durchaus von Erfolg begleitet sein kann, wie es die bereits erwähnten Montgomery Gentry, Travis Tritt und ein paar Kollegen nachhaltig beweisen.

Und einer, der es ebenfalls vorgemacht hat, wie man beide Stilarten harmonisch miteinander kombinieren kann, ist Jeffrey Steele, der vor einigen Monaten ein überragendes Werk mit “Outlaw“ hingelegt hatte. Jener Mr. Steele wurde in nicht unerheblichem Maße beim Songwriting mit Donnie und Johnny, sowie als Backgroundsänger bei „Get Right With The Man“ eingebunden (hat auch eine kleine Gesangspassage bei „Been There Done That“), und auch Tom Hambridge ist in kompositorischer Hinsicht keine Zufalls-Wahl, denn auch der hat bereits häufiger bewiesen, dass er sich auf beiden Terrains bestens auskennt. Dritte im Songwriting-Bunde sind die Warren Brothers, die auch schon öfter für Skynyrd gearbeitet haben und somit ebenso als Experten beider Areale gelten.

Bleibt festzustellen, das hier durch eine brillante Wahl in Sachen Co-Writer, sowie intelligent gewählter Fremdschreiber, die gesunde Basis für eine prächtige Scheibe gelegt wurde. Der Kreis der Musiker, die sich an die delikate Angelegenheit herantrauen durften, ist klein, dafür aber umso exklusiver: Drums-Greg Morrow; Akustik-Gitarre-John Willis; Electric-Gitarren-Tom Bukovac, Kenny Greenberg; Bass-Michael Rhodes, Glenn Worff; Keyboards-Reese Wynans; Steel, Banjo-Russ Pahl; Fiddle-Glen Duncan; Percussion-Greg Morrow, Eric Darken; Background Vocals-Bekka Bramlett, Trez, Perry Coleman, Jeffrey Steele!

Dementsprechend spielt sich hier alles auf einem hohen Niveau ab. Hochkarätige Profis, die es vor allen Dingen auch richtig „southern“ können, halt, wobei natürlich auch die starken Gesangsleistungen der Van Zants explizit hervorzuheben sind. Beide klingen sehr frisch! Man merkt Ihnen den Spaß an der Geschichte deutlich an. Da wird sich variabel den Stimmungen der Lieder angepasst, aber auch geröhrt, gebölkt, gelacht, geflachst und sich zum Teil die Bälle im Duett zugespielt, wie beim rock’n’rolligen Gute Laune-Honkytonker „Plain Jane“. Nicht zu vergessen die herrlich, den Punkt treffenden. immer wieder geschickt eingestreuten, weiblichen Backgrounds, wobei Bekka Bramlett eine überragende Figur abgibt.

Der starke Opener „Takin’ Up Space“ kommt als fast 99%er Southern-Rocker daher, in einer absolut fetzigen Version einer imaginären Band, die „38 Skynyrd“ heißen könnte. „Country“ klingt da eigentlich nur ein im Break plötzlich auftauchendes Banjo. Dennoch, trotz des gewichtigen Southern-Anteils und des insgesamt recht rockigen Charakters, ist die knackige New Country-Note stets präsent. Das Schlagen der musikalischen Brücke zwischen Southern Rock und New Country ist bestens gelungen. Sehr Southern gewichtig sind noch „Sweet Mama“ (starkes Skynyrd-Cover von der „Vicious Cycle“-CD), „I Know My History“ (Biker-taugliche, Skynyrd-lastige Nummer), „I’m Doin’ Alright“ (könnte aus der 38 Special-Anfangsphase stammen), das zu Beginn recht holprige, aber schön rhythmisch dahin stampfende „Lovin’ You“, welches mittels der einsetzenden, satten SlideGitarre und dem Refrain mächtig Fahrt gewinnt, das bereits erwähnte „Plain Jane“, sowie „Been There Done That“, das auf dem rockigen, vorletzten Skynyrd-Album „Edge Of Forever“ keinen Vergleich hätten scheuen müssen.

