Steve Schuffert Band – 29.04.2011, ABC-Keller, Kamp-Lintfort – Konzertbericht

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Der gute, immer sehr urig anzusehende Steve Schuffert, den ich neben meiner Lieblingsband Lynyrd Skynyrd wohl live auf der Bühne bis jetzt mit am häufigsten erlebt habe, hatte sich im benachbarten Kamp-Lintfort angesagt. Im von mir sehr geschätzten und wunderschönen ABC-Keller noch dazu, in dem ich ihn schon letztes Jahr zusammen mit dem Schreibkollegen Brookes gesehen hatte. Da supportete er aber nur den Gig des furiosen Pianoklimperers Brandon Giles als Gitarrist. Fast zeitgleich hatte Schuffert sein überragendes Solowerk „Destination Anywhere“ herausgebracht, von dem ich mir diesmal eine reichhaltige Stückepräsentation erhofft hatte.

Ich nahm den Schuffert-Auftritt als Anlass, um eine Premiere zu feiern: Meinen ersten Konzertbesuch eines hochwertigen Künstlers per Fahrrad! Die räumliche Nähe von Rheinberg zu Kamp-Lintfort (etwa 8 km) und das prognostizierte gute Wetter (nach einem unglaublichen Gewitter tags zuvor mit Blitz, Donner, Sturm, fulminantem Hagelschauer, sintflutartigem Regen, das meinen Heimatort wie nach einem Wintereinbruch aussehen ließ und dazu noch meinen Pavillon im Garten dahinraffte) brachten mich auf die Idee, mein schon seit ungefähr seit zehn Jahren nicht mehr benutztes Gefährt aus dem Keller zu holen. Der Anblick war ernüchternd. Das Teil hatte naturgemäß einiges an Erneuerungsbedarf eingefordert. So bestellte ich mir neue Mäntel, Schläuche, LED-Lampen und erledigte die anstehende handwerkliche Reparatur mit dem für einen ungeübten Bürohengst dann auf dem Fuße folgenden Nervenaufrieb. Immerhin – irgendwann war der alte, aber immer noch gut aussehende und stabile Kabachel soweit hergerichtet, dass die Umsetzung des Vorhabens in Angriff genommen werden konnte.

Pünktlich eine halbe Stunde vor Beginn waren wir vor Ort angekommen und es ist schon immer eine Freude die, mit gemütlichen Windlichtern links und rechts bestückte Treppe zum gemütlichen, mit viel Liebe zum Detail eingerichteten und beleuchteten ABC-Keller hinunterzusteigen. Wir wurden direkt von Besitzer Uli Op de Hipt begrüßt, der mal wieder für eine unproblematische Akkreditierung gesorgt hatte. Ca. 150 Personen hatten sich dann am Ende eingefunden, nicht zuletzt ein Verdienst von Schufferts Präsenz und guter Leistungen schon zuvor in dieser Location. Das Konzert begann um 20:15 Uhr jedoch zunächst problematisch. Beim Opener „Six Days“ knarzte es mehrfach in Steves Gitarrenparts und Schuffert brach dann kurz vor Ende des Liedes ab und suchte in etwas aufgewühlter Art den Fehler in der Technik. Nach einigem Hin und Her war die Störungsquelle dann gefunden, behoben und eine gute Viertelstunde später begann das Ganze nochmals mit der erneuten Performance des o.a. Songs.

„Hot Love“ und das in einer sehr peppigen Form dagereichte „Love Me Too“ sind jedem regelmäßigen Schuffert-Besucher bestens bekannt. Mit „Running Away“ folgte eines der eher unspektakuläreren Stücke der bereits erwähnten „Destination Anywhere“-CD. Zur recht poppig umsetzten Nummer hatte Schuffert seine Sonnenbrille angelegt. Die folgenden „When Love Comes Around“, das starke „Love Is Strong“ (sehr groovig, bluesige Zwischenparts, fettes Drumming vom sich wieder an Bord befindenden Matt Carmichael, starkes E-Solo), das rockige Cover des oft kopierten Box Tops-Stückes „The Letter“ (am bekanntesten wohl in der Joe Cocker-Version), mein Schuffert-Lieblingstrack „Walk On Down The Road“ und das in ZZ Top-Manier bewältigte „I Ain’t No Saint“ (klasse Fills und Soli von Steve) beendeten eine recht spannungsarme, aber stark gespielte erste Halbzeit.

„All I Need Tonight“ (sehr retromäßig vorgetragen) bildete den Startschuss zu einer sich noch steigernden zweiten Hälfte. Das treibende „Free Born Son Of The Blues“ ist ebenfalls ein Klassiker aus dem Schuffert-Programm. Mit „Ran The Love Outta Me“ folgte dann ein brandneues Stück, das mit seinen stampfenden Southern Rock-Elementen fast ein wenig Skynyrd-Flair verströmte. Dass Steve Johnny Cash gerne mag, ist auch kein Geheimnis mehr, mit einer Rock-Variante von „Ring Of Fire“ erwies er ihm posthum die Ehre. Der bis dahin wie immer eifrig Bass-zupfende Pete Tomarakos übernahm bei der Beatles-Kamelle „Back In The U.S.S.R.“ den Gesangspart, ebenfalls bereits zigmal erlebt. Er stand dann allerdings nochmals im Rampenlicht als er, statt mit seinem obligatorischen Viersaiter, diesmal ein Weilchen allein auf einer Mini-Bazouki, orientalisch angehaucht, musizierte.

Bei “ A Man Without A Soul“ wurde dann mal kurz die Slow-Variante (letztendlich aber auch nicht wirklich) des Blues angedeutet, dezent retro und Schuffert bewies in seinen beiden tollen Solo-E-Passagen aber, dass er Gitarrero mit Leib und Seele ist. Das mit viel Speed dargereichte „The Devil’s Door“ bildete die Vorhut für einen weiteren allseits bekannten Teil des Schuffert-Programms, das Drum-Solo von Matt Carmichael, wie immer natürlich mit allerhand Showeinlagen und viel Power. Drum-Soli zählen allerdings nicht so zu meinen Präferenzen. Danach setze Steve sich auf den Barhocker und gab dem Publikum mittels Zuhilfenahme der Akustikgitarre bei „Lost And Found“ und „Straight Down The Line“ (mit Countrynote) vom neuen Album Zeit zum Durchatmen.

