Ana Popovic – 16.10.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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‚Los Angeles‘ war für mich das Stichwort der Woche. Zunächst im Rahmen des gerade frischen Reviews zum großartigen Gig der neuformierten Eagles im gigantischen, an drei Tagen ausverkauften FORUM, in der zum Los Angeles County zählenden Stadt Inglewood, dann in Bezug auf die mittlerweile in LA lebende Serbin Ana Popovic.

Auch wenn sich die Blondine in den zwanzig Jahren, in denen sie sich jetzt schon im Blues Rock-Business erfolgreich behauptet, durchaus einen weltweiten Namen gemacht hat, dürfte der Weg in eine solche Location weiterhin ambitioniert sein, an diesem Freitag Abend  hieß es für sie im heimischen Schwarzen Adler zu Rheinberg (der natürlich auch weltberühmt ist), Traditionsclubatmosphäre zu ‚atmen‘.

Und das ist in diesen unsäglichen Corona-Zeiten, die besonders die Veranstaltungsbranche samt vieler Künstler an den Rande des Ruins treibt, ja auch schon etwas. Ernst Barten war von Beginn an, als einer ihrer besonderen Förderer zu sehen, deshalb kommt sie immer wieder gerne in den Vierbaumer Kulttempel. Auch bei den Zuschauern ist sie äußerst beliebt, so war der Saal, trotz der bedingten Einschränkungen, durchaus  gut frequentiert.

Und wie das so in diesen Wochen und Monaten der Entbehrungen ist, wurde ihr kurz zuvor, auch noch an anderer Stelle, ein Strich durch die Rechnung gemacht. Weil ihrer geplanten Rhythmusfraktion in New York am Flughafen die Ausreise  verweigert wurde, war spontanes Improvisieren angesagt. So gab es an diesem Abend im Schwarzen Adler ein Konzert, dass man vermutlich in dieser Form wohl nicht mehr erleben wird.

Pünktlich um 20:00 Uhr betrat die Protagonistin ’nur‘ mit Keyboarder Michele Papadia im Schlepptau, die demnach übersichtliche Bühne. Die beiden stellten dann ein immerhin, mit 21 Stücken (u. a. mit Tracks wie „Fearless Blues“, „Virtual Ground“, „New Coat Of Pain“, „License To Steal“, Johnnie Ray“, „How’d You Learn To Shake It Like That“) versehenes, durchaus gut unterhaltendes Programm (inklusiv zweier Zugaben) spontan auf die Beine.

Ana, die den kompletten Leadgesang inne hatte, wechselte zwischen der Akustik- und ihrer abgewetzten Stratocaster-E-Gitarre hin und her, bediente vom Rhythmusspiel, über viele Soli , sowohl in konventioneller, wie auch slidender Manier (in ihrer typischen Schnellspielart), alle erdenklichen Facetten der Saitenkunst. Sie gab sich auch zwischen den Stücken recht kommunikativ und redete sich so auch ein bisschen den zur Zeit spürbaren Frust von der Seele.

Michele Papadia ließ sich natürlich ebenfalls nicht lumpen und reizte vom Organ bis zum E-Piano ebenfalls alle Möglichkeiten (teilweise schöne HT-Einlagen) seiner Doppelkeyboardanlage aus.

Die anwesenden Zuschauer bedachten den engagierten Auftritt mit viel lautem Applaus und verabschiedeten das spielfreudige Duo, das wirklich das Beste aus der Situation rausgeholt hatte, nach den beiden Zugaben „Woman To Love“ und dem furiosen „Can’t You See What You’re Doing To Me“, wo Ana nochmal richtig Gas auf ihrer Strat gab,  zurecht mit stehenden Ovationen.

So blieb am Ende für alle Anwesenden, was die lange Liste der Popovic-Konzerte im Schwarzen Adler betrifft,  immerhin ein denkwürdiger Abend mit Seltenheitswert.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, acoustic and electric guitar)
Michele Papadia (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ana Popovic
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Schwarzer Adler

Kevin Burt – Stone Crazy – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Wieder eine von Mike Zito (Gulf Coast Records) produzierte Blues-Scheibe. Und erneut hat Mike Zito dabei ein glückliches Händchen bewiesen. Kevin Burt, der seit über 25 Jahren im Geschäft ist und in dieser Zeit mit seiner Bluesmusik sein Publikum, vorrangig im mittleren Westen der USA, begeistert hat, legt nun sein neuestes Album „Stone Crazy“ mit insgesamt elf Songs vor, wovon zehn Titel aus seiner Feder entstammen.

Lediglich eine Nummer („Better Off Dead“) stammt nicht von ihm, sondern von Bill Withers. Natürlich hat es sich Mike Zito auch bei diesem Album nicht nehmen lassen, selbst zur Gitarre zu greifen und Kevin Burt tatkräftig zu unterstützen.

Alle Tracks dieser Scheibe sind lupenreine Bluesnummern, teils garniert mit virtuos gespielter Mundharmonika und dezenter, bis lebhafter Saxophonunterstützung. Der Aufmacher „I Ain‘t Got No Problem With It“, ein flotter und gute Laune verbreitender Blues-Shuffle, ist so ein Beispiel für Burts Künste an der Harmonika, während bei dem ein wenig swampigen „Purdy Lil Thang“ etwas härtere Gitarrenriffs im Vordergrund stehen.

Leichtes Südstaaten Flair hingegen verbreitet das folgende „Rain Keeps Coming Down“, harmonisch treibend mit Slidegitarre und Mundharmonikauntermalung. Bei „Stone Crazy“ handelt es sich um einen melodiös und ruhig vorgetragenen Lovesong.

„I‘m Busting About“ startet mit einem Rhythmus stiftenden Schlagzeugintro zu dem sich dann das Keyboard hinzugesellt, bevor Burt mit Gesang und Gitarre das Arrangement im Chicagostil komplettiert.

Es folgt die solide Slowblues Nummer „Same Old Thing“, die durch gekonnte, zeitweise Saxophon-Begleitung und klagende Gitarre besticht, bevor es mit dem flotteren Boogie „You Get What You See“ weitergeht und  an den sich dann ein glückseliges „Something Special About You“ anschließt.