Die Countryelemente stehen richtigerweise bei den Nummern im Vordergrund, bei denen man etwas mehr auf’s Bremspedal tritt. Wie bei solch melodischen Tracks, wie „Nobody Gonna Tell Me What To Do“, der Single „Help Somebody“ oder „I Can’t Help Myself“! Hier bekommen Banjo und Steelgitarre reichhaltigen Spielraum. Die Songs stecken aber dank knackiger Drums und fetter E-Gitarren-Einlagen dennoch voller Power!

Fazit: Donnie und Johnny Van Zant haben ein richtig starkes Southern-(New)Country(rock)-Album abgeliefert, das sowohl in Nashville, als auch in Atlanta oder Jacksonville (und natürlich bei uns) gefeiert werden dürfte. War nicht unbedingt zu erwarten, ist aber umso erfreulicher! Super Leistung, Boys! So „Get Right With The Van Zants“!

Columbia Records, 2005
Stil: New Country / Southern Rock

01. Takin‘ Up Space
02. Nobody Gonna Tell Me What To Do
03. Sweet Mama
04. Help Somebody
05. Things I Miss The Most
06. I Know My History
07. I Can’t Help Myself
08. I’m Doin‘ Alright
09. Lovin‘ You
10. Plain Jane
11. Been There Done That

Van Zant
Bärchen Records

Django Walker – Down The Road – CD-Review

Djan

Beim Namen Django fällt mir heute immer noch zunächst unweigerlich der Uralt-Sketch (war es damals bei Klimbim? Keine Ahnung) ‚Django zahlt heute nicht … Django hat Monatskarte!‘ ein, bei dem die berühmt berüchtigten Italo-Western-Schinken veralbert wurden. Den Namen, den man sich heute als bodenständiger Musikliebhaber etwas genauer einprägen sollte, lautet Django Walker, Sohn einer in unserer Gegend wohl eher nicht so geläufigen Countrylegende, Jerry Jeff Walker.

Der junge Spund mit seinen ebenso juvenilen musikalischen Gefährten spielt eine knappe Stunde frische, rootsige Countrysongs mit einem leichten Hauch von Texas-Rock, die alle selbst komponiert wurden und mit Melodien vom Allerfeinsten bedacht worden sind. Dabei kann sich der noch völlig unverbraucht wirkende Bandleader auf einen starken Gitarristen, namens Greg Combs, verlassen, der ein ums andere Mal sein Können preisgibt.

Besonders klasse sein Endsolo auf „All The Miles“, das den Song zu einer wahren Perle werden lässt. Mit dabei auch sein Freund Pat Green, der Djangos Abschlussstück „Texas On My Mind“ auf seinem aktuellen Album „Three Days“ gecovert hat. Sie bringen ihre Co-Produktion „Modern Day Bojangles“ im Duett, das sicherlich auch Nitty Gritty Dirt Band-Freunden sehr gefallen dürfte.

Toll auch, auf einer Scheibe ohne Ausfälle, das zum Mitwippen anregende Titelstück „Down The Road“; der flockige Countrysong „Texas Blacktop Highway“, „Just Another Day“ mit seinen Schwankungen zwischen Nachdenklichkeit und Freude, durch ständige Tempowechsel schön in Szene gesetzt; „College Life“ mit seinem temperamentvollen Sprechgesang oder die Westernballade „Wild Cowboys“.

Verdeck auf, sich den sommerlichen Fahrtwind um die Ohren blasen lassen, und von guter Musik auf den endlosen Highways betört zu werden; dazu passt dieses Werk ideal. Starker Auftritt, Django Walker! Und so bin ich mal wieder für ein paar Worte mit einem kleinen Juwel belohnt worden; eines von vielen erfreulichen Dingen, die eine Tätigkeit für ein Musikmagazin mit sich bringt, frei nach dem Motto: Daniel zahlt heute nicht … Daniel hat Rezensionsexemplar!

