Tony Holiday – Keep Your Head Up – CD-Review

Tony Holiday ist bei Forty Below Records unter Vertrag und befindet sich dabei in bester Gesellschaft mit namhaften Blues-Künstlern, die auch schon bei uns besprochen wurden,  wie u. a. John Mayall, Charlie Musslewhite, Sugaray Rayford, JD Simo, etc.

Er genießt in der Szene einen veritablen Ruf und so ist es auch nicht verwunderlich, dass bei seinem Neuen Werk „Keep Your Head Up“ klanghafte Gastmusiker wie Eddie 9V, Kevin Burt, Laura Chavez und auch Albert Castiglia vertreten sind.

Das Werk produziert in einem schön kräftigen Klangambiente (und  doch sehr transparent) hat der auch für das Label tätige Eric Corne, der sich auch bei einigen Tracks (3, 4. 5, 6, 8) für die Backing vocals verantwortlich zeichnet.

Auch wenn der Silberling mit insgesamt acht Liedern jetzt nicht allzu üppig bestückt ist, bewegt sich das Ganze hier durchgehend auf hohem Level, auch wenn der der ganz große Hammersong am Ende nicht dabei ist.

Irgendwie kommt mir hier alles so vor wie eine Reise durch die verschiedenen Stile des Blues. Der Opener, das Freddie King-Cover „She’s A Burglar“ geht mit Bläserunterwanderung, klasse E- Gitarren, unter Mitwirkung von Eddie 9V, in Richtung Memphis.

„Twist My Fate“ bekommt durch den ’schwarzen‘ Gesang von Kevin Burt und die quäkende Harp ein wenig Delta-Flair ab. „Woman Named Trouble“ mit seinem Afro-Regaae-Beat und den Marichi-haften Trompeten driftet in Richtung New Orleans, „Good Times“ lässt den Rhythm & Blues aufleben.

„Woman Named Trouble“ wandert unter Mitwirkung der letztjährigen Blues-Gitarristin des Jahres, Laura Chavez (tolles E-Solo) in Richtung Chicago, das hypnotische „Walk On The Water“ ordne ich dem Pyschedelic Blues zu. Albert Castiglia steuert beim wieder rhytmischen treibenden „Drive It Home partielle „Lead vocals und kratzige E-Gitarre samt Solo bei.

Mit dem Southern souligen, dezent country-unterschwelligen und schön melancholischen Barroom Blues „I Can Not Feel The Rain“ (Akustikgitarre, sanftes Piano) gibt es am Ende meinen Lieblingstrack des Werkes.

Tony Holiday zeigt auf dieser Scheibe vortrefflich, wie man die unterschiedlichen Facetten des Blues auf moderne Art und Weise zusammenführen kann. Dabei kann er sich auf tolle Musiker (samt der aufgeführten Gäste und seinen Produzenten verlassen. Ich bin zwar nicht der ganz große Experte auf diesem Gebiet, würde aber angesichts des Gehörten auf „Keep Your Head Up“ erhobenen Hauptes attestieren: Tony Holiday kann Blues!

Forty Below Records (2025)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. She’s A Burglar
02. Twist My Fate
03. Woman Named Trouble
04. Good Times
05. Shoulda Known Better
06. Walk On The Water
07. Drive It Home
08. I Can Not Feel The Rain

Tony Holiday
Tony Holiday bei Facebook

Eddie 9V – Capricorn – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Capricorn“ ist nach seinem 2021 Album „Little Black Flies“ die dritte Scheibe von Eddie 9V. Namensgeber sind die legendären Capricorn Studios in Macon, Georgia, in denen er zusammen mit lauter hochkarätigen Rootsmusikern aus dem amerikanischen Süden sein neuestes Werk eingespielt hat.

Im Gegensatz zu „Little Black Flies“, welches ein sattes Bluesalbum war, überrascht seine aktuelle Scheibe mit komplett anderen Tunes. Brooks Mason selbst – alias Eddie 9V – berichtet, nach seinem letzten Album stark durch die Muscle Shoals-Musik, also eine Mischung aus Hillibilly, Blues, Rock‘n‘Roll, Soul, Country und Gospel beeinflusst worden zu sein. Und diese neue Erfahrung schlägt sich auch auf „Capricorn“ nieder. Alle Songs atmen förmlich den Soulspirit der späten 60‘er Jahre aus, unterstützt durch schmissige Altsaxophon-, Posaunen- und Baritonhorneinlagen sowie harmonische Backgroundvocals. Und alles zusammen einfach großartig arrangiert.

