Robert Jon & The Wreck – 05.09.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Da wir in diesem Magazin ja bereits unzählige CD-Reviews, Konzertberichte und auch ein Interview über/mit Robert Jon & The Wreck gebracht haben, möchte ich den Besuch dieses Abends in der Krefelder Kulturrampe, mal als Anlass nehmen, ein wenig die Entwicklung dieser  Erfolgsgeschichte zu beleuchten, denn die hat meiner Ansicht nach viele Väter.

Da gibt es zum einen ihren Teenage Head Music-Promoter Manny Montana, der von Anfang an, an diese Jungs aus Kalifornien geglaubt hat und sie mit umtriebiger Energie und Ausdauer, Jahr für Jahr, nach vorne gepuscht hat.

Da ist natürlich ihr Bandleader Robert Jon Burrison, der es mit seiner Kreativität und seiner charismatischen Gabe geschafft hat, immer wieder das Gefüge seines Kollektivs, auch nach Verlusten von Schwergewichten wie u. a. Christopher Butcher und Steve Maggiora (jetzt bei Toto), mit ebenso guten Musikern in der Waage zu halten.

Natürlich sind auch wir, ohne mit Eigenlob aus der Hose stinken zu wollen, mit ein essentieller Teil davon. Ich kenne kein anderes Musikmagazin oder Medium in unseren Sphären, das dieses Quintett über die lange Zeit, so intensiv publizistisch mitbegleitet hat. Denn es gab auch den Anfang im Jahr 2015, als sie noch vor weniger als 30 Zuschauern hier aufgetreten sind.

Und damit kommen wir zum letzten Teil der Erfolgsgaranten, den Betreibern der vielen Locations, die die Basis für den stetig wachsenden Zuspruch bilden und gebildet haben. Insbesondere ist da Markus ‚Pille‘ Peerlings von besagter Kulturrampe in Krefeld zu nennen, der die Burschen auch nach den ersten unrentablen Auftritten, immer wieder bei sich zu Stammgästen machte.

Wie wir ja alle leider mittlerweile wissen, zieht sich Pille am Ende des Jahres aus der Rampe zurück und wird neue Ufer betreten. Ein herber Verlust für die echte ehrliche Live-Musik von heute, auch wenn es mit der Location weitergeht, kann man sich nicht genug für diese sympathische, geschmackvolle und herzliche Präsenz bedanken. Er wird eine Riesenlücke hinterlassen.

Aus diesem Grund hat jetzt dieser, erstmal offiziell nicht geplante Termin, dann doch noch ihm zu Ehren stattgefunden, sicherlich eine schöne Geste der Dankbarkeit seitens THM und der Band.

Zum Konzert bleibt nicht viel zu schreiben.  Der Blick auf die am Boden liegende recht kurze Setlist ließ schon erahnen, dass es einige längere Tracks geben musste, was sich dann auch bewahrheitete. Nach dem Opener „Pain No More“, „Do You Remember“, „Tired Of Drinking Alone“, „Don’t Look Down“, „Ride Into The Light“ und ihrem Ohrwurm „Oh Carolina“, also mit drei Tracks vom neuen Album inkludiert, die allesamt knackig und straff dargeboten wurden, ging es dann mit dem Beatles-Cover „Come Together“ in die Jam-Phase über.

Wenn Yoko Ono und John Lennon diese furiose Version damals in ihrem Bettchen zu Gehör bekommen hätten, wäre es wohl nix mit „Give Peace A Chance“ geworden, sie wären wohl vor Schreck aus allen Liebeswolken gefallen.

Daran angeschlossen wurde „Last Light On The Highway“ in beiden Parts zelebriert, um dann den Gig mit „Cold Night“ einen weiteren Standardklassiker ihres Songkatalogs in einer halbstündigen Killer-Fassung als Zugabe zu beenden. Hier zeichnete sich besonders Andrew Espantman mit seiner unglaublichen Koordination und seinen maschinengewehrartigen Trommelattacken aus. Auch der ’neue‘ an den Tasten, Jake Abernathie, wusste sich in einem Wechselspiel mit Gitarren-Wizard Henry James in Szene zu setzen.

