Walk That Walk – Big World Of Trouble – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Die Bostoner Truppe um den Frontmann Poppa C DeSnyder war mir bislang gänzlich unbekannt, und ich muss sagen leider unbekannt! Was die Jungs da auf ihrer inzwischen vierten CD raushauen, ist richtig guter Stoff und ganz nach meinem Geschmack.

„Big World Of Trouble“ kann zwar nur mit neun Songs aufwarten, aber die haben es in sich. DeSnyder und sein Mundharmonika-Mann Tim Hartland bieten, unterstützt von einer famosen Rhythmusgruppe, besten Roots-Blues und Boogie mit viel Slidegitarre und natürlich Bluesharp.

Der Opener „Roof Got A Whole“ und der ruhigere Titelsong „Big World Of Trouble“ sind z. B. solch schöne Rootsstücke, während sich „Boogie Chillen“ als ein kräftig stampfender Boogie im Stile von Canned Heat entpuppt. Aber auch sonst bietet das Album flotte, eingängige musikalische Unterhaltung. „You Can‘t Stay Here“ ist ein zum Tanzen einladender Jive.

Und „Get Up Get Out“, „Mississipi Jukin‘“ sowie der Rausschmeißr „Good Woman“ sind schöne R&B-Nummern, die ihre Wurzeln im Cicagoblues haben. Von ruhigerer Natur geprägt sind eigentlich nur die beiden Songs „See Poppa C“ (rollt und stampft kräftig, aber gemächlich vor sich hin) und der swampige Mississippi-Blues „Still A Fool“.

Mit ihrer ungebändigten Spielfreude haben die Ostküstenjungs von Walk That Walk bereits u. a. mit Bo Diddley als Touring-Band und auch Eric Burdon auf der Bühne gestanden und sind seit Jahren ein fester Act auf dem renommierten Boston Blues Festival. Es bleibt nur zu hoffen, dass es die Band eines Tages auch einmal in unsere Gefilde verschlägt. Bis dahin: macht weiter so Jungs, ihr seid echt klasse!

Eigenproduktion (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. Roof Got A Hole
02. Boogie Chillen
03. Big World Of Trouble
04. Get Up Get Out
05. See Poppa C
06. Mississippi Jukin‘
07. You Can‘t Stay Here
08. Still A Fool
09. Good Woman

Walk That Walk
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Samantha Fish & Jesse Dayton – Death Wish Blues – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Bei “Death Wish Blues” handelt es sich um eine knallharte Mischung aus Blues, Funk, Soul und einem zarten Country-Abschluss, die das Album in ein außergewöhnliches Crossover-Genre katapultiert. Dabei konnten Samantha Fish (z. B. LP “Belle Of The West”) und Jesse Dayton (z. B. LP “On Fire In Nashville”) nicht nur auf ihre musikalischen Erfahrungen im Country-Music Bereich zurückgreifen, um das gemeinsame Full-Length Album einzuspielen.

Schon der prägende Riff des geradeaus blues-rockigen Titelsongs markiert die Richtung des Longplayers, die mit “Down In The Mud” in eine düster-funkige Variante bluesiger Dimensionen abgleitet. Das extravagante Guitar-Playing der beiden Akteure erweitert in einzelnen Titeln die genre typischen Grenzen hin zu experimentell-psychedelischen Soundgefilden (“Trauma”) oder infernoartigen Solo-Parts (“Rippin And Runnin”). Immer außergewöhnlich lebhaft und mitreißend konzipiert von Jon Spencer, dem leidenschaftlichen Produzenten mit visionären Vorstellungen. “He gave the record this kind of live”, so Dayton über Spencer in einem Interview.

Bereits auf ihrer EP “Stardust Sessions” hatten Fish und Dayton 2022 eine Zusammenarbeit erprobt und hierbei den Grundstein für das vorliegende Album gelegt. Die vielversprechende Kooperation reflektiert im weiteren Top-Song “Riders”, im betont groovig-rhythmischen Texas Rock das intensive Tournee-Leben mit täglich wechselnden Venues und im schnellen Rock’n’Roll-Duettgesang den “Lover On The Side”. Zwischendurch wird harter Blues Rock immer wieder Höhepunkt der Scheibe, so z. B. bei “Flooded Love”, deren Intentionen Jesse Dayton damit begründet, dass “…wir alles auf dem Blues basieren lassen, mit einer Menge Inspiration von Leuten, wie Albert King und Magic Slim bei den Leadgitarren-Parts.”

