Bad Temper Joe – Glitter And Blues – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Guten Blues gibt es also auch bei uns in deutschen Landen. Das beweist der Bielefelder Bad Temper Joe eindringlich mit seiner neuen Scheibe „Glitter And Blues“. Obwohl er bisher bereits mehrere Alben veröffentlichte, die German Blues Challenge gewonnen und 2020 als einziger europäischer Act im Finale der International Blues Challenge in Memphis gestanden hat, ist der Ostwestfale bislang leider nicht auf meinem Radar aufgetaucht. Daher herzlichen Dank an Timezone Records, die uns diese tolle Scheibe für ein Review zur Verfügung gestellt haben.

Stilistisch ist sie Mischung aus Delta Blues, Country, Folk und das ganze teils vermischt mit Americanaeinflüssen („Who Are You“). Manchmal nachdenklich, aber nie wirklich tieftraurig, dafür oftmals träumerisch (z. B. „Glitter And Blues“) oder beschwingt (der Boogie Woogie „Pink Panther“) und lebensfroh (z. B. das auf einer bekannten Melodie beruhende „She‘ Got A Hold On Me“).

Die Songs auf „Glitter And Blues“ graben sich tief in die Gehörgänge ein, insbesondere die lediglich auf BTJ‘s sonorem Gesang, Akkustik- und Resonatorgitarre sowie Kristin Sheys ergänzenden Vocals aufgebauten Songs (das glückselige „All Over Again“, das fröhliche „Travel Light“, das unbeschwert klingende „This Time Last Night“ oder das fröhliche „Two Trains“). Sehr schön ist ebenfalls das ruhige und sparsam arrangierte „If These Walls Could Talk“ (Resonator- und E-Gitarre, Keys und Gesang).

Nach dem Hören der Platte war ich zugegebener Maßen mehr als beeindruckt. Eine solch klasse Bluesscheibe hätte ich kaum von einem deutschen Künstler erwartet. Unter dem Strich ist „Glitter And Blues“ ein wahnsinnig tolles Album, ganz im Zeichen der alten Meister des Blues. Traditionell also, aber erfrischend neu interpretiert und mit gut verständlichen, klaren Songtexten unterlegt.

Und so beurteilte auch das britische „Blues Matters“ Magazin den Silberling mit den Worten: „It’s hard to believe that the sounds of the Mississippi-Delta have relocated to Germany, but they have.” Es ist also genau die richtige Scheibe um jetzt im Winter vor dem wärmenden Ofen zu sitzen und die ruhige, eingängige Musik zu genießen, am Besten in gemütlicher Zweisamkeit. Ach ja, das Wichtigste noch: Teil ist bereits seit dem 25.11. diesen Jahres im Handel!

Timezone Records (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Glitter And Blues
02. Cold Feet
03. Pink Panther
04. Long Gone Friend Blues
05. She‘s Got A Hold On Me
06. Travel Light
07. All Over Again
08. Fountain Of Weekness
09. Two Trains (Runnin‘ Different Ways)
10. If These Walls Could Talk
11. This Time Last Night
12. Who Are You

Bad Temper Joe
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Timezone Records

Albie Donelly’s Big Thing – 09.12.2022 – to Hoop, Rheinberg – Konzertbericht

So langsam neigt sich das Konzertjahr 2022 auch im to Hoop dem Ende zu. Zum Abschluss einiger starker Blueskonzerte im Herbst besuchte der Brite Albie Donelly nicht mit Supercharge, sondern seinem Big Thing die im Rheinberger Ortsteil Alpsray gelegene Location.

Als die Band gegen 20:15 Uhr die Bühne betrat waren fast alle Sitzplätze belegt, dass im Vergleich zu den vorherigen Konzerten auch durch die Bestuhlung der Saal optisch halbwegs gefüllt war. Mit seiner Band legte er gleich los wie die Feuerwehr und lieferte zwei Sets von jeweils etwa 50 Minuten, die von den Besuchern regelrecht abgefeiert wurden.

Mit Wolfgang Diekmann am Bass und Uwe Petersen an den Drums bildeten zwei exzellente Musiker die Rhythmusfraktion und sorgten für einen besonderen Groove. Beide konnten auch in längeren Soli ihre Qualität unter Beweis stellen. Optisch im Mittelpunkt stand aber der immer noch sehr vitale Albie Donelly, dessen Stimme klar und ausdrucksstark wie vor Jahrzehnten ist und der mit seinen Saxonfoneinlagen den einen oder anderen Szenenapplaus einheimste.