Lazy Kid Music (2002)
Stil: Red Dirt

01. Down The Road
02. Texas Blacktop Highway
03. The Road You Choose
04. Another Day
05. All The Miles
06. College Life
07. Modern Day Bojangles
08. Wild Cowboys
09. Love Is A Crazy Thing
10. Jose & Jack
11. Lost Songwriter
12. Texas On My Mind

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Rambler (Country) – Starting Over – CD-Review

ramb

Man kann schon wirklich neidisch werden, wenn man einmal mehr in der Biographie einer talentierten New-Countrygruppe liest, mit wem sie schon alles als Tour-Support in Amerika unterwegs gewesen ist. Wenn man sich dann vorstellt, was einem in Deutschland so alles an Konzerten verwehrt und in Zukunft wohl auch vorenthalten bleiben wird, kommt noch jede Menge Resignation dazu.

Leider ist unsere Heimat in Sachen New-Country ein Entwicklungsland, so unbefriedigend diese Feststellung auch sein möge. Ein Gig von Garth Brooks vor vielen Jahren in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle, die den Megastar damals enthusiastisch feierte, wird hierzulande mein Highlight bleiben.

Auch Rambler haben bereits mit zahlreichen Größen des Musikgeschäfts, wie z.B. Charlie Daniels, Alabama, Tim McGraw, The Great Divide, Bad Company und natürlich Garth Brooks ein Stelldichein auf der Bühne gehabt. Und wie es ihr Name andeutet (Rambler = Wanderer), kann man ihre neuste CD „Starting Over“ als einen bunten Streifzug durch die moderne und traditionelle Countrymusik und ihre angrenzenden Stile wie Southern Rock, Hillbilly und Americana betrachten. Dabei haben sie viele Einflüsse ihrer Konzertpartner mit in ihre Songs verarbeitet. Der Gesang variiert irgendwo zwischen Great Divide Frontmann Mike McClure und Garth Brooks, manchmal klingt er komischerweise ein wenig nach Mick Jagger.

Rambler gefallen mir am besten, wenn sie locker und flapsig gut gelaunt drauflos spielen, wie beim Opener „Jonny’s Gone“, „Then There Was You“ oder dem Titelstück „Starting Over“. Tolle Rhythmen, Melodien, die sofort im Ohr bleiben, kurze Gitarrensoli, laden einfach herrlich zum Mitwippen ein.

Hervorragend auch „I Ain’t Drinkin‘ Any Less“, bei dem man meinen könnte, Charlie Daniels, Garth Brooks und die Marshall Tucker Band hätten sich zu einer Jam-Session getroffen, um eine neue Version des CDB-Klassikers „Trudy“ einzuspielen; lustiger Text und ein Dreier-Solo-Pack (Honkytonkpiano, Steel- und E-Gitarre) am Ende, wie man es häufiger bei der MTB vorfindet. Balladenfreunde kommen beim Killerstück „Whiskey Song“ auf ihre Kosten, mit klasse Gitarren und wunderschöner Hammond B-3-Begleitung.

Ein paar wenige traditionelle Heuler sind zwar auch auf der Scheibe, aber insgesamt gesehen, sollte sie auf keiner Grillparty beim gemütlichen Plausch als Hintergrundmusik fehlen. JR Ewings verschmitztes Lächeln mit einem Gläschen Whisky in der Hand beim Southfork-Barbecue wäre ihnen jedenfalls sicher gewesen…

Southwest Wholesale Records (2001)
Stil: Country Rock

01. Jonny’s Gone
02. I Ain’t Drinkin‘ Any Less
03. Do You Remember The Good Times
04. It’s Just Fine By Me
05. The Whiskey Song
06. Bottle Of Wine And A Memory
07. Same Old Feelin‘
08. Then There Was You
09. Starting Over
10. Drofter’s Lament
11. You Don’t Love Me Anymore
12. Mexican Stripper
13. No Words

Bärchen Records

Rambler (Southern Rock) – First Things First – CD-Review

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Manchmal hat man die Qual der Wahl im Leben. So standen am 17.04.04 zwei tolle Events zur Auswahl und ich musste – das war klar – auf eines von beiden verzichten. Da gab es die Eroberung der AOL-Arena in der schönen Stadt Hamburg durch Rot-Weiss Essen mit einem 4:0 Kantersieg, das sich damit auf den längst fälligen Spitzenplatz der Liga katapultierte.

