Jane Lee Hooker – 02.06.2022 – Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Als einzige Show in NRW machten Jane Lee Hooker Stop im Zentrum Altenberg in Oberhausen. Umso erstaunlicher war es, dass der Club im Zuschauerraum doch größere Lücken aufwies, wo die New Yorker Band doch vor Corona ähnliche Locations gut gefüllt hatte. So zeigte sich an diesem Abend für den Veranstalter, wie so oft in der jetzigen Zeit, dass es schwer ist, Musikfans zu aktivieren.

Kurz nach 20 Uhr betraten die fünf Musiker die Bühne und nach einer kurzen Begrüßung der Fans, die während des gesamten Konzertes gut Stimmung machten, legte die Band gleich los wie die Feuerwehr. Nahezu ohne Pausen jagte ein Song den anderen. In den Stücken wurden Fans des Hard Rocks, Southern Rocks aber auch des Blues Rocks bedient. Insgesamt kann man sagen, dass es knapp 100 Minuten Powerrock gab.

Fronterin Dana Danger Athens bewies neben ihren gesanglichen Fähigkeiten, und ihrem gestenreichen Auftreten (zuweilen mit rollenden Augen), dass sie auch das Keyboard beherrscht. Ihr gelang es schnell, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, indem sie so machen spaßigen Flirt einging.

Die beiden Gitarristinnen Tina T-Bone Gorin und Tracy Hightop wechselten sich in der Rhythmus- und Soloarbeit ab und legten so manche feurigen Soli aufs Parkett und sparten dabei nicht mit dem dazu gehörenden Posen. Grundlage des Sounds war das rhythmische Treiben von Hail Mary Zadroga am Bass und vom Hahn im Korb Lightnin` Ron Salvo am Schlagzeug, die auch mit kurzen eingestreuten Soli glänzen konnten.

Herausragend bei den Songs waren „Mama Said“, der Kracher „Mean Town Blues“ von aktuellen Album „Rollin´“ mit dem der Hauptact abgeschlossen wurde und der dafür sorgte, dass lauthals Zugaben gefordert wurden. Nachdem  eine entfesselte Stimmung durch „Manish Boy“ und „Runaway Train“ dafür gesorgt hatte, dass die Band nochmals die Bühne betrat, hatte man den Eindruck hatte, dass überlegt wurde, was noch gespielt werden könne.

Drummer Ron Salvo, der erst seit dem letzten Album bei der Band ist, zuckte auf jedem Fall mit den Schultern (hatte er den anvisierten Song vielleicht noch nie gespielt?) und es folgte als Abschluss noch eine tolle Version von „Wade In The Water“.

Ohne große Umschweife begab sich die Band, nachdem das Licht im Saal angegangen war, an den Merchandising-Stand und stand für Klatsch und Tratsch, Fotosouveniers und das Signieren von Fanartikeln bereit. Ein toller Konzertabend mit einer sympathischen Band fand so einen harmonischen Abschluss, der mehr Besucher verdient gehabt hätte.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals, keys)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
Lightnin` Ron Salvo (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jane Lee Hooker
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Zentrum Altenberg Oberhausen

David Newbould – Power Up! – CD-Review

Review: Michael Segets

Das space-ige Cover von „Power Up!” im Comicstil ist schon eigenwillig. Auch musikalisch geht David Newbould seinen eigenen Weg und scheint sich wenig um Konventionen zu scheren. Er scheut nicht vor ungewöhnlichen, zwischen Rock und Americana angesiedelten Arrangements zurück. Diese funktionieren mal besser, mal sind sie gewöhnungsbedürftig, wenn man wie ich eher ein Freund gradliniger Songs ist.

„Power UP!“ startet zwischen Rock und Funk mit dem temporeichen Titelsong. Newbould unterlegt seinen Gesang mit Hall, streut ein Sprachintermezzo und ein Saxophon-Solo ein. Nach dem wilden Einstieg mit einigen Soundvariationen kommt „Peeler Park“ zunächst gradlinig rockend daher, bevor es mit einem expressiven Gitarrenpart eine härtere Gangart anschlägt. „Blood On My Hands“ und „The Lawn“ sind im Vergleich gemäßigter. Mit ihrem akzentuierten Rhythmus und vollem Sound wirken sie ebenfalls rockig, wobei sie auch als opulenter Americana durchgehen könnten. Newbould zeigt gesanglich viele Facetten. Vor allem bei „Blood On My Hands“ erzeugt er Gänsehautmomente, allerdings sind ein paar langgezogene Passagen auch überbordend.

Mit „Home Depot Glasses“ fährt Newbould das Tempo deutlich runter. Er trägt die John Prine gewidmete zweite Vorabauskopplung im Sprechgesang vor. Bereits im letzten Jahr erschien „Ready For The Times To Get Better“. Der von Allan Reynolds geschriebene Song stellt ein Highlight auf der CD dar. Untermalt durch die Geige von Kristen Weber entwickelt er einen schönen Retrocharme. Mein unangefochtener Favorit auf dem Album ist allerdings „Last Letter“. Mit kräftigen Gitarren und dynamischen Background Vocals von Bee Taylor hat der rhythmische Song gehörig Power.

In der zweiten Hälfte finden mit „One Last Dance“ und „That Was Another Time“, das mit einer dramatischen Spannungskurve Fahrt aufnimmt, nochmal am Rock orientierte Titel ihren Platz. Daneben verläuft „Sunrise Surprise“ in ruhigen Americana-Bahnen. Newbould verzichtet hier auf überraschende Arrangements oder gewollt ausdrucksstarken Gesang und liefert so einen soliden Song ab. Das abschließende „Diggin‘ In“ ist ebenfalls semi-akustisch gehalten, wobei es mit einem kurzen instrumentalen Jam endet.

Der Kanadier, der über New York schließlich in Nashville gelandet ist, veröffentlicht seit fast einem Vierteljahrhundert seine Musik und hat bislang zehn LPs und EPs herausgebracht. Mit Ausnahme des bereits erwähnten „Ready For The Times To Get Better“ stammen alle Songs des neuen Albums aus der Feder von Newbould, wobei der Opener von Scot Sax, der die CD auch produzierte, mitgeschrieben wurde.

