Casey Donahew Band – Double White Dream – CD-Review

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Traumhaft! „Double-Wide Dream“ ist der nächste, großartige Countryrock-Streich der Casey Donahew Band! Casey Donahew und seine Mannen zählen schon seit Anbeginn ihres musikalischen Treibens zu den Aktivposten der Red Dirt-Szene. Vier Studio-Alben in fünf Jahren (plus einer Live-Scheibe) und eine unbändige Bühnenpräsenz mit ca. 12-15 Gigs im Monat hat die Fanbase kontinuierlich wachsen und ihren Beliebtheitsgrad stetig steigen lassen.

Wenn der aus dem Süden von Forth Worth stammende Casey im Billy Bob’s Texas zu seinem obligatorischen Heimspiel antritt, ist der Laden (wie auch zunehmend andere Locations um Texas und Oklohama herum) immer ausverkauft. Die mittlerweile sechsköpfige Band, bestehend aus Frontmann Casey Donahew (Gesang, Gitarre), James Soto (Lead-Gitarre), Josh Moore (Fiddle), Donte ‚TAZ’ Gates (Drums), Steve Stone (Bass) und A.C. Copeland (Keyboards), ist aber trotz der zunehmenden Publikumsakzeptanz immer auf dem Boden geblieben.

„I think we’re just believable. We’re not trying to be somebody we’re not. We’re just normal guys, you can tell. And people see that and respond to it“, so die kurze Analyse des Bandleaders zur Beliebtheit des Sechsers. Mit dem von Erik Herbst (Eli Young Band, Kyle Bennett Band) produzierten Vorgänger “Moving On”, der immerhin sogar auf Platz 28 der nationalen Billboard Country Charts landete und in Texas viel Airplay der Radiostationen mit sich brachte, hatte man ganz starken Stoff abgeliefert und die Messlatte für das Nachfolgewerk verdammt hoch gelegt. Aber wie das bei diesen Burschen aus der Red-Dirt-Szene so Gang und Gäbe ist, spornt dieser zunehmende Leistungsdruck eher an und lässt dabei sogar unvermutete Kräfte frei werden.

So auch hier auf „Double-Wide Dream“, das wieder von vorn bis hinten vollstens überzeugt und wie aus einem Gus aus den Lautsprechern kommt. Einfach klasse! Ja, man kann schon sagen, dass Casey Donahew (der übrigens von seiner Frau Melinda gemanagt wird) mittlerweile mit den Großen der Red Dirt-Zunft auf Augenhöhe agiert. Donahew hat diemal selbst produziert und sämtliche Tracks mit zum Teil einigen Co-Schreibern wie JB Patterson (JB & The Moonshine Band), Steven Rice und Aaron Copeland komponiert. Die CD beginnt mit „Let You Go“, einem typisch schwungvollen Red-Dirt Rocker (kratzige E-Gitarren-Rhythmus, polterndes Drumming, feines E-Gitarren-Solo), der sofort mächtig Laune macht, allerdings unmittelbar danach durch das Titelstück (klasse Baritone-E-Gitarrenarbeit von James Soto) gleich nochmal getoppt wird.

Ist zugleich die erste Single und in den Texas Music Charts bereits dabei die Leiter ganz nach oben zu rklettern. Aber die Casey Donahew Band kann natürlich auch ruhig. Mit „Give You A Ring“, „I’d Give Anything“ und dem saustarken Skynyrd-infizierten „Could Be My Time“ (typische E-Gitarren, weibliche Harmonies), hat man diesbezüglich drei wunderbar entspannte, herrlich melodische Lieder an Bord, die allerdings immer von vollen, saftigen Gitarren durchzogen sind. Ähnlich wie Brady Black bei der Randy Rogers Band, hat Josh Moore neben Bandleader Casey Donahew mit seinem wohl dosierten und songdienlichen Fiddlespiel auch diesmal wieder nicht unerheblichen Anteil am typischen Sound des Sextetts.

Aber auch der neue Keyboarder A.C. Copeland weiß mit sehr variablenm Piano- und Orgelspiel zu überzeugen. Dazu beweist Soto ein ums andere Mal, dass er zu den richtig guten E-Gitarristen der Szene zu zählen ist. Zu den weiteren Stimmungshöhepunkten des Silberlings zählen das launige Uptempo-Stück „One Star Flag“, das zu einer einer echten Texas (Live-)Hymne avancieren könnte (wiehernde Fiddle, klimperndes Honky Tonk-Piano) und das abschließende „White Trash Story – II (The Deuce)“, quasi der E-gitarrenlastige Nachfolger des Titeltracks des Debütalbums von 2006.

Die Casey Donahew Band hat mit „Double-Wide Dream“ einen weiteren großen Schritt vollzogen, um bei den ganz großen der Red-Dirt-Zunft und darüber hinaus ähnlich wie der Randy Rogers Band, Eli Young Band, Wade Bowen & Co. mitzumischen. Das Zeug dazu haben sie ohne jeden Zweifel. Es bleibt also spannend. Der große Musiktraum der Casey Donahew Band nimmt mit „Double-Wide Dream“ weiter seinen Lauf. Texas Red Dirt-Countryrock vom Feinsten!

Thirty Tigers Records (2012)
Stil:  Red Dirt

01. Let You Go
02. Double-Wide Dream
03. Give You A Ring
04. Running Through My Head
05. Regrets
06. One Star Flag
07. I’d Give Anything
08. Let’s Not Say Goodbye Again
09. Could Be My Time
10. White Trash Story — II (The Deuce)

Casey Donahew Band
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Bärchen Records

Casey Donahew Band – Standoff – CD-Review

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Die Casey Donahew Band mit ihrem bisher stärksten Album! Sie sind endgültig auf dem Level solcher Kollegen wie Reckless Kelly, Cross Canadian Ragweed oder der Josh Abbott Band angekommen. Der aus Burleson, einer Vorstadt von Fort Worth stammende Bandleader Casey Donahew und seine Mitstreiter (AC Copeland, Steve Stone, Donte ‚Taz’ Gates, Josh Moore und JJ Soto – neu mit dabei. Jesse Jennings, Tony Pierce und George Plemons) zählen seit ihrem Debüt 2006 zu den absoluten Aktivposten der Red Dirt Szene, die in letzter Zeit, zumindest was die Quantität angeht, nicht mehr mit ganz so vielen Neuveröffentlichungen aufwartet.

Das mag zum einen daran liegen, dass ihre Flagschiffe mittlerweile bei Major-Labeln unter Vertrag stehen und sich qualitativ hochwertige Alben am Fließband nicht mehr so einfach produzieren lassen. Die Casey Donahew Band jedoch war eh immer ein Sonderfall in der Szene. Donahew setzte von Anfang an auf seine Unabhängigkeit (das Management übernahm seine Ehefrau Melinda), seine immense Anzahl von Live-Shows (von der kleinen Bar bis zu den großen Locations – und die nahezu immer ausverkauft) sowie auf soziale Netzwerke und erarbeitete sich so quasi „von der Pike auf“ eine stetig und „gesund“ wachsende Fan-Basis.

