Robert Connely Farr – Shake It – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach „Dirty South Blues“ (2018) wurde bei Robert Connely Farr Krebs diagnostiziert. Obwohl diese Erkrankung überwunden ist, mag sie den Impuls gegeben haben, am laufenden Band Alben zu produzieren. Vor „Country Supper“ (2020) warf Farr eine Zusammenstellung von B-Seiten beziehungsweise Raritäten sowie ein Live-Album raus. Danach folgte „Ain‘t Enough“ (2022) und jetzt „Shake It“. Auch auf seinem neunten Longplayer spielt er wie gewohnt den Blues mit einem besonderen Southern Accent.

Farr orientiert sich am Bentonia-Stil, einer Form des Delta Blues, der in seiner Geburtsstadt Bolton, Mississippi, einen festen Bestandteil der Musikszene bildet. Charlie Patton und Jimmy „Duck” Holmes gelten als dortige Heroen. Farr covert jeweils ein Stück der beiden Musiker. Pattons „Screaming & Hollering Blues“ eröffnet das Album. Farr sagt, dass dieser Song ihn direkt ins Mark getroffen habe. Ich kenne das Original nicht, aber der Blues springt bei Farrs Version über. Expressive Gitarre und klagender Gesang kennzeichnet ebenso das von Holmes geschriebene „Going Away To Leave You“. Ebenfalls schroff, aber intensiv singt Farr „Sugar Momma“. Der Titel stammt von Tommy McClennan und steht am Ende des Albums. Zwischen den drei Covern finden sich sechs Eigenkompositionen auf der Scheibe.

Farr konzentriert sich auf einen erdigen Sound. Für die Aufnahme verließ er sich lediglich auf seine langjährigen Begleiter Drummer Jay Bundy Johnson und Bassisen Tom Hillifer. Auf zwei Tracks wirkt noch Liam Moes im Hintergrund mit. In den Hipposonic Studios in Vancouver, die schon AC/DC, Bon Jovi und Aerosmith als Aufnahmeort dienten, spielte die kleine Truppe 14 Songs ein, von denen neun den Weg auf die CD fanden. Das Album mit seinen knapp dreißig Minuten Laufzeit wirkt dementsprechend dicht und wie aus einem Guss.

Eine düstere, swampige Atmosphäre durchzieht den Longplayer, die Farrs knarziger Gesang transportiert. Dieser erzeugt vor den meist gleichförmigen Rhythmen die Spannung in den Songs, wie „Ain’t No Other Way“ und „Going Down South“. „Miss My Baby“, das im Sprechgesang vorgetragen wird, bleibt hingegen ohne Höhen und Tiefen und bleibt daher eher monoton. Stark sind allerdings die beiden Ausflüge, die Farr in den Bluesrock unternimmt. Bei „Lefty“ und dem Titeltrack „Shake It“ legen Farr und seine Mannen Schmackes in die Performance. Mit kämpferischen Texten und aggressivem Drive zeigt sich Farr dabei von einer anderen Seite.

Eine gewisse Schwere liegt über „Shake It“ von Robert Connely Farr. Farrs Stimme und Gitarrenspiel erwecken den Blues in seiner puren Form. Wie bisher setzt er auf eine Mischung aus Covern und Eigenkompositionen. Unter den Songs stechen zwei druckvolle Bluesrock-Nummern hervor, die sowohl als knackige Einzeltitel funktionieren, als auch dem Gesamteindruck des Albums zugutekommen.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Screaming & Hollering Blues
02. Going Away To Leave You
03. Ain’t No Other Way
04. Miss My Baby
05. Knock On Wood
06. Going Down South
07. Lefty
08. Shake It
09. Sugar Momma

Robert Connely Farr
Robert Connely Farr bei Facebook

The Rusty Wright Band – Hangin‘ At The DeVille Lounge – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Hierzulande genießen der aus Michigan stammende Rusty Wright und seine Band sicherlich noch keine allzu große Bekanntheit. Leider, möchte man hinzufügen, denn das neue Album „Hangin’ At The DeVille Lounge“ der Jungs ist eine abwechslungsreiche Bluesscheibe, die unterschiedliche Stile dieser Musikrichtung gekonnt vereint.

Dabei lagen die musikalischen Interessen von Rusty Wright zunächst eher im Bereich des Metal Rock, spielte er doch lange Zeit als Leadgitarrist in der Metalband „Bad Axe“, deren 1986’er Album „Contradiction To The Rule“ heute zu den kultigen Klassikern dieses Genres zählt.

Ende der 90‘er Jahre kehrte er aber wieder zum Blues zurück. Zu der Musik also, die er schon als Kind auf den Platten seines Vaters gehört hatte. In der Folge gründete er in 2014 die „Rusty Wright Band“ in der auch seine Frau Laurie als Gitarristin und Sängerin dabei ist.

Auf „Hangin’ At The DeVille Lounge“ erzählt Rusty Wright lyrische Geschichten, eingebettet in Bluesrhythmen, Boogietunes und teilweise auch in leichten Südstaatenrock. Eine insgesamt spannende Blues Rock-Mischung.