Das war’s dann leider schon vom neuen Werk. Wo blieben die ganzen Kracher „A Good Time All The Time“, „Old Love New“, das grandiose Titelstück „Destination Anywhere“ (Backgroundsängerin gerne mit auf der nächsten Tour gesehen…), „Back On The Road“ oder der famose Slow-Blues „Riding On Rims“? Fehlanzeige. Ich musste eine leichte innerliche Enttäuschung bei mir zur Kenntnis nehmen. Von einer echten ‚Live-Sau‘ und einem Durch-und-Durch-Musiker wie Steve Schuffert erwarte ich einfach den Mut, sich zu seiner aktuellen Arbeit zu bekennen und die auch in den Mittelpunkt seines momentanen Wirkens zu stellen. Sorry liebe Leute, aber hier kommt leider mein Skynyrd-Syndrom zu Tage, die ja eine ähnliche Vorgehensweise live bei neuen Werken präferieren, die mich immer wieder wurmt.

Soll aber nicht heißen, dass es letztendlich ein schlechter Abend war, im Gegenteil, die restlichen „Freight Train Love“ (sehr variabel mit Breaks gespielt, Carmichael mit teilweisem ‚Kuhglocken-Drumming‘), das fetzige „Second Chance“ und die beiden Zugaben „Foxy Lady“ (tolle Version!) als Gitarrenspielunterricht für Hendrix-Fans gebracht und das finale Instrumental „Good Time“, boten prächtige und hochwertige Blues Rock-Unterhaltung eines blind eingespielten Trios. Und Schuffert an sich mit seiner recht lustigen Erscheinung und seinem klasse Gitarrenspiel sind schon ein Erlebnis der besonderen Art. Blues Rock den ich in dieser abwechslungsreichen Art bei kühlem Biergenuss sehr gerne höre.
Fazit: Insgesamt ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend mit einer starken Steve Schuffert Band, die aber mehr Mut zu den neuen Stücken haben sollte. Denn die haben es alle Male verdient, gespielt und präsentiert zu werden!

Line-up:
Steve Schuffert (lead vocals, guitars)
Pete Tomarakos (bass, vocals)
Matt Carmichael (drums)

Steve Schuffert
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Jo Dee Messina – Greatest Hits – CD-Review

Jod

Schaut man in das Gesicht von Rotschopf Jo Dee Messina, das das Titelbild ihres aktuellen „Greatest Hits“ Albums schmückt, entdeckt man, ohne allzu große Menschenkenntnis besitzen zu müssen, eine entschlossene, lebensfreudige und energiegeladene Powerfrau. Und all diese Attribute lassen sich auch auf die Songs dieser CD übertragen, die einerseits einen schönen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens repräsentieren, als auch zum anderen den Zahn der Zeit des aktuellen Mainstrem-New-Country auf den Punkt treffen.

Trotzdem war nicht alles Gold in ihrer Vergangenheit, was glänzt. Aufgewachsen mit einer alleinerziehenden Mutter, lernte sie frühzeitig, sich im Leben in vieler Hinsicht selbst durchbeißen zu müssen. Nach ihrem Gang ins Country-Mekka schien es ihr, trotz Senkrechtstarts mit Super-Hits wie „Heads Carolina, Tails California“ und „You’re Not In Kansas Anymore“, den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Managementprobleme und ein ziemlich spendables Leben brachten die Gute sogar an den Rande des Bankrotts.

Aber ihr unermüdlicher Kampfgeist und wahrscheinlich das Glück, starke Partner wie Curb Records und das Erfolgsduo Byron Gallimore/Tim McGraw im Rücken zu haben, brachte den Weg in die Erfolgsspur zurück. Und so gab es seitdem Nominierungen, Auszeichnungen, Preise und Top-Ten-Hits, ja sogar Schauspielangebote, in Hülle und Fülle.

Die Songs dieser Greatest Hits-Kompilation strotzen vor Energie und Fröhlichkeit und selbst die langsameren Lieder sind recht kraftvoll inszeniert.
Im Mittelpunkt des Albums steht das Stück „Bring On The Rain“, eine verträumte Ballade, bei der Tim McGraw beim Refrain mit von der Partie ist, und was zusätzlich als Videoclip mit aufgeboten wurde. Auch die bisher unveröffentlichten Titel, besonders „You Belong In The Sun“, mit seiner modernen, knackigen Melodie, machen Lust auf ihr nächstes Werk.

Auch wenn die Musiker im Booklet nicht genannt sind, gehe ich aufgrund der tollen Instrumentierung von den üblichen Verdächtigen aus, die von manchen Kollegen oftmals so liebevoll (allerdings meine ich da manchmal auch einen etwas neidischen Unterton herauszuhören) als Nashville-Mafia betituliert werden. In meinen Augen allerdings Klassemusiker, bei denen halt Qualität garantiert ist und warum sollte man die also nicht in Anspruch nehmen?
Ich meine Jo Dee Messina hat alles richtig gemacht und kann selbstbewusst in eine rosige Zukunft blicken. Das Album schnellte übrigens natürlich auf Platz 1 in den Billboard-Country-Charts und hält sich seit Wochen beständig unter den ersten Zwanzig.

Curb Records (2003)
Stil: New Country

01. Was That My Life
02. I’m Alright
03. Heads Carolina, Tails California
04. Bye-Bye
05. Stand Beside Me
06. Bring On The Rain
07. Lesson In Leavin‘
08. That’s The Way
09. Burn
10. Downtime
11. Because You Love Me
12. You’re Not In Kansas Anymore
13. Wishing Well
14. You Belong In The Sun
15. I Wish
16. Bring On The Rain (Bonusvideo)

Jo Dee Messina
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Delicious Surprise, Jo Dee Messina, Nashville, New Country

Mezcaleros – Road To Texas – CD-Review

Ähnlich wie die Jungfrau zum Kinde, gibt es manche Dinge, die sich nicht immer rational erklären lassen. Wer anders kann, z. B. aufgrund seiner bestehenden Affinität zu Rot-Weiss Essen, besser ein Lied davon singen als ich? Ob Philippe Marseille, oder, wie er sich jetzt nennt, Phil Mezcal, kurz nach seiner Geburt in eine Neugeborenen-Station verfrachtet wurde, in der ein Krankenpfleger auf seinem Cassettenrecorder ständig ZZ Top rauf und runter laufen ließ oder ob Philippe seine Liebe zu texanisch angehauchtem Blues Rock/ Boogie gleich direkt mit der Muttermilch aufgesogen hatte, entzieht sich letztendlich meiner Kenntnis.