Sein großer Vorteil ist somit seine gewahrt bliebende Bodenhaftung und vor allem die Möglichkeit, die Musik spielen zu können, mit der er sich und mit der sich auch seine Anhänger eindeutig identifizieren können. Das kommt gut an und seine Popularität hatte mit dem Vorgänger „Double Wide Dream“ (Platz 8 in den Billboard Country Charts) einen ersten Höhepunkt erreicht. Mit dem neuen Werk „StandOff“ knüpft der 35-jährige Musiker und Bewunderer von Garth Brooks und Pat Green an den klasse Vorgänger nicht nur nahtlos an, er setzt, was die Bandbreite und Qualität der Songs betrifft, glatt noch einen oben drauf.

Donahew hat bis auf den flockigen, knackigen Opener „Lovin‘ Out Of Control“ wieder alle Stücke in Alleinregie oder mit einigen wenigen Co-Autoren kreiert. Dank des nicht unerheblichen Einflusses seines Fiddle-Players Josh Moore bietet er einen unbekümmerten, recht organischen Red Dirt-Sound im Stile der Josh Abbott Band und der frühen Randy Rogers Band-Tage, vom Gesang und der Rhythmik jedoch Cross Canadian Ragweed ähnelnd. Aber auch Piano; Orgel und satte, vielschichtige E-Gitarren wirken präsent wie nie zuvor.

Die ausnahmslos sehr melodischen und eingängigen Stücke bewegen sich meist im gut rockenden Mid- bis Uptempobereich, aber mit „Pretending She’s You“, „Missing You“ (erinnert ein wenig an „Oh, Tonight“, dem Duett von Josh Abbott und Kacey Musgraves) und „Put The Bottle Down“ hat Casey diesmal auch drei sehr bewegende, atmosphärische Balladen in der Trackliste, die vor allem durch die schönen weiblichen Harmoniegesänge von Jaime Pierce und Kimberly Kelly zusätzlichen Glanz erfahren.

Tolle teilweise richtig unter die Haut gehende Songs! Zu den Stärken und Vorlieben zählen immer wieder Donahews voller Aungezwinkern und Selbstironie strotzende Gute-Laune-Nummern wie etwa „Small Town Love“ (druckvoller Red Dirt-Countryrock mit Fiddle und schönen E-Gitarren, inkl. Solo), „Loser“ (eine Art Red Dirt-Abwandlung von Charlie Daniels „Trudy“) und „Go To Hell“ (Uptempo Roadhouse-Country, Honkytonk-Piano, Mitgröhl-Refrain, klasse Instrumentalpassage mit Piano, Fiddle und E-Gitarre am Ende) – sicherlich Stimmungs-Garanten für sein aktuelles Live-Programm! Herrlich vor allem „Loser“, eine erneute Zusammenarbeit von Casey mit JB Patterson (JB & The Moonshine Band), die ja schon beim Titelstück des letzten Werkes blendend funktioniert hat.

Typisch, die sich selbst auf die Schippe nehmende Refrainzeile „It’s better to lose our love, than to love a loser like me“. Casey Donhahew und seine Band haben mit „StandOff“ einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere hingelegt. Herrlicher, klassischer, frischer, schwungvoller Red Dirt-Countryrock mit tollen Melodien, frei von allen Zwängen – so wir es lieben! Die Szene hat endgültig einen neuen Star!

Thirty Tigers Records (2013)
Stil:  Red Dirt

01. Lovin Out Of Control
02. Whiskey Baby
03. Pretending She’s You
04. Not Ready To Say Goodnight
05. Small Town Love
06. Sorry
07. Homecoming Queen
08. Missing You
09. Loser
10. Put The Bottle Down
11. Go To Hell

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Pat Green – What I’m For – CD-Review

Klasse neues Album von Pat Green – eine deutliche Steigerung zum Vorgänger, da trotz aller Radiotauglichkeit wieder etwas erdiger, herzhafter, würziger und Gitarren orientierter! Green war einer der ersten, der sich frühzeitig aus der Riege der jungen Wilden der texanischen Red-Dirt-Szene gelöst hatte und sich quasi in die Höhle des Löwen nach Nashville wagte. Damit hatte er so etwas wie eine Vorreiterrolle inne. Acts wie die Randy Rogers Band, Wade Bowen und die Eli Young Band folgten seinen Spuren. Pat hat sich mit seinem 5. Major-Album „What I’m For“ mittlerweile fest in „Music City“ etabliert und ist dort eine nicht mehr wegzudenkende Größe.

Green’s Hauptintention, seine Alben im ganzen Land präsent zu haben, ist voll aufgegangen. Er füllt, natürlich auch dank seiner energiegeladenen Live-Shows und einer schon immer hinter ihm stehenden, kontinuierlich gewachsenen Fanbase, mittlerweile Stadien auf kompletter nationaler Ebene (sogar in New York!). Nach drei von Don Gehman (John Mellencamp, Hootie & The Blowfish) produzierten Werken, hat Green auf eigenen Wunsch eine neue Phase seiner Karriere eingeläutet und die Zusammenarbeit mit Dann Huff ersucht, um seinen Songs vor allem eine etwas gitarrenlastigere Note zu vermitteln.

Und das ist richtig gut gelungen. Huff, der natürlich auch selbst Hand anlegte, verpflichtete mit J.T Corenflos, Brett Danaher, Jerry McPherson, Adam Shoefeld (Big & Rich’s begnadeter Haus-Gitarrist), Chris Skrobot und Ilya Toshinsky gleich eine ganze Armada von Klasse-Gitarristen, die den Sound des neuen Green-Silberlings entscheidend mitprägen. Auch bei der Besetzung der anderen Instrumente wurde geklotzt und nicht gekleckert. Klingende Namen wie Tim Akers, Jay De Marcus (Rascal Flatts), Jimmy Lee Sloas, GlennWorf, Chad Cromwell, Shannon Forrest, Chris McHugh, Joanthan Yudkin, Eric Darken, Dan Dugmore oder Paul Franklin sind jedem in der Szene bekannt und eine Qualitätsgarantie.

