The Infamous HER – Untitled – CD-Review

Es kommt eigentlich eher selten vor, dass man die Titel eines neuen Werkes schon kennt, bevor man Files vorab gesendet oder das Album frühzeitig vor VÖ bekommen hat.

So aber geschehen bei The Infamous Her, alias Monique Staffile Sherman, die so gut wie alle Titel ihres noch nicht offiziell veröffentlichten Albums bei ihrem unterhaltsamen Gig auf dem Freideck der Kölner Kantine mit ihrer Band präsentierte und so nett war, mir eine Art Vorab-CD zu einem erst im März 2026 folgenden Album (deswegen auch erstmal mit „Untitled“ benannt) nach Ende des Konzerts in die Hand zu drücken.

„We will possibly add a few more songs, and a new title. This CD was just a “taste“ of what’s to come,“ so Monique zur Intention der Sache.

Nach einem kurzen Instrumentalintro („Ode To Scarlette“), beginnt der Silberling zu meiner Freude mit dem Mandoline-verzierten „Roll Back Down“ recht countryesk (in Richtung alter Her & Kings County-Zeiten), gleiches, dann nochmals beim vorletzten Track „Home“, das von schönen Dobro-Fills durchzogen ist.

Dazwischen geht es dann, wie schon beim launigen Gig in der Domstadt, überwiegend mit keltischer geprägter Fröhlichkeit in einem bunten Reigen weiter, der von elfenhaft („Ocean Mary“ – da singt sie wie Kate Bush), über dezent punkig („Born Outta Step“ – mit Pogues-Flair) bis hin zu rebellisch (u. a. „Hell Accept You“, „Burning Down The Garden“) reicht und somit Moniques energiegeladenes Naturell perfekt widerspiegelt.

Der Abschluss mit „Rainbow Connection“ lädt zu biergeschwängertem Mitsingen förmlich ein. Das Lied hat meines Erachtens so etwas von „Always Walk Of The Wild Side Of Life“ aus dem berühmten Monty Python-Film und passt dann ja auch wieder schön zum Lifestyle der Protagonistin. Wie schon in Köln auch hier ein gut gewählter Rausschmeißer.

Wer es musikalisch gerne auch zuhause etwas bunter und wilder bevorzugt, für den ist das Vorabwerk von The Infamous HER eine absolut gute Wahl.  Sollte man den Kauf von „Untitled“ bei den Gigs versäumt haben und die Wartezeit bis März 2026 nicht aushalten können, muss man die Band vermutlich direkt kontaktieren, vielleicht sind ja noch vereinzelte Exemplare erhältlich.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Rock / Pop / Heartland

01. Ode To Scarlette
02. Roll Back Down
03. Ocean Mary
04. Born Outta Step
05. Be My Lover
06. Hell Accept You
07. Burning Down The Garden
08. I Swear
09. Tied To The Tracks
10. Home
11. Rainbow Connection

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The Infamous HER – 28.08.2025, Freideck Kantine, Köln – Konzertbericht

Es sind tatsächlich schon wieder sechseinhalb Jahre vergangen, als wir Monique Staffile Sherman & Co. alias The Infamous HER zuletzt  live erlebt haben. Damals noch vor Corona, während eines hier eher seltenen Wintereinbruchs mit ordentlichem Schneefall.

Mittlerweile ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen und Sie und ihr langjähriger Weggefährte Caleb Sherman, der heimliche Leader im Hintergrund des Kollektivs, sind verheiratet.

Angesichts ihres farbenfrohen Erscheinungsbilds auf der  Bühne des Freidecks an der Kantine, musste ich sofort schmunzelnd an ein Buch eines mehrfach prämierten Werbefachmanns und Autors denken, in dem er Anfang der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gegen die damalige, überwiegend von Humorlosigkeit geprägte Damenemanzipationswelt in unserem Lande, provokativ stichelte.

