David Nail – The Sound Of A Million Dreams – CD-Review

David Nail ist einer dieser typischen Musiker, bei denen man – von den ersten gehörten Klängen an – sofort das in ihnen steckende Potenzial erahnt. Seine bisherige Geschichte ist schnell erzählt. Der smarte Frauentyp stand zunächst vor der Entscheidung zugunsten einer Sport- oder einer Musikerkarriere. Nachdem aus gesundheitlichen Gründen die Wahl auf Letzteres fiel, ergatterte er Anfang des Jahrtausends einen ersten Plattenvertrag. Seiner ersten Single war der erwartete Erfolg jedoch nicht vergönnt und so entschied sich das damalige Mercury-Label den dazu geplanten Longplayer einzustampfen.

Der aus Missouri stammende Nail blieb trotz jeder Menge Frust hartnäckig und ergatterte bei der gleichen Musikgruppe (allerdings einem anderen Unterlabel) eine weitere Gelegenheit, auf dem Musiksektor Fuß zu fassen. Beim 2009er Album „I’m About To Come Alive“ und den drei ausgekoppelten Singles (davon landete „Red Light“ zumindest auf Platz 7 der Country-Charts), merkte man noch allgegenwärtig den Versuch des Labels, Nail kommerziell zu etablieren. Insgesamt trotzdem ein gutes Werk, wenn auch wieder mit eher bescheidenem Erfolg. Für viele seiner Kollegen/innen oft gleichbedeutend mit dem Genickbruch in Sachen Vertragsverlängerung bei einer Major-Group.

Mit seinem aktuellen Werk „A Sound Of A Million Dreams“ verhält sich die Sache allerdings anders. Das Label zeigte völlig überraschend mal einen langen Atem, und gewährte ihm deutlich mehr künstlerischen Freiraum, was sich besonders in der Spielzeit der Tracks bemerkbar macht (fast alle liegen deutlich über vier Minuten). Und paradoxerweise landete David ausgerechnet jetzt mit „Let It Rain“ seinen ersten Nr. 1-Hit (emotional vorgetragene Powerballade, klasse Harmoniegesänge von Sara Buxton).

Die neue Platte offenbart dabei ganz eindeutig, dass Nail eher im nach allen Richtungen offenen Singer/Songwriter-Gefilde seine Stärken am besten ausleben kann. So pendelt die Scheibe auch recht gekonnt zwischen New Country, Pop, Rock und, in weitestem Sinne, melodischem Roots Rock. Nicht von ungefähr leiht Will Hoge beim grandiosen Abschlusslied „Catherine“ seine Stimme für die im Refrain ergänzenden Vocals (dazu göttliches Slidespiel von Doug Pettibone). Ein weiterer prominenter Gast ist Lee Ann Womack beim feinen, der Arbeiterschicht gewidmeten „Songs For Sale“.

Nail, der drei der insgesamt elf Stücke mitkreiert hat, weist (ähnlich wie Tim McGraw) ein tolles Gespür bei der Auswahl der Fremdlieder auf. Klasse, seine neue Version von Keith Urbans „Desiree“, ein Stück aus der Zeit, als der heutige Megastar mit seiner Begleitband The Ranch noch auf völlig unkommerziellen Pfaden wandelte. Schön dezent und trotzdem sehr atmosphärisch, „Half Mile Hill“ aus der Feder von Mark Selby und Gattin Tia Sillers. Oder der starke, pianogeprägte Titelsong „A Sound Of A Million Dreams“, geschrieben von Nashville-Musiker/Pianist/Songwriter Phil Vassar, der so ein wenig an Marc Cohns „Walking In Memphis“ (saustarke Piano-Performance von Chuck Leavell) angelehnt ist. Da wundert man sich, dass Vassar das Lied nicht für sich selbst verwendet hat.