Auf „Power Up!“ lässt David Newbould seiner Kreativität freien Lauf und beweist als Komponist und Sänger eine große Bandbreite. Bei manchen Arrangements und stimmlichen Variationen wäre weniger vielleicht mehr gewesen, aber durch sie hebt sich Newbould von anderen Musikern ab, die in Sachen Rock und Americana unterwegs sind.

Blackbird Record Label (2022)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Power Up!
02. Peeler Park
03. Blood On My Hands
04. The Lawn
05. Home Depot Glasses
06. Ready For The Times To Get Better
07. Last Letter
08. One Last Dance
09. That Was Another Time
10. Sunrise Surprise
11. Diggin’ In

David Newbould
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Blackbird Record Label
JohThema Promotions

Larkin Poe – Support: Ferris & Sylvester – 28.05.2022 – Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Part 2 eines für uns arbeitsreichen Wochenendes. Nach dem wir am Tag zuvor bei den Hard Rock-Urgesteinen Europe und Whitesnake ‚fremdgegangen‘ waren, bewegten wir uns mit dem Besuch der beiden Lovell-Schwestern, alias Larkin Poe, am Samstag in der Live Music Hall zu Köln, wieder zurück in das von uns bevorzugte Terrain.

Die geplanten Larkin Poe-Konzerte zuvor, waren wegen der Corona-Pandemie jeweils zweimal verschoben worden. Diesmal konnte der Gig endlich stattfinden, die Location des (zurecht) ordentlich gehypten Duos (durch Bass und Schlagzeug ergänzt) in der mit 1.300 Besuchern rappelvollen Hütte, konnte nun endlich stattfinden.

Wie sooft bei Konzerten (auch am Abend zuvor) lief uns das uns nahestehende, musikbegeisterte Ehepaar Doreen und Mario Scholten über den Weg, das sich schon am Nachmittag im Rahmen eines ‚Meet And Greet‘ (der Göttergatte war von seiner Herzensdame zum Geburtstag damit beglückt worden) mit den beiden Protagonistinnen getroffen hatte. Die beiden berichteten von zwei sehr angenehmen und trotz ihres Erfolges, sehr natürlich und lebensnah gebliebenen Musikerinnen.

Als Support begannen pünktlich um 19:00 Uhr die beiden Briten Issy Ferris und Archie Sylvester (Ferris & Sylvester). Die hatten ihre knapp 2 Monate junge, erste CD „Superhuman“ mit im Gepäck, aus dem die beiden dann naturgemäß auch viele Stücke wie u. a. „The Party’s Over“, „Golden“ und „Flying Visit“, präsentierten.

Zu gefallen wussten auch die eigenwillig integrierte Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Little Wing“ sowie der schnippische „London’s Blues“ zum Abschluss ihrer gesanglich als auch instrumental anspruchsvollen Performance. Ferris & Sylvester wurden begeistert mit durchgängig viel Applaus nach ca. 45 Minuten vom Publikum in den verdienten Feierabend verabschiedet.

Line-up Ferris & Sylvester:
Issy Ferris: lead vocals, acoustic guitar, bass, percussion
Archie Sylvester: guitars, lead vocals

15 Minuten später war schon die Bühne für den Hauptact Larkin Poe angerichtet. Der Name des Duos aus Atlanta, Georgia, stammt, wie ich recherchieren konnte, von ihrem Ur-Ur-Ur-Großvater, der übrigens wohl ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe war. Die beiden waren ziemliches Neuland für Fotograf Gernot und mich, da wir die bisherigen Reviews zu ihren letzten Scheiben (u. a. „Self Made Man“ und „Kindred Spirits“ immer unserem Benjamin im Magazin, Stephan Skolarski, überlassen hatten.

Die beiden Schwestern führten dann mit ihren beiden Mitstreitern, Tarka Layman und Kevin McGovan, die sich überwiegend mit ihrer Rhythmus-gebenden Arbeit im Hintergrund hielten, durch ein unterhaltsames. 15 Tracks (inklusive einer Zugabe) umfassendes Programm, das von südstaatlich umwobenen Traditional-Blues und Southern Rock geprägt war.

Fronterin Rebecca war dabei naturgemäß mit ihrer pfiffigen und kommunikativen Art die dominantere Persönlichkeit, Schwesterherz Megan, diejenige, die eher auf die instrumentelle Konzentration fokussiert war. Sie steuerte allerdings neben ihren klasse Slides auf ihrer Umhänge-Lap Steel, auch präzise sitzende Harmony-vocals bei. Aber auch Rebecca wusste mit einigen knarzigen Soli auf ihren beiden benutzten E-Gitarren zu gefallen. Begeistert hat mich vor allem ihrer wunderbar klarer Gesang, der mich irgendwie an eine Annie Lennox in einer Southern-Variante erinnert hat.

Als Freunde des Southern Rocks hatten wir natürlich an Songs wie „Keep Diggin'“, „Bleach Blonde Bottle Blues“, „Holy Ghost Fire“, „Back Down South“ (mit integrierten ABB-„Blue Sky“-Kurz-Intermezzo), „Summertime Sunset“, „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“, besonderen Spaß.

Den zünftigen Abschluss bildet „Wanted Woman / AC/DC“, bevor in der vom Publikum heftig eingeforderten Zugabe mit „Come On In My Kitchen“ den alten Traditional-Blues-Größen der Marke Robert Johnson & Co. Tribut gezollt wurde.

Larkin Poe lieferten an diesem Abend ein überzeugendes Konzert ab. Schön zu wissen, dass sich der Southern Rock auch im weiblichen Nachwuchsbereich keine Sorgen zu machen braucht. Beim nächsten Besuch in der Domstadt, behaupte ich mal, wird eine Halle der größeren Kategorie für die mittlerweile in Nashville, Tennessee, ansässige Band gebucht werden müssen. Klasse Leistung der Mädels!