Da ich meinen Club ja noch in näherer Zukunft des Öfteren sehen kann, entschied ich mich schweren Herzens für Alternative zwei, dem alljährlichen ‚Blue-Highways-Festival‘ im niederländischen Utrecht (mit malerischer Innenstadt, in der auch das Musikzentrum Vredenburg liegt), gespickt mit einer fulminanten Besetzung, die das Herz eines jeden (New-) Country- oder Rootsrockfans höher schlagen lässt: Reckless Kelly, Caitlin Cary, Chris Hillman mit Al Perkins, Allison Moorer, Rodney Crowell, Drive-by Truckers und noch einige andere sehenswerte Künstler die man in meinen Gefilden wohl kaum zweimal zu Gesicht bekommen wird.

Gespielt wurde zeitversetzt in zwei klimatisierten Sälen bei einer Spielzeit von 75 Minuten pro Interpret. Es gab maximal 10 Minuten Umbaupause. Ein kurzweiliges, gut besuchtes Ereignis, ohne dass es eng wurde. Herrlich lockere Atmosphäre für 35 Euro! Kann ich nur jedem empfehlen.
Vorher besuchten wir noch einen Riesen-Antik-Trödelmarkt mit kombinierter Platten- und CD-Börse. Dort traf ich dann die Gaby Wenzel und Jürgen Thomä unseres Partners Bärchen Records. Und kurz bevor wir uns Richtung Festival aufmachen wollten, drückte der gute Jürgen mir mal eben so beiläufig ein Werk von Rambler in die Hand.

Rambler? Sind das nicht die New-Country-Knaben, deren Scheibe „Starting Over“ ich für unser Internet-Magazin bereits beleuchtet habe? Nein! Weit gefehlt. Es handelt sich um eine Southern-Rock-Band vom Feinsten. Ehrlich gesagt, keine Ahnung, woher die Namensgleichheit. Ob erstgenannte sich mittlerweile ins Nirvana verabschiedet haben oder der Name nicht geschützt ist, ob da eine Rechtsstreit in der Schwebe liegt oder beide einvernehmlich nebeneinander weiter musizieren, wird wohl die Zukunft zeigen, ist aber aus meiner Sicht relativ egal.

Fakt ist, dass die Southern-Rambler ein Album hingelegt haben, was vor 25 Jahren mit Sicherheit für große Kasse und Furore gesorgt hätte.
Sämtliche Songs sind Eigenkompositionen und zu 90% als Balladen mit wunderbaren Melodien (für mich immer ein Kriterium für niveauvolle Musik) und allen southern-typischen Gitarrenspielarten angelegt. Spontan fallen Songs wie „Simple Man“, „Tuesday’s Gone“, „Melissa“, „There Goes Another Love Song“ oder „Can’t You See“ als Vergleichsmuster ein, natürlich viel knackiger und zeitgemäßer eingespielt. Eigentlich fehlt da nur noch ein „FreeBird“-Plagiat am Ende mit dem obligatorisch langen Gitarrenfinish. Eine Gänsehaut jagt da den nächsten Schauer, der einen am Rücken herunterläuft, versprochen!

Um es mal so auszudrücken: Bei dem flotten gitarrenlastigen „Hard Times“, dem inbrünstigen „Whiskey Drinkin‘ Eyes“, dem traumhaft akustisch ummantelten „Travellin‘ Man“ oder dem atmosphärischen „Intoxicated“, geht Herrn Daus im wahrsten Sinne musikalisch einer ab.
Die CD ist ein klarer Fall für die Inselfrage. Rein äußerlich und auch stimmlich ähnelt Sänger Pat Terranova Eddie Montgomery von Montgomery Gentry, allerdings mit nicht so starkem Knödelsyndrom behaftet.