Fest steht aber, dass dieser französische Bursche, wie es auch immer letztendlich dazu gekommen sein mag, eine ungemeine Liebe für die Musik der drei Herren aus Houston, Texas in seinem Blut mit sich zu tragen scheint. Rein optisch, auch hier kann wild spekuliert werden, entschied er sich, vermutlich entweder aus hormonellen Zwängen heraus, der Chancen dem weiblichen Geschlecht gegenüber oder vielleicht schlichtweg auch aufgrund der komplizierteren Nahrungsaufnahme, von der Langbartvariante seiner Idole abzusehen und es in der Stevie Ray Vaughan-Ausgabe zu versuchen, was auch in einem gewissen Rahmen gelungen ist, wie das Cover von dieser zu besprechenden CD „Road To Texas“ eindeutig beweist.

Ok, weil es von ZZ Top seit „Mescaleros“, das immerhin auch schon wieder acht Jahre her ist, kein echtes kreatives Lebenszeichen mehr gibt, hat der gute Phil jetzt selbst die Sache in die Hand genommen und mit seinen Kumpels Yvan Ackermann (Schlagzeug) und Michel ‚Mitch‘ Sanchez (Bass) unter dem Bandnamen Mezcaleros selber den o.a. Longplayer im ‚Studio Tone House‘ in Paris fabriziert. Einer der Inhaber dieser Location, Jean-Etienne Loose, liefert als einziger musikalischer Gast noch eine wunderschöne spanische Akustikgitarrenarbeit bei „Eldorado“ ab.

Vom Gesang her erinnert Mezcal an eine Mischung aus J.J. Cale und Hank Shizzoe, manchmal kann er seinen französischen Akzent nicht ganz außen vor lassen, mit dezenten Abstrichen ist das aber in Ordnung. Ansonsten knarzt, stampft und rockt es in bester Gibbons & Co.- Boogie-Manier richtig fett aus den Boxen. Dazu kommen manchmal auch leichte Southern Rock-Anleihen Marke Blackfoot/Hatchet. Das macht richtig Spaß! Schön, wie es ihm bei den Stücken „Cajun River“, „My Life Is Running“ oder „Gotta Go“ zur Auflockerung gelingt, eine Dobro zu integrieren. Ähnlich seiner Heroen, lässt Phil auch immer wieder ein wenig Tex-Mex-Flair in die Stücke einfließen („Hasta La Vista“, „Eldorado“).

Hitverdächtig am ehesten sind vielleicht Tracks wie „The Fox“ (klingt wie eine Neuzeitfassung von „Legs“- toller rhythmischer Song), „Rock O’La“ oder „Breakdown Limousine“, weil sie stark an die Sachen der kommerziellen Blüte des texanischen Trios (zu Zeiten von „Eliminator“ und „Afterburner“) gelehnt wurden. Am Ende lässt Mezcal sein Werk mit „Little Jimmy“ entspannt ausklingen. Ein schöner, spartanisch gehaltener Country Blues, bei dem sein Gesang nur mit Harp, Dobro und Akustikgitarre ergänzt wird. Da kann man nach dem schweißtreibenden und intensiven Gitarrensound von zuvor den Puls ein wenig runterfahren.

„Road To Texas“ von Mezcaleros ist ein mit viel Herzblut und Liebe zum Detail eingespielter Longplayer geworden. Hier wird der Spirit der berühmten Langbärte, die sich vor zig Jahren im Rockpalast mit ihrem legendären Auftritt in unsere Herzen katapultierten (ich persönlich habe sie in Düsseldorf, Köln und Essen zu recht unterschiedlichen Phasen live gesehen), auf erfrischende und sympathische Weise sowie einem beträchtlichen Maß an kreativer Eigenständigkeit aufrecht erhalten. Somit habe ich diese Straße nach Texas sehr genossen! Chapeau, Monsieur Mezcal!

Cactus Rock Records (2011)
Stil: Texas Boogie / Blues Rock

01. Let It Down
02. Cajun River
03. The Fox
04. My Life Is Burning
05. Hasta La Vista
06. Gotta Go
07. Eldorado
08. Rock O’La
09. Love On The Screen
10. Breakdown Limousine
11. Little Jimmy

Mezcaleros

Montgomery Gentry – My Town – CD-Review

Was für ein geiles Album! Nur den wenigsten, selbst guten, Bands des Business gelingt es heutzutage, nach zwei sehr guten CDs eine dritte auf gleichem Level nachzulegen. Und was machen Eddie Montgomery und Troy Gentry? Sie toppen noch ihre beiden Vorgänger, die mit so vielen tollen Songs wie „Hillbilly Shoes“, „Lonely And Gone“, „Daddy Won’t Sell The Farm“, „She Couldn’t Change Me“ oder „Cold One Comin‘ On“, nur um einige zu nennen, gespickt waren.

Dabei erfreut, dass man sich zwar aus finanziellen Aspekten weiter in New Country-Gefilden bewegt, aber inoffiziell immer mehr mit dem Southern Rock liebäugelt. Wahrscheinlich auch eine Folge des Wechsels von Producer Joe Scaife zu Blake Chancey, der dem Duo viel frischen Wind eingehaucht zu haben scheint.

So ist der kommerzielle Part mit dem Titelstück schnell abgearbeitet, bei dem aber eigentlich auch nur die „Nananas“ im Refrain nerven.
Danach reiht sich Knüller an Knüller: Ob bei Killerballaden wie „Break My Heart Again“ oder „Speed“, Midtempostücken wie „Scarecrow“ oder „Lie Before You Leave“, dreckigem Honky Tonk bei „Bad For Good“, Skynyrd-angehauchten Songs wie „Hell Yeah“ und „Free Fall“, oder zu Allman Brothers tendierenden Sachen wie „Why Do I Feel Like Running“ und dem Cover „Good Clean Fun“; das Duo verbreitet Southern-Feeling pur.