Zudem zeigte er sich als starker Entertainer zwischen den Songs. So erzählte er, passend zum to Hoop mit seinen zahlreichen Whiskeysorten, von der Whiskey trinkenden Mama, die in alle möglichen Getränke Whiskey kippt; sogar in Whiskey, womit er für einige Lacher sorgte.

Neben Donelly sorgte auch Gitarrist André Tolba mit knackigen Soli für einige Highlights während des Konzertes und unterstützte Albie bei den meisten Songs mit starken Backgroundgesang und konnte in einem Song auch zeigen, dass er ein sehr guter Leadvokalist ist.

Nach dem Konzert gab Sami Durak einen kurzen Überblick zu den kommenden Konzerten, wobei Auftritte von Bernhard Allison und Aynsley Lister beispielsweise zu nennen sind, die 2023 stattfinden werden. Es lohnt sich mit Sicherheit öfters mal auf die Webseite des to Hoop zu schauen, wer demnächst auf der Bühne in Alpsray stehen wird.

Line-up:
Albie Donnelly – Alt & Tenor Saxofon / Gesang
André Tolba – Gitarre / Gesang
Wolfgang ‘BOLLE’ Diekmann – Bass
Uwe Petersen – Schlagzeug

Text und Bilder Gernot Mangold

Albie Donelly
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to hoop Rheinberg-Alpsray

Harlem Lake – 04.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am zweiten Advent traten Harlem Lake erstmals in Köln im Yard Club auf. Die aus Harlem bei Amsterdam stammende Band konnte im Sommer bei einigen Festivals begeistern und gewann den European Blues Award. Umso trauriger war es, dass nur etwa 30–40 Musikfans den Weg in den Yard  Club gefunden hatten. Den wenigen Fans, die an diesem Sonntagabend anwesend waren, boten die jungen Niederländer einen Abend, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Von Beginn an zeigte sich, welch exzellente Musiker in der Band sind. Als erstes sei dabei Dave Warmerdam genannt, der für das Songwriting verantwortlich ist und trotz seines jungen Alters ein feines Händchen beweist, Elemente aus Blues, Americana und Southern Rock verschmelzen zu lassen. Seine Partnerin, nicht nur auf der Bühne, Jane Timmer übernimmt dabei den Part, die Texte zu schreiben.

Musikalisch gibt es dabei einige Paralellen zu einer amerikanischen Band in der auch Partner eine prägende Rolle spielen. So gab es unter den Besuchern so einige, die Vergleiche mit der Tedeschi Trucks Band machten. Was auf jedem Fall gesagt werden kann, ist, dass Harlem Lake sich nicht hinter prominenten Acts aus dem Genre zu verstecken brauchen.

Die junge Sängerin Jane Timmer begeisterte mit einer klaren Stimme und einem großen Stimmvolumen, was von zarten fast zerbrechlichen Gesang bis hin zur Bluesröhre ging, Zudem ging von ihr eine sehr positive Bühnenpräsenz aus und es gelang ihr schon mit der Ansage in einer Mischung aus Deutsch und Englisch die Besucher direkt einzufangen, dass sich über die gesamte Dauer des Konzertes eine tolle Stimmung mit einigen Anlässen für Szenenapplaus ergab.

Dave Warmerdam hielt sich optisch, meist Piano und Hammond Orgel spielend, zurück, offerierte dabei aber sein Können auch in einigen starken Soli. In den Vordergrund trat er bei den Tracks, wenn er sich die Gitarre schnappte und sich neben der Rhythmusunterstützung einige Gitarrenduelle mit Sonny Ray van den Berg lieferte. Herausragend war dabei der jammende Part in „I Won´t Complain“, mit Soli feinster Southern Rock-Manier, und auch der sonst eher im Hintergrund agierende Bassist Kjelt Ostendorf ein feines Basssolo hinlegte.

Sonny Ray, auch vom äußeren Erscheinungsbild, genau wie Dave in jede Southern Rock-Combo passend, gelang es viele Soloparts so auf den Punkt zu spielen, dass die Songstruktur nicht zerstört wurde. 