Beschwingt und leicht chicagomässig mit vorherrschender Harmonika trägt Burt sodann den Shuffle „Should Have Never Left Me Alone“ vor. Bill Withers Klassiker „Better Off Dead“, ist auch wieder im Chicagostil arrangiert, aber mit durchaus funkigen Anleihen. Getreu dem Motto ‚das Beste kommt zum Schluss‘ präsentiert Kevin Burt als letzten Track des Albums das gemächlich-mystische „Got To Make A Change“, getragen von einer kräftigen Basslinie und seinem eindringlichen Gesang. Ein starkes Stück Musik, nach meiner Ansicht der beste Song der Scheibe.

Mit seiner warmen, präsenten und teils auch rauen Stimme bringt Kevin Burt seine Songs, die ihm zufolge auf Beobachtungen und Erfahrungen beruhen, die er im Laufe seines Lebens während seiner musikalischen Blues-Reise gesammelt hat und die seine Sicht auf Liebe und Beziehungen nachhaltig geprägt haben, glaubhaft rüber. Schließlich hat Burt, der autodidaktischer Musiker ist, nicht von ungefähr in der Vergangenheit bereits viele Preise und Auszeichnungen eingeheimst (u. a. den Cigar Box Award als bester Gitarrist und den Lee Oscar Award als bester Harmonikaspieler).

Wünschen wir Kevin Burt, dass er mit seinem neuesten Werk „Stone Crazy“ nun auch die ihm gebührende internationale Anerkennung erhält. Verdient hat er sie mit dieser Scheibe allemal.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues

Tracks:
01. I Ain‘t Got No Problem With It
02. Purdy Lil Thang
03. Rain Keeps Coming Down
04. Stone Crazy
05. I‘m Busting Out
06. Same Old Thing
07. You Get What You See
08. Something Special About You
09. Should Have Never Left Me Alone
10. Better Off Dead
11. Got To Make A Change

Kevin Burt
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Gulf Coast Records

Billy Walton Band – Dark Hour – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Nachdem ich die Billy Walton Band im November letzten Jahres bei uns in Krefeld in der Kulturrampe live genießen konnte, war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Scheibe, die jetzt seit kurzem in den Läden ist. Da die Band aus New Jersey stammt, war es natürlich naheliegend, dass sie die CD in den dortigen Cambridge Sound Studios eingespielt hat. Dabei zur Seite gestanden ist der für einen Grammy nominierte Soundtechniker Jim Salamone.

Herausgekommen ist dabei, wie nicht anders zu erwarten, ein musikalisch abwechslungsreiches und tontechnisch hervorragendes Album mit insgesamt zwölf Tracks, auf denen Billy Walton Gitarre spielt und singt, William Paris den Bass zupft und ebenfalls Gesangseinlagen beisteuert.

Tom Petraccaro am Saxophon und Bruce Krywinski jr. an der Trompete bilden die Bläsersektion, während Eric Safka an der Hammondorgel für die nötige Untermalung sorgt und Francis Valentino an den Drums den richtigen Drive liefert. Hinzugesellen sich noch ein paar weitere Studiomusiker/innen u. a. für Gesang und Tambourine.

„Dark Hour“ ist der Nachfoger von „Soul Of A Man“ aus 2017, welches allerdings wesentlich souliger geprägt ist. Auf dem neuen Werk geht es deutlich rockiger und härter zu, ohne aber auf soulig-funkige und bluesige Einflüsse zu verzichten, was die Scheibe insgesamt sehr abwechslungsreich macht.

Als Einstieg dient die kräftige Rocknummer „Think Of Me“ mit quäkendem Wah-Wah Gitarrensound und einem hardrockigem Intro, gefolgt von einem nicht weniger fetzigen Track namens „Long Slow Descent“ mit tollen Syntheziser-Sequenzen, die entfernt an die Rockmusik der frühen 70‘er Jahre à la Uriah Heep erinnern. Entspannend und den Ohren schmeichelnd gönnt das melodiöse und funkig-soulige „Can‘t Love No One“, welches genau wie „You Don‘t Need Me“ im Vorfeld bereits als Single ausgekoppelt wurde, dem Zuhörer dann eine kleine Verschnaufpause.

„You Don‘t Need Me“ ist begleitend zu Waltons Gesang, relativ sparsam instrumentiert, immer wieder unterbrochen von brachialen, gewitterähnlichen Basseinlagen, aber mit einem ruhigen, versöhnlichen Ausgang. Ein sehr starker Song, der sich von den übrigen Stücken des Album abhebt.

Mit „Long Way Down“ spielen Billy Walton und seine Jungs einen schönen, souligen Slowblues, der mit gefälligen Bläsern beginnt und im weiteren Verlauf auch ein wenig Southern-Atmosphäre versprüht.

Bei „Confusion“ hingegen ist der Titel Programm, der Midtempo-Song startet tatsächlich etwas experimentell-konfus, geht dann aber wieder ins Soulige über, woran nicht zuletzt die Bläsersektion einen großen Anteil hat.

In dem atemlos wirkenden „Goldmine“ gibt Francis Valentino mit seinen treibenden Drums die Schlagzahl vor, die von Waltons Gitarrenriffs im Stil der 70’er Jahre aufgegriffen wird. Ein bisschen ruhiger mit dezenten Bläsern und gospeligen Background Vocals kommt dann „Free World“ daher und auch das klassische „Funky Fever“ macht seinem Namen alle Ehre.

Die folgenden zwei Titel sind Cover-Songs. Das ist zum Einen „Cold Day In Hell“ (ursprünglich von Gary Moore geschrieben) und zum Anderen „Cortez The Killer“ (Neil Young). Während ersteres ein flotter Soul-Track mit unauffällig im Hintergrund agierenden Bläsern ist, wirkt der langsame, balladeske „Killer Song“ eher düster.

„People Talking“ geht fast als Instrumentalstück durch. Erst bei genauerem Zuhören stellt man fest, dass Billy Walton auch singt. Wobei sein Gesang wirklich mit der Musik verschmilzt und so ein diffuser Eindruck von Gesprächen entsteht, „People Talking“ eben.