Die Scheibe besticht durch Ihre Abwechslung, die allein auch durch die unterschiedlichen Stimmcharaktere gewährleistet ist. Alles mit einem perfekten Klang glasklar abgemischt. Ein wahrer Hörgenuss! Die Nische, die bisher von Charlie Daniels oder der Marshall Tucker Band lange Zeit besetzt wurde, hat heute zurecht einen neuen Platzhalter: Montgomery Gentry!

Sony Music (2002)
Stil: New Country

01. My Town – Piano Intro
02. My Town
03. Break My Heart Again
04. Scarecrow
05. Bad For Good
06. Speed
07. Hell Yeah
08. Lonesome
09. Why Do I Feel Like Running
10. Free Fall
11. Lie Before You Leave
12. For The Money
13. Good Clean Fun

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Todd Thibaud – Waterfall – CD-Review

Wasserfälle hatten für mich schon immer etwas Magisches, Bewegendes an sich. Ein toller ergreifender Anblick, die gewaltigen Massen des feuchten Gutes von oben herab in die Tiefe rauschen zu sehen. Ein wahres Naturspektakel!

Auch Todd Thibauds Musik hat, seit mein früherer Schreibkollege Manni Hüther mich mit der Nase auf sein „Little Mystery“-Album stieß, über die Jahre in ihrer Anziehungskraft und Faszination auf mich stetig zugenommen. Man kann sagen, der in der Nähe von Boston lebende Singer/Songwriter zählt trotz meiner Hauptvorlieben für Southern Rock und New Country mittlerweile zu meinen absoluten Lieblingsinterpreten.

Vier Jahre sind tatsächlich seit seinem überragenden Werk „Broken“ schon wieder ins Land gezogen, in der Zwischenzeit gab es allerdings ja noch die schöne Live-DVD sowie seine erneute Kollaboration mit Kumpel Joseph Parsons. Auch sein neues Album „Waterfall“ (natürlich wieder unter Blue Rose-Flagge) weiß wieder auf ganzer Linie zu überzeugen. Allein der fulminante Auftakt mit den herrlich flockigen, Heartland-trächtigen Openern „What May Come“, „Not For Me“ (mein Lieblingstrack des Silberlings), dem poppig verspielten Titelstück und dem atmosphärischen, leicht 70ies umgarnten „When The Evening Falls Apart“ ist schon allererste Sahne.

Das rockige „Hollow“ (mit Mellencamp-/Springsteen-Flair, kommt mir irgendwie bekannt vor, als wenn er es schon früher mal live gespielt hätte), läutet die zwei Überraschungen des Longplayers ein. „Lonesome June“ kommt mit seinem Schifferklavier in einer Art ‚Sailor (kennt die jemand diese grässliche Formation noch?) goes Americana‘ daher und würde der Name des nächsten James Bond-Filmes „Stranger“ lauten, hätte Todd direkt eine Bewerbungsgrundlage für das Titelstück zu bieten (dunkler Barroom-Schwofer mit unterschwelligem Stray Cats-Flair und integrierten Bläserelementen).

Ab da geht es dann in bewährter Thibaud-Manier weiter. Schöne, melodische von dezenter Introvertiertheit, manchmal auch Melancholie („All In A Dream“, „Evermore“) geprägte Nummern, pendelnd zwischen Pop, Rock, Country und Roots-Gefilden, mit intelligenten Texten und wunderbar instrumentiert. Dazu natürlich Todds sich sanft ins Ohr einschmeichelnde Wohlfühlstimme.

Stark hier ganz besonders das recht forsch und aggressiv voranpreschende „Wears Me Down“ (klasse die rotzigen Backs von Jen D’Angora) und das herrliche Zusammenspiel zwischen Thibauds Akustikgitarre, Thomas Julianos gurrender Dobro und Sean Staples Mandolinengezirpe beim abschließenden Lovesong „Evermore“.

Auffällig zum letzten Album ist diesmal, dass Todd etwas prägnanter E-Gitarren, (auch weibliche) Harmoniegesänge/Backs mit einfließen lassen hat (toll vor allem hier Chris Toppin). Die Einbindung von Bläsern und auch die Neubesetzung der Keyboards mit Ben Zecker (mit allerlei schön dosierten Orgel-, Piano- und Synthie-Spielereien) erweist sich als Glücksgriff.

So bleibt mir am Ende nichts weiter übrig, als Todd Thibauds neue CD „Waterfall ein weiteres Mal in höchsten Tönen zu loben und meine Vorfreude auf sein Konzert in Wesel Ende April (weitere Daten seiner Tournee siehe in unseren Tourterminen) kundzutun! Die schöne Gestaltung des DigiPaks inklusiv des eingesteckten Booklets mit allen lesenswerten Texten werten die Sache zudem noch weiter auf. Great stuff again, Mr. Thibaud!

Blue Rose Records (2013)
Stil: Singer/Songwriter / Americana

01. What May Come
02. Not For Me
03. Waterfall
04. When The Evening Falls Apart
05. Hollow
06. Lonesome June
07. Stranger
08. All In A Dream
09. My Own
10. Wears Me Down
11. Change A Thing
12. Evermore

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Todd Thibaud – Broken – CD-Review

Tod

Das fünfte Studioalbum von Todd Thibaud! Nachdem er mit seinem Meilenstein „Northern Skies“ die Messlatte in immense Höhen gelegt hatte, war ich gespannt, ob der umtriebige Musiker mit seinem neuen Werk „Broken“ auf diesem Level weiterfahren kann, einen Durchhänger abliefert oder etwa das Unmögliche zustande bringt und nochmals eine Schippe drauf legen kann. Ich nehme es vorweg. Nach den bisher erlebten Hördurchgängen ist der hochwertige Status Quo gewahrt.

Thibaud, der diesmal auch die komplette Produktion übernahm, ging diese Scheibe mit einem anderen Ansatz an. In früheren Zeiten hatte er den einspielenden Studio-Musikern bereits weitestgehend fertige Demos überreicht, an denen dann nur noch der Feinschliff vorgenommen wurde. Diesmal spielte Todd jedoch alles nur akustisch ein und überließ seinen langjährigen Kumpels (mit Dave Limina und Milt Sutton sogar zwei Mitglieder aus seinen Courage Brothers-Tagen, dazu Jeff St. Pierre, Seven Mary Three-Gitarrist Thomas Juliano, Sean Staples, Adam Steinberg, Buffalo Tom-Leader Bill Janovitz, Matt Tahaney) die instrumentelle Interpretation, die in knapp drei Tagen verwirklicht wurde.

