The Wreckers – Way Back Home: Live From New York City – CD/DVD-Review

The Wreckers sind eines der wenigen mir bekannten weiblichen New Country-Duos, die in letzter Zeit in Nashville einen beachtenswerten Erfolg erringen konnten. Mit ihrer schönen Debütscheibe „Stand Still, Look Pretty“ hielten sie sich eine recht lange Zeit im oberen Bereich der Billboard Country Charts. The Wreckers. Das sind die dunkelhaarige Michelle Branch, die Musikhörern eventuell aufgrund ihres mit einem Grammy belohnten Hits „The Game Of Love“ zusammen mit Carlos Santana vielleicht bekannt sein dürfte und die ehemals blonde, jetzt brünette Jessica Harp, Branchs langjährige Tour-Backgroundsängerin.

Und kaum hat dieses vielversprechende Kapitel gerade mal begonnen, pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern, dass die weitere Zusammenarbeit des Duos erstmal ad acta gelegt wird und beide sich wieder primär ihren Solo-Projekten widmen werden. Eigentlich schade, denn dieses Live-Dokument auf DVD macht eigentlich genauso viel Spaß (wenn nicht noch mehr) wie ihr erster Silberling. Und von Zickenalarm auf der Bühne ist auch gar nichts zu spüren. Mag es vielleicht daran gelegen haben, dass mit Teddy Landau am Bass, Branchs Gatte, und dem Multiinstrumentalisten Jason Mowery, Harps Verlobter, männertypisch ruhende Pole im Hintergrund mitwirkten?

Aufgenommen wurde der Gig im Bowery Ballroom in New York City und er erinnert mich von der Location und der Atmosphäre her sehr an mein vor geraumer Zeit erlebtes Konzert von Chely Wright im Hamburger Knust. Alles schön übersichtlich, tolle Stimmung, ein paar Teppiche auf der recht engen Bühne, die fast Wohnzimmeratmosphäre suggerieren. Zumindest weiß ich jetzt auch, wer anscheinend die Nutzer von in den Tageszeitungen so häufig zu findenden Beilagen über Räumungsverkäufe dieser Knüpfauslegewaren sind – Rockmusiker!

Den Schwerpunkt und auch die Highlights bilden naturgemäß die Stücke ihrer Debüt-CD, aber mit „Love Me Like That“ (ein flockiger, mit Banjo unterlegter Countrysong, aus Branchs Solo-Schaffensphase), „Damn That Radio“ (schöner, rockiger New Country mit Honkytonkpiano, von Gretchen Wilson mitkomponiert) und „Different Truck, Same Loser“ (ein launiger, fiddlelastiger Countryheuler) gibt es auch ’neues Material‘ zu bewundern. Michelle und Jessica, die ja recht ähnliche Stimmen besitzen, tun sich beim Gesang nicht viel, die Lead vocals sind absolut gleichwertig verteilt, wenn die eine singt, kommt die andere bei den Harmonies dazu oder die Rollen wechseln auch oft innerhalb der Stücke. Michelle Branch erweist sich allerdings in der Instrumentenbedienung (Akustikgitarre, Mandoline, E-Gitarre) als die wesentlich variablere Dame.

Heimlicher Star des Abends ist allerdings der bereits o.a. Jason Mowery, der zwar größtenteils in wunderbarer Art und Weise die Fiddle bedient, allerdings zusätzlich an Banjo, Dobro und Mandoline mit vorzüglichem Spiel zu brillieren weiß. Aber auch der Rest der Musiker bildet eine angenehme, versierte und mit den Frontfrauen gut harmonierende Einheit. Die visuelle Darstellung wird durch eingeflochtene Schwarz-/Weiß-Bilder und sporadische Split Screen-Technik aufgepeppt. Auch die Soundqualität ist hervorragend. Als Bonus gibt es noch ein Interview mit den Hauptakteurinnen, sowie ein paar Backstage-Impressionen.

Insgesamt eine schöne Sache für den New Country-Freund wie mich, der sich schon mal ab und zu ganz gerne von netten, jungen und höchst talentierten Mädels musikalisch betören lässt. The Wreckers, alias Michelle Branch und Jessica Harp, sorgen mit dieser Live-DVD für angenehme Unterhaltung auf gehobenem instrumentellen Niveau, wobei auch das optische Vergnügen (zumindest, was die männliche Klientel betrifft) nie zu kurz kommt. Die Aufnahme/Tracklist der beiliegenden CD ist übrigens absolut identisch zur DVD, die ‚code free‘ ist und somit auf allen Playern abgespielt werden kann.

Warner Bros. Records (2007)
Stil:  New Country

01. The Good Kind
02. Love Me Like That
03. Way Back Home
04. Damn That Radio
05. Crazy People
06. Cigarettes
07. My, Oh My
08. Different Truck, Same Loser
09. Tennessee
10. Lay Me Down
11. Leave The Pieces
12. Stand Still, Look Pretty
13. Rain

The Wreckers
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Bärchen Records

Wishbone Ash / 25th Anniversary Of The Marquee – DVD-Review

Ich muss zu meiner eigenen Schande gestehen, dass ich nicht eine einzige CD von Wishbone Ash besitze, lediglich eine Greatest-Hits-LP (mit einem Swimmingpool mitten in der Wüste drauf, wenn ich mich recht erinnere), die aber seit vielen Jahren in meiner kaum noch benutzten Plattensammlung vor sich hin staubt.

Dabei löst die Truppe bei mir durchaus nostalgische Gefühle aus, schließlich war sie der allererste richtige große Live-Event in meinem Leben. Ich meine, ich war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre jung, Vorgruppe eine Band namens Headboys oder so ähnlich und der Gig fand in der Düsseldorfer Philipshalle statt. Besetzung, wenn mich nicht alles täuscht, war Powell, Turner, Wisefield und Upton. Danach sah ich sie vor einigen Jahren mal als Headliner der mir zu dieser Zeit recht nahestehenden Southern-Rock-Band aus meiner Heimatstadt Rheinberg, Street Survivors, auf der Großen Freiheit in Hamburg (allerdings sehr stark alkoholisiert…) und wenige Tage später, dann in gleicher Konzeption in der Rheinberger Stadthalle.

Jetzt endlich bot sich mal die Gelegenheit zum Review dieser mir doch immer sympathischen Band. Das mir vorliegende DVD-Dokument befasst sich zwar nicht gerade mit einem aktuellen Ereignis, sondern behandelt einen Gig von Wishbone Ash aus dem Jahre 1983, also auch schon wieder lockere 23 Jahre her, zum 25-jährigen Bestehen des legendären Londoner Marquee-Clubs, in dem ja so ziemlich alle Größen des britischen Rockbusiness jeglicher Stil-Couleur mal irgendwann aufgetaucht sind.

Eine recht kurze Geschichte mit nur 58 Minuten, wenn man bedenkt, dass bei acht Liedern noch mitten ins erste reingeblendet und aus dem letzten Stück rausgeblendet wird. Trotzdem ist es eine Wonne, dem Quartett bei der Präsentation seiner Songs zuzusehen. Gesangstechnisch waren oder sind Powell und Wisefield sicher keine Leuchten ihrer Zunft, aber ihr Gitarrenkönnen (besonders das blind aufeinander abgestimmte Double-Leads-Spiel als WA-typisches Stil-Element) macht auch beim heutigen Begutachten noch immer große Laune.

Zwei Stücke sind hier herauszunehmen. Zum einen „Living Proof“, das mit seinen zwei furiosen E-Lead-Passagen schon bald Southern-Rock-Charakter hat, und ihr Paradestück „Phoenix“, das so viele Breaks, Tempo- und Stimmungswechsel beinhaltet, dass es einem kalt den Rücken runter läuft. Was besonders Wisefield hier an Soli abreißt, ist schon Gitarrensport der Extraklasse. Obwohl deutlich im Schatten der Hauptprotagonisten, bieten aber auch Steve Upton am Schlagzeug und Trevor Boulder am Bass einen recht fetten Rhythmusteppich. Den Abspann bildet dann eine ausführliche textliche Biografie und man hat auch die Möglichkeit, die Diskografie der Band einzusehen.

Eine insgesamt recht knappe Angelegenheit, die aber durch die grandiose instrumentelle Vorstellung, den guten Sound, die zufriedenstellende Bildqualität und angesichts der heutigen, völlig neuen Bandkonstellation (nur noch mit Powell) die Prädikate ‚historisch wertvoll‘ und ‚musikalisch kurzweilig‘ verdient hat.

Warner Music Vision (2006)
Stil:  Classic Rock

01. Can’t Fight Love
02. Living Proof
03. Open Road
04. No More Lonely Nights
05. Underground
06. King Will Come
07. Phoenix
08. Engine Overheat

Wishbone Ash
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Jeff Gallagher (Dry County) – Interview