Einige Nummern sind von Artimus Pyle gefeatured, was immer das auch in diesem Zusammenhang bedeuten möge. Der Song „Skynyrd Fantasy“ und auch sein Text spricht für sich (ähnelt „Ode To Ronnie“ von Laidlaw). Nie war es schöner sich von Klischees, derer sich die Truppe reichhaltig, aber äußerst kreativ bedient, verwöhnen zu lassen. Glaubt mir, einfach genial. Mich hat es jedenfalls vom Hocker geworfen, und ich hoffe, dass sich viele andere an dieser phantastischen CD erfreuen werden. Eine wahre Stern-(Dreiviertel-)Stunde des Südstaaten-Rocks!

Landmark Productions (2004)
Stil: Southern Rock

01. Hard Times
02. Whiskey Drinkin‘ Eyes
03. Drifter
04. Travellin‘ Man
05. 2nd Time For Romance
06. Intoxicated
07. Skynyrd Fantasy
08. Liquor In The Front, Poker In The Rear
09. Missin‘ You
10. Blame It On Me

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Jessica Andrews – Now – CD-Review

Eine der Entdeckungen des Jahres 2003 für mich persönlich ist sicherlich Jessica Andrews, denn die Gute hat mit „Now“ schon ihr bereits drittes Album veröffentlicht, und das gerade mal mit 19 Jahren. Äußerlich einer natürlichen Ausgabe von Ex-Spice-Girl Victoria Beckham ein wenig ähnelnd, bringt das in Huntington, Tennessee, geborene Mädel eine Gesangsleistung der Spitzenklasse. Eine satte, moderne und energiegeladene Produktion, durch Byron Gallimore, der für Jessica auch den erlesenen Kreis der Studiomusiker seines Steckenpferdes Tim McGraw mit ins Boot nahm.

Beste Unterhaltung mit viel Abwechslung und Überraschungen, wobei der kommerzielle Bereich weder nervig noch zu künstlich daherkommt.
Ich denke, so ungefähr könnte ein Album klingen, wenn Stevie Nicks eine New Country-Platte machen würde. „They Are Roses“ beispielsweise klingt ihr zum verwechseln ähnlich und zeigt, welch reife Stimme die junge Jessica bereits jetzt vorzuweisen hat.

Tolle Songs unter vielen (15 + Hidden Track): „When Gentry Plays Guitar“ müsste eigentlich heißen, „When Michael Landau and Brent Mason Play Guitar“. Gerade das akustische Spiel vom letztgenannten ist absolute Weltklasse. Oder „Cowboy Guarantee“. Eine entspannte Ballade mit Lagerfeuerflair, die runter geht, wie ein eisgekühltes Königs-Pils.

Das Honkytonkstück „Good Time“ in bester Bonnie Raitt-Manier, traditionell gehalten, aber unglaublich knackig und schwungvoll arrangiert. Übrigens einer der beiden Songs, bei denen die Künstlerin auch am Songwriting beteiligt war. Wie auch beim Opener „There’s More To Me Than You“, das zum einen als fetziger Anheizer für den Rest des Albums fungiert, zum anderen als Hidden Track, bei dem Miss Andrews einzig zur Pianobegleitung des überragend aufgelegten Steve Nathan balladesk und besinnlich den Abschluss dieses genialen Gesamtwerks findet. Ein toller Song mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern, stark gemacht. Endlich mal ein Hidden Track, der mir Spaß macht.

Unterm Strich: Wer mal Lust auf knackigen und gut gemachten New Country-Pop auf höchstem Niveau (Richtung Alecia Elliott, SHeDAISY, aber besser) von einer variablen jungen Sängerin hat, sollte hier schnell zugreifen.