Die akustische Urversion ist hier als Bonus-CD beigelegt, so dass man sich auch sein eigenes Bild machen kann, eine schöne Sache. Dazu noch ergänzt mit drei weiteren, unveröffentlichten Tracks, die dann nicht auf den End-Silberling gebracht wurden. Das Hauptwerk startet mit sieben Killernummern am Stück. Das grandios melancholische „I Go On“ (herrliche E-Bariton-Einlagen, tolles Organ), das flockige Titelstück „Broken“ (sehr rhythmisch, tolle E- Gitarre, surrendes Organ), der tanzbare Country-Feger mit dezentem Rockabilly-Touch „Changing Now“, das schroffe „Simple Man“ (herrliches Akustik-Slidespiel von Adam Steinberg), das melodische „With You“ (markantes E-Riff, sehr relaxt), das lockere „Drifting“ (mit einer an Bob Seger erinnernden Piano-Passage) und die countryeske Ballade „The Man That I Am“.

„The Right One“ kennt man vom letzten Album zusammen mit Joseph Parsons und wurde hier mit den Harmonies der zarten Lori McKenna, die ich auch schon mal live erlebt habe, differenziert, die beim starken Abschluss-Stück „You & Me“ erneut zum Einsatz kommt. Dazwischen gibt es mit dem recht rockigen aber relativ monotonen „Blue Skies Back“, dem balladesken „Stone I Can’t Roll“ und den zwei recht ähnlich gestalteten „Where Do You Go“ und „My Best“ eine für Thibaudsche Verhältnisse (noch) als Füllerphase einzustufendes Material.

Todd Thibaud ist mit seinem neuen Werk „Broken“ (übrigens im wunderschön in Pastellfarben gestalteten Klapp-Digipack mit Einsteck-Booklet mit allen Texten) insgesamt wieder große Singer/Songwriter-Kost, Americana-Style gelungen. Der Mann schreibt sympathische Stücke, die man immer wieder gerne hört, die sofort vertraut wirken, hohen Wiedererkennungswert besitzen und dessen brillante Texte gefangen nehmen. Gäbe es doch etwas mehr solch intelligenter Menschen in Amerika, hätte ein Barack Obama vermutlich deutlich geringere Probleme in seinem Land zu lösen. Da freut man sich schon jetzt, diesen Herrn im März wieder live erleben zu dürfen (siehe auch unsere Tourtermine). Dieser Todd Thibaud ist ein richtig Guter! Anschauen, bzw. Anhören Pflicht!

Blue Rose Records (2009)
Stil: Singer/Songwriter / Americana

CD 1: 
01. I Go On
02. Broken
03. Changing Now
04. Simple Man
05. With You
06. Drifting
07. Man That I Am
08. The Right One
09. Blue Skies Back
10. Stone I Can’t Roll
11. Where Do You Go
12. My Best
13. You & Me

CD 2:
01. All I Can Do
02. I Go On
03. Broken
04. Changing Now
05. Simple Man
06. With You
07. Drifting
08. Man That I Am
09. The Right One
10. Blue Skies Back
11. Stone I Can’t Roll
12. Where Do You Go
13. My Best
14. You & Me
15. Your Own Heart
16. Long Champlain

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Blue Rose Records

Texas Renegade – After Everything – CD-Review

Wow, was für ein Album! Das zweite Werk von Texas Renegade, „After Everything“, ist schon jetzt als eines der Top-Alben von 2007 fest gebucht. Hatte ich noch vor kurzem von den Bois D’Arcs in den allerhöchsten Tönen geschwärmt, so bleibt mir bei den Burschen aus der Gegend rund um Wimberley, Texas jetzt endgültig die Spucke weg. Es ist schon wirklich eindrucksvoll, was dieser illustre Bundesstaat an musikalischen Talenten hervorzaubert. Würde das doch bloß auch nur für Politiker gelten…

Was macht Texas Renegade zu einer ganz besonderen Band? Da wäre zunächst ihr Kopf Andy Bertelsen (lead vocals, guitars), der nicht nur mit einer wunderbaren Stimme ausgestattet ist, sondern auch ein Gespür für herrlich leicht ins Ohr gehende Melodien hat, und diese mit einer anspruchsvoll und eigenwillig gestalteten Instrumentierung so überaus harmonisch in Einklang bringt. Er hat sämtliche Songs komponiert. Sein Gitarrenspiel ist zurückhaltend und dient fast ausnahmslos zur rhythmischen Untermalung, lediglich bei „Better Than Being Alone“ prescht er mal mit einem satten E-Riff voran.

Das Individuelle der Band ist sicher die dominante Stellung der nicht alltäglichen Kombination von Mandoline (gespielt von Tyson Carver) und Harmonika (überragend Kasey Klepfer), die oft als markante Fills eingesetzt werden, sich aber auch immer wieder kleinere Gefechte zwischen Strophen und Refrains liefern. Klepfers Spiel erinnert mich in seiner bluesigen Art (einige Male auch mit Bürgerkriegsflair) ein wenig an die eines gewissen, leider kürzlich verstorbenen Topper Price, vielleicht einigen Lesern gedanklich noch vom Stück „Mr. Blues Man“ von
Dickey Betts & Great Southern-Album „Atlanta’s Burnin‘ Down“ präsent.

Die Rhythmus-Sektion bilden Matt Pigg (drums & percussion) und Eli Carver (bass), die ebenfalls einen nicht unerheblichen Anteil am Klangbild der Stücke für sich beanspruchen dürfen. Dazu kommen noch ein paar wenige Gastmusiker, von denen Michael Ramos an der Organ und Brendan Anthony an der Fiddle die markantesten Eindrücke hinterlassen.

