Steve Azar & The Kings Men – Down At The Liquor Store – CD-Review

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Das letzte musikalische Lebenszeichen von Steve Azar war der, von ihm, für die alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2015 in Vail, komponierte Song „Fly“, den er dann auch bei der Eröffnungsfeier zusammen mit Andreas Gabalier  performte.

Nach knapp sechs-jähriger Abstinenz, was Alben betrifft (sein letztes war das tolle „Delta Soul, Vol. 1“), hat die Wartezeit nun ein Ende. Der in Greenville, Mississippi, geborene und aufgewachsene Tausendsassa (Filmusikschreiber, Festivalveranstalter, Labelinhaber, Sportler, Koch, engagierter Spendensammler für karitative Zwecke, was ihm zu Ehren in den Staaten Mississippi und South Dakota, seitens höchster politischer Kreise, mit einem Steve Azar-Tag gewürdigt wurde) präsentiert mit „Down At The Liquor Store“  sein nun mehr 6. Studio-Werk.

Dafür hat er sich mit einer neuen Begleitband The Kings Men umgeben, die mit Leuten wie u. a.  Ray Neal, Regi Richards, Walter King, Jason Young, Herman Jackson, und David Briggs, Musiker beherbergt, die schon für Legenden wie B.B. King und Elvis Presley tätig gewesen sind.

Steve Azar, dessen Tour mit Bob Seger 2007 vom Polistar Magazine zur Nr. 1-Tour in Amerika gekürt wurde und dessen ‚The Mighty Mississippi Music Festival‘ in der dritten Ausgabe von ‚1,000 Places in the United States and Canada to See Before You Die‘ gewürdigt wird, hat sich schon seit langem von seinem durchaus auch erfolgreichen Nashville-Major-Label-Intermezzo Anfang des Jahrtausends (mit der tollen Scheibe „Waitin‘ On Joe“) gelöst und hat sich seitdem eher einer entspannt groovenden, wahnsinnig starken Mischung aus Blues, (Southern) Soul, Roots und Country verschrieben, die auf diesem Lonplayer wieder nahezu meisterhaft repräsentiert wird.

Diese Scheibe „Down At The Liquor Store“ lädt geradezu ein, sich in einem Sprituosen-Geschäft mit ein paar Flaschen Wein einzudecken und diesen 13 unaufgeregten, relaxten, so wunderbar instrumentierten  und wohlig besungenen Liedern wie u. a. dem melodisch southern bluesigen Opener „Rena Lara“, ‚Mörder‘-Balladen wie „Tender And Tough“, „Over It All“ sowie „These Crossroads“ (mit grandiosem Sax-Solo), dem funkig groovenden „Wake Me From The Dead“ (Doobie Brothers-Flair) oder dem autobiografischen „Greenville“ in gemütlichem Ambiente beizuwohnen.

Tolle Gitarren (das bluesige E-Spiel von Ray Neal in Anlehung an die großen Kings, aber auch eines Toy Caldwells), das Memphis-trächtige Gepluster der Bläser-Fraktion und die Tasten-Einlagen von Keyboard-Institution David Briggs jagen einem förmlich einen Schauer nach dem anderen den Rücken runter und bilden einen fantastischen Counterpart zu Steves Wohlfühlgesang.

Fazit: Steve Azar ist nach sechs Jahren mit dem überragenden  „Down At The Liquor Store“ auf der musikalischen Bühne in eigener Sache zurück. Seine überwiegend selbst geschriebenen (z. T. mit ein paar wenigen Co-Writern wie Ryan Mitchell Burgess, James House und Johnny Douglas) Kompositionen bieten eine perfekt harmonierende Symbiose aus Blues, Soul, Country und Roots-Einflüssen. Das Werk kommt in einem geschmackvoll gestalteten DigiPak mit Steckbooklet, das alle Texte und Backgroundinfos zum Album beinhaltet. Ein absolutes ‚Must Have‘ in 2017!

Ride Records (2017)
Stil: Blues, Soul, Country & More

01. Rena Lara
02. Start to Wanderin‘ My Way
03. Tender And Tough
04. Wake Me From The Dead
05. Down At The Liquor Store
06. She Just Rolls With Me
07. I Don’t Mind (Most of the Time)
08. Chance I’ll Take
09. Over It All
10. Road Isn’t There Anymore
11. These Crossroads
12. Ode to Sonny Boy
13. Greenville

Steve Azar
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Bärchen Records

Alex Williams – Better Than Myself – CD-Review

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Klasse Debüt des aus Indiana stammenden Alex Williams. In Zeiten, wo die traditionelle, handgemachte, selbstkreierte Countrymusik, auch bei jüngerer Klientel, wieder so etwas wie eine Renaissance erfährt, sind natürlich auch die großen Major-Labels wachsamen Auges unterwegs und zur Stelle, nicht erst seit dem unglaublichen Erfolg eines Chris Stapletons.

Big Machine Records, ein Label, das so ungefähr alle Facetten von Country bis New Country, seien sie zum Teil auch noch so gegensätzlich, unter seinem Hut versammelt hat, hat die Gunst der Stunde genutzt und sich mit Alex Williams einen höchst talentierten, jungen Burschen geangelt, der sich einen Kehricht um die heutigen Notwendigkeiten zu scheren scheint, mit denen Kollegen wie Taylor Swift, Thomas Rhett oder Georgia Florida Line in den Charts abräumen.