DreamWorks Nashville (2003)
Stil: New Country

01. There’s More To Me Than You
02. When Gentry Plays Guitar
03. I Wish For You
04. To Love You Once
05. Bring It To You
06. Never Be Forgotten
07. They Are Roses
08. Sunshine And Love
09. You’re The Man (That Brings The Woman Out Of Me)
10. Cowboy Guarantee
11. Now
12. Second Sunday
13. Windows On A Train
14. God Don’t Give Up On Us
15. Good Time (Hidden Track)

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Garth Brooks – Man Against Machine – CD-Review

Der König und Miterfinder des New Country ist zurück! Fast dreizehn Jahre nach dem Rückzug aus dem Musikbusiness (zumindest was „echte“ Alben angeht – „Scarecrow“ war das letzte), um sich verstärkt der Erziehung seiner drei Töchter widmen zu können, tritt Garth Brooks mit dem heiß erwarteten Comeback „Man Against Machine“ jetzt auf „seine“ Bühne zurück. Und, um es vorweg zunehmen, es ist ihm großartig gelungen! Der Grund ist vor allem darin zu finden, dass der beliebte Entertainer eine wunderbare Balance gefunden hat, hinter ihm Liegendes mit den in der Zwischenzeit entstandenen Trends der Sparte durch viel Augenmaß zu verbinden und dabei auch noch eine gewisse Risikobereitschaft und Experimentierfreudigkeit zugleich an den Tag zu legen.

Schon der Opener und Titelsong „Man Against Machine“, gewidmet dem amerikanischen Volksheld John Henry (der Legende nach sollte der Bahnarbeiter durch eine Schlag-Maschine ersetzt werden, die er jedoch in einem anberaumten Wettbewerb schlug, danach aber tot zusammenbrach) weiß zu überraschen. Brooks, der den Track mitkomponiert hat (wie auch zwei weitere der insgesamt 14 Tracks) macht daraus einen episch durchzogenen, sehr emotional dargebotenen Southern Rocker (klasse E-Gitarren!) mit fröstelnden „War“-Crowd-Harmoniegsängen zu Schlaghammergeräuschen im Hintergrund. Erinnert von der Art ein wenig an Eric Churchs „The Outsider“ (nur besser gelungen). Das folgende melodische „She’s Tired Of Boys“ wird durch die unverkennbaren Vocals seiner Ehefrau Trisha Yearwood bereichert.

Auch das schon von einem bald progressiven Charakter gekennzeichnete „Cold Like That“ würde man nicht so einfach auf einer Garth Brooks-Agenda vermuten. Famos hier die atmosphärischen Gitarrenpassagen der beiden hervorragenden E-Gitarristen Chris Leuzinger und Kenny Greenberg. Natürlich weiß der beliebte Musiker auch immer noch, was ihn damals (bis heute) zum Maß aller Dinge gemacht hat. So gibt es mit den Piano- und Steel-unterlegten, teilweise typisch melancholisch/baladesken Stücken wie „Mom“, „Cowboys Forever“, „Send ‚Em Down The Road“ oder dem düsteren „Midnight Train“ Lieder, die sich an seine überragenden Hits wie „The Dance“, „Wild Horses“ oder „The Thunder Rolls“ ein wenig anlehnen, ohne sich aber zu sehr anzubiedern. Auch das herrlich altmodisch swingende „Rodeo And Juliet“ (schönes Wortspiel) wäre perfekt für seine unwiderstehlichen Laufeinlagen bei seinen Live-Gigs prädestiniert. Hier leiert die Steelgitarre, quietscht die Fiddel zu angejazzten Gibson-E-Gitarren-Tönen in bester, launiger Retro-Manier.

