Seth James – Motormouth – CD-Review

Ich habe zu Seth James im Jahr 2009 mit seinem Album „That Kind Of Man“ gefunden, damals aber eher aufgrund meiner New Country-Affinität. Für dieses Werk hatte der Texaner mit vielen klingenden Namen wie u. a. Chris Stapleton, Jay Knowles, Al Anderson, Tony Arata oder Mark Selby Songs geschrieben, die dann auch noch vom ‚Who Is Who‘ der Nashville-Studiomusiker eingespielt wurden.

Das Werk hatte aber letztendlich wenig mit dieser Musikart zu tun (eher mehr mit Country-/Roots Rock) und zeigte schon damals seine Ambitionen als Allrounder. Zwei Jahre später hatte ich das Vergnügen ihn als Mitglied von Cody Canada & The Departed live im Kölner Blues Shell sehen zu dürfen. Da war dann eher Red Dirt Rock angesagt. Das ist allerdings jetzt schon lange her und ich muss zugeben, dass ich ihn mittlerweile leider ein wenig aus den Augen verloren hatte.

Jetzt, wie es der Zufall wollte, erreichte mich aus den Staaten eine Email mit der Ankündigung seines neuen Longplayers „Mothermouth“, das, neben ihm, erneut viele prominente Songwriter aufweist, dazu wieder eine ganze Armada von Klassemusikern bei der Einspielung und on top noch den vielfachen Grammy-Gewinner Kevin McKendree als Produzent – quasi eine Qualitätsgarantie, ohne überhaupt einen Ton schon gehört zu haben.

Diesmal steht das Album deutlich im Zeichen des souligen Blues-/Blues Rocks mit wenigen kleinen Ausflügen in artverwandte angrenzende Bereiche (Country – /Southern Rock – z. B. bei Leon Russells “High Horse”). Die omnipräsente Basis bilden James und McKendree, Rob McNelley an der Gitarre, Steve Mackey am Bass, Lynn Williams am Schlagzeug, und auch diverse Mitglieder der berühmten The Time Jumpers beim Bakersfield-Country-angehauchten „I’ll Be Gone” oder dem abschließenden Barroomheuler “Start A Brand New Day”.

Die involvierte, ebenfalls prominente Horn Section (u. a. mit Jim Hoke) und auch diverse weibliche Backgroundsängerinnen, vermitteln hier das soulige Flair. James hat fünf der insgesamt 13 Stücke mitkreiert, die restlichen stammen aus Federn bekannter Musiker wie u. a. Colin Linden, Delbert McClinton, Al Anderson, Guy Clark oder Leon Russell.

Meine persönlichen Favoriten sind Stücke, bei denen die beiden Hauptprotagonisten James und McKendree (der liefert hier in Sachen Tastenspiel mit Piano, E-Piano, HT-Piano und Organ wirklich alles, was möglich ist) ihren Stempel aufsetzen: wie zum Beispiel beim herrlich groovende Opener „“Why Should I Suffer”, dem Titelstück „Motormouth”, “I Can’t Find Your Mind” oder  bei “Just A Thought”. Klasse auch der Schunkler “I Can’t Wait” unter vokaler Mitwirkung von Delbert McClinton und mit Jim Hoke, diesmal am Akkordeon.

Insgesamt ist „Motormouth“ eine einzige Lehrstunde von absoluten Könnern in Sachen souligem Blues, bei dem der Spielspaß deutlich spürbar im Vordergrund stand und ‚Allrounder‘ Seth James den perfekten Repräsentant an der Front sowie Kevin McKendree als Strippenzieher abgeben. Großes Blues-Kino!

Qualified Records (2026)
Stil: Blues (Soul)

01. Why Should I Suffer
02. Motormouth
03. I’m In Trouble
04. It’s Later Than You Think
05. I’ll Be Gone
06. High Horse
07. I Can’t Find Your Mind
08. Just A Thought
09. I Can’t Wait
10. I Got To Know
11. Lonely Avenue
12. I Feel The Burden
13. Start A Brand New Day

Seth James
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Nalani Rothrock – The Rock House Sessions (Extended Cut) – CD-Review

Wenn man als musikalisch talentiertes Kind bereits das Wort ‚Rock‘ im Familiennamen integriert hat, müsste der Lebensweg, besonders in den Staaten, eigentlich schon so etwas wie vorbestimmt sein. Nalani Rothrock kam schon mit 8 Jahren mit der Musik in Berührung, war bereits mit 12 schon Bestandteil der Band ihres Vaters, der dann auch ihr Songwriting und Bühnenpräsenz maßgeblich beeinflusste.

Die innige Bekanntschaft mit dem Gitarristen und Songwriter Joshua Lamkin 2011 war dann der endgültige Beweggrund nach Nashville zu ziehen, um in Music City Fuß zu fassen. Als großes Glück, vor allem wenn man ihr aktuelles Werk „The Rock House Sessions (Extended Cut)“ durchgehört hat, dürfte auch das dortige Kennenlernen des mehrfach Grammy-dekorierten Kevin McKendree, zu bezeichnen sein, der für seine Zusammenarbeit mit vielen namehaften Größen wie u. a. Little Richard, John Hiatt, Delbert McClinton, Buddy Guy oder Lee Roy Parnell bekannt ist.

Der hat nämlich diese Scheibe nicht nur in seinem eigenen Studio The Rock House in Franklin, Tennessee, produziert, sondern auch seine filigranen Fertigkeiten als Keyboarder mit eingebracht. Dazu hat er den smooth-relaxten Opener „Everytime I Close My Eyes“ zusammen mit Nalani und Joshua mit komponiert.

Ok, mit einer Rockmusikscheibe, hat das Ganze natürlich nur ganz marginal was zu tun (vielleicht am ehesten noch bei „Just Before I Go“) , aufgrund ihrer Stimme, die wie ein Mix aus Bonnie Raitt, Susan Tedeschi und Norah Jones klingt, liegt es natürlich nahe, sich in den Sphären des Southern Soul und des Blues (dazu mit ganz dezenten unterschwelligen Jazz- und Countrynoten bei „Fool For You“ mit quäkender Trompete von Andrew Carney, beziehungsweise beim country-bluesigen, in bester Bonnie Raitt-Manier performten „Try“) zu bewegen, was dann hier auch vorzüglich umgesetzt wird.

Mit dabei auch der uns bestens bekannte Weltklasse-Bassist Steve Mackay, der uns ja bestens von Joe Bonamassa– und Peter Frampton-Konzerten bekannt ist. Dazu gesellen sich dann noch Leute wie Kenneth Blevins und Lynn Williams (beide Drums), Bryan Brock (Percussion) sowie die Backgroundsängerinnen Nicole Boggs, Jonell Mosser und Jackie Wilson. Das gesamte Konglomerat in seiner überwiegend ‚laid-back‘ gespielten Art eignet sich bestens als Lounge- oder Barroom-Hintergrund, aber auch auf der Veranda oder der Terrasse zum gemütlichen Relaxen und Runterkommen.

Nach zwei grandiosen Killerballaden in der zweiten Hälfte („Midnight“ und „Goodbye“), weiß auch das abschließende „Hey Little Bird“ (aus der Feder von Lamkin) von Vogelgezwitscher ummantelte, mit Pinseldrums, leichten Bariton-Slide-Streicheleinheiten (Joshua, wie auch über das ganze Werk hinweg, mit akzentuiertem, sehr effektvollen Spiel, jedoch immer im Dienste der Protagonistin) und Kendrees sanftem Orgelhall, besonders auch in leicht ins Ohr gehender, lyrischer Hinsicht zu gefallen („Hey little bird way up in the tree, c’mon, spend a little time with me…“).

Am Ende erhält man mit „The Rock House Sessions (Extended Cut)“ von Nalani Rotrock ein jetzt mit neun Stücken umfassendes, sehr kurzweiliges Album, das in allen Belangen überzeugt. Nashville darf sich über eine weitere großartige Singer/Songwriterin, ein echtes ‚Rot(h)kelchen‘ des Southern Soul Blues, in seine Reihen erfreuen. Wunderbar!

Jolani Music Group (2022)
Stil: (Southern) Soul / Blues

01. Everytime I Close My Eyes
02. Fool For You
03. Just Before I Go
04. Hold On
05. How Long
06. Midnight
07. Goodbye
08. Try
09. Hey Little Bird

Nalani Rothrock
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