Im Gegenteil! Er hält die Fahne des Country mit Outlaw-Ingredienzien in der Tradition berühmter Vertreter der Marke Waylon Jennings, Merle Haggard, Kris Kristofferson, Willie Nelson & Co. stolz in den Wind und harrt der Dinge, die da eventuell auf ihn zukommen könnten. Produziert hat sein ausnahmslos, mit einigen Co-Writern, eigens geschriebenes Werk, Julian Raymond (Cheap Trick, Glen Campbell, Jennifer Nettles, Albert Lee, Fleetwood Mac), der ihm mit Leuten wie u.a. Dan Dugmore, Tom Bukovac, JT Corenflos, Mickey Raphael oder Matt Rollings erfahrene Hochkaräter als Musiker an die Seite gestellt hat.

Von der ersten Minute des eröffnenden Titelstücks bis zu den letzten Akkorden von „The Last Cross“ erhält man durch und durch traditionell instrumentierten Outlaw Country, wobei man angesichts seiner sonoren, Story-tellenden Bariton-Stimme fast verleitet wird, zu glauben, es mit einem alten Haudegen zu tun zu haben.

Klare Akustikgitarren, knarzende Bariton-E-Gitarren der beiden o. a. Saitenartisten, Dugmores unverkennbares, omnipräsentes Steelguitar-Spiel, Rollings‘ Piano-, und Orgel-Variationen, sowie Raphaels sporadisches Harp-Gepluster sorgen für den passenden, exzellent gespielten Rahmen zu jeder Tempolage der einzelnen Tracks, die meist mit einer kurzen Spielerei beendet werden und gleichzeitig als Übergang zum nächsten Song dienen.

Gast übrigens bei „Little Too Stoned“ ist Mike Eli (Eli Young Band) mit tollem Slide-Solo und Harmoniegesängen. Das überwiegend von einer Akustikgitarre dominierte Titelstück strotzt vor Selbsterkenntnis („the songs are better than myself“), das folgende „Hellbent Hallelujah“ ist so ein launiger Honky Tonk-„Schunkler“ (herrlich typische E-Gitarren- und Pianofills, Steel- und E-Gitarren-Solo-Kombi), den man in eine Endlosschleife ausweiten könnte.

Das grandiose „More Than Survival“, bei dem die Gitarristen sliden und herrlich schwer in die Saiten greifen, ergänzt durch noch ein wenig Piano-Geklimper in Billy Powell-Manier, wird selbst hart gesottene Southern Rocker beeindrucken. Kräftig auch das bluesrockige „Strange Days“ (unterschwelliges „After Midnight“-Flair). Das Ende mit „Few Short Miles (Bobby’s Song)“ und „Last Cross“ wird dann voller Country-typischem Pathos und Melancholie im Erzähl-Stil zelebriert.

Das Erstwerk von Alex Williams, „Better Than Myself“, ist ein wunderbarer Beweis dafür, wie toll traditionelle Countrymusik klingen kann, wenn passenden Akteuren, zur richtigen Zeit, das adäquate Umfeld geboten wird. Big Machine Records könnte mit Williams jetzt das Pendant zu Chris Stapleton gefunden haben. Darüber hinaus ist das aber auch bester Stoff für Liebhaber von Interpreten wie Aaron Lewis, Sturgill Simpson, Cody Jinks, JP Harris & Co. Toll! Ein Einstand nach Maß!

Big Machine Records (2017)
Stil: Country

01. Better Than Myself
02. Hellbent Hallelujah
03. More Than Survival
04. Freak Flag
05. Week Without A Drink
06. Little Too Stoned
07. Old Tattoo
08. Strange Days
09. Pay No Mind
10. Can’t Get Enough Of You
11. Few Short Miles (Bobby’s Song)
12. Last Cross

Alex Williams
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Bärchen Records

Lucas Hoge – Dirty South – CD-Review

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Noch ein Hoge in Sounds Of South. Nach unserem schon oft besprochen Will Hoge handelt es sich diesmal um den vermutlich hier noch recht unbekannten Lucas Hoge, der mit „Dirty South“ das dritte Album in seiner Karriere veröffentlicht. Beide stehen in keiner verwandtschaftlichen Beziehung zueinander, was sie lediglich eint, ist ihr Wohnsitz in Nashville, Tennessee.

Lucas stammt aus einer 44-Seelen-Gemeinde in Nebraska, war zunächst Lead-Sänger von der Southern Rock-Formation Southern Cross und der Christian-Band Xtreme Devotion, bevor er sich letztendlich um die Jahrtausendwende ins Mekka der Countrymusik aufmachte, um als Solokünstler sein Glück zu versuchen.

Dort hat der Protagonist sich zu einem umtriebigen Musiker und Songwriter entwickelt, der neben Stücken in eigener Sache vor allem auch Lieder für Fernsehshows schrieb. Er engagierte sich für die US-Truppen im Mittleren Osten im Rahmen der ‚Armed Forces Entertainment Wrangler National Patriot‘-Tour, spielte zudem auch Skandinavien. Dazu agiert er als Marken-Botschafter für Cabela’s, einem der größten Outdoor-Ausstatter der Welt, der auch seine Tour im Jahr 2015 sponserte.

Soviel zu Hoges Background. Seine aktuelle, zehn Tracks umfassende CD „Dirty South“ bietet lupenreinen, eingängigen New Country, mit viel radiotauglichem Potenzial, dazu, wie der Titel der Scheibe es schon suggeriert, auch Southern Rock-Ingredienzien.