Dass die beiden “Straight up guitars” auch darüber hinaus ihre melodisch souligen Seiten (“No Apology”) dabei hatten oder mit der rasanten Nummer “Supadupabad” zwei Minuten Rock-Vergnügen parodierten, mindert keineswegs den powervollen Longplayer. Zum Abschluss bekommt die Scheibe sogar ein moderates Country-Feeling. “You Know My Heart”, ein Liebeslied mit wechselnden Vocals, erinnert an die musikalische Vergangenheit der beiden Songschreiber.

Das Album “Death Wish Blues” von Samantha Fish und Jesse Dayton serviert superfrischen und überaus lebendigen Gitarren Blues Rock, sowie eine Mixtur hervorragend produzierter, artverwandter Songideen. Die Scheibe ist ein sanfter Weckruf an das zeitgenössische Genre der Blues Rock-Szene und eine experimentierfreudige Zusammenarbeit über diese Stilrichtungsgrenzen hinaus.

Rounder Records (2023)
Stil: Blues, Rock, Soul

Tracks:
01. Deathwish
02. Down In The Mud
03. Riders
04. Settle For Less
05. Trauma
06. No Apology
07. Flooded Love
08. Lover On The Side
09. Rippin And Runnin
10. Dangerous People
11. Supadupabad
12. You Know My Heart

Samantha Fish
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Jesse Dayton
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Oktober Promotion

Bruce Katz Band – Connections – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Connections heißt die neue CD des Keyboarders Bruce Katz und sie ist, wie sollte es auch anders sein, stark keyboardlastig. Auch bewahrheitet sich mit Blick auf den Titel des Albums der Ausspruch „Nomen est omen“. Und in der Tat bringt die Musik, die Bruce Katz hier mit seiner teilweise neu besetzten Band zu Gehör bringt, Versatzstücke des Blues, R&B, Soul und Jazz zu einem sehr dynamischen Ganzen neu zusammen.

Bruce Katz beherrscht sein Instrument wie kaum ein anderer und mit seinem Können war er u. a. jahrelanges Mitglied der Gregg Allman Band. Da ist es dann schon fast eine logische Konsequenz, dass das Album in den legendären Capricorn Studios in Macon, Georgia aufgenommen wurde. Dem Studio also, von dem aus schon die Allman Brothers uns ihren Sound näherbrachten.

Eine weitere Verbindung zur Allman Brothers Familie ist, dass auch der Bassist Shaun Oakley, Enkel des Allman Brothers Bassisten Berry Oakley, auf dem Album mit von der Partie ist. Neu in der Formation sind hingegen Aaron Liebermann (Gitarre und Gesang) und der Schlagzeuger Liviu Pop.

Mit „Connections“ liefert das Quartett ein feines Album mit insgesamt elf recht langen Tracks ab (unter 4 1/2 Minuten geht da gar nichts), welches sich aber trotz persönlicher Nähe zu den Südstaatenrockern, stark von deren Mucke unterscheidet. Sieben Songs sind reine Instrumentalstücke, oft mit vielschichtig verwobenen Melodien und Tempi, manchmal etwas hektisch (z. B die leicht jazzigen „Where’s My Wallet“ und „All About That“) und dann wieder ruhiger („What I Feel“). Das Instrumental „Morning On Basin Street“ startet leicht verschlafen, geht dann aber in eine beschwingte Nummer mit vordergründigem und abwechslungsreichem Pianospiel über, während der Opener „Right Here Right Now“ gekonnt bekannte Boogie Woogi- Rhythmen variiert.

Bei soviel Piano und Keyboardgeklimper ist es dann wohltuend zwischendurch auch mal das eine oder andere Gesangsstück zu hören, zumal die die Stimme von Aaron Liebermann gut mit den Bluestunes harmoniert („Nighttime Stroll“, Sneaking Around“). In dem Rocker „Down Below“ erinnert seine Stimmlage und Intonation gar ein wenig an Steve Winwood. Aber auch in der Rock‘n‘Roll Nummer „Tides Are Turning“ kann Liebermann gesanglich überzeugen.

„Connections“ ist sicherlich kein Album das als leichte Hintergrundmusik funktioniert. Man muss sich schon darauf einlassen, um die vielschichtigen Keyboardrhythmen und Melodien, die in den einzelnen Songs, insbesondere den Instrumentalstücken, miteinander verwoben werden, genießen zu können. Was zugegebener Maßen allerdings auch recht anstrengend sein kann, sollte man sich nicht im passenden Mindsetting befinden. Auf alle Fälle aber ist Bruce Katz ein grandioser Keyboarder.