„Dark Hour“ ist unter dem Strich ein interessantes und hörenswertes Album, auf dem Billy Walton seine vielfältigen musikalischen Fähigkeiten als Gitarrist und Sänger unter Beweis stellt, auch, oder gerade weil sich die CD doch sehr von den Vorgängern unterscheidet.

Und letztendlich konnte sich Billy Walton auf seine hervorragende Band verlassen. William Paris, Tom Petraccaro, Bruce Krywinski, Eric Safka und Francis Valentino unterstützen ihn perfekt aufeinander abgestimmt, Chapeau meine Herren!

Harmonized Records/Bertus (2020)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Think Of Me
02. Long Slow Descent
03. Can‘t Love No One
04. You Don‘t Need Me
05. Long Way Down
06. Confusion
07. Goldmine
08. Free World
09. Funky Fever
10. Cold Day In Hell
11. Cortez The Killer
12. People Talking

Billy Walton Band
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Bertus Musikvertrieb GmbH

Vanessa Collier – Heart On The Line – CD-Review

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Vanessa Collier hat sich in ihren jungen Jahren bereits in das Herz unseres ja ebenfalls noch recht ‚frischen‘ Magazins (nicht mal fünf Jahre bestehend) gespielt. Mit „Heart On The Line“ liefert sie schon das dritte Album in dieser Zeit ab, somit haben wir, bis auf ihr Debüt, alle Scheiben beleuchtet.

Die Multi-Instrumentalistin ist eine, am hochangesehenen Berklee College in Boston, graduierte Musikern, was man dann auch besonders in der dementsprechenden Umsetzung, deutlich zu erkennen vermag.

In den von ihr verfassten Liner-notes schreibt die Tierliebhaberin, dass ihr die Musik zum neuen Longplayer über den Tod ihres geliebten 14-jährigen deutschen Schäferhundes weggeholfen hat. Ein Umstand, dem ich bei unserem 16 1/2-jährigen Labrador Django, der seine eigentliche Lebenserwartung bereits exponentiell überschritten hat, mit Angst und Bange entgegensehe.

Ihre besondere musikalische Passion gilt dem Saxofon, diesmal überrascht sie jedoch auch beim swampigen, leicht delta-bluesigen „Bloodhound“, einem Highlight des Werkes, mit tollem Spiel auf der Resonator-Gitarre. Ansonsten hat die brillante Laura Chavez die E-Guitar-Parts inne.

Hauptsächlich konzentriert sich die mittlerweile als zweifache Gewinnerin in der Sparte  ‚Horn Player Of The Year‘ bei den Blues Music Awards (BMA) gekürte Texanerin natürlich auf viele hochwertige Soli mit ihrem Paradeinstrument.

Kein Wunder, denn ihre Musik bewegt sich, wie schon zuvor, im soulig-funkigen Bereich des Blues (Rocks). Sie hat diesmal auch die komplette Produktion übernommen, acht der elf Stücke selbst komponiert, und liefert dazu mit ihrer Stimme (herrlich z. B. ihr Fauchen und Schreien bei „Leave Your Hat On“) eine Glanzvorstellung ab. Also insgesamt eine echte Energieleistung.

Apropos „Leave Your Hat On“: Auch wenn zukünftig dieses Lied nach wie vor vermutlich bis in alle Ewigkeit mit der Version von Joe Cocker assoziiert werden wird, besticht die Collier-Fassung durch den Ansatz, mit filigraner instrumenteller Umsetzung, statt reinem effekthascherischem Covern, dem Song ein neues ‚Gesicht‘ zu verleihen, was absolut gelungen ist.

Eine weitere Adaptionen gibt es von „Super Bad“ (James Brown), das ruhige „I Don’t Want Anything To Change“ (klasse das melancholische Sax-Solo am Ende) ist dann noch eine Fremdkomposition aus der Feder der Nashville-Songwriter Maia Sharp, Liz Rose und Stephanie Chapman (wurde auch schon von Bonnie Raitt aufgegriffen).

Ansonsten groovt, soult und funkt es auf „Heart On The Line“ (natürlich mit vielen Bläseranteilen) nach Herzenslust, wobei sich Vanessas gestandene Mitmusiker wie u. a. Nick Stevens, C. C. Ellis, die Chavez, William Gorman (mit bestechenden Keys) ebenfalls spürbar ins Zeug legen.

Vanessa Colliers vierter Silberling „Heart On The Line“ ist somit ein weiteres Teil-Schmuckstück für ein künstlerisch wertvolles Gesamt-Kollier, für das, dank ihres jungen Alters, in Sachen Vollendung, noch viel spannende Zeit zur Verfügung steht. Klasse Mädel!

Phenix Fire Records/Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. Super Bad
02. What Makes You Beautiful
03. Bloodhound
04. I Don’t Want Anything To Change
05. Leave Your Hat On
06. Take a Chance On Me
07. If Only
08. Weep And Moan
09. Who’s In Power
10. Freshly Squozen
11. Heart On The Line

Vanessa Collier
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The Bluesanovas – 02.10.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Stell dir vor, die Band, die 2019 den German Blues Challange gewonnen,  dazu noch den deutschen Rock & Pop-Preis für das beste traditionelle Bluesalbum abgeräumt hat, und Deutschland beim International Blues Challange 2020 in Memphis (USA) vertreten hat, wo sie immerhin bis ins Halbfinale vorgestoßen ist, tritt an einem Freitagabend im Dortmunder Musiktheater Piano auf und kaum jemand geht hin.

Zudem wurden die Bluesanovas in verschiedensten Presseartikeln sehr positiv bewertet, sodass eigentlich eine entsprechende Zuschauerresonanz zu erwarten gewesen wäre. Am Bundesliga-Knüller Union Berlin – Mainz 05 wird es wohl kaum gelegen haben, dass letztendlich viele Plätze im Piano freiblieben.

Es ist schade, dass, bedingt durch die Angst vor Infektionen, viele Musikfans von Veranstaltungen fernbleiben, auch wenn in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern, Konzepte erarbeitet werden, die beim Einhalten der Regeln, eine recht hohe Sicherheit für die Besucher bedeuten.