Gleich zu Beginn der Scheibe liefert Wright einen Beweis für seine Erzählkunst. Im Opener „Welcome To The DeVille Lounge“ erinnert er, mit Klaviergeklimper und Kneipengeräuschen untermalt, an einen längst geschlossenen Club gleichen Namens in seiner Heimatstadt, welcher das Schild „Sinners welcome“ einer nahegelegenen Kirche kopierte und mit „…& we have beer“ ergänzte.

Etwas skurril ist auch das folgende Stück „House Of Spirits“ mit eingangs aus dem Off ertönenden Chorgesang und vordergründiger Pianobegleitung arrangiert, zu dem sich später Rusty Wrights leicht spacig verhallter Gesang und seine glasklaren Gitarrenkünste gesellen. Mit den nächsten Tracks geht es dann traditioneller weiter. Das auf Menschenhandel bezugnehmende „No One Cares At All“ besitzt einen schönen, treibenden Boogie-Woogie basierten Grundrhythmus und „Evil In Disguise“ besticht durch melodiöse Gesangs- und Gitarrenharmonien.

Einen Kontrapunkt dazu setzt das leicht stampfende „Devil Man Blues“, bei dem Rustys Gesang wie durch ein Megaphon verzerrt erscheint, während der Slowblues „No Man Is An Island“ im Chicagostyle nachdrücklich von der Gedankenwelt eines autistischen Kindes inspiriert ist. Mit „Goin‘ To Nola“ und „Devil In The Details“ gibt‘s dann wieder zwei flotte Songs auf die Ohren.

Der erste, ein schwungvoller Boogie und der andere ein fröhlicher, leicht southernartiger Tanzflächen-geeigneter Shuffle. Mit dem traditionellen Slowblues „Trouble‘s Always Knockin‘“ kehren wieder ruhige Momente ein, bevor Rusty Wright mit den beiden letzten Songs des Albums seine rockige Seite zum Vorschein bringt.

Abschließend betrachtet ist „Hangin’ At The DeVille Lounge“ eine recht abwechslungsreiche, hörenswerte Scheibe auf der sich Rusty Wright als feiner Gitarrist, Songwriter und Geschichtenerzähler präsentiert, die gut, wenngleich auch manchmal etwas skurril, arrangiert ist. Lediglich seine im Tenorbereich befindliche Stimme mag manchmal nicht so recht zu den Songs passen. Aber das ist letztendlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Label: Sadson Music (2022)
Stil: Blues Rock, Blues

Tracks:
01. Welcome To The DeVille
02. House Of Spirits
03. No One Cares At All
04. Evil In Disguise
05. Devil Man Blues
06. No Man Is An Island
07. Goin‘ To Nola
08. Devil In The Details
09. Trouble‘s Always Knockin‘
10. No Turnin‘ Back
11. Burnin‘ Precious Time
12. Devil Music

The Rusty Wright Band
The Rusty Wright Band bei Facebook

Brighton Blues Cartel – 30.09.2022, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Nachdem ich mich beruflich durch eine anstrengende Woche gequält habe, die dazu noch von unangenehmen Rückenschmerzen begleitet wurde, stand ich kurz davor, dem Brighton Blues Cartel-Gig im kleinen urigen topos in Leverkusen, eine Absage zu erteilen.

Da Menschen wie meine Wenigkeit, die quasi ihr ganzes Leben mit Mehrfachbelastungen umgegangen sind, gelernt haben, auch mal auf die Zähne zu beißen, und dazu mein Instinkt, auf den ich mich musikalisch bisher fast immer verlassen konnte, mir gesagt hat, dass ich was besonders Gutes verpassen würde, habe ich mich dann doch auf den Weg gemacht.

Und wieder mal, in der Tat, musste ich mein Kommen nicht bereuen. Ganz im Gegenteil, was die Burschen um Danny Giles, Will Wilde und Steve Brook (dazu kam noch die bärenstark agierende Rhythmussektion mit Alan Taylor und Russel Carr) zum Startschuss ihrer Tour im topos ablieferten, war Blues und Rock vom Feinsten.

Da unsere etatmäßigen Fotografen verhindert waren, übernahm Klemens Kübber, der langjährige ‚Macher‘ des topos diesmal die Knipserei-Tätigkeit. Der schafft es immer wieder, allein, wenn man sich auch das kommende topos-Programm bis Dezember anschaut, solch tolle Acts durch geschickte Termine wie diesen, in die kleine Musikkneipe zu holen.

Gespielt wurde in zwei Sets. Bis zur Pause hatten dann zunächst Giles und dann Wilde Gelegenheit,  für ihre eigenen Projekte Werbung zu machen. Danny Giles spielte im Trio mit Taylor und Carr und ließ beim rockigen Kracher „Leave This Town“ zum Auftakt auf seinem quietsch-grünen Arbeitsgerät, sofort ordentlich ab.

Kein Wunder, dass er aufgrund seines quirligen Spiels (mit manchmal metal-artigem Esprit) zum Teil in Sphären eines Yngwie Malmsteen eingeordnet wird. Für mich eine schöne Zusatzkomponente, die man im Blues Rock eigentlich nicht so oft hört. Auch der engagierter Gesang, die mitnehmende kommunikative Art und seine strammes Erscheinungsbild, hinterließen bei der Audienz mächtig Eindruck.