Lässig und locker instrumentierte Stücke wie der Opener „Shoo Fly Pie“ (klasse southern-trächtige E-Gitarrenkurzpassage), der beschwingte voller Herzklopfen präsentierte Lovesong „Boom Boom“, der herrliche Schunkler  „To Go With The Whiskey“ (mein Lieblingssong des Werkes) und „Flip Flops“ sind für Sommer, Strand und Cabrio geradezu prädestiniert.

Southern Rock-Fans mit Faible für New Countrymusik werden mit Stücken, wie dem dynamischen „Mad Dog Memories“ und den swampigen „Halabamaluhja“ (was für ein Titel! – würde auch gut zu Trace Adkins passen) sowie dem coolen Slide-getränkten Titeltrack „Dirty South“ beglückt.

„The Power Of Garth“ ist eine Hommage an die Ausstrahlkraft von Songs wie „The Thunder Rolls“ und „The Dance“ von Superstar Garth Brooks, die auch in der Familie Hoge ihre Spuren hinterlassen hat. Die beiden finalen Lieder „That Ain’t Cool“ und „Who’s Gonna Be There“ (mit Streichern , einem verstorbenen Freund gewidmet) schwelgen mehr zwischen Melancholie und Trauer, und fahren den, in den ersten acht Tracks aufgebauten Adrenalinspiegel wieder auf Normalmaß zurück.

Insgesamt bietet Lucas Hoges neues Werk „Dirty South“ natürlich nicht so viel ‚Schmutzigen Süden‘, wie es der Titel vielleicht auf den ersten Blick erhoffen lässt. Statt Musik, die man mit irgendwelchen swampigen Spelunken in Louisiana assoziieren würde, erhält man hier sehr ausgewogenen, fein instrumentierten und melodischen Stoff (gut eingesetzte E-Gitarre, Dobro, Banjo, Steel), der eher für eine launige Beach-Party mit viel Flip Flops und Bikini-Tops in Miami tauglich ist.

Viele der Songs werden aber durchaus von einem gewissen Southern-Charme durchzogen. Wer an Interpreten wie u. a. Jake Owen, Billy Currington, Kip Moore, Blake Shelton, Kenny Chesney oder auch dezent Eric Church (zu Anfangszeiten) und Garth Brooks Spaß hat, ist auch bei Lucas Hoge an der richtigen Adresse. Macht richtig Laune!

Rebel Engine Entertainment (2017)
Stil: New Country

01. Shoo Fly Pie
02. Boom Boom
03. Power Of Garth
04. Mad Dog Memories
05. To Go With The Whiskey
06. Halabamaluhja
07. Flip Flops
08. Dirty South
09. That Ain’t Cool
10. Who’s Gonna Be There (In Memory of Michael Berry) – Bonus Track

Lucas Hoge
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Rebel Engine Entertainment

Josh Thompson – Change – The Lost Record – CD-Review (digital)

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Josh Thompson zählt zu meinen Geheim-Lieblingsinterpreten in Nashville. Einer dieser talentierten Burschen, die ein wenig in der zweiten Reihe hinter den ganz Großen der Zunft stehen, dessen Songs aber von jenen auch immer mal gerne verwendet werden, wie seine Credits es für Leute wie u. a. Jason Aldean, Tim McGraw, Brad Paisley oder Darius Rucker beweisen.

Seine beiden bisherigen ‚richtigen‘, auch physikalisch erschienenen Alben „Way Out Here“ und „Turn It Up„, sind bei uns besprochen, jetzt lohnt es sich, die Gelegenheit zu nutzen, „Change – The Lost Record“, das es nur als digitale Variante gibt, zu beleuchten, da nun eine Vollversion mit zwölf Stücken erhältlich ist (vorher gab es das Teil als EP mit nur sechs Songs).

Was soll man sagen, ein tolles, kurzweiliges abwechslungsreiches Werk, das von vorne bis hinten Laune macht, sofern man auf New Country mit ganz dezentem Southern Rock-Touch steht (Tracks wie z. B. „Daddy Had A Beer“, „Comin‘ Around“  und „I Like To Believe In That“ wären z. B. Van Zant auf den Leib geschnitten).

Gearbeitet wird viel mit variabel gespielten Bariton-E-Gitarren, Steel und gezielten Orgel-Einsätzen. Der selbstironische Opener „Same Ol‘ Plain Ol‘ Me“ (mit herrlicher E-Gitarren-/Steel-Doppel-Solo-Kombination) und das finale „Something’s Gonna Get Us All“ (mit schön gurgelnder Orgel), zwei mega-coole Stampfer, rahmen das Werk ein. Ich liebe solche Lieder!

Mit „We Don’t Have To Work (In The Morning)“, einem Feier- und Mitgrölsong für die die gestresste Arbeiterschaft, womit er mir als  4:30 Uhr-Aufsteher natürlich aus der Seele spricht (dazu gibt es alkohol-geschwängerte Crowd-Gesänge am Ende), dem Titelstück „Change“ und dem grandios besungenen „Gotta Go To Heaven“ (tolle weibliche Harmoniegesänge), zwei herrlichen Balladen, dem Bakersfiled-umwobenen „Rust“ (flotter Country-Schunkler) und dem starken lässigen Duett mit Justin Moore bei „Livin‘ Like Hank“ (schönes ZZ Top-Intro) wären die markantesten Stücke umschrieben.