Line-up Larkin Poe:
Rebecca Lovell: lead vocals, electric guitar
Megan Lovell: lap steel guitar, bgv
Tarka Layman: bass
Kevin McGovan: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Live Music Hall, Köln

Whitesnake – Support: Europe – 27.05.2022 – Rudolf-Weber-ARENA, Oberhausen – Konzertbericht

Wenn ich meine mittlerweile unzähligen Konzertbesuche resümiere, muss ich feststellen, dass die Sparte der klassischen Hard Rock-Acts dabei eigentlich sträflich vernachlässigt wurde. Bei intensivem Überlegen komme ich vielleicht mit Bands wie u. a. Rose Tattoo, Thunder, UFO, Great White, Bruce Dickinson, Gary Moore oder Heart und ein paar anderen, vielleicht gerade mal auf etwas über zwei Hände voll.

Da war es natürlich an der Zeit, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn sich eine Kulttruppe wie Whitesnake im nahegelegenen Oberhausen in der Rudolf-Weber-ARENA angesagt hat. Die Spanne, solche Bands, mit denen man von frühester Jugend an sozialisiert wurde, zu erleben, wird ja auch nicht mehr gerade größer…

Und für Whitesnake steht natürlich ein Name, nämlich das Hard Rock-Urgestein David Coverdale. Seine lange Karriere wurde abgesehen von seinem Projekt mit Jimmy Page durch zwei große Phasen vornehmlich geprägt, die mit Deep Purple von 1973 bis 1977, und halt seine 1978 gestartete, bis in die heutigen Tage währende Whitesnake-Ära. Mir persönlich stand, bei allem Respekt vor Deep Purple, immer sein zweites Parade-Projekt musikalisch näher.

Den Auftakt an diesem Abend bildete jedoch eine Band, die sich 1986 mit einer hymnischen Key-Synthie-Hook und der simplen Refrainzeile „It’s the final countdown, the final countdown“ in das Langzeit-Gedächtnis, ich behaupte mal einfach, eines jeden Musikhörers, eingenistet hat. Man möge zu dem Lied stehen, wie man will, ich nenne es große Songwriting-Momente.

Europe nur auf dieses Stück zu reduzieren, würde dem skandinavischen Quintett gegenüber aber nicht gerecht. Die Band ist immerhin auch schon seit 1979 im Geschäft, hat elf Alben produziert und wurde auch bei ihrem knapp 60-minütigen, beherzten Auftritt vom Publikum ordentlich mitgetragen.

Ihr Fronter Joey Tempest erwies sich dabei vokal als auch bewegungsmäßig in Bestform. Auffälligster Akteur neben ihm war bei Songs wie u. a. „Walk The Earth“, der schönen Ballade „Carrie“, „Heart Of Stone“, „Last Look At Eden“, „Ready Or Not“, „Superstitious“ oder „Cherokee“, Gitarrist John Norum, der mit vielen quirligen Soli auf den unterschiedlichsten E-Gitarren (oft mit einer Flying-V) zu überzeugen wusste.

Paradoxerweise empfand ich den Megahit „The Final Countdown“ zum Abschluss, trotz riesiger Stimmung in der ARENA, als schwächstes Lied der Europe-Setliste, in einer ansonsten starken und zurecht mit viel Stimmung und Applaus honorierten Vorstellung.

Line-up Europe:
Joey Tempest: lead vocals, guitar
John Norum: Guitars, bgv
John Leven: bass
Ian Haugland: drums, bgv
Mic Michaeli: keys, bgv

Erfahrene Profis wie David Coverdale und seine Begleiter wissen solche atmosphärischen Begebenheiten natürlich zu ‚lesen‘ und gaben, nach ca. 30 Minuten Umbaupause und dem The Who-Einspieler „My Generation“ von Anfang an Gas. „Bad Boys“ und „Slide It In“ rockten unter dem Antrieb des wie entfesselt trommelnden Tommy Aldridge sofort heftig los, bis es bei „Love Ain’t No Stranger“ die ersten Gänsehautmomente zu vermerken gab.

Mit „Hey You (You Make Me Rock)“ kam dann das einzige Stück des momentan aktuellen Studiolongplayers „Flesh & Blood“. „Slow An‘ Easy“, „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ und der Opener „Fool For Your Loving“ von ihrem wohl stärksten Album „Ready An‘ Willing“ (für mich persönlich jedenfalls), ließen kaum Zeit durchzuatmen.

Apropos Durchatmen: Der nun bereits 70-jährige Fronter nahm sich ab diesem Zeitpunkt spürbar seine kurzen Zwischenpausen, was ich allerdings für völlig legitim halte. So eine Hard Rock-Shouter Performance, und das über zig Dekaden und so einem Alter, vornehmlich in den großen Arenen der Welt, ist nun mal kein gemütlicher Singer-Songwriter-Abend.

Und so rückten seine Bandmitglieder Reb Beach (mit amerikanisch-typisch lässiger, aber technisch brillanter E-Gitarre), Dino Jelusić (mit Synthie-Umhängekeyboard, das er zum Teil in Hendrix-Manier rückseitig auf den Schultern bearbeitete) und Joel Hoekstra (viel in kniender Poser-Haltung bei seinen Einlagen) mit einem Instrumental-Intermezzo stärker in den Fokus.

Nach dem fantastischen „Crying In The Rain“ (einer meiner Favoriten des Gigs) ging es fließend in ein Drumsolo von Tommy Aldridge über, das sich noch wilder als seine wüste Lockenmähne auf dem Haupte entpuppte. Das toppte die ohnehin schon eingebrachte Energie bei den Liedern nochmals. Unglaublich was sich da an Kraft und Koordinationsfähigkeiten mit Sticks (die dann irgendwann ins Publikum flogen) und Händen (damit machte er dann unvermindert weiter) an dynamischer Energie entlud.

Es kam zur Vorstellung der Band, in der David jeden einzelnen (inklusiv der attraktiv anzusehenden Bassistin Tanya O’Callaghan) zu sich nach vorne nahm, und ein paar kurze, würdigende Worte zu deren Background verlor. Die Chemie innerhalb des Kollektivs scheint zu stimmen. Der Ohrwurm „Is This Love“ war danach gut gewählt und über das wieder rockige „Give Me All Your Love“ ging es dann zum Whitesnake-Klassiker schlechthin, „Here I Go Again“, über, das von Band und Publikum zugleich vokal zelebriert wurde. Tolle Momente im Rund der ARENA!