Label: Dancing Rooster Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Right Here Right Now
02. Nighttime Stroll
03. Where‘s My Wallet
04. Morning On Basin Street
05. Down Below
06. Sneakin‘ Around
07. The Dream
08. All About That
09. Gary‘s Jam
10. Tides Are Turning
11. What I Feel

Bruce Katz Band
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Blues Caravan – 07.05.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

In diesem Jahr ist der -on Thomas Ruf ins Leben gerufene Blues Caravan volljährig geworden. Was liegt da näher, als zum Jubiläum eine Live CD/DVD aufzunehmen. Als Location wurde das Dortmunder Musiktheater Piano ausgewählt, in dem die drei jungen Bluesmusiker die Möglichkeit haben, sich gemeinsam den Blues Rock- Fans zu präsentieren und dabei auch Werbung in eigener Sache zu machen.

Um 20:00 Uhr ist es soweit. Thomas Ruf begrüßt Ashley Sherlock, Will Jacobs, Ally Venable sowie die Rhythmusfraktion Arne Imig am Bass und Isaac Pulido an den Drums auf der Bühne. Gemeinsam spielt das Trio den Beatles-Klassiker „With A Little Help From My Friends“, wobei sie abwechselnd den Leadgesang übernehmen. Schon hier zeigt sich, dass die drei jungen Musiker nicht nur exzellente Gitarristen sind, sondern auch stimmlich starke Akzente setzen und schnell für Begeisterung im Piano sorgen.

Dann hat der junge Brite Ashley Sherlock für sich die Bühne und beginnt mit einer rockigen Version des Neil Young– Evergreens „Ohio“ seinen Soloauftritt. Mit „Think She Knows“, „Dear Elizabeth“ und „Trouble“ von seinem aktuellen Album „Just A Name“ beweist er, dass er über ein Songwriting mit Wiedererkennungswert verfügt. Seine klare und prägnante Stimme sorgt für einigen Szenenapplaus, wie auch seine in die Songs eingestreuten Soli. Ein absolut überzeugender Auftritt, bei dem er von Arne Imig am Bass und Isaac Pulido an den Drums die notwendige kraftvolle rhythmische Unterstützung erhält und so manchen neuen Fans gewonnen hat.

Ohne Pause geht es dann mit dem aus Chicago stammenden, aber seit einigen Jahren in Berlin lebenden Will Jacobs weiter, der schon recht lange durch Europa tourt. Schnell bringt er mit seinem Stil, den Blues mit funkigen Akzenten zu würzen, viele der Fans zum rhythmischen Mitgehen. Er offeriert zwischen den Tracks auch, dass er ein guter Entertainer ist. Insbesondere mit dem Titelsong des aktuellen Werks „Goldfish Blues“ und „I Wish“ macht er beste Werbung für sein neues Album. Ein gesanglich starker Auftritt, bei dem er auch mit dem Publikum spielt und neben seinem funkigen Stil die Stücke auch mit krachenden Gitarrensoli würzt.

Nach einer kurzen Pause kommt dann der heimliche Star des Abends, Ally Venable, auf die Bühne, im Gepäck hat sie dabei einige Songs des neuen Albums „Real Gone„, das sie mit Unterstützung einiger Bluesgrößen einspielte und damit auch Platz 1 in den Charts erreichte. Texas Honey Ally Venable zeigt mit „Real Gone“ und „Don’t Lose Me“, dass sie die im Studio eingespielten Songs live großartig, auch als Powertrio mit Pulido und Imig umsetzen kann. Höhepunkt ihres beeindruckenden Auftritts ist „Tribute to SRV“, das sie ihrem großen Vorbild widmet und die Blues Fans mit gekonnten Soli im Stile von SRV verzückt. Zuweilen hat man dabei den Eindruck, sie schaut beim Spielen in den Himmel Richtung ihres großen Idols, dem sie mit ihrem Auftritt mit Sicherheit ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.

Nach Venables Auftritt kommen dann Ashley Sherlock und Will Jacobs mit auf die Bühne und gemeinsam rocken die drei dann noch mit einigen gekonnt gespielten Covern das Piano. Besonders hervorzuheben sind dabei „I’ll Play the Blues for You“ von Albert King und „Gimme All Your Lovin'“ von ZZ Top mit starken duellierenden Soli und abwechselnden Leadgesängen. Als letzte Zugabe beenden die Drei das Konzert mit dem Song, der auch zu Beginn gespielt wurde und machen mit „With ALittle Help From My Friends“ gewissermaßen den Abend rund.