Bei vielen Songs mit einer leicht poppigen Note („She Rides Away“, „I Thought You Knew“, „That’s How I’ll Remember You“) könnte man aufgrund Davids oft genäseltem Gesang fast meinen, einen Christopher Cross hätte es in New Country-Gefilde verschlagen. Dass er es aber auch mal kräftig krachen lassen kann, beweist er direkt beim Opener „Grandpa’s Farm“, ein Stück, das bereits von Adam Hood (der das Lied auch mitkreiert hat) und Frankie Ballard (ebenfalls ein hochtalentierter Nashville-Jungspund, sau-talentierter Gitarrist) auf ihren letzten Silberlingen musikalisch aufgegriffen wurde. Nail entschied sich hier für eine swampige, brodelnde Countryrock-Version (herrliche weibliche Uuuh- und Aaah-Backs von Kim Parent und Joanna Cotton, rassige Banjopassage am Ende von Ilya Toshinsky).

David Nail hat mit seinem Zweitwerk „A Sound Of A Million Dreams“ einen ganz gewaltigen Schritt nach vorne gemacht (und das Ende der Fahnenstange ist sicher längst noch nicht erreicht…). Hier stimmt es von der Auswahl der Stücke mit klugen Texten, der tollen Produktion (Chuck Ainlay, Frank Liddell, Glenn Worf), Nails markantem Gesang bis hin zu den umwerfenden Instrumentalisten (u.a. Chuck Leavell mit phantastischer Piano- und B3-Arbeit, den filigranen Gitarristen Ilya Toshinsky, George Marinelli, Doug Pettibone sowie Drummer Fred Eltringham, Bassist Glenn Worf und Steel-Virtuose Dan Dugmore) einfach alles. Hammer-Album! Man kann nur attestieren. David Nail hat hier mit dieser CD den Nagel frontal auf den Kopf getroffen!

MCA Nashville (2011)
Stil: New Country

01. Grandpa’s Farm
02. Songs For Sale
03. Desiree
04. She Rides Away
05. Let It Rain
06. I Thought You Knew
07. Catch You While I Can
08. Half Mile Hill
09. That’s How I’ll Remember You
10. The Sound Of A Million Dreams

11. CatherineDavid Nail
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Bärchen Records

David Nail – I’m About To Come Alive – CD-Review

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Sehr schöner, qualitativ hochwertiger New Country mit jeder Menge Hitpotential! David Nail hat es wohl seinem Talent und seiner Hartnäckigkeit zu verdanken, dass es vielleicht doch noch mit einer großen Karriere im Music City klappen könnte. Auch er ist einer der vielen Künstler, die mit den Irrungen und Wirrungen der Labelentscheidungsträger zu kämpfen haben und hatten, in seinem Fall sogar schon, bevor es überhaupt richtig losging. Nail hatte 2002 bereits bei Mercury Records einen Major-Vertrag in der Tasche, doch die vorab herausgebrachte Single erreichte nur Platz 52 der Billboard-Charts. Der sich nur mäßig herauskristallisierende Erfolg weiterer an die Radiostationen verschickter Songs veranlasste das Label schließlich Nails geplantes Debüt auf Eis zu legen.

Der aus einer Kleinstadt im Südosten von Missouri stammende Nail zog sich danach zunächst gefrustet zurück und arbeitete fortan als Jugendtrainer einer Baseballmannschaft. Über Brian Wright, dem Vizepräsidenten der mittlerweile unter dem Dach der Universal Group beherbergten Label Mercury Nashville und MCA Nashville kam der Kontakt zu Frank Liddell zustande, der nun gemeinsam mit Mike Wrucke (beide arbeiteten schon zusammen für Miranda Lambert) David Nails MCA-Debüt „I’m About To Come Alive“ produzierte. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, Nail eine zweite Chance zu gewähren.

Der Silberling steckt voller fein instrumentierter Songs (herrlich, solch großen Könnern wie u.a. Chuck Leavell, -z.B. The Allman Brothers Band, The Rolling Stones-, Waddy Wachtel, -die „alte“ californische Gitarren-Legende, die u.a. Linda Ronstadt und Jackson Browne begleitete-, Mike Wrucke, Kenny Greenberg, Glenn Worf, Dan Dugmore, Jim Hoke, u.s.w. zuzuhören), die einerseits zwar vorwiegend im Midtempo- und Balladen-Bereich angesiedelt sind, andererseits aber knackig und kraftvoll daherkommen, und richtig Laune machen. Die Radiostationen werden dies diesmal wohl kaum ignorieren können.