Wer geglaubt hatte, dass es das jetzt gewesen sei, wurde eines Besseren belehrt. Mit einer furiosen Version von „Still Of The Night“ folgte noch weiteres Highlight der Show. Dem nicht genug. Coverdale spannte mit „Burn“ dem gleichnamigen Titelstück des 1974 erschienenen Werks, den Bogen zurück zu seiner alten Band Deep Purple und fackelte samt seiner Mitstreiter die Rudolf-Weber-ARENA regelrecht ab, wobei sich auch der zweite Keyboarder Michele Lupi dann mit einem Jon Lord-Gedächtnis-Orgel-Solo expliziter ‚zeigen‘ konnte.

Fazit: Insgesamt ein unterhaltsamer kurzweiliger Gig mit zwei spielfreudigen und starken Hard Rock Bands, die auch nach all den Jahren nichts von ihrer Anziehung verloren haben. Von daher mein beeindruckter Appell in Richtung Coverdale & Co., frei nach einem berühmten Woody Allen-Film: Play it again, David!

Line-up Whitesnake:
David Coverdale: lead vocals
Reb Beach: electric guitar, bgv
Joel Hoekstra: electric guitar, bgv
Michele Lupi: keys, bgv
Dino Jelusić: keys, bgv
Tanya O’Callaghan: bass, bgv
Tommy Aldridge: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Bywater Call – 08.05.2022, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am Muttertag traten die Kanadier Bywater Call, zwei Tage nach einem hochgelobten Auftritt beim Moulin Blues im niederländischen Ospel, im Kölner Yard Club auf. Markus Neu war es somit gelungen, einen absolutes Highlight zu buchen.

Das sich aber ein so spezieller Abend entwickelte, war nicht zu erwarten. Um kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band die Bühne und die Sängerin Meghan Parnell schaute in den mehr als spärlich gefüllten Saal, überlegte kurz und machte eine bemerkenswerte und charmante Ansage: „Schön, dass ihr da seid, heute geben wir gewissermaßen eine private Show“. So entwickelte sich ein Gig, den alle Anwesenden so schnell nicht vergessen werden und alle gemeinsam das Beste aus der Situation machten.

Die sieben Kanadier legten ein 100-minütiges Konzert hin, das es in sich hatte. Dabei präsentierten sie neben Songs des ersten Albums auch einen großen Teil des in kürze erscheinenden neuen Longplayers, sowie zwei Coversongs von Paul Simon und The Band. Auf einzelne Lieder einzugehen, verzichte ich an dieser Stelle, da alle auf einem hohen Niveau waren und es mir schwer fallen würde, einzelne Stücke hervorzuheben.

Auffallend war, dass mehrmals ganz kurz zwischen den Songs abgestimmt wurde, welches Stück folgen sollte, und sich so je nach Stimmung verschiedene Setlisten ergeben können. Zwischen den Songs machte Parnell nicht nur Ansagen, sondern plauderte zuweilen mit den Anwesenden, die nicht mit verdientem Applaus sparten.

Wo ich vor etwa 2,5 Jahren schon von einem tollen Bandverständnis berichtete, hatte ich an diesem Abend das Gefühl, dass die Formation noch mehr miteinander verwachsen ist und sich das damals schon tolle Songwriting noch einmal gesteigert hat. Prägend sind zunächst einmal das Zusammenwirken der charismatischen zierlichen Sängerin Meghan Parnell und des Gitarristen Dave Barnes, das vom Rest der Band perfekt ergänzt wird. Alle Musiker haben mehrfach die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen.

Parnell überzeugte mit einem Stimmvolumen, das Seinesgleichen sucht und stand meist im Mittelpunkt des Geschehens. Jedoch begab sie sich öfters ganz an den Rand der Bühne, um diese den anderen zu überlassen. Barnes glänzte mal slidend oder fingerpickend mit einigen feinen eindrucksvollen Soli und ließ seine Gitarre zuweilen regelrecht singen. Dabei hielt er sich visuell aber meist eher im Hintergrund und war zuweilen regelrecht in seinem Spiel versunken.

Die starke Rhythmussektion um Basser Mike Meusel und Drummer Bruce McCarthy konnte selbst einige kurze Soli in die Musik einflechten. Keyboarder Alan Zemaitis untermalte die Songs nicht nur, sondern begeisterte mit furiosen aber auch gefühlvollen Soloeinlagen, wie auch Trompeter Stephen Dyte und Saxofonist Julian Nalli.

So präsentierte die Band ein Konzert, in der verschiedenste Musikstile geschickt verflochten wurden. Von Blues, über Soul, Folk bis hin zu Rockmusik fanden sich alle Musikrichtungen in ihrem ganz eigenen Stil wieder, der zur Zeit live zu den absoluten Highlights zählt.

Bywater Call werden in den nächsten Wochen in NRW noch Konzerte im Musiktheater Piano in Dortmund, im Zentrum Altenberg in Oberhausen und in der Kulturrampe in Krefeld geben. Freunde der genannten Musikrichtungen sollten sich dabei nicht die Chance entgehen lassen, diese begnadeten Musiker in den genannten Locations zu besuchen und für eine entsprechende Stimmung zu sorgen. Ich für meine Person werde es mir nicht entgehen lassen mich auf der Tour nochmals an der Musik der absolut sympathischen Kanadier zu erfreuen, die schon bald mehr als ein Geheimtipp sein werden.

Nochmals ein besonderer Dank an Markus Neu vom Yard Club, für den es mir an dem Abend leid tat, dass sein Booking mit einem Händchen für exzellente Musiker, nicht entsprechend von den Musikfreunden angenommen wurde. Auch an die Band, die es sich nicht nehmen ließ, den wenigen Anwesenden einen tollen musikalischen Abend zu bescheren und so einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bei dem sogar noch eine gefeierte Zugabe nachlegte.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bywater Call
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Yard Club Köln

Michael Schenker – Support: Everdawn, 04.05.2022, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Etwa drei Jahre liegt der letzte Auftritt von Michael Schenker in NRW mittlerweile zurück. Damals war es ein Gastspiel mit dem Michael Schenker Fest mit vier verschiedenen Sängern. Diesmal war die Besetzung an den Vocals geringer und Robin McAuley, der auch beim Fest dabei war, war einziger Frontmann.