Jerry Douglas gibt als Gast auf dem kurzen „Wrong About You“ seine markanten Dobro-Einlagen zum Besten. Auch die erste Single wartet mit sehr rhythmisch pop-rockigen Untertönen auf. „People Loving People“ heißt die einfache, aber unmissverständliche, politische Botschaft, um diese Welt voller Kriege, Leid und Hunger zu verbessern. Auch die humorvolle Kapitalismuskritik bei „Fish“ macht richtig Spaß. Es geht um einen Geschäftsmann (Brooks), der einem einfachen, genügsamen Fischer erklären will, wie man zu Reichtum kommen kann, um nachher nur noch das tun zu können, was einem Spaß macht. Der Fischer fragt ihn dann: „Fischen?“ Schließlich sitzt der geläuterte Business-Mensch mit dem Fischer am Steg und angelt gemeinsam mit ihm Fische. Am Ende lassen das wieder überaus atmosphärische „You Wreck Me“ (tolle Piano- und grandiose E-Gitarrenklänge mit Streicheruntermalung) und die soulig-bluesige Southern-Ballade „Tacoma“ (erinnert ein wenig an Elvin Bishops „Fooled Around And Fell In Love“ – tolle, gospelige, weibliche Background-„Uuh-Uuh“-Gesänge) keinen Zweifel daran, dass sich Garth Brooks auf dieses heikle Unterfangen intensiv und bestens vorbereitet hat.

Musikalisch perfekt in Szene gesetzt haben dieses Werk neben den bereits erwähnten Könnern alte Weggefährten wie Milton Sledge, Mike Chapman, Bobby Wood, Bruce Bouton, Rob Hajacos und Hochkaräter wie Greg Morrow, Eddie Bayers, Bryan Sutton, Richard Bennet und klasse Sänger/innen wie Karyn Rochele, Vicki Hampton und Robert Bailey. Sauber und transparent produziert hat Mark Miller. Garth Brooks hat mit „Man Against Machine“ ein Aufsehen erregendes und sicher heiß diskutiertes Album abgeliefert. Der „Vater des New Country“ ist somit gerade heute aus unserer Sicht eine spektakuläre und positive Bereicherung in der aktuellen Nashville-Maschinerie. Welcome back, Garth Brooks!

RCA Int. (Sony Music) (2014)
Stil: New Country

01. Man Against Machine
02. She’s Tired of Boys
03. Cold Like That
04. All-American Kid
05. Mom
06. Wrong About You
07. Rodeo and Juliet
08. Midnight Train
09. Cowboys Forever
10. People Loving People
11. Send ‚Em On Down the Road
12. Fish
13. You Wreck Me
14. Tacoma

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Jake Owen – Days Of Gold – CD-Review

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Goldene Zeiten, goldene Tage – für Jake Owen läuft es schon seit einiger Zeit bestens. Spätestens mit dem Vorgänger-Album „Barefoot Blue Jean Night“ und seinen beiden ersten Nr.1-Single Hits (2x in den Billboard Country Singles-Charts mit „Barefoot Blue Jean Night“ und „Alone With You“ / 2x im Country Airplay mit „The One That Got Away“ und „Anywhere With You“) hat er sich in die erste Riege der Nashville Solo-Interpreten und Tour-Headliner katapultiert. Auch privat läuft es für den aus Vero Beach/Florida stammenden, einstigen Golfer mit Profi-Ambitionen wie im Bilderbuch. Die Hochzeit 2012 mit Model Lacey Buchanan und die Geburt der Tochter Olive Pearl wenige Monate später stellten weitere Highlights für ihn dar.

Nach dem Dazwischenschieben einer EP („Endless Summer“) mit vier Gute Laune-Songs zum Sommerausklang des letzten Jahres. gibt es jetzt mit „Days Of Gold“ endlich den heiß erwarteten, neuen, kompletten Longplayer. Klasse und sehr sympathisch, um es vorwegzunehmen, ist, dass es sich Jake (wie man es hätte meinen und sicherlich hätte nachvollziehen können), nicht einfach gemacht hat und im Prinzip stur das Erfolgsrezept von „Barefoot Blue Jean Night“ kopiert und fortgeführt hat. Man hat auf „Days Of Gold“ von Anfang an das Gefühl, dass Owen sich hier Songs zusammengesucht hat, ohne in erster Linie auf die Charts zu schielen (erstmals übrigens nur komplette Fremdkompositionen), sondern die er persönlich richtig gut findet, die für ihn und seine Stimme sowohl eine Herausforderung als auch Weiterentwicklungsmöglichkeit beinhalten.