Was aus meiner Sicht gesagt werden kann, dass bei allen Musikveranstaltungen, die ich in den letzten Wochen besuchte, nachvollziehbare Regeln vorgegeben waren, an sich sowohl das Personal, wie auch die Besucher hielten. Dass diese Konzepte, mit nur relativ wenig zugelassenen Besuchern, wenig rentabel sind, insbesondere wenn diese wenigen Plätze dann auch nicht gut gefüllt sind, sei nur am Rande erwähnt.

Die Besucher, die dem Piano vertrauten, hatten an diesem Abend vieles richtig gemacht. Die Band betrat pünktlich um 20:30 Uhr die nach hinten versetzte Bühne, wodurch noch einmal der Abstand von Band zum Publikum vergrößert wurde und legte zwei fulminante Sets hin.

In dem etwa 120-minütigen Konzert spielte die Band eine Mischung aus Coversongs und Eigenkompositionen aus ihren bisherigen zwei Studioalben und der im Sun Studio in Memphis aufgenommenen EP. Humorvoll berichtete Frontmann Melvin Schulz, dass neben den Bluesanovas auch z.B. Elvis Presley dort Songs einspielte.

Das spielerische Repertoire der Band bewegte sich dabei zwischen Blues, Boogie, Rock’n’Roll und einigen Swing-Komponenten. Schulz, gekleidet auch mit einer passenden Glitzerjacke, ließ dabei, neben seinem großartigen Gesang, zuweilen die Hüften schwingen.

Neben ihm spielte sich Filipe de la Torre, wie Bassist Nikolas Karolewicz mit einem schneeweißen Jacket gekleidet, immer wieder mit feinen Soloeinlagen in den Vordergrund. Einer der Höhepunkte war dabei das furiose Gitarrensolo beim letzten Song „Life It“, was er auf den Schultern von Schulz sitzend, die Gitarre zum Teil hinter dem Kopf haltend, spielte. Überhaupt war dieses Finale Furioso ein visueller Hingucker, bei dem Karolewicz den Kontrabass auch über den Schultern liegend bearbeitete.

Die Grundlage für den vollen Sound, bestens abgemischt von Harro Kleffmann, legten Philipp Dreier an den Drums mit seiner dynamischen Spielweise und natürlich der schon genannte Nikolas Karolewicz, der neben dem Kontrabass auch den ’normalen‘ Bass bearbeitete.

Ein absolut bereicherndes Element war das Piano, das Nico Dreier mal im Hintergrund für die Sounddichte einsetzte aber auch, um immer wieder furiose Soli einzustreuen.

Dem Quintett aus Münster ist es auf jedem Fall gelungen, mit seiner erfrischenden Art die Herzen der Besucher zu gewinnen und sich für einen erneuten Auftritt im Piano zu empfehlen.

Ein Dank geht mal wieder an Jenny Dore und das gesamte Team des Piano, die mit kaufmännisch abenteuerlich anmutenden Konzepten, dafür sorgen, dass Musikern die Möglichkeit gegeben wird, aufzutreten und es in der Region musikalisch nicht ganz still wird.

Line Up:
Melvin Schulz – lead vocals
Filipe de la Torre – guitar
Nico Dreier – piano
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Bluesanovas
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Todor ‚Tosho‘ Todorovic (Blues Company) – Interview

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Anmerkung: Das Interview entstand in Zusammenarbeit der beiden befreundeten Magazine Bluesmagazine Niederlande (www.bluesmagazine.nl) und Sounds Of South.

Vor dem Konzert der ältesten deutschen Bluesband (44 Jahre) Blues Company im Musiktheater Piano in Dortmund, ergab sich die Gelegenheit, ein Interview mit Bandleader Todor ‚Tosho‘ Todorovic zu führen. Sämtliche Alben dieser Band sind im Bluesmagazine rezensiert worden und bekamen sehr gute Kritiken. Nach dem sehr freundlichen Empfang von Jenny Dore vom Piano ging es Backstage, wo ein sehr gut gelaunter Todor sich alle Zeit für uns nahm und dafür sogar das bereitgestellte Buffet warten ließ.

BM/SoS: Blues Company ist als die älteste Bluesband Deutschlands bekannt. Wann habt ihr angefangen Musik zu machen?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: 1976 haben Pianist Christian Rannenberg und ich die Band in Osnabrück gegründet. Wir waren sehr interessiert am Blues und entschieden uns eine Bluesband zu gründen. Osnabrück ist bekannt als Hauptstadt des Friedens aber auch als Hauptstadt des Blues in Deutschland! Viele bekannte Bluesmusiker kommen aus Osnabrück oder wohnen in der Gegend z.B. Kai Strauss, Tommy Schneller, The Bluesanovas, Christian Rannenberg und ich selbst. Montagsabends sind oft Bluesjamsessions in der Lagerhalle in Osnabrück, wo sich viele Bluesmusiker treffen, wirklich toll. Letzte Woche war ich auch noch dabei.

BM/SoS: Wie bist du zur Musik und Blues gekommen?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: Meine Familie kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien, und die ‘Balkanmusik’ war mein erster Kontakt mit Musik, obwohl ich in Deutschland geboren bin. Mein Vater war Chorleiter in der orthodoxen Kirche, die ganze Familie war im Kirchenchor und ab meinem sechsten/siebten Lebensjahr sang ich im Chor, mehrstimmig und ohne Noten. Mit ungefähr neun Jahren fing ich an die akustische Gitarre zu spielen und mit fünfzehn elektrische Gitarre. Einmal in der Woche bekam ich Unterricht von Nicolai Witsch Avri Bashew. In einer Band spielte ich zunächst jugoslawische Folksmusik mit Gitarre, viel Jazz und Swing, Dixieland und Trompeten. Ich erinnere mich an eine Zeit mit schwierigen Akkorden, Schnaps und Rauchen. Mit fünfzehn hörte ich das grandiose Album von B. B. King „Live At The Regal“ und das haute mich um! Ich fing an, ihn und andere Bluesmusiker, nach zu spielen, aber auch Folk Blues von z. B. Sonny Terry und Brownie McGhee. Das war der Bluesanfang für mich.