Ansonsten war sonst nur Steve Mann, der aber auch zuvor in der Vergangenheit öfter mit Schenker zusammengearbeitet hatte, als zweiter Gitarrist und Keyboarder übrig geblieben. Die Rhythmussektion ersetzte Schenker mit Barend Corbois am Bass und Bodo Schopf an den Drums, der den verstorbenen Ted McKenna schon bei den letzten Konzerten ersetzt hatte.

Nachdem die Tore der Zeche ab 19:00 Uhr geöffnet wurden tröpfelten die Besucher zunächst eher in die Halle, dass sich um 19:30 etwa 40–50 Gäste im Konzertsaal befanden. Dann änderte sich ab 20:30 schlagartig, als um 20:00 Uhr  die aus New Jersey kommende Band Everdawn die Bühne betrat.

Etwa 40 Minuten präsentierten die Amerikaner um Frontfrau Alina Gavrilenko und den Gitarristen Richard Fischer Songs, die sie selber als Ultra Melodic Metal bezeichnen. Harte Gitarrenriffs, stampfende Bass- und Drum-Rhythmen verschmelzen dabei mit der sehr hohen Stimme der Fronterin und dem Keyboardspiel, das den Songs zuweilen eine gewisse Milde einhauchte. Es gelang ihnen, den Besuchern, die vor allem wegen Schenker gekommen waren, die Wartezeit zu verkürzen, was sich auch an dem Applaus der Zuschauer zeigte.

Um 21.00 Uhr betrat Michael Schenker nach einer relativ kurzen Umbaupause mit seinen Instrumentalisten die Bühne. In einer Ansage sagte Schenker, dass das folgende „Ascention“ seinem leider zu früh verstorbenen Drummer Ted McKenna gewidmet ist. Erst nach diesem instrumentalen Feuerwerk kam auch Sänger Robin McAuley suf die Bühne. Und es sollte in dem knapp 120 Minuten dauernden Konzert ein bunter Mix aus Songs folgen, an denen Michael Schenker in seiner mittlerweile 50 Jahre dauernden Karriere beteiligt war.

Schnell war der Funke auf das begeisternd mitgehende Publikum übergesprungen und es entwickelte sich ein toller Hard Rock-Abend. An den Gesichtern der Musiker konnte man erkennen, mit welcher Freude sie die Tracks spielten, und wie sie es genossen, die Resonanz der Zuschauer zu bekommen.

Dem „Cry For The Nations“ folgenden „Doctor Doctor“, der ersten UFO-Darbietung, konnte man etliche Besucher mitsingen sehen. McAuley ist gesanglich noch absolut auf der Höhe und hatte, wie auch im weiteren Konzert mit dem einen oder anderen Fan Augenflirts. Schön war, dass Schenker den anderen Musikern immer wieder die Möglichkeit gab, sich in der Frontline zu präsentieren und nicht irgendwo im Bühnenhintergrund ein Schattendasein zu fristen.

Dies lag aber auch an der geschickten, meist ausgewogenen Bühnenausleuchtung, wo Schenker nur bei einigen seiner von filigran bis brachialen Soloarbeit mit Spots klar in den Vordergrund gestellt wurde. Vor dem Licht steht eigentlich der Sound, der so abgemischt war, dass die Instrumente eindeutig zu identifizieren waren und auch so ausgesteuert waren, dass McAuleys Gesang in der Wucht, insbesondere der Drums und des Basses ,nicht unterging.

Nach einigen MSG-Stücken, wie „Warrior“ oder „Arena“ durfte sich mit „In Search Of Peace Of Mind“ auch ein alter Scorpions-Track (vermutlich sogar der erste, den er als Teenager selbst schrieb) aus den relativ kurzen Phasen seiner Anfangsband einreihen, aus der er ausstieg, um danach in der erfolgreichsten UFO-Zeit mitzuwirken.

Mit „Lights Out“ brachte die Band den Saal zum Kochen. Corbois bewies, dass er nicht nur ein begnadeter Bassist ist, sondern auch durch sein Auftreten und Posen dazu beiträgt, visuell die Fans aufzupuschen. Überhaupt muss gesagt werden, dass Corbois und Drummer Bodo Schopf einen stampfenden Sound vorlegten, der durch den Gitarristen und Keyboarder Steve Mann noch verfeinert wurde. 

Nach „Lights Out“ verließ McAuley für einen Song die Bühne und überließ Michael Voss das Mikro, der dann das sehr melodische, eher ruhige „After The Rain“ sang. Nachdem die Fans für einen Song lang etwas heruntergekühlt wurden, gab es kein Halten mehr. Ein famoser Hard Rock_Kracher jagte regelrecht den anderen und Schenker baute mit dem wieder etwas ruhigeren „A King Has Gone“, das Ende des Monats auf dem neuen Album erscheinen wird, ein Stück aus der Zukunft ein, was beim Publikum sehr gut ankam.

Als die ersten Töne von „Rock Bottom“ erklangen, brandete Applaus durch die Halle und Schenker zeigte in minutenlanger Soloarbeit, was so alles aus einer Gitarre zu entlocken ist. Dabei offerierte er seine gesamte spielerische Bandbreite, die weit über den Hardrock hinausgeht und zuweilen auch klassische Elemente beinhaltet.

Wer gedacht hätte, nach diesem fast schon monomentalen Song könne nichts mehr kommen, wurde eines Besseren belehrt. Praktisch ohne große Pausen folgten „Shoot Shoot“, “Let It Roll“, „Natural Thing“, „Too Hot To Handle“ und „Only You Can Rock Me“, bei denen sich die Musiker scheinbar in einen Rausch spielten und es auch die Besucher auf der kleinen Tribüne nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Zum Ende des Fegers schnappte Schenker sich sein Handy und knipste ins Publikum, um deutlich zu machen, dass dieser Abend auch für die Band etwas Besonderes war. Ein besonderer Dank geht neben dem an die Band für die tolle Musik auch an  a.s.s.concerts & Promotion und an die wie immer sehr freundlichen Mitarbeiter der Zeche.