Texas Renegade offerieren uns mit ihrem Zweitwerk 13 Tracks mit einer Spielzeit von knapp unter einer Stunde, ohne auch nur den kleinsten Anflug von Schwäche, darunter einige relaxte, rootsige Midtemposongs, oftmals mit Ohrwurmcharakter („Angel Of The Moonlight“, „More Than I Deserve“, „Love Is A Funny Thing“, „Born To Love You“, „Summer Again“), zwei traurige Balladen voller Melancholie („Still The One“, „Cigarettes And Whiskey“); Lieder voller Stimmung und Atmosphäre wie „Cold In California“ (übrigens das einzige, das ohne Harp auskommt) und „Gettysburg“, dazwischen noch ein furioser Uptempo-Country-Waltz im Bluegrass-Stil („Bar Ditch“), bei dem man vom fröhlichen Musizieren der Truppe mit Mandoline, Harp und Fiddle überwältigt und dazu noch mit klasse A capella-Gesangs-Passagen überrascht wird.

Liebhaber von melodiebetonten Bands wie No Justice, Buster Jiggs, The Bois D’Arcs, Eli Young Band, Blue Dogs, Cooder Graw, Honeybrowne oder Sister Hazel werden ihre wahre Freude haben. Den tollen Tipp erhielt ich übrigens von einem netten Stadion-Bekannten namens Helmut Tautges, genannt Happo, seines Zeichens Präsident der Uralt-Ultras Essen, womit bewiesen wäre, dass Rot-Weiß Essen-Anhänger nicht nur den besten Fußball-, sondern auch einen grandiosen Musik-Geschmack haben. Mein Herz haben Texas Renegade mit „After Everything“ direkt im Sturm erobert!

Socket Dog Music (2007)
Stil: Red Dirt

01. Angel Of The Moment
02. More Than I Deserve
03. Love Is A Funny Thing
04. Born To Love You
05. Summer Again
06. Fight For You
07. Julie
08. Better Than Being Alone
09. Bar Ditch
10. Cold In Carolina
11. Still The One
12. Gettysburg
13. Cigarettes And Whiskey

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Sister Hazel – BAM! Volume 1 – CD-Review

Sis

Sister Hazel sind eine bisher lang aufgeschobene Herzensangelegenheit von mir. Ich wollte die Band aus Gainesville, Florida bestehend aus Ken Block (voc, g), Drew Copeland (g, bvoc, voc), Ryan Newell (g), Jett Beres (b) und Mark Trojanowski (dr) eigentlich schon öfter mal vorstellen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen ist es dazu nie gekommen. Schön, dass jetzt mit „BAM Vol. 1“ die Gelegenheit da ist.

Die Band erfreut sich in den Staaten größter Beliebtheit, bei uns ist sie meist nur Insidern bekannt, doch vielen Menschen, die öfter das Radio anhaben, dürfte ganz sicher mal ihr größter Hit „All For You“ zu Ohren gekommen sein. Filmkenner mit gutem Gedächtnis könnten sich eventuell auch an Lieder aus Streifen wie „Teuflisch“ („Change Your Mind“), „10 Dinge, die ich an dir hasse“ („Your Winter“) oder „The Wedding Planer“ (We’ll Find It“) erinnern.

Auf ihrem siebten Studio-Album (Sister Hazel sind mittlerweile nach vorübergehendem Major-Kontrakt wieder aus eigenem Antrieb bei einem Independant Label) leisten sie sich den Luxus, 15 Stücke zu veröffentlichen, die entweder als B-Seiten geplant waren oder es, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf die offiziellen Alben geschafft haben. Das zeugt von einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein, zumal die Bezeichnung Vol.1, weitere geplante Outtakes dieser Art suggeriert. Ich würde spontan behaupten, dass solche Werke bei vielen anderen Interpreten mit äußerster Vorsicht zu genießen wären, im Fall dieser Band schüttelt man angesichts der Qualität der Songs mit offenem Mund vor Staunen sein weises Haupt.

Denn bis auf zwei Ausnahmen vielleicht (selbst die sind auch nicht von schlechten Eltern) wird eigentlich das selbe hohe Niveau gefahren wie auf ihren bisherigen Studio-CDs, ich würde sogar behaupten, deutlich besser als ihr ’schwächstes‘ Werk „Lift“ von 2004. Und so steht der Opener „What Kind Of Living“ eigentlich auch für das, was man von Sister Hazel im Allgemeinen geboten bekommt. Meist schöne, sehr melodiöse Intros/Strophen mit Akustik- und E-Gitarren unterlegt (hier prescht mal ein Slide-Riff voraus), kräftige Refrains mit hohem Wiedererkennungswert, vorgetragen von Ken Blocks eigenwillig ’näselnder‘, aber sehr angenehmer Stimme, die in weitestem Sinne vielleicht mit der von Henry Paul vergleichbar ist, und meist dazu noch von einem schönen E-Solo von Ryan Newell veredelt werden. Anders formuliert. Stilvoller, rootsiger Pop mit einem Schuss Southern-Rock.

Meine persönlichen Favoriten auf diesem Album sind unter vielen (das Album macht wirklich durchgehend Spaß) „Sail Away“ (herrliche spanische Akustik-Gitarre, Block singt wie ein ‚Gringo‘, schönes Mexican-Flair, dazu klasse E-Gitarrenarbeit) und das mit einem trockenen, kratzigen Akustik- und E-Gitarrenrhythmus dahin groovende „Grand Canyon“. Wie meistens erhält dann auch Drew Copeland einmal die Gelegenheit sich an der Front zu präsentieren, hier beim southern-bluesigen „Can’t Get You Off My Mind“ (von ihm gibt es übrigens auch eine schöne Solo-Scheibe „No Regrets“ von 2004).

Alles in allem ein Klasse-Album, womit ich weiteren Ausgaben dieser Art schon jetzt mit Freude entgegensehe. Viele Bands wären sicher heilfroh, überhaupt mal mit wenigen Liedern dieses Niveaus auf ihren A-Werken glänzen zu können. Ganz witzig ist auch noch die Comic-mäßige Gestaltung des Booklets. Sister Hazel sind übrigens auch auf der Bühne eine Bank, wer nach dieser CD Blut geleckt hat, kann als nächsten Tipp mal ihre Live-DVD antesten. So, jetzt hat es also endlich geklappt…!