Das vorab veröffentlichte Titelstück „I’m About To Come Alive“, im übrigen ein Coversong der amerikanischen Alternative Rock Band Train (mit klasse Gitarren , Steel und tollen Harmonies von Nathalie Hemby, dazu ein kräftiger Refrain), erreichte immerhin die Top 50 der Charts, mit der zweiten Single, dem von einem dezenten Heartland-Flair durchzogenen, sehr flockigen und melodischen „Red Light“ (zur Zeit Platz 24, Tendenz steigend) scheint der Durchbruch nun möglich zu sein. Absolut herauszustellen ist allerdings mit „Mississippi“ der großartige Auftakt dieses insgesamt sehr gelungenen Longplayers. Was ist das für eine Wonne, hier dem exzellenten Klavierspiel des Tastenvirtuosen Chuck Leavell zu lauschen (auch Co-Writer dieser voller Südstaatenatmosphäre durchströmten Ballade; die ein wenig an das alte „New Orleans Ladies“ von Louisiana’s LeRoux zu erinnern scheint). Dazu das zündende E-Gitarrenspiel von Mike Wrucke und Waddy Wachtel (klasse Solo) und die bezaubernden Background Vocals ein Natalie Hemby betören.

An Nails ehrfürchtig wirkendem Gesang spürt man förmlich, dass der realisiert hat, Teilhaber an einer ganz großen Nummer sein zu dürfen. Das ist erstklassige, nach dem Süden „riechende“ New Country-Musik, deren zwischendrin eingestreute Streicher überhaupt nicht stören! Nails kompositorisches Talent kommt bei gleich vier Tracks zum Tragen („Again“ – peppig, dezentes, unterschwelliges U2-Feeling in der Gitarreninszenierung; „Clouds“ – entspannt, aber kräftiger Refrain, fettes E-Gitarren-Solo; „This Time Around“ – ein wenig poppig, rhythmisch, in „männlicher Shania Twain-Manier“; und „Missouri“ – rootsig, mit schönem Dobro, atmosphärische Streicher, wieder tolle „Backs“ von Hemby).

Dazu hat auch der starke Songwriter Scooter Caruso einen erheblichen Anteil an der Gestaltung der Stücke. Mit Gary LeVox (Rascal Flatts-Sänger) bei „Summer Job Days“ (im typischen RF-Stil mit ruhigem Strophengesang, emotionalem Refrain und immer kräftiger werdendem Songverlauf, surrendes E-Gitarren-Solo von Kenny Greenberg) und Kenny Chesney bei „Turning Home“ (New Country-Ballade mit Southern-Teint, Steel, Mandoline, Piano, Twin Gitarren -erinnert vom Gesang her ein wenig an Garth Brooks), kann Nail zudem auf hochkarätige und sehr prominente Unterstützung beim Songwriting zählen. Sicher auch ein Beweis in das in ihn (zu Recht) gesetzte Vertrauen. Ein weiteres Highlight ist das von Scooter Caruso und Aimee Mayo kreierte „Strangers On a Train“, wobei neben dem unnachahmlichen Harmonikaspiel von Jim Hoke auch Miranda Lamberts schön eingeflochtene Harmonies zentrale Akzente setzten.

Und somit schließt sich wieder der Kreis zu Produzent Frank Liddell, der das ganze Werk mit einem glasklaren Sound veredelt hat. David Nail hat mit „I’m About To Come Alive“ einen ersten Schritt in Richtung einer vielversprechenden Karriere gemacht (der Frauentyp dürfte auch bei der weiblichen Klientel bestens ankommen). Das Album könnte aufgrund des bereits erwähnten, erheblichen Hitpotentials zu einem der Überraschungen dieses Jahres in Nashville avancieren. Nail hat bewiesen, dass er durchaus das Zeug besitzt, sich problemlos in der Riege von Leuten wie Billy Currington, Josh Gracin, Brian McComas, Craig Morgan, Steve Azar & Co. einzureihen. Ein klasse Debüt!

MCA Nashville (2009)
Stil: New Country

01. Mississippi
02. I’m About To Come Alive
03. Red Light
04. Again
05. Clouds
06. Summer Job Days
07. Strangers On A Train
08. Looking For A Good Time
09. This Time Around
10. Turning Home
11. Missouri

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