Line-up MSG:
Michael Schenker – Guitars, Backing Vocals
Robin McAuley – Lead Vocals
Bodo Schopf – Drums
Barend Courbois – Bass, Backing Vocals
Steve Mann – Guitars, Keyboard, Backing Vocals

Line-up Everdawn:
Alina Gavrilenko – Lead Vocals
Mike LePond – Bass
Dan Prestup – Drums
Boris Zaks – Keyboards
Richard Fischer – Guitars, Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Michael Schenker
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Everdawn
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a.s.s. concerts & promotion gmbh
Zeche, Bochum

Blues Caravan – 20.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ähnlich wechselhaft wie in diesen Zeiten ging es scheinbar auch beim diesjährigen Blues Caravan 2022 zu. Zunächst war mit Eddie 9V, Ghalia Volt und Katie Henry geplant, dann sollte es Ryan Parry an der Gitarre richten, was dann allerdings von Will Jacobs erledigt wurde. 

An diesem Abend im schönen Dortmunder Piano wurde Ghalia Volt durch den Wirbelwind Whitney Shay ersetzt, die ja schon 2020 ihre Visitenkarte abgegeben hatte. Die nicht nur musikalisch kraftvolle Rhythmusfraktion bestand dann etatmäßig aus Ex-Rozedale-Drummer Denis Palatin und Tomek German. Denis hatte die Bühne mit seinen eigens für den Blues Caravan künstlerisch hergestellten Windfängern optisch aufgewertet. Er kann also nicht nur auf Felle und Becken trommeln.

Pünktlich um 20:00 Uhr sagte Mastermind und Labelinhaber Thomas Ruf seine ‚Schäfchen‘ an und es wurde mit dem obligatorisch kreierten Titelsong zur Reihe „Hop On A Ride“ dynamisch im Voll-Line-up mit wechselnden Leadgesangsparts der einzelnen Protagonisten losgelegt. 

Feststellen konnte man im für einen Mittwoch-Abend ordentlich gefüllten Piano, dass die Musiker (Palatin mal ausgenommen), deutlich jünger waren, als die, wie so oft in der Blues-Szene, in die Jahre gekommene Kundschaft (ich schließe mich da natürlich mit ein…).  Aber schön, dass zumindest auf der Künstlerseite der Nachwuchs nicht abzubrechen scheint.

Nach dem launigen Auftakt durfte dann zunächst Will Jacobs sein Können offenbaren. Er präsentierte sich bei Songs wie u. a. „One Day At A Time“, „Have You Ever Loved A Woman“ (klasse hier sein phasenweise ohne Mikro performter Gesang), „Funky Woman“ oder „Got Your Mojo Working“ als guter Sänger und mit seinem Spiel auf Stratocaster und Gibson Les Paul als quirlger und variabler E-Gitarrist. Er beherrscht die Bandbreite von Blues, Soul, Rock bis dezent hin zum Country souverän. Eine starke Vorstellung von ihm.

Er blieb dann auf der Bühne, um die zierliche Katie Henry zu supporten, die dann ihre Stärken am E-Piano, aber auch an der Telecaster-E-Gitarre in Roots-Manier einbrachte. In Ihrem Programm hatte die sympathische Amerikanerin natürlich überwiegend Tracks wie „Nothing To Lose“, „Empty Cup“, „On My Way“ oder „Bury Me“ aus dem vom Kollegen Schneider zurecht hochgelobten aktuellen Album „On My Way“ am Start. Von der jungen Dame ist noch einiges in Zukunft zu erwarten. Klasse Mädel!

Folgerichtig bestritt dann die temperamentvolle Whitney Shay den Abschlusspart der Solovorstellungen. Die umtriebige rothaarige Kalifornierin verwandelte dann die Bühne des Pianos mit Tracks wie „Love’s Creeping Up On You“ „Getting In My Way“, „Boy, Sit Down“, „A Woman Rules The World“, „Stand Up!“ und „Get Down With It“ in eine Rhythm and Blues- und Soul-Arena. Eine ansteckende Performance voller Energie!

Am Ende schloss sich mit der Rückkehr von Katie Henry dann wieder der Kreis und mit u. a. „Voodoo Woman“ und dem CCR-Klassiker „Fortunate Son“ sowie zweier Zugaben („You Got To Move“) gab es einen schönen Ausklang mit allen Beteiligten.

Während der Pause und nach dem Gig standen die Akteure dann mit Thomas Ruf den Besuchern zur Verfügung und wir konnten auch noch unsere Bilder für die VIP-Galerie schießen. Eine weitere überzeugende Ausgabe des Blues Caravan-Konzepts. Weiter so Thomas Ruf & Co.!

Line-up:
Will Jacobs (lead vocals, electric guitar, vocals)
Katie Henry (lead vocals, electric guitar, Keys, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, percussion, vocals)
Tomek Germann (bass)
Denis Palatin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Will Jacobs
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Katie Henry
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Mickelson – Known To Be Unknown – CD-Review

Review: Michael Segets

Als siebzehnjähriger unterschrieb Mickelson vor vierzig Jahren seinen ersten Plattenvertrag. Seitdem gab es einige Höhen und Tiefen in seiner Karriere. Nun veröffentlicht er sein viertes Solowerk „Known To Be Unknown“ in Eigenregie. Alle Songs sind von ihm geschrieben und auch quasi im Alleingang musikalisch umgesetzt worden. Er spielt sämtliche Instrumente mit Ausnahme des Schlagzeugs (Frank Reina), der Hörner (Luke Kirley und Cayce Carnahan) sowie des Cellos (Sadie Mickelson). Zusätzliche Unterstützung holt er sich noch bei einem neunköpfigen Chor für „UNarmed American“.

Aus Massachusetts stammend führte Mickelsons Weg über New York in die Bay Area bei San Francisco, wo er heute als Produzent und Musiker tätig ist. In den 1980ern brachte er zwei Singles heraus, bevor der Plattenvertrag aufgelöst wurde. In den 90ern gewann er mit seiner Band Fat Opie einen MTV-Wettbewerb. Die damit verbundenen Zusagen, eine Tour von Neil Young zu begleiten sowie eine MTV-Sendung aufzunehmen, wurden allerdings nicht eingelöst. Dies war vorerst das Ende von Fat Opie, die 2010 nochmal kurzzeitig reanimiert wurde.