Mit weiteren Stücken aus dem Album „More Is More“  wie „Won’t Let Love“, „Been There Twice“ (Led Zep-Note), „Hold On“ und dem herrlichen „Don’t Go Messin'“  (da fuchtelte  er beim finalen Solo auf,  über und unter dem Gitarrenhals ganz wild herum) war die erst gute halbe Stunde wie im Fluge herum. Starke Leistung des Briten-Trios.

Im fliegenden Übergang nahmen dann Gitarrist Steve Brook und Fronter Will Wilde seinen Platz auf der kleinen Bühne ein. Wo Cowboys früher ihre Patronengurte trugen, hatte Wilde die Sammlung seiner Mundharmonikas umgehangen. Brook, er und Taylor haben ein neues Band-Projekt mit Namen Bad Luck Friday am Start, aus dem dann Tracks wie „Jealous Woman“, „Take The Best Of Me“, „666 At The Crossroads“, „Dust & Bones“, „Low Down Dirty“ und „Mistress“ präsentiert wurden.

Eigentlich bin ich garnicht der große Fan von Harp-dominanter Blues Rock-Musik, die man hier hätte vermuten können. Will weiß aber sein Paradegerät so nuanciert einzusetzen, dass es nie nervt. Begeisternd vor allem seine Stimme, die immer wieder Assoziationen mit Paul Rodgers aufkommen ließen. Auch der meist posende und mähnenschüttelnde Brook brachte mit seinen eher im Rock-/Melodic Rock-verankerten Soli eine erfrischende Note in das musikalische Treiben des Quartetts. Das Ganze hatte was von Harp-umwehtem Bad Company-Rock.

Nach der Pause wurde es richtig eng auf der Bühne, als dann alle im Quintett, eine schöne Auswahl von unterschiedlichen Coverstücken zum Besten gaben. Das am Anfang performte, durch Whitesnake bekannt gewordene „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ war für mich dabei direkt das Highlight. Als sich Brook und Giles im Twin-Speed-Modus duellierten, schlug das Herz der Southern Rock-Fans ebenso schnell!

„Oh Pretty Woman“ von Gary Moore, der Muddy Waters-Schinken „Hooche Coochie Man“, das toll interpretierte Johnny Guitar Watson-Lied „Three Hours Past Midnight“, und der schunklige Canned Heat-Klassiker „Let’s Work Together“ als Zugabe rundeten einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend der etwas anderen Blues Rock-Musik auf schöne Weise ab.

Am Ende fragte mich Will an der Theke bei einer kurzen Unterhaltung noch, ob ich die neue neue CD der Bad Luck Family reviewen würde. Da musste ich angesichts der guten Leistung natürlich ohne Zögern einwilligen, die Besprechung wird dann demnächst auch hier zu lesen sein.

Auch wenn im wirtschaftlichen Bereich Kartellen zurecht ein negatives Image angelastet wird, darf man diesem musikalischen Zusammenschluss aus dem britischen Seebad, nur beste Hintergedanken attestieren. Wer Zeit und Gelegenheit besitzt, sollte sich die Gigs des  Brighton Blues Cartel auf der jetzt anstehenden Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Absoluter Live-Tipp!

Line-up:
Danny Giles (lead vocals, electric guitar)
Will Wilde (lead vocals, harp)
Steve Brook (electric guitar, vocals)
Russel Carr (bass)
Alan Taylor (drums)

Bilder: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Will Wilde
Will Wilde bei Facebook
Danny Giles
Danny Giles bei Facebook
Bad Luck Friday
Bad Luck Friday bei Facebook
topos Leverkusen

The Boneshakers – One Foot In The Groove – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Bereits 1997 veröffentlichten „The Boneshakers ihr erstes Funk-Blues Album „Book Of Spells“. Nun, 25 Jahre später, erinnern sie mit ihrer neuen Scheibe „One Foot In The Groove“ soundmässig an ihr Debut. Zu hören sind die Originalmusiker von 1997: Sergio Gonzales am Schlagzeug, Nathan Brown am Bass, Jon Gilutin an den Keys, The Texacali Horns (Joe Sublett, Mark Pender) sowie Randy Jacobs ehemaliger Bandkollege von Was (Not Was) Sir Harry Bowens, Gesang. Zusätzlich wird die Truppe durch die Sängerin Jenny Langer (Moonshine Society) verstärkt.

Auffallend ist, dass das Album lediglich zwei Eigenkompositionen („Big Legged Man“ und „Powerful Notions“) enthält. Bei den übrigen acht Tracks handelt es sich um Adaptionen, von denen der Stonesklassiker „Let‘s Spend The Night Together“ sicherlich die bekannteste Nummer ist. Allen gemein ist aber, dass ihnen die Knochenschüttler eine neue funkige Seele einhauchen.