Visuell im Hintergrund standen Drummer Benjamin Torbijn und Bassist Kjelt Ostendorf. Dabei zeigten die beiden jungen Musiker schon eine große Souveränität ganz ohne große Effekthascherei. Beide hatten auch ein Feeling dafür, wann man sich etwas zurückhalten muss, um insbesondere bei den ruhigeren Stücken nicht die eher träumerische Stimmung zu zerstören.

Neben dem fast kompletten aktuellen Album spielte die Band als Zugabe mit „Mean Man“ noch ein Lied der Dave Warmerdam Band, aus der letztlich Harlem Lake entstanden ist und mit „Carry On“, dem begeisternden „Crying In The Desert“, „Temptation“, „Beggars Can`t Choose“ und „The Sight Of You“ fünf Songs, die erst auf dem neuen Album im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Nach dem, wie die Stücke in Köln präsentiert worden sind, kann ich schon jetzt eine Kaufempfehlung aussprechen!

Zudem coverten Sie mit „Beware“ (von Barrelhouse), „That`s How Strong My Love Is“ (von Little Milton), „Whiskey Drinkin` Woman“ (von Lou Donalson) und „Don’t Change Horses“ (von Tower Of Power) gekonnt einige Stücke von musikalischen Vorbildern und präsentierten so den Anwesenden ein abwechslungsreiches Programm mit einigen Überraschungen durch die noch nicht veröffentlichten Songs, die von den Fans begeistert angenommen wurden.
Nach dem Konzert begaben sich die Musiker sofort zu den wartenden Fans am Merchendise-Stand, um Fanartikel zu signieren, Erinnerungsfotos zu machen und um sich über den Abend zu unterhalten.

Neben den Musikern hatte ich noch ein nettes Gespräch mit dem Vater von Dave Warmerdam, der die junge Band unterstützt, über die Band und deren Pläne. Plan oder Traum wäre es nebenan in der Kantine, in die wir während des Gesprächs schauen konnten, zu spielen. Wenn man den Abend im Yard Club, mit der beeindruckenden Bühnenpräsenz der Band gesehen hat, kann aus diesem Traum ganz schnell Wirklichkeit werden. In der Form ist Harlem Lake auf dem Weg, eine der europäischen Topacts in deren Genre zu werden und sie bewiesen, dass sie nicht zu Unrecht den European Blues Award dieses Jahr gewonnen haben.

Harlem Lake werden voraussichtlich im nächsten Sommer auf dem Freideck der Kantine spielen, ein Termin, den man sich mit knallrot im Kalender markieren sollte. Ein besonderer Dank geht auch noch einmal an die Kantine/Yard Club insbesondere an Markus, der hoffentlich bald wieder vor Ort ist, die es immer wieder schaffen so großartige Künstler in den Kölner Norden zu holen.

Line-up:
Janne Timmer – lead vocals
Dave Warmerdam – organ, keyboards, guitar, bgv
Sonny Ray van den Berg – guitars, bgv
Kjelt Ostendorf – bass, bgv
Benjamin Torbijn – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Harlem Lake
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Yard Club Köln

Henrik Freischlader – Recorded by Martin Meinschäfer II – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Dreizehn Jahre nach seinem ersten Solo-Projekt hat Blues Rock-Gitarrist und -Sänger Henrik Freischlader nun die Fortsetzung vorgelegt. Hinter dem etwas gewöhnungsbedürftigen Titel “Recorded by Martin Meinschäfer II” verbirgt sich die besondere Wertschätzung für die Zusammenarbeit mit Toningenieur und Musiker Martin Meinschäfer.

Die 12 Eigenkompositionen des Multi-Instrumentalisten, der u. a. auch Bass und Drums beherrscht, verbinden ihre vielseitige Blues-Rock-Mentalität spielerisch mit der weit zurückliegenden Produktion des damals 27-jährigen Freischlader. Nur begleitet von Moritz “Mr. Mo” Fuhrhop an der Hammond Organ und den Keys, ist der neue Longplayer fast eine vollständige Eigenproduktion geworden, aber eben in maßgeblicher Kooperation mit dem Recording Mastermind an den Reglern. Diese langjährige Teamarbeit bildet den Grundstock einer Erfolgsgeschichte, die musikalische und technische Feinarbeit als kreatives Produktergebnis gegen große Konkurrenz stets neu harmonisch entwickelt.

