Theo Lawrence & The Hearts – Homemade Lemonade – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Dass Theo Lawrence als Kind von den White Stripes besessen war, hört man seinem ersten Studioalbum nicht unbedingt an. Harte Gitarrenriffs und wild trommelnde Schlagzeugbeats eines „Seven Nation Army“ sucht man auf „Homemade Lemonade“ vergebens, denn diesen Musikstil vermeidet Lawrence mit seiner vier Mann starken Begleitband „The Hearts“ und lässt lieber seine einnehmende Stimme sprechen.

Der 22-jährige Franzose kanadischer Herkunft singt im akzentfreien Englisch und dirigiert „The Hearts“ mal zu Soul und R&B, wie im Opener „Heaven To Me“ oder Soul-Country, der Roy Orbison und Elvis Presley als Vorbild hat in „Who I Was“. Auf dem Montreal Jazz Festival (Kanada), das international als eines der renommiertesten Musikfestivals angesehen wird, durften Theo Lawrence und die Band, bestehend aus Louis Marin Renaud an der Gitarre, Olivier Viscat am Bass, Keyboarder Nevil Bernard und Schlagzeuger Thibault Lecocq, bereits auftreten.

Der Versuch, das Album musikalisch einzuordnen, stellt eine Herausforderung dar. Die jungen Franzosen lassen sich halt in kein Korsett zwängen. „Never Let It Go“ ist feinster Modern-Pop-Soul-Sound, „A House But Not A Home“ hingegen beginnt mit einem 60er Beat-Riff, das auch von den Hollies stammen könnte und geht dann über in einen schnörkellosen Country-Rhythmus. Zartes Grillengezirpe hört man am Anfang von „Shanghai Lady“ bis dieses durch eine dumpfe Akustik-Gitarre überdeckt wird und in einen herrlichen Country Rock-Song übergeht. Ein gefühlvolles Duett rundet dieses hervorragende Lied ab.

60er & 70er Jahre-Soul gibt es auf „Heaven To Me“ zu hören, aber die Ausgestaltung des Tracks weist auch frische Akzente eines Michael Buble auf. Swamp-Rock, der einem CCR-Rhythmus, wie bei „Green River“ folgt, ist auf „Chew Me Up“ auszumachen. Bei „Sucker For Love“ denkt man unweigerlich, dass hier möglicherweise Mark Ronson produktionstechnisch unter die Arme gegriffen haben könnte, so klar klingt Amy Winehouse hervor: ein starkes Stück!

Der letzte Song „Count Me In Tomorrow“ deutet dezent auf Jim Reeves Evergreen „Distant Drums“. Die Vielseitigkeit dieser Produktion knüpft bei Nathaniel Rateliff an, der zu Beginn seiner Karriere noch die Singer/Songwriter-Schiene befahren hat, aber in den letzten Jahren das Rhythm & Blues-Feuer mit Country und Soul Einflüssen neu entfachte. Etwas Vergleichbares kann man nur Theo Lawrence wünschen.

Das Album „Homemade Lemonade„ von Theo Lawrence & The Hearts vermittelt eine außerordentliche Souveränität und lebt von der wandlungsfähigen Stimme des Bandleaders, die mal soulig ist, dann wieder in einen Country-Jargon übergeht und schließlich noch rauchig und kräftig die Songs vorantreibt.

BMG (2018)
Stil: Soul-Rock, Rhythm & Blues, Country

01. Heaven To Me
02. Never Let It Go
03. Chew Me Up
04. Search Your Heart
05. My Sunshine Is Dead
06. A House But Not A Home
07. Sucker For Love
08. Who I Was
09. Shanghai Lady
10. Count Me In Tomorrow

Theo Lawrence & The Hearts
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Oktober Promotion

Soul Return – Same – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Soul Return“ ist das erste Album der gleichnamigen kalifornischen Band, bestehend aus der Sängerin und Mundharmonikaspielerin Kellie Rucker, dem Slide-Gitarristen JJ Holiday und dem Drummer Michael Barsimanto. Alle drei haben in der Vergangenheit, jeder für sich, bereits mit zahlreichen Größen aus dem Musikbusiness, wie zum Beispiel Bruce Springsteen, Bob Dylan, Keith Richards oder Andy Taylor zusammengearbeitet. Ergänzt werden die drei auf der CD durch den Bassisten Keith Karman.

Herausgekommen ist ein Album ganz in der musikalischen Tradition von Grateful Dead, Janis Joplin und Curtis Mayfield oder Howlin’ Wolf. Es ist die Rückkehr des California Soul, funky, groovy und teilweise auch ein wenig psychedelisch. Beherrscht wird das Werk von Kellie Ruckers prägnanter, rauer Stimme, die irgendwie an die Sangeskünste von Janis Joplin, mit Einflüssen von Macy Gray, erinnert, sowie dem einzigartigen rhythmischen Gitarrenspiel von JJ Holiday.

Gleich zu Beginn groovt es kraftvoll und mächtig mit „You’re Leavin‘ Me“. der Opener besticht direkt durch einen satten Bass, gepaart mit einem flotten Funk-Rhythmus und einem eingängigen Gitarrenriff im Refrain. Treibend geht es auch dann beim tranceartigen, zum Tanzen einladenden, „In The Meantime“ weiter. Der nächste Song „Life Of Crime“ ist ein fröhliches, eingängiges Soulstück mit schönen Einlagen von JJ Holiday an der Slidegitarre und Kellie Rucker an der Mundharmonika, die auch in „FYL“ einmal mehr ihre Qualitäten als Shouterin unter Beweis stellt.