Die zehn Songs des Longplayers lassen sich daher ohne wenn und aber in eine Schublade mit der Aufschrift „Funk aus Detroit“ stecken, wobei die Tracks durchaus auch bluesige Elemente („I Am The Blues“, „Ain’t Got The Fever No More“, „I Forgot To Be Your Lover“, „Ice Cream And Cigarettes“) enthalten. Natürlich stehen Jacobs‘ herausragende Fertigkeiten als Funkgitarrist immer im Vordergrund, stets begleitet von klaren und präzisen Bläsersätzen (Saxophon und Trompete) der „Texcali Horns“. Den Gegenpart dazu bildet Jenny Langers kraftvoller Gesang, ohne den das Album sicherlich nur halb so gut wäre.

Allerdings muss der potentielle Hörer der Stilrichtung des Funk schon sehr zugetan sein, wenn ihm die Platte wirklich gefallen soll. Hardcoreblueser und Southernrocker werden an dem Werk wohl eher weniger Gefallen finden, wenngleich es sich musikalisch auf sehr, sehr hohem Niveau bewegt. So sagt Don Fagenson, aka Don Was, von „Was (Not Was)“, dessen Bandmitglied Jacobs in den 80‘er Jahren war, dass „One FootIn The Groove“ das bisher beste Album der „Boneshakers“ sei. Es erscheint am 30. September bei dem Label Take It To The Bridge Records.

Label: Take It To The Bridge Records
Stil: Funk, Soul, Blues

Tracks:
01. Mr. Alice Doesn‘t Live Here Anymore (Bob Dylan/Don Was/David Was)
02. Let‘s Spend The Night Together (Mick Jagger/Keith Richards)
03. I Am The Blues (Julian Burdock)
04. Ain‘t Got The Fever No More (Steven van Zandt)
05. Big Legged Man (Randy Jacobs/Jenny Langer)
06. One Foot In The Groove (Donnie Fritts)
07. I Forgot To Be Your Lover, feat. Bernard Fowler (William Bell/Booker Jones)
08. Ice Cream And Cigarettes (Sophie Baudry)
09. More, More, More (Clarence Reid)
10. Powerful Notions (Randy Jacobs)

The Boneshakers
The Boneshakers bei Facebook

Dr. John – Things Happen That Way – CD-Review

Review: Michael Segets

Malcolm John Rebennack Jr. verstarb am 6. Juni 2019. Als Dr. John sicherte er sich einen Platz in den Musikannalen. Der vielfach ausgezeichnete Musiker aus New Orleans ließ sich stilistisch nie genau festlegen. Er prägte die Bezeichnung Voodoo-Rock und widmete sich dem Blues, dem Funk und dem Jazz. Der Country spielte in seinem künstlerischen Schaffen kaum eine Rolle, allerdings hegte er schon länger den Plan, einen Longplayer aufzunehmen, bei dem er den Country als Inspirationsquelle nutzt.

Gut zwei Jahre nach seinem Tod erscheint nun „Things Happen That Way“, das quasi letzte Studioalbum von Dr. John. Sechs Coverversionen und vier Eigenkompositionen, die er meist in Zusammenarbeit mit seinem Gitarristen Shane Theriot schrieb, umfasst sein finales Werk. Obwohl Dr. John einige Klassiker des Country einspielt, ist der Longplayer letztlich eine Bluesscheibe, dessen Review vielleicht beim Kollegen Schneider in besseren Händen gewesen wäre.

„I’m So Lonesome I Could Cry“ lässt als einziges Stück deutlich erkennen, dass es aus der Country-Ecke stammt. Dr. John brummt mit tiefer Stimme den bekannten Text. Mit „Ramblin‘ Man“ berücksichtigt Dr. John einen weitere Song, der von Hank Williams stammt, und performt ihn schön erdig. Mit etwas gutem Willen kann die Interpretation des Titeltracks „Things Happen That Way“ ebenfalls noch dem Country-Genre zugeordnet werden. Der Song wurde zuerst von Johnny Cash veröffentlicht.

Obwohl auf dem Traditional „Gimme That Old Time Religion“ die Country-Ikone Willie Nelson mitsingt und ein Gitarrensolo beisteuert entpuppt sich die Version von Dr. John gleichfalls als Blues. Auch der Evergreen von Willie Nelson „Ain’t It Funny How Time Slips Away“ kann kaum mehr als Country bezeichnet werden. Mit seinem Klavier und der Bläsersektion interpretiert Dr. John ihn erstklassig, entspannt groovend. Lukas Nelson begleitet mit seiner Band Promise Of The Real Dr. John bei der Neueinspielung von „I Walk On Guilded Splinters“. Der Sohn von Willie wildert bei dem eher sphärisch angelegten Song in für ihn ungewohnten Regionen. Das Original nahm Dr. John bereits 1968 auf.

„End Of The Line“, einen der bekanntesten Songs von The Traveling Wilburys, transformiert Dr. John so, dass er sich deutlich von der ursprünglichen Version unterscheidet. Beibehalten hat er den mehrstimmigen Gesang im Refrain. Für diesen holte er sich Aaron Neville und Katie Pruitt ins Boot. Pruitt übernimmt auch bei „Holy Water“ zentrale Gesangsparts und rückt das Stück in Richtung Gospel. Der Track stammt ebenso wie die lockere Uptempo-Nummer „Sleeping Dogs Best Left Alone“ und das gleichförmige „Give Myself A Good Talkin‘ To“ aus der Feder von Dr. John.