Am Ende wurden Robert Jon & The Wreck, wie so oft, von den großartig mitgehenden Rampenbesuchern frenetisch gefeiert. Man darf gespannt sein, wo die Reise noch hingehen wird, ich denke, wir werden vermutlich weiterhin mit dabei sein.

Line-up:
Robert Jon Burrison – lead vocals, guitar
Hanry James – lead guitar, vocals
Warren Murrel – bass
Andrew Espantman – drums, vocals
Jake Abernathie – keyboards

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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The Delta Saints – 24.08.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Vor über fünf Jahren spielten die Delta Saints das letzte Mal in der Krefelder Kulturrampe. Damals stand im Raum, dass es die letzte Tour der Band sei und zumindest eine Pause eingelegt werden soll. Nachdem die Band jetzt für ein Konzert in Nashville im Frühjahr aufspielte, gelang es Teenage Head Music wieder, die Band für eine kurze Europatournee zu gewinnen. Eine der sieben Stationen ist somit erneut die Krefelder Kulturrampe, in der die Band bereits einige begeisternde Auftritte hatte.

So war es nicht verwunderlich, dass Pille Peerlings die Band vor ausverkauften Haus begrüßen durfte. Es entwickeln sich etwa 100 Minuten, in der die Delta Saints agierten, als hätte es die lange Pause nicht gegeben. Schon vom ersten Song geht das Publikum bei fast tropischen Klimabedingungen frenetisch mit und es entwickelt sich ein unvergesslicher Musikabend und viele Fans fragen sich nach dem Konzert, ob dies eine einmalige kurze Reunion war oder der Beginn eines Neuanfangs.

Neben den stark, auf den Punkt gespielten eigenen Songs, wo „California“, „Heavy Fammer“, „Death Letter Jubilee“ und der Rausschmeißer „A Bird Called Angola“ herausragten, performtet die Band auch eine eindrucksvolle Version des Otis Redding-Klassikers „Hard To Handle“.

Wie in der Kulturrampe üblich, gesellten sie die fünf Musiker nach der Show im Kneipenbereich am Merchandising-Stand unter das Publikum und runden so einen tollen Konzertabend ab, der Lust auf mehr macht oder einfach als sentimentale Erinnerung stehen bleibt. Er hat in jedem Fall  Pille in seinem letzten Jahr als Rampenverantwortlichen, nach dem Konzert sichtlich ein Tränchen der Rührung ins Gesicht getrieben.

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
David Supica (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Jane Lee Hooker – 03.06.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Jane Lee Hooker sorgen bei Ihrem ersten Auftritt in Krefeld für eine gut gefüllte Kulturrampe und zeigen von Beginn an, dass es sich bei ihrer Musik um eine explosive Mischung von Rock und Blues, gewürzt mit einer Prise von Southern Rock und Punk handelt.

Visuell steht Fronterin Dana Danger Athens mit gestenreichem Auftreten, rollenden Augen und kraftvollen Gesang im Vordergrund. Dabei war am Morgen noch gar nicht sicher, ob ihre Stimme es an diesem Abend mitmacht. Im Laufe der Show beschreibt Tracy Hightop, dass Tourmanager Dieter Heavy-d Bossarts Danas am Morgen noch angeschlagene Stimme mit Hausmitteln wieder auf Vordermann gebracht hat.

Neben Dana Danger spielen sich die beiden Gitarristinnen Tina T-Bone Gorin und Tracy Hightop auch posenreich immer wieder in den Vordergrund, wobei Tina eher für die gefühlvollen Soli verantwortlich ist, während Tracy es eher Hard Rock-mäßig krachen lässt.

Bassistin Hail Mary Zadroga und Lightnin` Ron Salvo am Schlagzeug sorgen für einen treibenden Rhythmus, der die Grundlage für 75 Minuten auf der Überholspur ist und für eine schweißtreibende Stimmung in der Rampe sorgt.