Ihre an Janis Joplin erinnernde Stimme beherrscht ebenfalls das nachfolgende Stück „Only Love Can Save Us Now‘, ein schöner Country-angehauchter Blues, bei dem JJ Holiday erneut zeigt, was er an der Slidegitarre drauf hat. „Va Va Voom“ wiederum rockt so richtig, auch hier legt sich Kellie Rucker stimmlich wieder mächtig ins Zeug und lässt zwischendurch immer wieder Ihre Harp aufblitzen. Das fröhlich swingende „In America“ erinnert stilistisch stark an Songs von Lou Reed.

Die erste Verschnaufpause gibt es dann mit „Kiss Me“, ein Leidenschaft versprühendes, sinnliches Stück mit psychedelischem Mittelteil, in dem Kellies Stimme so verführerisch wie sonst nirgends auf der CD klingt. Das folgende „Throwin‘ And Fumblin’“ ist eine gelungene Interpretation des ähnlich lautenden Traditional „Rollin‘ And Tumblin’“ von Hambone Willie Newbern. In ruhigere Gewässer steuert die CD dann mit dem bluesig-melodiösen Stück „Had We Not“, das mit seinen Southern-Anleihen zum Träumen und Relaxen einlädt.

Auf das rhythmisch funkige „Talk To Me“ folgt dann als Abschluss der CD die einfühlsame Bluesballade „If These Walls Could Talk“, die Janis Joplin nicht besser hätte intonieren können und ihren Abschluss in einem vor Verzweifelung schreienden Gitarrenjam findet.

Insgesamt ist das Debüt von Soul Return eine wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen herausragende Scheibe, die von Anfang bis Ende einfach nur Spaß macht und die auch nach dem x-ten mal Hören nicht langweilig wird. Also, eine absolute Kaufempfehlung mit 5 Sternen.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. You’re Leavin‘ Me
02. In The Meantime
03. Life Of Crime
04. FYI
05. Only Love Can Save Us Now
06. Va Va Voom
07. In America
08. Kiss Me
09. Throwin‘ And Fumblin‘
10. Had We Not
11. Talk To Me
12. If These Walls Could Talk

Soul Return
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Fred Chapellier & The Gents featuring Dale Blade – Set Me Free – CD-Review

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Puh, nach dem ersten Song „Ain’t No Fool“ dieses oben abgebildeten Werkes hatte ich zunächst die Befürchtung, mir so eine richtige Altherren-Blues-Scheibe eingefangen zu haben. Aber spätestens mit dem nachfolgenden würzig soulig rockenden Titelstück „Set Me Free“ und dem weiteren Verlauf der CD lösten sich diese wieder schnell in Wohlgefallen auf.

Das Projekt des französischen Gitarrsiten Fred Chapellier und des aus New Orleans stammenden Blues-Veteranen Dale Blade (genannt auch ‚die Stimme Louisianas‘), zusammen mit den weiteren Musikern Christophe Garreau (bass), Guillaume Destarac (drums), Philippe Biloir (keys) und Pascal Mikaelian (im Kollektiv als The Gents firmierend), birgt seinen Ursprung im Jahr 2014, als Chapellier und Blade beim Cahors Blues Festival den, auch auf diesem Werk vertretenen Song „The Clock“ (souliger Blues) vorführten und fortan, den Drang nach einer intensivierten Zusammenarbeit verspürten.

Dieser mündet jetzt in ein insgesamt sehr ansprechendes Blues Rock-Werk, das, vermutlich dank Blades Integration, immer wieder auch dezent von südstaatlichem Flair durchzogen wird. Er hat eine wirklich gutes Gesangsorgan, das sich irgendwo in Sphären zwischen einem Malford Milligan (Storyville) und auch Steve Winwood bewegt.

Der Bandleader zeigt sich als starker songdienlicher E-Gitarrist, der alle klassischen Blues Rock-Spielarten und -Soli in petto hat (klasse z. B. sein claptoneskes Wirken bei „Old School Blues“), aber auch durch aus mal in südstaatliche Gefilde a la Dickey Betts, bzw. der Allmans abdriftet (beim Instrumental „The Gents“, „Crying With The Blues“ oder dem Atlanta Rhythm Section nahestehenden „I’m Back“).

Dass es eine richtige Entscheidung war, Blade den Part am Mikro zu überlassen, offeriert übrigens ganz gut der finale Track des Albums „Thank You Lord“, der sich gesangstechnisch als keine Offenbarung Chapelliers erweist (das einzig von ihm besungene Lied).

Ein weiterer, viele Akzente setzender Musiker auf dieser Scheibe ist Pascal Mikaelian. Bei seinem variantenreichen Harpspiel werden z. T. Erinnerungen an Topper Price oder auch an Magic Dick von der J. Geils Band geweckt.

Insgesamt ist „Set Me Free“ von Fred Chapellier & The Gents featuring Dale Blade trotz kleinerer, aber verschmerzbarer Schwächen zu Beginn und Ende, ein überzeugendes Album, mit guten gestandenen Musikern und einer gelungenen Mischung aus traditionellem und modernem Blues Rock, das sicher zum Teil auch bei Südstaaten Rock-Fans Anklang finden wird (Storyville oder Savoy Brown sind vielleicht so ähnlich gepolte Vergleichskandidaten).

Erwähnenswert zudem das ansprechend edel gestaltete Coverartwork des DigPaks mit eingeklebtem Hochglanzbooklet samt der Songtexte und schönen Portraitfotos aller Bandmitglieder.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues Rock

01. Ain’t No Fool
02. Set Me Free
03. My Reason To Live
04. Love Holiday
05. Crying With The Blues
06. The Gents
07. I’m Back
08. I Don’t Wanna Know
09. The Clock
10. Old School Blues
11. Bet On The Blues
12. 3’45 AM
13. Thank You Lord

Fred Chapellier & The Gents featuring Dale Blade
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Sue Foley – The Ice Queen – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die produktive Blues-Musikerin Sue Foley brachte in 20 Jahren 15 Alben heraus. Ungewöhnlich lange – nämlich sechs Jahre – ließ sie sich für ihr neues Werk „The Ice Queen“ Zeit. Dies mag damit zusammen hängen, dass sie an einem schriftstellerischen Großprojekt über berühmte Gitarristinnen arbeitet. In ihrer Karriere stand die Kanadierin mit so unterschiedlichen Musikern wie Solomon Burke, BB King, Van Morrison, Tom Petty, George Thorogood, Lucinda Williams und Johnny Winter auf der Bühne oder im Studio. Für ihren aktuellen Longplayer konnte Foley ebenfalls illustre Gäste gewinnen: Charlie Sexton, Jimmie Vaughan und Billy F. Gibbons.