BM/SoS: Die Blues Company gibt es seit 44 Jahren, es hat bestimmt viel Wechsel in der Besetzung gegeben?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: Nicht viele, wir hatten und haben viele langjährige Bandmitglieder. Mike Titre ist schon seit 1980 dabei, Florian Schaube seit 2000 und Arnold Ogrodnik für immerhin 10 Jahre.

BM/SoS: Wie schreibt ihr eure Songs? Erst den Text und dann die Musik, Melodie oder umgekehrt?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: Als erstes schreiben Mike und ich den Text. Mike ist Engländer, also ist in Englisch schreiben für uns kein Problem. Wir suchen ein Thema, eine Idee und eine Hookline. Wir wollen eine Story erzählen, die realistisch ist und keine Erfindung. Wenn der Text fertig ist, kommen Bass und Schlagzeug dazu und dann Bläser und eventuell Backgroundsängerinnen. Wir üben, machen ein Demo und gehen dann ab ins Studio. Für unser neues Album sind schon 20 Stücke aufgenommen. Einer der Songs hat mit Corona zu tun: „I Need A New Job“. Das sagt doch alles….

BM/SoS: Jetzt wo du Corona angedeutet hast, was hat das alles mit dir gemacht? Keine Shows, Unsicherheit, kein Einkommen. Stimmt es, das viele Musiker oder Leute, die in der Musikbranche arbeiten, sich einen Nebenjob suchen müssen?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: Es war und ist ein Drama. Ich hatte große Probleme, konnte keine Musik machen, keine Auftritte, nicht zusammen üben. Neben der Blues Company spiele ich in einer Hobbyband, die mehr auf Jazz und Pop gerichtet ist. Im Durchschnitt übte ich vier Mal in der Woche und dann auf einmal nichts. Das erste Mal in 50 Jahren hatte ich kein Ziel. Aber so langsam geht es ein bisschen besser, wir üben wieder und heute Abend ist für uns die erste Show seit März! Wir haben wieder eine Motivation. Finanziell habe ich weniger Probleme als viele meiner Kollegen. Ich habe an der Musik-Hochschule in Osnabrück Unterricht gegeben und habe eine Rente. Mittlerweile bin ich auch fast siebzig Jahre alt, habe aber immer noch Spaß und einiges vor mit der Band. Ich unterrichtete Bandcoaching und habe mit Kollegen an der Hochschule eine neue Abteilung gegründet, die sich mit Rock, Pop, Jazz und Blues beschäftigt. Ich unterrichte noch einen Tag in der Woche Musikschüler. Ich muss immer was zu tun haben. Wir spielen, weil wir es wollen, nicht weil wir müssen, was natürlich sehr angenehm ist!!

BM/SoS: Ihr habt in vielen (ich glaube vierzehn) Ländern gespielt, welches Land war etwas Besonderes?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: Ohne Zweifel Russland! Russland ist ein Paradies für Künstler. Man merkt das Kultur dort sehr wichtig ist. Artisten und Musiker sind sehr hoch angesehen, anders als hier in West-Europa. Als Gitarrist konnte ich bei Konzerten manchmal aus siebzehn Fender-Verstärker wählen!! Hotels, Essen, Transport, Sound alles ist hervorragend geregelt. Man will auch noch deine Koffer tragen. Es gibt dort auch eine sehr gute Jazz- und Bluesszene. In Moskau steht ein Gebäude mit zwei Klubs: ein Blues- und ein Jazzklub und jeder fasst 600 Personen. Jeden Abend spielt eine Band mit Vorprogram und der Laden ist voll. Hier undenkbar.

BM/SoS: Die Blues Company hat in all den Jahren viele Alben veröffentlicht. Ich glaube es sind über zwanzig. Jeden Monat kaufe ich das Magazine AUDIO und oft ist eine audiofiele Bonus-CD dabei. Das erste Mal, dass ich eure Musik hörte war vor Jahren auf so einem Album. Ist die Aufnahmequalität besonders wichtig für euch?
Todor ‚Tosho‘ Todorovic: Wir machen unsere Aufnahmen immer in sehr guten Studios im Kreis Osnabrück und nehmen uns die nötige Zeit. Wir können dann zu Hause schlafen und sind wieder topfit am nächsten Tag. Leider ist der Eigentümer von einem Studio in Osnabrück gestorben, wo wir viel aufnahmen. Deshalb haben wir das Studio gewechselt. Das neue Album ist in Bad Iburg aufgenommen. Wir haben nicht nur Bluesfans sondern auch audiophile Fans (mit einem Schmunzeln)! Wir versuchen die Aufnahmen so lange wie möglich dauern zu lassen, weil Mike Titre unfassbar gut kochen kann und wir es so länger genießen können. Seit 30 Jahren sind wir bei der Plattenfirma In-Akustik und im Vertrag steht, dass wir jedes zweite Jahr ein Album machen müssen. Durch Corona konnten wir jetzt zunächst nicht ins Studio und keine Aufnahmen machen. Das nächste Werk nun wird Ende 2021/Anfang 2022 veröffentlicht, wenn es nach Plan läuft. Wir wollen im November ein Livealbum, mit Songs, die wir live mitgeschnitten haben, veröffentlichen. Es kann doch noch was passieren – auch zu Zeiten von Corona.

BM/SoS: Vielen Dank für die Zeit, die du dir für uns genommen hast und das angenehme Gespräch mit vielen Anekdoten Todor ‘Toscho’ Todorovic.

Interview: André Wittebroek (bluesmagazine.nl)
Bilder: Gernot Mangold

Blues Company
Bluesmagazine Niederlande
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Blues Company – 11.09.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Anmerkung: Der Konzertbericht entstand in Zusammenarbeit der beiden befreundeten Magazine Bluesmagazine Niederlande (www.bluesmagazine.nl) und Sounds Of South.