Gall

Sounds of South: Herzlichen Glückwunsch zunächst nochmal zu eurem starken Album „Cowboy Up“. Wie sieht die aktuelle Situation bei euch aus, auf eurer Homepage geizt ihr ja noch ein wenig mit ausführlicheren Informationen?
Jeff: Die Situation bei uns ist im Moment klasse. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Homepage mit Leben zu füllen, was natürlich längst überfällig war. Allerdings investieren wir auch schon viel Zeit in ein neues Album.
Sounds of South: Es scheint als wären Randy Solski und du die treibenden Kräfte der Band. Wie ist die Chemie im allgemeinen unter euch?
Jeff: Obwohl Randy und ich als Songschreiber und auch als Produktionsteam meist im Vordergrund stehen, stimmt die Chemie unter uns. Wir sind wie fünf Brüder, die alles für einander tun würden.
Sounds of South: Wie kamt ihr auf die Idee, Countrymusik mit harten Gitarrenriffs zu verbinden?
Jeff: Wenn jemand für so etwas wie die Entwicklung des speziellen Sounds von Dry County geehrt werden würde, dann wäre es sicherlich Randy. Ich könnte schwören, er schläft nie. Er feilt fast wie ein Besessener ständig an unserem Sound und analysiert jeden Aspekt einer Dry County-Show.
Sounds of South: Stimmt ihr mit mir überein, dass „Cowboy Up“ ein Album für harte Männer und heiße Girls ist?
Jeff: „Cowboy Up“ ist was für jeden, der es wagt, anders zu sein und kein Album voller langsamer Balladen haben will. Keiner aber feiert damit so schön wie Rednecks, wir müssen es schließlich wissen!
Sounds of South: Klasse fand ich die super fette und glasklare Produktion des Albums von dir und Randy, habt ihr ein eigenes Studio?
Jeff: Auch hier muss ich wieder die Lorbeeren an Randy weiterreichen. Ihm gehört R.S. Sounds und auch das Studio. Er wickelt auch die wirtschaftlichen Dinge in diesem Zusammenhang ab. Dazu kommt, dass er schon mit vielen Major Labels gearbeitet und quasi sein Leben der Musik-Industrie verschrieben hat. Der Junge kennt sich wirklich in seinem Kram bestens aus… aber erzähl es ihm nicht, sein Ego ist schon groß genug!
Sounds of South: Wie ist die Resonanz insgesamt auf euer Album ausgefallen, jetzt nachdem doch schon wieder eine Weile verstrichen ist?
Jeff: Das allgemeine Feedback war und ist immer noch großartig. Unsere Popularität nimmt jeden Tag zu und unsere iTunes-Verkäufe scheinen dies zu untermauern.
Sounds of South: Wann ist mit einem neuen Werk zu rechnen? Vielleicht dann auch mit mehr weiblichem Backgroudgesang (ich liebe weibliche Backs)?
Jeff: Mit unserem neuen Album kannst du 2012 rechnen. Obwohl wir in der Vergangenheit weibliche Backs bisher nie eingesetzt haben, haben wir gelernt, uns alle Optionen offen zu halten. Man weiß also nie…
Sounds of South: Habt ihr nach zwei so tollen Alben wie „Waitin‘ On Hank“ und Cowboy Up“ überhaupt noch Steigerungspotential in petto?
Jeff: Es gibt immer Raum, sich zu verbessern oder zu wachsen. Am Tag, an dem du allwissend bist, bist du tot. In diesem Geschäft gibt es immer was, von dem man kontinuierlich lernen kann, und so entwickelt sich auch Dry County ständig weiter.
Sounds of South: Ich las, dass ihr mittlerweile auch für eine ganze Reihe von namhaften US-Künstlern wie Trace Adkins, Montgomery Gentry, Jason Aldean etc. als Support unterwegs gewesen seid. Ist keine einfache Aufgabe für die gewesen, wenn ihr denen vorher schon so viel Dampf unterm Hintern gemacht habt, oder?
Jeff: Mit Leuten wie Trace, Montgomery Gentry oder Jason Aldean zu arbeiten war natürlich sehr schön für uns. Es war etwas nervenaufreibend vor den Shows doch am Ende des Tages haben wir den Musikbusinessleuten und – sehr wichtig – auch uns bewiesen, dass wir auf die größeren Bühnen gehören.
Sounds of South: Wie waren die Reaktionen der US-Zuschauer? Meint ihr, ihr schafft es, auch auf dem dortigen Markt Fuß zu fassen, vielleicht sogar mal einen Major-Vertrag zu ergattern?
Jeff: Die US-Zuschauer haben uns klasse angenommen. 80 Prozent unserer iTunes-Verkäufe resultieren von dort her. Manche von denen waren doch ziemlich überrascht, dass wir aus Kanada stammen, aber das ist das Großartige an der Musik, sie verbindet Leute. Was den Major Deal angeht, sind wir natürlich offen für alles, aber so lange wir noch genug Geld verdienen, werden wir unser eigenes Ding durchziehen. Klar, so ein Deal wäre schon toll, aber es muss auch einen Sinn ergeben.
Sounds of South: In Kanada gibt es ja aus dem Country-Umfeld immer wieder sehr tolle Acts, die bei uns alle eher weniger bekannt sind – Doc Walker, Johnny Reid oder einer unserer Sounds of South-Lieblinge Melanie Dekker fallen mir da spontan ein – kennt man sich untereinander? Gibt es eine feste Szene? Pflegt man Kontakte?
Jeff: Die meisten talentierten kanadischen Künstler kennen sich untereinander. Wir haben eine relativ kleine Bevölkerung im Vergleich zur Größe des Landes. Mit 90 Prozent haben wir sicher in der einen oder anderen Form schon mal zusammengearbeitet und meistens waren das auch gute Erfahrungen. Aber da wir so anders sind als unsere kanadischen Kollegen im Country-Business kann das auch schon mal sehr interessant sein.
Sounds of South: Bei uns in Deutschland entwickelt sich das New Country-Fieber erst allmählich. Mittlerweile sind aber schon einige Interpreten wie Keith Urban, Chely Wright, Lonestar und Eric Heatherly mal hier gewesen. Toby Keith, Reba McEntire und Little Big Town sind angekündigt. Gibt es eine realistische Chance Dry County auch mal in Deutschland zu erleben?
Jeff: Dry County in Deutschland? Es wäre natürlich riesig bei euch zu spielen. Nochmals, das was ich immer wieder gelernt habe… sag niemals nie. Diese Industrie kann einiges möglich machen.
Sounds of South: Was treibt ihr so privat, wenn ihr mal keine Musik macht?
Jeff: Freizeit? Was ist das? Ähm, Randy reist sehr viel und liebt es, Hockey zu spielen. Ich bereise gerne die Inseln und ich schlafe auch sehr gerne. Donald (Laframboise) ist ein wahrer Familienmensch, der seine Tochter zum Campen mitnimmt oder zum Disneyland fährt oder eben alles das tut, was seine Familie glücklich macht. Uncle Dik befolgt alles, was seine bessere Hälfte ihm sagt und – verdammt noch mal – er mag es scheinbar. Und Keith (Silver), hmmm, was zum Teufel tut der Typ eigentlich? Keine Ahnung! Aber alle zusammen mögen wir unser Bier. Wir sind eine recht einfache Ansammlung von Männern, mit einem coolen Job und tollen Fans. Jede Band behauptet, sie hätte die besten Fans auf der Welt… Dry County hat zumindest die größte FAMILIE: Die Redneck Mafia.
Sounds of South: Danke für das Interview!

Sounds of South: Hello Jeff, first of all congratulations for your brilliant „Cowboy Up“ album again! How is the current situation at Dry County? On your homepage you are a little bit stingy with information.
Jeff: The situation in Dry County is great. We are currently working on the launch of a new website which has been long over due, and are dedicated a lot of time towards the new album.
Sounds of South: Randy Solski and you seem to be the driving forces of the band? How is the ‚general chemistry‘ inside of the group?
Jeff: Although Randy and I are the primary writers and production team, the general chemistry is amazing. We are 5 brothers who would do anything for one another.
Sounds of South: Who came up with the idea to combine hard guitar riffs with country music?
Jeff: If anyone can take credit for developing our sound, it would have to be Randy. I swear he never sleeps. He is continually tweeking sounds and analizing every aspect of the Dry County show.
Sounds of South: Do you agree with me that „Cowboy Up“ is an album for tough guys and hot girls?
Jeff: „Cowboy Up“ is anyone who dares to be different and doesn’t want to buy an album full of slow ballads. Nobody parties like rednecks, we just prove it.
Sounds of South: I was really impressed by the powerful and the crystal-clear album-production. Do you have an own recording studio?
Jeff:Again, I have to give Randy the credit for the production on our albums. He owns and operates R.S Sounds and Productions recording studio. He has worked with many major labels and has dedicated his life to this industry. The guy knows his shit but don’t tell him that, his ego’s big enough already.
Sounds of South: What was the general feedback to „Cowboy Up“ as there has passed some time now?
Jeff: The general feedback has been and still is amazing. It’s popularity continues to grow every day, and our iTunes sales back it up.
Sounds of South: When can we expect a new Dry County-CD? Maybe with some more female backings (I love those…)?
Jeff: You can expect another Dry County album next year (2012). Although we have never had female back ups in the past, we’ve learned to keep all options open, so you never know.
Sounds of South: Do you think you still have potential for improvement after such two great albums like „Waitin‘ On Hank“ and „Cowboy Up“?
Jeff: There is always room for improvement or growth. When there comes a day you think you know it all, yer dead. This business is full of things you can constantly learn from, so Dry County is constantly evolving.
Sounds of South: I read that you supported acts on stage like Trace Adkins, Montgomery Gentry, Jason Aldean etc in the States. No easy job for those, after you gave them a kick in their butts right before, wasn’t it?
Jeff: Working with some of the big boys like Trace, Montgomery Gentry and Jason Aldean was truly amazing for us. It was a little nerve racking before the shows but at the end of the day we proved to the industry and more importantly to ourselves that we belong on the bigger stages.
Sounds of South: How was the reaction of the US-audience? Do you think you can gain the ground there, maybe even getting a major contract?
Jeff: The U.S audiences have been great to us. 80% of our iTunes sales comes from there. Some of the folks down there were a little shocked to find out we were Canadian, but that’s a great thing about music, it can pull people together. As far as a major recording deal goes, we are always willing to listen to offers, but as long as we keep making a buck, Dry County will continue to do our thing. Sure we would love a deal, but it’s gotta make sense.
Sounds of South: In Canada you have many talented Country artists, who are not very well known in Germany – I think of Doc Walker, Johnny Reid or Melanie Dekker, one of our Sounds of South darlings, for example – do you know each other? Is there a permanent scene? Do you have contacts towards each other?
Jeff: Most of our Canadian talent knows one another. we are a very small population for such a huge land mass. We’ve worked with probably 90% of our Canadian talent and for the most part they have been good experiences but Dry County is sooooo different from our colleagues in the Canadian country industry it can get interesting at times.
Sounds of South: In Germany the ‚New Country-fever‘ has been growing bit by bit. Some acts like Keith Urban, Chely Wright, Lonestar and Eric Heatherly have already played here. Toby Keith, Reba McEntire and Little Big Town are announced. Is there a realistic chance to see Dry County in good ole Germany or in Europe in the near future?
Jeff: Dry County in Germany? We would love to perform over seas. Again, something I’ve learned time and time again… never say never. This industry has a way of making things happen.
Sounds of South: What do you do in your spare time (besides from the music thang)?
Jeff: Spare time? What is that? Ummm well, Randy does a lot of travelling and enjoys playing hockey. I myself love travelling to the islands, I also enjoy sleeping. Donald (Laframboise) is a true family man who takes his daughters camping, or to disneyland or whatever makes his family happy. Uncle Dik does whatever his better half tells him, and he’ll god damn like it. And Keith (Silver), ummmm, what the hell does that guy do? And as a whole, we all love our beer. We are a simple group of guys with really cool jobs and great fans. Every band says they have the best fans in the world. Dry County has the biggest FAMILY. The Redneck Mafia.
Sounds of South: Thank you very much for the interview!