Das Album wird eröffnet durch die fröhlich-flotte Soulnummer „Beg Borrow And Steal“, gefolgt vom sumpfigen „Yella Alligator“ mit viel Slidegitarre, bevor es leicht funky mit dem treibenden Shuffle „Bout To Make Me Leave Home“ weitergeht. Gospelig hingegen sind der Slowblues „Are We Through?“ und insbesondere „ Mary Don‘t You Weep“ mit Khristie Frenchs zartem Leadgesang.

Hervorzuheben wäre dann auch noch eine Coverversion von Bob Dylans Klassiker „Down Along The Cove“, ein schnörkeliger Bluesrocker mit schrammelnden Gitarren und das Fingerpickingstück „It‘s Going Down“, in welchem Eddie 9V seine Alkoholerfahrungen verarbeitet. Die übrigen Songs sind gefällige Soulnummern, mal flotter („How Long“ und „Tryin’ To Get By“) und mal gemächlicher („Missouri“ und „I’m Lonel-“). Wobei der Refrain von „How Long“ schon fast einen leichten Reggaetouch aufweist.

„Capricorn“ ist insgesamt ein spannendes und äußerst abwechslungsreiches Album, das dem Soulspirit der späten 60‘ger frönt, einer Zeit also, in der der heute 27-jährige Eddie noch lange nicht geboren war. Um so erstaunlicher ist es (und es zeugt nicht zuletzt auch von seiner musikalischen Genialität), wie gut er es schafft, die Vibes dieser Zeit nicht nur ins Hier und Jetzt zu transportieren, sondern auch erfrischend neu zu interpretieren. Für mich ist es mit Abstand das spritzigste Album des noch jungen Jahres und es verdient allemal eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Die Scheibe ist seit dem 27. Januar im Handel.

Ruf Records (2023)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Beg Borrow And Steal
02. Yella Alligator
03. Bout To Make Me Leave Home
04. Are We Through?
05. How Long
06. It‘s Going Down
07. Tryin‘ To Get By
08. Down Along The Cove
09. Mary Don‘t You Weep
10. Missouri
11. I‘m Lonely

Eddie 9V
Eddie 9V bei Facebook

Eddie 9V – Little Black Flies – CD-Review

E9V_300

Review: Jörg Schneider

Fast genau ein Jahr nach Veröffentlichung seines letzten Live-Albums „Way Down The Alley“ hat Eddie 9V nun seinen neuen Longplayer „Little Black Flies“ herausgebracht. Nach eigenen Aussagen ist es wohl recht spontan im Studio entstanden. Da viele Musiker der Südstaatenszene coronabedingt keine Gigs mehr hatten, hat Eddie einfach ein paar von ihnen angerufen und zu einer Aufnahmesession in das Echo Deco Studio in Atlanta eingeladen.

So kam für das Recording ein Who-is-Who der besten Musiker ihres Fachs, einschließlich Brandon Boone, dem Bassisten der Tedeschi Trucks Band zustande. Eingespielt wurden zwölf Titel inklusive drei Coversongs („Travelin’ Man“ – Albert King, „Miss James“ – Stanley J. Lewis & Sonny Thompson, „You Don‘t Have To Go“ – J. M. Reed). Alles live und ohne Overdubs, um so den Sound der alten Blueslegenden zu erhalten.

Und tatsächlich fühlt man sich bei den Songs klanglich um Jahre zurückversetzt. Dieser Mood überfällt den Hörer sofort bei dem etwas souligen und mit nostalgischen Bläsersätzen angereicherten Titelsong „Little Black Flies“. Leicht soulig angehaucht präsentieren sich auch „3am In Chicago“ mit sozialkritischem Text und klagenden Gitarrenriffs sowie „Puttin‘ The Kids To Bed“, einem Song über die schönste Nebensache der Welt.

Daneben gibt es noch wunderschöne traditionelle R&B-Nummern zu hören, mit schrammelnder Slide-Gitarre und Bluesharp („She Got Some Money“) oder „Travelling Man“ und „You Don“t Have To Go“ zum Abschluss des Longplayers.

Natürlich haben Eddie 9V und seine Mannen auch reine Blues-Stücke aufgezeichnet: „Dog Me Around“ mit klagender Bluesharp und „Miss James“ mit fetzigem Trommelwirbel als Einstieg. Typische Slowblues-Titel sind hingegen „Don’t Come Around This House“ (starke Gitarrenriffs, dezente Bläser), „Back On My Feet“ (vom Arrangement her an John Lee Hooker erinnernd) und „Columbus Zoo Blues“.