An diesem Freitagabend gab es wieder das erste Livekonzert im Piano und auch für die Blues Company war es die Premiere seit dem Corona-Lockdown. Schon beim ersten Song ist die Freude bei Band und Publikum zu spüren. Alle Anwesenden hatten Live-Musik in der beliebten Lütgendortmunder Location vermisst. Das Team vom Piano hatte alles nach den vorgegebenen Hygieneregeln organisiert und umgesetzt: Saal bestuhlt, Getränke wurden zum Sitzplatz gebracht, für ausreichend Handgel und Mundschutz war gesorgt. Kompliment ans Pianoteam!

Genau um halb neun begann das Quartett mit dem instrumentell performten, Uptempo-Shuffle „Middlename“. Man erkannte sofort, dass hier eine eingespielte solide Band mit ausgezeichneten Musikern auftrat. Der Sound ist großartig und differenziert ausgesteuert. Auf den Alben sind oft Bläser und Backgroundsängerinnen dabei, aber an diesem Abend spielte die Basisband. Gitarrist und Sänger Todor ‘Toscho’ Todorovic glänzt mit einer harmonischen, angenehmen Stimme und sein Gitarrenspiel ist auf dem Punkt gebracht. Jeder Ton stimmt.

Gitarrist und Sänger Mike Titre hat eine volle, warme und tiefere Stimme und spielt auch Slidegitarre im „Walking Blues“, während Todor sich eine Auszeit nimmt und die Bühne seinen Mitstreitern überlässt. Zudem glänzt er mit schönem, nicht zu aufdringlichen Harmonicaspiel, beispielsweise in „Riot“. Bassist Arnold Ogrodniks Auftritt ist solide und er wechselt in manchen Songs („Almost“) zu den Keyboards, wobei Mike hier stellvertretend den Bass übernahm. Florian Schaube bearbeitet sein Schlagzeug mit einem tollen Groove. Eine exzellente Rhythmusgruppe, bei der man merkt, dass es sich um studierte Musiker handelt! Hut ab.

Es wurden mehr als zwanzig Tracks gespielt, in denen sich alle Stile des Blues wiederfanden: Instrumental Blues („Middleman“& „Albatros“), funky Blues („Big Legged Woman“ & „Move To The Groove“), Swampblues („Blues Been Good To Me“), Groovy („Blue And Lonesome“& „One Short“), Slowblues („Blues Is A Feeling“), Boogie, Swing („Hey Little Girl“& „Fool“), Jazzy („Brother Where Are You“) Bluesrock („Riot“, „Almost,The Blues Is Allright“) und Slide („Walking Blues“). Als Zugabe legte die Band ein Medley mit Sachen wie u.a. „Hide Away“, „Johnny Be Good“, „Gangster Of Love“ und „The River“ nach.

Zwischen den Liedern erzählte Todor immer etwas über den folgenden Song. So nennt er „Red Blood“ einen Kriegsblues. Geschrieben über den Krieg in Ex-Jugoslawien ist der Text leider noch immer sehr aktuell. Anlässlich der Wahlen in Nordrhein-Westfalen, erinnerte er an Politiker diverser Parteien, die sich weigern, Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria in Griechenland aufzunehmen. Man solle doch überlegen, wen man in einem offenen Land wählt. Auch das ist BLUES….

Nach mehr als zwei Stunden endete dieses großartige, intensive Konzert, bei dem Spiellaune und die Interaktion zwischen Band und Publikum jederzeit im Mittelpunkt standen. Ein herrlicher Bluesabend nahm so ein würdiges Ende und die Bluesfans, die dem Hygienekonzept des Piano vertraut hatten, haben ihr Kommen mit Sicherheit nicht bereut.

Bluesmagazine und Sounds Of South bedanken sich bei Jenny Dore und ihrem Team (von der Bedienung bis zum Soundtechniker) vom Piano für den gewohnt freundlichen Empfang und den sehr schönen Abend. Es bleibt zu hoffen, dass bei den nächsten Konzerten noch mehr Besucher den Weg ins Piano finden werden, wo, wie bereits oben angeführt, alles getan wird, um ein Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Line-up:
Todor ‚Tosho‘ Todorovic – Lead vocals, guitar
Mike Titre – (slide) guitar. vocals, harp
Arnold Ogrodnik – bass, keys
Florian Schaube – drums

Interview: André Wittebroek (bluesmagazine.nl)
Bilder: Gernot Mangold

Blues Company
Bluesmagazine Niederlande
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Kirk Fletcher – My Blues Pathway – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der 41-jährige, aus Kalifornien stammende und jetzt in der Schweiz lebende, Afroamerikaner Kirk Fletcher gilt als einer der besten Blues-Gitarristen weltweit. Als Sohn eines Baptistenpfarrers lernte er bereits in seiner Kindheit die Gospel- und Bluesmusik kennen und schätzen. So geprägt, ist es nicht verwunderlich, dass seine musikalische Ausrichtung tief im Rhythm & Blues und in der Soulmusik verankert ist.

Sein neuestes Album „My Blues Pathway“, welches jetzt Ende September in den Handel kommt, lebt daher auch von all diesen Einflüssen, insbesondere aber dem Soul, gepaart mit funkigen Elementen. Alle zehn Songs des Albums sind modern arrangiert, mit viel, aber nie störenden Bläsern im Hintergrund. Als i-Tüpfelchen kommt dann noch Fletchers warme und gefühlvolle Stimme hinzu.

Eingespielt im Hertz Workz Studio (Los Angeles) mit namhafter Unterstützung von Charlie Musselwhite an der Harmonika, Josh Smith an der Resonator-Gitarre und Robert Crays langjährigem Bassgitarristen Richard Cousins, der auch an zwei Titeln („No Place To Go“ und „Love Is More Than A Word“) mitgearbeitet hat, ist ein absolut hörenswertes Album entstanden.

Bereits der Midtempo-Opener des Albums „Ain’t No Cure For The Downhearted“ besticht durch Fletchers funkiges Gitarrenspiel und legt den Grundstein für die weitere musikalische Ausrichtung der folgenden Tracks. Der Song selbst handelt im wesentlichen von der Suche nach dem Glück, welches man nur in sich selbst finden kann.