Es bleibt zu hoffen, dass die Band und natürlich auch andere, die auf der Farewell Tour 2023 der Kulturrampe auftreten, wieder in die kultige Rampe kommen werden, wenn sich ein Nachfolger für Pille gefunden hat, der den von ihm eingeschlagenen Weg weitergeht. In dem Sinne, „Lass uns gemeinsam `n bisschen laut sein“.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals, keys)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
‚Lightnin‘ Ron Salvo (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

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Cruzados, 26.05.2023, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Zum zweiten Mal spielen The Cruzados in der Krefelder Kuturrampe und machen die Bude voll. Sie nutzen den Auftritt, um das gerade veröffentliche Livealbum „Live In Marseille“ und die EP „Land Of The Endless Sun“ zu promoten. Schon vom ersten Song „She`s Automatic“ (Titeltrack aus der 2022er-Scheibe) an, gibt es nur Vollgas: Rock`n`Roll, Tex-Mex-Blues und Southern Rock sind die Elemente, die die Fans in der Kulturrampe in Stimmung bringen, sodass sich die Rampe regelrecht in ein Freudenhaus der Rockmusik verwandelt.

Die beim Publikum bekannten Stücke (die Live-Scheibe wird komplett durchgespielt) werden dabei mit allen sechs Stücken der EP gespickt, womit die Fans auch einiges Neues zu hören bekommen, was auch durchweg gut ankommt und zeigt, dass es sich um eine ‚lebendige‘ Band handelt, auch wenn mit Bassist Tony Marsico, der die Band vor einigen Jahren wiederbelebte, nur noch ein Originalmitglied an Bord ist.

Marsico moderiert dabei gemeinsam mit Sänger Ron Young durch die Show und erwähnt nicht ohne Stolz, dass einige der Songs auch in diversen Filmen zu hören sind und ergänzt mit einem Augenzwinkern, dass es dabei einige Tote gibt. So ist natürlich da mystische „After Dark“ einer der Höhepunkte des Konzerts und die Rampe verwandelte sich fast in die Titty Twister Bar, aus der an diesem Abend jedoch alle lebendig herauskommen sollten.

Herausragend ist auch einer der ersten Songs der Band, „Rising Sun“, der Southern Rock-Kracher „Across The Ghost Town“, der Titelsong der EP „Land Of The Endless Sun“, wo der Blues im Stile der alten ZZ Top zelebriert wird, das balladeske „Golden Child“ und die Rock`n`Roll-Nummer „Johnny Pay To Play“, mit der sich die Band von den Zuschauern verabschiedet. Wie im Fluge vergehen etwa 100 Minuten energiegeladener Musik, die auch von den verschiedenen Charakteren der Musiker lebt.

Ron Young, der charismatische Fronter mit der markanten Stimme, der diese wie ein Chamälion an die verschiedenen Songs anpasst, Loren Molinare, der insbesonders die Soloparts an der Gitarre übernimmt, die Richtung Rock`n`Roll gehen, Mark Tremalgia der sich eher für die gefühlvollen und Southern-Soli verantwortlich zeigt, Rob Klonel der an den Drums den Takt vorgibt und last but not least der charismatische Toni Marsico, der in den Musikern von Little Caesar Mitstreiter gefunden hat, die die Cruzados wieder aufleben zu lassen, und es doch gelingt, musikalisch eine klare Abgrenzung zu erreichen.

Besonders zu erwähnen ist, dass Marsico der bestens gelaunt, oft mit den Fans schäkernd, auf der Bühne steht, zuweilen auch einen starken Leadgesang beisteuert, noch an den Folgen einer Infektion laboriert und sich einige Male auf die Amp setzen muss, um wieder Kraft zu schöpfen, dort aber sein druckvolles Bassspiel fortsetzt und so mit für einen Abend in der Rampe sorgt, an den sich die Fans gerne zurück erinnern werden.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Loren Molinare (guitar, bgv)
Mark Tremalgia (guitar, bgv)
Tony Marsico (bass, bgv)
Rob Klonel (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Cruzados
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Allen-Forrester Band – 12.05.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Vor knapp einem Jahr musste sich die Allen-Forrester Band bei ihrem Debütauftritt in der Krefelder Kulturrampe noch vor tristen 40 Zuschauern abkämpfen. Die Corona-Pandemie schien zwar zu dieser Zeit bereits weitestgehend unter Kontrolle, es war aber an einem Abend mitten in der Woche und das Quartett hatte bis dato noch eher einen Insider-Status. Die Truppe um Josh Allen und Ben Forrester spielte sich aber mit einer engagierten und ausgiebigen Vorstellung sofort in die Herzen der Anwesenden.