Nach einer Phase, in der Mickelson sich der Kunst und Illustration zuwandte, entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik wieder. Sein Solodebüt „Flickering“ (2015) brachte ihm eine Ehrung im Rahmen der Grammy-Verleihung. Ein großer Hit ist ihm allerdings bislang nicht gelungen. Meine Prognose ist, dass sich daran auch mit „Know To Be Unknown“ nichts ändert, denn zu wenig eingängig und teilweise sperrig erweisen sich die Tracks. Bis zur Mitte des Albums steigern sich die Songs jedoch kontinuierlich.

Gewöhnungsbedürftig ist der Opener „UNarmed American“. Rhythmisch läuft der Track aus dem Ruder und wirkt mit seinen eingestreuten Klangelementen überfrachtet. Auch „Go To Bed Hungry“ lässt keine klare Linie erkennen, indem er zwischen Folk und Bombast fluktuiert. Ab „A Murder Of Crows“ nimmt Mickelson die experimentelleren Ideen zurück und gibt „Ithaca“ eine rockige Note. „Only Ugly When You Cry“ punktet mit seinem eingängigen Refrain. Der Track stellt zusammen mit „Die Trying“ den besten Beitrag auf der CD dar.

Daneben finden sich noch zwei Instrumentalstücke: das durch die Bläser getragene „Chicago Transit Authority“ sowie das kurze „Blur In The Memory“. Zum Abschluss des Werkes gibt es noch eine akustische Version von „UNarmed American“. Die Folkversion des Songs ist erheblich gelungener als das Arrangement des Auftakts und lässt die Lyrics deutlicher in den Vordergrund treten. Die Texte sind der CD beigefügt, was mittlerweile ja nicht mehr selbstverständlich ist.

„Known To Be Unknown“ ist kein leichtes Werk. Die Texte sind insgesamt stärker als die musikalische Umsetzung, die nicht Mainstream-tauglich erscheint. So wird sich Mickelsons Bekanntheitsgrad wohl weiterhin auf Insider beschränken.

Mickelson Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. UNarmed American
02. Got To Bed Hungry
03. A Murder Of Crows
04. Ithaca
05. Only Ugly When You Cry
06. Chicago Transit Authority
07. Die Trying
08. Blur In The Memory
09. UNarmed American (acoustic)

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Cruzados, 01.04.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Nach zwei Alben war für die Cruzados Ende der 1980er erst einmal Schluss, nachdem Frontmann Tito Larriva mit Tito & Tarantula durchstartete. Nach 35 Jahren lässt Bassist und Songwriter Tony Marsico den damaligen Geist der Band wieder aufleben. Neue Mitstreiter fand er bei den Jungs von Little Caesar, die nicht nur das aktuelle Album „She’s … Automatic“ mit einspielten, sondern nun auch die Scheibe live in Europa vorstellen.

Markus Peerlings von der Kulturrampe freute sich sichtlich, den neuen Act aus dem Programm von Teenage Head Music ankündigen zu dürfen. Dies tat er mit Blick auf den Song „54 Knockouts“ im Stil eines Michael Buffer und eröffnete so die kurzweilige Show der Cruzados.

Mit Ausnahme von „Rock That Boat“ präsentierte das Quintett sämtliche Stücke des Longplayers, die die Hälfte des Konzerts füllten. Daneben gab es einzelne Songs der beiden Cruzados-Alben aus den 1980ern. „Rising Sun“ – der allererste Track der Band – und „Motorcycle Girl“, das den Abschluss des Hauptsets bildete, zählen zu den besten Tracks der frühen Cruzados. Von dem Debüt stammte noch das staubige „Hanging Out In California“ sowie als einziger Titel von der zweiten CD „Bed Of Lies“. „Endless Sun“, einen noch unveröffentlichten Song von Marsico, performte die Band erst zum zweiten Mal vor Publikum.

Den temporeichen Einstieg in den Abend bildete der Titeltrack der aktuellen Veröffentlichung, dem „Nine Million Tears“ und „On A Tilt A Whirl“ nahtlos folgten. Danach richtete Sänger Ron Young einige Worte an das Publikum. Mit Little Caesar gehört er ja quasi zu den Stammgästen in der Kulturrampe, wobei Young betonte, dass er von der Location – und natürlich von dem Krefelder Publikum – begeistert ist.

Dieser Ansage ließ er Taten folgen, denn Young gab wieder richtig Dampf auf der Bühne und die Zuhörer dankten es ihm mit gehörigem Applaus. Die Stimmung im gut gefüllten Saal war ausgelassen. Im Vergleich zu den Zeiten vor Corona stand das Publikum etwas lockerer, sodass sich genügend Raum bot, um die Tanzbeine kräftig zu schwingen. Diese wirbelten besonders vor der Bühne zusammen mit Haaren und sonstigen Gliedmaßen.

Das straight rockende Set wurde nur vereinzelt durch langsamere Stücke unterbrochen, so durch das als Country-Ballade angekündigte „Sad Sadie“ und das von Tito & Tarantula für den Soundtrack zu „From Dust Till Dawn“ geschriebene „After Dark“. Hier wurden die Gäste in das hitzeflimmernde Mexiko entführt. Dabei ist es sicherlich besser, die Musik in der Rampe unter Freunden und Bekannten zu hören als in der Titty Twister Bar unter Vampiren.

In LA, der Herkunftsstadt der Band, kommt man am Filmbusiness anscheinend nicht vorbei. Die Cruzados hatten für „Road House“ mit Patrick Swayze „Don’t Throw Stones“ eingespielt. Marsico leitete den Song mit launigen Bemerkungen über die Qualität des Streifens ein. Der Track kann sich jedoch hören lassen.

Rob Klonel am Schlagzeug sorgte für den richtigen Druck bei den Songs, unterstützt von dem souverän aufspielenden Tony Marsico am Bass. Loren Molinare stellt mit seinen eigenwilligen Bewegungen und ebensolcher Mimik einen Aktivposten neben Sänger Ron Young dar. Für die filigraneren Gitarrenparts und -soli zeichnete Mark Tremalgia verantwortlich.