Der Rest sind fein getextete und schön, wie oben beschrieben, mit viel Bariton-E-Gitarren (zum Teil tolle filigrane Soli) instrumentierte, zu Thompsons Stimme, perfekt passende, melodische Tracks, denen man einfach gerne zuhört. Insofern wäre es überaus schade gewesen, wenn die Stücke von „Change – The Lost Record“ von Josh Thompson nicht veröffentlicht worden wären und im weiten Universum des New Country verloren gegangen wären. Tipp – einfach mal antesten!

Ole Digital (2017)
Stil: New Country

01. Same Ol‘ Plain Ol‘ Me
02. We Don’t Have To Work
03. Over Me
04. Change
05. Gotta Go To Heaven
06. Livin‘ Like Hank (feat. Justin Moore)
07. Daddy Had A Beer
08. Comin‘ Around
09. Rust
10. I Love Me Some You
11. I Like To Believe In That
12. Something’s Gonna Get Us All

Josh Thompson
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Chris Weaver Band – Live in Brazil – CD-Review (digital)

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Einer meiner New Country-Lieblingssänger mit einem Live-Werk in Südamerika. Auch wenn Chris ganz sicher das Potential hat, ein ganz Großer in Nashville zu werden, hat es mich doch ein wenig überrascht, dass er, gleich zu Beginn seiner Karriere, mit so einem aufwendigen Live-Projekt bedacht wurde und das dazu noch im fernen Brasilien (was ich natürlich klasse finde).

Ich bespreche hier nur die, bis jetzt bei uns zu erwerbende mp-3-Download-Version. Das Event wurde jedoch mit einer aufwendigen Licht- und Video-Installation, visuell abgedreht und soll wohl auch demnächst als DVD erhältlich sein. Chris hat mir dazu schon ein paar sehr sehenswerte Ausschnitte vorab gemailt, zu mehr Infos ist es aber bisher nicht gekommen, er wollte mir das Teil postalisch zukommen lassen, da doch viele Fragen meinerseits dazu entstanden.

Ich habe in Brasilien zu meinen früheren Sturm- und Drangzeiten bereits dreimal Urlaub gemacht und kann mir die Atmosphäre, die beim Konzert geherrscht haben muss, sehr gut vorstellen und auch den Spaß, den die Akteure in den Tagen rund um das Konzert gehabt haben werden.

Der ‚Joe Cocker‘ von Nashville, wie ich Chris aufgrund seiner markanten Reibeisenstimme mal nennen möchte, hat sich für den Gig vorwiegend ruhige Sachen, u. a.  aus seinen bisherigen Alben „Standing In Line“ und „American Dreamer“ ausgesucht. Um der südamerikanischen Atmosphäre gerecht zu werden (es geht also verständlicher Weise nicht so Southern Country rockig zur Sache), sind in diverse Tracks immer wieder Mariachi-artige Bläser-Parts eingebunden.

Da es in Brasilien ähnlich patriotisch bei solchen Gigs zur Sache geht, wie in seiner Heimat, wurden für die drei letzten Stücke am Ende noch mit Fernando Zor (bei „Madrid„, „California High“ und „Sunday Morning“), Sorocaba (bei „California High„) und Marcos & Belutti (bei „Sunday Morning„), Künstler aus der Region mit involviert und die Songs auf z. T. portugiesisch angepasst. Das verleiht der ganzen Sache, wie man den YouTube-Clips entnehmen kann, natürlich ein unglaubliches Maß an Emotionalität, die aber auch in der mp-3-Version transparent wird.

Sollte die DVD irgendwann eintreffen und der Bezug des Teils geklärt sein, werde ich den Review dann nochmal updaten. In dieser mp3-Form ist Chris Weavers „Live In Brazil“ zunächst mal ein überwiegend musikalisch ansprechender, ruhiger und sympathischer Live-Genuss, wo die Stimme und die völkerverbinde Atmosphäre die Stars sind, und bei der man sich schön entspannen kann.

FS Music (2017)
Stil: New Country

01. Circus
02. California High
03. Tear It Up
04. Madrid
05. Desert
06. World Ain’t Big Enough
07. Want It
08. So Damn Beautiful
09. Mexico
10. This Love/Sunday Morning
11. Without Chains
12. Garuantee To You
13. Sunday Morning feat. Fernando Zor, Marcos & Belutti
14. California High feat. Fernando & Sorocaba
15. Madrid feat. Fernando Zor

Chris Weaver Band
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Eli Young Band – Fingerprints – CD-Review

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Von einem texanischen College-Vierer zur Platin-dekorierten Nashville-Band – die Eli Young Band hat zweifelsohne eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Was einst in North Denton im Red Dirt-Genre begann hat sich peu à peu zu einem national, wie international, perfekt zu vermarktenden Schlager im New Country/Country Rock-Bereich entwickelt. Ja, man kann sagen die EYB ist mit fast der einzige, aus der Red Dirt-Sparte nach Music City vereinnahmte Act, der sich dort auch kontinuierlich behaupten und halten konnte.

Nach der 2015 nur digital veröffentlichten EP „Turn It On“ sind die Herren Mike Eli, James Young, Chris Thompson und Jon Jones jetzt mit „Fingerprints“ wieder mit einem kompletten Album, und zwar dem 6. ihrer Karriere, am Start. Ähnlich wie neulich bei den Rascal Flatts, bekommt man auch bei der Eli Young Band auf diesem neuen Werk genau das auf den Punkt geliefert, was diese Gruppe schon immer ausgezeichnet hat: Einen wunderbar melodischen Mix aus Red Dirt- und New Country-Zutaten, verpackt in elf fast ausnahmslos radiokompatible Tracks, getragen von Mike Elis markanter Stimme mit 100% Wohlfühlfaktor. Konstanz, Verlässlichkeit und nicht nachlassende Qualität sind die Erfolgskomponenten.