Charlie Sexton, der Bob Dylan als Bandmitglied begleitet und die Arc Angels mitbegründete, unterstützt Sue Foley auf zwei Titeln. Bei dem Opener „Come To Me“ steuert Sexton leichte Slide-Passagen ein und wertet mit seinem Gesang den Chorus des Midtempo-Tracks auf. Die Stimmen von Sexton und Foley erzeugen einen prima Flow. Auch bei „81“ ist Sexton beteiligt. Sein Harmoniegesang fällt hier allerdings dezent aus. Der Titel glänzt durch die Gitarrenarbeit in Kombination mit der Orgel von Mike Flanigin. Foleys Gesang transportiert zudem ein kraftvolles Blues-Feeling, sodass der Song zu meine Favoriten unter den langsameren Stücken avanciert.

Die herausragende Nummer der Scheibe ist jedoch „The Lucky Ones“, die zu Recht als Single vorab ausgekoppelt wurde. Der Rhythmus erinnert an „The Wanderer“ von Dion. Sue Foley und Jimmy Vaughan singen entspannt einen dialogisch angelegten Text. Die gemeinsamen Textpassagen sind angenehm harmonisch und versetzen in die Blütezeit des Rock ’n Roll der 50er oder frühen 60er zurück. Im gleichen Stil und Tempo ist der einzige nicht von Foley geschriebene Titel „Send Me To The ‚Lectric Chair“ gehalten.

Staubtrocken und gelassen klingt die unverkennbare Stimme von Billy Gibbons auf „Fools Gold“. Sie steht in einem schönen Kontrast zu Foleys klarem Gesang. Ein Orgel- und ein längeres Gitarrensolo setzen sich vor den gleichmäßigen Midtempo-Rhythmus, sodass keine Monotonie aufkommt.

Foley ist nicht auf die Prominenz angewiesen. Die Zusammenarbeit mit den Gästen zahlt sich allerdings bei den Songs aus und bereichert die äußerst abwechslungsreiche CD. Foley gibt Einblicke in unterschiedliche Facetten ihres künstlerischen Schaffens als Gitarristin und Sängerin. Diese reichen von der knackigen Uptempo-Nummer „Run“ über verschiedene Interpretationen des Blues bis zum Folk.

Auf den Stücken „The Ice Queen“ und „Death Of A Dream“ wird Foley lediglich von Upright Bass und Schlagzeug begleitet. Bei dem Titelstück zelebriert sie mit ausgedehnten Gitarrensoli den Blues. Auf dem anderen Song zupft sie die Saiten sanft und der Besen wischt dezent über die Drums. Vor dem inneren Auge erscheint eine kleine Bar, in dem die Musik den abendlichen Drink untermalt. Eher für die größeren Clubs sind „Gaslight“ und „If I Have Forsaken You“ aufgrund der umfangreichen Band geeignet.

Der Soul des ersten Titels mit Orgeltupfern und Saxophon-Einlage erinnert an The Commitments. Die zweite Nummer hat einen breiten Soundteppich, der vor allem durch die Orgel und die fünf Mitglieder der Texas Horns erzeugt wird. Foley gibt ihrer Stimme hier einen weichen Klang, der sehr gut zu der getragenen Grundstimmung passt. Am Ende des Longplayers finden sich zwei Solobeiträge von Foley. Bei „The Dance“ experimentiert sie mit Flamenco-Klängen. „Cannonball Blues“ überrascht als eingängiger Folksong.

„The Ice Queen“ bietet einen sorgfältig arrangierten Querschnitt durch die Spielarten des Blues. Vielleicht schwebte Foley eine Hommage an die Klassiker dieser Musikrichtung vor, denn viele Elemente klingen vertraut, ohne dass die Vorbilder lediglich kopiert werden. Eingefleischte Blues-Fans werden vermutlich ihre Freude am Entdecken der vielfältigen Bezüge haben. Für mich fällt das Album im letzten Viertel bei den reduziert instrumentalisierten Stücken etwas ab. Die anderen Songs und besonders die Duette mit den männlichen Gesangspartnern lohnen aber auf alle Fälle.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Come To Me (feat. Charlie Sexton)
02. 81
03. Run
04. The Ice Queen
05. The Lucky Ones (feat. Jimmie Vaughan)
06. Gaslight
07. Fool’s Gold (feat. Billy F. Gibbons)
08. If I Have Forsaken You
09. Send Me To The ‚Lectric Chair
10. Death Of A Dream
11. The Dance
12. Cannonball Blues

Sue Foley
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Blues Caravan – 21.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein grandioser Abend im Musiktheater Piano in Dortmund! Labelinhaber Thomas Ruf, hat diesmal im Rahmen eines 22 Konzerte umfassenden Blues Caravans durch Deutschland mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei echte Blues-Rock-Schwergewichte auf die Reise geschickt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky noch eine talentierte weibliche Newcomerin in Obhut gegeben, deren neue CD „Bad Penny“ es auch ein wenig bei uns zu promoten galt.

Dem nicht genug. Mit Star-Bassist Roger Inniss, den wir ja neulich schon bei Tasha Taylors Konzert bewundern durften, und dem furiosen Drummer aus der Bernard Allison Band, Mario Dawson, wurde das musikalische Treiben der drei Protagonisten in Sachen Rhythmus-Sektion, mit absoluter Weltklasse unterfüttert.