Highlights des Hauptsets waren für mich „Across This Ghost Town“, das etwas langsamer als auf dem Longplayer gespielt wurde, sowie die zweite Singleauskopplung „54 Knockouts“. Hervorstach auch „Son Of The Blues“, bei dem Young seine Stimme technisch verzerrte. Vor „Long Black Car“ gab er eine kurze Katzen-Anekdote zum Besten, die ähnlich wie die Fotos der Vierbeiner immer zieht.

Nach siebzig Minuten war die Setlist zügig durchgerockt. Als Zugabe folgten „Back To The House Of Love“, das ebenfalls von Tito & Tarantula stammt, sowie der Klassiker „Have Love Will Travel“. Mit der Rock ’n Roll-Nummer „Johnny Pay To Play“ verabschiedeten sich die Cruzados von der Bühne, um am Merchandise-Stand für Unterschriften, Fotos oder Small Talk zur Verfügung zu stehen. Die Gespräche können im September fortgesetzt werden, wenn Little Caesar auf ihrer Tour erneut in der Kulturrampe Station macht. Lediglich Marsico wird dann nicht mit von der Partie sein.

Bis dahin bleibt der Auftritt der Cruzados mit dem charismatischen Tony Marsico sicherlich im Gedächtnis. Geprägt war der Abend von gradlinigem, gitarrengetriebenen Rock, der das Publikum mitgenommen hat. Zudem ließen die eingestreuten musikalischen Ausflüge in das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet den Schneeregen draußen vergessen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Loren Molinare (guitar, bgv)
Mark Tremalgia (guitar, bgv)
Tony Marsico (bass, bgv)
Rob Klonel (drums)

Text: Michael Segets
Bilder: Gernot Mangold

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Incredible Pack – 25.03.2022 – Yardclub, Köln – Konzertbericht

Nachdem Incredible Pack während der Coronapandemie mit “Time For Decisions“ ihr zweites Werk eingespielt hatten, bestand nun endlich die Möglichkeit nicht nur das aktuelle, sondern auch das erste Album zu promoten, was corona-bedingt nicht möglich war.

Dabei wurde für die Sicherheit aller Besucher, seitens des Yard Clubs, neben dem obligatorischen 2G+ zusätzlich ein tagesaktueller Coronatestest eingefordert, der am Einlass penibel unter Vorlage eines Lichtbildausweises kontrolliert wurde.

Leider ist es momentan so, dass selbst mit besten Konzepten scheinbar bei vielen Musikfans, gerade in kleinen Clubs Ängste bestehen, Konzerte zu besuchen. So war es an dem Abend auch im Yardclub, der noch Platz für mehr Besucher gehabt hätte.

Was jeder Musikfan wissen sollte, dass jetzt, wo wieder fast uneingeschränkt Konzerte erlaubt sind, keine staatliche Hilfen mehr fließen, um Einnahmeverluste auszugleichen. Jeder Besucher hat einen Anteil, den Clubs zu helfen, wirtschaftlich existieren zu können.

Doch nun zum eigentlich Wichtigen, auch die Band ließ direkt durchblicken, wie sie sich freut, endlich die Songs live präsentieren zu können.

Das Powertrio um die drei deutschen Rockurgesteine Martelle, Manni von Bohr und Ufo Walter hatten Jürgen „Jay“ Scholz dabei, um den vollen Studiosound auch live auf der Bühne präsentieren zu können.

Bestens gelaunt, neben der Gitarre mit einer Tasse Tee in den Händen, betrat Martelle, gefolgt von van Bohr und Ufo Walter, die Bühne. Erst ab dem dritten Song „Dangerous Age“, der zu den dunklen Zeiten in Osteuropa passt, betrat dann auch Jürgen Scholz die Bühne.  Martelle widmete diesen gewissermaßen den Menschen in der Ukraine.

In dem etwa zweistündigen Set wurden fast die gesamten Lieder der beiden Alben präsentiert, die eine explosive Mischung aus hartem texanischen Blues (in einem kurzen Gespräch outete Martelle sich als Billy Gibbons-Fan) und furiosem Rock`n`Roll bildeten.

Gespickt wurde die Setlist mit einigen Coversongs, wie einer harten bluesigen Version von Bowies „Rebel Rebel“ oder „Don`t Think About Her When You`re Trying To Drive“, welcher auch aus der Feder von John Hiatt stammt, wozu Martelle bemerkte, dass es von ihm keine Platte ohne Hiatt-Song geben würde.

Schon nach kurzer Zeit sorgte die Band durch ihre authentische Art dafür, dass der Funke auf die Besucher übersprang und sog diese Stimmung gewissermaßen selbst wieder ein und es entwickelte sich ein Abend, der mit Sicherheit weitaus mehr Besucher verdient gehabt hätte.

Es fällt schwer, aus den durchweg klasse präsentierten Songs einzelne herauszuheben, aber beeindruckend war „I Can`t Cry“, wo nach kurzer Zeit Martelle und Scholz die Bühne verließen und Ufo Walter mit einem Klasse Bass-Solo und Manni van Bohr mit einem mehrminütigen entfesselten Drumsolo, von der Leine gelassen wurden. 

Martelle und Scholz geizten Ihrerseits nicht mit furiosen, teils slidenden Soli auf ihrer vielfältigen Gitarrensammlung. Stark auch der Backgroundgesang von Scholz, der diesen auch auf dem letzten Album beisteuerte.

Martelle zeigte sich auch gesanglich voll auf der Höhe und bewältigte den zuvor angesprochenen Hiatt Song, den er als Herausforderung an seine Stimme ansah, problemlos, was eventuell auch an dem Yogi Tee lag, welchen Leo Komar von On Stage Promotions zum Ölen seines Vokalorgans fertig gemacht hatte.

Analog zum Titelsong des aktuellen Albums „Time For A Decision“, welcher mit texanischer Blueswucht durch den Yardclub zog, kann gesagt werden, dass die Zuschauer, die den Weg in den Kölner Norden gefunden hatten, eine gute Entscheidung getroffen hatten. Augenscheinlich begeistert, wurde nach über zwei Stunden Rock`n`Roll, der Heimweg angetreten.

Martelle – vocals, guitars
Ufo Walter – bass
Manni von Bohr – drums
Jürgen „Jay“ Scholz – Background Vocals, guitars

Text und Bilder: Gernot Mangold

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