„Saltwater Gospel“ heißt der Opener, der auch die erste Single abgibt. Wie der Titel es schon andeutet, wurde der eingängige, recht euphorische Refrain mit dezent gospeligen Harmoniegesängen angereichert. Klasse an diesem Album ist, dass die Protagonisten, die Wurzeln ihrer Anfangszeiten nicht ganz außer Acht gelassen haben. Das swampige Titelstück mit seinem leichten psychedelischen Touch, hätte sich auch gut auf ihrem damaligen „Level“ gemacht.

Ganz stark ist die Hommage an die Tracks der guten alten Zeit mit „Old Songs“. Eine sehr reduziert gehaltene Countryballade mit viel Texas-Flair (mit typischen weiblichen Harmoniegesängen von Carolyn Dawn Johnson), und einer durchaus Southern Rock-kompatiblen Slide-/E-Gitarren-Solo-Kombination. Carolyn Dawn Johnson begeistert dann nochmals auf dem melancholischen „God Love The Rain“ (mit orientalisch anmutenden Akustikgitarren-Zwischenfills). Das rootsige „Skin & Bones“ (teilweise mit wunderbarer Akkordeon-Untermalung) trägt die Handschrift von Co-Writerin Lori McKenna und würde auch perfekt zu einem Will Hoge passen.

Die restlichen Stücke wie „Never Again“, „Drive“, “Once”, “A Heart Needs A Break“ und “Never Land” mit ihren eher poppigen, teilweise sogar tanzbaren Rhythmen und Powerrefrains werden auf niveauvolle Art dem Anforderungsprofil des Mainstreams in punkto Massenkompatibilität gerecht. Zum Abschluss begeistern Eli Young & Co. nochmal mit dem Heartland-umwobenen „The Days I Feel Alone“, das man sich auch gerne von einem Tom Petty mal anhören würde.

Die Eli Young Band hat mit ihren neuen Longplayer „Fingerprints“ erneut einen markanten und nachhaltigen Fingerabdruck im hart umkämpften New Country/Country Rock-Geschäft hinterlassen. Das kreative Cover-Artwork mit allen Texten, zwei Bandbildern und allen restlichen Infos wurde dazu mit dem Titel perfekt in Einklang gebracht. Die erkennungsdienstliche Behandlung ergab somit ein rundum gelungenes Album!

Valory Music (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Saltwater Gospel
02. Fingerprints
03. Never Again
04. Old Songs
05. Drive
06. Skin & Bones
07. A Heart Needs A Break
08. Once
09. Never Land
10. God Love The Rain
11. The Days I Feel Alone

Eli Young Band
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Universal Music

Evan Michaels – Ain’t No Stopping This – EP-Review

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Post aus Nashville! Wieder ist es Brandy Reed von der RPR Media-Agentur gelungen, mich trotz meines ja nicht gerade kleinen Horizontes in Sachen Red Dirt/New Country, mit mir unbekannter starker Musik zu überraschen.

Diesmal heißt der Interpret Evan Michaels, der in den nächsten Tagen seine neue EP „Ain’t No Stopping This“ veröffentlichen wird. Der Protagonist stammt aus Stillwater, Oklahoma, einem Ort, in dem Bob Childers, der quasi als Gründer (‚Godfather‘) der Red Dirt-Szene gilt, in Treffpunkten wie ‚The Farm‘, all seinen weiteren Aushängeschildern wie u. a. Mike McClure, Cody Canada, Stoney LaRue, Brandon Jenkins oder No Justice, den Nährboden für ihr weiteres Schaffen bereitete.

Evan Michaels Werdegang war allerdings von einigen Umwegen geprägt. Er lernte sein Handwerk vornehmlich nach dem College im Mekka des Country, nämlich in Nashville. Zunächst als Aushilfskraft in einem Aufnahmestudio, wo er die Session-Akteure genau studieren konnte, dann als hier und da auftretender Musiker.

Trotzdem zog es ihn zurück in die Heimat. Mittlerweile hat Michaels, der laut Begleitzettel auf einen Fundus von über 200 Songs zurückgreifen kann, eine CD (auch die enthält allerdings lediglich 7 Tracks) und mit „Ain’t No Stopping This“ jetzt die zweite EP auf der Habenseite verbucht. Produziert hat er zusammen mit dem Keyboarder seiner Band, Andrew Bair. Als weitere Mitspieler sind Tom Evans (guitars), Ian Smith (bass, vocals) und D.J. Petty (drums) mit an Bord.

Die musikalische Ausrichtung der sechs neuen Stücke, kombiniert auch ziemlich offensichtlich seine bisherigen musikalischen und geografischen Gradweiser, wobei Red Dirt und  New Country so gut wie kaum trennbar, harmonisch ineinander verschmelzen. Das macht ihn vom Grundprinzip her, ähnlich wie Wade Bowen oder die Eli Young Band & Co., natürlich theoretisch in beiden Stilrichtungen vermarktbar. Ob eine vermeintliche Rückkehr in Richtung Nashville aufgrund kommerzieller Optionen, als wünschenswert erachtet wird, steht dann allerdings vermutlich mal auf einem anderen Blatt Papier.