Die neue Scheibe bietet von Beginn an exzellente Kompositionen, die von groovend-funky (“Free”) über relaxed-soulig (“Lost Souls”) bis rockig-melodisch (“Aware Of Things”) ihren ganz eigenen Charme verbreiten. Immer wieder gleiten kongeniale Solo-Parts finessenreich durch die Songs, starke Balladen-Highlights, wie “The Question” oder “I Wanna Go” bereiten dabei herrliche Freiräume, die Freischlader ausgiebig nutzt. In beinahe privat-persönlichen Texten beschreibt er hierzu seine Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Zuständen und Zwängen.

Seine individuellen Sichtweisen entfalten dabei in ihrer mutigen Offenheit durchaus zuversichtlich-standhafte Perspektiven oder Auswege und werden im letzten Stück “Hands Of Jesus” nochmals symbolisiert. In dem mit Texten und Fotos beispielhaft schön ausgestatteten CD-Booklet finden sich viele danksagende Widmungen, u. a. auch an Gary Moore, B.B. King, Peter Green und Joe Bonamassa, die als einflussreiche Vorbilder oder Bühnenpartner, insbesondere auch Freischladers Solo-Wege primär mitgestaltet haben.

Blues-Rock made in Germany auf internationalem Niveau: Unter anspruchsvollen Kriterien spiegelt das neue Solo-Studio-Werk von Henrik Freischlader eindrucksvoll den Handmade-Charakter der Aufnahmen von “Recorded By Martin Meinschäfer II”. Emotional vielschichtige Lyrics und das retrospektiv ausgerichtete Soundspektrum der Songs überzeugen in ihrer gelungenen Kontinuität. Seine musikalisch authentische Handschrift reflektiert ohne Zweifel die leidenschaftlichen Solo-Aktivitäten eines der besten Blues Rock-Individualisten Europas.

Cable Car Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Free
02. Aware Of Things
03. Turn Back The Clock
04. Rule The World
05. I Wanna Go
06. Lost Souls
07. Hall Of Shame
08. Old Life Back
09. Wasting Our Time
10. The Question
11. The Given Groove
12. Hands Of Jesus

Henrik Freischlader
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Cable Car Records

Andreas Diehlmann Band – Best Of 2017-2021 – LP-Review

Review: Jörg Schneider

Der deutsche Blueser Andreas Diehlmann hat sich im Laufe der Zeit zu einem Stammgast bei uns entwickelt, über den wir seit seinen Anfängen immer wieder gern berichten („Your Blues Ain‘t Mine“, „Your Blues Ain‘t Mine – Tour live“, „Point Of No Return“, Konzertbericht Cafe Steinbruch, „Mercy On Me“ und „Them Chains“). Die „Andreas Diehlmann Band“ besteht nunmehr seit 2017 als Trio mit Tom Bonn an den Drums und wechselweise Jörg Sebald bzw. Volker Zeller am Bass. Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens bringen die Jungs nun ein „Best Of“ Album mit 15 Songs der letzten Jahre heraus.

„Oh Well“, „Head Down Low“, „Your Blues Ain‘t Mine“, „Rita“, „Soulshine“, „Little Wing“ und „Gone“ hatte das Trio bereits auf den beiden „Your Blues Ain‘t Mine“- Alben aus 2018 und 2019 eingespielt. „Nothing But The Blues“, „Point Of No Return“, „Don‘t Go“ und Way Down South“ stammen von den 2019‘er Scheiben „Ponit Of No Return“ und „ADB“. Und vom 2020‘er Album „Mercy On Me“ haben es „Price To Pay“ und „Shadows Of Memories“ geschafft zu den Best-Of zu gehören. „Lola Sweet Rock ‚n‘ Rola“ und „Riding In The Dark“ sind schließlich von der letztjährigen Veröffentlichung „Them Chains“.

Bei Best-Of-Scheiben ist es wohl generell so, dass sie keine neuen Interpretationen bestehender Songs erwarten lassen. Da ist es auch keine Überraschung, dass Andreas Diehlmann seine Songs offenbar nicht neu abgemischt, sondern unverändert übernommen hat. Was aber nicht wirklich schlecht ist, da die Tracks auch so schon echte Blues- und Bluesrockkracher sind, die mächtig Stimmung machen. Weiteres dazu in den eingangs genannten Reviews.