Die durch die Songauswahl geschürte Erwartung, dass Dr. John posthum ein Country-Album vorlegt, erfüllt sich nicht. Er verwandelt stattdessen die ausgewählten Klassiker des Genres in Bluestitel, sodass sie sich nahtlos mit seinen Eigenkompositionen verbinden. Dr. John war ein kreativer Kopf, der unterschiedliche Musikrichtungen verarbeitete und in seinen eigenen Stil intergierte. „Things Happen That Way“ ist dafür ein letztes Zeugnis.

Rounder Records-Concord/Universal Music (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Ain’t It Funny How Time Slips Away
02. Ramblin’ Man
03. Gimme That Old Time Religion
04. I Walk On Guilded Splinters
05. I’m so Lonesome
06. End Of The Line
07. Holy Water
08. Sleeping Dogs Best Left Alone
09. Give Myself A Good Talkin’ To
10. Guess Things Happen That Way

Dr. John
Dr. John bei Facebook
Oktober Promotion

Jeffrey Halford & The Healers – Soul Crusade – CD-Review

Review: Michael Segets

In der Werkschau „ Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ zeigten Jeffrey Halford & The Healers mehrere musikalische Facetten und seinerzeit wurde die Vermutung geäußert, dass sich der in Kalifornien lebende Jeffrey Halford zukünftig in Richtung Americana bewegt. Diese Prognose bestätigt sich mit „Soul Crusade“ nur zum Teil, wenn man den Americana weit auslegt und als Konglomerat verschiedener Richtungen der Roots-Musik versteht.

In der ersten Hälfte des neuen Longplayers wendet sich Halford vorwiegend dem Blues zu. Bei den Stücken in der zweiten Hälfte zeigt er erneut, dass er sich nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt. Halford bietet eine bunte Mischung unterschiedlich gelagerter Beiträge.

Das entspannte „Another Skyline“ eröffnet das Werk, das mit dem Midtempo-Stück „Take It Slow“ und dem souligen „Pie Eyed Poet’s Plea“ fortgeführt wird. Später folgt noch das reduzierte „Sinner Man“, das Halford nahe am Sprechgesang performt. Es stellt das intensivste Stück unter den bisher genannten Songs dar, bei denen sich Halford am Blues orientiert. Highlight der ersten Hälfte der CD ist „Kitchen Door“. Den im Titel des Albums versprochene Soul lösen The Healers hier ohne Kompromisse ein.

Getoppt wird der Track noch durch das gospelige „Walk To The River“ und das rockige „Devil“. Besonderen Drive erhalten die beiden Beiträge durch den Backgroundgesang von Hannah Halford und Kira Kessel. Den Weg auf das Album haben zwei reine Americana-Balladen („Wandering Kind“, „Picture In My Mind“) gefunden, die mit Pedal Steel begleitet werden.

Halford zieht die Country-Nummer „Pescadero“ im klassischen Stil auf, variiert sie aber durch Einsprengsel einer Orgel. Auch „Sad Sinking Feeling“ wirkt wie aus einer anderen Zeit. Das Bild eines Nachtclubs in den 1940ern kommt mir bei mir vor das innere Auge, in dem der Song in den frühen Morgenstunden als Rausschmeißer die letzte Zigarette begleitet. Er passt als Abschlusstrack und schlägt eine Brücke zurück zum Anfang des Albums.

Neben Jeffrey Halford gehören Mike Anderson und Adam Rossi, der „Soul Crusade“ auch produzierte, zu The Healers. Aaron Halford sowie eine Reihe von Gastmusikern, unter diesen Bruce Kaphan (The Black Crowes, Sheryl Crow) und Tom Heyman (Alejandro Escovedo, Chuck Prophet), unterstützten die Band beim Einspielen der Tracks. Im Oktober führt ihr Soul-Kreuzzug The Healers durch Norddeutschland, die Niederlande und Belgien.

Kreuzzüge verlaufen ja nicht immer gradlinig. „Soul Crusade“ von Jeffrey Halford & The Healers startet beim Blues, streift Rock, Country, Gospel und Soul, schwenkt zum Americana über und kehrt zum Blues zurück. Das Album lässt sich daher nicht in eine bestimmte Schublade pressen, sondern zeigt, dass die Band in mehreren Musikrichtungen unterwegs ist. Eine Verbindung der Einzeltitel schafft der bodenständige Sound und der markante Gesang von Halford.

Continental Song City (2022)
Stil: Blues, Americana and more

Tracks:
01. Another Skyline
02. Take It Slow
03. Pie Eyed Poet’s Plea
04. Wandering Kind
05. Kitchen Door
06. Sinner Man
07. Walk To the River
08. Pescadero
09. Devil
10. Picture In My Mind
11. Sad Sinking Feeling

Jeffrey Halford & The Healers
Jeffrey Halford & The Healers bei Facebook
JohThema Promotions

John Primer – Hard Times – CD-Review

Review: Jörg Schneider

John Primer, inzwischen 76 Lenze zählend, ist sicherlich einer der letzten echten Chicagoblueser. Aber erst 1995 gründete er seine erste eigene Band, die Real Deal Blues Band. Bis dahin spielte er in verschiedenen Gruppen und war sogar Bandleader bei Jr. Wells, Muddy Waters und Magic Slim.