No Place To Go“ wurde bereits im Juli diesen Jahres als Single veröffentlicht (siehe das verlinkte Video), welches sehr schön die gesamte Stimmung des Albums wiedergibt.

Auch mit „Love Is More Than A Word“, einem Song über verlorene Liebe, und dem mit autobiografischen Inhalten versehenen „Struggle For Grace“, geht es ruhig und entspannt weiter.

„I’d Rather Fight Than Switch“ ist eine beschwingt dargebrachte Coverversion, die der Sänger und Saxophonist A. C. Reed bereits im Jahre 1965 veröffentlicht hat. Aber natürlich beherrscht Kirk Fletcher auch den klassischen Slow-Blues, hier zu hören in „Heart So Heavy“, wenngleich wieder leicht funkig angehaucht.

Auch „Fattening Frogs For Snakes“, ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammend, ist eine tolle Bluesnummer. Gut tanzbar ist das flottere Instrumentalstück „D Is For Denny“, eine Eigenkomposition zu Ehren von Denny Freeman, der in den 90’ern einen großen musikalischen Einfluss auf Fletcher ausübte.

Der letzte Song des Albums „Life Gave Me A Dirty Deal“, ist ein ruhiger Deltablues mit Charlie Musselwhite an der Bluesharp und Josh Smith an der Resonator-Gitarre und bietet einen perfekten Abschluss für diese insgesamt sehr gut gemachte Scheibe.

Auch wenn fast alle Songs des Albums in Stil und Tempo recht ähnlich sind, wird es nie langweilig zu zuhören. Die Musik ist so etwas von relaxed, dass man sie am liebsten träumend bei einem Sundowner im Sonnenuntergang genießen möchte.

Fletchers eigenen Worten zufolge, ist es ihm wichtig eine eigene Stimme als Musiker zu finden und Musik zu machen, die aus seinem Herzen entspringt. Mit dem vorliegenden Werk ist ihm das absolut gelungen.

Im Übrigen bleibt noch zu sagen, dass Fletchers diesjährige Deutschland-Tour Corona-bedingt abgesagt werden musste, aber im Frühjahr des kommenden Jahres nachgeholt werden soll. Wir dürfen gespannt sein.

Label: Cleopatra Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Ain’t No Cure For The Downhearted
02. No Place To Go
03. Love Is More Than A Word
04. Struggle For Grace
05. Sweet Soul Music
06. I’d Rather Fight Than Switch
07. Heart So Heavy
08. Fattening Frogs For Snakes
09. D Is For Denny
10. Life Gave Me A Dirty Deal

Kirk Fletcher
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Another Dimension

Fred Chapellier – 25 Years On The Road – The Best Of Fred Chapellier – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der vom Rock, Blues und Soul beeinflusste Franzose Chapellier ist seit 1990 professionell als Musiker tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche Alben veröffentlicht, zuletzt sein 2018 auch hier in Sounds Of South durchaus positiv besprochenes „Set Me Free“ mit Dale Blade.

Bereits die Vorgänger (Blues Devil, 2005 und „L‘Oeil Du Blues“, 2007), bevor Fred Chapellier zum Label „Dixie Frog“ wechselte, heimsten höchstes Kritikerlob ein. Danach lieferte er weitere acht beachtenswerte Scheiben ab, teils Eigenprojekte und teils in Zusammenarbeit mit Billy Price oder dem bereits erwähnten Dale Blade, sowie anderen hochkarätigen Bluesmusikern inklusive zweier Live-Werke.

Mit dem vorliegenden Doppelalbum blickt Fred Chapellier nun auf seine 25-jährige Musikerkarriere als Songwriter, Blueser und Soulsänger zurück. Insgesamt spiegeln die 34 Songs seine ungeheure musikalische Bandbreite wider, entweder als Studioaufnahme (CD 1) oder Live-Mitschnitt (CD2). Jeden einzelnen Track zu besprechen, würde sicherlich das Review sprengen. Daher sei nur auf einige der allesamt gut gemachten Stücke hingewiesen.

Im Studioteil findet sich eine breite Mischung verschiedener Spielarten des Blues. Viele Stücke weisen Anleihen aus dem Chicago Blues auf („Never Comes Easy“, das instrumentale „The Gents“ mit einer die Ohren verwöhnenden schönen Hookline oder das klare, einprägsame „Something About You“).

Andere Tracks wiederum bedienen eine eher rockige Geschmacksrichtung („Saint On The Highway“ oder das etwas düstere „Marie Laveau“ mit einer kräftigen Basslinie, während Chapelier‘s Stimme im rhythmischen „Set Me Free“ gesanglich an Stevie Winwood erinnert).

Soulig und funky hingegen kommen „Ain‘t No Love In The Heart Of The City“ und das Instrumentalstück „Funk It“ sowie „Yield Not To Temptation“ daher. Zum Relaxen gibt’s dann immer wieder zwischendurch tolle Slowblues Nummern. Herausragend hier „Crying With The Blues“, ein Stück mit klarer, prägnanter Gitarre, das Kim Simmonds von den legendären Savoy Brown nicht besser hätte spielen können. Und dann sind da noch so musikalische Perlen wie das poppig-fröhliche „Sweet Soul Music“ oder das neu eingespielte, sehr schöne, leicht sphärisch angehauchte „Beyond The Moon Part II“ im Songwriter-Stil.

Das zweite Set, sprich CD 2, besteht wie gesagt aus sechzehn Live-Mitschnitten seiner musikalischen Karriere, die den Studioaufnahmen in nichts nachstehen. Es gibt auch hier deftigen Bluesrock („Rodney‘s Song“, „I‘m A Ram“) und klassischen Chicago Blues (z. B. das ruhigere „He‘s Walking“ oder das sehr schöne „Like It This Way“ mit tollen, sich durch den ganzen Song ziehenden Frage-und-Antwort-Gitarrenriffs, herrlich).

Die besten Tracks sind allerdings die beiden ca. acht minütigen Slow-Blues Nummern: Zum Einen das harmonische Instrumentalstück „Blues For Roy“ und zum Anderen das schwermütig traurige „Love That Burns“. In beiden Songs glänzt Chepallier einmal mehr mit seinem prägnanten und klaren Gitarrenspiel.