So etwas spricht sich im Umfeld der Rampe schnell rum (sicherlich tat auch unsere positive Berichterstattung ihr Übriges) und so durfte sich die Formation diesmal über einen würdigeren Rahmen freuen: Die Krefelder Kult-Location war ausverkauft!

Zudem gibt es mittlerweile auch die erste Studio-CD mit Eigenkreationen vorzuweisen, die an diesem gelungenen Abend vollständig präsentiert wurde. Und so begannen Allen, Forrester & Co. konsequenter Weise mit dem gleichen Trio („Knocked Me Down“, „Stand Up“ und „Hey Carolina“), das auch den Longlayer einleitet.

Nach dem in flotter Molly Hatchet-Manier abgehenden „Find Somebody New“ und dem Led Zep-umwehten „Boss Man“ kam für mich mit „This Evening“ der Höhepunkt des Gigs. Das balladeske Stück mit ein wenig „Lonesome Guitar“-Flair bestach vor allem mit einem herrlichen „Leise“-Les Paul-Intermezzo von Forrester und einem Allen-Endsolo in Skynyrd-Tradition.

Nach einer Cover-Phase mit gut-interpretierten Blackberry Smoke-, Skynyrd- und Allman Brothers-Adaptionen („Shake Your Magnolia“, „The Needle And The Spoon“, „Southbound“) wurde mit „Phases Of The Moon“ die jahrelange Fernbeziehung der Forresters (mittlerweile ein Ehepaar) zum Ende von Set 1 musikalisch aufgearbeitet.

Nach der Pause ging es dann mit vier Tracks vom aktuellen Album weiter, hier vermisste ich bei „Burning Daylight“ die rassigen Backgroundvocals von Jade MacRae, die sich, einmal gehört, irgendwie ins Gehirn eingebrannt zu haben scheinen.

Der HT-Schunkler „Arkansas“, der mir auch beim letzten Mal schon gut gefallen hatte und das progressiv-jammige „Wiser Time“ (längstes Stück des Konzerts)“ bildeten die Center-Tracks von Set 2, das dann mit „Say Your Name“ (erinnerte mich an die alte Rheinberger SR-Band Street Survivors“ – mit klasse Allen-Strat-Solo in klirrendem Hughie Thomasson-Stil), „GoodSituation Gone Bad“ (mit klasse Drum-Solo von Matze Böhm) und „Running For Your Life“ abgerundet wurde.

Die erste Zugabe, das delta-bluesige „She Knows What I’m All About“ performten Ben und Josh im Duo, zur knallharten Version von „Workin‘ For MCA“ als Finale waren dann alle vier Protagonisten der Allen-Forrester Band wieder mit am Werk.

Die Entwicklung der Gruppe weist, meiner Ansicht nach, vom Potential her, einige Parallelen mit Robert Jon & The Wreck auf, wenn es mit solch starken Leistungen kontinuierlich weitergehen sollte, dürfte Auftritten auf größeren Bühnen in Zukunft nichts im Wege stehen. Am Ende stand die Allen Forrester Band natürlich dann auch noch für unser traditionelles VIP-Bild zur Verfügung.

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar
Ben Forrester – electric guitar
Hendrik Herder – bass, bgv
Matze Böhm – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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EBF Music
Kulturrampe, Krefeld

Mike And The Moonpies – 19.04.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Texaner Mike And The Moonpies, die dieses Jahr ihr 15-jähriges Bandjubiläum feiern, hab ich bis dato nur mit einem CD-Review ihrer starken „Mockingbird„-Scheibe auf dem Radar gehabt. Das ist schon eine ordentliche Weile her, danach habe ich sie dann zu meiner eigenen Schande tatsächlich bis zu ihrem aktuellen Gig in unserer geliebten Kulturrampe aus den Augen (und den Ohren) verloren.