‚Wenn aus bunten Schmetterlingen graue Mäuse werden‘ hieß da ein Kapitel und beleuchtete die Entwicklung des weiblichen Parts vor und nach Eintreten in dieses o. a. Bündnis fürs Leben. In dieser Hinsicht scheint da, wie es dann auch der ‚bunte‘, launige, gewohnt zwischen Chaos, Rebellion und Rock’n’Roll pendelnde Gig offerierte, in Bezug auf die Protagonistin des Abends, erstmal jegliche Gefahr gebannt zu sein.

Die Band trat zum ersten Mal, soweit ich mich erinnere im Quintett auf, die Hinzunahme des zweiten Gitarristen Colton Jones erwies sich als gelungene Belebung. Der spielte nicht nur viele starke konventionelle Soli, sondern bevorzugte, statt des Bottlenecks, für seine Slideeinlagen, ausschließlich eine 0,33 Liter Bierflasche.

Neu war auch die starke Gesangseinbindung der Bandmitglieder, wovon sich der ’neue‘ Drummer Tyler Kloewer besonders im zweiten Part bei einem zünftigen Bluegrass Jam Medley bei den Lead Vocals hervortat. Gatte Caleb Sherman ‚dirigierte‘ die Songs mehr durch Variabilität mit unterschiedlichem Instrumenteneinsatz wie E-Gitarre, Banjo und Akkordeon.

Im Mittelpunkt der beiden Sets stand das neue Album „Untitled“, das mit den gespielten Tracks wie „Roll Back Down“, „Ocean Mary“ (mit Kate Bush-Flair, zusätzliche Gesangsparts von Bassist Stoye und Kloewer) und dem ’straight to the point‘-Kracher „Be My Lover“ (schön rockig mit Slide-Solo), „Tied To The Tracks“ und „Born Outta Step“ im ersten Teil sowie dem countryesken „Burning Down The Garden“, „Hell Accept You“, „Rabbit Hole“ (wie eine Mischung aus AC/DC, Stones, Led Zeppelin und den Kinks) und  dem Schunkler „Rainbow Connection“ (mit Monty Python-Note“) als Zugabe im zweiten Abschnitt, das En gros der Spielzeit einnahm.

Auffällig war diesmal der stark keltische Einschlag der Nummern, man hatte teilweise das Gefühl, im Biergarten eines irischen Pubs zu sitzen. Monique (nach wie vor ein Blickfang – „Ich träume heute Nacht wohl von Spiegeleiern“ konstatierte ein Sitznachbar angesichts der drapierten Stoff-Applikationen auf ihrer teildurchsichtigen Bluse …), überzeugte mit ihrer gewohnt mitnehmenden, sympathischen, engagierten, wibbeligen, frechen und gelenkigen Performance auf der Bühne, als natürlich auch am Mikro.

Die gut hundert Anwesenden ließen The Infamous HER an diesem frohlockenden Freiluftabend (auch der Wettergott spielte trotz dunkel aufziehender Wolken mit) demnach auch nicht ohne Zugaben ins Feierabendbier. Die Band bedankte sich angesichts der guten Stimmung mit gleich drei weiteren Tracks („Fat Bottom Girl“, „Get On Down The Road“ sowie das o. a. „Rainbow Connection“).

Nach dem Konzert gab es noch ein wenig Smalltalk mit Caleb (der fragte sofort nach unserem großen Logo-Schild) und Monique, wobei wir unsere gemeinsame Passion für Haustiere entdeckten, die es nicht so leicht im Leben hatten. Monique drückte mir dann noch ein Exemplar des neuen Werks „Untitled“ in die Hand, dessen Besprechung dann  naturgemäß demnächst im SoS folgen wird. Insgesamt mal wieder ein lohnenswerter Abend. Somit sind The Infamous HER in dieser Hinsicht auch in Zukunft gesetzt, wenn ein Gig in unserem Einzugsgebiet ansteht.

Line-up:
Monique Staffile (lead vocals, acoustic guitar)
Caleb Sherman (electric guitar,banjo, accordion vocals)
Tyler Kloewer (drums, percusssion, vocals)
Colton Jones (electric guitar, banjo, vocals)
Jonathan Stoye (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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