Sämtliche Tracks haben eigentlich die typischen Zutaten: Tolle, sofort ins Ohr gehende Melodien, eine angenehme Stimme, dazu immer wieder dezent leiernde Steel- sowie präzise gespielte E- und Akustik-Gitarren, solider Bass-/Drum-Rhythmus, hier und da ein paar Piano-/hallende, gurgelnde Orgel- („Must’ve Been Drinking“, „Tomorrow Today“), Banjo- („Too Big For The Both Of Us“) und Mandolinen-Tupfer („Like It Should“). Man merkt, dass Michaels sein Songwriting-Handwerk genauestens gelernt hat.

Als meine beiden Favoriten entpuppen sich das fluffige, E-gitarrenlastige Titelstück als Opener „Ain’t No Stopping This“ (schön verspieltes E-Gitarren-Solo) und das wunderbar melodische „Bet On A Backroad“ (eingängiger Refrain, erneut klasse E-Gitarren-Kurzsolo), das folgerichtig zur ersten Single auserkoren wurde.

Fazit: Evan Michaels neue EP  „Ain’t No Stopping This“ ist ein viel zu kurzes Vergnügen. Sechs tolle, abwechslungsreiche, in sich stimmige Songs, die Liebhaber beider angeführter Genres, bestens mit den bevorzugten Ingredienzien bedient. Angesichts seines o. a. großen Songpools fragt man sich unweigerlich, warum Mr. Michaels seine Zuhörerschaft in der Manier eines Nobel-Restaurants, immer nur mit kleinen Delikatess-Happen versorgt…

Eigenproduktion (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Ain’t No Stopping This
02. Too Big For The Both Of Us
03. Must’ve Been Drinking
04. Tomorrow Today
05. Bet On A Backroad
06. Like It Should

Evan Michels
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RPR Media

Rascal Flatts – Back To Us (Deluxe Edition) – CD-Review

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Über die Rascal Flatts braucht man eigentlich nicht mehr viel schreiben. Das Trio um Gary LeVox, Joe Don Rooney und Jay DeMarcus hat in der Popsparte des New Country ihren festen Platz gefunden und daraus, seit ihrem Debüt 2000, eine grandiose Erfolgsgeschichte entwickelt. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei den genre-typischen Awards und achtmal Nr. 1 bei neuen Alben sprechen eine überdeutliche Sprache.

Mit ihrem neuen Jubileumswerk „Back To Us“, dem 10. Studioalbum ihrer Karriere, proklamieren sie zwar eine nostalgische Besinnung auf die Anfangszeiten ihres Wirkens, aber wenn man ehrlich ist, kennt man sie eigentlich nicht anders, man muss schon absoluter RF-Experte sein, um hier eventuelle marginale Bezüge zu den Alben im Frühstadium oder Unterschiede attestieren zu können.

Für mich klingt „Back To Us“ wie alle ihre anderen Veröffentlichungen. Konstanz und Verlässlichkeit bei hoher Qualität und zu ihnen passendes Songmaterial, sind für mich die entscheidenden Faktoren ihres Erfolgsrezeptes, und die sind auch hier wieder omnipräsent.

Gleich dreizehn Stücke in Deluxe-Ausgabe lassen vermutlich die Qual der Wahl, welcher Song wohl der richtige für die Single-Charts ist. Entschieden hat man sich zunächst für den energiegeladenen Opener „Yours If You Want It“, aus der Feder des verstorbenen Songwriters Andrew Dorff, mit schön dazu produziertem Video (Gary LeVox als singender Burger-Bräter in einem Diners).

Weitere flockige Tracks wie „Hopin‘ You Were Lookin'“, „Dance“, „Kiss You While I Can“, das R&B-trächtige „Vandalized“ (Chris Stapleton Co-Writer!), “ sowie das treibende „Thieves“ machen ebenfalls Laune auf die demnächst anstehende Cabrio-Saison.

Bei „Hands Talk“ schwebt von der Melodie her, immer der einstige Rhythm-&-Blues/Soul-Klassiker „Stand By Me“ mit, während das knackige „Roller Rink“ mit swampiger Note überzeugt. Die Herz-Schmerz-Balladen-Freunde werden mit „I Know You Won’t“, dem Blockbuster-tauglichen „Are You Happy Now“ (emotionales Duett von Gary mit der toll singenden Lauren Alaina) und am Ende „Our Night To Shine“ bedient, wobei letztgenanntes Lied mit Synthies, Streichern und bombastischen choralen Gesängen  zum Ausklang einen enormen Schmalz-Faktor aufweist.

Rascal Flatts‘ „Back To Us“ ist ein, der Band, gebührendes Jubileumsalbum geworden. Kurzweiliges gutes Songmaterial von 1A-Songwritern (wobei die drei auch zum Teil mitwirken), knackige Produktion, starke Musiker, tolle mitreißende Vokal-Performance von LeVox, typische Hamoniegesänge, Powerrefrains en masse, schickes bebildertes Coverartwork  mit allen Texten, lassen keine Wünsche offen. Müsste eigentlich, wenn das neue Chris Stapleton-Album nicht gerade ausgerechnet dazwischenfunken sollte, erneut eine klare Nr. 1 werden. Zum zehnten Mal, wie gewohnt, ganz feiner Countrypop!