Bei den gezeigten Leistungen der drei jungen Musiker braucht man sich um die Zukunft des Blues Rock keine Sorgen zu machen.

Will Jacobs
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Ashley Sherlock
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Ally Venable
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Nalani Rothrock – The Rock House Sessions (Extended Cut) – CD-Review

Wenn man als musikalisch talentiertes Kind bereits das Wort ‚Rock‘ im Familiennamen integriert hat, müsste der Lebensweg, besonders in den Staaten, eigentlich schon so etwas wie vorbestimmt sein. Nalani Rothrock kam schon mit 8 Jahren mit der Musik in Berührung, war bereits mit 12 schon Bestandteil der Band ihres Vaters, der dann auch ihr Songwriting und Bühnenpräsenz maßgeblich beeinflusste.

Die innige Bekanntschaft mit dem Gitarristen und Songwriter Joshua Lamkin 2011 war dann der endgültige Beweggrund nach Nashville zu ziehen, um in Music City Fuß zu fassen. Als großes Glück, vor allem wenn man ihr aktuelles Werk „The Rock House Sessions (Extended Cut)“ durchgehört hat, dürfte auch das dortige Kennenlernen des mehrfach Grammy-dekorierten Kevin McKendree, zu bezeichnen sein, der für seine Zusammenarbeit mit vielen namehaften Größen wie u. a. Little Richard, John Hiatt, Delbert McClinton, Buddy Guy oder Lee Roy Parnell bekannt ist.

Der hat nämlich diese Scheibe nicht nur in seinem eigenen Studio The Rock House in Franklin, Tennessee, produziert, sondern auch seine filigranen Fertigkeiten als Keyboarder mit eingebracht. Dazu hat er den smooth-relaxten Opener „Everytime I Close My Eyes“ zusammen mit Nalani und Joshua mit komponiert.

Ok, mit einer Rockmusikscheibe, hat das Ganze natürlich nur ganz marginal was zu tun (vielleicht am ehesten noch bei „Just Before I Go“) , aufgrund ihrer Stimme, die wie ein Mix aus Bonnie Raitt, Susan Tedeschi und Norah Jones klingt, liegt es natürlich nahe, sich in den Sphären des Southern Soul und des Blues (dazu mit ganz dezenten unterschwelligen Jazz- und Countrynoten bei „Fool For You“ mit quäkender Trompete von Andrew Carney, beziehungsweise beim country-bluesigen, in bester Bonnie Raitt-Manier performten „Try“) zu bewegen, was dann hier auch vorzüglich umgesetzt wird.

Mit dabei auch der uns bestens bekannte Weltklasse-Bassist Steve Mackay, der uns ja bestens von Joe Bonamassa– und Peter Frampton-Konzerten bekannt ist. Dazu gesellen sich dann noch Leute wie Kenneth Blevins und Lynn Williams (beide Drums), Bryan Brock (Percussion) sowie die Backgroundsängerinnen Nicole Boggs, Jonell Mosser und Jackie Wilson. Das gesamte Konglomerat in seiner überwiegend ‚laid-back‘ gespielten Art eignet sich bestens als Lounge- oder Barroom-Hintergrund, aber auch auf der Veranda oder der Terrasse zum gemütlichen Relaxen und Runterkommen.

Nach zwei grandiosen Killerballaden in der zweiten Hälfte („Midnight“ und „Goodbye“), weiß auch das abschließende „Hey Little Bird“ (aus der Feder von Lamkin) von Vogelgezwitscher ummantelte, mit Pinseldrums, leichten Bariton-Slide-Streicheleinheiten (Joshua, wie auch über das ganze Werk hinweg, mit akzentuiertem, sehr effektvollen Spiel, jedoch immer im Dienste der Protagonistin) und Kendrees sanftem Orgelhall, besonders auch in leicht ins Ohr gehender, lyrischer Hinsicht zu gefallen („Hey little bird way up in the tree, c’mon, spend a little time with me…“).

Am Ende erhält man mit „The Rock House Sessions (Extended Cut)“ von Nalani Rotrock ein jetzt mit neun Stücken umfassendes, sehr kurzweiliges Album, das in allen Belangen überzeugt. Nashville darf sich über eine weitere großartige Singer/Songwriterin, ein echtes ‚Rot(h)kelchen‘ des Southern Soul Blues, in seine Reihen erfreuen. Wunderbar!