Mit seinem, 13 traditionelle Chicago-Blues-Songs, umfassenden neuen Album „Hard Times“ bezieht er sich nun auf die aktuell nicht nur coronabedingten schwierigen Zeiten. Seine Songs, so sagt er, sollen dabei helfen, besser durch diese Zeiten zu kommen und Primer verbindet damit auch die Hoffnung auf Unterstützung zur Rettung des legendären Chicagoer Bluesclubs „B.L.U.E.S.“, der seit Ausbruch der Corona-Pandemie geschlossen ist.

An dieser Stelle sei auch ein großes Lob an den Fotografen Eric Kriesant gerichtet, der wunderbar nostalgisch anmutende Fotos für das Album in eben diesem Club geschaffen hat.

Aufgenommen hat John Primer sein Album zusammen mit seinen Jungs von The Real Deal Blues Band (Steve Bell – Mundharmonika, Lenny Media – Schlagzeug, Dave Forte – Bass) in den Chicagoer RaxTrax Studios unter Beteiligung einiger Gastmusiker (Rick Kreher – Rhythmusgitarre, Johnny Iguana – Piano).

Außerdem ist Primers 17-jährige Tochter Aliya mit von der Partie, sie singt den Slowblues „Tough Times“. Dafür, dass es ihre erste Studioaufnahme ist, schlägt sie sich sogar ganz ordentlich, auch wenn da stimmlich sicherlich noch Luft nach oben ist. Aber sie steht ja noch am Anfang ihrer Karriere.

„Don‘t Wait Too Long“ ist ein gemütlich groovender Shuffle und in dem traditionellen nach Deltablues riechenden Stück „Hard Times“ (ebenso teilweise in „Blues-Blues-Blues“) beweist Primer, dass er auch die Slidegitarre perfekt beherrscht. Alle übrigen Songs (bis auf die beiden ruhigen Blues-Nummern „Trying To Make You Mine“ und „Hot Meal“) kommen alle Tracks gut gelaunt, energiegeladen und fröhlich daher. Auf Tanzflächen werden Mann und Frau sich dazu gern bewegen.

John Primer hat sämtliche Titel selbst geschrieben, Coversongs gibt es also nicht. Sein sauberes Gitarrenspiel, in dem er wohltuender Weise auf Akkorde verzichtet, steht immer im Vordergrund. Aber auch Johnny Iguana erweist sich immer wieder als Meister am Piano. Seine ungezähmte Spielfreude reißt buchstäblich mit. Und auch Steve Bell weiß mit der Mundharmonika zu gefallen.

Unter dem Strich überzeugt „Hard Times“ durch überwiegend echte Old-School Chicago-Blues-Tracks aus der Blütezeit dieses Genres. Es macht einfach nur Spaß sich diese Scheibe reinzuziehen und sich dabei in vergangene Zeiten mit z. B. Paul Butterfield oder Muddy Waters entführen zu lassen.

Label: Blues House Productions
Stil: Blues

Tracks:
01. You Got What I Want
02. Don‘t Wait Too Long
03. Hard Times
04. Blues – Blues – Blues
05. I Won‘t Sweat
06. Chicago
07. Tough Times
08. All Alone
09. My Sugar Mama
10. You Mean So Much To Me
11. Trying To Make You Mine
12. Hot Meal
13. Whiskey

John Primer
John Primer bei Facebook

Jade MacRae – 04.09.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nachdem Jade MacRae nur einige Tage zuvor zusammen mit Mahalia Barnes im Krefelder Schlachtgarten aufgetreten war, die nun, für Auftritte mit ihrem Vater Jimmy Barnes, zusammen mit ihrem Mann die Band verlassen hatte, gab es jetzt zum ersten Mal, einen Soloauftritt von ihr mit Band auf der Bühne zu bestaunen. Leider war das Dortmunder Piano nur spärlich besucht, was für den Veranstalter natürlich aus finanzieller Sicht auf Dauer nur schwer zu stemmen ist.

Nun aber zu den positiven Aspekten des Abends. Die mit vielen Vorschusslorbeeren angekündigte, in Neuseeland gebürtige Australierin, konnte diese, von der ersten Minute des Konzertes an, bestätigen. Gestützt durch ihre Band, drückte sie den Songs durch ihre beeindruckende Stimme, ihren Stempel auf. Dabei spielte es keine Rolle, ob es eher in Richtung Soul, Blues, Funk oder Rock ging.

Neben ihrer Stimme gelang es ihr aber auch, durch ihre offene und positive Art, das Dortmunder Publikum direkt zu auf ihre Seite zu ziehen und zu begeistern, das nicht an Applaus, auch für ihre musikalischen Begleiter, sparte. Schön und interessant war, wenn sie etwas zur Entstehung oder den Beweggründen der sehr persönlichen Songs sagte. Bei Ansagen für Songs, die ihrem Vater oder ihrem zweiten Ehemann gewidmet waren, versprühte sie auch ihren charmanten Humor.