Interessant ist das Album sicherlich für Leute, die sich gern einen Überblick über das bisherige – und beachtenswerte – Schaffen der Andreas Diehlmann Band verschaffen oder einem ihrer Bluesbuddies ein schönes Weihnachtsgeschenk machen möchten. Die „Best Of 2017-2021“-Scheibe kommt daher jetzt auch Anfang Dezember rechtzeitig zu Weihnachten als Doppel LP Gatefold Cover incl. Audio CD in die Läden. Für Liebhaber und den erwähnten Personenkreis ist sie eine absolut lohnenswerte Investition.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Oh Well
02. Head Down Low
03. Lola Sweet Rock ‚n‘ Rola
04. Your Blues Ain‘t Mine
05. Nothing But The Blues
06. Price To Pay
07. Point Of No Return
08. Riding In The Dark
09. Rita
10. Way Down South
11. Soulshine
12. Shadows Of Memories
13. Don‘t Go
14. Little Wing
15. Gone

Andreas Diehlmann
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Kai Strauss And The Electric Blues All-Stars – 02.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Leider fanden, wie in den letzten Monaten schon bald üblich,  weit weniger Zuschauer den Weg zu einem Konzert, wenn man die Besuchszahlen vor Corona zum Vergleich heranzieht. Die etwa 40 Bluesrock-Fans haben ihr Kommen aber nicht bereut. Ein gut aufgelegter Kai Strauss präsentierte in zwei Sets über knapp zwei Stunden eine Mischung von alten Songs sowie einigen des aktuellen Albums. Zudem spickte er seine eigenen Stücke mit einigen Covernummern, mit denen er die ‚alten‘ Vorbilder nicht in Vergessenheit geraten lassen will.

Unterstützt wurde er dabei von seinen Electric Blues All-Stars, mit denen er seit mittlerweile acht Jahren zusammenarbeitet. Besonders hob er seine Rhythmussektion mit Drummer Alex Lex und Bassisten Kevin DuVernay hervor, die die Grundlage für den Sound bereiten und er dann eigentlich nur noch ein bisschen Gitarre spielen muss. Ein bisschen Gitarre ist dabei allerdings weit untertrieben.

Knackige Soli begeisterten die Anwesenden und auch stimmlich zeigte sich Strauss in Bestform. Untermalt wurden die Songs durch die Saxophonist Thomas Herrmann und das Keyboard des Engländers Paul Jobson, die beide auch feine Soli einstreuten. Zudem konnte Jobson bei einem Stück auch seine stimmlichen Qualitäten einbringen.

So vergingen zwei Stunden Bluesmusik wie im Fluge und hinterließen als einzigen Wermutstropfen die zu geringe Zuschauerzahl im Yard Club, der lichttechnisch als auch vom Sound her aufgerüstet hat und dafür auch von Strauss mehrfach gelobt wurde, was es für eine Freude macht, unter solchen Rahmenbedingungen aufzutreten.

Line-up:
Kai Strauss – vocals, guitar
Alex Lex – Drums
Kevin DuVernay – Bass
Thomas Herrmann – Saxophone, Harmonica
Paul Jobson – Keyboard, Vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Kai Strauss
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Yard Club Köln

Melissa Carper – Ramblin‘ Soul – CD-Review

Hätte ich ohne Vorabinformationen tippen müssen, aus welchem Jahrzehnt „Ramblin‘ Soul“ stammt, läge ich mindestens sechzig Jahre daneben. Klingt beispielsweise Charley Crockett mit seinem New Traditional Country und seinen Bluesinterpretationen schon Old School, dann toppt Melissa Carper dies bei weitem. Die totale Rückwärtsgewandtheit und die Weigerung irgendwelche Modernismen zu integrieren, beweist Mut und Konsequenz.

Aufgewachsen mit der Musik von Hank Williams, Patsy Cline, Loretta Lynn, Ray Charles, Elvis Presley und Jimmie Rodgers, setzte sich Carper später mit den Werken von Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Nat King Cole oder auch Lead Belly auseinander. Entsprechend vielfältig sind die musikalischen Stile, die auf „Ramblin‘ Soul“ mitlaufen: Blues, Soul, Jazz und Swing. Demgegenüber spielt beispielsweise der Country eine untergeordnete Rolle. Das Artwork des Covers führt daher leicht in die Irre.