Croakin‘ Poets Records (2007)
Stil: Southern Pop Rock

01. What Kind Of Living
02. Boy Next Door
03. Work In Progress
04. Sweet Destiny
05. On Your Mind
06. Sick To My Soul
07. Mosquito
08. Little Black Heart
09. Sail Away
10. Wrong The Right Way
11. Grand Canyon
12. Save Myself
13. Can’t Get You Off My Mind
14. She’s Gone
15. Mona Lisas

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Bärchen Records

David Nail – The Sound Of A Million Dreams – CD-Review

David Nail ist einer dieser typischen Musiker, bei denen man – von den ersten gehörten Klängen an – sofort das in ihnen steckende Potenzial erahnt. Seine bisherige Geschichte ist schnell erzählt. Der smarte Frauentyp stand zunächst vor der Entscheidung zugunsten einer Sport- oder einer Musikerkarriere. Nachdem aus gesundheitlichen Gründen die Wahl auf Letzteres fiel, ergatterte er Anfang des Jahrtausends einen ersten Plattenvertrag. Seiner ersten Single war der erwartete Erfolg jedoch nicht vergönnt und so entschied sich das damalige Mercury-Label den dazu geplanten Longplayer einzustampfen.

Der aus Missouri stammende Nail blieb trotz jeder Menge Frust hartnäckig und ergatterte bei der gleichen Musikgruppe (allerdings einem anderen Unterlabel) eine weitere Gelegenheit, auf dem Musiksektor Fuß zu fassen. Beim 2009er Album „I’m About To Come Alive“ und den drei ausgekoppelten Singles (davon landete „Red Light“ zumindest auf Platz 7 der Country-Charts), merkte man noch allgegenwärtig den Versuch des Labels, Nail kommerziell zu etablieren. Insgesamt trotzdem ein gutes Werk, wenn auch wieder mit eher bescheidenem Erfolg. Für viele seiner Kollegen/innen oft gleichbedeutend mit dem Genickbruch in Sachen Vertragsverlängerung bei einer Major-Group.

Mit seinem aktuellen Werk „A Sound Of A Million Dreams“ verhält sich die Sache allerdings anders. Das Label zeigte völlig überraschend mal einen langen Atem, und gewährte ihm deutlich mehr künstlerischen Freiraum, was sich besonders in der Spielzeit der Tracks bemerkbar macht (fast alle liegen deutlich über vier Minuten). Und paradoxerweise landete David ausgerechnet jetzt mit „Let It Rain“ seinen ersten Nr. 1-Hit (emotional vorgetragene Powerballade, klasse Harmoniegesänge von Sara Buxton).

Die neue Platte offenbart dabei ganz eindeutig, dass Nail eher im nach allen Richtungen offenen Singer/Songwriter-Gefilde seine Stärken am besten ausleben kann. So pendelt die Scheibe auch recht gekonnt zwischen New Country, Pop, Rock und, in weitestem Sinne, melodischem Roots Rock. Nicht von ungefähr leiht Will Hoge beim grandiosen Abschlusslied „Catherine“ seine Stimme für die im Refrain ergänzenden Vocals (dazu göttliches Slidespiel von Doug Pettibone). Ein weiterer prominenter Gast ist Lee Ann Womack beim feinen, der Arbeiterschicht gewidmeten „Songs For Sale“.

Nail, der drei der insgesamt elf Stücke mitkreiert hat, weist (ähnlich wie Tim McGraw) ein tolles Gespür bei der Auswahl der Fremdlieder auf. Klasse, seine neue Version von Keith Urbans „Desiree“, ein Stück aus der Zeit, als der heutige Megastar mit seiner Begleitband The Ranch noch auf völlig unkommerziellen Pfaden wandelte. Schön dezent und trotzdem sehr atmosphärisch, „Half Mile Hill“ aus der Feder von Mark Selby und Gattin Tia Sillers. Oder der starke, pianogeprägte Titelsong „A Sound Of A Million Dreams“, geschrieben von Nashville-Musiker/Pianist/Songwriter Phil Vassar, der so ein wenig an Marc Cohns „Walking In Memphis“ (saustarke Piano-Performance von Chuck Leavell) angelehnt ist. Da wundert man sich, dass Vassar das Lied nicht für sich selbst verwendet hat.

Bei vielen Songs mit einer leicht poppigen Note („She Rides Away“, „I Thought You Knew“, „That’s How I’ll Remember You“) könnte man aufgrund Davids oft genäseltem Gesang fast meinen, einen Christopher Cross hätte es in New Country-Gefilde verschlagen. Dass er es aber auch mal kräftig krachen lassen kann, beweist er direkt beim Opener „Grandpa’s Farm“, ein Stück, das bereits von Adam Hood (der das Lied auch mitkreiert hat) und Frankie Ballard (ebenfalls ein hochtalentierter Nashville-Jungspund, sau-talentierter Gitarrist) auf ihren letzten Silberlingen musikalisch aufgegriffen wurde. Nail entschied sich hier für eine swampige, brodelnde Countryrock-Version (herrliche weibliche Uuuh- und Aaah-Backs von Kim Parent und Joanna Cotton, rassige Banjopassage am Ende von Ilya Toshinsky).

David Nail hat mit seinem Zweitwerk „A Sound Of A Million Dreams“ einen ganz gewaltigen Schritt nach vorne gemacht (und das Ende der Fahnenstange ist sicher längst noch nicht erreicht…). Hier stimmt es von der Auswahl der Stücke mit klugen Texten, der tollen Produktion (Chuck Ainlay, Frank Liddell, Glenn Worf), Nails markantem Gesang bis hin zu den umwerfenden Instrumentalisten (u.a. Chuck Leavell mit phantastischer Piano- und B3-Arbeit, den filigranen Gitarristen Ilya Toshinsky, George Marinelli, Doug Pettibone sowie Drummer Fred Eltringham, Bassist Glenn Worf und Steel-Virtuose Dan Dugmore) einfach alles. Hammer-Album! Man kann nur attestieren. David Nail hat hier mit dieser CD den Nagel frontal auf den Kopf getroffen!