Jolani Music Group (2022)
Stil: (Southern) Soul / Blues

01. Everytime I Close My Eyes
02. Fool For You
03. Just Before I Go
04. Hold On
05. How Long
06. Midnight
07. Goodbye
08. Try
09. Hey Little Bird

Nalani Rothrock
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Kenny Wayne Shepherd Band – 03.05.2023, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Im letzten Jahr hatte Kenny Wayne Shepherd noch einmal sein legendäres „Trouble Is„-Album zum 25. Jubileum zelebriert und im Studio neu eingespielt. Gestern Abend in der mit ca. 600 Zuschauern gut besuchten Zeche in Bochum, durften dann seine Fans und Blues Rock-Liebhaber live daran teilhaben. Auch hier stand es im absoluten Mittelpunkt und wurde vollständig dargeboten, allerdings nicht in der Original-Reihenfolge.

Im Gegensatz zu seinen hier bereits erlebten Konzerten, wartete er neben seinem Stammpersonal mit Noah Hunt und Joe Krown mit neuformierter Rhythmusfraktion auf. Mützenträger Kevin McCormick am Bass und der wuchtige Sam ‚The Freight Train“ Bryant machten dabei einen tollen Job. 

Schon beim Einstieg mit dem Instrumental-Titelstück ließ Kenny direkt die Saiten glühen. Noah Hunt offerierte mit seiner Gesangsperformance und seinem sympathischen Erscheinungsbild dann ab „Somehow,Somewhere, Someway“ sofort, warum Shepherd gut beraten ist, ihm den Löwenanteil am Front-Mikro zu überlassen. Hunt griff zwischenzeitlich mal zur E- und Akustikgitarre und schüttelte ab und zu das Tambourine.

Bis zum ersten Durchatmer, dem ruhigeren  „I Found Love (When I Found You)“ ging erstmal, in bester texanischer Blues Rock-Manier à la Stevie Ray Vaughan, ordentlich die Post ab. „Nothing To Do With Love“, King’s Highway“, „True Lies“ und „(Long) Gone“ hießen die nächsten Stationen voller filigraner, krachender-Shepherd-Soli, bis dann auch sein offensichtliches Faible für Jimi Hendrix mit dem eher unbekannteren „I Don’t Live Today“ bedient wurde, wo er immer wieder in sich gekehrt den rechten Arm gen Himmel streckte.

Das Stück war vermutlich der Grund, warum auf seine übliche Paradeversion von „Voodoo Child“ verzichtet wurde. Klar, dass danach sein Hit  „Blue On Black“ die ohnehin gute Stimmung in der schön beleuchteten Zeche, noch mehr in die Höhe trieb. Mit „Slow Ride“ war, nach pünktlichem Beginn, um 21:05 Uhr das ein Viertel Jahrhundert alte Album nach heutigem Maßstab durchgespielt.

Als die Band vom Publikum lautstark auf die Bühne zurück zitiert gewesen war, folgte dann, nachdem Kenny die Band vorgestellt hatte, eine vier Tracks umfassende, furiose Abschlussphase, beginnend mit dem treibenden „Woman Like You“ mit starkem Gesang von Hunt.

Beim stampfenden „I Want You“ (inklusiv Krownschem Orgelsolo) übernahm Kenny zum ersten Mal die Leadvocals wie auch beim sensationell dargebotenen „Diamonds & Gold“, wo es nur so an Soli hagelte. Bassist Kevin McCormick gab den Groove im Stile eines Leadgitarristen, Shepherd ließ es zweimal scheppern und auch Krown schob sich auch dazwischen. Für mich das Highlight des Abends.

Im klassischen Bluesstil wurde dann mit dem B.B. King-Schinken “ You Done Lost Your Good Thing Now“  am Ende einer weiteren Größe des Musikbusiness, mit einer erneut emotionalen Version, die Ehre erwiesen. Klar, dass Kenny auch hier nach Krown-Pianosolo nochmals seine Stratocaster aufheulen ließ. Danach war um 21:40 Uhr Schicht in der Zeche.  Die rundum zufriedenen Besucher hatten einen Weltklasse E-Gitarristen erlebt, und durften sich in bluestypisch nostalgischer Manier nochmal an einem der Highlightalben des Genres erfreuen. Ein lohnenswerter Besuch!

