Melanie Dekker – Acoustic Ride – CD-Review

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Wie sagt man doch oft so schön im Volksmund. »Hier wäre Weniger Mehr gewesen«. Und auch in diversen Reviews ist diese Aussage sicher schon öfter mal vom Stapel gelassen worden. Im Falle des aktuellen Albums „Acoustic Ride“ von Melanie Dekker muss ich das Statement zu meinem eigenen Leidwesen (und dem des potentiellen Käufers) in folgenden Slogan ummünzen. ‚Hier wäre Mehr eindeutig Mehr gewesen!‘

Dabei gibt es komischerweise am reinen Gehalt dieser Scheibe überhaupt nichts zu meckern. Die kanadische Dame mit holländischen Eltern sieht blendend aus (was im Layout der CD nachhaltig untermauert wird – Booklet mit allen Texten, nette Bilder der Protagonistin), schreibt in Singer/Songwriter-Manier tolle Stücke mit viel Gefühl für klasse Melodien, hat eine angenehme, leicht rauchige Stimme (irgendwo zwischen Shania Twain, Kim Carnes, Melissa Etheridge und Ann Wilson) und zupft ausgezeichnet die Gitarre.

Beim Einspielen der Lieder wurden nur die auch an der Produktion mitwirkenden Jason Nett und Eric Reed beteiligt, die neben Gitarrenparts auch noch ganz dezent mit Mandoline und Piano zu glänzen wissen. Die Songs bewegen sich in Bereichen von entspanntem semiakustischem Pop und Rock mit leichtem Indie-, (Sarah Bettens fällt mir da auch noch als Vergleichsmuster ein) Country- und Folk-Touch, was natürlich Dekkers variabler Stimme in diesem Fall als zentrales Moment entgegenkommt.

Wenden wir uns wieder meinen einleitenden Worten zu. Ich vermisse hier leider den Bass und auch das Schlagzeug (man hat komplett darauf verzichtet), die den Songs, die zweifellos auch so wunderschön sind, noch mehr Volumen, Pepp und vor allem Abwechslungsreichtum verliehen hätten. Zum anderen sind neun Lieder für eine CD etwas mager. Angesichts des kreativen Potentials von Melanie hätte sie sicherlich locker noch drei Lieder aus dem Ärmel schütteln können oder man hätte zumindest noch ein paar prägnante Tracks von irgendwelchen früheren Live-Auftritten als Bonus hinzufügen können.

So kommt man sich nach einer halben Stunde vor, wie Einer, der nach schweißtreibender sportlicher Betätigung mit einem Mordsdurst an die Theke kommt und der Wirt nach der Bestellung trocken erwidert, dass das Bier alle sei. Apropos Bier. Das Mrs. Dekker auch mit eigenwilligem Humor ausgestattet ist, bewies sie bei einem Auftritt im legendären Rainbow in Horb-Altheim. Dort goss sie sich zur Verblüffung der anwesenden Zuschauer ein ihr gereichtes Gerstensaftgetränk am Ende des Gigs spontan über die eigene Mähne, mit der Anmerkung, dass dies doch gut für die Haare sein soll.

Wie dem auch sei, bei Melanie Dekkers sehr schönem Silberling „Acoustic Ride“ wäre Mehr letztendlich wirklich Mehr gewesen. ‚In der Kürze liegt die Würze‘ lasse ich hier nicht gelten. Diese Dame braucht angesichts ihres Könnens nicht rumzugeizen (was das Outfit betrifft ist das ok, über das kurze Röckchen auf dem Cover- und Backcoverbild sehe ich einfach mal großzügig hinweg… ). So bleiben mir am Ende nur die flehenden Worte an die Protagonistin. Melanie, beim nächsten Mal gib uns bitte etwas mehr von dir!

Eigenproduktion (2007)
Stil:  Singer / Songwriter

01. We’re The Angels
02. Meant To Be
03. Wishful Thinking (Echo Song)
04. Oh Yeah
05. Your Heart Beating
06. Right
07. Can’t Stop Laughin‘
08. Tell Me That I’m Wrong
09. Soul Back

Melanie Dekker
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