Ben Forrester offenbarte mit so manchem Solo, welch ausgezeichneter Gitarrist er ist. In der groovigen ersten Zugabe „Meltdown“ mit Honkytonk-Einschlag brachte er noch einen gewisses Southerenflair herein. Aber auch Aaron Ottignon gab den Tracks an den Keyboards mit einigen Soli seine eigene Note.

Wichtige Grundlage, für den bestens abgemischten und abgestimmten vollen Sound, waren die eher im Hintergrund agierenden Hamish Stuart an den Drums und Bassist Mike Haselwood, die sich aber in einem Solo zumindest sporadisch profilieren konnten.

Zum Ende des Konzertes dankte Jade noch einmal den Anwesenden für die gute Stimmung und auch dem Piano, dass sie in dieser schönen Location auftreten durfte und gerne wiederkommt. Dass sie dabei die Zuschauer bat, dass dann jeder bitte zumindest einen Freund mitbringt, wird mit Sicherheit auch dem Piano gefallen.

Direkt nach dem Ende nahmen sich insbesondere Jade MacRae und Ben Forrester alle Zeit am Merchandisingstand, um diesen beeindruckenden Konzertabend rund ausklingen zu lassen.

Line-up:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jade MacRae
Jade MacRae bei Facebook
EBF Music
Musiktheater Piano Dortmund
3dog-Entertainment

Lauren Anderson – Burn It All Down – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihrem von der Kritik gefeierten Vorgängeralbum „Love On The Rocks“ bringt Lauren Anderson nun am 9. September ihre dritte, wiederum selbst produzierte, Scheibe „Burn It All Down“ in die Läden. Und auch diesmal ist prominente Unterstützung in Form von Albert Castiglia und John Salaway (hat mit Peter Frampton, Zach Williams, The Zombies und vielen anderen gespielt) mit an Bord.

Während „Love On The Rocks“ noch fast ausschließlich auf ruhige und nachdenkliche Töne gesetzt hat, geht ihre neue Scheibe wesentlich härter zur Sache und dürfte daher vor allem die Freunde eines eher rockig orientierten Blues ansprechen, obwohl ihre musikalische Bandbreite auf dieser Scheibe auch schöne Bluesnummern mit leichtem Americanaeinfluss („I Know“ und „Still Here“) und sogar einen fast radiotauglichen, leichtfüßigen Midtempo-Popsong („Never Too Late“) beinhaltet.

Zunächst aber beginnt die Scheibe mit dem Titelsong „Burn It Down“ ziemlich wild, ein rockiger Sound mit einem Pianogehämmer, das den Song schweißtreibend förmlich nach vorne peitscht. Und das hart rockende „Soul Is Mine“ mit Anderson‘s megaphonartigem Gesang erinnert stilistisch an längst vergangene Led Zeppelin-Zeiten. Ganz anders hingegen, aber nicht weniger fetzig, kommt der Boogie-Woogie „Zombie Blues“ mit Albert Castaglia als Gastgitarrist daher. Mit den nachfolgenden Tracks geht es dann etwas weniger rockig, aber immer noch flott, zu. Den Auftakt dazu macht der melodiöse und zum Tanzen einladende Americana-Shuffle „Lose My Head“, gefolgt von dem Midtempo-Blues „Tell Me Baby“.

Bevor sich Lauren Anderson auf ihrer neuen Scheibe schließlich mit dem bereits erwähnten, bittersüßen „Still Here“, der Bluesballade „Fool“ und dem traurigen Slowblues „Rain Down On Me“ dem reinen Blues zuwendet, ist John Salaway als weiterer Gastgitarrist in dem harten Chicagorocker (starke Basslinie!) zu hören. Mit dem kräftig stampfenden und von sägenden Gitarrenriffs begleiteten „Like A Woman“ endet das Album schließlich.

Mit „Burn It All Down“ hat Lauren Anderson ein energiegeladenes, rockiges (und abwechslungsreiches) Album herausgebracht, welches stilistisch komplett anders ist als das ruhigere Vorgängeralbum „Love On The Rocks“. Aber wie sagt sie selbst so treffend: „Willst Du ein neues Haus bauen, musst Du das alte vorher abrennen.“ Die einzige Konstante dabei ist nur ihre, mitunter leicht rau klingende und mitunter an Joplin erinnernde, kräftige Altstimme, die den Songs eine besondere Note und Tiefe verleiht.

Label: Independent
Stil: Blues, Americana

Tracks:
01. Burn It All Down
02. Soul Is Mine
03. Zombie Blues
04. Lose My Head
05. Tell Me Baby
06. I Know
07. Never Too Late
08. Hit The Spot
09. Still Here
10. Fool
11. Rain Down On Me
12. Like A Woman

Lauren Anderson
Lauren Anderson bei Facebook

Jade MacRae & Mahalia Barnes – Support: Bywater Call – 26.08.2022 – Schlachtgarten Krefeld – Konzertbericht

Für das Konzert der beiden stimmgewaltigen Australierinnen Jade MacRae und Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes) zeigte sich der Schlachtgarten in Krefeld von seiner besten Seite. Wo sich bei unserem letzten Besuch noch feinsteiniger Untergrund als Zuschauerfläche im Biergarten befand, war jetzt eine schöne Holzterrasse samt eines Gestells mit einer ausfahrbaren Dachkonstruktion darauf, sodass man für etwaige Regenfälle blitzschnell gewappnet ist.