Gegenüber dem Vorgänger „Cannonball“ wurde von Huff ein etwas kompakteres Paket geschnürt, das es aber dafür um so mehr in sich hat. Mit „Footsteps Of Our Fathers“ startet der „Hans Dampf in allen Gassen“ Pat Green direkt furios durch. Ein knackiger, sehr moderner Countrysong, der ein wenig Heartland-Atmosphäre mit einem satten Gitarrenrhythmus verbindet, wie man ihn bei Keith Urban oft erlebt, gespickt mit kleinen Mandolinentupfern und einem herrlichen E-Gitarren-Solo. Ein toller Auftakt. Vom Inhalt einer der wenigen Fremdkompositionen, „What I Am For“ (Marc Beeson/Allen Shamblin) war Pat so fasziniert, dass er ihn direkt zum Titelsong beförderte, laut eigener Aussage vor allem wegen des hohen Identifikationsgrades zum Text dieses emotional im Storytelling-Stil vorgetragenen Country-Stückes (inkl. Fiddle-, Steel- und Akkordeonakzenten).

Schön auch immer wieder, wenn Musiker als Co-Autoren beim Songwriting ihren typischen Stempel aufsetzen, auch wenn sie musikalisch gar nicht beteiligt sind. Bobby Pinson ist so einer, der so eine gewisses Flair verbreitet. Green und er schrieben „Feeling Pretty Good Tonight“ in einer überaus feucht-fröhlichen Nacht im Hermitage Hotel in Nashville (Zitat Pat Green), dessen Launigkeit sich sprichwörtlich auf den Text und die instrumentelle Umsetzung übertrug. Auch „Lucky“, das Pat mit seinen Schreibpartnern aus früheren Tagen, Patrick Davis und Justin Andrew Pollard komponierte, geht eindeutig in die Rubrik Gute Laune-Songs und könnte zum weiteren potentiellen Hit dieses Werkes avancieren.

Etwas ruhiger, fast schon mit etwas Bluegrass-Teint und recht emotional, gibt sich Green bei „In This World“ (schöne Akustikgitarre, Mandoline). Launig und mit vielen benannten Größen der Nashville-Szene im Text geht es bei „Country Star“ zu. „Let Me“, die erste Single, ist dann eine auf jeglichen Schmalz verzichtende Powerballade a là James Otto. Toll hier das typische Dann Huff E-Gitarren-Solo. Der wohl rockigste und herrlich abgehende Track ist „In It For The Money“. Toller Text, spielerische Feinheiten (Mandoline, Orgel, Slide-Passage), dazu eine gehörige Portion Dramatik, ein absolutes Highlight!

Mit „Carry On“ wurde ein Klassiker aus Green’s Repertoire (vom legendären „Three Days„-Album) in einer etwas poppigerer Manier neu aufgelegt. „In The Middle Of The Night“ beendet dann Pat’s großartiges Album in ruhiger Keith Urban-Manier. Das Lied pendelt irgendwo in Sphären von Urban’s „You’ll Think Of Me“ und „Raining On Sunday“, und schließt das Album atmosphärisch ab. Pat Green hat mit „What I’m For“ wieder hochkarätige Kost abgeliefert, die seinen Status in Nashville vermutlich nochmals steigern wird. Völlig zu Recht! Denn Pat Green steht einfach für klasse Musik!

BNA Records (2009)
Stil:  Country Rock

01. Footsteps Of Our Fathers
02. What I’m For
03. Feeling Pretty Good Tonight
04. Lucky
05. In This World
06. Country Star
07. Let Me
08. In It For The Money
09. Carry On
10. In The Middle Of The Night

Pat Green
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Pat Green – Cannonball – CD-Review

4. Major-Album von Pat Green, sein erstes allerdings für sein neues Label. Der aus Waco kommende Texaner, bekannt für seine energiegeladenen Live-Shows, dürfte mit seinem neuen Werk „Cannonball“ gerade in Nashville die letzten Barrieren freigesprengt haben, um sich unter den absoluten Top-Stars zu etablieren. Bereits auf seinem letzten Album „Lucky Ones“ hat er, wie auch jetzt, den Spagatschritt zu mehr radiofreundlicheren, Country-Mekka-kompatiblen Songs, ohne dabei seine texanische Ursprünglichkeit zu verlieren, glänzend gemeistert.

Diesmal hat Produzent Don Gehman (u.a. Hootie & The Blowfish) den pop-rockigen Anteil noch einmal etwas angezogen, wobei die erfahrenen, exzellenten Nashville-Studiomusiker wie Greg Morrow (Drums), die hier überragenden Gitarristen J. T. Corenflos, Kenny Greenberg (E-guitar), Biff Watson, John Willis (Acoustic guitar), Jonathan Yudkin (Violin, strings), Michael Daly (Steel guitar), Michael Rhodes (Bass) und John Hobbs (Keyboards), den Countryanteil stets präsent gehalten haben.

Das Titelstück „Cannonball“, eine durchschlagskräftige, sehr melodische Uptemponummer, wird von schwungvollem Upbeat-Drumming und brillant gespielten Rhythmus- und E-Gitarren dominiert. Gut passende, dezente Harmoniegesänge im Refrain, sowie eine kleines, filigranes Slide-/E-Gitarrenduell machen den Song zur Klassenummer. Überhaupt startet das neue Werk gleich ziemlich forsch durch. Das dem Titeltrack folgende „Way Back Texas“ (hier fegt der Green-typische, texanische Wind mal so richtig durch den southern-mäßig dahin groovenden Song) und „Love Like That“ (rhythmisch stampfend, tolles Mandolinenspiel in Kombination mit klasse E-Gitarren, Orgel-, Steelguitar-Fills) sind weitere ordentlich abgehende Tracks, die jede Cabrio-Fahrt zum Vergnügen werden lassen.

Bei „Dixie Lullaby“ wird dann zunächst mal das Bremspedal bedient. Das Lied ist eine schöne, traurige Hommage an seinen verstorbenen Vater. Mit „Missing Me“ (dezent keltisch angehaucht) und dem abschließenden Country-Schwofer „Sleeping With The Lights On“ (dem Titel konform mit absoluter Feuerzeugeinschaltgarantie bei Live-Konzerten) wird der balladeske Anteil insgesamt jedoch recht sparsam gehalten. Auch recht entspannt, aber doch schon ziemlich peppig dargeboten ist „Finder’s Keepers“, ein Duett mit der großartigen Sara Evans, die sich vokal blendend mit Green ergänzt. Klasse Nummer mit leichtem Retro-Flair der Marke „Roy Orbinson meets Mary Chapin Carpenter„!

Im übrigen Verlauf setzt Pat weiter auf die seinem Naturell eher entsprechenden, tempoträchtigeren Songs, wie den ersten Hit „Feels Just Like It Should“ (bereits Nr. 13 in den Billboard Country Singles Chatrs – Tendenz steigend!) und „Lost Without You“, bei dem sich kompositorisch mit Brett James ein Erfolgsgarant in dieser Hinsicht an seiner Seite befand. „Won’t Let Love“ mit seinen „Na-Na-Na“-Gesängen am Ende erinnert gar ein wenig an eine Countryvariante des Bryan Adams-Hits „Cuts Like A Knife“.