MCA Nashville (2011)
Stil: New Country

01. Grandpa’s Farm
02. Songs For Sale
03. Desiree
04. She Rides Away
05. Let It Rain
06. I Thought You Knew
07. Catch You While I Can
08. Half Mile Hill
09. That’s How I’ll Remember You
10. The Sound Of A Million Dreams

11. CatherineDavid Nail
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Danielle Peck – Same – CD-Review

Danielle Peck, geboren in Jacksonville, N.C., aufgewachsen in Coshocton, Ohio bringt sicher alle Voraussetzungen mit, sich in der „Belle-Etage“ der Nashville Damen-Riege zu behaupten. Sie stammt, wie es so oft ist, aus einer Familie, in der generationenübergreifend aktiv Countrymusic praktiziert und unterstützt wird, und hatte dementsprechend seit Kindestagen ehrgeizige Ambitionen in dieser Hinsicht weiterzukommen. Schon mit zehn Jahren fing sie an Songs zu komponieren. Es folgten der Kirchenchor, die ersten Band-Erfahrungen und Auftritte bei unzähligen Events im Umkreis ihrer heimatlichen Gefilde. Dazu ist sie mit einer starken, ausdrucks- und kraftvollen Stimme gesegnet, und, -das dürfte im Business wahrlich auch nicht von Nachteil sein-, sie sieht blendend aus! Es folgte, wie bei so vielen anderen talentierten Kolleginnen und Kollegen auch, der Gang nach Nashville.

Gelegenheitsjobs am Tage, Songwriter-Aktivitäten zu später Stunde. Und wie der Zufall es so wollte, arbeitete Danielle in einem Restaurant, wo eine der Führungspersönlichkeiten des ehemaligen „DreamWorks“-Labels, Scott Borchetta, dinierte. Danielle wurde zu einem Spontan-Auftritt überredet und erhielt umgehend einen Platten-Deal, der allerdings erst jetzt, nachdem Borchetta sein eigenes Label „Big Maschine Records“ gegründet hatte, verwirklicht werden konnte. Herausgekommen ist ein klasse, durchweg äußerst professionell durchkonzipiertes, überaus vielversprechendes Debüt!

Von der Aufmachung (mehrfach gefalztes Blatt mit einigen schönen Abbildungen der Interpretin, mit allen Texten und Infos zu den beteiligten Musikern, das sich darüber hinaus zu einem DIN A3 Poster aufklappen lässt, welches auf der Rückseite ein tolles Riesenfoto von Danielle präsentiert) bis zur musikalischen Umsetzung (drei namhafte Produzenten sorgen für einen Top-Sound: Jeremy Stover, Tommy Lee James und Byron Gallimore; in der Szene anerkannte Co-Writer unterstützen Danielles Songwriting: u.a. Jeremy Stover, Taylor Rhodes, Clay Mille, Sonny Lemaire etc.; das „Who-Is-Who“ der Nashville Studio-Mannschaft ist am Start: z.B. Lonnie Wilson, Glenn Worf, Bryan Sutton, Tom Bukovac, JT Corenflos, Dan Dugmore, Paul Franklin, Stuart Duncan, usw.) wurde an nichts gespart!

Kein Wunder also, dass das Album bereits im guten Mittelfeld der Billboard-Charts eingestiegen ist! Elf klasse, moderne, kraftvolle und knackkige, poppige New-Country-Stücke, die, wie bereits erwähnt, von Danielle Peck (bis auf 3 Ausnahmen) mitkomponiert wurden und durchgängig als radiotauglich zu bezeichnen sind. Das Konzept geht eindeutig in Richtung solcher Kolleginnen wie Shania Twain, Jo Dee Messina, Faith Hill, Martina McBride und Terri Clark. Die vokale Leistung Pecks ist sehr variabel, reicht von kraftvoll powernd, voller Sex-Appeal, bis hin zu sehr gefühlvoll und zerbrechlich. Die bereits erwähnten, glänzenden Musikerleistungen führen sie dabei sicher durch das eingängige Repertoire. Starker Auftakt mit „Findin’ A Good Man“ (rhythmisch-poppig Richtung der „Come-On-Over“-Shania), „Isn’t That Everthing“ (flott, melodisch, poppig-folkig, mit toller Fiddle, Steel, Mandoline) und der sexy-sanften Ballade „Kiss You On The Mouth“ (kratzige Akustikgitarre, wunderbare Mandoline)!

Ebenso kraftvoll geht es bei „Fallin’ Apart“ (schöne Tempobreaks), „Sucks To Be You“ (eine der wenigen Fremdkompositionen mit sehr direktem Text) und „Only The Lonely Talkin’“ (klasse Country-Pop-Song, mit nettem Piano), wobei einem Jo Dee Messina, die auch momentan ziemlich auftrumpfenden The Wreckers und einmal mehr Shania Twain in den Sinn kommen. Richtig deftig kommt das großartige „Honky-Tonk Time“ rüber, ein absolut traditionell verwurzelter, rockiger, partytauglicher Roadhouse-Country-Kracher, bei dem der Titel schon für sich spricht (herrrliche, satte E-Gitarre und das so typische Piano-Geklimper)! Bei den „fetten“ Power-Balladen, wie der Single „I Don’t“, „Thirsty Again“, “ A Woman Does Too“ oder dem abschließenden „Somebody For You“ scheint es so, als hätten die Regisseure der nächsten, großen Hollywood-Epen hier die freie Auswahl zur Untermalung ihrer emotionalen Bilder.

Sie stehen einem Stück wie beispielsweise „There You’ll Be“ von Faith Hill, mit ihren recht bombastischen, aber gut inszenierten Einlagen, in nichts nach. Trotzdem gelingt es den erfahrenen Musikern, weitestgehend die Countrynote in allen Liedern präsent zu halten. Kleiner Bonus auf der CD: Sie enthält auch das Video zur ersten Single „I Don’t“ (ebenfalls sehr ansehnlich), sowie ein paar Live-„Snippets“ aus den CMT „Studio 330-Sessions“! Ein durchaus beeindruckender, erfolgversprechender Start in eine sicherlich längerfristig zu betrachtende Karriere. Danielle Peck, eine Name, den man sich merken sollte. Starke und äußerst hübsche Konkurrenz für die etablierten Nashville-Diven!

Big Machine Records (2006)
Stil: New Country

01. Findin‘ A Good Man
02. Isn’t That Everything
03. Kiss You On The Mouth
04. Fallin‘ Apart
05. I Don’t
06. Sucks To Be You
07. Honky-Tonk Time
08. Thirsty Again
09. Only The Lonely Talkin‘
10. A Woman Does Too
11. Somebody For You

Danielle Peck
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