Big Machine Records (2017)
Stil: New Country (Pop)

01. Yours If You Want It
02. Hopin‘ You Were Lookin‘
03. I Know You Won’t
04. Dance
05. Back To Us
06. Kiss You While I Can
07. Vandalized
08. Are You Happy Now
09. Hands Talk
10. Thieves
11. Love What You’ve Done With The Place
12. Roller Rink
13. Our Night To Shine

Rascal Flatts
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Universal Music

Chris Stapleton – From A Room Volume 1 – CD-Review

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Ich schreibe ja schon seit mittlerweile fast zwanzig Jahren CD-Reviews und ein Großteil davon war immer dem New Country-Bereich gewidmet gewesen. Ein über die Jahre gefühlter, unterschwelliger Begleiter war Chris Stapleton, zwar nicht rein musikalisch, allerdings auf geschätzt, unglaublich vielen Alben, meist als Co-Songwriter. Und in der Tat hat er ja auch so ziemlich für alles, was Rang und Namen hat, wie u. a. George Strait, Kenny Chesney, Luke Bryan, Tim McGraw und sogar für Popstern Adele als kreativer Ideengeber gewirkt.

Selbst auf dem neuen Jubileumsalbum der ebenfalls preisgekrönten Rascal Flatts, das demnächst hier besprochen wird, hat er mit „Vandalized“ schon wieder seine Finger mit im Spiel. Unterdrückt man mal seine ersten eigenen überschaubaren musikalischen Erfolge als reiner Musiker mit der Bluegrass-Band The SteelDrivers, ging es bei ihm aber erst 2015 mit dem Solo-Album „Traveller“ so richtig los, ja es brach mit den CMA-Awards, als er gleich drei Titel abräumte, fast schon ein richtiger Hype um seine Person aus.

Ob dem kauzigen, eher introvertiert wirkenden  Rauschebartträger der ganze Rummel so recht ist, wird er vermutlich nur selber wissen. „Traveller“ hat mich natürlich ebenfalls begeistert. Diese unaufdringlich instrumentierten Songs mit ihrer Melodik, dem hohen Wiederkennungswert und der starken Stimme des Protagonisten, sind schon wirklich faszinierend. So stieg die Spannung auf den Nachfolger in den letzten Wochen natürlich beträchtlich.

Jetzt ist sein neues Werk mit dem Namen „From A Room – Volume 1“ endlich da. Der Titel ‚Volume 1‘ suggeriert natürlich bereits, dass es weitere Auflagen geben wird und tatsächlich ist auch für Ende des Jahres die nächste Ausgabe geplant.

Was soll man sagen, die Scheibe ist klasse, aber auch von einer ergreifenden Schlichtheit geprägt! Das fängt mit dem nicht sonderlich visuell auffälligen Cover-Artwork an (nicht mal der Titel der Scheibe wurde auf dem Frontbild abgebildet, mit gerade mal neun, kompakt gehaltenen, kurzen Tracks, wurde die Maximalspielzeit einer CD nicht gerade ausgereizt, und die natürlich wieder bestechenden Songs, orientieren sich verständlicher Weise auch am sparsam instrumentierten Erfolgsrezept des Vorgängers.

Der vorab ausgekoppelte Opener „Broken Halos“ erinnert an den Titelsong des Debüts, beim folgenden Schwofer „Last Thing I Needed, First Thing This Morning“ (mit schön quäkender Mundharmonika, klasse Harmoniegesänge von seiner Frau Morgane), der einzigen Fremdkomposition, ist die spannende Frage, ob Chris einen ähnlichen Erfolg, wie einst 1983 Willie Nelson, mit dem Lied erzählen kann.

Kommen wir zu meinem Lieblingsstück: „Second One To Know“ ist der lebende beweis, dass Stapleton auch richtig (southern) rocken kann, klasse hier seine rotzige Stimme und sein E-Gitarren-Solo.  „Up To No Good Livin'“ ist ein steel-getränkter Slow-Waltz, wieder ist der Duettgesang des Ehepaars beeindruckend. ‚Reduktion‘ ist das Stichwort bezüglich des nur mit einer Akustikgitarre und Gesang konstruierten „Either Way“. Hier greift natürlich Stapletons grandiose Stimme, die sich dann auch brillant entfaltet.

Mit Stück 6 „I Was Wrong“ wechselt der Protagonist von der Countryschiene mehr auf die Bluesebene. Ein wunderbarer Slow-Blues voller Atmosphäre, tollen E-Gitarren und ergreifendem Gesang. Hier hast du wirklich, zumindest, was den Song betrifft, nix falsch gemacht, Chris!

Das ruhige „Without Your Love“ hätte auch gut auf Claptons damaliges „Ocean Boulevard 461“ gepasst. Tolle Nummer! Der Countryrock-Blues „Them Stems“ hat ein ähnlich rotzig freches Flair wie die eines Dan Bairds. Macht Laune. Bevor es jetzt zu überschwänglich wird, tritt Chris dann aber wieder auf die Bremse, um sich mit einem dezent introvertiert und psychedelisch-bluesig gehaltenen „Death Row“ wieder in seine Komfortzone zu begeben und gleichzeitig zu verabschieden.

Fazit: Das neue Album von Chris Stapleton „From A Room Volume 1“ ist schon richtig stark, aber nicht unbedingt auch ein Grund, vor Freude einen Doppelsalto mit dreifach angeschlossenem Flickflack zu machen. Bei allem Tamtam, das jetzt vermutlich wieder um seine Person veranstaltet wird, meine ich, dass man hier bei neun Stücken und nicht revolutionär neuer Musik, durchaus den Ball auf angepasster Höhe halten könnte. Und ich spekuliere mal, Chris persönlich wird das, von seinem Typus her, im Innersten, vermutlich auch ähnlich sehen. Trotzdem ist natürlich eine absolute Kaufempfehlung zu attestieren.