Überhaupt scheint immer mal wieder ein ganz dezenter „BryanAdams-Gute-Laune-Rock-Faktor“, allerdings ohne dominant zu erscheinen, durch die eine oder andere Nummer zu blinzeln, wie auch bei „Learn How To Live“. Mit „I’m Trying To Find It“ und „“Love Had Something To Say“ huldigt Pat Green dann mit zwei Covernummern noch zwei seiner Songwriter-Seelenverwandten. Erstgenanntes Stück aus der Feder von Jeffrey Steele (und Tom Hambridge), auch auf Jeffrey Steeles brandaktuellem, starken „Hell On Wheels“-Album enthalten, hier von Green etwas mainstreamiger dargeboten, zweites vom immer wieder hochverehrten Radney Foster von seinem Klassewerk „Another Way To Go“ aus dem Jahr 2002, diesmal weniger introvertiert gehalten.

„Cannonball“ von Pat Green ist insgesamt ein klasse, abwechslungsreiches, sehr kräftiges und mit 14 Liedern (fast 55 Minuten) recht umfangreiches, melodisch-modernes Werk; eine Art Karriere-Album, bei dem er seine texanischen Roots etwas mehr im Hintergrund hält, das aber in Nashville sicherlich einschlagen wird wie eine „Kanone“.

Sony Music (2006)
Stil:  Country Rock

01. Cannonball
02. Way Back Texas
03. Love Like That
04. Dixie Lullaby
05. Feels Like Just It Should
06. Missing Me
07. Virginia Bell
08. Finder’s Keepers (feat. Sara Evans)
09. Won’t Let Love
10. Lost Without You
11. I’m Trying To Find It
12. Love Hd Something To Say
13. Learn How To Live
14. Sleeping With The Lights On

Pat Green
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Radney Foster – Revival – CD-Review

Triumphales neues Werk von Radney Foster! Meisterhafter Roost-/Americana-/Alternate Country-Rock – kernig, knackig, trocken und direkt auf den Punkt produziert (Darrell Brown und Radney Foster). Zu jeder Sekunde weht einem der raue, texanische Staub um die Nase. Und diese Melodik, diese Songqualität (aus dem Fundus dieser neuen Songs werden sich sicher wieder einige der großen Nashville-Acts bedienen), diese Arrangements – wunderbar! Ungeachtet seiner bereits erzielten Erfolge mit dem Duo Foster & Lloyd hat Radney Foster sich auch in eigener Person im letzten Jahrzehnt zu einer der nicht mehr wegzudenkenden Größen der texanischen Musikszene und darüber hinaus entwickelt.

Ob als Songlieferant für unzählige Kollegen (u.a. Dixie Chicks, Wade Bowen, Jack Ingram, Keith Urban, Kenny Chesney), als Produzent (er verhalf u.a. der Randy Rogers Band mit ihren beiden letzten Major-Werken zum Einstieg in die Country(rock)-Welt über die texanischen Grenzen hinaus) oder natürlich als Solo-Interpret, wo er in regelmäßigen Abständen exzellente Alben abliefert, hat man bei der Anschaffung von Material mit Foster-Beteiligung immer so etwas wie eine automatische Qualitätsgarantie. Was der Mann anpackt, hat einfach Stil und Klasse.

So natürlich auch sein famoses, neustes Album „Revival“, das er jetzt als Nachfolger des 2006 erschienen, ebenfalls sehr starken „This World We Live In“ präsentiert. Doch Foster hat immer noch neue Trümpfe im Ärmel, steckt voller neuer Songideen und sprüht vor immer währender Frische. Die rockigen Sachen von „Revival“, und davon gibt es eine ganze Menge, strotzen nur so vor Dynamik und grandiosen Melodien. Radney hat das aktuelle Werk, im Unterschied zum letzen Mal, heuer schwerpunktmäßig mit einer etatmässigen Begleitband „The Confessions“ eingespielt (dazu gehören u.a. der Gitarrenvirtuose Eric Borash und die durchaus bekannte und hoch geschätzte Background-Sängerin Georgia Middleman), darüber hinaus aber auch mit Leuten wie Adam Shoenfeld, Craig Kampf, Yonathan Yudkin, Tammy Rogers, Jon Randall, Darius Rucker (Hootie & The Blowfish) und Dierks Bentley noch ein illustres Gästeteam mit an Bord. Als zentrales Moment serviert der aus Del Rio stammende Texaner in leichter Abwandlung zum Albumtitel den Song „A Little Revival“ in gleich zwei Versionen. Zum einen direkt zu Beginn als straight rockenden, dynamischen Uptempo Americana-/Countryrocker (herrlich fett instrumentiert, klasse E-Gitarren-Passagen, knackiges, trockenes Drumming), zum anderen am Ende als um die erste Strophe gekürzte „Reprise“Fassung, die dank der furios agierenden Jon Randall (exquisites Mandolinenspiel, klasse Harmonies) und Tammy Rogers (tolle Fiddleperformance, Background Gesang) einen herrlichen „Bluegrass-Teint“ verpasst bekommt.

Die zum Mitsingen animierenden Refrainzeilen des Songs sind derartig markant, dass man sie noch Tage später mit sich im Gedächtnis herumträgt. Das seinem im letzten Jahr verstorbenem Vater gewidmete Album (besonders dokumentiert in dem sehr bewegend gebrachten „I Know You Can Hear Me“) besticht durch viel Abwechslung. Es gibt auch mal eine spirituelle Note („Shed A Little Light“ – Foster singt im Stile eines Hohenpriesters, Middleman und Co. halten mit Gospel-kompatible „Backs“ dagegen), sowie Fosters typisch introvertiert wirkende Stücke, die mit soviel, Gefühl, Wärme und Harmonie vorgetrahen werden, aber auch voller bewegender Texte stecken („Angel flight“, „Suitcase“, „I made peace with God“ – allesamt sehr fein instrumentiert) und, wie gesagt, eine ordentliche Anzahl abgehender Roots-/Countryrocker (bärenstark beispielsweise das fulminante „Until it’s gone“, das zusammen mit Jack Ingram komponierte „Trouble Tonight“ – sehr rhythmisch, retro, groovig, mit einer Portion Southern-Soul, E-Gitarren- und Pianosolo -, das melodische „Second Chances“ und das sich kernig in unsere Gehörgänge grabende „Life is hard“).

Alles in allem ein Werk von beeindruckender Qualität, ohne jeden Ausfall. Die Aufmachung des Digipacks besticht zudem durch eine sehr gelungene, geschmackvolle und farbenfrohe Gestaltung, inklusive eines schönen, 16-seitigen Booklets mit allen texten und vielen Infos. Foster, der erst vor kurzem 50 geworden ist, liefert mit „Revival“, ohne seine vielen starken Vorgänger entscheidend abwerten zu wollen, sein vielleicht bestes Album der letzten Jahre ab. Texas-Americana-/Roots-/Alternate Country vom Allerfeinsten! „This record is absolutely a triumph“, heißt es in einem U.S.-Review… – wie wahr!