Dies schließt natürlich bei Weitem nicht aus, dass auch auf diesem Album trotzdem ein immenses Hitpotential präsent ist. Der eröffende Titelsong „Days Of Gold“ entpuppt sich beispielsweise als furioser, swampiger Southern Countryrocker mit ungemein viel Drive, bei der Harp, Banjo, E -Gitarren und Shannon Forrests typisches, kraftvolles Drumming die Hauptingredienzien bilden (toll vor allem die E-Gitarren-Soli und der Instrumetalausklang). Stücke, die richtig gute Laune verbreiten (Luke Bryan und Billy Currington sind da Paradebeispiele), liegen ja zur Zeit ganz groß im Trend in Nashville. Das hat natürlich auch Jake Owen mitbekommen (wie es auch die EP schon zeigte) und bedinet hier die „Feier-Klientel“ mit Stücken wie „Beachin’“ (schöner, relaxt groovender Strandbar-Song) , „Good Timing“ (sehr melodisch, E-Gitarre, Mandolinenbegleitung), „Tall Glass Of Something“ (Sprechgesang, satter Refrain, funky Note), „Typsy“ (wieder mit toller Melodie, schön klares Gitarrenspiel) und dem atmosphärischen „Sure Feels Right“ (Powerrefrain, Heartland E-Gitarre, Synthie-/Mandolinentupfer).

Nicht zu vergessen ist dabei das ebenfalls in Southern Rock-Manier gehaltene „1972“, eine feine Hommage an die guten alten Zeiten mit Größen wie Led Zeppelin, Rolling Stones, Keith Moon, Jimi Hendrix, Janis Joplin & Co, bei der Owen erzählt, wie ein junger Bursche mit seinem Mädel zu den Vinyl-Platten des Vaters „abhängt“. Die erste Single „Ghost Town“ kombiniert atmosphärische Momente in den Strophen mit kraftvollen Refraineinlagen. Ein starker, eher chart-untypischer Song, der aber mit Platz 22 in die Single-Notierungen eingestiegen ist. Schön, dass hier offensichtlich auch mal der Mut eines Künstlers zu etwas weniger „Schema F“ belohnt wird. Das absolute Highlight des Albums ist jedoch das ruhige „What We Ain’t Got“ (aus der Feder von Jerome Goff und Travis Meadows), das nur von Piano, Steelguitar, Jakes phänomenal singender Stimme und Sara Buxtons Harmonies getragen wird.

Hier wird einem selbst und unserer ständig nach Mehr gierender Konsumgesellschaft beieindruckend der Spiegel vorgehalten. Ein Stück, das einen mit einfachen Mitteln sofort gefangen hält und extrem nachdenklich (auch in eigener Person) stimmt. Grandios. Produziert hat das Ganze (wie den erfolreichen Vorgänger) erneut Joey Moi, bei den Songwritern der Lieder gibt es schwerpunktmäßig mit Jaren Johnston ein neues Gesicht, aber natürlich auch viele bekannte Namen wie Ashley Gorley, Chris de Stefano, Dallas Davidson etc. Wie bei Major-Produkten üblich, ist das Ganze von von Parademusikern der 1a-Garde (neben den bereits Genannten u. a. Tom Bukovac, Ilya Toshinsky, Charlie Judge, Russ Pahl, Adam Shoenveld, Jimmie Lee Sloas) der Nashville-Studio-Zunft auf höchst kreativem Niveau mit vielen kleinen instrumentellen Finessen eingespielt.

„Days Of Gold“ ist ein großartiges Album geworden, das Jake Owen ohne jeden Zweifel noch fester unter den erfolgreichen „jungen Wilden“ Nashvilles etablieren wird. Saustarkes Teil!

Sony Nashville/RCA (2013)
Stil: New Country

01. Days Of Gold
02. Beachin‘
03. 1972
04. Ghost Town
05. Life Of The Party
06. Good Timing
07. Tall Glass Of Something
08. One Little Kiss (Never Killed Nobody)
09. What We Ain’t Got
10. Tipsy
11. Drivin‘ All Night
12. Sure Feels Right

Jake Owen
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