Das Schöne und Spannende bei solch vermeintlich hier unbekannten Bands bei einem Auftritt mitten in der Woche ist ja immer, was einen an einem solchen Abend von der Zuschauerresonanz, als auch natürlich vom musikalischen Aspekt her beschert wird. Um es vorwegzunehmen, es wurde ein herrlicher Gig in einer überaus gut gefüllten Rampe, in der sich offensichtlich viele Insiderfans des texanischen Quintetts aus Austin eingefunden hatten.

Bandleader Mike Harmeier hätte sich bei einem plötzlichen Stimmausfall jedenfalls keine Sorgen zu machen brauchen, einer der vielen begeisternd mitgehenden Fans direkt am Bühnenrand kannte so gut wie jeden Songtext auswendig und hätte vermutlich sofort das Mikro übernehmen können.

Die flotte Uptemponummer „Paycheck To Paycheck“ eröffnete den bunten Reigen der Songs, die sich von klassischem Country, Outlaw Country, New Country, Red Dirt, bis hin zum Southern Rock erstreckten. Mike (neben dem Gesang mit der Stratocaster im Rhythmusbereich und einigen Twinparts unterwegs) konnte sich dabei blind auf seine ‚Mondkuchen‘-Kumpels (Moon Pie ist übrigens ein Konfekt, das 1917 in Chattanooga erfunden wurde) verlassen.

Zum einen auf den wuchtigen Pedal Steel Player Zach Moulton (mit dem ‚Texas As Fuck‘-Schriftzug auf dem Rücken seines T-Shirts) mit vielen fiependen Einlagen, den quirligen Telecaster-Leadgitarristen Catlin Rutherford mit vielen filigran gespielten E-Soli, sowie die markante Rhythmusfraktion mit dem Angus Young-ähnlich aussehenden Drummer Taylor Englert, der an seinem Arbeitsgerät genau so wirbelte wie sein australisches Pendant und der wild-mähnige Bassist Omar Oyoque, der mit seinem Faible für Türkis-bestückte Ringe an den Fingern, ebenfalls durch seine mitnehmende und fröhliche Ausstrahlung, zu den Aktivposten auf der Bühne zählte.

Und so zogen die fünf Texaner ihr launiges Programm („Rainy Day“ mit ein wenig Marshall Tucker-Flair, der melodische Schwofer „Steak Night At The Prairie Rose“, das southern-rockige „Danger“ und der Red Dirt-Schunkler „You Look Good In Neon“ zählten dabei zu meinen Top-Favoriten) in einem durchgehenden Set bis zum abschließenden „Dance With Barbara“ gnadenlos durch. Fronter Mike Harmeier brauchte aus den genannten Gründen so gut wie gar keine Kommunikation zwischen den Stücken zu betreiben.

Am Ende ließ er sich eine Vorstellung der Band nach der ersten Zugabe „Cheap Silver“ natürlich nicht nehmen, die dann beim Rausschmeißer „We’ve Gone“ beim Outro (ohne Mike) nochmal instrumentell richtig Speed gab.  Insgesamt ein stimmungsvoller Outlaw-Country-Gig mitten in der Woche, bei dem Mike And The Moonpies die Kulturrampe in eine echte Honkytonk-Hölle verwandelten.

Ein toller Abend, den man als Liebhaber solcher Musik nicht so schnell vergisst! Ich denke, auch die schönen und authentischen Bilder des Kollegen Mangold spiegeln die Stimmung und die Dynamik des Konzerts hervorragend wider.