Devil River Records (2009)
Stil:  Country Rock

01. A Little Revival
02. Forgiveness
03. Until It’s Gone
04. Second Chances
05. I Know You Can Hear Me
06. Angel Flight
07. Trouble Tonight
08. Shed A Little Light
09. I Made Peace With God
10. Life Is Hard (Love Is Easy)
11. If You Want To Be Loved
12. Suitcase
13. A Little Revival (Reprise)

Radney Foster
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Radney Foster – Everything I Should Have Said – CD-Review

Radney Foster, ex Foster & Lloyd, gilt heute ohne jeden Zweifel als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Künstler der Texas Roots-, Americana-, und Country(rock)-Szene. 5 Jahre nach seinem famosen Werk „Revival“ veröffentlicht dieser exzellente Sänger, Songwriter, Gitarrist und Produzent, nachdem er sich zuvor mit der Unplugged-Neueinspielung seines Debütwertkes „Del Rio, TX 1959“ ein edles Acoustic-Intermezzo gegönnt hatte, mit „Everything I Should Have Said“ nun wieder ein Album mit vollkommen neuen, eigenen Stücken – und es ist ein herausragendes Teil geworden.

Der Mann hat einfach Stil und Klasse und es macht einfach Spaß, sowohl seinen intelligenten und authentisch gesungenen Texten, als auch der wie immer herrlich dazu passenden instrumentellen Umsetzung beizuwohnen. Stark direkt zum Auftakt die introvertiert gestrickte, nachdenkliche Ballade „Whose Heart You Wreck (Ode To The Muse)“, die sich fast schmerzvoll mit atmosphärischen Orgel- und Pianotönen sowie stechender Slidegitarre von Gastmusiker Mike Zito (Royal Southern Brotherhood) voranschleppt. Um nicht weiter aufs Gemüt zu drücken, folgt mit „Hard Light Of Day“ (geschrieben mit Fosters Angelkumpel Jack Clementi, der mit „Lie About Loving Me“ noch ein weiteres Lied ähnlicher Art beisteuert) ein erster locker dahingleitender, aber durchaus knackiger Americana-Track (klasse E- Gitarren, gurgelnde Orgel).

Dieses Wechselspiel von langsameren Stücken und roostig angerockten, melodischen Tracks zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch die gesamte CD. Wunderbar auch wieder das textlich hervorragend gestaltete „California“, wo sich zwei auf der Suche befindliche Menschen auf dem Weg nach Kalifornien für eine Nacht zusammenfinden, um dann aber wieder getrennt ihr Glück zu versuchen. Stark hier die Harmoniegesänge von Kacey Musgraves und die wimmernde Steel, gespielt von Richard Corneaux. Ein weiterer Song, der von einer starken Damenbeteiligung getragen wird (ebenfalls Steel-haltig), ist das überragende „Mine Until The Morning“, bei dem Patty Griffin mit ihrer markanten Stimme ein geniales Gespann mit Foster bildet. Großartig auch die mit einem tollen Akustikgitarrenriff geführte Countryballade „The Man You Want“ (genial hier die B3-Klänge und die nadelstichartig gestzten E-Gitarrenfills).

Das erneut von schwermütiger Melancholie getragene „Holding Back“ zählt ebenfalls zu diesee Kategorie. Mit-Produzent Justin Tocket sorgte aber, wie bereits angedeutet, mit vielen recht flockigen Nummern für eine sehr schön ausgewogene Balance. Das aus der Feder von Foster mit Gordie Sampson und Jim McCormick stammende „Talk Myself Out Of Falling“ ist sogar durchaus Nashville-kompatibel, könnte aber auch zu einem heißen Cover-Aspiranten für Acts wie die Eli Young Band & Co. avancieren. Das gleiche Songwriter-Trio zeichnet sich auch für die humorvolle Liebeserklärung „Noise“ (schöne Heartland E-Gitarre, B3-/Pianotupfer) verantwortlich. „Unh,Unh,Unh“ ist ein feiner, auf den Punkt gebrachter Honky Tonker, den man sicherlich am besten in Bierlaune genießen kann. Sarah Buxton streut bei dieser Nummer ein paar sehr schöne „Backs“ ein. Der wohl wuchtigste Track ist das southernrockige „Not In My House“ (klasse E-Gitarren inkl. Genre-kompatiblen Zwischen- und Endsolo), das ebenfalls durch seinen amerikanisch untypischen, kritischen Text aufhorchen lässt (diese sind in beigefügtem Booklet zum toll in Südstaatenflair gestalteten DigiPak beigefügt – phantastisch vor allem das Titelbild, das Foster fast ehrfurchtsvoll immitten einer beeindruckend hohen Baumgruppe eines südstaatlichen Anwesens abbildet).

Das wieder voller Selbstreflektion und in Mollpianotönen gehaltene Titelstück zum Abschluss, lädt dann nochmal regelrecht zu emotionalem Mitgefühl an Fosters entschuldigendem Gesang ein. Ein unter die Haut gehender, packender Ausklang! Fazit. 12 wundervolle Nummern zwischen Rootsrock, Americana, und Texas Countryrock, eingespielt mit einer vorzüglichen Band (unter anderem mit dem aus der Louisiana-Szene bekannten Meistergitarrist Joe Stark an Bord, dazu kommen noch Klasse-Leute wie John Lancaster, Justin Tocket und Keith Brogdon), geradezu perfekt zusammengestellt aus atmosphärischen, überaus zeitgemäss arrangierten Midetmpo-Songs, knackigen, kernigen, dabei sehr melodischen Roots-, und Countryrockern, sowie der ein oder anderen vorzüglichen Ballade. Eine wahre Glanzvorstellung des Texaners!

Devils River Records (2014)
Stil:  Country Rock

01. Whose Heart You Wreck (Ode To The Muse)
02. Hard Light Of Day
03. California
04. Taking Myself Out Of Falling
05. Mine Until The Morning
06. Unh, Unh, Unh
07. Not In My House
08. The Man You Want
09. Lie About Loving Me
10. Holding Back
11. Noise
12. Everything I Should’ve Said

Radney Foster
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Bärchen Records

Radney Foster – This World We Live In – CD-Review

Vier Jahre sind bereits wieder ins Land gezogen, seitdem uns die eine Hälfte des einst in Nashville so erfolgreichen Duos Foster & Lloyd mit dem tollen „Another Way To Go“ so begeistert hatte. Untätig war ein Mann dieses musikalischen Formates in der jüngeren Vergangenheit allerdings nicht. So produzierte er beispielsweise die Randy Rodgers Band, schrieb Songs für Größen wie u. a. Keith Urban, die Dixie Chicks oder Kenny Chesney, und, und, und!