Ganz anders das soulig-funkige „Good Time Charlie“, das mit einem Bläserintro im Big Band Sound startet und sofort in die Beine geht. Zum Schluss gibt‘s dann noch einen kraftvollen, rauen Blues auf französisch gesungen und mit dem passenden Namen „Le Blues“. Ein starker Song, der beweist, dass Blues nicht nur auf englisch vorgetragen, authentisch klingen kann.

Insgesamt ist der Rückblick auf Fred Chapelliers musikalische Karriere ein durchaus gelungenes Album und besticht, zusätzlich zu seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten als Blueser, durch eine hervorragende Abmischung und Tontechnik.

Lediglich im Live-Teil wäre es schön gewesen, die Publikumsreaktionen zum Ende der Stücke nicht ganz so schnell auszublenden, um so das Live-Feeling noch etwas mehr zu verstärken. Die Scheibe sollte auf keinen Fall in einer ordentlichen Blues-Sammlung fehlen.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues

Tracks CD 1:
01. Ain‘t No Love In The Heart Of The City
02. Never Comes Easy
03. Saint On The Highway
04. The Gents
05. Sweet Soul Music
06. A Silent Room
07. Crying With The Blues
08. Set Me Free
09. Something About You
10. 3.45 AM
11. Under The Influence
12. Marie Laveau
13. Beyond The Moon Part II
14. Yield Not To Temptation
15. After Hours
16. I Have To Go
17. Funk It
18. Thank You Lord

Tracks CD 2:
01. Rodney‘s Song
02. Cold As Ice
03. He‘s Walking
04. Merry Go Round
05. Blues For Roy
06. Good Time Charlie
07. Last Two Dollars
08. Like It This Way
09. Love That Burns
10. I‘m A Ram
11. Gary‘s Gone
12. If You Be My Baby
13. Smart Money
14. Living In A Dream
15. B Shuffle
16. Le Blues

Fred Chapellier
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Andreas Diehlmann Band – Mercy On Me – CD-Review

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Wer uns zwecks Rezension seine Musik schickt und dabei irgendwelchen Mumpitz veröffentlicht, kann anschließend keine Gnade erwarten und muss dann auch mit dementsprechender Kritik leben können.

Bei einem versierten und studierten Musiker wie Andreas Diehlmann ist die Wahrscheinlichkeit,  diesbezüglich enttäuscht zu werden, allerdings ungefähr so hoch wie ein Deutscher Meistertitel von Bayer Leverkusen im Fußball.

Diehlmann bleibt auf seinem neusten Studio-Werk „Mercy On Me“ der von Anfang an eingeschlagenen 9-Stücke-Linie treu. Die Band ist auf der Tieftöner-Position verändert, für Volker Zeller zupft jetzt Jörg Sebald songdienlich den Bass, Tom Bonn bearbeitete wie gewohnt das Schlagzeug.

Nach einem düster gehaltenen, leicht Western-eingefärbten E-Bariton-Gitarrenintro, steigt das Trio mit „Price To Pay“ mit knackigem Southern Rock samt zweier integrierter E-Gitarren-Soli (zunächst Slide, am Ende konventionell, aber von herrlich fulminanter Natur) ins Geschehen ein.

Wie schon bei seinem Konzert im Duisburger Cafe Steinbruch, treten im weiteren Verlauf wieder deutlich spürbar seine zwei Herzen für ZZ Top und Jimi Hendrix (diesmal aber eher untergeordnet) ans Licht. Mit dem von ‚Ahahah‘-Gesängen-umwobenen Texas Blues „Evil Ways“ würde Andreas wohl jeden Billy-Gibbons-Stimm-Imitatoren-Wettbewerb locker gewinnen. Auch das folgende „Leave Me Alone“ mit starken „Just Got Paid“-Reminiszenzen, lässt kein Zweifel an Diehlmans Faible für die Langbarträger aus Houston, Texas.

Das E-Gitarren-Outro geht fließend ins Intro zum Hendrix-umwehten Psychedelic Blues Rocker „Black Moon“ über. Auch hier wieder zwei typische Soli im Stile des einstigen Gitarrenhelden, besonders das zweite hätte mit seiner Schärfe und Wucht eine ordentliche Schneise in den Mariuanha-Nebel der typischen Kommunenparties der siebziger Jahre geschlagen.

„Come On Over“ entpuppt sich dagegen wieder als schöner ‚dreckiger‘ rhythmischer Southern Rocker mit eindeutig definierter Absichtserklärung („I know what I want and what I want is you, babe“). Erinnert an Bands wie Rebel Pride, Preacher Stone & Co. und ist mein persönlicher Favorit der CD.

Das markanteste Stück ist allerdings wohl das 7 Minuten und 44 Sekunden lange „Shadows Of Memories“. Die von Andreas gespielte Orgel lässt in diesem atmosphärischen slowbluesigen Track unweigerlich unterschwellige „With A Little Help From My Friends“-Erinnerungen aufkommen. Im End-E-Gitarrensolo offeriert der Protagonist eindrucksvoll, dass er auch Allman Brothers ‚kann‘.

Die restliche drei Sachen mit „Got To Get Over It“, „You Got No Clue“ und dem starken Titelstück-Stomper „Mercy On My“ bewegen sich dann erneut wieder auf klarer Texas Blues Rock-Welle Marke ZZ Top.

Andreas Diehlmann, der alle Tracks geschrieben hat,  liefert mit „Mercy On Me“ das wohl beste Album seiner bisherigen Karriere ab. Er entwickelt sich von seiner spielerischen Klasse her, immer mehr hin zu einer Art deutschem Joe Bonamassa. Sein Flehen um Milde ist von daher völlig unbegründet. Eine gnadenlos gute Scheibe!

Eigenproduktion (2020)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Price To Pay
02. Evil Ways
03. Leave Me Alone
04. Black Moon
05. Come On Over
06. Got To Get Over It
07. You Got No Clue
08. Shadows Of Memories
09. Mercy On Me

Andreas Diehlmann Band
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