Kiefer Sutherland – Reckless & Me – CD-Review

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Es gibt, was meinen Musikgeschmack betrifft, eigentlich nur zwei Schauspieler aus dem amerikanischen Show Business, die bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Und das sind bisher Kevin Costner und John Corbett. Mit dem Kanadier Kiefer Sutherland (Sohn von Ehren-Oscar-Preisträger Donald Sutherland), bei uns in erster Linie durch zahlreiche Spielfilme wie u. a. „Young Guns“, „Flatliners“, „The Jury“ oder die Echzeitserie „24“ (als Jack Bauer) bekannt, gesellt sich jetzt ein weiterer hochkarätiger Akteur hinzu.

War sein Debütalbum „Down In A Hole“ schon nicht von schlechten Eltern (man erinnere sich nur an das grandiose „Going Home“), legt er jetzt mit „Reckless & Me“ ein absolutes Country Rock-Meisterwerk nach. Produziert (als auch kompositorisch und instrumentell involviert) hat es erneut sein Freund Jude Cole (früher Mal in Moon Martins Backgroundband tätig, heute auch Producer u. a. von Lifehouse). Auch das Engros der Musiker (Brian MacLeod, Jim Cox, Greg Leisz und die Backgroundsänger/innen Chaz Mason, Samantha Nelson und Carmel Echols) hat zum großartigen Ergebnis dieses Werks wieder beigetragen.

Wer Sutherland bis dato durch die Synchron-Stimme von Tobias Meister im Kopf hat, wird zunächst durch das wunderbar rauchige Vokalorgan des 52-jährigen Medien-Omnisassas beeindruckt, das für das wunderbare Konglomerat aus Country-, Southern Rock und Americana-Zutaten, natürlich prädestiniert ist. Warum ist „Reckless & Me“ noch ein wenig stärker als der Vorgänger?

Das Songmaterial ist einfach einen Tick besser, melodischer, es greift effektiver ineinander, es packt einen irgendwie viel intensiver. Der bekannteste Track dürfte der Opener „Open Road“ sein, den hat Kiefer vor einiger Zeit – ich trau es mich kaum zu schreiben – in der Helene Fischer Show im Duett mit ihr performt hat (wenn man ehrlich ist, mit respektablem Ergebnis, besonders die Blondine überrascht mit Carrie Underwood in Nichts nachstehenden, countryesken Vocals). Hier auf dem Silberling kommt er natürlich in weniger effekthascherischer Weise im Midtempobereich, etwas downgestrippt und mit nur dezenten Harmoniegesängen.

Das mit herrlichen Pianoklimpereien durchzogene, temperamentvolle und treibende „Something You Love“ geht durch Mark und Bein. Bruce Springsteen und Bob Seger lassen grüßen, ein Killertrack für’s Live-Repertoire. Die Southern Soul-Ballade „Faded Pair Of Blue Jeans“ mit seinen, wie durch einen lauen Wind smooth wehenden Twin-Gitarren, erzeugt Gänsehaut, der Titeltrack besticht dagegen durch seine schwermütige bluesige Note (klasse Bariton-E-Gitarre, grandiose Slide-Soli).

Das in Kid Rock-Manier lässig dahin schunkelnde „Blame It On Your Heart“ (HT-Piano, launige ‚Oh yeah‘-Harmonie-Gesänge, Steel-Geleier) beschließt die erste Hälfte. Mit dem Bakersfield-Countryfeger „This How It’s Done“, dem Tex-Mex-umwehten „Agave“ („La Grange“-reminiszierende E-Hook“, Salsa-Note) und dem
dem saucoolen Southern-Schwofer „Run To Him“ (klasse weibliche Harmonies, tolles HT-Piano-Solo, Organ, Slide-Solo) folgt ein fantastisches und facettenreiches Trio. Einfach toll, wobei auch immer wieder Kiefers anpassungsfähiger raspeliger Gesang erwähnt werden muss!

Die beiden Endstücke gehen dann mit autobiografischem Charakter einher. In der etwas Pathos-getränkten, wunderbar melodischen Ballade „Saskatchewan“ kochen ein wenig die Kindheits- und Heimatgefühle des Protagonisten hoch, während das grassige „Song For A Daughter“ seiner mittlerweile ins Frauenalter entrückten Tochter Sarah, die es ja ebenfalls bereits zu gehobenen Schauspielehren gebracht hat, gewidmet sein dürfte.

Hier sieht man vorm geistigen Auge Kiefer auf der Veranda seiner Villa nach ein paar Gläschen Whiskey im Kreise seiner Mitmusiker sitzen, die seine melancholischen Schwelgereien bezüglich des mittlerweile groß gewordenen Mädels, mit den typischen Instrumenten wie Akustikgitarre, Mandoline, Akkordeon & Co. begleiten. Ein emotionaler Abschluss mit relativ niedrig gehaltenem Kitsch-Faktor.

Kiefer Sutherland hat mit „Reckless & Me“ einen Longplayer hingelegt, der ohne Zweifel zu den ganz großen Jahres-Highlights zählen wird. Wer Musiker wie Bruce Springsteen, Bob Seger, John Mellencamp, Tom Petty, John Corbett, Will Hoge, John Hiatt und Konsorten mag, kann bedenkenlos zugreifen und wird, so behaupte ich es mal, begeistert sein. Was meine persönlichen Überraschungen betrifft, hat mich kein Album seit Kid Rocks „Born Free“ so schnell wieder in positiver Hinsicht vereinnahmt. Dicke Kaufempfehlung!

BMG Rights Management
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Open Road
02. Something You Love
03. Faded Pair Of Blue Jeans
04. Reckless & Me
05. Blame It On Your Heart
06. This How It’s Done
07. Agave
08. Run To Him
09. Saskatchewan
10. Song For A Daughter

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Ein Gedanke zu „Kiefer Sutherland – Reckless & Me – CD-Review“

  1. Ich habe die Kaufempfehlung umgesetzt.
    Muss mich dann wohl für den Tipp bedanken.
    Ohne Einwände: Ein Muss für Liebhaber staubiger Country-Songs. Einfach ? – Ja
    Aber einfach geil!

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