Hier ist sie nun endlich, die neue, einmal mehr ganz hervorragende Scheibe des ohne Zweifel zu den besten texanischen Songwritern zählenden Radney Foster. Wunderbarer, rootsiger Texas-Country/Alternate Country/Countryrock/Americana vom Allerfeinsten mit einem tollen, schön trockenen, auf den Punkt genau produzierten, angerauten, „gritty“ Sound! Zehn neue Stücke, alle aus seiner Feder, zum Teil in Kooperation mit exzellenten Co-Writern, wie Blue Dogs-Frontmann Bobby Houck, Jack Ingram oder Darrell Brown, mit dem er sich auch die Produktionsarbeit teilte.

Bediente er sich bei seiner letzten Scheibe noch einer Menge Begleitmusiker aus dem schier unerschöpflichen „Nashville-Pool“, so versammelte er diesmal eine tolle, namhafte Band langjähriger Freunde um sich, wie Drummer Charlie Drayton und den „alten“ Westcoast-Haudegen Waddy Wachtel (Linda Ronstadt; Warren Zevon, James Taylor, John David Souther, Ronin, Bob Dylan) an der E-Gitarre (beide haben schon auf Keith Richard’s Solo-Alben zusammen gearbeitet), Session Bass-Veteran Bob Glaub (u.a. Jackson Browne) und dem Keyboarder Rami Jaffe, vielen sicher nicht nur als Mitglied der Wallflowers ein Begriff. Mit an Bord sind auch wieder der starke Slide-Gitarrist Mike McAdam und ein weiterer Klassemann an der E-Gitarre, Adam Shoenveld, der etatmäßig bei Big & Rich die Saiten bedient.

Und um es nochmal klar herauszustellen. Radney Foster ist schlichtweg wieder ein Sahneteil gelungen. Dem leicht Stones-infizierten, Slide-angerockten, rootsigen, trockenen „Drunk On Love“ folgt mit „Sweet And Wild“ ein wunderbar melodischer Americana-Midtemposong. Bei beiden Songs glänzt neben der starken instrumentellen Umsetzung Sarah Buxton mit ihrer klasse Stimme im Background, die gegen Ende der Stücke mit in den Vordergrund tritt. Die Ballade „The Kindness Of Strangers“ lebt von Foster’s starker Akustikgitarrenarbeit, toller atmosphärischer Cello-Untermalung und einem bewegend geschriebenem und gesungenem Text. Ganz große Klasse!

Der anschließende, exzellente, forsche Retro Country-Rocker „Big Idea“ (erinnert stark an alte Foster & Lloyd-Hits) reißt einen regelrecht aus der poetischen Welt des Vorsongs, und bildet den gelungenen Vorläufer zum Center-Song des Gesamtalbums, „Half Of My Mistakes“. Was für eine herrliche Melodie! Auch hier wieder ein toller Text, der Menschen dazu ermutigt, viele Dinge im Leben einfach zu riskieren, auch wenn mal etwas schief laufen sollte.

Der Lerneffekt und viele positive Dinge, die sich trotzdem daraus entwickeln, sind laut Foster nicht zu unterschätzen. Den gleichen Song hat vor geraumer Zeit fast ebenso gut Jace Everett auf seinem Erstling, allerdings etwas mainstreamiger, interpretiert. Bei Radney Foster wirkt das Stück etwas kantiger, zurückhaltender und einen Schuss introvertierter. Starke Slide-Arbeit hier vom bereits erwähnten Mike McAdam. „New Zip Code“ (mehr balladesk) und „Prove Me Right“ (wäre auch durchaus von der Randy Rogers Band oder Chris Knight coverbar) liefern wieder etwas leichter verdauliche, überaus melodische Gute Laune-Kost, letzteres in durchaus Nashville-kompatibler, radiotauglicher, wenn auch leicht rootsiger Country-Manier, voller Hooklines, die ein wenig an Radney’s Frühwerke erinnern. Stark hier die angenehmen Fiddle-Fills. Eine weitere „Killer“-Ballade folgt mit „Fools That Dream“.

Im Background diesmal die zauberhafte Kim Richey, die auch beim Vorgänger schon ihre Stimme zur Verfügung gestellt hat. Zum Abschluss folgt dann noch mal ein herrlich locker dahinfließender, super-melodischer Alternate Country-/Roots-/Americana-Song, den Foster zusammen mit Jack Ingram komponiert hat. Neben dem eingängigen Rhythmus und den lässigen Drums stechen hier die immer wieder eingestreuten und punktgenauen Stratocaster- und Slide-Fills im harmonischen Wechselspiel heraus. Klasse Orgelarbeit auch vom Rami Jaffe. Das Stück hält einen noch Minuten nach Ende der CD regelrecht gefangen. Ein würdiger Abschluss eines wieder einmal großen Albums!

„This World We Live In“ etabliert und festigt Radney Fosters Platz in die Riege der heutigen, wichtigen, ganz großen texanischen Singer-Songwriter im Country-/Americana-Bereich nachhaltig. Durch und durch beeindruckende und fesselnde Musik!

Sony Music, Dualtone Music Group (2007)
Stil:  Country Rock

01. Drunk On Love
02. Sweet And Wild
03. The Kindness Of Strangers
04. Big Idea
05. Half Of My Mistakes
06. New Zip Code
07. I Won’t Lie To You
08. Prove Me Right
09. Fools That Dream
10. Never Gonna Fly

Radney Foster
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Bärchen Records

Radney Foster / Del Rio Texas: Revisited Unplugged & Lonesome – CD-Review

Zwanzig Jahre nach seinem Solo-Debüt „Del Rio. Texas 1959“ hat Radney Foster auf vielfachen Wunsch seiner Fangemeinde, das Album in einer Unplugged-Version neu eingespielt. Zuvor hatte er als Part des Duos Foster & Lloyd bereits Erfolge erzielt, sich aber 1990 von seinem Partner getrennt (übrigens haben er und Bill Lloyd letztes Jahr auch ein recht schönes Comeback-Werk veröffentlicht).

Radney Foster hat sich seit jener Zeit prächtig entwickelt. Mittlerweile ist er in den Staaten ein hochangesehener Interpret, Songwriter und auch Produzent, der für Qualitätsprodukte garantiert. Viele Kollegen wie z. B. Keith Urban, Dixie Chicks, Sara Evans oder Darius Rucker (Hootie & The Blowfish) wurden durch ihn inspiriert und coverten seine Songs. Hier bei uns in Deutschland ist er aber ein immer noch viel zu wenig beachteter Künstler. Ähnlich wie bei Keith Urban, darf ich mir auf die Fahne schreiben, ihn schon relativ frühzeitig mit seiner CD Another Way To Go mal bei uns vorgestellt zu haben.