Line-up:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Kevin McCormick (bass)
Sam ‚The Freight Train“ Bryant (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kenny Wayne Shepherd
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Mascot Label Group
Zeche Bochum
3Dog Entertainment

Andreas Diehlmann Band – Long Way To Go – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Long Way To Go“ ist Diehlmanns inzwischen achtes Album (seine letztjährige Best-Of-Compilation mal nicht mitgezählt). Und es ist aus meiner Sicht sein bisher stärkstes Werk.

Alle Songs stammen bis auf den Elmore James-Klassiker „The Sky Is Crying“ aus seiner Feder. Eingespielt hat er das gesamte Material natürlich wieder mit seinen Stammmusikern Tom Bonn (Drums) und Jörg Sebald am Bass. Zusätzlich wird die Band diesmal aber noch von dem Organisten Tom Bornemann musikalisch unterstützt. Herausgekommen sind neun feine, kraftvolle Blues Rock-Stücke, wie man sie so, wenn man die Andreas Diehlmann Band nicht kennt, von einheimischen Musikern nicht vermuten würde.

Gleich der Opener und Titelsong des Albums „Long Way To Go“ macht klar, wohin die Reise auf dem Longplayer gehen wird. Ein eingängiges Intro mit Slideklängen eröffnet den Song, der sich im Folgenden zu einer ausgewachsenen, mitreißenden Blues Rock-Nummer mit Southern-Feeling entwickelt. Apropos „Southern-Feeling“: Auch der schnörkellose Blues Rocker „Way To Hell“, in dem Diehlmann seine Stimme nicht gerade schont und das ziemlich straight rockende „Wedding Dress“ gehören in diese Kategorie. Ganz anders, aber mindestens genauso gut, kommt „Pretty Baby“ daher. Der Track startet eher relaxed, zündet dann aber als traditionell arrangierter und fetziger Boogie, der durchweg gute Laune verbreitet.

Etwas Ruhe spenden die Nummern „Broken“ und „Baby It’s Gonna Rain Tonight“. Beides sind längere klassische Slowblues-Balladen, die erste mit einem gefühlvoll leidenden Gitarrensolo von Diehlmann und der gemächlich dahin mäandernde Klammerblues „Baby It’s Gonna Rain Tonight“ wartet mit einem tollen Keyboardsolo von Tom Bornemann auf, der beide Stücke auch mit einem melodiösen Klangteppich unterstreicht. Eingängige Gitarrenhooks gibt es in „Burning Slow“ und „Bad Luck“ liefert wiederum saftigen Blues Rock mit durchaus southernmässigen Gitarrenriffs. Der groovig stampfende Elmore James Klassiker „The Sky Is Crying“ beendet schließlich dieses wuchtige Album.

Mit „Long Way To Go“ ist der Andreas Diehlmann Band ein wirklich großer Wurf gelungen. Hier wird straight und kraftvoll abgerockt, aber auch einfühlsame und ruhige Momente kommen nicht zu kurz. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass es das beste Blues- bzw. Blues Rockalbum ist, das ich in der letzten Zeit gehört und besprochen habe.

Und dazu kommt es noch aus deutschen Landen. Das will schon was heißen! Allerdings frage ich mich nur, wieviel Zigaretten und Whiskeyflaschen Diehlmann geraucht bzw. geleert haben muss, um zu einer so überzeugend rauen Bluesstimme gekommen zu sein, wie sie hier zu hören ist. Wahnsinn! Da wundert es nicht, dass Andreas Diehlmann im letzten Jahr mit dem ‚German Blues Award‘ ausgezeichnet wurde.

Mountain Meadow Studio (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. Long Way To Go
02. Pretty Baby
03. Way To Hell
04. Broken (Into Little Bits)
05. Burning Slow
06. Bad Luck
07. Wedding Dress
08. Baby It‘s Gonna Rain All Night
09. The Sky Is Crying

Andreas Diehlmann Band
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Ana Popovic – Power – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Power“ ist wahrlich eine kraftvolle Scheibe im typischen Ana Popovic-Stil. Fast alle der elf Songs gehen so richtig ab. Allerdings muss man ihre jazzbeeinflusste Art Musik zu machen, die sie hier vielfach mit Funk-Elementen kombiniert, schon mögen. Dann steht dem Hörvergnügen allerdings nichts mehr im Wege.

Auf dem Album gibt es schöne, treibende Bläsersätze, mal dezenter im Hintergrund und dann wieder sich in den Vordergrund drängelnd. Das Ganze oftmals mit vielstimmiger Unterstützung der begleitenden Sängerinnen und Sänger, wobei Ana Popovics klare Stimme nie untergeht, sondern immer die Führung behält und sich wunderbar mit den Musikern ihrer Band ergänzt.

Songs wie „Rise Up“, „Deep Down“ oder „Ride It“ stehen stehen beispielhaft für ihre jazzig-funkigen Ausflüge, wobei die beiden letztgenannten Stücke zusätzlich durch chorale Elemente überzeugen. Das andere Ende der Scala wird von „Luv‘n Touch“ und durch den warm klingenden Slowblues „Recipe Is Romance“ mit zweistimmigen Gesang markiert. Es sind zwei so richtig schöne Retrotitel, melodiös, zuckersüß und ins Herz gehend.

Zwischendurch präsentiert Ana Popovic dann immer wieder auch fetzigen Blues Rock, teils jazzig („Power Over Me“ mit knackigen Bläsersätzen im Background) oder das härtere, stakkatohafte „Doin This“ mit wechselnden Tempi und natürlich klassischen Chicago Blues („Queen Of The Pack“ und „Flicker’n Flame“ mit sägenden Gitarrenriffs). Das für mich beste Stück auf dem Album ist allerdings der treibende Boogie „Strong Taste“, bei dem die Beine unweigerlich anfangen zu zappeln.

Das furiose „Turn My Luck“ beschließt dann das insgesamt gut gelungene und abwechslungsreiche Album. Auf „Power“ beweist Ana Popovic einmal mehr, dass sie in den letzten 25 Jahren ihre Fähigkeiten nicht nur zur einer herausragende Songschreiberin und außergewöhnlichen Gitarristin entwickelt hat, sondern auch zu einer überaus guten Sängerin geworden ist.

Ana Popovic und ihre Fender Stratocaster hinterlassen mit „Power“ ein unter die Haut gehendes Feeling. Der Longplayer macht einfach nur gute Laune, und das vom ersten bis zum letzten Ton.

ArtisteXclusive Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rise Up
02. Power Over Me
03. Doin’ This
04. Luv’n Touch
05. Queen Of The Pack
06. Strong Taste
07. Recipe Is Romance
08. Deep Down
09. Ride It
10. Flicker ’n Flame
11. Turn My Luck

Ana Popovic
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Dudley Taft – Guitar Kingdom – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In einem Interview berichtete der US-Blues Rocker Dudley Taft von seinen musikalischen Highschool-Zeiten, als er mit seinem Freund Trey Anastasio (heute Gitarrist der Gruppe “Pish”) eine Band gründete. Seitdem ist die Gitarre sein Lieblingsinstrument. Nach 35 Jahren im Musikbusiness hat Taft sein neues Album daher “Guitar Kingdom” genannt und verbindet damit mehr als einen musikalischen Lebensinhalt.

Für den Songschreiber, Sänger und Gitarristen aus Cincinnati, Ohio, stand bei den aktuellen Aufnahmen diesmal ein eher traditioneller Hard Rock-Sound im Vordergrund, ein Rock’n’Roll-Gebräu aus Zutaten von Alice Cooper bis ZZ Top. Eine Kombination dieser Klangfarben ist gleich zu Beginn bei “Black And Blues” ein standesgemäßer Auftakt für die Scheibe, die mit dem nachfolgenden Titel “Old School Rocking” einen ebenso eingängigen Riff, wie amüsanten Rückblick auf Tafts Jugendzeit serviert. “Oil And Water” schließt sich danach lautstark-krachend unmissverständlich und nahtlos an, ein Blues Rock-Highlight des Longplayers.

Ein kurzer Wechsel in das Balladen-Tempo mit “Still Burning” reicht für Erinnerungsmomente an intensive Impressionen eines Gary Moore, die durch massive Gitarrenpräsenz beim anschließenden Titel-Track wieder in die Hard Rock- Strukturen Taftscher Gangart zurückgeholt werden. So auch “Get Stoned”: von leichten, akustischen Flamenco-Harmonien eingeleitet, entwickelt sich der Song über eine Heavy-Riff Passage zum meisterhaften Pure Rock Track.

Dudley Taft beschreibt seinen Sound als Rock, der aus dem Blues entstanden ist und über eine Seattle (-Grunge) Erfahrung zum Blues zurückkehrte. Ursprüngliche Einflüsse von Freddie King, Albert Collins, Johnny Winter u. a. bilden das Fundament seines Guitar-Based Songwriting. Unüberhörbar bleibt auch auf “Guitar Kingdom” diese bluesige Grundorientierung, die in den zehn Eigenkompositionen tief verwurzelt reflektiert wird.

Dass in einem solchen Kontext natürlich temporeiche Songs im satten Blues Rock Rhythmus ihr Hit-Potenzial entfalten können, zeigen “Favorite Things” – im Stil eines George Thorogood-Klassikers – und “I Want More” in Form eines kompromisslosen, modern-heavy Guitar-Tracks. Eine Hommage erweist Dudley Taft zum Ausklang seinem Blues-Kollegen Tinsley Ellis mit dem Cover “A Quitter Never Wins”, und schafft mit dem Roots Blues Beispiel einen würdigen Abschluss für das ansonsten rockbetonte neue Studiowerk. Wieder mit allen Texten und Infos gut ausgestattet, ist das Booklet ein weiterer Pluspunkt die CD-Version.

“Guitar Kingdom” ist eine autobiographische Produktion, die den Gitarrenindividualisten Dudley Taft in vorwiegend klassischen Rock-Gefilden präsentiert und dabei seine Liebe zu unverkennbaren Blues-Akzenten dokumentiert. “Guitar Kingdom” ist ein Longplayer, der den Albumtitel durchgängig überzeugend und schwergewichtig auf facettenreiche musikalische “Blues-Rock-Leinwände” projiziert.

Eigenproduktion (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Black And Blues
02. Old School Rocking
03. Oil And Water
04. Still Burning
05. Guitar Kingdom
06. Get Stoned
07. Favorite Things
08. Darkest Night
09. I Want More (Wild Young Days)
10. The Great Beyond
11. A Quitter Never Wins

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Ana Popovic – 21.04.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ana Popovic sorgt mit ihrer Band für ein ausverkauftes Musiktheater Piano in Dortmund. Wie gewohnt starten ihre Begleitmusiker mit „Ana`s Shuffle“ und rollen ihr qasi den roten Teppich aus, auf dem sich Ana Popovic unter dem Applaus zur Band gesellt und von Beginn an ein Konzert startet, das die Fans von Beginn an mitnimmt.

Popovic zeigt sich wie gewohnt spielfreudig und begeistert mit auf den Punkt gespielten Soli, die sie zum Teil auch slidend hinlegt. Stark sind dabei einige „Duelle“ mit den anderen Musikern, wo ein gelungenes Zusammenspiel insbesondere mit Michele Papadia an den Keyboards, Claudio Giovagnoli am Saxophon und Davide Ghidoni an der Trompete, zu vermerken ist.

Cory Burns am Bass und Jerry Kelley an den Drums legen nicht nur eine krachende Rhythmusarbeit hin, sondern haben auch eine besondere Rolle mit starken Backgroundgesang und einigen kurzen Leadvocals, wie z. B. bei „Lasting Kind Of Love“ wo Kelley eine eingeschachtelte Passage vom Michael Jacksons „Thriller“ singt.

So ist es nicht verwunderlich, dass Ana bei der Bandvorstellung darauf hinweist, wie lange die einzelnen Musiker schon mit ihr zusammen arbeiten und dabei auf die starke Bindung zueinander hinweist, was sich im Konzert jederzeit einmal durch die Spielfreude zeigt, aber auch dadurch deutlich wird, dass alle ihre Soloparts haben und sich die Fronterin oft auf der Bühne zurücknimmt und so den anderen diesen Spielraum gewährt.

Auf eine abwechslungsreiche Mischung von Songs, bei denen das aktuelle Album „Power“ im Mittelpunkt steht, setzt Popovic nach lautstarken Zugabeforderungen mit „Rise Up!“ von eben dieser Scheibe und dem jammenden „Tribe/Change The World“, bei dem alle Musiker nochmals Soloparts haben weitere Highlights. Danach beendet das Kollektiv unter Ovationen ein mitreißendes Konzert.

Ausklingen lässt sie den Abend im Vorraum des Konzertsaals am Merchendising-Stand, wo sie sich Fan-nah zeigt und sich Zeit lässt, zahlreiche Autogramm- und Selfiewünsche zu erfüllen.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Jerry Kelley (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)
Claudio Giovagnoli (saxophone)
Davide Ghidoni (trumpet)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano, Lütgendortmund