Auch Bernard Allisons neues Werk „Let It Go“ steht in den Startlöchern, zudem hatte Ruf Records ja noch anlässlich des 20. Todestages seines Vaters Luther im letzten Jahr ein fantastisches, limitiertes LP-Set auf den Markt gebracht, sodass der Geist dieser Blues-Musik-Ikone naturgemäß im Konzert  mitschwebte und auch mit Stücken gehuldigt wurde.

Aber von vorne. Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich!), betraten die Musiker samt Label-Chef die Bühne. Blickfang war zunächst natürlich der weibliche Part des Trios, der mit hochhackigen Stiefeletten, einer super-eng anliegenden Leggings und einem Flokati-ähnlichen weißen Überwurf, rein optisch, auch eher anderen Gewerben als dem Blues-Musikertum, hätte zugeordnet werden können. Aber was soll’s, scheiß was auf ‚Haute Couture‘, hier geht’s schließlich um Musik!

Nach Rufs Vorstellung stieg das Quintett mit Luther Allisons „Low Down And Dirty“, dem Stück, mit dem man das Ereignis auch als Trailer beworben hatte, in den Gig ein. Der abwechselnde Gesang der drei Hauptdarsteller und die surrenden E-Gitarren (Bernard mit klasse Slide), samt des damit verbundenen Southern Blues Rock-Flairs, waren natürlich direkt nach unserem Gusto. Stark!

Zu loben ist besonders die kurzweilige Gestaltung des Abends. Im Anschluss hatte jeder der drei Protagonisten Gelegenheit, sich in kleineren Segmenten, in eigener Sache zu präsentieren und zeitweise zu pausieren. Lediglich Inniss und und Dawson mussten richtig schuften, die spielten von Beginn bis Ende durch.

Los ging es mit Vanja Sky, die mit ein paar Stücken aus ihrem neuen Album „Bad Penny“ aufwartete. Ihre gute Stimme, ordentliches Gitarrenhandwerk und Songwriting, geben Hoffnung, in einem, von Damen mittlerweile auch stark frequentierten Genre, demnächst Fuß fassen zu können. Mike Zito kam zur Unterstützung zweimal mit auf die Bühne. Hängen blieb u. a. das Slide-trächtige „Crossroads Of Life“,  die Rory Gallagher-Cover-Nummer „Bad Penny“ und das Rhythm-bluesige, abschließende „Give Me Back My Soul“.

Als nächster war mit Mike Zito, einer meiner persönlichen Lieblings-Blues Rocker, an der Reihe. Mit seiner tollen Stimme, seiner Southern-umwehten Interpretation des Blues Rocks und all seinen ausnahmslos starken Alben, hat er sich schon lange in mein Herz gespielt. Jetzt hatte ich endlich auch mal die Gelegenheit, ihn live zu erleben (übrigens, wie sich nachher am Merchandising- Stand herausstellte, auch ein sehr sympathischer Typ).

„One More Train“, „Keep Coming Back“, das überragende „Gone To Texas“, „Wasted Time“ (mit Stevie Ray Vaughan-Flair) und „Make Blues Not War“, das Titelstück seines aktuellen Albums, und das Southern Rockige „Highway Mama“ hießen die Stationen seiner brillanten ‚Solo‘-Performance. Danach folgte eine viertelstündige Pause.

Der wie ein Rasta-lockiger Mafiosi in Erscheinung tretende Bernard Allison, legte als Spaßmacher im Bunde samt Inniss und Dawson, mit einem fingerfertigen Instrumental los und servierte mit dem Reggae-umgarnten „Love Was Meant To Be“ meinen Favoriten seines Sets nach. Auch seine Version von Hendrix „Voodoo Child“ in einer ‚Extended Version‘ war der Hammer.

Der mit satten vier Stücken gestaltete Zugabenbereich stand dann nochmals mit u. a. „Life Is A Bitch“, bei dem dann alle wieder zugegen waren, im Zeichen von Luther Allison. Am Ende konnten auch Roger Inniss und Mario Dawson mit zwei furiosen Solo-Einlagen auf ihren Arbeitsgeräten glänzen, wobei Letztgenannter auf seinem Schlagzeug (teilweise mit sich überkreuzenden Schlägen) regelrecht wütete.

Nach fast 3 Stunden (inkl. der Pause) ganz großer Blues Rock-Schule ging es anschließend noch am Merchandising-Stand weiter und es durfte sich über reißenden Tonträger-Absatz, den man sich auch redlich verdient hatte, gefreut werden. Sky, Zito und Allison standen am Ende auch noch anstandslos für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie zur Verfügung.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit spielfreudigen und gut gelaunten Akteuren, der keine (Blues Rock)-Wünsche offen ließ. Wer die reichhaltigen Gelegenheiten bei den noch kommenden Konzerten, verstreichen lassen sollte, verpasst wirklich einen musikalischen Genuss. Blues Caravan 2018 – Hingehen Pflicht!

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Vanja Sky
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Bernard Allison
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Mike Zito
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Gregg Allman – Southern Blood (Deluxe Edition) – CD-Review

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Ich muss ja schon sagen, dass es mich unheimlich gefuchst hat, dass wir Gregg Allmans letztes Werk „Southern Blood“ nicht zum Besprechen erhalten haben. Gerne hätte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch ein paar würdigende Worte über ihn verfasst, zumal sich vorher in unserem, noch jungen Online-Medium keine Gelegenheit ergab, mal eine Rezension über ihn zu verfassen. Und was ist schon ein echtes Southern Rock-Magazin ohne ein solch musikalisches Schwergewicht im Künstlerindex?

Nun gut, wenn auch etwas verspätet, ist sein finales Album „Southern Blood“ doch auf Umwegen in meinem CD-Player gelandet. Aber von vorne. Gregg Allman ist natürlich ein Musiker und charismatischer Frontmann, der meinen musikalischen Weg seit frühster Jugend, mehr als nachhaltig begleitet hat. So war beispielsweise die Allman Brothers-LP „Brothers & Sisters“ mein allererster, mit eigenem Geld gekaufter Tonträger. Viele weitere im Dunstkreis der Allmans folgten im Verlaufe der Zeit.

Amüsant war damals seine Kurzehe mit Cher, ich meine mich an ein Zitat von ihr zu erinnern: „Für Gregg Allman sind Frauen nur für zwei Dinge gut: Die Betten zu machen, um sich anschließend wieder reinzulegen…“. Toll fand ich damals ihren gemeinsamen Song „Can You Fool“.

Live habe ich seine charismatische Ausstrahlung zweimal im Rahmen der Allman Brothers Band bewundern können. Einmal in der damals 1980 ausverkauften Kölner Sporthalle und später 1991 noch mal im E-Werk, ebenfalls in der Domstadt.

Aus seinen Solophasen befinden sich auch diverse Tonträger in meinem Besitz. Seine letzte in den Fame Studios in Muscle Shoals aufgenommene Veröffentlichung nun, mit dem plakativen Titel „Southern Blood“, wenn auch überwiegend mit Covernummern bestückt, bildet trotzdem einen würdigen und runden Abschluss seines beachtlichen Lebenswerkes.

Vermutlich war es für alle Involvierten keine einfache Sache, diese Songs im Angesicht des Todes und der damit verbundenen körperlichen Konstitution dieses Ausnahmemusikers, überhaupt zustande zu bringen. Ich gehe von einer unheimlich psychischen Belastung aus, zumal die Lieder teilweise auch textlich zur bedrückenden Situation passen.

Gar nicht wissen möchte man, wie es Gregg persönlich innerlich dabei ging, es heißt, dass er oft nur wenige Stunden im Studio präsent sein konnte und teilweise immer wieder unterbrochen werden musste. Alles in Allem hat Produzent Don Was am Ende ein einfühlsames Ganzes hinbekommen, das in Deluxe-Version noch um zwei Live-Tracks erweitert ist.

Im Großen und Ganzen wurden hier Greggs musikalische Vorlieben in seiner Karriere weitestgehend umrissen. Die bis auf ganz wenige Ausnahmen meist balladesk gehaltenen Songs beinhalten, naturgemäß bluesige Southern Rock- und Country-Einflüsse. Was vielleicht neu anmutet, ist die hier relativ omnipräsente Einbindung einer Bläserfraktion in jedes Stück, als auch die gospeligen Harmoniegesänge (verkörpert durch die McCrary Sisters) und somit ein verstärktes souliges Flair. Auch die Percussion-Unterstützung und viele Steel-Gitarren-Einlagen verbindet man jetzt nicht unbedingt mit seinem Namen.

Gänsehaut bekommt man sofort beim Opener „My Only True Friend“, eine der beiden neuen Kompositionen auf dieser Scheibe, die Gregg mit seinem Gitarristen und musikalischen Direktor Scott Sharrad kreiert hat. Sharrad hat im Text quasi den schon lange verstorbenen Bruder Duane zu Gregg sprechen lassen. Toller Einstieg in das Album!

Ein weiterer bewegender Moment ist für mich ist „I Love The Life I Live“, weil er das southern bluesige Terrain beschreitet, auf dem sich Gregg am pudelwohlsten fühlte und wohl auch sein Lebensmotto wiederspiegelt. Beim Hören spürt man, wie sich der Protagonist hier mit letzten Kräften, nochmals vokal so richtig reinhängt. Am Ende beim von Jackson Browne geschriebenen und unterstützten  „Song For Adam“ (mit (Harmoniegesängen), merkt und fühlt man ebenfalls förmlich am eigenen Leibe, dass hier der Kampf eines großen Künstlers zu Ende ging.

Mit Gregg Allman verliert die Southern Rock-Gemeinde eine weitere und mit eine ihrer letzten wahren Ikonen. Auch wenn er zeitlebens kein Engel war („I’m No Angel“) verabschiedet er sich mit „Southern Blood“ würdevoll in den Southern Rock And Roll Heaven und befindet sich jetzt hoffentlich wieder im illustren Kreise von Duane und seiner Brüder im Geiste wie Butch Trucks, Ronnie Van Zant, Toy Caldwell, Hughie Thomasson und Co. Mach et jut, Midnight Rider!

Concord Records (2017)
Stil: Southern Blues Rock

01. My Only True Friend
02. Once I Was
03. Going Going Gone
04. Black Muddy River
05. Love The Life I Live
06. Willin‘
07. Blind Bats And Swamp Rats
08. Out Of Left Field
09. Love Like Kerosene
10. Song For Adam (feat. Jackson Browne)
11. Love The Life I Live (Live)
12. Love Like Kerosene (Live)

Gregg Allman
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Beth Hart & Joe Bonamassa – Black Coffee – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schwarzer Kaffee ist sicherlich nicht das typische Getränk, das man mit Rockmusik in Verbindung bringt. Vom Geschmack her sehr kraftvoll, kann schwarzer Kaffee gleichzeitig mit seinem unverfälschten Aroma überzeugen. Nein, das hier soll kein Bericht über eine Kaffeeverköstigung werden, aber das neue Album von Beth Hart und Joe Bonamassa, „Black Coffee“, wird mit diesen Attributen vortrefflich beschrieben: kraftvoll und unverfälscht.

Wenn der Scheinwerfer auf Joe Bonamassa gerichtet wird, sind Superlativen unvermeidbar. Das Wort „Gitarrenikone“ fällt in diesem Zusammenhang und seine Konzerte werden als „Guitar Event of the Year“ angekündigt. Seit den letzten Jahren hat er den Status als unangefochtene Zugspitze des jungen, modernen Bluesrock inne. Von daher ist eine Albumveröffentlichung des US-Amerikaners ein künstlerisches Großereignis.

Aber es steht halt nicht nur Joe Bonamassa auf dem Cover, sondern auch wieder Beth Hart. Die schrille und extravagante Bluesrockerin singt bereits zum dritten Mal an seiner Seite. Zwei Studioalben „Seesaw“ (2013) und „Don’t Explain“ (2011) und ein furioses Livealbum aus Amsterdam (2014) haben beide bereits zusammen aufgenommen. Auf „Black Coffee“ setzen sie Bewährtes gut fort. Zum einen wieder mit Kevin Shirley (u.a. Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith, Black Crowes) als Produzenten, der sich im Hard- und Bluesrock-Genre wohl fühlt. Zum anderen mit alten und neuen musikalischen Schätzen, die sie sich unnachgiebig und explosiv einverleiben.

Der kraftvolle Hard Rock Opener „Give It Everything You Got“ besticht mit voluminösem Sound, Joes ausgiebigem Solo und schönen Bläsersätzen. Auf „Damn Your Eyes“ glänzt Reese Wynans mit feiner Keyboarduntermalung. Den Titelsong „Black Coffee“, ein Ike und Tina Turner Cover, begleitet ein charismatischer Background Gesang in Motown Soul-Manier. Das langsame soul-jazzige „Lullaby Of Leaves“ beginnt sehr eintönig, rettet sich dann aber doch noch furios, mit einem 2-minütigen Gitarrensolo.

Eher swing-jazzige Töne gibt es auf Joe McCoys „Why Don’t You Do It Right“ von 1941 zu hören. Die 45-järige Beth Hart singt darauf rotzig und frech, erinnert dabei ein wenig an Amy Winehouse und man sieht sie schon förmlich vor sich mit dem Zeigefinger mahnend „„Why Don’t You Do It Right“, so intensiv kommt ihre Stimme rüber. „Saved“ ist eine schmissige Rhythm & Blues Nummer: mitreißend und tanzbar! „Sitting On Top Of The World“, ein typischer Blues-Rocker mit erneuter Bläseruntermalung, wurde bereits von Blues Größen wie Howlin‘ Wolf, B.B. King, Cream und Grateful Dead eingespielt. Dennoch schaffen es Beth und Joe dem Track, durch diese Big Band-Version wieder ihren unnachahmlichen Stil zu geben.

Das Album lebt von der guten und abwechslungsreichen Auswahl wunderschöner Songwriting-Perlen. Hart und Bonamassa verpassen den Songs dabei einen markanten und unverwechselbaren Sound. Die Arrangements überzeugen auf ganzer Linie und die fantastischen Gitarrenpassagen kommen anziehend intensiv zur Geltung. Kevin Shirley hat aus den gerade mal 5-Tage-Aufnahmesessions eine perfekt ausbalancierte Produktion abgeliefert. Da alle Songs mehr oder weniger live im Studio eingespielt wurden, kommt die Unverfälschtheit und nahbare Spontanität sehr gut zum Ausdruck.

„Joy, joy, joy“ ruft Beth Hart auf dem nächsten Track, der mit seinem unwiderstehlich stampfenden Rhythmus fesselt. Freude kommt bei diesem Album definitiv auf! Das abschließende „Addicted“ passt auf den ersten Blick nicht so recht auf die Liste zwischen 40-60er Jahre Blues, Soul und Jazz Nummern. Dem im Original Trip Hop Lied des österreichischen Elektrotrios Waldeck von 2007, drücken Joe und Beth aber ihren ganz eigenen hippen, musikalischen Stempel auf. „Addicted“ als abschließender Song, passt sehr gut, denn am Ende dieses Albums ist man wortwörtlich tatsächlich „Addicted“. Bitte zurücklehnen, unbedingt laut aufdrehen und genießen, gerne auch bei einem „Black Coffee“.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Give It Everything You Got
02. Damn Your Eyes
03. Black Coffee
04. Lullaby Of The Leaves
05. Why Don’t You Do Right
06. Saved
07. Sitting On Top Of The World
08. Joy
09. Soul On Fire
10. Addicted

Beth Hart & Joe Bonamassa
Beth Hart
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The Quireboys – White Trash Blues – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

The Quireboys spielen Blues? Ihre größten Erfolge hatten die Quireboys in den frühen 90er Jahren, wo inbesondere das Debutalbum „A Bit Of What You Fancy“ hervorzuheben ist, das in den UK-Album-Charts bis auf Platz 2 gelang. Springen die Quireboys nun auch auf den Zug auf, den zur jetzigen Zeit viele Musiker vollziehen, die oft auch zum Karriereende noch einmal einen kommerziellen Erfolg oder aus Spaß einen Cover-Blues Sampler herausbringen?

Zunächst war ich sehr skeptisch, wenn man die Ursprünge der Quireboys sieht, die eher in Richtung Glam- oder Hardrock einzustufen sind. Schon beim ersten Titel „Cross Eyed Cat“, einem Muddy Waters-Klassiker zum Einstieg, werden die Bedenken schon beiseite geschoben. Die Quireboys geben dem Song ein neues Gewand und verbinden damit ihren eigenen rockigen Stil mit dem Blues, wo Spikes Gesang wie die Faust aufs Auge passt und Keith Weir mit Keyboardeinlagen glänzen kann.

Auch bei den weiteren Stücken wie „Boom Boom“ von John Lee Hooker zeigen die Quireboys, dass sie den Blues können. Insgesamt sind die Songs etwas härter gespielt als die Originale, was aber schon in der Natur der Band liegt und ihnen ein eigenes Flair verleiht. Wer will schon alte Bluesklassiker Ton in Ton von anderen Musikern hören? Weder der Bluesfan und die alteingesessenen Quireboys-Fans mit Sicherheit auch nicht.

So gelingt eine Symbiose, die sowohl eher den Hardrock zugewandten Fans, wie auch den Blues-Liebhabern gerecht wird. Besonders hervorzuheben sind „Going Down“ von Freddie King, eine Mischung aus Hard- und Bluesrock, wo Spike vom Gesang schon fast dem Stile eines Dan McCafferty von Nazareth nahekommt und durch das treibende Gitarrenspiel der zwei Gitarristen Guy Griffin und Paul Guerin Fahrt aufgenommen wird. „Leaving Trunk“ von Johnny Jenkins und „Little Queemie“ von Chuck Berry, kommen dem bekannten Sound der Quireboys am nächsten.

Fazit: ein starkes Album, in dem die Quireboys beweisen, dass sie auch den Blues in verschiedenen Stilen können, ohne ihre eigentlichen Wurzeln zu verlieren, wobei dieser ja eh als Wurzel fast aller Rockstile gesehen werden kann. Auch die anfangs genannte Skepsis, dass es sich um einen Versuch im Rahmen der Aufmerksamkeitsgewinnung handeln könnte, ist zu verneinen. Die sechs Musiker haben, zumindest im Studio noch die Dynamik und Spielfreude, welche sie schon vor knapp 30 Jahren auch live auszeichnete.

Positiv hervorzuheben ist, dass nicht versucht wurde, einen Abklatsch alter Bluesklassiker abzuliefern, sondern dass allen Songs ein charmanter Quireboys-typischer Touch gegeben wurde. Von daher Kaufempfehlung und Augen auf, wann die Quireboys das nächste Mal live in der Nähe auftreten. Es könnte interessant sein, dabei zu sein, wie es der Band gelingt die Bluesklassiker und eigene Songs einem Publikum zu präsentieren, in dem sowohl (Hard-) Rock wie auch Bluesrockfans auf ihre Kosten kommen könnten.

Line-up:
Spike (vocals)
Guy Griffin (guitar)
Paul Guerin (guitar)
Keith Weir (keyboards)
Nick Mailing (bass)
Dave McCluskey (drums)

Off Yer Rocka Recordings (2017)
Stil: Blues Rock

01. Cross Eyed Cat
02. Boom Boom
03. I Wish You Would
04. Take Out Some Insurance
05. Going Down
06. Help Me
07. Shame Shame Shame
08. Im Your Hoochie Coochie Man
09. Leaving Trunk
10. I’m A King Bee
11. Walking The Dog

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Tasha Taylor – 28.11.2017, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Wunderbarer, souliger Blues-Abend mit Tasha Taylor! Trotz vieler Locations, die Gernot und ich in der vergangenen SoS-Zeit (und auch schon zuvor) besucht haben, galt es an diesem Dienstag, beim geschätzten Pädagogen noch eine Bildungslücke zu schließen.

Die aus Dallas, Texas, stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Tasha Taylor, feierte in der urigen Leverkusener Kultkneipe topos ihr Auftrittsdebüt. Auch Gernot hatte diese liebevoll gestaltete, eigenwillige Altbau-Lokalität mit Wohnzimmercharakter, bisher noch nie kennengelernt und kam nach dem Betreten derselben aus dem Staunen erstmal nicht raus, was vermutlich bisher wohl jedem so ergangen ist.

Als die Band zunächst alleine die enge Bühne betrat, um sich mit einem Instrumental kurz warm zu spielen, hatten sich letztendlich um die fünfzig Leute (was mengenmäßig für das kleine topos an so einem Wochentag schon ganz ordentlich ist) eingefunden.

Die hübsche Protagonistin mit den fein geflochtenen langen Haaren, stieß nach Abschluss des Stückes dazu und brachte den Gig des amerikanisch/karibisch/skandinavisch zusammengestellten Kollektivs mit dem souligen Schwofer „I Got Love“ langsam ins Rollen.

Die Tochter des berühmten Stax Records-Künstlers Johnnie Taylor moderierte dann ganz charmant durch den Verlauf des Konzertes, in dem sie fast zu jedem Song eine kleine Anekdote (meist aus ihrem Leben) parat hatte, in denen natürlich auch der Vater seinen Platz hatte und samt seiner Songkreationen wie „Lost Two Dollars“ und dem schön ’shaky‘ vorgetragenen „Who’s Making Love“, das zum Ende in einer wahren Gospel-Orgie endete, gewürdigt wurde.

Tasha und ihr routiniert und perfekt begleitendes Quartett, bestehend aus dem unaufgeregt spielenden und solierenden E-Gitarristen Davide Floreno (auch mit ein paar Harmoniegesängen), der berühmten Bassisten-Koryphäe Roger Inniss (Climax Blues Band, Mick Taylor, Snowy White, Kid Creole, etc. – mit sechsaitigem Tieftöner) sowie Schlagzeuger Oli Ontronen und dem herrlich klimpernden Pianisten Samuli Rautiainen (hatte neulich ja schon Ina Forsman begleitet), boten den Anwesenden einen schönen Reigen aus Soul-, Blues-, Rhythm & Blues und Rock-Ingredienzien, wobei ihre markant kräftige Stimme natürlich im Mittelpunkt stand.

Zwischenzeitlich griff sie bei eigenen Tracks aus ihrem aktuellen Werk „Honey For The Biscuit“ wie „What Difference Does It Make“, „Wedding Bells“ oder „Leave That Dog Alone“ auch mal zur Telecaster oder assistierte ihren Leuten mit dem Tambourine (u. a. bei „Weatherman“).

Amy Winehouse („Valerie“), Otis Redding („Thes Arms Of Mine“), Eddie Floyd („Knock On Wood“), Etta James (I Just Wanna Make Love To You“) und Aretha Franklin („Natural Woman“) wurden als persönliche Vorbilder Tashas mit Coverversionen musikalisch zitiert, mein Highlight des Abends war der Gänsehaut erzeugende melancholische Ohrwurm „There’s A Way“ samt ihrer emotionalen Vokal-Performance. Klasse!