Die Scheibe zieht einen unweigerlich in seinen Bann, klanglich etwas old-school, was ja, wie gesagt, beabsichtigt war, mit souligen Bläsern, heulenden Slide-Gitarren, tollen Gitarrenriffs und der markanten Stimme des Bandleaders. Es ist eine Hommage an die alten Größen des Blues wie z. B. Otis Rush, Mike Bloomfeld oder Albert King, frisch und neu interpretiert. „Little Black Flies“ kann sicherlich als gelungener Versuch gesehen werden, die etwas angestaubte Roots-Szene des Südens wieder neu zu beleben.

Label: Ruf Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Little Black Flies
02. She Got Some Money
03. Dog Me Around
04. Don‘t Come Around This House
05. Travelin‘ Man
06. 3am In Chicago
07. Reach Into Your Heart
08. Miss James
09. Back On My Feet
10. Puttin‘ The Kids To Bed
11. Columbus Zoo Blues
12. You Don‘t Have To Go

Eddie 9V
Eddie 9V bei Facebook
Ruf Records

Eddie 9V – Way Down The Alley – CD-Review

Eddie_300

Review: Jörg Schneider

Nach seinem 2019er Debütwerk „Left My Soul In Memphis“ legt der junge Wunderknabe des Südstaatenblues nun sein zweites Album vor. „Way DownThe Alley“ ist ein energiegeladener Live-Mitschnitt aus dem „Blind Willie‘s“ in Atlanta, in dem Eddie die ganz Großen des des schwarzen Blues, wie Freddie King, Muddy Waters oder Junior Wells, regelrecht zelebriert.

Auch die Live-Atmosphäre kommt bei den Songs super rüber und man fühlt sich beim Zuhören zwischen den einzelnen Stücken so, als wäre man mit einem Bierchen mitten im Publikum und würde mitfeiern. Toll gemacht! Zum guten Gelingen des Albums tragen nicht zuletzt aber auch Eddies Begleitmusiker bei.

Mit Chad Mason am Piano und Jackson Allen an der Mundharmonika sind zwei Könner ihres Faches am Werk, die perfekt mit den klassischen Blues-Melodien harmonieren, aber auch die souligen und Chicagoblues-Momente zur Geltung bringen, immer gepaart mit Eddies klarem und scharfem Gitarrenstil.

Das Album enthält zahlreiche Eigenkompositionen und zum Ende hin auch drei klassische Bluesnummern. Dort taucht dann das alte „Going Down Slow“ von St. Louis Jimmy Oden auf, allerdings in einer eher vom Chicagostil geprägten Fassung.

Und natürlich fehlt auf dem Album auch nicht der gemächliche „Catfish Blues“, der bereits 1928 von Petway Jim Jackson geschrieben wurde und später in Jimi Hendrix‘ „Voodoo Chile“ Eingang fand, genauso wenig wie das durch Muddy Waters bekannt gewordene Stück „Got My Mojo Working“, hier in einer durchaus lebhafteren Fassung.

Von den Eigenkompositionen sei besonders das ruhige und fast schon sparsam und mit gleichmäßigem Rhythmus arrangierte fast 9-minütige „Cod‘s Song“ erwähnt, welches viel Spielraum für Piano, Mundharmonika und Eddies Gitarre lässt. „Technical Difficulties“ hingegen ist eigentlich gar kein Song, sondern ein nett anzuhörender, launischer Vortrag über all die kleinen technischen Pannen, die so bei einem Konzert passieren können.

Alle anderen Songs des Longplayers bieten solide Blueskost zwischen slow („Bottle And The Blues“), flott (36th & Main“), melodiös („Lo-Fi Love“) und teils mit Soulelementen („Left My Soul In Memphis“) versetzt, stets abwechslungsreich und nie langweilig.

Für alle Blues-Enthusiasten ist die Scheibe sicherlich ein Must-Have, das nicht in der Sammlung fehlen sollte. Wir dürfen auf mehr gespannt sein.

Label: Hubbub! Music (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. 36th & Main
02. Look Over Yonder Wall
03. Bottle And The Blues
04. New Orleans
05. Lo-Fi Love
06. Technical Difficulties
07. Cod‘s Song
08. Going Down Slow
09. Left My Soul In Memphis
10. Catfish Blues
11. Got My Mojo Working

Eddie 9V bei Facebook