Die Stücke am Anfang des Longplayers sind tendenziell stärker als die folgenden. Diese Einschätzung kann aber auch damit zusammenhängen, dass sich bei mir leichte Ermüdungserscheinungen beim Durchhören einstellen. Das Album erscheint insofern zwar homogen, dass die Songs durchweg sorgfältig arrangiert und durchaus rund sind, aber Titel, die Aufhorchen lassen, sind eher rar gesät.

Dabei sprechen mich die Uptempo-Nummern stärker an als die langsameren. „Ramblin‘ Soul“, „Zen Buddha“ und „1980 Dodge Van“ gehören daher zu meinen Favoriten. Den meiner Ansicht nach besten Song stellt „I Do What I WANNA“ dar, der vom frühen Rock’n Roll inspiriert ist. Der Western-Swing „Texas, Texas, Texas“ zählt ebenso wie das lockere „Boxers On Backwards“ zu den schnelleren Beiträgen.

Die Balladen sind oft von Doo Wop, Slide, Geige geprägt, die einen etwas süßlich schmachtenden Eindruck hinterlassen. In den Toleranzbereich fallen noch „Ain’t A Day Goes By“ und „Hit Or Miss“. „Hanging On To You” hat einen sanften Soul-Einschlag, den man mitgehen kann. Die vom Jazz beeinflussten „Holding All The Cards“ und „From What I Recall“ liegen hingegen nicht auf meiner Linie.

Wenn hier etwas kritischere Töne angeschlagen wurden, dann täuschen diese darüber hinweg, dass die Platte durchaus einen Retro-Charme versprüht und ein schlüssiges Konzept verfolgt. Auch wenn nicht alle Tracks fesseln, so sind doch einige dabei, die in ihrer quasi antiken Machart erfrischend sind.

Melissa Carper bringt mit „Ramblin’ Soul” ein für heutige Tage ungewöhnliches Album heraus, das sich an Nostalgiker richtet. Gute Musik ist zeitlos und manche Songs auf dem Werk hören sich nach alten Klassikern an. Auf Dauer fehlen dem Longplayer aber überraschende Impulse, obwohl Carper Elemente unterschiedlicher Stile, von Blues, Soul, Swing und Jazz aufnimmt.

Mae Music – Thirty Tigers (2022)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Ramblin’ Soul
02. Zen Buddha
03. Ain’t A Day Goes By
04. 1980 Dodge Van
05. Texas, Texas, Texas
06. That’s My Only Regret
07. Boxers On Backwards
08. I Do What I WANNA
09. Hit Or Miss
10. I Don’t Need To Cry
11. Holding All The Cards
12. From What I Recall
13. Hanging On To You

Melissa Carper
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Corky Laing’s Mountain – Support: Atrio – 02.11.2022, Harmonie, Bonn – Konzertnachlese

On Stage Promotion brachte mit Corky Laing’s Mountain ein Rockurgestein in die Bonner Harmonie und nutzte dabei die Möglichkeit, dass sich die aus Hessen kommende Blues Rock-Band Atrio vor breiterem Publikum präsentieren konnte. Leider ging der Plan nur zum Teil auf, trotz Werbung durch den Promoter und auch durch die Harmonie fanden nur etwa 70 Fans den Weg in die Location.

Gegen 20 Uhr starteten Atrio ihren etwa 40 minütigen Gig und verkürzten den Fans die Wartezeit mit energiegeladenem harten Blues Rock, der bei den Zuschauern auch gut ankam, und demnach nicht mit Applaus zwischen den Songs sparten. Schön war zu beobachten, wie sich Mountain Gitarrist Richi Scarlett für einige Songs neben die Bühne begab und die Supportband moralisch unterstütze.

Line-up:
Lars Gurgler: Guitars & Vocals
Gian Kuca Paris: bass
Sascha von Struve: drums

Als die Umbaupause beendet war, betraten dann zunächst Richi Scarlet und Bernt Ek die Bühne und nur wenig später gesellte sich Corky Laing unter dem Applaus der Fans zu den beiden. Nach einer kurzen Begrüßung legten die drei mit „Long Red“ gleich los wie die Feuerwehr. In der Folge präsentierte die Band einen Querschnitt aus den erfolgreichen Jahren von Mountain. Neben krachenden Rocksongs wie „Mississippi Queen“ oder „Never In My Life“ zeigte das Trio mit dem balladesken „Theme For An Imanginary Western“, dass sie Ihre Instrumente auch gefühlvoll einsetzen können.