Wir hatten die beiden Protagonistinnen zuvor bisher einige Male in Köln, bzw. in Düsseldorf ’nur‘ als Backgroundsängerinnen bei Joe Bonamassa erlebt (wo man ihr vokales Potential natürlich schon erkennen konnte), jetzt bot sich aber die Gelegenheit, sie auch mal hautnah an der Front begutachten zu können.

Ein großer Beweis der Hochachtung vor den Damen war, dass der Autor dieser Zeilen, einen der wichtigsten, an diesem Abend parallel stattfindenden, gesamtdeutschen Fußballklassiker zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC Erzgebirge Aue, dafür sausen ließ.

Als Opener traten aber zunächst Bywater Call auf, die schon vor wenigen Monaten mit einem Gig in der benachbarten Kulturrampe vorstellig gewesen waren und sich diesmal mit einer reduzierten Spielzeit von gut einer Stunde präsentieren konnten.

Diese erledigten sie mit Stücken wie u. a. „Bring it Back / Ties That Bind“, dem Stephen Stills-Cover „Love The One You’re With“, „Lover Down Slow“, „Forgiveness“ in bekannter Weise mit charismatischem Gesang ihrer Fronterin Meghan Parnell und diversen jammingen Passagen, die mit viel Slide von Gitarrist Dave Barnes und den beiden Bläsern Stephen Dyte und Julian Nalli in der Tradition von Acts wie der Tedeschi Trucks Band oder den Allman Brothers zum Besten gegeben wurden. Eine gelungene Einstimmung für den Auftritt der beiden Gesangsröhren MacRae und Barnes.

Recht geben muss ich Markus ‚Pille‘ Peerlings zu seinem Eingangsstatement bei der Ansage, dass eigentlich 500.000 Leute (statt tatsächlich um die 150) bei so einem Event teilhaben müssten und alle, die nicht aus wirklich vertretbaren Gründen anwesend wären, einfach nur doof sind. Ein paar der üblichen Quasselköppe waren natürlich auch wieder mal dabei, die solch eine tolle Performance in den ruhigen Momenten, leider nicht zu schätzen wussten.

Ansonsten passte aber alles. MacRae und Barnes samt ihrer starken Begleitband machten von der ersten Sekunde des Openers „Nobody But You“ an klar, dass es im folgenden Verlauf heiß zur Sache gehen würde. Beide teilten sich die Leadvocals im Groben und Ganzen recht schwesterlich, wobei Jade aufgrund ihrer etwas temperamentvolleren und emotionaleren Art, gefühlt etwas die Oberhand inne hatte.

Beide boten dann im weiteren Verlauf das ganz große Einmaleins der Gesangeskunst, sei es im Lead-, aber auch in den Harmoniegesängen. Da gibt es im Blues-, Soul- oder Funkbereich wohl kaum was Besseres am Mikro zu bieten. Die Hintergrundsektion mit Hamish Stuart und Mike Haselwood agierte routiniert, das andere Duo ‚Ben & Ben‘ alias Ben Rodgers an der Stratocaster und Ben Forrester an der Gibson ES, der uns auch vor geraumer Zeit mit der Allen- Forrester Band in der Rampe bereits sehr positiv aufgefallen ist, lieferte immer wieder punktuell filigrane E-Soli ab.

Schöne Akzente setzte auch Keyboarder Aron Ottignon, der sehr variabel agierte (E- und HT-Piano, Organ) und mit seinen Synthie-Einlagen im Stile von Steve Winwood, sporadisch die 80er Jahre dezent aufleben ließ.

Ausrufezeichen habe ich bei meinen Notizen an Songs wie „No Matter What I Do“, „How Can We Live“ oder dem Joe South-Evergreen „Games People Play“ gemacht, nett war die Geste, Bywater Call-Sängerin Meghan Parnell zum letzten Track des Hauptteils, dem gelungenen CCR-Cover „Proud Mary“, quasi als Junior-Partner, mit auf die Bühne zu holen.

Den Höhepunkt erreichte der Gig dann allerdings mit den beiden Zugaben der herrlichen Ballade „Handle With Care“ (gesungen von Jade) und dem E-Piano unterlegten Schunkler „Meltdown“ (im Parallel-Duett-Gesang beider), wo noch mal so richtig ’shaky‘ gegroovt wurde. Ein Hammerabschluss.

Unser Dank gilt Menschen wie Eva Forrester von EBF Music, Kolja Amend vom Schlachtgarten und Markus ‚Pille‘ Peerlings von der Kulturrampe, die mit ihrem unbändigen Einsatz und Optimismus es immer wieder schaffen, musikbegeisterten Leuten, diese wunderbaren Momente zu ermöglichen. 

Line-up Bywater Call:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
John Kervin (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Line-up Jade MacRae & Mahalia Barnes:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Mahalia Barnes (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Ben Rodgers (electric guitar, bgv)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Jade MacRae
Jade MacRae bei Facebook
Mahalia Barnes
Mahalia Barnes bei Facebook
Bywater Call
Bywater Call bei Facebook
EBF Music
Teenage Head Music
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld