Stolen Rhodes – 03.02.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Unser erster Besuch der Kulturrampe in diesem Jahr. Das emporstrebende Quartett von der Ostküste der USA, die Stolen Rhodes (u. a. schon Support für Lynyrd Skynyrd, Marshall Tucker Band, Robert Randolph, Drivin’ N Cryin’, Blackberry Smoke und Country-Chanteuse Miranda Lambert), feierte mit seinem südstaatlich infizierten Rock, Deutschland-Konzert-Premiere in unseren westlichen Gefilden. Eines kann man in den Zeiten der Irrungen und Wirrungen eines Donald Trumps wohl sicher behaupten: Zumindest gute Musik wird aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine zuverlässige Konstante bleiben!

Matt Pillion und Kevin Cunningham,  sowie ihre neue Rhythmusfraktion, den beiden sehr agilen Jack Zaferes und Chris James, waren nach bereits intensiven Vorstellungen in Frankreich, Holland und Spanien an diesem Freitag erst recht spät in Krefeld angekommen und so begann das Konzert auch erst um 21:15 Uhr. Es war ein besonderer Abend. Teenage Head-Chef Manny Montana war angesichts seines Geburtstages ebenfalls angereist und bekam am Ende des Gigs zu seinen Ehren als letzte Zugabe ein „Highway To Hell“ geboten.

Wir hatten für ihn u. a. ein von Gernot (Inhalt/Bilder) und mir (Cover/Berichte) zusammengestelltes Buch mit unseren SOS-Reviews des vergangenen Jahres in der Rampe als Geschenk mit dabei, das zudem bei der Eingangsvorstellung der Band netter Weise von Pille (ganz gerührt) den Besuchern kurz präsentiert wurde. Es soll vielleicht demnächst an Interessierte zur Erinnerung in kleiner Auflage evtl. veräußert werden.

Die Stolen Rhodes hatten natürlich ihr aktuelles Album „Bend With The Wind“ mit an Bord, das im weiteren Verlauf auch ausgiebig in den Mittelpunkt gestellt wurde. Den Auftakt bildeten aber mit dem riffigen „Peacemaker“ und dem 70er-inspirierten „Down In Flames“ zwei eher weniger bekannte Nummern. Der „Sunshine Prophet“ eröffnete, wie auch auf der CD, dann den Reigen der neuen Stücke. Erstmals ließen sich der durch viele quirlige E-Soli glänzende Cunnigham und Pillion zu kurzen Twins (es kamen dann noch mehrere später dazu) hinreißen.

Dem stampfenden „Life Was Never Finer“ folgte das Led Zeppelin-Cover „Good Times Bad Times“, ein weiteres Indiz für das 70er-Faible der Pennsylvanier. Mit Sachen wie „Nowhere Fast“, den Marsall Tucker-umwehten „Blue Sky“ und „Freight Train“ wurden dann aber die Weichen immer mehr in Richtung Southern Rock gelenkt.

Spätestens ab dem furiosen Uptempotrack „Preacherman“, bei dem der saustark singende Matt Pillion auch erstmals seine Künste am Saxofon offerierte, war das Eis zwischen den Akteuren und dem Krefelder Publikum endgültig gebrochen. Die Stimmung wurde bei jedem Stück besser.

Der launige „Southern Rocker „Good Time Charlie“ (klasse Slide von Cunningham), das countryeske „50 Miles To Richmond“, das slide-trächtige „Get On Board“ (toller emotionaler Gesang von Matt) sowie das hart rockende „Gone“ waren weiteres schönes Futter für unser Magazin.

Meine persönlichen Lieblingsstücke des Abends, das ungeheuer melodische „Keeps Me Alive“ (im Zeichen des Hurrikans Sandy entstanden) und die wunderbare Ballade (gleichzeitig erste Single) „Save Me“ erzeugten teilweise Gänsehaut.

Mit dem „Devil From Above“ ging Matt zur Interaktion mit der Audienz über und Gläser und Flaschen wurden im Lied an bestimmten Stellen kollektiv in die Höhe gestreckt. Unter dem Motto ‚zuviel Geld, zu wenig Liebe‘ bildete der soulige Schwofer „Makin‘ Money“ (der überragende Pillion mit Gesangs-, Orgel- und Saxofon-Einlagen) die Vorhut zum Highlight des Gigs „Rosalita (Come Out Tonight)“. Bei diesem grandios performten Springsteen-Cover gab es letztendlich kein Halten mehr. Das Rampenpublikum zeigte sich so begeistert, wie ich es zwar schon oft, aber selten in dieser Intensität erlebt habe.

Die beiden Zugaben „So Long“ (HT-Piano, klasse Sax-Solo, Vorstellung der Band) und der eingangs erwähnte AC/DC-Klassiker rundeten eine großartige Premiere der Ostküstler bei uns ab.

Fazit: Stolen Rhodes punkteten bei ihrem Deutschland-Auftakt durch eine energiegeladene Show. Eine äußerst sympathische Performance mit tollen Liedern bis ans Ende der Kräfte. Auch wenn sich ihr völlig ausgepumpter Leader Matt Pillion zum Finale des Gigs vor Erschöpfung fast platt wie eine Flunder am Boden vor der Rampenbühne in ganzer Länge niederstreckte, lag ihm und seiner starken Band in erster Linie doch eher das begeisterte Krefelder Publikum zu Füßen. Wer jetzt noch die Chance hat, Konzerte des Vierers zu besuchen, sollte nicht zögern, und sich zackig auf den Weg machen. Starke Vorstellung, Stolen Rhodes!

Line-up:
Matt Pillion (lead vocals, guitar, keys, sax)
Kevin Cunningham (lead guitar, vocals)
Jack Zaferes (bass, vocals)
Chris James (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Stolen Rhodes – Bend With The Wind – CD-Review

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Man muss heute nicht unbedingt aus dem Süden der USA stammen, um guten Southern Rock zu spielen. Die Kalifornier Robert Jon & The Wreck z. B. haben das in letzter Zeit eindrucksvoll bewiesen und zählen mittlerweile eindeutig zur Speerspitze des Genres und haben so manchem arrivierten Act der Sparte längst den Rang abgelaufen.

Auch Stolen Rhodes, ein Quartett, ursprünglich gegründet in Monmouth County, New Jersey, samt ihrer Mitglieder um Multi-Instrumentalist und Bandleader Matt Pillion (vocals, guitars, keys, saxophone), sowie Kevin Cunningham (guitars, vocals, dobro), Dan Haas (bass, vocals) und Eric Skye (drums, vocals), scheint sich auf diesem Terrain ebenfalls pudelwohl zu fühlen und bringt mit ihrem neuen Longplayer „Bend With The Wind“ sehr viel frischen Wind in die Szene.

Erfahrungen hat man bei Events wie der ‚Simple Man Cruise‘ oder als Support von Lynyrd Skynyrd, der Marshall Tucker Band oder Blackberry Smoke mittlerweile zu Genüge gesammelt.

Das neue Werk startet direkt mit zwei Krachern („Sunshine Prophet“ – Gute Laune-Uptempo-Nummer, „Good Time Charlie“ – satter Southern Boogie) ordentlich durch. Auch das Tucker-umwehte, atmosphärische „Devil From Above“ (mit typischem MTB-E-Solo, raunzende Orgel) weiß zu überzeugen.

Auf „Preacherman“ (Boogie mit furiosem Sax-Solo) und „So Long“ (gluckerndes E-Piano, Dobro, Harp) lassen sie auch keinen Zweifel an einer gewissen existierenden Country-Affinität. Balladen-Freunde kommen bei den beiden sehr melodiösen „Save Me“ und „Makin‘ Money“ auf ihre Kosten. In Zeilen wie „There’s too much makin‘ money, but not enough makin‘ love“ weißt Pillion schonungslos auf eines der vielen Grundübel unserer Zeit hin.

„Nowhere Fast“ (dezentes Bad Co.-Flair) und „Get On Board“ (Slide-trächtig, ABB-/Skynyrd-Note Richtung „Voodoo Lake“) bedienen die Klientel der klassischen Rockbands vergangener Tage. Am Ende huldigt man dann noch den großen ‚Boss‘ mit einer 7-minütigen, Saxofon-trächtigen Fassung seines „Rosalita (Come Out Tonight)“. Launig, gut gespielt, aber im Gesamtkontext eher fremd wirkend, was den guten Gesamteindruck des Albums aber keines Falls schmälern soll.

Die Produzenten David Ivory (dieser hat laut O-Ton der Musiker großen Einfluss auf die Band, was speziell die Songgestaltung angeht) und sein Assistent Joe Lam haben einen guten Job gemacht und Pillions Gesang (erinnert stark an Chris Thompson) sowie die instrumentellen Leistungen des Vierers sehr schön transparent herausgearbeitet.

„Bend With The Wind“ von den Stolen Rhodes reiht sich nahtlos in den Reigen der vielen starken Southern Rock-Neuveröffentlichungen des Jahres 2016 ein. Ein absolut empfehlenswertes Album. Teenage Head Music hat die Band aus diesem Grunde richtiger Weise auch unter ihre Fittiche genommen und eine Tour für 2017 angekündigt. Da kommt doch schon mal einiges an Vorfreude auf!

Eigenproduktion (2016)
Stil: (Southern) Rock

01. Sunshine Prophet
02. Good Time Charlie
03. Devil From Above
04. Preacherman
05. Save Me
06. Nowhere Fast
07. Get On Board
08. Makin‘ Money
09. So Long
10. Rosalita (Come Out Tonight)

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