Im Gesang wechselten sich Laing und Ek ab, wobei der schwedische Bassist insbesondere bei den eher ruhigen Tracks mit seiner etwas weicheren Stimme überzeugen konnte, während Laing für die rauheren Songs verantwortlich war. Zudem bewies Corky, dass er auch ein guter Entertainer ist, der mal über sich selbst lachen kann, als er die eine oder andere Anekdote aus seiner Vergangenheit mit Mountain in die Ansagen zwischen den Songs einbaute.

So erfuhren die Besucher etwas über Goldene Schallplatten für Songs, an denen er keinen Anteil hatte, wie für den Ten Years After-Klassiker „Going Home“, der dann natürlich gecovert wurde oder eine verschwundene Jacke von Keith Moon, wo Laing seine Hände mit im Spiel hatte. Dass Laing danach den Dylan-Evergreen „Like A Rolling Stone“ in Form eines Schlagzeugsolos spielte, mag nicht nur als Homage an Dylan zu sehen sein, sondern auch für Keith Moon, dessen Drumspiel er bewunderte.

So vergingen knapp 100 Minuten musikalischer Rockhistorie wie im Fluge und die leider zu wenigen Besucher hatten ihr Kommen mit Sicherheit nicht bereut. Abgerundet wurde der musikalisch schöne Abend dadurch, dass sich Laing und seine Band nach der Show die Zeit für Smalltalk am Merchandising-Stand nahmen.

Ein Dank neben dem an die Musiker an die Harmonie für den gastfreundlichen Empfang und On Stage Promotion, die trotz eines nicht befriedigenden Vorverkaufs das Konzert durchgezogen haben. Daher die Bitte, wie auch bei anderen Clubs, schaut mal, was an Gigs stattfindet und besucht diese mal wieder, sodass die Rockkultur in den kleinen Clubs weiterlebt.

Line-up:
Richi Scarlett: Guitar
Bernt Ek: Bass & Vocals
Corky Laing: Drums & Vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Corky Laing’s Mountain
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Atrio
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Harmonie Bonn
Onstage Promtion

Grant Dermody – Behind The Sun – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Grant Dermody, sicherlich einer der besten amerikanischen Blues-Mundharmonika-Spieler, frönt auf seinem neuesten Album „Behind The Sun“ ganz und gar dem Blues, wie er in den Südstaaten gespielt wird. Außerdem ist es die dritte Zusammenarbeit mit Dirk Powell, dem wohl besten US-amerikanischen Fiddle-, Banjo- und Akkordeonspieler.

Gemeinsam mit ein paar weiteren Größen der Musikszene aus Lafayette, Louisiana, hat die Truppe ein wahrliches Meisterwerk des traditionellen Blues geschaffen. Es umfasst 15 Songs, neun davon sind Originaltunes, bei den übrigen Stücken handelt es sich um Klassiker von Muddy Waters und Melodien von u. a. Kim Wilson, Otis Rush und Jimmy Reed.

Mit „Trouble No More“ startet die Scheibe sofort voll durch und fesselt den Zuhörer gleich zu Beginn mit einer packenden Hookline und kraftvollem Mundharmonikagetöse. Und auch „Don‘t Boss Me“, ein von Rick Estrin geschriebener, fröhlicher Boogie-Woogie, verursacht Zuckungen in den Beinen, ebenso wie der flotte, von Kim Wilson stammende, Tanzflächenshuffle „Learn To Treat Me Right“ gegen Ende der Scheibe.

Dazwischen bewegen sich die Songs zwischen tief schwarzem Südstaatenblues (Dermodys Eigenkomposition „Forgive Me“ oder Muddy Waters‘ „Louisiana Blues“) und gefühlvollem Slowblues („Mourning Dove“), wobei die Bandbreite auch den Chicagostyleblues („Clotilda‘s Got Soul‘) und zwei Instrumentals umfasst: „Lost John“ stampft wie eine von einer Bluesharp angetriebene Lokomotive und das einminütge Zwischenspiel „Mr. Jeff“ besteht nur aus Percussion und Mundharmonika. „Tell Me“ und „She Come Running“ hingegen sind zwei eingängige Midtempo-Bluesnummern, wobei der zweite Song durch ein längeres Harp- und Gitarrenintro geprägt ist, das sich wiederkehrend durch den Song zieht.