Carol Chase (Lynyrd Skynyrd) – Interview

Sounds Of South: Carol, lass mich mit deiner CD beginnen. Wie läuft der Verkauf?
Carol: Hallo und danke, dass ihr meine Platte besprochen habt. Ich möchte sagen, dass die Verkäufe hier in den USA und auch in euerer Gegend gut vorangehen. Ich vermarkte meine Platte über meine Website carolchase.com in den USA selbst, aber in Europa hab ich einen Vertriebsdeal mit Halycon Music und die Dinge laufen sehr gut.
Sounds Of South: Wie waren die Kritiken in den USA?
Carol: Die Kritiken waren sehr positiv. Durch meine Verbindung zu Lynyrd Skynyrd hatte ich Zugang zu vielen Leuten im Business die ich andernfalls nicht hätte erreichen können. Momentan arbeite ich daran, meine Musik ins Satellitenradio zu bekommen, da dieser Markt wirklich wächst und sie spielen Künstler die nicht bei großen Labels unter Vertrag stehen, so wie ich.
Sounds Of South: Wie haben die Mitglieder von Lynyrd Skynyrd auf „Blue Highway“ reagiert?
Carol: Meine ‚Kameraden‘ von L.S. wollten unbedingt hören, was ich hier in Nashville selbst eingespielt hatte. Ich hab meine CD auf einer der langen Busfahrten gespielt und sie alle unterstützten die Musik. Es scheint als hätten wir alle Seitenprojekte laufen. Es gibt soviel Talent in der Band und wenn wir frei haben kann keiner von uns länger stillhalten.
Sounds Of South: Möchtest du damit auf Tour gehen? Vielleicht als Skynyrd Support? Eventuell sogar in Deutschland?
Carol: Ich würde meine CD gerne durch touren unterstützen. Als Opener für Skynyrd – ich weiß nicht, weil das ein höchst konkurrenzträchtiger Platz ist. Eines Tages werden wir vielleicht mal eine Nacht haben in der jeder mit seinen eigenen Songs glänzen kann. Das wären dann Blackfoot, die Outlaws, Dale Rossington, Van Zant usw. Ich würde gerne in Europa spielen wenn die Zeit dazu reif ist. Ich vermute mal, dass ich die Dinge nehme wie sie kommen und lass sich alles natürlich ereignen.
Sounds Of South: Wie kam es zum Deal mit Halycon?
Carol: Mein Deal mit Halycon kam zustande, nachdem ich ein Telefoninterview mit einer Station in Frankreich gemacht hatte. Die hatten mich kontaktiert, weil sie mit einer der Skynyrd ‚Honkettes‘ sprechen wollten. Zu dem Zeitpunkt erzählte ich ihnen von meiner eigenen CD und schickte ihnen ein Exemplar. Es hat ihnen gefallen und sie haben eine Bestellung aufgegeben, die sich sehr gut verkauft hatte. Ich glaube, Michael Knippschild von Halycon hat davon durch einen seiner Freunde erfahren, der ebenfalls mit meiner CD handelte. Alles fiel an den richtigen Platz obwohl ich mich dem gesamten Deal ‚unterwegs‘ widmen musste. Das kann eine frustrierende Erfahrung sein, aber irgendwie hab ich es geschafft den Stichtag einzuhalten.
Sounds Of South: Welches ist dein Lieblingssong auf dem Album, und warum?
Carol: Wie du dir vorstellen kannst haben alle Songs meiner CD eine besondere Bedeutung für mich. Ich erinnere mich daran was ich dachte, die Stimmung in der ich war und den Austausch mit den verschiedenen Co-Autoren, als die Songs geschrieben wurden. Ich kann wirklich keinen Lieblingssong raussuchen, aber als Fan von Chris Isaac sag ich, dass mir „Blue Highway“ sehr gefällt. Es erinnert mich an einen seiner Songs. Ich liebe „I’m the Blues“, weil ich das auf der Gitarre ziemlich gut spielen kann, zumal gerade eine Beziehung zu Bruch ging als ich es schrieb. Es hat meinen Herzschmerz gelindert. „In your Life“ – das macht wirklich Spaß zu singen. Ich kann wirklich keinen besonders rauspicken, hoffe aber dass die Zuhörer einen oder mehrere finden die ihnen wirklich zusagen.
Sounds Of South: Du arbeitest ja viel in Nashville und so hab ich eher ein New-Country Album erwartet. Warum hast du ein Blues-Roots-Rock Album gemacht?
Carol: Ich hab mich nie in eine musikalische Kategorie gezwängt und diese CD ist repräsentativ für die Art Musik, die ganz natürlich aus mir kommt. Nashville ging durch eine Menge Veränderungen in Bezug auf die Musik, die von dort stammt, und ich denke, dass ein Künstler seinem eigenem Stil treu bleiben muss. Andernfalls ertappt man sich dabei dem gegenwärtigen Trend hinterherzulaufen ohne was Eigenes auf die Beine zu stellen.
Sounds Of South: Was hältst du vom New-Country Genre?
Carol: Ich denke, dass New-Country dem sozioökonomischen Trend des Landes folgt. Traditionelles Country war nicht annähernd so poliert und auf ‚Pop‘ getrimmt wie es die neue Musik ist. Mir gefällt die gegenwärtige Musik, obwohl viele der Künstler nicht ihre eigene Musik schreiben oder das Leben leben, von dem sie singen. Hier in Nashville einen großen Plattenvertrag zu bekommen hat damit zu tun, wie du aussiehst und klingst und das verwehrt vielen wirklichen Künstlern, jemals einen Vertrag unterschreiben zu können. Dieses Phänomen hat eine Menge mit der Macht zu tun, die Musikvideos haben.
Sounds Of South: Dieses Genre erfreut sich wachsender Beliebtheit in Deutschland, aber die Künstler treten hier fast nie auf. Hast du eine Ahnung warum das so ist?
Carol: Ich weiß nicht warum populäre Country-Künstler nicht öfter in Europa auftreten. Ich vermute sie haben ein komfortables Leben in den USA und sie reisen einfach nicht so oft nach Übersee, es sei denn, dass es sich finanziell für sie lohnt. Jeder den ich kenne kommt gerne nach Deutschland und andere europäische Länder, weil die Konzertbesucher dort sehr wohlwollend und enthusiastisch sind.
Sounds Of South: Du hast ein wunderschönes Duett auf „Never been any Reason“ von der neusten LaidlawPlatte gehabt. Wie war die Zusammenarbeit mit der Band?
Carol: Ich habe es genossen mit den Leuten von Laidlaw zu arbeiten. Sie waren die Opener für eine Menge Skynyrd-Konzerte und wir sind alle gute Freunde geworden. Als sie dann dieses bestimmte Album machten, haben sie in Nashville aufgenommen und alles hat großartig geklappt. Die sind wirklich talentiert und so engagiert mit dem, was sie machen.
Sounds Of South: Du bist hauptsächlich als eine der Skynyrd-Honkettes bekannt. Wie können wir es uns als Nicht-Musiker vorstellen, wie sich Background Vocals entwickeln? Schreibt das der Songwriter genau vor oder kommt das aus dem Bauch heraus?
Carol: Ich denke, nachdem die Jahre vorbeiziehen erkenne ich mehr und mehr das Faktum an, ein Teil der Southern Rock Ära von Lynyrd Skynyrd zu sein. Ich habe mit 5 oder 6 Jahren mit 3-stufigem Harmoniegesang angefangen. Ich hatte zwei Schwestern die ebenfalls sangen und wir sind immer für den ‚Music-Club‘ meiner Mutter aufgetreten. Meinen Part konnte ich immer heraushören und ich kann mich nicht erinnern, je Schwierigkeiten damit gehabt zu haben, meinen Harmonieteil auch zu halten. Ich wollte die Melodie singen… natürlich lauter als meine Schwestern, aber mit der Zeit hab ich rausgefunden, dass der Mischgesang…na ja, das Geheimnis liegt in einer guten Harmoniegruppe. Keiner sonst in meiner Familie hat das Musikgeschäft weiter verfolgt.
Sounds Of South: Wie ist deine Arbeitsbeziehung mit Dale Rossington?
Carol: Ich war total begeistert die Chance zu bekommen mit Dale zu arbeiten. Ich meine, letzten Endes war sie die Lead-Sängerin der Rossington-Collins Band. Ich hörte sie damals schon und hab auch ihre Songs in meiner Show in Anaheim, California gesungen. Sie ist ein echtes ‚Rock and Roll‘-Mädel und immer professionell. Jeden Abend, wenn wir mit L.S. auf die Bühne gehen, sagt sie: ’sing es als wär’s von dir‘! Oh ja, Dale ist großartig.
Sounds Of South: Von wenigen Ausnahmen abgesehen spielt Skynyrd immer altes Material, obwohl die neue Band mittlerweile eine eigene Identität hat. Könntest du dir vorstellen, in einem überarbeiteten Bühnenkonzept einige deiner Songs zu bringen, mit Skynynrd als Bandunterstützung?
Carol: Ich würde die Chance sofort beim Schopf fassen, das Skynyrd line-up bei einem oder zwei meiner Songs als back-up zu haben. Ich hab schon mit Hughie Thomasson (The Outlaws, und jetzt Teil von Skynyrd) darüber gesprochen, mir bei meiner nächsten Produktion zu helfen. Ich denke, am Ende werden wir im Kontext von Skynyrd alle glänzen können. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Sounds Of South: Ich habe irgendwo gelesen, dass Melissa Etheridge und Sheryl Crow zu deinen Vorbildern gehören. Ist das wahr und wenn, warum?
Carol: Ich hab nicht notwendigerweise ein oder zwei Vorbilder zu denen ich aufsehe, aber ich bewundere all die Mädels wirklich, die sich im Rock ihren eigenen Weg geebnet haben. Es ist ja sicherlich eine Männerwelt und ich denke es ist wichtig, Klasse und Stil zu haben um oben dabeizubleiben. Ich glaube, dass sowohl Sheryl Crow als auch Melissa Etheridge das geschafft haben, zusammen mit Bonnie Raitt, die auch eine meiner Lieblingsinterpretinnen ist.
Sounds Of South: Welchen Wert haben unabhängige Online-Magazine für die zeitgenössige Musikszene deiner Meinung nach?
Carol: Das Musikgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und das ist gut so. Es gibt so viele Künstler die ein Transportmittel für ihre Musik brauchten. Nicht jeder bekommt einen großen Plattenvertrag oder will überhaupt einen. Unabhängige Online Musik-Magazine sind leicht erreichbar und berichten über Dinge die ihnen wichtig sind. Sie geben sehr vielen von denen eine Stimme die andernfalls ungehört blieben.
Sounds Of South: Wie oft warst du schon in Deutschland und was hat dich beeindruckt?
Carol: Ich war etwa 4 mal in Deutschland und ich hab es einfach jedes Mal geliebt. Meine Vorfahren von beiden Seiten meiner Familie stammen von dort, deswegen spürte ich eine gewisse Anziehung. Mir gefallen die sauberen Strassen, der großartige Kaffee und das gute Essen, die Architektur und die freundlichen Menschen sehr gut. Ich freue mich darauf wiederzukommen, so dass ich etwas länger bleiben und mir das Land genauer ansehen kann. Als wir früher dort waren, war ich immer auf Tour mit der Band und konnte mir die Sehenswürdigkeiten nie so ansehen, wie ich es gerne tun würde. Es ist eine wunderbare und historische Gegend.
Sounds Of South: War es schwer für dich als alleinerziehende Mutter, im Musikgeschäft Fuß zu fassen? Bekamst du Unterstützung wenn du sie brauchtest?
Carol: Ich habe mich im Musikgeschäft immer selbst um mich gekümmert. Ich hab einen College-Abschluss in Psychologie, aber selbst während des College hab ich gesungen und für mich selbst gesorgt. Ich hatte einen Plattenvertrag mit einem großen Label als ich erstmals in L.A. lebte, aber meine Tochter war sehr klein, 4 Jahre alt, und ich war allein. Nachdem ich ein paar Wochen von ihr weg und unterwegs war, um meine Platte zu promoten, wurde mir klar, dass ich dies nicht durchhalten konnte…den ganzen Deal usw. Also hab ich begonnen in Clubs zu singen, mich mit Werbung über Wasser gehalten und hatte verschiedene Sachen laufen die mich im Geschäft hielten. Ich hab auf zahlreichen Alben Background Vocals gesungen, Songs geschrieben und hatte das Glück, damit einige grössere Country Sachen gelandet zu haben. Erst als meine Tochter älter war hab ich dann damit begonnen, richtig zu touren und diesen Teil des Geschäfts zu absolvieren. Ich hab im Musik Business großartige Freundschaften knüpfen können und mir ist aufgefallen, dass wir alle viele Opfer bringen mussten, um da zu sein wo wir sind. Deswegen unterstützen wir uns gegenseitig auch so stark.
Sounds Of South: Du bist in den Dakotas aufgewachsen, in wunderschöner Landschaft mit allerdings wirklich rauen Wintern. Lebst du noch dort?
Carol: Ich wuchs im nordwestlichen Teil North Dakotas auf und besuchte die University von North Dakota in Grand Forks. Mit etwa 21 bin ich dann an die Westküste gezogen. Meine Eltern sowie meine 3 Geschwister leben noch in Dakota – in Stanley – wo ich groß geworden bin. Nach dem College lebte ich ungefähr 8 Jahre in L.A., aber nun bin ich in Nashville, Tennessee und ich genieße es. Es ist äußerst kalt im Winter in North Dakota, aber ich hab gelesen, dass es dort in den nächsten 10 Jahren höhere Temperaturen als normal geben wird. Das wäre gut. Es ist ein schönes Fleckchen Erde und meine Mutter nennt es „den hintersten Zipfel“. Sie könnte recht haben.
Sounds Of South: Vielen Dank für das informative Interview.

Rebel Pride – Backin‘ It Up – CD-Review

Wow, Respekt! Bei Rebel Pride kann ich guten Gewissens eine positive Weiterentwicklung konstatieren. Ihr Debütalbum „It Is What It Is“, das eigentlich mit vielen guten Ansätzen auch nicht von schlechten Eltern war, mir persönlich jedoch zu viele Ausflüge in den trockenen Blues Rock beinhaltete, deutete bereits das vorhandene Potential der Band an, zumal sie mit Pat Buffo eine echte Charakterstimme ihr Eigen nennen kann, die ziemliche Ähnlichkeiten mit Danny Joe Brown aufweist.

Auch beim zweiten Werk „Backin‘ It Up“ flirten sie zum Auftakt direkt mit Molly Hatchets ‚Disaster‘ und rocken bei „Domino Boogie“ los wie Sau. Hier kann man ungefähr nachempfinden, wie sich ein Domino-Stein fühlen muss, wenn er von der geballten Kraft der sich auf ihn stürzenden Vorgänger umgehauen wird. Klasse, direkt ein Highlight zum Auftakt! Mit „Flatlands“ folgt ein angenehmer, sonniger Gute-Laune-Song mit dezentem Westcoast-Feeling, ohne das Southern-Terrain zu weit zu verlassen. Die wohl erste richtige Ballade der stolzen Rebellen heißt „Long Distance Love Affair“ und beinhaltet neben einem schönem entspannten E-Solo auch eine wunderbare Organ-Passage.

Ein treibender Boogie namens „On The Road“ mit typischen Breaks, herrlichen Gitarren-Duellen und pulsierenden Drums, lässt den einstigen „Whiskey Man“ aufleben, nostalgische Gefühle der ehrlichen Art kommen auf. Eine gelungene Abwandlung des einstigen Hatchet-Klassikers. Auch bei „Respect“ lünkert an der einen oder anderen Stelle „Dreams I’ll Never See“. Mit diesem Sänger ist die Truppe natürlich dazu prädestiniert, sich im Dunstkreis von Molly Hatchet zu bewegen. Eine weitere, wunderbare Ballade mit Klassiker-Ambitionen bekommt man mit „Take It Slow“ serviert, bei der einige Akkorde von „Free Bird“ durchschimmern. Gegen Ende wartet man förmlich auf das einsetzende Break zum schnellen Gitarren-Finish, aber man belässt es letztendlich dem Titel entsprechend bei der ruhigen Gesamtatmosphäre, glänzt dafür mit einem herrlich relaxten Zwischen-Solo.

Wie auch schon die Band Rambler, hat Rebel Pride sich sehr vieler Klassiker der historischen Southern-Bands angenommen, aber diesen mit wirklich ungemeinem Gefühl einen neuen Charakter verliehen. Find ich durchaus legitim, wenn es richtig gut gemacht ist. Hier passt es in jedem Fall. Und so hat auch das schmuddelig dahin rockende „Texas Mud“ wieder recht frappierende Ähnlichkeit zu Doc Holliday-Stücken wie „Ain’t No Fool“, „Last Ride“ oder „Moonshine Runner“, vielleicht so ein Mix daraus. Auch hier singt Buffo durchaus auf Brookshire-Niveau, ohne diesen plump zu kopieren. Rockt mächtig, der Song. Zum Abschluss gibt es, wie schon beim Debüt, den früher obligatorischen Klassiker im 9-Minuten-Bereich. „Shine-Ola“ basiert in der Slow-Passage auf Marshall Tuckers „Can’t You See“, das typische dynamische E-Finish kann es mit „Lonesome Guitar“ aufnehmen.

Mit „Backin‘ It Up“ wäre Rebel Pride 1980 von der Südstaaten Fan-Gemeinde als Shooting-Star in den Southern-Himmel und darüber hinaus gehoben worden, 2007 reicht es leider nur zu einer beachtlich guten Eigenproduktion (Wo sind hier nur die interessierten Labels?) für die übrig gebliebenen Insider/Romantiker dieses Genres. Trotzdem darf die Nase stolz nach oben gehalten werden. Mir persönlich hat das Album sehr viel Spaß bereitet, diese Band darf sich hier gerne mal blicken lassen. Eindeutige Kaufempfehlung!

Eigenproduktion (2008)
Stil: Southern Rock

01. Domino Boogie
02. Flatlands
03. Long Distance Love Affair
04. On The Road
05. Respect
06. Take It Slow
07. Texas Mud
08. Shine-Ola

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Bärchen Records

Reckless Kelly – Good Luck & True Love – CD-Review

Reck_300

Herausragendes, neues Album der texanischen Roots-/Americana-/Red Dirt-Countryrock-Helden! Es ist gerade mal wenige Wochen her, seit die jüngeren Braun-Brüder, Micky und Gary, mit ihrer Band Micky & The Motorcars ihr großartiges Album Raise My Glass veröffentlicht haben, da werfen auch die beiden älteren Brüder des Braun-Clans, Cody und Willy, mit ihrer Band Reckless Kelly und dem neuen Meisterwerk „Good Luck & True Love“ geradezu ein „Hammerteil“ in die Waagschale.

Der Vorgänger Somewhere In Time aus dem Jahre 2010, bei dem man dem musikalischen Vorbild Pinto Bennett in Form eines Coverwerkes Tribut zollte, wurde, obwohl musikalisch bärenstark umgesetzt, von der RK-Fangemeinde eher mit geteilter Meinung aufgenommen. Doch mit ihrem neuen Longplayer gibt es nun wieder eigenständiges Reckless Kelly-Material (im Übrigen auf eigenem, neuem Label) und das hat es wahrlich in sich. Ja, man muss wohl konstatieren, dass die Band, die ohnehin schon seit Jahren auf Top-Niveau agiert, sich erneut gesteigert hat.

Sie sind auf dem Zenit ihrer bisherigen Laufbahn angelangt. Bei diesem Werk stimmt wirklich alles (Näheres dazu noch später)! Schon der Opener „Give It A Try“ dürfte der in letzter Zeit nicht so üppig verwöhnten Red Dirt-Szene regelrecht Freudentränen in die Augen treiben. Was für ein herrlich melodischer, entspannter, dennoch mit der richtigen Portion texanischem Staub behafteter Countryrocker. David Abeytas Slide-Gitarre surrt, Cody Brauns Mandoline zirpt als dezent folkige Untermalung und Willy singt dazu mit seiner charismatischen Wohlfühlstimme. Einfach wunderbar.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das folgende, voller Selbstironie getextete „Save Me From Myself“, das in seiner Art weniger introvertiert herüberkommt. Das mit einem leichten Tom Petty-Feeling daher kommende „Guarded Hear“ punktet mit einem traumhaften, sich in den Gehörgängen sofort festsetzendem, markanten Refrain. Toll hier die E-Gitarren-/Mandolinenkombi im Solo-Teil. Dann wird der „Rock-Hammer“ geschwungen. „She Likes Money, He Likes Love“ heißt dieser famose Knaller, bei dem die „Luzie richtig abgeht“. Da werden gar Erinnerungen an countryrockende Georgia Satellites wach. Drummer Jay Nazz gibt dabei schon fast in punkiger Manier die Schlagzahl vor.

Sollten die Radiostationen mal nach einem furiosen Country Rock’n’Roller Ausschau halten, der trotzdem von einer tollen Melodie getragen wird, dürften sie hier fündig werden. Den Puls wieder runterfahren darf man dann beim anschließenden „I Never Liked St. Valentine“, einer wunderschönen Willy Braun/Todd Snider-Komposition (herrliches Akustikgitarrenspiel), die sowohl die irischen Wurzeln der Brauns als auch die mit diesem Tag verbundenen Emotionen auf bemerkenswerte, durchaus humoristische Art und Weise („I don’t need a Ballantine“) verbindet.

In der zweiten Hälfte des Albums wird dann der Countryfaktor deutlich erhöht, zumal Cody Braun von der Mandoline vermehrt zur Fiddle umschwenkt. Die „sägt“ sich beispielsweise unbeirrt ihren Weg durch das schwungvolle „Weatherbeaten Soul“ (inkl. schönem Solo). Der prächtige Titeltrack „Good Luck & True Love“ bietet dann nochmal gitarrenbetonten Red Dirt-Countryrock in Perfektion. Stark hier auch das Gesangs-Wechselspiel zwischen Willy und Cody im Refrain. Richtig schönen, fast schon traditionellen Country gibt es auf „I Stayed Up All Night“. Willy mit Erzählgesang voller Pathos, Cody lässt ein ums andere Mal die Fiddle aufheulen, im Chorus steuert Nashville-Sängerin Dani Flowers bezaubernde Harmonie-Gesänge bei. Klasse!

Apropos Nashville. Die auch unter „Music City“ bekannte Hochburg des kommerziellen Country bekommt in „New Moon Over Nashville“ textlich ihr Fett weg. Eine wunderschöne, leicht rootsige Country-Nummer. Das abschließende, saustarke „Hit The Ground Runnin'“ fängt zunächst recht harmlos an, entwickelt sich aber nach der Eingangsstrophe zu einem furiosen, gitarrenbetonten Southern Rocker mit grandiose E-Gitarrenarbeit von David Abeyta (fette Soli). Ein fulminanter, kräftiger Ausklang. Große Klasse! Auch die Produktion von Abeyta und den beiden Braun-Brüdern ist als sehr transparent, sauber und kräftig zu bezeichnen.

Doch nicht nur die Musik dieses Albums ist fantastisch gelungen. Auch das komplette, prächtige Grammy-nominierte Cover-Artwork darf nicht unerwähnt bleiben. Dessen Kreateure, Sarah und Shauna Dodds, haben hier ein mit viel Liebe zum Detail behaftetes, buntes Digipack erkoren. Zum einen kann man sich in einem Spiel mit der ‚Hand Of Fortune‘ (eine beigefügte ausgestanzte Hand, die man da, wo die CD steckt, drehen kann) sein Glück mittels vorgefertigter Antworten erfragen, zum anderen kann man das beigefügte Booklet noch durch die linke Seite der Digipack-Hülle ziehen und sich mittels einer darin ausgefügten Aussparung einen Schwarz-/Weiß-Kurzfilm (mit Willy und Cody als Protagonisten in historischem Outfit) in Daumenkino-Manier anschauen. Mit viel Geschmack gemacht!

Somit ist „Good & True Love“ nicht nur ein musikalisches Meisterexemplar geworden, sondern auch als regelrechtes Gesamtkunstwerk zu betrachten. Phantastisch! Ein absolutes Schmuckstück der Red Dirt-/Countryrock-Sparte – in jeder Hinsicht! Reckless Kelly rules!

No Big Deal (Cargo Records) (2011)
Stil: Country Rock/ Red Dirt

01. Give It A Try
02. Save Me From Myself
03. Guarded Heart
04. She Likes Money, He Likes Love
05. I Never Liked St. Valentine
06. Weatherbeaten Soul
07. Good Luck & True Love
08. I Stayed Up All Night Againk
09. New Moon Over Nashville
10. Hit The Ground Runnin‘

Reckless Kelly
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Bärchen Records
Backstage Design Studio

LeAnn Rimes – Lady & Gentlemen – CD-Review

Eigentlich sind alte ‚Countryschinken‘ und auch Cover-Alben bzw. -Konzerte gar nicht so mein Ding. Letztgenannte boykottiere ich aus Solidarität den vielen kreativen, selbst kreierte Songs spielenden Bands gegenüber, die sich immer wieder vor einigen, wenigen Zuschauern den Allerwertesten aufreißen müssen, schon seit Jahren aus Prinzip. Bei LeAnn Rimes und ihrem aktuellen Werk „Lady & Gentlemen“ sieht die Sache ein wenig anders aus, denn hier gibt es für mich persönlich einige interessante Gründe, doch so ein wenig zum ‚Umfaller‘ zu mutieren.

Zum einen ist LeAnn eine grandiose Sängerin, wie auch dieser Silberling deutlich unterstreicht. Zweitens ist sie in unserem Künstlerindex noch nicht vertreten, drittens erscheint das Wagnis, sich als Frau ausnahmslos an, von männlichen Vertretern geschriebene und performte Stücke heranzuwagen, als ziemlich mutig, viertens verspricht die unter heutigen, modernen Gesichtspunkten mögliche Umsetzung einiges an Spannung. Dazu kommt noch, dass mit Vince Gill (Produktion/instrumentell stark involviert), Darrell Brown, John Hobbs und Justin Niebank (alle Produktion) Könner ihres Fachs ins Boot geholt worden sind, die eigentlich als Garanten für ein Qualitätsprodukt stehen.

Nebensächlich interessiert natürlich auch, ob Rimes ihre zum Teil öffentlich ausgetragenen privaten Probleme (Scheidung) verkraften und musikalisch kompensieren konnte. Aufgrund der zwei neuen Bonustracks gibt sie on top noch einen Ausblick auf das nächste eigenständige Album. So genug lamentiert über das ‚Wieso-Weshalb-Warum‘ – kommen wir zur Bewertung.

„Lady & Gentlemen“ hat mich absolut begeistert, mit ganz kleinen subjektiven Abstrichen. Rimes zeigt sich über das gesamte Werk hinweg in einer überragenden vokalen Verfassung, sie zählt eindeutig zum Besten, was Nashville an Sängerinnen zur Zeit zu bieten hat. Wie sie hier zu jedem Tempo, jedem Stil (es beschränkt sich bei weitem nicht alles auf puren Country) ihr Organ voller Emotion, Kraft oder Sensibilität je nach Lage einbringt ist, absolute Weltklasse.

Eine Arbeitskollegin von mir (ein großer Reba McEntire-Fan), der ich kurz mal die Songs (natürlich in der Mittagspause…, LOL) angespielt habe, sah man nach wenigen Momenten schon die Entzückung ins Gesicht geschrieben. Ihr kurzer und knapper Kommentar. »Ist das schön, die muss ich mir sofort kaufen!« Vom grandiosen Opener „Swingin'“ (hier swingt wirklich alles; herrlich das rhythmische Fingerpicking -E-Gitarrenspiel von Vince Gill im Stile von Eric Clapton/Albert Lee – die kennen sich ja auch alle bestens von den Crossroads-Festivals) bis zum, den Coverteil abschließenden Haggard-Klassiker „The Bottle Let Me Down“ (tolle, ruhig gehaltene Mischung aus typischen Outlaw- und ‚Cryin‘ In My Beer‘-Elementen), gibt es jede Menge Feinheiten zu entdecken.

Da ‚weint‘ sie bei einigen Tracks (saustark „Wasted Days & Wasted Nights“ mit sogar spanischem Gesang am Ende; „I Can’t Be Myself“, „Help Me Make It Through The Night“, „Rose Colered Glasses“, „He Stopped Loving Her Today“) in der typischen Manier der großen weiblichen Country-Ikonen, raunzt inbrünstig in Diven-Manier einer Wynonna bei „The Only Mama That’ll Walk The Line“ und haucht der Jennings-/Willie Nelson -Uralt-Version von „A Good Hearted Woman“ (großartige E- Gitarren-/Steel-Solo-Kombi) richtig neues Leben ein.

Zu den Überraschungen zählen „16 Tons“ (im Big Band-Gewand, dazu mit dezentem Stray Cats-Flair – soll das eine Bewerbung als Titelsängerin für einen kommenden „James Bond“-Film sein? ) und der geniale Slow Blues „When I Call Your Name“ (ein Song von Vince Gill, der hier im Soloteil jetzt E-Gitarre statt Piano aufweist) und ihr Großer Hit „Blue“, der mit der Allstar-Band The Time Jumpers neu eingespielt wurde, der Vince auch angehört.

Klasse immer wieder auch die starke Instrumentierung, getragen von Gills variablen/filigranen Gitarrenkünsten und der oft dazwischen jammernden Steelgitarre. Je nach Bedarf sind Drums und Bass, sowie Zutaten aus Piano, Orgel, Fiddle und Mandoline perfekt dazu geschaltet. Auch die beiden (neuen) Bonustracks am Ende wissen zu überzeugen. Das country-bluesige „Crazy Woman“ geht gut ab (Bläsereinsätze, claptonesker E-Rhythmus), der etwas theatralische Schmachtfetzen „Give“ gehört nun mal zum guten Ton der New Country-Major-Alben einfach dazu und hätte in jedem Blockbuster als musikalische Untermalung seine Berechtigung.

Damit wären wir auch bei meinen kleinen Einschränkungen. Mir wäre ein konstantes Verbleiben auf dieser CD bei reinen Countrystücken eigentlich lieber gewesen, ich hätte hier nur gerne dann ein paar flottere Nummern mehr dabei gehabt. Das Variieren zu anderen Musikstilen und auch die neuen, modernen Tracks stören ein wenig die Gesamtharmonie des Albums, bieten aber halt dafür mehr Abwechslung. Aus taktischen Gesichtspunkten sind die Bonusstücke natürlich absolut nachvollziehbar. Leider fehlt auch die Nennung der involvierten Musiker, die es hier sicher verdient hätten, im Booklet aufgeführt zu werden.

Insgesamt gesehen, meldet sich LeAnn Rimes mit „Lady & Gentlemen“ in Bestform zurück. Es ist eine Freude, dieser jungen Dame beim Singen zuzuhören und sich von ihr betören zu lassen. Dieses Cover-Experiment ist eindrucksvoll gelungen!

Curb Records (2011)
Stil: Country & More

01. Swingin‘
02. Wasted Days And Wasted Nights
03. The Only Mama That’ll Walk The Line
04. I Can’t Be Myself
05. 16 Tons
06. Help Me Make It Through The Night
07. Rose Colored Glasses
08. A Good Hearted Woman
09. When I Call Your Name
10. He Stopped Loving Her Today
11. Blue (mit The Time Jumpers)
12. The Bottle Let Me Down

Bonus Tracks:
13. Crazy Women
14. Give

LeAnn Rimes
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Bärchen Records

The Jeff Healey Band – Live In Belgium – CD/DVD-Review

Der am 02.03.2008 mit 42 Jahren leider viel zu früh an Krebs verstorbene kanadische Musiker Jeff Healey ist in Sachen Blues Rock immer schon ein toller Vertreter gewesen. Da ich diesen tollen kanadischen Gitarristen ebenfalls sehr schätze, (sein 2000er-Werk „Get Me Some“ zählt mit zu meinen Lieblingsalben) freue ich mich, mal wieder ein wenig abseits der von mir sonst präferierten Pfade schweifen zu können.

Zu verdanken habe ich es unter anderem Healeys etatmäßigem Drummer Tom Stephen, der dieses im Juli 1993 beim Peer Rhythm Blues Festival statt gefundene Konzert aus den Archiven gefischt und in eine heute zeitgemäße audio-visuelle Verarbeitung überführt hat. Stephen hat auch die im beiliegenden acht-seitigen Booklet geschriebenen Liner Notes verfasst.

Das Live-Dokument stammt aus der „Feel This“-Phase, Jeffs dritten Studioalbum. Healey, damals noch mit milchbubihaftem, fast an einen kleinen Bruder von Patrick Swayze (mit dem ist er ja auch durch den Film „Road House“ verbandelt gewesen war) erinnernden Äußeren, dazu noch dem für die Zeit typischen Haarschnitt. Auch die Brillenmode schien aus heutiger Sicht, wie in den Publikumseinblendungen zu sehen ist, noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung gewesen. Immer wieder doch recht amüsant, so die Modesünden (auch seine eigenen) der Zeit vor Augen geführt zu bekommen, andererseits trauriger Weise kaum zu glauben, dass Healey ab da nur noch knapp 15 Jahre zu leben haben sollte.

Das Konzert macht aus mehreren Gründen großen Spaß. Zum einen wird das Thema Blues (Rock) doch recht fluffig umgesetzt und der im Fokus stehende Healey lässt das für viele Gitarreros der Zunft selbstverliebte Saitengewichse ganz weit außen vor, stellt aber dabei die Qualitäten seines außerordentlichen Könnens zu Genüge unter Beweis.

Ein weiterer Pluspunkt ist für mich die Hinzunahme des Keyboarders Washington Savage und der beiden dunkelhäutigen Hintergrundsänger/in Mischke Butler und Toucu (mit vielen tollen Backs und Harmonies), die dem Sound der Band viel mehr Variabilität und auch Volumen verschafften und auch ein deutlicheres Maß an Eingängigkeit verliehen.

Der erste Teil des Konzertes liegt mit sechs Songs (von sieben) schwerpunktmäßig auf dem zu dieser Zeit gerade veröffentlichen „Feel This“-Album, klasse der Einstieg mit den beiden schön rockenden Tracks „Baby’s Lookin‘ Hot“ und „The House That Love Built“. Auffällig direkt der extra für Jeff angefertigte Gitarrenhalter, der ihm ein Spielen im Stehen wie im Sitzen ermöglichte, als auch die mit nur drei Saiten bespannte schwarze Les Paul. Mann, was entzaubert der Bursche mit seiner eigenwilligen (vermutlich seiner Blindheit geschuldeten) Spieltechnik diesem reduzierten Instrument hier für Töne. Hut ab!

Weitere Highlights das von leichtem Southern-Flair umgarnte „It Could All Get Blown Away“ (typisches E-Solo) und der herrliche Slow Blues „Evil And Here To Stay“ (grandios Healeys filigrane Saitenarbeit in Verbindung mit Savages Pianogeklimper und Orgelgurgeln). Auch der von Joe Rockman und Tom Stephen entfachte Groove (in allen Tempi) ist schon von exzellenter Güte.

Der zweite Abschnitt geht von der Stückeauswahl her mehr in die Breite. Vom Black Crowes-behafteten, straight rockenden „Full Circle“ über den angenehmen Akustikteil (mit „That’s What They Say“ und „Angel Eyes“ – beide wunderbar melodisch), dem zum Soundtrack zählenden „Roadhouse Blues“ aus o. a. Swayze-Film (in dem Healey und Band mitspielten) und „See The Light“ inklusive Bandvorstellung, gipfelt die Show letztendlich in einer Killerversion des Beatles -Covers „While My Guitar Gently Weeps“ als vom Publikum lautstark eingeforderte Zugabe. Furios erneut die Gitarrensalven von Jeff, unter die Haut gehend die kreischende Back-Einlage von der auch optisch sehr nett anzusehenden Sängerin Toucu. Die erinnert ein wenig an die berühmte Performance von Clare Torry auf Pink Floyds „The Great Gig In The Sky“.

Das CD-/DVD-Kombipaket „Live in Begium“ (tracks sind identisch) ist ein sehens- wie hörenswertes Ton-und Filmdokument geworden. Es zeigt die Jeff Healey Band in der Blüte ihrer Zeit. Der gute, aufgebesserte Sound, die vielen schönen, eingeflochtenen Nahaufnahmen und natürlich die starke Musik machen die Angelegenheit zum kurzweiligen Vergnügen. Stephens Gang in die Katakomben der Archive hat sich somit in jedem Fall gelohnt. Jeff Healey und der ja auch vor einiger Zeit verstorbene Patrick Swayze dürften diese Retrospektive ebenfalls mit Genuss von oben herab verfolgt haben. Absolute Kaufempfehlung von meiner Seite!

Eagle Rock Entertainment (2012)
Stil: Blues Rock

01. Baby’s Lookin‘ Good
02. The House That Love Built
03. Evil And Here To Stay
04. Confidence Man
05. It Could All Get Blown Away
06. Lost In Your Eyes
07. Heart Of An Angel
08. Full Circle
09. That’s What They Say
10. Angel Eyes
11. Roadhouse Blues
12. See The Light
13. While My Guitar Gently Weeps

The Jeff Healey Band
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Eagle Rock Entertainment
Black Mamba Promotion

Gerhard Pichler (The Ladder) – Interview

Pich

Sounds of South: Wie kommt ein österreichischer Gitarrist in eine britische Rockband?
Gerhard: Wenn ich es für mich selbst erkläre liegt es einerseits daran, dass ich schon im Alter von acht Jahren Mitte der Siebziger für eine sehr lange Zeit ein Riesenfan von der britischen Glam-Rock Band The Sweet war, und andererseits an jenem bestimmten Gig, den ich 1986 in der Wiener Stadthalle erlebt hatte. Damals waren FM der Opener für Gary Moore, und von dem war ich ja in den Achtzigern extrem begeistert. Ich kannte damals FM überhaupt nicht, und so gesehen war ich höchst positiv überrascht als sie mit „That Girl“ vom „Indiscreet“-Album loslegten. Als dann noch Steve Overland sein Gesangsorgan zum Einsatz brachte, war es definitiv um mich geschehen. Selten zuvor (außer Steve Perry von Journey) hatte mich ein Sänger mit seinem Gesangsstil dermaßen berührt! Daraufhin ging natürlich das Kaufen sämtlicher FM-Platten in den folgenden Jahren los, da mich einerseits die Musik sehr ansprach und andererseits immer wieder vor allem Steves Stimme. So hat mich sein gefühlvolles ‚von der Seele‘ singen über die letzten 20 Jahre ewig gefesselt, und daraus resultierend auch mein Plan, eine mögliche Zusammenarbeit irgendwann mal auf die Reihe zu bekommen. Und dann schlussendlich sicherlich noch meine extreme Unnachgiebigkeit, verbunden mit einer gewissen Starrköpfigkeit in bestimmten Dingen seit meiner Kindheit an. Eine Rockband in Österreich ernsthaft zu betreiben, hatte ich mir sowieso schon seit langer Zeit abgeschminkt.
Sounds of South: Erzähl uns bitte ein wenig über deinen bisherigen musikalischen Werdegang.
Gerhard: Begonnen hat es eigentlich im Kindesalter, wie bei vielen anderen Musikern auch, denke ich mal, und ein entscheidender Moment war dann sicherlich 1980, als ich einen Freund AC/DCs „Hells Bells“ auf einer E-Gitarre spielen sah und hörte. Dieses Riff auf nur zwei Saiten im Verbund mit einem verzerrten Sound klang so riesengroß – unfassbar! Danach folgten zwei Jahre Roadie bei einer (damals) sehr erfolgreichen österreichischen Rockband, wo ich auch die ersten Blicke hinter die Kulissen machten durfte. Danach, 1982, die erste eigene E-Gitarre, und die nächsten Jahre bis 1988 waren mal mit Üben im eigenen Zimmer angesagt. Im Februar 1988 habe ich dann mit einem befreundeten Schlagzeuger meine erste Band Charity gegründet, und 1992 dann die erste eigene CD mit vier Songs aufgenommen. Schon damals träumten wir immer von einem Sänger mit der Qualität eines Steve Overlands, da unsere Songs ebenfalls sehr melodisch angelegt waren. Im August 1992 traf ich dann den österreichischen Erfolgsproduzenten Peter Wolf (Starship, Heart, Commodores, …) in seinem eigenen Studio in der Nähe von Los Angeles, und der hat mir dort in ein paar Stunden so richtig die Leviten gelesen, wie ich es auch ehrlich gesucht und gebraucht hatte. Mehr oder weniger hat er mir das bestätigt, woran ich immer geglaubt bzw. wie ich es intuitiv gespürt hatte, nur musste ich es von einer Respektsperson wie ihm persönlich hören. Seine Prognose betreffend meiner nächsten darauf folgenden Jahre hat sich in der Praxis auch als zu 100%ig richtig herausgestellt, und dafür bin ich ihm noch heute unendlich dankbar! Ich bin danach also wieder zurück nach Wien, habe wenige Monate später meinen damaligen Job und die Band gekündigt und im April 1993 einfach mit einem Koffer in der einen und meiner Gitarre in der anderen Hand ab in den Flieger nach L.A, dem Mekka der Rockmusik, wie ich damals dachte… .
Die nächsten Monate waren dann weniger von Erfolg gekrönt, da die Grunge-Welle mit Nirvana & Co. voll losgebrochen war, und ich mit meinem melodiösen Rock mehr oder weniger alleine dastand. Also nach ein paar Monaten wieder retour nach Wien, und erwähnenswert wäre noch meine schicksalhafte Begegnung mit der britischen Rockproduzenten-Legende Andy Johns
(Led Zeppelin, Rolling Stones, Van Halen, Joe Satriani, Autograph,…) im Jahre 1996: Andy hatte mich damals zu sich nach Hause in seine Mansion auf dem Mullholland Drive in L.A. eingeladen (wie es dazu kam ist eine andere längere Geschichte), aber da war er wieder, mein ‚Sturkopf‘ 🙂 Auch er war extrem hilfreich in rein mentaler Hinsicht, und hat mich sehr bestärkt, meinen persönlichen Weg weiterzugehen. Im Anschluss daran galt es von Wien aus wieder einen neuen Plan Richtung USA zu schmieden. Im Jänner 1999 unternahm ich dann meinen zweiten Versuch in Angriff, diesmal jedoch mit Ziel New York. Daraus sind dann letztendlich ziemlich genau vier Jahre geworden, und neben den fünf Alben, die ich mit Sänger Ted Poley (Danger Danger) gemacht habe, hatte ich endlich die Möglichkeit, vielen von meinen ‚Heroes‘ persönlich gegenüberzustehen (bzw. mit ihnen in weiterer Folge auch zu arbeiten), die ich schon ewig auf meiner speziellen ‚Liste‘ hatte. Besonders herauszuheben wäre für mich die Zusammenarbeit mit Drummer Jonathan Mover (Alice Cooper, Joe Satriani, GTR, Fuel, Shakira,…), woraus sich auch in weiterer Folge bis zum heutigen Tag eine sehr nette Freundschaft entwickelt hat. Ein Vollprofi auf jeden Fall, wie ich selten einen erlebt habe! Nach den fünf Alben mit Ted war es jedoch an der Zeit, eine neue Richtung einzuschlagen, und somit bin ich schlussendlich auch aus unserem gemeinsamen Projekt Melodica/ Poley-Pichler ausgestiegen.
Sounds of South: Ich hatte leider keine Songwriter-Credits auf meiner Promo. Wer hat die Tracks auf „Sacred“ geschrieben? Wie ist das Einspielen der Stücke verlaufen? Erzähl mal bitte aus dem Nähkästchen.
Gerhard: Die Sache war eigentlich die, dass ich nach meiner Rückkehr aus den USA in einem Mastering-Studio als Techniker zu arbeiten begann, und dadurch sehr viel mit jungen Bands zu tun hatte, die mehrheitlich in die Modern- bzw. Alternativ Rock-Richtung tendier(t)en. Somit bekam ich durch diese (neue) Tätigkeit einen frischen Zugang zu dieser Art von Rockmusik, und das hat sich auch in weiterer Folge auf meinen Stil bzw. Art beim Komponieren ausgewirkt. Weiterhin klassische, melodische Songs, jedoch mit einer anderen Art Gitarren zu spielen, im Verbund mit neuen, zeitgemäßen Arrangements. So hatte ich nach einiger Zeit bald mehrere Songs für ein Album fertig, und mein erklärter Plan nach der Rückkehr aus Amerika war ganz klar, aufgrund meiner musikalischen Wurzeln eine Platte in England zu machen. Als möglicher Sänger für dieses Unterfangen kam für mich dann nur mehr ein einziger in Frage, der natürlich Steve Overland war! Ich hatte zuvor, im Jahre 2000, das „Snakebites – A Tribute To Whitesnake“-Album gehört, auf dem Steve ja mehrere Songs interpretiert. Darunter unter anderem auch „The Deeper The Love“, der schon immer einer meiner Lieblingssongs von Whitesnake war. Beim Anhören von speziell diesem Song kam wiedermal das klassische Gänsehaut-Feeling, wie seinerzeit bei FM, und mein Plan nahm damals schon konkretere Formen an. Ich habe dann zu Beginn des Jahres 2004 Andrew McNeice von Melodicrock.com kontaktiert, um einen möglichen Kontakt zu Steve herzustellen. Andrew war schon immer ein sehr hilfreicher Wegbegleiter für mich in den letzten 10 Jahren, und auch in dieser Angelegenheit war er wiederum sehr verlässlich. Er hat mein Mail mit der Anfrage an Khalil Turk von Escape Music weitergeleitet, und dadurch bekam ich die Möglichkeit, meine Songs Steve vorzustellen. Ungefähr ein Monat danach kam der Anruf von Khalil, der mir mitteilte, dass Steve aufgrund meiner Demos interessiert wäre, mit mir zu arbeiten. Ich habe sofort nach seiner Telefonnummer gefragt, um mit ihm selbst sprechen zu können, und schon nach den ersten Minuten im Gespräch war klar, dass wir auf ein und der selben Wellenlänge unterwegs waren. Steve war auf der Suche nach einem neuen Songwriting-Partner, um traditionelle Rock-Songs in einem neuen, modernen, zeitgemäßen Gewand zu schreiben. Da wurde damals auf einmal sofort aus ‚1 + 1 = 2‘. Dass Drummer Pete Jupp mit an Bord war, hat mich dann natürlich umso mehr gefreut! Letztendlich sind von meinen Demos 6 Songs auf dem Album in gemeinsamer Arbeit mit Steve & Pete gelandet, und darauf bin ich schon mächtig stolz 🙂 Beim Aufnehmen im Studio selbst war eigentlich nichts direkt vorgeschrieben, da ja die Demos schon die Richtung vorgaben und ich auch sehr gut darauf vorbereitet war. Steve kam mit seinem ‚musical notebook‘ – ich mit meinem… Ich musste zwar bestimmte Arrangements teilweise in der entsprechenden Situation neu einlernen, aber mit Steve und Pete als Produzenten war das das reinste Vergnügen. Bedingt dadurch, dass wir drei in Summe glücklicherweise die gleiche Vorstellung hatten wie unsere Songs klingen sollen/müssen, lief das Ganze auch extrem stressfrei und sehr kreativ ab. Wir haben das Ding auch letztendlich so umgesetzt, wie wir uns das von Anfang an ausgedacht hatten 🙂
Sounds of South: Welche Gitarren spielst du, welche davon am allerliebsten?
Gerhard: Grundsätzlich bin ich der typische Fender Strat-Gitarrist, und erst 10 Jahre nachdem ich mit dem Gitarrespielen begonnen hatte, entdeckte ich den Sound und die Vorzüge einer Gibson Les Paul. Zwar etwas spät, aber besser als nie 🙂 Dann habe ich noch zwei akustische Gitarren von Takamine mit jeweils Stahl- und Nylonsaiten. Mein ganzer Stolz ist jedoch sicher die Strat aus dem Fender Custom-Shop mit der Seriennummer 19 aus einer limitierten Auflage von 30 weltweit. Die kam beim Ladder-Album dann natürlich auch zum Einsatz!
Sounds of South: Wer ist dein absolutes Vorbild an der Gitarre und warum?
Gerhard: Früher war es ganz sicher Gary Moore mit seinem melodiösen Spiel in den 80ern, und seit den letzen 15 Jahren auf jeden Fall Jeff Beck! Der hat für mich ganz einfach einen unverkennbaren Sound, und spielt drei bis vier Töne, die für mich persönlich so groß klingen, verbunden mit einer musikalischen Aussage, dass mir eigentlich dazu die Worte fehlen… Ich hatte zweimal die Möglichkeit, ihn in den USA live zu erleben, und das war zweimal der komplette Wahnsinn! Lustig dabei war, dass die ersten Reihen naturgemäß offensichtlich Gitarristen waren, die nach irgendwelchen Effekten suchten, nur da war so gut wie nichts…, der Meister kommt auf die Bühne, geht mit seinem Gitarrenkabel (soweit ich kundig bin) direkt in den Amp, beginnt mit den ersten Tönen, und es bleibt einem dann ganz einfach nur mehr der Mund offen. Sehr spirituell auf jeden Fall für mich diese Erfahrung im Zusammenhang mit Jeff Beck. Er ist mit seinem Alter Anfang der 60 noch immer so wahnsinnig innovativ und ein Unikat.
Sounds of South: Wie sieht das perfekte E-Solo eines Gerhard Pichler aus oder wie allgemein?
Gerhard: Das perfekte Solo ist für mich eines, dass sich erstens dem Song unterordnet (im Zusammenhang mit einer harmonischen Einbindung), und zweitens im besten Fall eines ist, dass die Zuhörer nachsingen können! Dazu muss man sich meiner Meinung nach selbst sehr gut kennen, damit auch das Ego gut unter Kontrolle ist 🙂
Sounds of South: Was ist Steve Overland für ein Typ?
Gerhard: Steve (wie auch Pete) sind beide absolute Gentleman und Vollprofis vom Scheitel bis zur Sohle! Noch dazu extrem am Boden geblieben mit einer Nettigkeit, wie ich sie auch von den (wirklichen) Profis in den USA kennen gelernt habe, und das hat mich persönlich auch immer genau so beeindruckt, wie deren musikalisches Talent und Musikalität. Ich habe da anscheinend immer wirklich Glück gehabt und wichtige Menschen für mich getroffen bzw. gefunden, zumindest in der Mehrzahl der Fälle! Ich kann mich noch genau erinnern, als ich Steve in England nach zwei Jahren hin- und her telefonieren das erste Mal gegenübergestanden habe. Einmal von Angesicht zu Angesicht ins Gesicht gelächelt, und es war unausgesprochen klar, wie es weitergehen sollte. Mit Pete hat es sich ebenso verhalten.
Dazu kommt meiner persönlichen Erfahrung nach immer der Vorteil ins Spiel, dass wenn man mit Profis (wie den beiden z.B.) zusammenarbeitet, die Arbeit selbst ganz einfach wesentlich entspannter und schneller wird bzw. ist. Da gibt es kein ewiges ‚Herumgesülze‘ mehr, sondern man kann sich sofort auf das Wesentliche, worum es eigentlich geht, konzentrieren – nämlich das Musizieren in Verbund mit dem Song. Wenn man Musik nur zum Spaß betreibt, ist das etwas ganz anderes, nur das muss man auch dann dort einordnen wo es hingehört. Steve selbst ist ja sehr darauf bedacht, mit wem er zusammenarbeitet und mit welchen Leuten er sich umgibt, und so gesehen bin ich sehr stolz, dass es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist.
Sounds of South: Hat das Vorgänger-Album „Future Miracles“ irgendeinen Einfluss auf das Nachfolgewerk gehabt, oder wurde strikt nach vorne geblickt?
Gerhard: Eigentlich gar nicht, da ja Steve und ich von Beginn an übereinstimmten, etwas auf die Beine zu bekommen, das halt ja nicht nach 1986 klingt, bzw. war genau das die Grundvoraussetzung, wieso es überhaupt zu unserer gemeinsamen Zusammenarbeit gekommen ist.
Der Blick geht strikt nach vorne, ohne dabei natürlich zu vergessen, woher man eigentlich kommt. Die Wurzeln zu verleugnen, wäre meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Die Idee ist ja wie gesagt (und auch weiterhin), dass man hergeht und traditionelles klassisches Rock-Songwriting neu interpretiert. Dazu gehören natürlich Trademarks wie Steves Stimme, die sich musikalisch in einem bestimmten Register bewegen muss, und nicht eine Oktave z.B. tiefer, nur weil es gerade modern ist. Das hätte überhaupt nicht funktioniert und auch gar nicht ins Konzept gepasst. Des weiteren das Integrieren von Loops, zeitgemäße Synth-Sounds, wie auch eine moderne Art Gitarre zu spielen. Ich habe mich da teilweise selbst im Studio sehr stark konzentrieren müssen, um nicht in alte Gewohnheiten aus den 80ern zurückzufallen. Aber letztendlich hat es sehr gut geklappt, und ich kann mich auch selbst auf der Platte mit meiner Art Gitarre zu spielen hören, so wie ich es gewohnt bin. Bei den Situationen im Studio, wo mir gelegentlich ein kleiner ‚Ausrutscher‘ in Richtung 80er passiert ist, habe ich umgehend darauf bestanden, einen neuen Take zu spielen 🙂
Sounds of South: Hat mein Review von „Sacred“ einigermaßen gepasst?
Gerhard: Für mich persönlich auf jeden Fall, da Steve meiner Meinung nach eine Stimme besitzt, die auf jeden Fall polarisiert. Aber das ist meiner Meinung nach bei allen Menschen so, die sich aus der breiten Masse rausheben bzw. diesen Anspruch erheben, unabhängig davon was man im Leben macht. Ich kenne keinen erfolgreichen Act, der nicht polarisiert! Lieber polarisieren, als in der breiten Masse untergehen, wo es sowieso niemanden interessiert, das ist meine persönliche Überzeugung diesbezüglich! Wenn es von einem selbst, aus dem Innersten herauskommt und nicht unglaubwürdig inszeniert ist, ist das für mich sicherlich ein Teil vom Schlüssel zum Erfolg. Auch fand ich deine Wortwahl im Review höchst erfrischend – vor allem dein Bezug zur Wiener Kaffehauskultur – da lag ich fast am Boden vor lauter Lachen 🙂
Sounds of South: Welches sind deine persönlichen Favoriten auf dem Album und warum?
Gerhard: Die persönlichen Favoriten sind wahrscheinlich immer die eigenen Songs bzw. Babies, aber in Summe bin ich mit dem gesamten Album sehr zufrieden, da wir drei ja in Sachen Songwriting sehr eng beisammen liegen. Mich freut es vor allem umso mehr, dass die Leute, die das Album gehört haben, einerseits das Songwriting in Summe betreffend, die Qualität der einzelnen Songs herausheben, und andererseits nennen doch unterschiedliche Leute auch unterschiedliche Songs als ihre persönlichen Favoriten, was für mich persönlich ein guter Indikator ist.
Sounds of South: Ach so, das würde mich noch interessieren: Warum wurden eigentlich die recht prägnanten Synthies und Drum-Computer eingebaut? War das nötig? Ohne hätte mir persönlich besser gefallen. Wolltet ihr das so oder die Plattenfirma?
Gerhard: Die Synth-Sounds und Loops sind auf der Platte bewusst als Stilmittel eingesetzt worden, und Petes Schlagzeugspiel hat wahrscheinlich im Endeffekt ein paar Samples getriggert. Eine Technik, die ja in den letzten 20 Jahre immer wieder oft im Studio wie auch live verwendet wird. Genau kann ich es aber nicht sagen, da ich im Studio beim Mischen nicht anwesend war. Wir bekamen immer die Songs zur Korrektur aus dem Studio, die im Endeffekt solange gemischt wurden, bis wir drei damit zufrieden waren 🙂
Sounds of South: Bleibt The Ladder ein reines Studioprojekt oder gibt es die Aussicht, euch auch mal live (in Deutschland) zu erleben?
Gerhard: Das wird vom Erfolg des Albums abhängen, und wenn es soweit ist, hoffe ich doch sehr, dass Deutschland mit auf dem Tourplan sein wird!
Sounds of South: Viele Fans interessiert brennend: Wird es ein Comeback von FM geben, eventuell sogar mit Gerhard Pichler? Äußert sich Steve dazu?
Gerhard: Das war bis jetzt noch überhaupt kein Thema, und ich selbst habe es von meiner Seite auch noch nicht angesprochen, da ich vor dem Act FM noch immer immens Respekt habe. Soweit ich weiß, wird Andy Barnett beim Gig im Oktober im Rahmen des FF4 dabei sein. Schade finde ich rein persönlich nur, dass Steves Bruder Chris nicht dabei sein wird, da er den FM-Sound für mich damals sehr mitgeprägt hat. Steve selbst hat mich ebenfalls noch nicht darauf angesprochen, obwohl ich natürlich daran interessiert wäre. Aber grundsätzlich liegt das nicht in meinem Ermessen solche Dinge zu entscheiden, bzw. mische ich mich da auch gar nicht persönlich ein. Wie gesagt, das ist für mich viel mehr eine Respektsangelegenheit in Sachen FM!
Sounds of South: Du deutetest ja bereits an, dass du auch schon in Amerika gewesen bist. Gab es Berührungspunkte mit Nashville? Wie findest du dortige Star-Gitarristen wie Brent Mason, Tom Bukovac, Dann Huff & Co. (Interessiert mich als New-Country-Fan persönlich)?
Gerhard: Berührungspunkte gab es mit Nashville damals zwar schon, aber mehr bedingt durch meine ehemalige Tätigkeit als Lehrer. Ich war seinerzeit beruflich zweimal dort, und bekam auch die Möglichkeit, die großen, berühmten Studios zu sehen in denen Mutt Lange wie auch Dann Huff ihre Hits im Country-Bereich produzierten. Wirklich extrem beeindruckend, ohne allzu viele Worte darüber zu verlieren!
Die ersten beiden von Dir angeführten Gitarristen kenne ich leider nicht, Dann Huff ist aber natürlich kein Unbekannter für mich. Ich habe erst vor kurzem wieder die ersten beiden Giant-Alben für mich entdeckt, und das ist auch heute noch 1A in der obersten Liga meiner Meinung nach! Dann Huff ist halt ein Weltklasse Musiker (Gitarrist wie auch Sänger) und Produzent. Da braucht man sich einfach nur seine Credits anzugucken. Jetzt hat auch Bon Jovi (soweit ich weiß) auf seiner neuesten Platte Danns Dienste beansprucht, und das sicherlich nicht ohne Grund, da ich Bon Jovi selbst ja für extrem klug halte.
Sounds of South: Wie beurteilst du die Rockszene in Österreich? Gibt es überhaupt eine? Wird etwa doch in Wiener Kaffeehäusern gerockt und ‚Mörtel‘ Lugner macht dann mit seiner Mausi zu gegebener Stunde den Headbanger auf’m Tisch? :-))
Gerhard: Ich interessiere mich bis zu einem gewissen Grad dafür, was in der ‚Szene‘ los ist, und da wären meiner Meinung nach schon ein paar gute Formationen dabei. Österreich selbst würde ich jedoch nicht als guten nahrhaften Boden für (insbesondere) Rockmusik bezeichnen, deshalb auch vor langer Zeit mein Entschluss, mein Glück im Ausland zu suchen.
Herrn Lugner (mit seiner Mausi) habe ich noch nicht ‚headbangtechnisch‘ bei einem Gig, im Kaffeehaus oder sonst irgendwo geortet, aber das liegt vielleicht daran, dass ich mich auch weniger in den sogenannten ‚Schicki-Micki-Kreisen‘ bewege. Ich habe beide nur kürzlich erst bei einer Film-Premiere leibhaftig in Aktion erlebt, und das verhält sich dann genauso, wie man es aus dem TV kennt 🙂 Das hat dann doch einen sehr authentischen Charakter in der Realität, der meiner Meinung nach gewissen anderen Leuten gut zu Gesicht stehen würde.
Sounds of South: Was steht demnächst auf deiner musikalischen To-Do-Liste?
Gerhard: Rein mental auf jeden Fall schon die Songs für das nächste Ladder-Album, und wir werden auch konsequent den Weg weiterbeschreiten, den wir mit „Sacred“ begonnen haben. Nebenbei arbeite ich mit zwei, drei anderen Songwritern noch an modernen Pop/Rock-Songs, die wir in weiterer Folge neuen, jungen Künstlern anbieten möchten. Also mehr oder weniger die Publishing-Schiene im Music Business, und der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem kommerziellem Songwriting und nicht auf langen komplizierten Arien, ohne jetzt dabei jemandem auf die Füße treten zu wollen 🙂
Sounds of South: Wie gefällt dir unser Sounds of South-Magazin?
Gerhard: Finde ich persönlich echt gut, und vor allem den Wortwitz finde ich sehr erfrischend und originell!
Sounds of South: Was macht der Privat-Mensch Gerhard Pichler in seiner Freizeit?
Gerhard: Ich betreibe sehr gerne täglich Sport, dann noch viel Lesen, sich mit netten und ausgeglichenen Menschen umgeben, intensiv daran arbeiten für mich selbst als Mensch eine neue spirituelle Ebene zu erreichen. Und dann bin ich (nachdem ich noch keine eigenen Kinder habe) ein begeisteter Onkel 🙂
Da kann ich nur Herbert Grönemeyer zitieren mit seinem Song „Kinder an die Macht!“ Vielen Dank für die Fragen und das Interview!
Sounds of South: Gern geschehen!

The Road Hammers – Same – CD-Review

Ich persönlich bin eigentlich die letzte Person, der es als tag-täglicher Pendler auf der A42 auch nur annähernd einfallen würde, ein freundliches Wort über LKW-Fahrer (oder im amerikanischen Wortgebrauch Trucker), den selbsternannten Königen der Straßen, zu verlieren, geschweige denn irgendwelche Loblieder über sie zu kreieren.

Ok, es kommt letztendlich immer auf den Blickwinkel an, aus dem man die Geschichte betrachtet, und wie meist, liegt es dem Autor dieses Beitrages fern, alle Leute über einen gemeinsamen Kamm zu scheren. Wie in jedem Lebensbereich gibt es nun mal positive und negative Beispiele. Und in den landschaftlich anspruchsvollen Weiten des amerikanischen Kontinents hat das Truckerdasein auch sicherlich einen differenzierten Stellenwert und ist von einer ganz anderen Motivation geprägt, als in den von bald unverantwortbaren Zeitdruck dominierten Blechansammlungen auf den Straßen unserer hiesigen, recht tristen Gefilde.

Der gemeinsame Nenner, der mich mit besagter Berufsgruppe jedoch verbindet, ist die Liebe zu qualitativ niveauvollem Country-, New Country- oder Southern-Rock, womit wir dann beim eigentlichen Thema wären. The Road Hammers, ein Projekt des kanadischen ‚Male Vocalist Of The Year 2004‘, Jason McCoy, der mich vom Typus und seiner Ausstrahlung ein wenig an den jungen Ronnie Van Zant erinnert (zusammen mit seinen Bandmates Clayton Bellamy und Chris Byrne), beschäftigt sich jedenfalls auf den gerade eben angeführten musikalischen Terrains in den meisten Songs auf ihrem gleichnamig benanntem Debütalbum mit den Vorzügen, dass dieses Trucker-Dasein so zu bieten scheint. Und dies tun sie mit einer emotionalen Authentizität und Liebe zum Detail, so dass man am Ende der CD zugeben muss, hier wirkt nichts aufgesetzt, das passt zusammen. In den nächsten knapp fünfzig Minuten dominieren dann auch Wörter wie ‚road‘, ‚highway‘, ’steel‘, ‚traction‘, ‚wheel‘, ‚drive‘, ‚diesel‘, ‚truckin‘ etc. wie ein roter Faden das Vokabular der Band.

Los geht’s standesgemäß mit dem Anschmeißen eines Truckmotors („Ignition“), und, wie man auf dem Silberling enthaltenen Video entnehmen kann, mit dem unverstehbaren Gebrubbel eines alten Mannes in ein von der Decke hängendes Mikrophon, was wahrscheinlich den freudig praktizierten Funkverkehr der Gilde simulieren soll. Dann fetzt ihre nach sich selbstbetitelte Party-Hyme „I’m A Road Hammer“ los. Schwüle Südstaaten-Atmosphäre (ähnlich wie bei „If That Ain’t Country“ von Anthony Smith), ein mit rauchiger Stimmer vorgetragener, an der Grenze zum Sprechgesang liegender Strophenbereich (erinnert an Trace Adkins‚ „Songs About Me“ ), gefolgt von einem zum Mitgrölen einladenden Refrain, und klasse eingebrachten (Slide-) Gitarren- und Mundorgelparts deuten direkt an, wo hier der Hammer hängt.

Bei „Overdrive“ wird das Gaspedal dann direkt bis zum Anschlag durchgedrückt. Beim honkytonk-behafteten „Keep On Truckin'“ ragen auch die herrlich southern-typischen weiblichen ‚ooh-ooh‘-Backs heraus. Selbst so richtige Countryheuler wie „Girl On The Billboard“ (im Stile von Dwight Yoakam oder Brian Capps), „Eastbound And Down“ oder „Nashville Bound“ machen dank flotter und technisch brillanter Instrumentierung von begnadeten Zusatzmusikern wie u. a. Al Anderson, Pat Buchanan, Russ Pahl, Bryan Sutton, Glenn Worf oder Chad Cromwell enormen Spaß.

Den Truckstop zum Ausatmen bilden die zwei balladeskeren Nummern „Call It A Day“ und das wirklich fantastische Cover „Willin'“ vom bereits verstorbenen Little Feat-Chef Lowell George, auf der Jason McCoy eine superbe Vokalleistung hinlegt. Als Abschluss gibt es (neben am Ende angehängten überflüssigen Albereien) noch zwei weitere Knaller. Zum Einen „The Hammer Goin‘ Down“ aus der Feder von Chris Knight und Dean Miller, das von einem wunderbaren Mandolinenrhythmus geführt wird, und mit herrlichen Banjofills und satten Gitarren gespickt wurde, und daher wunderbar rockig rüberkommt, sowie der Opener noch mal in der Reprise-Version, die dank des klareren, erdigeren Klangs mir noch besser gefällt, als die ohnehin schon grandiose Eröffnungsnummer.

Fazit:  Wer bei dieser geilen Scheibe keinen audiophilen Hammer bekommt, leidet unter musikalischen Potenzstörungen und sollte schnellstens den Country-Rock’n’Roll-Doktor aufsuchen. The Road Hammers. Einfach hammerhart!

Open Road Recordings (2005)
Stil: Country Rock

01. Ignition
02. I’m A Road Hammer
03. Overdrive
04. Keep On Truckin‘
05. Girl On The Billboard
06. Heart With Four Wheel Drive
07. East Bound And Down
08. Call It A Day
09. Nashville Bound
10. Willin‘
11. The Hammer Goin‘ Down
12. I’m A Road Hammer (Reprise)
13. Flat Tires
14. Absolutely Nothing

The Road Hammers
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Bärchen Records