Line-up:
Mike Harmeier – lead vocals, electric guitar
Catlin Rutherford – electric guitar, vocals
Omar Oyoque – bass
Taylor Englert – drums
Zach Moulton – pedal steel, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Mike And The Moonpies
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Kuturrampe Krefeld

MojoThunder – 08.04.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Wenn sich Bands aus dem Teenage Head Music-Fundus nach Europa begeben und dann auch in der Kulturrampe auftreten, weiß man mittlerweile, dass eine dementsprechend gute musikalische Qualität zu erwarten ist. Wo früher Bands wie u. a. Robert Jon & The Wreck sich ihr Standing und den entsprechenden Publikumszuspruch hart erkämpfen mussten, haben es Debütanten jetzt doch schon etwas leichter.

Das gilt auch für das erstmals in der Rampe aufschlagende, aus Lexington in Kentucky stammende Quartett MojoThunder, die ihren energiegeladenen, Southern-umwobenen Hard Rock bei uns salonfähig zu machen versuchen. Die Kulturrampe war so gut wie voll. Ihr 2021 erschienenes, auch bei uns besprochenes Album „Hymns From The Electric Church“ bildete dabei den Schwerpunkt.

Der Black Crowes-umwehte Opener „Movin‘ On“, eine Single aus dem Jahr 2019, gab bereits die Richtung vor, es wurde ordentlich laut. Auffällig für den Les Paul-, Strato- und Telecaster-gewohnten Southern-Kenner war, dass die beiden Gitarristen (Sänger Sean Sullivan und Solist Bryson Willoughby) im ersten Set, bis auf eine Ausnahme bei „Evergreen“, zunächst beide mit rot-schwarzen Gibson SG-Klampfen (wie man sie u. a. von Angus Young, Derek Trucks oder Gary Rossington kennt) agierten.

Obwohl der Gesang von Fronter Sean Sullivan gut zu vernehmen war, litten die E-Gitarren für meinen Geschmack etwas zu sehr durch den viel zu laut ausgesteuerten Drum-Sound, des agilen und immens heftig polternden Schlagzeugers Zac Shoopman, der quasi immer die Pace vorgab. Apropos ‚agil‘: Ich habe selten einen solch beweglichen Bassisten live gesehen wie MojoThunders Andrew Brockman, dessen aus Gummi zu bestehen scheinender Körper vom Anfang bis zum Ende tanzte, in diversesten Verrenkungen poste und natürlich auch einen heftigen Groove entfachte.

Im ersten Set wussten noch „Blackbird“, das psychedelisch verarbeitete Stones-Cover „Can’t You Hear Me Knocking“ und das etwas ruhigere und atmosphärische, mit einem Allman-Touch versehene „Soul“ zu gefallen. Nach der Pause wechselten dann sowohl Sullivan als auch Willoughby (der spielte sich mit einigen längeren Soli etwas in den Vordergrund) ausnahmslos zu Les Paul-Gitarren und ließen dann auch sporadisch die Southern-typischen Twin-Einlagen (u. a. bei „Untitled #69“ oder „Rising Sun“) einfließen.

Meine Favoriten in Set 2 waren das an eine härtere Version von „Midnight Rider“ erinnernde „Memphis Motel“ und das wie eine Mischung aus AC/DC, Bad Company und den Black Crowes wild dahinrockende „No Good“. Mit dem ebenfalls AC/DC-trächtigen „Jack’s Axe“, auf dem aktuellen Werk „Hymns From The Electric Church“ der Opener, wurde erneut nochmal die Hard Rock-Axt geschwungen und beim Konzert im Hauptteil der Schlusspunkt gesetzt. Insgesamt erinnerte mich alles ein wenig an die ebenfalls aus Kentucky stammenden Black Stone Cherry, nur in etwas kleineren Dimensionen.

Das Publikum war vom harten Stil des Kentucky-Vierers sehr angetan und auch Sullivan & Co. genossen den offerierten Zuspruch bei ihrem Rampen-Debüt sichtlich. So ließen sie ich nicht lange bitten und brachten auch die Freunde des psychedelischen Classic Hard Rocks mit einem ca. 10-minütigen Led Zeppelin-Medley in Euphorie.

Am Ende gab es noch ein kurzes Gespräch mit den sympathischen MojoThunder-Jungs am Merchandising-Stand, wo sie sich dann auch für unser obligatorisches SoS-VIP-Bild ablichten ließen. Dabei versprachen sie bereits eine baldige Wiederkehr nach Deutschland.

Line-up:
Sean Sullivan – lead vocals, electric guitar
Bryson Willoughby – electric guitar
Andrew Brockman – bass
Zac Shoopman – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

MojoThunder
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Kulturrampe

The Poor – 11.03.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

The Poor spielen erstmals in der Krefelder Kulturrampe und schon Tage vorher konnte ein ausverkauftes Haus vermeldet werden. Dabei ist die Band kein Newcomer, sondern trat schon ab den neunziger Jahren als Support für z. B. Rose Tattoo auf.

Um 21:00 Uhr begibt sich die Band auf die Bühne, die mit einem Vorhang abgehängt ist und nach einer kurzen Ankündigung öffnet sich der Vorhang. Fronter Skenie begrüßte kurz das Publikum und es folgen nicht ganz 90 Minuten Hard Rock aus Australien, bei dem die Band direkt auf die Überholspur geht und diese auch nicht mehr verlässt.

Skenie, rockt singend und schreiend die Bühne und nimmt die Fans von Beginn an mit, dass sich die Rampe schnell in ein headbangendes Tollhaus verwandelt. Gegen Ende des Konzertes geht er sogar durchs Publikum, um die Treppe zum nicht genutzten Obergeschoss zu entern, um schließlich von dort über den Köpfen der Fans weiter zu singen.

Daniel Cox schmettert das eine oder andere Hard Rock-Riff in die Rampe und zeigt dabei auch vielfältige Poserqualitäten unter dem Motto „Das Auge isst mit“. Der fast dauerhaft grinsende Drummer Matt Whitby und der am rechten Bühnenrang agierende Bassist Gavin Hansen geben krachend den Takt vor, der sich über die gesamte Zeit im hohen Drehzahlbereich befindet.

Nach etwa 80 schweißtreibenden Minuten, auf und vor der Bühne, verabschieden sich die Aussie-Rocker, um sich direkt zum Merchstand zu den zahlreichen wartenden Fans zu begeben und so einen stimmungsvollen Hard Rock- Abend ausklingen zu lassen.

Line-up:
Skenie– vocals, guitar
Daniel Cox – guitars, backing vocals
Matt Whitby – bass
Gavin Hansen – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe

Rhino Bucket, 06.01.2023, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Mit einem Jahr Verzögerung machte die kalifornische Hard Rock-Band Rhino Bucket den Konzertauftakt in der Krefelder Kulturrampe. Schon einige Tage zuvor meldete die Kulturrampe ein ausverkauftes Haus, und so hatte das Quartett Mühe, sich den Weg durch den proppevollen Zuschauerbereich auf die Bühne zu bahnen.

Danach folgte ein 90-minütiger Trip mit klassischen Hard Rock, der einen an die frühen Jahre von AC/DC erinnerte. Dies lag nicht nur an der Stimme Georg Dolivios, die eine große Ähnlichkeit zu Bon Scott hat (da hätten die Australier vor ein paar Jahren einen besseren Ersatz für den erkrankten Brian Johnson finden können als Axl Rose), sondern auch an den Rhythmusstrukturen der Songs, die Brian Forsythe mit einigen kernigen Gitarrensoli würzte.

Dave DuCey an den Drums und Reeve Downes am Bass sorgten für eine druckvolle aber bestens ausgesteuerte Soundgrundlage, die schnell dafür sorgte, dass sich eine tolle Stimmung in der Rampe entwickelte, von der sich die Band anstecken ließ. So war während der gesamten Dauer gehörig Druck auf dem Kessel.

Neben altbekannten Songs wie „Hey There“, „Welcome To Hell“, dem groovigen „Bar Time“, den Zugaben „Hammer & Nail“, „Ride The Rhino“ und dem Rausschmeißer „Smile“ gab es mit „Raise Your Glass“ auch ein neues, bisher nicht veröffentlichtes Stück, das auf die kommende Platte kommen soll.

Die wird dann bestimmt auf der nächsten Tour vorgestellt werden, weil Dolivio schon ankündigte, dass man sich nächstes Jahr wiedersehen werde. Abgerundet wurde der Jahresauftakt in der Kulturrampe dadurch, dass sich nach dem Konzert die gesamte Band unter die Fans in den Kneipenbereich begab und einiges an Foto- und Autogrammwünschen erfüllte.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Jahresauftakt auch eine Wende bezüglich der Besucherzahlen eingeläutet hat und die Clubs nun öfters wieder ein volles Haus vermelden können.

Line-up:
Georg Dolivo (lead vocals, electric guitar)
Brian Forsythe (electric guitar, vocals)
Reeve Downes (bass, vocals)
Dave DuCey (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Rhino Bucket
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Jive Mother Mary, 05.10.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Ein Tag mitten in der Woche in der Rampe. Angesagt hatte sich die Southern Rock-Gruppe Jive Mother Mary aus der Teenage Head Music-Familie. Um die 40 Zuschauer sorgten für eine optisch einigermaßen gefüllte Rampe.  Kulturrampen-Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings ließ bei der Ansage zwar ein wenig die momentan schwierige  Lage der kleineren und mittleren Clubs durchklingen, relativierte allerdings diese dann auch wieder, in dem er auf die deutlich schlimmere Lage von vielen anderen Menschen auf diesem Erdball hinwies. 

Dann ließ er die Jungs aus North Carolina um Bandleader Mason Keck los. Gespielt wurde in zwei Sets mit jeweils zehn Stücken. Mit an Board hatte man das neue Album „8 Tracks“, das dann erst gegen Ende von Set 1 ins Spiel kam und mit Tracks wie  „I Can Still Be Your Man“, „Hope It Ain’t Bad“, Big City Blues“ eher noch zurückhaltend beworben wurde.

Mason Keck, mit seinem Van Zant-ähnlichen Aussehen, war als klarer Leader entsprechend im Mittelpunkt positioniert. Er konnte natürlich den Hauptleadgesangsteil als auch die meisten E-Gitarren-Soli für sich verbuchen, man hatte aber immer das Gefühl, einen Teamplayer vor sich zu haben.

Als Markenzeichen in der überwiegend rockigen Ausrichtung des Quartetts sind die immer wieder integrierten Twin-Gitarrenparts anzuführen, bei denen der technisch versierte Co-Gitarrist Tyler Schulz (er dazu meist mit Harmoniegesängen, aber auch einigen Lead-Wechselparts) eine ebenso gute Figur machte.

Unterlegt wurden beide von dem beim ersten Gig 2017 in der Rampe noch nicht vertretenden Bassisten Keith Ingalls (er erst im zweiten Set auch mit Backgroundvocals dazustoßend) und dem, sein druckvolles Schlagzeugspiel mit lebhafter Mimik verstärkenden Seth Aldridge.

In Set 1 habe ich mir das atmosphärisch groovende und mit einem furiosen E-Gitarrenfinish endende „Save Me“ als Highlight notiert, in Part 2 standen bei mir das oben bereits erwähnte eingängige „Hope It Ain’t Bad“ und das an die frühen 38 Special erinnernde „Count On Me“ hoch im Kurs.

Das momentane Problem der Band erscheint mir noch im fehlenden Wiedererkennungswert der meisten Songs zu liegen, positiv ist jedoch zu vermerken, dass Keck & Co. nicht versuchen, mit gut gemachten Coverstücken das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, sondern sich komplett, mit eigener Kreativität und spielerischem Können, die Audienz regelrecht zu ‚erarbeiten‘.

Das wurde dann auch dementsprechend von den Anwesenden gewürdigt und führte unter lautstarken Zugabeforderungen noch zum bekannteren „Home Is Were The Heart Is“, dem Titellied ihrer gleichnamigen EP aus dem Jahr 2016. Insgesamt also eine nicht nur ‚kecke‘ Vorstellung von Jive Mother Mary, sondern auch ehrliches Basiswirken nah am treuen Publikum, so wie es die Band schon immer liebte.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
Keith Ingalls (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums)

Bilder: Michael Segets
Text: Daniel Daus

Jive Mother Mary
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