Besonders hervorzuhebende Songs sind allerdings das eigenwillige „Footsteps In The Hall“, das wunderschöne Jimmy Reed-Cover „Honest I Do“ mit Country- und Americanaelementen sowie „Time Ain‘t Due“ mit einer puren Harp Eingangssequence, gefolgt von wunderbarem A-Capella-Gesang mit Dermody und den beiden schwarzen Sängerinnen Teka Briscoe und Ahyris Navarre. Nach knapp einer Stunde Spielzeit endet der Longplayer schließlich mit dem Deltablues „So Many Roads“.

Für Anhänger des unverfälschten, traditionellen Blues ist Grant Dermodys neue Scheibe eindeutig ein „Must Have“. Sie macht richtig gute Laune und man kann sich beim Zuhören förmlich in der Musik verlieren. Für mich ist sie eine der besten, wenn nicht sogar die beste Bluesscheibe in diesem Jahr. Daher eine absolute Kaufempfehlung!

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Trouble No More
02. Don‘t Boss Me
03. Forgive Me
04. Lost John
05. Clotilda‘s Got Soul
06. Louisiana Blues
07. Footsteps In The Hall
08. Tell Me
09. Mourning Dove
10. She Come Running
11. Honest I Do
12. Time Ain‘t Due
13. Mr. Jeff
14. Learn To Treat Me Right
15. So Many Roads

Grant Dermody
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Jeremiah Johnson – Hi-Fi Drive By – CD-Review

Review: Jörg Schneider

In 2010 erschien Jeremiah Johnsons Debutalbum „9th & Russell“. Und nun, 12 Jahre später, veröffentlich er sein 7. Album „Hi-Fi Drive By“. Er ist also nicht unbedingt ein musikalischer Workaholic, was der Qualität seiner neuen Scheibe allerdings durchaus zu Gute kommt, nicht zuletzt auch weil Jeremiah Johnson bei der Instrumentierung des Albums in die Vollen greift. Zu den vier Backgroundsängerinnen bzw. -sängern gesellen sich noch – neben den üblichen musikalischen Gerätschaften (Gitarre, Bass, Schlagzeug) – Piano, Trompete, Tenorsaxophon, Baritonsaxophon, Posaune, Streichinstrumente, Mundharmonika und ein Wurlitzer-Keyboard. Entsprechend satt ist also der Sound der gesamten CD.

Alle zehn Tracks der Scheibe kommen sehr schön arrangiert rüber, auch wenn die Songs nicht das äußerst flotte Tempo des Openers „´68 Coupé DeVille“ (mit Victor Wainwright, der sein Piano hemmungslos malträtiert) halten können, eine fetzige Rock‘n‘Roll-Nummer die so richtig in die Beine geht. Andere Stücke grooven etwas ruhiger („Ball And Chain“, „Young And Blind“ mit schmissigen Harpeinlagen von Brandon Santini, „Skippin’ School“ mit beschwingtem Bläserintro, „The Squeeze“ ebenfalls mit reichlich Gebläse und quäkender Gitarre), sind aber immer noch gut tanzbar.

Bei „Hot Blooded Love“ handelt es sich um einen typischen, mitunter leicht düsteren Chicagoblues. Und das gemächlich dahin rollende „Quicksand“ (der Song startet bemerkenswerterweise mit einem Schlagzeugintro, welches einer Marschmusik entnommen worden sein könnte sowie einem zum Mitsingen einladenden Backgroundchor) leitet passend zum letzten Stück des Albums über, der ruhigen Bluesnummer „The Band“.

Jeremiah Johnson präsentiert sich auf seiner neuesten Scheibe „Hi-Fi Drive By“ nicht nur als genau beobachtender Songwriter und kraftvoller Sänger, sondern auch als meisterhafter Gitarrist, der stilistisch zu den Wurzeln des Blues und Rock‘n‘Roll zurückgekehrt ist. Es macht Spaß sich den Longplayer anzuhören und es wird nicht langweilig dabei. Ein gelungenes Werk also, das man immer wieder gern in den CD-Player schieben wird. Es steht seit dem 21. Oktober in den Regalen der Plattenläden.

Ruf Records (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. ´68 Coupe DeVille
02. Ball And Chain
03. Young And Blind
04. Skippin‘ School
05. Hot Diggity Dog
06. The Squeeze
07. Hot Blooded Love
08. Sweet Misery
09. Quicksand
10. The Band

Jeremiah Johnson
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Ruf Records