Wenn man so ein Projekt bespricht, bietet es sich quasi an, beide Werke zu vergleichen, obwohl dies nach so vielen Jahren hier eher wenig bringt, zumal das eine elektrisch und das andere richtig ‚naturbelassen‘ eingespielt wurde. Fosters Erstling wirkt – kurz zusammengefasst – in der Nachbetrachtung viel mehr retro (teilweise wie im Jukebox-Sound der 60er) und mit einem deutlich höheren Honkytonk-, und Dancehall-Flair behaftet.

Was in jedem Fall aber deutlich erkennbar ist, ist der spürbare Reifeprozess, den Foster im Laufe der Zeit durchlebt hat, und vor allem das Zulegen an Charisma, das durch seine angenehme Stimme heute deutlich offenbart wird. Für die Unplugged-Version hat Radney einen edlen Kreis an Musikern (Marty McGuire, Jon Randall Stewart, Steve Fishell, Brady Black von der Randy Rodgers Band, Michael Ramos, Matt Borer und Glenn Fukunaga) und Backgroundsängern (Dan Baird, Jack Ingram, Marc Broussard) und -sängerinnen (Jessi Alexander, Ashley Arrison, Georgia Middleman) im Kreise versammelt und alles an einem Wochenende ohne jeglichen technischen Firlefanz eingespielt. Sicherlich beneidenswert, wer diese magisch anmutende Arbeit, live im Studio verfolgen durfte.

Die Trackliste wurde zum Debüt variiert, dazu gibt es mit „Me And John R.“ noch einen herrlichen neuen Track, der sich im Gesamtgefüge einordnet, als hätte er immer schon dazugehört. Aus den herbeigeschafften Saiteninstrumenten (Akustikgitarre, Mandoline, Dobro, Weisenborn, Shuitar, Fiddle, Cello, Upright Bass) wird wirklich so alles herausgeholt, was möglich ist. Hier klingt, surrt, zirpt, quietscht und leiert es an allen Ecken und Enden, dass es eine Freude ist. Dazu kommen noch wohlige, grandios unterstützende Wurlitzer-, Akkordeon- und dezente (Pinsel-) Drum- und Percussion-Zutaten.

Steve Fishell, der das Debüt damals produziert hatte, mit seiner filigranen Dobro-Arbeit und die Fiddler McGuire und Black sowie natürlich Foster mit seinem hervorragenden, trockenen, teilweise introvertiert klingenden Gesang hinterlassen dabei, den bleibendsten Eindruck. Auch die süßen Harmonies der o. a. Damen (ihre männlichen viel prominenteren Pendants bleiben dagegen eher unauffällig) bereiten dem Rezensenten süffisanten Genuss. Eine, was diese Musik betrifft, zugetane Arbeitskollegin von mir, war auch direkt nach nur wenigen Klängen vom klaren und reduzierten Sound fasziniert. OT:  „Da kann man ja fast jeden String einzeln hören.“

Insgesamt betrachtet ist Radney Fosters „Del Rio. Texas Revisited Unplugged & Lonesome“ die perfekte Umsetzung einer tollen Idee. Hier macht es Spaß sich zurückzulehnen und relaxt dem Gebotenen zu lauschen und dabei natürlich viel feines musikalisches Fingerspitzengefühl und Können zu entdecken. Teilweise kommt es einem vor, als wenn man mit dabei säße. Ich bin jetzt schon gespannt (falls Radney und meine Wenigkeit es hoffentlich noch erleben sollten…) was dieser sympathische Musiker aus Del Rio sich im Jahre 2032 zu dieser Platte einfallen lassen wird…

Devil’s River Records (2012)
Stil: Country

01. Just Call Me Lonesome
02. Don’t Say Goodbye
03. Easier Said Than Done
04. A Fine Line
05. Me And John R.
06. Nobody Wins
07. Old Silver
08. Louisiana Blue
09. Closing Time
10. Hammer And Nails
11. Went For A Ride

Radney Foster
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Bärchen Records

Pat Green – Three Days – CD-Review

Schon der Blick aufs Titelbild des Booklets von Pat Greens aktueller CD „Three Days“, auf der ein zerrissener, ausgelatschter Cowboystiefel verlassen am Pfahl eines Stacheldrahtzaunes hängt, lässt erahnen, dass es bei dieser Scheibe heiß zur Sache gegangen sein muss. Und in der Tat, hier wurde ordentlich gehobelt, hier sind jede Menge Späne gefallen.

13 fantastische Songs, ohne jeden Aussetzer, mit unheimlich viel Dampf und superklarem Sound, so ein wenig im Stil der Bottle Rockets zu „24-Hours-A-Day“-Zeiten gespielt, machen die CD zu einem kurzweiligen Ereignis. Für mich persönlich ein Highlight des Jahres!

Jede Menge satter Gitarren, viel Gefiddel, aber so dosiert, dass es nie nervig wirkt, dazu Pat Greens passende Stimme, mich sehr an die von Brian Henneman erinnernd, bestimmen dieses abwechslungsreiche Werk fast ohne jeden Blick auf Kommerzialität. So erscheint es mir zumindest.

Zu verdanken sei das stimmige Ergebnis, laut Greens eigener Aussage, auch der außerordentlich guten Zusammenarbeit mit seinem Label Republic/Universal Records, das keinen Druck ausübte und ihn absolut freizügig agieren ließ.

Ein echtes Malocheralbum, bei dem Pat Green zum Einen mit neun selbstgeschriebenen Liedern echte Songwriterqualitäten unter Beweis stellt, zum Anderen auch wunderbar zeigt, wie man traditionelle Countrymusikelemente mit viel Pepp und sehr aktuell darbieten kann.

Mir gefallen besonders, auf einer durchgehend guten Scheibe, das druckvolle Auftaktstück „Carry On“, mit Ex-Storyville David Grissom an der Gitarre, die Uptempo-Balladen „Whiskey“ und „Crazy“, sowie das southern-rockige „Southbound 35“ „Three Days“, ein echter Kracher, der nicht nur in die Sammlung eines bekennenden Countryfans gehört. Einfach herrlich, kaufen und genießen!

Universal Music (2001)
Stil:  Country Rock

01. Carry On
02. Threadbare Gypsy Soul
03. Three Days
04. Who’s To Say
05. Galleywinter
06. Wrong Side Of Town
07. We’ve All Got Our Reasons
08. Whiskey
09. Crazy
10. Take Me Out To A Dancehall
11. Count Your Blessings
12. Southbound 35
13. Texas On My Mind

Pat Green
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Bärchen Records

Bart Crow Band – Desperate Hearts – CD-Review

Welch ein Fortschritt! Großartig! Das zweite Album der texanischen Bart Crow Band ist schlichtweg ein „Countryrock-Hit“, der einfach runter geht wie Öl! Als die Truppe mit ihrem klasse Debüt „Finally“ vor rund zwei Jahren voller Unbekümmertheit die Texas „Red Dirt“-/Countryrock-Bühne betrat, prophezeiten wir bereits, wie auch einige andere Experten, dass hier einer der vielversprechendsten, neuen Szene-Acts heranwachsen würde („Texas’ next rising star is born…“)! Das Album verkaufte sich tierisch gut, die Single „Wear My Ring“ hielt sich über zwanzig Wochen (!) in den Texas Music-Charts („a song that just won’t go away“, äußerte sich seinerzeit Jason Boland dazu) und deren Nachfolger „Driftin’ In The Wind“ ergatterte 2007 sogar einen Platz unter den 10 meistgespielten Stücken im Texas Music-Radio.