Nachdem Tasha das Publikum bereits beim, den Hauptpart abschließenden Daddy-Track „Who’s Making Love“, in Mitsing-Ekstase versetzt hatte, animierte sie ebenfalls bei der furios abgehenden Etta James-Zugabe „Tell Mama“ (auch durch Janis Joplin bekannt geworden) im Stile einer Hohepriesterin, zum, mit vielen ‚Yeah‘-Rufen gespickten Gospel-Showdown, bei dem das topos fast einer Kirche in Memphis glich.

Nach Ende des wunderbaren Konzertes stand sie in Sachen Merchandising natürlich allen Anwesenden zur Verfügung und erwies sich auch hier als äußerst sympatisches und unkompliziertes ‚Southern Girl‘, das unserer Bitte nach dem obligatorischen Bild für die VIP-Galerie (Gleiches gilt für Roger Inniss) anstandslos nachkam. Solche Dienstage darf es gerne öfter geben. Ein toller Abend mit Tasha Taylor & Co.!

Line-up:
Tasha Taylor (lead vocals, electric guitar, percussion)
Davide Floreno (electric guitar, vocals)
Samuli Rautiainen (keys)
Roger Inniss (bass)
Oli Ontronen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tasha Taylor
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topos Leverkusen

Ronnie Earl – The Luckiest Man – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits 1988 gründete Ronnie Earl seine Band The Broadcasters. Seitdem hat er schon dreimal den Blues Music Award als bester Bluesgitarrist gewonnen. Es ist erstaunlich, dass ich diesen Barden des Genres bisher nicht auf dem Schirm hatte. Umso neugieriger war ich dann auch, als mich Daniel Daus um ein Review zu Ronnie Earls 25. Album (!)  namens „The Luckiest Man“ bat.

Während des Anhörens habe ich mich immer wieder gefragt, ob es sich bei dem Werk um bluesigen Jazz oder um jazzigen Blues handelt. Ich denke, Fusion ist wohl die richtige Umschreibung für den Musikstil auf dieser CD. Eingefleischte Blues-Traditionalisten werden daher mit der Scheibe wohl nicht wirklich glücklich werden, alle anderen dürften sie zumindest für interessant halten.

Entstanden ist dieser Longplayer zusammen mit der aktuellen Besetzung der Broadcasters, aber auch unter Mitwirkung ehemaliger Bandmitglieder. Alle einte der Wunsch den verstorbenen Bassisten der Band, Jim Mouradian, und engen Freund von Ronnie Earl mit diesem Album zu ehren.

Dabei herausgekommen sind zwölf, sehr schöne, jazzig-bluesige Songs mit Ronnie Earls klarem, teils sphärisch-cleanem Gitarrenpiel. Bestechend auch die Sängerin der Broadcasters, Diana Blue. Mit ihrer vollen Altstimme gibt sie den Songs die nötige Tiefe und Dosis an Emotionen. Besonders schön zu hören auf „Death Don‘t Have No Mercy“, einem gefühlvollen Slowblues mit einem fast psychedelisch anmutenden Gitarrenintro oder auch auf „You Don’t Know What Love Is“.

Ganz anders das gospelige „Heartbreak“, da swingt und groovt es ganz im Stil einer Bigband. „Long Lost Conversation“ ist ein 10 minütiger Slowblues mit Gastsänger und Harp-Spieler Sugar Ray Norcia sowie Anthony Geraci am Piano.

Aber auch die Instrumentals wie „Southside Stomp“ (jazzig), „Jim’s Song“ (Blues) oder das teils Piano-dominierte Traditional „Howlin‘ Blues“, zeigen Ronnie Earls Qualitäten als Blues- (oder vielleicht auch Jazz-?) Gitarrist.

Alles in Allem legt Ronnie Earl hier ein Genre-übergreifendes Album mit zwölf Songs vor, von denen jedes Stück fein arrangiert und abgemischt wurde. Prägend für alle Lieder ist Ronnie Earls einzigartiges, sauberes Gitarrenspiel, wodurch viele der Songs (insbesondere die Instrumentals) beim ersten Hören allerdings ähnlich klingen.

Die unterschiedlichen Nuancen und Facetten seiner Gitarrentechnik offenbaren sich aber beim nochmaligen, konzentrieren Zuhören. Insgesamt ist es eine Scheibe, die man sicherlich bei einem guten Glas Wein gern in Ruhe hören wird und sich dabei vielleicht auch mit seinen Gedanken treiben lässt.

The Broadcasters:
Ronnie Earl – Guitar
Dave Limina – Piano, Hammond B3
Diana Blue – Vocals
Forrest Padgett – Drums
Paul Kochanski – Bass

Gastmusiker:
Nicholas Tabarias – Guitar
Mark Earley – Baritone Sax
Mario Perrett – Tenor Sax
Peter Ward – Guitar
Michael „Mudcat“ Ward – Double Bass, Fender Bass

Außerdem auf „Long Lost Conversation“:
Sugar Ray Norcia – Vocals, Harp
Anthony Geraci – Piano
Mike Welch – Guitar
Neil Gouvin – Drums

Stony Plain Records/H’Art (2017)
Stil: Jazz/Blues/Fusion

01. Ain’t That Loving You
02. Southside Stomp
03. Death Don’t Have No Mercy
04. Jim’s Song
05. Heartbreak (It’s Hurting Me)
06. Howlin’ Blues
07. Never Gonna Break My Faith
08. Long Lost Conversation
09. Sweet Miss Vee
10. Blues For Magic Sam
11. So Many Roads
12. You Don’t Know What Love Is

Ronnie Earl
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH