Madison Violet – No Fool For Trying – CD-Review

Mad

Madison Violet sind ein Duo, bestehend aus zwei hübschen kanadischen Damen namens Brenley MacEachern und Lisa MacIsaac, das jetzt mit „No Fool For Trying“ sein drittes Album veröffentlicht. Zuvor firmierten die Mädels noch unter Mad Violet, was sie aber irgendwann leid waren, weil sie ständig mit der psychedelischen Rockband Mad Violets verwechselt wurden.

Mit psychedelischem Rock haben die beiden allerdings (Gott sei Dank) auch überhaupt nichts am Hut, sie konzentrieren sich auf ihrem aktuellen Werk auf recht organisch gehaltenen, grassig angehauchten Country. Brenley und Lisa haben sämtliche Stücke komponiert, produziert hat Les Cooper, ein Folk-Spezialist aus ihrer Wahlheimatstadt Toronto. Beide wechseln sich mit ihren angenehm und klar klingendem Front-Gesang ab, wobei der Partner jeweils, je nach Situation, äußerst harmonisch, fast twinförmig wirkende Harmony-Vocals ergänzt.

MV sind auch instrumententechnisch recht beschlagen. Diverse Gitarren (meist Akustikgitarre), Fiddle und Mundharmonika zählen zum Gesamtrepertoire. Centersong des Albums ist der recht rhythmische, mandolinenbestückte Titeltrack „No Fool For Trying“, der gleich in zwei Versionen präsentiert wird. Bei der zuerst gebrachten Variante legte der bekannte britische Produzent John Reynolds (Sinead O’Connor, U2) mit Hand an (spielt hier auch Schlagzeug), der ihre zwei Vorgängerwerke betreut hatte. Sie unterscheidet sich zur am Ende gebrachten Fassung im Wesentlichen darin, dass sie soundmäßig etwas kräftiger ausgesteuert ist und um zwei kurze falsettartig anmutende Harmoniegesangspassagen erweitert wurde.

Der Rest der Stücke bewegt sich zwischen balladesk, Midtempo und Uptempo mit angezogener Handbremse. Bei fast allen Stücken hat man das Gefühl, dass, wenn überhaupt, nur ein Mikro vor die Instrumente positioniert wurde und im Kreis sitzend zusammen filigran drauflos musiziert wurde. Im Vordergrund stehen eindeutig die Gesangparts der beiden Protagonistinnen, lediglich Fiddle und Mandoline, heben sich aus der Basisuntermalung mit Drums, Standbass, Akustikgitarre und Banjo etwas prägnanter heraus.

Meine Lieblingstücke sind der Opener „The Ransom“ (mit Steel, Akustikgitarrenquietscher), das flotte und sehr melodische „Lauralee“ (Fiddle-Solo), das atmosphärische und textlich packende „The Woodshop“ (schöne Slide-fills) und das mit einer an Neil Young erinnernden Harmonika bestückte „Darlin'“ (in Storyteller-Manier, mit Pianoergänzung).

Letztendlich bieten die beiden Macs eine durchaus qualitativ hochwertige Country-Mixtur, die absolut gefällt, vom Stil her aber aufgrund meiner vordergründigen New-Country- und Southern Rock-Passion eher selten bei mir im Player liegt und auch vermutlich nur immer wieder mal in gewissen Gemütslagen dort landen wird. Da geht es den beiden Damen sicherlich ähnlich wie Kathy Mattea (vorliegende Scheibe erinnert mich ein wenig an ihre CD „Right Out Of Nowhere“), Lucinda Williams, Dixie Chicks (ganz dezent), Tish Hinojosa, Alana Levandoski oder Lisa Brokop, die mir im weitesten Sinn als Bezugsgrößen meiner Sammlung einfallen. Nichtsdestotrotz werde ich mir Madison Violet demnächst mal voraussichtlich im gern und oft besuchten Weseler Karo musikalisch einverleiben. Live dürfte das (nicht nur optisch) eine spannende und ansprechende Sache werden!

Big Lake Music (2009)
Stil: Country / Bluegrass / Americana

01. The Ransom
02. Lauralee
03. No Fool For Trying (Reynolds remix)
04. Small Of My Heart
05. Baby In The Black & White
06. Hallways Of The Sage
07. Crying
08. The Woodshop
09. Darlin‘
10. Best Part Of Our Love
11. Time And Tide
12. No Fool For Trying

Madison Violet
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Bärchen Records

Brad Martin – Wings Of A Honky Tonk Angel – CD-Review

Bra

Die CD ist zwar schon im Jahr 2002 erschienen, in der heute schnelllebigen Zeit also fast ein Oldie, aber ich meine, dass Brad Martin sich mit seinem Debütwerk einen Platz in unserem ehrenwerten Magazin redlich verdient hat. Der 29-jährige, der Countrygrößen wie Merle Haggard und Hank Williams Sr. als Vorbilder nennt, wird gerade den weiblichen New-Country-Fans aufgrund seiner Ähnlichkeit mit James Dean gefallen. Mein Lob beschränkt sich allerdings naturgemäß ausschließlich auf seine musikalischen Qualitäten.

Zehn kurzweilige Songs, davon acht selbst komponiert, in einer guten halben Stunde, für mich etwa eine Fahrt zum Arbeitplatz, mit hohem Wiedererkennungswert. Spätestens beim zweiten Hördurchgang haben sich die Melodien und Refrains fest in den noch vorhandenen Gehirnzellen eingenistet.

Zum Teil mehr kommerziell orientierte Lieder wie der Killerhit „Before I Knew Better“, die Ballade „Completely“, die knackigen Uptemponummern wie „Run To Me“ und „Just Like Love“ (mit schönen Gitarrenparts) wirken aufgrund starker Instrumentierung keinesfalls künstlich. Honky-Tonk-Stücke wie „Rub Me The Right Way“ oder „Damn The Whiskey“ mit klimperndem Piano und beim letztgenannten mit einem im Genre eher selten vorkommendem Saxophonsolo, gehen einfach nur gut ab.

Die Barroomballade „On The Wings Of A Honky Tonk Angel“ und das erwärmende „That’s A Woman“ lassen einen kurz innehalten. Das Abschlussstück „Wait“ mit seinem rockigen Touch und dezenten Mundharmonikaeinsätzen gewährleistet, dass man diese CD in guter Erinnerung behält. Auffällig ist Brad’s angenehme Stimme und die häufig eingebrachten Steelguitar-Passagen von Könnern namens Paul Franklin und Dan Dugmore.

Brad Martin hat sich mit tadelloser Leistung einen Nischenplatz irgendwo in der Nähe von Garth Brooks, Lonestar und Trace Adkins erarbeitet.
Bitte mehr davon…

Sony Music Entertainment/Epic (2002)
Stil: New Country

01. Before I Knew Better
02. Completely
03. Rub Me The Right Way
04. On The Wings Of A Honky Tonk Angel
05. Run To Me
06. The Fifth
07. Just Like Love
08. That’s A Woman
09. Damn The Whiskey
10. Wait

Bärchen Records

Richard Marx – My Own Best Enemy – CD-Review

Wissen möchte ich nicht, wie viele Beziehungen beim Hören allseits bekannter Balladen von Mainstream-Ikone Richard Marx entstanden, aber wohl auch in gleichem Maße wieder zerbrochen sind.

Ich behaupte, dass selbst die hartgesottensten Rocker im Clinch bei fummelträchtigen Songs der Marke „Angelia“, „Right Here Waiting“ oder „Now And Forever“ irgedwann mal weich geworden sind, und ich kenne auch kaum jemanden, der nicht wenigstens ein Marx-Album in seine CD-Sammlung integriert hat.
Mit „My Own Best Enemy“ präsentiert er jetzt sein siebtes Studioalbum (mittlerweile wieder mit Major-Kontrakt), wenn man seine „Greatest Hits“ Scheibe mal nicht in Betracht zieht.

Rein äußerlich ist er, wie auch seine Musik, gereift. Der 80er-David Hasselhof-Look wurde durch eine zeitgemäße, moderne Frisur ersetzt, das Cover-Layout ist in äußerst geschmackvollen Farben (inkl. aller Texte) graphisch perfekt in Szene gesetzt, die Songs wirken eine Spur ruhiger und abgeklärter.

Einzig das kehlkopflastige Timbre seiner Stimme ist nach wie vor unverwechselbar. Bei den Musikern vertraut er diesmal neben einigen alten Bekannten wie Bruce Gaitsch, Martin Landau oder Michael Thompson interessanterweise größtenteils auf Instrumentalisten, die üblicherweise im New-Country-Genre ihre Dollars verdienen.

Wahrscheinlich nicht zuletzt dank seiner Zusammenarbeit mit Interpreten wie Vince Gill, und SheDAISY, für die er Stücke geschrieben hat, oder Emerson Drive, deren letztes Album „What If“ er vor kurzem produziert hat. So steuert diesmal Keith Urban (Marx-Fans können auch ruhig mal in dessen Alben „Golden Road“ und „Be Here“ reinriechen) Gitarre und Backgrounds bei „When You’re Gone“ und „One Thing“ dazu und Sternchen Jessica Andrews addiert ihr Stimmchen bei „Love Goes On“. Klasse-Leute wie Gitarrist J. T. Corenflos , Drummer Steve Brewster oder Steel Guitar Ass Paul Franklin sind eh klingende Namen in Nashville-Studio-Musiker-Gilde.

Hitverdächtig oder zumindest radiotauglich sind fast alle Songs. Die Übergänge zwischen den Songs sind relativ fließend, vom leicht hektischem Ambiente früherer Alben keine Spur. Balladen gibt es jede Menge. „One Thing“ mit viel Power, könnte auch aus dem Repertoire von Bryan Adams stammen, „Ready To Fly“ streicherunterlegt, mit wunderschönem Akustikgitarrenspiel von Michael Thompson oder das beruhigende „Again“. Das leicht depressiv angehauchte „The Other Side“ oder „Falling“ sind weitere Beispiele balladesker Marxscher Kunst.

Überragend „Nothing Left To Say“ ein rhythmisch, melodisch dahindriftender Midtemposong und die rockigen Uptemponummern wie „When You’re Gone“ (schönes E-Solo von Keith Urban), sowie „Colder“ (hier glänzt Michael Landau an der Gitarre). Wunderschön auch das Pop-Rock-Stück „Someone Special“ mit dezenten Steel-Gitarren, dürfte als liebevolle Widmung an Richards Ehefrau gedacht sein.

Apropos Beziehungen. Mir, dem mental gefestigten Ehemann dient die Scheibe, um beim gemütlichen Gläschen Wein vom harten Alltagsleben abzuschalten. Für den suchenden Single stellt sie ohne Zweifel eine interessante Option als Hintergrundmusik beim spätabendlichen Zeigen der berühmten Briefmarkensammlung dar…

Manhatten Records (2004)
Stil: Rock & More

01. Nothing Left To Say
02. When You’re Gone
03. One Thing Left
04. Love Goes On
05. Ready To Fly
06. Again
07. Colder
08. Everything Good
09. The Other Side
10. Someone Special
11. Suspicion
12. Falling

Richard Marx
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The Marshall Tucker Band – The Next Adventure – CD-Review

Die Marshall Tucker Band gibt es nun bereits seit 35 Jahren. Ich habe sie seit frühesten Tagen immer recht gerne gehört, muss allerdings gestehen, ihr Treiben in den vergangenen Jahren fast völlig aus den Augen verloren zu haben. Mein letzter richtiger Berührungspunkt war eigentlich das tolle Debüt-Album ihrer einstigen Mitglieder, Jerry Eubanks und Paul Riddle, die ihre neue musikalische Heimat in einer schon vor einiger Zeit in einer Band namens SevenMoore gefunden haben.

Die Marshall Tucker Band! Jeder weise Rockfan kennt ihre großen Songs wie „Can’t You See“, „Take The Highway“, „24 Hours At A Time“, und wie sie alle heißen. Verbunden hat man mit ihr in erster Linie die beiden Caldwell-Brüder, Toy und Tommy, die leider schon seit längerem nicht mehr unter uns weilen. Ebenfalls seit kurzem verstorben ist ihr damaliger Rhythmus-Gitarrist George McCorkle, der zum aktuellen Werk „The Next Adventure“ noch mal drei Tracks beisteuerte, aber auch schon seit längerem nicht mehr zur Truppe gehörte.

Übrig geblieben ist eigentlich nur noch Sänger Doug Gray, der als letzter im Bunde der Ursprungsmitglieder die Fäden des Bandgefüges mit viel Fingerspitzengefühl zusammenzuhalten scheint. Southern-Fans dürften Drummer B B. Borden aus früherer Molly Hatchet-Zeit und Chris Hicks aus seinen Outlaws-Tagen sicherlich geläufig sein. Stuart Swanlund an der zweiten Gitarre, David Muse an der MTB-markanten Flöten- und Bläser-Position, sowie Pat Ellwood am Bass vervollständigen das Line-up und tragen eindrucksvoll mit dazu bei, dass das musikalische Erbe von Caldwell & Co. lebendig gehalten wird.

Wie schon zu früheren Zeiten haben sich auch für ihre neue CD wieder jede Menge Gastmusiker und Songwriter (u.a. Michael B. Smith, Paul Hornsby, Tony Heatherly) eingefunden, um den traditionell familiären Charakter fast aller MTB-Werke weiter zu pflegen. Bei der Zusammenstellung der Instrumental-Besetzungen der einzelnen Stücke kann man feststellen, dass sich keiner allzu wichtig zu nehmen scheint. Bis auf Chris Hicks gönnen sich alle festen Mitglieder die eine oder andere Auszeit, und lassen sich an ihren Positionen adäquat ersetzen.

Von den insgesamt zehn Songs gefallen mir acht ganz ausgezeichnet, lediglich der steelgetränkte Countryheuler „A Sad Cowboy Song“ und das abschließende „Jesus Never Had A Motorcycle“ fallen ganz dezent ab. Bei den beiden Openern „The Guitar Playing Man“ und „Come Runnin‘ Like A Friend“ mit diesem unnachahmlichen MTB-Flair (herrlich die Flöten-Parts und auch das filigrane Spiel von Hicks an der klassischen Gitarre) fühlt man sich in das Coverbild (ein reitender Cowboy blickt von einem Felsen auf einen See im Sonnenuntergang) regelrecht reinversetzt.

Stark auch das bluesige „Travelin‘ Man“ (Harp- und Slide-Einlagen), das ein wenig im Allman Brothers-Stil präsentiert wird. „Cold Steel“ und „Down This Road Before II“ sind zwei wunderbare gitarrenbetonte, melodische Countryrocker, bei denen Hicks und Borden auch ihre exzellenten Gesangsqualitäten unter Beweis stellen. Schon bald New Country-Charakter weist das im Duett gebrachte „I Love You That Way“ (Chris Hicks und Dougs Tochter Gabrielle Gray) auf. Das Lied wäre durchaus mal für Faith Hill und Tim McGraw als Cover eine Alternative. Eine Nummer aus der Feder von Toy Caldwell „Why Am I Crying?“ (ein dezent angejazzter, entspannter Barroom-Country-Song) sollte nicht unerwähnt bleiben.

Die Marshall Tucker Band fügt mit „The Next Adventure“ ein weiteres schönes Kapitel zu ihrer von guter Atmosphäre und einzigartigem Sound geprägten Bandgeschichte bei. Schöne, instrumental filigran auf den Punkt gestaltete Country-Songs mit den MTB-typischen Zutaten aus Rock, Pop, Jazz und Southern Rock geben Anlass zu großer Freude, lediglich die einst ausgedehnten Improvisationsparts blieben diesmal außen vor. Insgesamt aber eine tolle Team-Leistung! Mögen sie uns weiter noch lange erhalten bleiben!

Ramblin‘ Records (Shout! Factory) (2007)
Stil: Country / Southern Rock

01. The Guitar Playing Man
02. Come Runnin‘ Like A Friend
03. Travelin‘ Man
04. I Love You That Way
05. Cold Steel
06. Why Am I Crying?
07. Down This Road Before II
08. A Sad Cowboy Song
09. Crossroad
10. Jesus Never Had A Motorcycle

The Marshall Tucker Band
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Bärchen Records

Mila Mason – Stained Glass Window – CD-Review

Mil

5 1/2 Jahre nach ihrem Verschwinden in der musikalischen Versenkung meldet sich Mila Mason mit ihrer bereits dritten CD „Stained Glass Window“ eindrucksvoll zurück. Untätig war die hübsche Blondine in der Zwischenzeit allerdings nicht: Diverse Jobs als Modell, was ihr immerhin die Anpreisung von Revlon als ‚Tennessees Most Unforgetable Woman‘ einbrachte, sowie einige Auftritte in Werbespots und Videoclips, konnten die Fortführung ihres Kindheitstraumes, eine berühmte Sängerin zu werden, aber nur vorübergehend verdrängen.

Sie bietet, bei ihrer mit 36 Minuten doch recht kompakt geratenen Rückmeldung, ein ziemlich eigenständiges Werk. Das Songwriting wurde hier im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängern in den Vordergrund gestellt, Mila war bei sämtlichen Liedern federführend.

Lockere flockige Songs wie „What Are The Odds“, „Unlove You“ oder „Standing In My Own Way“, immer wieder durchsetzt mit in die Tiefe gehenden Balladen (wunderschön der Titelsong im Duett mit Ehemann Jason Grainger) der Marke Cely Wright, Martina McBride oder Tammy Cochran, wissen fast ohne spürbaren Durchhänger zu gefallen.

Rein stimmlich und zum Teil auch musikalisch gesehen ähnelt sie, ob bewusst oder unbewusst, bei mehreren Stücken („Maybe, Maybe Not“, „Love Anymore“, „Blame It On Me“, „The Day Will Come“, „Loveazy“) Shania Twain. Für den einen oder anderen, dem „Up!“ zu poppig geraten ist, könnte diese Scheibe eine Alternative darstellen, obwohl ich meine, dass eine etwas fettere Produktion, wie sie das Duo Twain/Lange nun mal auszeichnet, auch nicht geschadet hätte.

Mir persönlich gefällt es, wenn sie wie beim temperamentvollen „Love Anymore“ im Break mal so kratzbürstig frech aus sich herauskommt, oder, wenn es richtig flott und tanzbar zur Sache geht wie bei „Loveazy“. Freunde von dezenten Fiddle- und Dobroeinlagen, kriegen auf diesem Album reichhaltige Kost geboten, E-Gitarren werden allerdings meist nur zur Rhythmuszwecken eingesetzt.
Alles in allem gilt für dieses Werk: Comeback gelungen!

Twinbeat Worldwide Recordings (2003)
Stil: New Country

01. Maybe, Maybe Not
02. What Are The Odds
03. Stained Glass Window
04. Love Anymore
05. Somebody Must Love You
06. Blame It On Me
07. The Day Will Come
08. Unlove You
09. Loveazy
10. Standing In My Own Way

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Brian McComas – Same – CD-Review

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Und da haben wir schon wieder eines dieser vielen Talente, die augenblicklich in der New-Country-Szene immer noch wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen.

Brian McComas hat sein Debütwerk allerdings (unverständlicherweise) dem langen Atem seines Labels zu verdanken, denn die Scheibe stand nach zwei von mäßigem Erfolg gekrönten Singleauskoppelungen zunächst auf der Kippe. Doch das Auftaktstück „99.9% Sure“ mit seinen knackigen Gitarren und schönen Banjoeinlagen traf genau den Zahn der Zeit und katapultierte in die Top Ten der Billboard Charts.

Ein Glück, denn das Album, das Brian McComas abliefert, ist nicht von schlechten Eltern. Es enthält obendrein alles, was das New-Country-Herz begehrt: Fiddles, tolle Steel- und E-Gitarren, Slides, Dobros, Mandolinen, Banjos, Hammondklänge, soweit das Ohr lauschen kann. McComas‘ angenehme Stimme und Dan Dugmore als überragender Musiker stechen besonders hervor. Bei vier Songs beweist der Hauptdarsteller, dass er sich auch mit seinen Eigenkompositionen nicht zu verstecken braucht.

Meine Favoriten: Das bereits erwähnte „99.9 % Sure“; „Sixteen Again“ klingt nach einem Mix aus Bruce Hornsby und Jackson Browne; „Baby Let Me Be Your Man“, eine herrlich relaxte Ballade um Ausspannen, die brillanten Uptemponummern „Never Meant A Thing“ und „Straight To You“; die Powerballade „I Could Never Love You Enough“.

Vielleicht besitzt Brian McComas noch nicht ganz die Reife von Leuten wie Mark McGuinn, Keith Urban oder Chris Cagle, die ich hier als Vergleichsmusiker heranziehen würde, denn man hat trotz einer insgesamt guten Leistung das Gefühl, dass noch nicht alles bis zum letzten ausgereizt ist. Der Junge kann sicher noch mehr. Man kann nur hoffen, dass seine Company auch weiterhin einen kühlen Kopf behält. Ich bin jedenfalls auf seine weitere Entwicklung sehr gespannt. 100% gute Musik!

Lyric Street Records (2003)
Stil: New Country

01. 99.9% Sure (I’ve Never Been Here Before)
02. Come With Me
03. Night Disappear With You
04. You’d Have Never Said Goodbye
05. Sixteen Again
06. You’re In My Head
07. Baby Let Me Be Your Man
08. Never Meant A Thing
09. Straight To You
10. I Could Never Love You Enough
11. I’ll Always Be There For You

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Bärchen Records

John Mayer – Paradise Valley – CD-Review

Nachdem sich John Mayer mit „Born And Raised“ überaus erfolgreich dem Country angenähert hatte (sein drittes US-Nr. 1-Album), knüpft er mit seinem neuen Werk „Paradise Valley“ nahtlos an die gezeigten Leistungen des Vorgängers an.

Der angesehene Musiker mit dem Hang zu prominenten Damen (im Moment ist er mit der schillernden Sängerin und Songschreiberin Katy Perry liiert) setzte produktionstechnisch erneut auf die Zusammenarbeit mit Don Was, auch bei den ihn begleitenden Musikern gab es nur marginale Veränderungen. Das Grundgerüst bildeten weiterhin Aaron Sterling (drums, percussion) und Sean Hurley (bass) aus seiner Tourband, Chuck Leavell an den Tasten. Die Pedal Steel bedient statt Greg Leisz diesmal ein weiterer Könner dieses Instruments aus der Nashville-Garde, Paul Franklin.

Mit Zane Conway an der Gitarre und Rami Jaffe (keyboards) gab es zwei Ergänzungen, die sich harmonisch ins beschrittene Gesamtkonzept einreihen. Was soll man groß erwähnen, die Stücke sind allesamt sehr ruhig, laid back gehalten, instrumentell voller leiser Feinheiten (z. B. die herrliche Slidearbeit bei „I Will Be Found (Lost At Sea)“ oder Franklins Steel-Spiel/-Solo auf „You’re No One Til‘ Someone Lets You Down“, die es bei konzentriertem Hören zu entdecken gilt, gepaart mit Mayers zwischen Melancholie und Introvertiertheit pendelndem Gesangsstil.

Den typischen Mayer-Ohrwurm des Werkes bekommt man mittels „Who You Love“, einer Komposition von ihm und seiner neuen o. a. Herzensdame, die hier im Duett auch ihre, ohne Zweifel vorhandenen Gesangsqualitäten unter Beweis stellen darf. Eine schöne, relaxte, sehr melodische Nummer mit claptonesker E-Begleitung!

Angesichts des kürzlichenTodes von J.J. Cale erhält seine wunderbare Cover-Version von „Call Me The Breeze“ (sehr nah an Cales Original gehalten, selbst der Gesang – stark die herrlichen E-Gitarrenpassagen), traurige Aktualität. Sicherlich das absolute Highlight des Albums. Den Song „Wildfire“ gibt es hier übrigens in zwei nicht identischen Versionen, wobei sich das kurze Stück im hinteren Teil mit dem Gastauftritt von Hip-Hopper Frank Ocean als eher überflüssig erweist.

John Mayer macht mit „Paradise Valley“ erstmal, sich scheinbar pudelwohl fühlend, auf Countrypfaden weiter. Leute, die sich auf eine Rückbesinnung des eher Pop-/Rock-/R&B-orientierten Stiles oder gar der Blues-Schiene seines John Mayer-Trios erhofften, werden sich wohl noch ein Weilchen gedulden müssen. Klasse auch die wunderschön, zur Stimmung und Art des Albums rural gehaltene Covergestaltung (besonders das farblich ansprechende, toll fotografierte Titel- und Rückseitenbild von Mayer in Gaucho-Manier mit schwarzem Labrador vor grandioser Kulisse), die dazu alle Songtexte beinhaltet.

Sony Music (2013)
Stil: Country Rock

01. Wildfire
02. Dear Marie
03. Waiting On The Day
04. Paper Doll
05. Call Me The Breeze
06. Who You Love (feat. Katy Perry)
07. I Will Be Found (Lost At Sea)
08. Wildfire (feat. Frank Ocean)
09. You Are No One ‚Til Someone Lets You Down
10. Badge And Gun
11. On The Way Home

John Mayer
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Lenny McDaniel – Worth The Price – CD-Review

Lenny McDaniel stammt aus New Orleans und ist von Kindheit an auf die typisch amerikanische Weise (Schule/Kirche) mit Musik groß geworden. Nachdem er diverse Instrumente gelernt hatte, spielte er zunächst in einigen Bands wie u.a. bei Aaron Neville, führte eine Gruppe namens The Last Nikel an, entschied sich dann aber in den Siebzigern nach Los Angeles zu ziehen, um dort als Studio-Musiker für Leute wie u.a. Dwight Yoakam, Jackson Browne oder John Mayall zu wirken. Ende der Achtziger begleitete er Stephen Stills auf seiner Tour als Bass-Spieler.

Irgendwann war es dann soweit für seine erste Solo-Scheibe (produziert von Steve Valentino), mit der er sofort den Titel der CD des Jahres bei den Off Beat’s Awards einheimste. Beflügelt vom Erfolg seines Debüts widmete er sich sofort dem Songwriting für den Nachfolger „Worth The Price“, um den es hier geht. Carlo Ditta, der andere Produzent dieses Werkes, stellte über die Bluessängerin Marva Wright den Kontakt zum französischen Virgin-Unterlabel Sky Ranch her, das Lenny dann auch verpflichtete. Eine Erklärung vielleicht dafür, warum McDaniel vornehmlich in Frankreich mit diesem Album zur Kenntnis genommen wurde (er wurde seinerzeit dort sogar zu ‚Taratata‘ eingeladen, dem franz. TV-Pendant zur ‚The Tonight Show‘ und tourte dort auch sehr intensiv). Soviel zur Vorgeschichte.

Das Album „Worth The Price“ war mit eines der ersten meiner langsam zu wachsen beginnenden CD-Sammlung. Ich hatte mir erst zu meinem dreißigsten Geburtstag einen CD-Player gegönnt und mich bis dahin noch immer weitestgehend an LPs festgeklammert. Grundlage meiner Kaufentscheidung zu „Worth The Price“ war der Song „The House Always Wins“, ein schöner, bedrohlich wirkender, swampiger Southern Rocker mit klasse Gesang von Lenny, wunderbar integrierter E-Gitarren-/E-Slide-Kombisolopassage und herrlich rotzigen, weiblichen Backs.

Aber auch das sehr abwechslungsreich gestaltete ‚Drumherum‘ um dieses Lied passte. Midtempo-Stücke, immer mit diesem unterschwelligen, souligen Southern-Ambiente wie „You“, „Hard Life“, das klug verschachtelte Titelstück (erinnert ein wenig an die späteren Hands On The Wheel), „Not Gonna Cry No More“ (immer wieder mit diesen herrlichen Backs von Theresa Anderson und Nora Wixted bestückt), Piano-trächtige, ein wenig an Billy Joel angelehnte Tracks wie „“Rescue Me“ und „That Was The Time“ oder herrlich relaxte Nummern der Marke „Rosa“ (die damalige Single war mit dem dazugehörenden Videoclip ein Hit in Frankreich, wunderbare Akkordeonbegleitung von Christine Schmid), „It Hurts My Heart“ (geniales Slide-Solo von Tommy Malone) oder „Letter To My Brother“ (grandioses klassisches Akustikspiel im Al Di Meola -/John McLaughlin & Co.-Stil von Frederic Koella) lassen erahnen, was dabei raus kommt, wenn ein durch New Orleans-geprägter, hochtalentierter Singer/-Songwriter, mit einer tollen Stimme sich dem rockmusikalischen Savoir-vivre hingibt.

Nicht zu vergessen auch am Ende das schön bluesige „It’s Gonna Be Alright“ (schönes Orgel-/Piano-Zusammenspiel, gospelige Backs) in ähnlicher Art eines Lee Roy Parnells. Erstaunlich auch, welch grandiose Produktion Carlo Ditta und Steve Valentino schon zu dieser Zeit hinlegten. Jedes einzelne Instrument ist, wie auf dieser CD im 10-seitigen Faltbooklet (mit allen Texten – ich weiß nicht, ob die heute zu erwerbende Version auch noch so erhältlich ist) aufgeführt, auch explizit herauszuhören. Der variable McDaniel und seine Mitstreiter erzeugten auf „Worth The Price“ ein spürbar hochqualifiziertes, sehr filigranes Musik-Ambiente. Ein echter Hörgenuss! Wer an diesem Werk Gefallen findet, wird sich vermutlich auch den guten Nachfolger „Tired Angels“ zulegen, der eine Spur rockiger ausfiel.

Sky Ranch Records (1994)
Stil: Southern Soul

01. You
02. Rescue Me
03. Rosa
04. Hard Life
05. It Hurts My Heart
06. Worth The Price
07. The House Always Wins
08. That Was The Time
09. Letter To My Brother
10. Not Gonna Cry No More
11. It’s Gonna Be Alright

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Steve Mednick / Ambling Toward The Unknown – CD-Review

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Steve Mednick ist neben seinem musikalischen Treiben in erster Linie Rechtsanwalt. Rechtsanwälte kann ich, um ehrlich zu sein, überhaupt nicht ausstehen. Ich halte sie neben einigen anderen Gruppierungen unserer immer unerträglicher werdenden Gesellschaft für eines der großen Grundübel unserer Zeit, wobei mir natürlich nicht fremd ist, dass man solche Sachen eigentlich immer differenziert betrachten muss und keine Allgemeinurteile fällen sollte.

Aber, wenn ich allein schon an meinen nervtötenden, arroganten, Klassik-liebenden Nachbarn (man fragt sich, vor allem angesichts seines verkorkstem Lebens und asozialen Verhaltens, warum) denke, der bei mir ständig im Innersten teuflischste Mordgelüste erweckt und ich dabei noch gewisse äußerliche Ähnlichkeiten zu einem Mednick-Foto im Inneren des Digipacks konstatieren muss, sollte ich sofort mein Review-Mandat zu „Ambling Toward The Unknown“ wegen Befangenheit niederlegen und die CD in die Kollegenrunde weiterreichen.

Tolerant und profihaft, wie sich der Countryman aber in letzter Instanz gibt, habe ich mich nach dem mehrmaligen Durchhören des Werkes dann doch entschlossen, dieser schon länger existierenden Scheibe ein paar Zeilen zu widmen. Zum einen, weil die Biografie hervorbringt, dass er sich als engagierter Bürgerrechtler verdient gemacht hat und sich zudem auf diesem Werk als Bush-Gegner („Time For A Change“) profiliert. Das macht den Rechtsanwalt, wie auch den Musiker und Menschen Steve Mednick sympathisch.

Rein musikalisch gesehen bietet der Protagonist einen etwas kauzigen Roots Rock an der Schnittstelle zum Singer/Songwritertum mit einigen netten Songs (aber auch kleinen Hängern und Längen) und zum Teil ganz markanten E-Gitarrenleistungen (gut hier Billy Kotsaftis).
Die Stimme Mednicks pendelt irgendwo zwischen einem John Hiatt und Bottle Rockets-Frontman Brian Henneman und erzeugt naturgemäß letztendlich auch Assoziationen zur Musik benannter Künstler, allerdings eher in der ‚mit angezogener Handbremse‘-Version und ohne sicher auch deren Breite in der Publikumsgunst erreichen zu werden.

Insgesamt ein typisches Independent-Album, dass man sich in ruhigen Stunden mal bei einem Gläschen Wein gemütlich reinziehen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Zumindest ist es ihm gelungen, meine negative Sicht in Bezug auf seine Berufszunft abseits des Künstlerlebens ein wenig aufzupolieren!

Eigenproduktion (2007)
Stil: Americana

01. Wherever Path Lead
02. St. Lucia Morning
03. Howard’s Run
04. Words
05. State Road 55
06. Rules Of Order
07. A Lost Child
08. To A Distant World
09. Grave Rolling
10. Prelude To The Fall/Jacksonville
11. Devil In The Woods
12. Time For A Change
13. A Silent Surge

Steve Mednick
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Hemifrån

Melanie Dekker – 30.05.2009, ABC-Keller, Kamp-Lintfort – Konzertbericht

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Dinge gibt es! Da muss man erst rein zufällig ein Review über eine bis dato mir völlig unbekannte kanadische Künstlerin schreiben, um mit der Nase auf einen tollen Club gestoßen zu werden, der quasi nur einen Katzensprung von der heimatlichen Wohnung entfernt liegt.
Und so war es halt auch im Falle Melanie Dekker. Da lag vor längerer Zeit ihr letztes Werk „Acoustic Ride“ ohne vorherige Order im Briefkasten. Die Scheibe gefiel mir von Anfang an sehr gut und bekam demnach auch die verdient löbliche Kritik. Umso schöner, als ich neulich dann einige Konzerttermine der netten Dame in unserem Lande zur Kenntnis nehmen durfte. Etwas ungläubig sah ich, dass ein Gig in Kamp-Lintfort, eine direkte Nachbarstadt meines Heimatortes Rheinberg, stattfinden sollte. Wie um Himmelswillen kommt dieses Mädel nach Kamp-Lintfort, in einen Club mit dem ominösen Namen ABC-Keller, dachte ich spontan.

Wie die übliche Recherche im Vorfeld dann ergab, existiert die Location schon einige Jahre und auch Melanie Dekker wie auch die mir bestens geläufige Steve Schuffert Band gaben dort bereits ihr Stelldichein. Es folgte die unweigerliche Akkreditierungsanfrage, die wenige Tage später bestätigt wurde. Am Tage des Geschehens fuhren meine Gattin und ich, ehrlich gesagt, trotzdem mit recht gemischten Gefühlen los, weil der Termin Pfingsten in Kombination mit dem DFB-Pokalendspiel bei solch speziellen Acts nicht gerade Unmengen an Publikum verheißen ließ. Aber weit gefehlt. Es fanden sich immerhin 110 Leute in dem mit viel Liebe, wunderbar schummrig mit Kerzenlicht, ausgestatteten Kellergebäude ein und trugen zu einer ausgelassenen Stimmung für einen gelungenen Singer-/Songwriter-Abend bei.

Wir wurden sofort vom Mitinhaber des ABC-Kellers, Ulrich op de Hipt, nett begrüßt und wie die Welt dann so klein ist, lief ich direkt auch noch seinem Schwager Mathias in die Arme, der mit mir lange Jahre recht hochklassig die Tischtenniskeule geschwungen hatte (ich meine, wir hätten in grauer Vorzeit auch mal einen gemeinsamen Doppeltitel errungen). 20:20 Uhr betraten dann Melanie Dekker (in Adidas-Trainingsjacke und Stöckelschuhen, das hatte schon was…) und ihr langjähriger musikalischer Partner Jason Nett die Bühne und wurden vom augenscheinlich fachkundigen Publikum schon fast wie alte Bekannte aufgenommen. Der eröffnende Ohrwurm „Haven’t Even Kissed U Yet“ von ihrem „Revealed“-Album trug dabei direkt zu einer Wohlfühlatmosphäre bei, die sich wie ein roter Faden durch die knapp zwei Stunden Nettospielzeit, inklusiv dreier Zugaben (u.a. „Lullaby“, „Sweet Bitter“), ziehen sollte.

Semiakustische Abende mit nur zwei Protagonisten sind meist sehr speziell, ja fast persönlich und von ihren Möglichkeiten naturgemäß recht begrenzt. Von daher sind absolutes Können und hohe Entertainerqualitäten schon fast ein unbedingtes Muss, um solch eine Performance bei Laune zu halten. Dekker trug viel mit ihrer charmanten Art dazu bei, glänzte mit einer sehr variablen Gesangsbreite, die sich in Sphären von einer
Melissa Etheridge bis hin zu ihrer berühmten Landsmännin Shania Twain erstreckte. Des weiteren beschränkte sie sich auf ein konsequentes Gitarren-Rhythmusspiel, für die filigrane Feinarbeit mit virtuosen Fill- und Solo-Einlagen zeigte sich ihr männliches Pendant Jason Nett verantwortlich, der auch diverse, gut passende Harmoniegesänge mit beisteuerte.

So verlief der erste Part über „Meant To Be“ , „Shakespeare Says“, dem vom Tempo variantenreich gestalteten „Blush“, dem autobiografischen „Calling“, das der Mutter gewidmeten „Speechless“ bis zur ersten Solodarbietung von Jason (grandiose mehrstimmig allein gespieltes Akustikinstrumental – man hatte vom Klang her das Gefühl, nicht er alleine, sondern mindestens fünf weitere Gitarristen wären auf der Bühne, Jason ergatterte dafür tosenden Applaus) wie im Fluge. Nach einer kurzen Pause ging es mit dem flockigen „I Said I“ (laut Melanie in Kanada ein kleiner Hit) weiter. Es folgte dann die wohl stärkste Phase. Erst das herrlich groovige „This Song“, dann der wunderschöne Opener von ihrem „Acoustic Ride“-Album „We’re The Angels“ und mein persönliches Lieblingslied „Can’t Stop Laughing“ (fulminantes Solo von Jason), bei dem das Herz des Rezensenten einfach lacht.

„Somebody’s Baby“, „Hollow“, das fröhliche „Wishful Thinking (Echo Song)“, „Fall In (Wounded Soldier)“, ein weiteres umjubeltes Jason Nett-Solo-Special, ein herrlich grooviger Song, der mich ein wenig an den Stretch-Klassiker „Why Did You Do It“ erinnerte (war es „Flirtin'“?), das poppige „Little Miracle“ bis zum finalen, sehr ruhigen „Stare At The Rain“ waren dann die Stationen eines sehr überzeugenden zweiten Parts. Die heftig eingeforderten o.a. Zugaben rundeten eine in sich stimmige, abwechslungsreiche und qualitativ hochwertige Singer-Songwriter-Performance mit viel Augenmaß ab.

Melanie Dekker und Jason Nett bewiesen einmal mehr, dass man für kleines Geld oftmals sehr viel mehr geboten bekommt (vor allem die persönliche Nähe zum Künstler) als das heute übliche, anonyme Abzocke der sogenannten großen Bands, die aber leider von Otto-Normalhörer weiter protegiert werden, koste es, was es wolle. Von daher nochmals auch von unserer Seite ein großes Lob an Leute wie Ulrich op de Hipt, die mit ihrem Engagement solche Events erst möglich machen. Dieser gewährte uns nach dem Konzert noch einen interessanten Einblick in die Katakomben des ABC-Kellers (ein ehemaliger Schutzbunker im 2. Weltkrieg), den er selbst als begeisterter Musiker (Keyboarder der Funk-Soul-Band 9 Men High) sich zu einer Art Spielwiese (Jam-Studio/VIP Bereich/ eigenes Tonstudio mit modernster Technik) in eigener Sache umgebaut hat, und damit (laut eigener Aussage) so manche, im Keller auftretende Künstler in ungläubiges Staunen versetzt hat.

Im Anschluss hatte ich sogar noch die Gelegenheit mit Melanie einen kurzen Smalltalk zu führen. Wir tauschten unsere E-Mailadressen aus und sie schenkte mir dankenswerter Weise dazu noch ihr ebenfalls sehr zu empfehlendes Album „Revealed“. Ein rundum gelungener Abend also, wobei ich den hoffentlich meinem Geschmacksspektrum kompatiblen nächsten Gigs (Melanie mal mit kompletter Band oder The Band Of Heathens als absoluter Knaller vielleicht…?) schon jetzt entgegenfiebere. Hat richtig Spaß gemacht!

Line-up:
Melanie Dekker (lead vocals, guitars)
Jason Nett (guitars, vocals)

Melanie Dekker
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