Ein toller Erfolg, der nun mit dem zweiten Album der Band neue Höhen erreichen dürfte, denn dieses Werk ist nochmal um Längen stärker als der Vorgänger! Apropos „Driftin‘ In The wind“. Aufgrund des großen Erfolges entschied sich die Band kurzerhand diesen Song für das neue Album gleich noch einmal einzuspielen, diesmal noch frischer, noch dynamischer, noch besser! Ein Traum-Countryrocker mit einer tollen Melodie, irgendwo angesiedelt zwischen No Justice und besten Restless Heart-Tagen! Man spürt direkt die exzellente Handschrift des neuen Produzenten Mack Damon (bekannt für seine musikalische Vielseitigkeit), der in seinen Rhapsody Street Studios in San Antonio,Texas den Schritt vom zuweilen etwas unausgereift wirkenden „Demotape-Charme“ des Erstlings zu einem satten, voller Transparenz steckenden, klaren, moderneren Sound mit Bravour vollzogen hat, ohne der Band dabei ihre Unbekümmertheit, Zwanglosigkeit und Ursprünglichkeit auch nur ansatzweise zu nehmen (in diesem Punkt ist die „Red Dirt“-Fangemeinde eh besonders sensibel).

Nein, es stimmt jetzt einfach alles! Bart Crows humorvoller Kommentar hierzu. „The first time I heard our very first record right off the mixing board I thought it was the best thing that ever happen to the planet. Boy did I have a lot to learn”. Die musikalische „Öffnung“ für ein breiteres Publikum wird im Verlauf der weiteren zwölf Stücke konsequent durchgezogen. Es gibt mit dem wunderbaren „St. Valentine“ eine Fremdkomposition aus der Feder von Jason Boland (erinnert gar ein wenig an eine texanische Abwandlung des Dylan/Byrds-Klassikers „Mr. Tambourine Man“), ein Stück aus der Feder des Lead Gitarristen Paul Russell („Back Down“ – herrlicher, leicht southern-angehauchter, lockerer Countryrocker mit markantem, flockigem Stratocaster-Spiel und am Ende mit einem starken Retro E-Gitarren-Solo), zwei klasse Nummern aus der Kombination Paul Russell/Bart Crow („Change“ – politischer Text, dezent psychedelisch angehaucht und schön roostig, sowie „Tami“ – lässiger New Country-Rock/-pop, melodisch im Stile von Sister Hazel mit leicht „nasalem“ Gesang), doch der übrige Anteil der Songs wurde vom Bandleader im Alleinregie geschrieben.

Schnell und deutlich bemerkt man die Weiterentwicklung, die Bart Crow auch beim Songwriting vollzogen hat. Die Stücke wirken viel ausgefeilter, vielseitiger, reifer und auch in Text und Musik deutlich komplexer und frischer strukturiert. Hervorragend die von einer wunderbaren, Gänsehaut erzeugenden Melodie durchzogene Ballade „Hollywood“, durchströmt von toller Stratocaster-E-Gitarren-Arbeit und glänzenden, weiblichen Background Vocals von Fallon Franklin, wobei nicht einmal vor einem ganz dezenten Streicher-Einsatz zurückgescheut wird, der aber deutlich durch ein am Ende eingestreutes, vorzügliches E-Gitarren-Solo jeder Zeit in Schach gehalten wird.

Auf dem Fuße folgt mit „Understand“ ein weiterer „Kracher“, der diesmal als erste Single ausgewählt wurde. Das Stück erinnert in seiner Lockerheit an Sachen von No Justice oder Wade Bowen. Bei diesem herrlichen, zum Mitwippen anregendem Gitarren-Rhythmus und dem zum Mitsingen animierenden, eingängigen Refrain, wird selbst der gefühlsmäßig kälteste Eisblock in rasender Schnelle zum Schmelzen gebracht. Wir sind uns sicher, dass dieser Song noch so manche Cabriofahrt auf den texanischen Highways begleiten wird. Absolut hitverdächtig! „Roses“ und die texanische, fröhliche Countrynummer „Once A Day“ (mit sirenenartigem Fiddle-Spiel von Nick Worley) pendeln irgendwo zwischen Randy Rogers, Pat Green und Django Walker. Der Titelsong „Desperate Hearts“ glänzt mit einem recht rockigen Ambiente, wie man es beispielsweise von der Ryan Bales Band oder auch etwas „braveren“ (was wir in diesem Zusammenhang alles andere als negativ meinen) Cross Canadian Ragweed her kennt.

Das melodische, sehr rhythmisch dargebotene „New York“ (klasse Harmoniegesänge) geht ähnlich wie „Understand“ wieder direkt in die Beine und das abschließende, traumhaft schöne „Forever“ (mit großartiger Steelguitar-Einlage von Bobby Flores) beendet balladesk den Reigen von ausnahmslos herrlichen Countryrock-Stücken, ohne eine einzige Schwachstelle zu offenbaren. Die Songs machen einfach Laune, was auch Kyle Hunt, ein texanischer Musiker-Kollege Crows, treffend reflektiert:  „Bart Crow’s sound reflects his personality, it is what he is, unique, laid back, real and fun. The songs just make you wanna sing along.” In der tat bleiben diese Nummern einfach wunderbar in den Ohren hängen.

Bart Crow und seinen Freunden ist mit „Desperate Hearts“ ein Riesen-Album gelungen. Dank des neuen Produzenten Mack Damon und einer genauso professionellen wie unbekümmerten, frischen, vor allem Dingen sehr ausgereiften Leistung der Band ist ein weiteres Kleinod texanischer Roots-/New Country-/Countryrock-/“Red Dirt“-Musik entstanden, das die Fans in Windeseile in ihr Herz schließen werden. Hier scheint eine steil nach oben gerichtete Entwicklung angesichts ihres enormen Potenzials (wie bei der Randy Rogers Band) beinahe vorprogrammiert. Die Bart Crow Erfolgsgeschichte geht weiter! Ein tolles Album!

Smith Entertainment (2008)
Stil:  Red Dirt

01. Driftin’ In The Wind
02. Back Down
03. Hollywood
04. Understand
05. St. Valentine
06. Sweet Imitations
07. Roses
08. Once a Day
09. Desperate Hearts
10. Change
11. New York
12. Tami
13. Forever

Bart Crow Band
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