Mercury Records (2017)
Stil: New Country

01. Broken Halos
02. Last Thing I Needed, First Thing This Morning
03. Second One To Know
04. Up To No Good Livin‘
05. Either Way
06. I Was Wrong
07. Without Your Love
08. Them Stems
09. Death Row

Chris Stapleton
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Universal Music International

Frankie Ballard – 03.05.2017, MTC, Köln – Konzertbericht

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Eine Fahrt zu Konzerten nach Köln mit ihren verkehrstechnischen Besonderheiten (an vielen Stellen darf man z. B. nicht links abbiegen, abenteuerlich anmutende Parkplatzsuche), ist doch immer wieder schön, besonders, wenn man sich zu den, in dichtbesiedelten Wohngebieten liegenden Clubs, wie in diesem Fall, dem MTC, im Studentenviertel der Stadt, begeben darf.

Man mag es eine glückliche Fügung des Schicksals nennen, als nach mehreren vergeblichen Runden durch das Gebiet, sich plötzlich zwei junge Burschen, direkt vor der Nase, in ihr Auto zur Wegfahrt setzten, und der mitgereiste Fotograf Jörg Schneider und meine Wenigkeit sich dann in die enge Parklücke quetschen konnten.

Es war unser/mein erster Besuch im schlauchförmigen MTC-Club, der mich dann irgendwie an eine etwas verengte und etwas düstere Variante des ebenfalls nicht weit weg liegenden Luxors erinnerte. Nach und nach füllte sich die Location und als um 21:00 Uhr etwas unverhofft eine junge hübsche Dame, namens Marla, sich mit ihrer Akustikgitarre auf den bereitstehenden Barhocker vors Publikum setzte, hatten sich für einen Mittwoch in der Woche, geschätzt, gute 150 Zuschauer, für den eigentlichen Hauptact, den New Country Rocker Frankie Ballard, eingefunden.

Das langhaarige Mädel aus dem schönen Heidelberg ‚melancholierte‘ dann eine knappe halbe Stunde englisch gesungene Songs, aber im Stile und mit der Nonchalance einer französischen Liedermacherin/Chanteuse. Da das Anliegen der Reise jedoch nicht ‚Verliebt in Paris‘, sondern eher ‚Hungrig auf Nashville‘ war, ist man dann doch irgendwann froh gewesen, als Frankie Ballard inklusive ’seiner Jungs‘ Eddie Robinson, Travis McNabb und Robbie Harrington, mit dem launigen Opener „Drinky Drink“ die Bude ordentlich in Schwung brachte. Die Stimmung war von Beginn an bis zum Ende prächtig.

Das lag nicht zuletzt an der instrumentellen Qualität der beteiligen Burschen, ihrem agilen Auftreten, dem tollen Songmaterial (plus sehr stark interpretierter Covernummern wie u. a. „Folsom Prison Blues“ – Johnny Cash, „L.A. Woman“ – The Doors, „Hound Dog“ – Elvis, „You’ll Accomp’ny Me“ – Bob Seger) und natürlich auch an der mitnehmenden, freundlichen und humorvollen Führungsqualität des immer noch lausbubig wirkenden Protagonisten samt seiner tollen Stimme.

Frankie präsentierte im weiteren Verlauf unterhaltsame, kurzweilige, immer melodische Stücke aus dem eigenen Fundus seiner drei bisherigen Werke wie „Young & Crazy“, „Little Bit Of Both“, „Tell Me You Get Lonely“, „Wasting Time“, „It All Started With A Beer“ (die beiden letztgenannten Lieder mit Frankie an der Akustikgitarre), „Cigarette“, „Helluva Life“, „Good As Gold“ und „El Camino“, wobei man an der Setlist deutlich sieht, dass man sich naturgemäß vordergründig auf sein aktuelles Album „El Rio“ konzentrierte.

Wie bereits erwähnt, ein tolles Kollektiv dieses Quartett. Ballard überzeugte mit seinem rauchigen Gesang, guter und variabler Gitarrenarbeit sowie seiner aufs Publikum eingehenden und kommunikativen Art. Das kam hervorragend an. Der schlaksige Eddie Robinson beeindruckte mit vielen filigranen Fills und Soli, besonders klasse war’s, wenn er mit seinem Glasröhrchen zum Sliden ansetzte. Herrlich auch immer, wenn sich die beiden Gitarrenkönner zu den Southern Rock-typischen Twins ‚vereinten‘. Die Rhythmusfraktion mit Kraftpaket McNabb und Harrington, polterte, pumpte und groovte, was das Zeug hielt.

Mit der fulminanten, southern-rockigen Version von „Sunshine & Whiskey“ von gleichnamiger CD (erneut grandiose E-Gitarren von Robinson und Ballard) zum Abschluss des Hauptteils und der tosend eingeforderten Zugabe „You Could’ve Loved Me“ (wunderbare semi-akustische Ballade) verabschiedeten sich Ballard & Co. nach tollem Gig, wobei der Protagonist es nicht versäumte, am Ende auch noch ausgiebig Autogramme am Bühnenrand zu verteilen. Insgesamt somit eine fantastische Gesamtleistung von Frankie Ballard und Band! Er hat an diesem Abend hier sicherlich viele Freunde gefunden. Und auch die gute alte Domstadt am Rhein war deshalb mal wieder ihre Reise wert…!

Line-up:
Frankie Ballard (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)
Eddie Robinson (electric guitar, slide guitar, vocals)
Robbie Harington (bass, vocals)
Travis McNabb (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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